Lade Inhalt...

Die Begegnung von Erec und Enite in Hartmann von Aues "Erec"

Hausarbeit 2009 20 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Quelle und Autor

3. Textanalyse

4. Interpretation

5. Schlussteil

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit behandle ich die Figuren Erec und Enite in der Szene des Artusromans „Erec“ von Hartmann von Aue, in der sie einander das erste Mal begegnen.

Als Einführung liefere ich einige Informationen zum Werk selber und zu dessen Autor Hartmann von Aue, bevor ich mit der Ausarbeitung der Beziehung zwischen den beiden zentralen Figuren der Geschichte beginne.

Hierbei fokussiere ich mich auf die Darstellung von Erec und Enite, als sie einander das erste Mal begegnen.

Die Liebesbeziehung soll erörtert werden, und die verschiedenen Aspekte der Minne sollen aufgezeigt werden, sowie die Funktion Enites und ihre Rolle bei der Entwicklung Erecs.

Wofür stehen die beiden Figuren und wie äussert sich die Minne anhand der Begegnungsszene? Was soll der Text vermitteln und welche verschiedenen Ebenen sind erkenn- oder erahnbar?

Um dies zu bewerkstelligen lautet das Ziel, die Bildlichkeiten und deren Bedeutung zu verstehen und in verschiedene Kontexte zu stellen, wobei ich mit einer Textanalyse beginne und weiters weitere Ebenen aufzudecken versuche und einige Interpretationen liefere.

All dies soll ein Versuch sein, ein Verständnis des Textes durch eine Art Annäherung der vermuteten Verstehenshorizonte von damals und heute zu erlangen. Die Interpretation des Materials sollte nicht aus heutiger literaturwissenschaftlicher Sicht erfolgen (wie dies beispielsweise bei einer psychoanalytischen Interpretation wäre), sondern sollte sich an die Fakten und Arbeitsmethoden der mittelalterlichen Literatur anlehnen und die eigentliche Bedeutung aufzeigen.

In dem Wissen, dass eine absolute Wahrheit niemals aufgedeckt werden kann, soll es eine Anstrengung sein, möglichst nah an diese heranzurücken.

Der Endteil beinhaltet eine kurze Auswertung, zusätzlich werden einige Anmerkungen getroffen.

2. Quelle und Autor

„Erec“ ist ein Artusroman, welcher in Versreimen erzählt wird und zur höfischen Epik gezählt wird.

Obgleich das Werk „Erec“, von Hartmann von Aue, für die deutsche Literatur eine hohe Bedeutung für die nachfolgende deutschsprachige Literatur hatte, sind die Textzeugnisse rar. Zwei Fragmente stammen aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, eines aus Koblenz und eines aus Zwettl. Weitere Fragmente sind die Wolfenblütteler, die in etwa zur Mitte des 13. Jahrhunderts eingeordnet wird, und ein Fragment aus dem 14. Jahrhundert, das in Wien aufbewahrt wird. Die einzige vollständige Version des „Erec“ ist in dem Ambraser Heldenbuch aus dem 16. Jahrhundert erhalten, dessen Schreiber jedoch eine alte und sehr gute Vorlage gehabt haben muss.[1]

Nicht nur die Textzeugnisse des Werks sind spärlich, auch die Informationen über den Autor sind minimal, sodass sie nur ausreichen um einen wagen Umriss der Person Hartmann von Aue zu bilden. Oft nennt er seine Person in den Prologen seiner Werke Hartmann von Ouwe und bezeichnet sich als unfreien Dienstadeligen und Ministeriale. Geringfügige alemannische Spuren in seinen Reimen lassen darauf schliessen, dass seine Herkunftsregion der Südwesten des deutschsprachigen Gebiets, das Herzogtum Schwaben, war. Sein finanzieller Gönner war vermutlich ein führendes Geschlecht der Region. Damals waren dies die Staufer, die Zähringer und die Welfen. Dies begünstigte gewiss räumlich den Einfluss des Französischen und das Gebiet war nahe dem Wirkungskreis von Chrétiens de Troyes, dessen Werke nicht nur Hartmann von Aue als Vorlage nahm, sondern auch Wolfram von Eschenbach. Hartmanns „Erec“ hatte als Vorlage ein Werk von Troyes und nachdem es fertig gestellt worden war, hatte Hartmann von Aue den „deutschen Artusroman“ begründet. Weitere Werke von ihm folgten mit „Gregorius“, „Der arme Heinrich“ und „Iwein“ und sollten Bausteine einer Hochblüte der deutschsprachigen mittelalterlichen Literatur werden. Hartmann von Aue hatte selbst seinen unzweifelbaren Bildungsstand geäussert und seine Werke zeugen von theologischer und philosophischer Kenntnis.

