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Zum Begriff der Idee in Platons Höhlengleichnis und Schopenhauers "Welt als Wille und Vorstellung"

Hausarbeit 2011 24 Seiten

Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Arthur Schopenhauer
2.1 Leben und Wirken
2.2 Die Welt als Wille und Vorstellung
2.3 Die Rolle der Musik

3. Platons Höhlengleichnis
3.1 Platon- Biographie
3.2 Die Ideenlehre und Erkenntnistheorie
3.3 Das Höhlengleichnis
3.4 Die platonische Idee Schopenhauers

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Arthur Schopenhauer zählt zu den bekanntesten Philosophen des 19. Jahrhunderts. Es sind unter anderem die Schriften Immanuel Kants[1] und Platons mit denen sich Schopenhauer beschäftigte. Durch sein Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung, erlangte Schopenhauer einen höheren Bekanntheitsgrad.

In Schopenhauers Philosophie finden sich Parallelen zu Platons Ideenlehre. Das Fundament der Denkungsart beider, jedoch grundverschiedenen Philosophen, sind bei Platon die „Ideen“, bei Schopenhauer der „Wille“. Obwohl Platon über 2000 Jahre vor Schopenhauer lebte, gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Platons Denkansatz, und dem von Schopenhauer, was im Verlauf der Arbeit genauer dargestellt wird. Nicht nur was ihren Ideebegriff anbelangt, sondern auch im Hinblick auf die Musik. Dieser ist sowohl im antiken Griechenland durch Platon, als auch zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch Schopenhauer, eine besondere Stellung eingeräumt worden.

Im Verlauf der Arbeit wird auf das Leben Arthur Schopenhauers genauer eingegangen, sowie auf sein Werk Die Welt als Wille und Vorstellung. Im Anschluss wird die Rolle der Musik im Werk dargestellt. Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit Platon und seinem „Höhlengleichnis“, in welchem seine Ideenlehre und Erkenntnistheorie dargestellt wird. Zuletzt werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Lehren Platons und denen Schopenhauers aufgezeigt.

2. Arthur Schopenhauer

2.1 Leben und Wirken

Arthur Schopenhauer war ein deutscher Philosoph, Autor und Hochschullehrer, der am 22. Februar 1788 in Danzig, Polen geboren wurde[2].

1793 ging die Familie nach Hamburg, „wo sie ihre neue Heimat findet“.[3] Sein Vater, Heinrich Schopenhauer, beabsichtigte, dass sein Sohn eine kaufmännische Ausbildung absolvieren sollte, und „Arthur soll wählen zwischen einer großen europäischen Vergnügungsreise und dem sofortigen Eintritt in das Hamburger Gymnasium, das ihm die Gelehrtenlaufbahn hätte ebnen können“.[4] Schopenhauer entschied sich für die Reise, erlernte dabei die englische Sprache und reiste für ein Jahr nach Holland, England, Frankreich, die Schweiz, Österreich, Schlesien und Preußen[5]. Nach seiner Rückkehr begann er 1805 seinem Vater zuliebe „eine kaufmännische Ausbildung auf sich zu nehmen“[6], brach diese jedoch nach dem Tod des Vaters wieder ab. Er studierte ab 1809 Medizin an der Universität Göttingen, entschied sich aber bald für die Philosophie und brach das Medizinstudium ab.[7] 1813 promovierte er und erhielt den Doktorgrad der Philosophie an der Universität Jena für sein Werk „Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde“.[8] Johann Wolfgang Goethe lud Schopenhauer „im November 1813 zu sich ein“[9] und las als einer der ersten Schopenhauers Werk. 1818 reiste Arthur nach Italien und wurde zwei Jahre später Privatdozent in Berlin.[10] Aufgrund der Cholera- Epidemie 1831 „begibt er sich im Winter nach Mannheim, im Jahr darauf reiste er nach Frankfurt am Main“.[11] „Am 21. September 1860 stirbt der zweiundsiebzigjährige an einem „Lungenschlag“, wie sein Arzt feststellt“.[12] 2010-10-29 23:35:23 Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Über das Sehen und die Farben“ (1816), „Theoria colorum“ (1830), „Über den Willen der Natur“ (1836), „Die beiden Grundprobleme der Ethik: Über die Freiheit des menschlichen Willens, über das Fundament der Moral“ (1841) und „Die Welt als Wille und Vorstellung“ (1819/1844). Dieses wird im Folgenden genauer erläutert.

