Lade Inhalt...

Reaktionen der Geschichtswissenschaft auf die Forschungsergebnisse Fritz Fischers

Die Fischer Kontroverse

Seminararbeit 2013 12 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die These Fritz Fischers
2.1 Die Reaktion der Forschung auf die These Fritz Fischers
2.2 Die gegenwärtige Bedeutung der Thesen Fritz Fischers

3. Schlussbetrachtung

4. Quellen- und Literaturverzeichnis
4.1 Quellenverzeichnis
4.2 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Fritz Fischer hat den Deutschen geholfen, sich aus der Gefangenschaft von Geschichtslegenden zu befreien, die zu nationalen Lebenslügen geworden waren. Sein moralischer Mut war nicht minder ausgeprägt als sein wissenschaftlicher Erkenntnisdrang. Die Deutschen haben Grund, Fritz Fischer dankbar zu sein.“[1]

Zu diesem Urteil kommt der Geschichtswissenschaftler Heinrich August Winkler in seinem Nachruf auf den 2009 verstorbenen Historikerkollegen Fritz Fischer. Dieser legte durch seine Forschungsergebnisse und mit seinem 1961 erschienenen Buch „Griff nach der Weltmacht“ den Grundstein für eine Jahrzehnte andauernde, nicht immer ausschließlich rein wissenschaftliche Debatte über Deutschlands Kriegsziele und die Kriegsursachen des Ersten Weltkriegs.

Doch was waren das für kraftvolle Thesen, die in den 1960er-Jahren eine solche fachwissenschaftliche und mediale Aufmerksamkeit auf sich zogen? Wie genau gestaltete sich die Diskussion der Argumente Fischers und welche Für- und Widerargumente führten die Fachkollegen an? Und welche Bedeutung trägt die Fischer-Kontroverse heute noch? Diese Arbeit wird versuchen, einige dieser Fragen in ihrem Verlauf zu klären. Da sowohl die Arbeiten Fischers als auch die darauf Bezug nehmenden Reaktionen der anderen Historiker ein sehr umfangreiches literarisches Werk darstellen, wird sich diese Arbeit auf eines der Hauptforschungsergebnisse Fischers und dessen wissenschaftliches Echo beschränken: Die deutschen Kriegsziele im ersten Weltkrieg. Als wichtige Literaturgrundlage dient dieser Arbeit der Sammelband „Deutsche Kriegsziele 1914-1918“, der einige aufschlussreiche Aufsätze bekannter Historiker beinhaltet.

Das erste Kapitel dieser Arbeit wird den Standpunkt Fritz Fischers sowie seine Argumentationsweise darstellen und erläutern. Im darauffolgenden Kapitel werden die fachwissenschaftlichen Reaktionen der 1960er- Jahre auf die Veröffentlichung von Fischers umstrittenen Thesen genannt. Das letzte Kapitel des Hauptteils beschäftigt sich mit der Brisanz von Fischers Forschungsergebnissen für die Gegenwart. Anschließend wird im Fazit eine Zusammenfassung der gezeigten Analysen formuliert und ein Ausblick auf die Weiterentwicklung der Geschichtswissenschaft durch die Arbeit Fritz Fischers gegeben.

2. Die These Fritz Fischers

Wie bereits angedeutet, besitzen die Forschungen Fritz Fischers verschiedene Schwerpunkte. Einer dieser Schwerpunkte betrifft die umfassende Darstellung der deutschen Kriegsziele vor und während dem ersten Weltkrieg.

Fischer vertrat nicht die bis dato vorherrschende These der Forschung, das deutsche Kaiserreich habe in den Jahren 1914 bis 1918 einen reinen Verteidigungskrieg geführt. Er stellte die onstant Kriegsziele des Reiches, offizielle wie inoffizielle, heraus, die aus dem forcierten Aufstieg von der Kontinentalmacht bis zum Anspruch auf Weltmacht hervorgegangen waren. Deutschland habe einen Hegemonialkrieg mit der Absicht „die onstant, wirtschaftlichen und militärischen Ziele Deutschlands durchzusetzen, um seine Weltmachtstellung nach außen zu begründen, nach innen das onstantive antiparlamentarische System zu konservieren“[2] geführt. Weitere Brisanz erhielt seine Arbeit dadurch, „dass Fischer erstens zwischen den Kriegszielen extremer Annexionisten und denen der Reichsleitung um den Kanzler Bethmann Hollweg kaum unterschied und zweitens die Kriegszielpolitik im Weltkrieg als Fortsetzung onsta Frieden betriebenen Wilhelminischen Weltpolitik begriff.“[3]

Die Ziele der deutschen Politik vor und während dem Krieg, lassen sich nach Fischer mit „Sicherung und Garantie der deutschen Machtstellung und die Möglichkeit zu weiterer Entwicklung“[4] beschreiben. Dafür sei „die Ausschaltung Frankreichs und Russlands als selbstständige Machtfaktoren“ nötig gewesen, damit sodann „für erdenkliche Zeit Deutschlands Machtstellung“[5] abgesichert sei. Der Krieg sei also „im Selbstbewusstsein der deutschen Führung Kampf um die Hegemonialstellung“[6] gewesen.

[...]


[1] Winkler, Heinrich August: Abschied von einer Legende. In: Berliner Zeitung (1999), URL: http://www.berliner-zeitung.de/archiv/fritz-fischer--historiker-der-urkatastrophe--ist-tot-abschied-von-einer-legende,10810590,9741756.html (Aufruf am 10.12.2012).

[2] Zechlin, Egmont: Julikrise und Kriegsbruch 1914. In: Politik und Geschichte. Europa 1914. Krieg oder Frieden. Hrsg. v. Kultusminister des Landes Schleswig-Holstein. Kiel 1985 (Gegenwartsfragen 48), S. 95.

[3] Frie, Ewald: Das deutsche Kaiserreich. Darmstadt 2004 (Kontroversen um die Geschichte), S.86.

[4] Fischer, Fritz: Weltmacht oder Niedergang. Deutschland im ersten Weltkrieg. Frankfurt 1965 (Hamburger Studien zur neueren Geschichte 1), S.48.

[5] Ebenda, S. 62.

[6] Ebenda, S. 61.

Details

Seiten
12
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656665359
ISBN (Buch)
9783656665311
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273860
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Schlagworte
reaktionen geschichtswissenschaft forschungsergebnisse fritz fischers fischer kontroverse

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Reaktionen der Geschichtswissenschaft auf die  Forschungsergebnisse Fritz Fischers