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Clausewitz' Definition von Krieg und ihre Überwindung durch neue Konflikte

Hausarbeit 2012 15 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Alte Kriege
2.1 Verstaatlichte Gewalt - Krieg als legitime Strategie
2.2 Staatliche Kriegsführung - Ziel, Zweck und Mittel
2.3 Symmetrie des Krieges

3. Neue Kriege
3.1 Staatenzerfall als eine Ursache
3.2 Kriegszustand und Kriegshandlung
3.3 Entstaatlichung - Gestalt der neuen Kriege
3.4 Motivation und Zielverfolgung
3.5 Asymmetrie des Krieges
3.6 Neue Kriege und alte Strategien

4. Clausewitz in der modernen Kriegsführung - Schlussbetrachtung

5. Literaturnachweise

1. Einleitung

Es bedarf vorerst keiner tiefer gehenden Lektüre von wissenschaftlichen Texten, um zu behaupten, dass die Gestalt des Krieges sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat. Schaut man diese Tage nach Syrien, sieht man eine Eskalation der Gewalt zwischen der diktatorischen Staatsmacht und den rebellischen Aufständigen. Die Medien und die Politik sprechen von einem Bürgerkrieg1, also einem Kriegszustand der durch diese Definition weiter spezifiziert wird und eine andere Art als den klassischen Zwei-Fronten- Krieg zwischen zwei Staaten darstellt. Der klassische Staatenkrieg scheint ausgedient zu haben und stattdessen operieren fortan globale und regionale „Kriegsunternehmer“.2 Als weiteres Beispiel könnte man den Zustand in Afghanistan heranziehen.3 Würde ein Sprecher der Bundeswehr oder des Bundestags davon sprechen, dass sich Deutschland im Krieg mit Afghanistan befindet? Vermutlich nicht. Dennoch handelt es sich um einen bewaffneten Konflikt in einem fremden Land unter Verwendung von militärischen Ressourcen, ausgeführt durch das Militär eines Landes. Gesprochen wird in diesem Fall von Peacekeeping4, Wiederaufbau und Demokratisierung5. Der mediale und politische Umgang würde die Austragung des Konflikts nicht als Kriegszustand betiteln.6 Doch was hat sich geändert? Wird alleine aus Gründen der außenpolitischen Legitimation das Wort „Krieg“ vermieden? Ist es nur Etikette, ein anderes Wort zu verwenden, da Politik im besten Fall konstruktiv, kooperativ und konsensorientiert sein sollte und gleichzeitig Menschenrechte und kulturell-ethisch erworbene Konventionen geachtet werden sollen, anstatt destruktive Kriegshandlungen zu befördern? Oder hat sich die Gestalt des Krieges tatsächlich gewandelt?

Es scheint, als wäre die Definition von Krieg aufgeweicht und gleichzeitig komplexer und globaler geworden. Die Zahl der Akteure ist gestiegen und auch das Ziel,der Zweck und die Mittel der Kriegsführung haben sich gewandelt und verlieren sich oftmals in diffusen und vielschichtigen, politischen Motivation. Kriege haben sich verändert und oftmals sind weder die Fronten, noch Beginn und Ende des Krieges erkennbar, so dass Kriegshandlungen in Zustände übergehen und latente Instabilitäten erzeugen.7

Für diese innerstaatlichen Bürgerkriege oder den aufkommenden transnationalen Terrorismus wurde der Begriff der „Neuen Kriege“ geschaffen, um sie von den klassischen „Alten Kriegen“ abzutrennen.

Wie kein anderer prägte der preußische General Carl von Clausewitz (1780 bis 1831) die normativ-ontologische Vorstellung der „Alten Kriege“ und der strategischen, sowie taktischen Kriegsführung. In seinem unvollendeten Werk „Vom Kriege“ (1832 von seiner Frau Marie von Clausewitz veröffentlicht) vertritt er die These, dass der Krieg lediglich die Fortführung der Politik mit anderen Mitteln sei8, also einen gestaltenden und funktionalistischen Charakter hat.

Den Kern dieser Hausarbeit bildet die Frage, ob Clausewitz Definitionen von Krieg und strategischer Kriegsführung in der heutigen Zeit noch Gültigkeit haben und auf die „neuen Kriege“, wie sie politikwissenschaftlich im Feld der internationalen Beziehungen bezeichnet werden, angewandt werden können. Daher stelle ich die These auf:

Clausewitz Vorstellung von Gestalt und strategischer F ü hrung des Krieges ist in der modernen Politik nicht mehr zeitgem äß und l ä sst sich mit der politischen Wirklichkeit nicht mehr vereinbaren.