2.2 Die Welt als Wille und Vorstellung

Der erste Band von Arthur Schopenhauers Werk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ erschien 1819. „In den Jahren 1840- 1843 stellt Schopenhauer den lange geplanten Ergänzungsband zur Welt als Wille und Vorstellung fertig“.[13] Das erste Band ist in vier Bücher gegliedert. Im ersten und dritten Buch wird die „Welt als Vorstellung“ betrachtet, im zweiten und vierten Buch erfolgt die Betrachtung der „Welt als Wille“. Der zweite Band ist als Ergänzungsband des ersten Bandes gedacht. Die vier Bücher handeln von Erkenntnistheorie, Metaphysik, Ästhetik und Ethik.

„Die Welt ist meine Vorstellung dies ist eine Wahrheit, welche in Beziehung auf jedes lebende und erkennende Wesen gilt; wiewohl der Mensch allein sie in das reflektierte abstrakte Bewusstsein bringen kann […].“[14]

So definiert Schopenhauer gleich zu Beginn seines Werkes die Welt. Dem Menschen sind „deshalb alle Dinge nur als Erscheinungen gegeben: ein Objekt ist nur im Subjekt möglich und durch die Formen des Subjekts bestimmt“.[15] Aus dieser Perspektive erscheint die Welt „als raumzeitliche Vielheit, deren Beziehungen sich untereinander gemäß dem Satz vom Grunde verhalten“.[16] Das Subjekt „ist seinerseits durch das Objekt bedingt“.[17] „Die Welt, als „meiner Vorstellung“ betrachtet, ist die empirisch- reale Welt, die den Gesetzmäßigkeiten des Subjekts unterworfen ist“.[18]

Während die Welt als Vorstellung zu erkennen ist, ist es die „Welt als Wille“ nicht. Der Leib ist dem Satz vom Grunde unterworfen, aber „unmittelbar und von „innen“ noch als etwas anderes bekannt: als Wille“.[19] „Der Leib ist somit der in Raum und Zeit objektivierte Wille“.[20] „Das Wesen der Welt ist der Wille; das Kantsche Ding an sich ist zum Willen geworden“.[21]

Somit ist also „der Wille als Ding an sich […] das innerste Wesen aller Erscheinungen, die stets Objektivation des Willens sind“.[22] Alle Erscheinungen sind dem Satz vom Grunde unterworfen und das Wesen des Willens ist „blindes Streben“.[23] Da der Verstand vom blinden Willen abhängig ist, kann er nie „zur Erkenntnis des unabhängig vorhandenen Wesens der Dinge gelangen“.[24] Das daraus folgende Leid, kann nach Schopenhauer überwunden werden, indem der Wille verneint wird, „d.h. Überwindungen der Individuation“.[25] „Dauernde Überwindung dieses Willens kann nur die Entsagung leisten; zeitweilige Überwindung bietet die Kunst“.[26] Die Kunst vermittelt einen Zustand, der frei vom Willen ist.

„Die Kunst ist für Schopenhauer eine besondere Erkenntnisart, die er ermöglicht, sich zeitweise von den Fesseln des Willens zu befreien und das Reich der Individuationen mit seiner Vielheit zu übergehen. Das Objekt der Kunst ist nicht mehr die Vorstellungswelt, sondern die Idee“.[27]