Obwohl es nicht gesichert ist, verfügte er vermutlich über sehr gute französische Sprachkenntnisse, wofür seine Übertragungen Chrétiens sprechen.

Da der Anfang vom „Erec“ über die Jagd auf einen weissen Hirsch fehlt, wird dieser von Chrétiens „Erec et Enide“ übernommen und rekonstruiert.[2]

3. Textanalyse

Der Anfang der Geschichte beginnt damit, dass Erec als Gefolgsmann einer Königin, den Ritter Iders fragen soll, wer er sei, nachdem eine von der Königin gesandte Hofdame vom Diener des Ritters, einem Zwerg, mit einer Peitsche geschlagen wurde. Den unbewaffneten Erec ereilt das gleiche Schicksal und er wird ebenso gedemütigt, was für seinen Stand unannehmbar ist. Daraufhin verfolgt er den Ritter, welcher sich nicht nur in Begleitung des Zwergs, sondern auch einer Dame, befindet, und gelangt in die Burg Tulmein. Auf der Suche nach einer Herberge kommt er in eine armselige Unterkunft, wo er einen alten Greis mit seiner Gemahlin und Tochter vorfindet. Der Greis erlaubt es ihm dort zu verweilen und er erfährt, dass das Haus durch einen Krieg arm geworden sei, aber adelig sei.

In der Burg Tulmein gibt es jährlich einen Wettbewerb, einen Sperberkampf, bei welchem derjenige gewinnt, welcher die schönste Dame als Begleitung hat.

Erec möchte dort mitmachen und fragt den alten Greis, dessen Name Koralus ist, ob seine Tochter ihn dorthin begleiten könnte und er möchte sie nach der Beendigung des Turniers zur Frau nehmen. Vom Greis erhält er dann eine Rüstung, in welcher er einen Kampf gegen Iders bestreiten muss, um die Tochter von Koralus, Enite, als Schönste zu ernennen.[3]

Diese Szene in welcher Erec Enite zum ersten Mal sieht und bei ihrem Vater um sie wirbt, möchte ich genau analysieren und die Minnebeziehung zwischen den beiden Figuren Erec und Enite erläutern.

Die vorhergehende Handlung wird hauptsächlich zeitraffend erzählt, die Erzählzeit ist kürzer als die erzählte Zeit. Lediglich das Treffen mit dem Zwerg wird zeitdeckend wiedergegeben, die Erzählzeit gleicht der erzählten Zeit.

Bei der Begegnungsszene hingegen kommt es zu einer Zeitdehnung. Als Erec Enite erblickt, ist durch die ausgeschmückten Schilderungen die Erzählzeit länger als die erzählte Zeit.[4]

Dadurch lässt sich ein Schema erahnen: Erec durchwandelt Begebenheiten und wird dann beim Zwerg angehalten, wo die Erzählzeit verlangsamt wird und er eine Prüfung bestehen muss, nachdem ihm eine Demütigung widerfahren ist.[5]

Die Erzählzeit wird wieder beschleunigt, bis zu dem Moment, wo Erec Enite erblickt. Die Zeitdehnung lässt erkennen, dass es sich hierbei um eine gewichtige Schlüsselszene handelt. Anmerken muss ich, dass es nur eine kleine Passage ist, jedoch mindert dies nicht den Aussagewert.[6]

Doch nicht nur die Erzählzeit lässt darauf schliessen. Betrachtet man den Text, so kommt man zum Schluss, dass es sich nach Franz Karl Stanzel um eine auktoriale Erzählsituation handelt. Der Erzähler ist allwissend, wertend und tritt nicht selber als Figur in der Geschichte in Erscheinung, sondern vermittelt diese.[7]

[...]


[1] Vgl.: Zinsmeister, S. 18-19

[2] Vgl. Verfasserlexikon, Sp. 500-518

[3] Vgl. Erec, S. 6-21

[4] Vgl. ebd., S. 24-27

[5] Vgl. Erec, S. 10-11

[6] Vgl. ebd., S. 24-29

[7] Vgl. Culler, S. 125-129

Details

Seiten
20
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656663454
ISBN (Buch)
9783656663416
Dateigröße
635 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273928
Institution / Hochschule
Universität Zürich – Deutsches Seminar
Note
unbenotet
Schlagworte
Erec Hartmann von Aue

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Begegnung von Erec und Enite in Hartmann von Aues "Erec"