Der Wille führt zu Schmerz und Leid und die Kunst befreit den Menschen für eine bestimmte Zeit daraus. Nach Schopenhauer ist alles Glück nur negativ, „jede Lebensgeschichte eine Leidensgeschichte“[28] und der Wille nie zufrieden zu stellen. Er begründet das Streben nach etwas, geschehe nur weil der Mensch mit der jetzigen Situation unzufrieden ist und es ihm an etwas mangelt, denn „alle Befriedigung, oder was man gemeinhin Glück nennt, ist eigentlich und wesentlich immer nur negativ und durchaus nie positiv“.[29] „ Es ist nicht eine ursprünglich und von selbst auf uns kommende Beglückung, sondern muss immer die Befriedigung eines Wunsches sein“.[30] Eine Befriedigung ist nur von kurzer Dauer und der Mensch wird dadurch nicht glücklich, weshalb er erneut beginnt etwas zu erstreben, „denn Wunsch, d.h. Mangel, ist die vorhergehende Bedingung jedes Genusses“.[31] Der sogenannte „blinde Wille“ ist schuld am ständigen Streben[32]. Für Schopenhauer ist die Welt ein „Jammer“[33], in der das Streben und Leiden nie endet. „ Mit der Befriedigung hört aber der Wunsch und folglich der Genuss auf. Daher kann die Befriedigung oder Beglückung nie mehr seyn, als die Befreiung von einem Schmerz, von einer Noth“.[34] Das Leben ist nach Schopenhauer ein Leiden und dem Menschen ist immer nur der Mangel, d.h. der Schmerz gegeben.[35]

[...]


[1] Deutscher Philosoph des 19. Jahrhunderts †1804

[2] Vgl.: Mohr, Georg, Art: „Schopenhauer, Arthur“, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, zweite, neubearbeitete Ausgabe, Personenteil 15 (hg. von Ludwig Finscher), Kassel 1999, Sp. 7.

[3] Grün, Klaus- Jürgen, Arthur Schopenhauer, hrsg. von Klaus- Jürgen Grün, München 2000, S. 15.

[4] Ebd., S. 16.

[5] Ebd., S. 17 f.

[6] Ebd., S. 18.

[7] Ebd., S. 20 f.

[8] Ebd., S. 21.

[9] Ebd., S. 22.

[10] Ebd., S. 24.

[11] Ebd., S. 26.

[12] Ebd., S. 31.

[13] Grün, Klaus- Jürgen, Arthur Schopenhauer, hrsg. von Klaus- Jürgen Grün, München 2000, S. 29.

[14] Schopenhauer, Arthur, Die Welt als Wille und Vorstellung, in: Lütkehaus, Ludger (Hrsg.), Arthur Schopenhauer. Werke in 5 Bänden, Frankfurt a. M. 2006, S. 31.

[15] Schnitzler, Günther, „Die Musik in Schopenhauers Philosophie“, in: ders. (Hrsg.), Musik und Zahl. Interdisziplinäre Beiträge zum Grenzbereich zwischen Musik und Mathematik, Bonn- Bad Godesberg 1976, S. 138.

[16] Ebd., S. 138.

[17] Ebd., S. 138.

[18] Ebd., S. 138.

[19] Ebd., S. 139.

[20] Ebd., S. 139.

[21] Ebd., S. 139.

[22] Schnitzler, Günther, „Die Musik in Schopenhauers Philosophie“, in: ders. (Hrsg.), Musik und Zahl. Interdisziplinäre Beiträge zum Grenzbereich zwischen Musik und Mathematik, Bonn- Bad Godesberg 1976, S. 140.

[23] Ebd., S. 140.

[24] Ebd., S. 140.

[25] Ebd., S. 141.

[26] Ebd., S. 141.

[27] Ebd., S. 141.

[28] Schopenhauer, Arthur, Die Welt als Wille und Vorstellung, in: Lütkehaus, Ludger (Hrsg.), Arthur Schopenhauer. Werke in 5 Bänden, Frankfurt a. M. 2006, S. 422.

[29] Ebd., S. 415.

[30] Ebd., S. 415.

[31] Ebd., S. 416.

[32] Schnitzler, Günther, „Die Musik in Schopenhauers Philosophie“, in: ders. (Hrsg.), Musik und Zahl. Interdisziplinäre Beiträge zum Grenzbereich zwischen Musik und Mathematik, Bonn- Bad Godesberg 1976, S. 140.

[33] Schopenhauer, Arthur, Die Welt als Wille und Vorstellung, in: Lütkehaus, Ludger (Hrsg.), Arthur Schopenhauer. Werke in 5 Bänden, Frankfurt a. M. 2006, S. 421.

[34] Ebd., S. 416.

[35] Ebd., S. 416.

Details

Seiten
24
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656664604
ISBN (Buch)
9783656665120
Dateigröße
732 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273918
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
2,3
Schlagworte
Schopenhauer; Platon;

Autor

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