Im Folgenden werde ich zuerst auf den von Clausewitz definierten Charakter der „alten Kriege“ eingehen. Anschließend befasse ich mich mit den „neuen Kriegen“, die von Mary Kaldor und Herfried Münkler nach Ende des Ost-West-Konflikts definiert wurden. Abschließend werde ich die unterschiedlichen Ideengeschichten zusammenführen und die Frage erörtern, ob das Werk von Clausewitz bei zeitgenössischen Konflikten noch seine Gültigkeit hat.

2.1 Verstaatlichte Gewalt - Krieg als legitime Strategie

Für Clausewitz hatte der Krieg einen funktionalistischen Charakter9 und diente als Instrument der Außenpolitik, sobald die politischen, konsensorientierten Möglichkeiten ausgeschöpft waren. Der Krieg wurde also nicht um seiner selbst willen geführt10, sondern war lediglich Instrument und folgte dem politischen Kurs.11 In der engen Verzahnung von Staat und Militär erschuf die Regierung ein Feindbild und definierte durch die Notwendigkeit zur Wahrung von Macht, Land und Religion einen erkennbaren Staatswillen, sowie gleichzeitig eine militärische Notwendigkeit. Der militarisierte Bürger galt als Exekutive dieses politischen Willens. Laut Clausewitz muss ein Krieg ein Ziel haben, welches es endgültig zu erreichen gilt. Bei dieser Definition beginnt die Strategie und daraus lassen sich militärischer Aufwand, sowie Angemessenheit der Mittelverwendung ableiten.12 Die Legitimation für eine kriegerische Auseinandersetzung zieht Clausewitz somit aus der Verlängerung des politischen Willens durch militärische Macht.

2.2 Staatliche Kriegsführung - Ziel, Zweck und Mittel

Die Kriegsführung in der Zeit von Clausewitz war also ein legitimes Mittel zur Lösung von politischen Problemsituationen und zur Durchsetzung von Interessen und Machtansprüchen.13 Beinahe scheint es, als hätte es damals den, aus heutiger Sicht, barbarischen Beigeschmack nicht gegeben und der Krieg sei tatsächlich Bestandteil einer kühlen, pragmatisch orientierten Denkweise der nationalen Politik gewesen, und fand als Teil der humanistischen Aufklärung eine allgemeine Anerkennung. Der Krieg war somit die Zuspitzung und Verlängerung von Politik, mit dem Ziel eines Sieges.14

Clausewitz sagte, der „Krieg ist nichts als ein erweiterter Zweikampf.“15 In diesem Zweikampf ging es wie bei politischen Verhandlungen um die Durchsetzung von Macht und Interessen.16 Wo die konsensorientierte Politik als Strategie versagte und die Situation argumentativ festgefahren wirkte, griff die militärische Macht und somit die gewaltsame Durchsetzung des Willens. „Der Krieg ist also ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen.“17, schreibt Clausewitz.

In den klassischen „alten Kriegen“ war das Ziel also die Unterwerfung des gegnerischen Staates.18 Als Mittel wurde die militärische Gewalt verwendet. Der Zweck dieser Strategie bestand darin, den gegnerischen Konfliktpartner zuerst niederzuwerfen, ihn wehrlos zu machen und ihm dann den eigenen Willen aufzuzwingen. „Jeder sucht den anderen durch physische Gewalt zur Erfüllung seines Willens zu zwingen; sein nächster Zweck ist, den Gegner niederzuwerfen und dadurch zu jedem ferneren Widerstand unfähig zu machen.“19, schreibt Clausewitz. Somit gilt für die „alten Kriege“ eine klare Definition des Vorgehens und der dahintersteckenden Mechanik.

2.3 Symmetrie des Krieges

Wie bereits erwähnt, fand in der Vorstellung der „alten Kriege“ die Austragung der Differenzen zwischen zwei oder mehreren konkreten Konfliktpartnern statt. Es handelte sich um Nationalstaaten, die sich nach Möglichkeiten symmetrisch gegenüberstanden.20 In Bezug auf die Symmetrie geht es vorrangig um Machtverteilung.21 Und zwar um den nationalen Vergleich der Konfliktpartner bei der Verteilung von politischer, wirtschaftlicher, militärischer und territorialer Macht.

[...]


1 Vgl.: Münkler, Herfried - Die neuen Kriege S. 43

2 Vgl.: Münkler, Herfried - Die neuen Kriege S. 7

3 Vgl.: Münkler, Herfried - Die neuen Kriege S. 22

4 Vgl.: http://www.un.org/en/peacekeeping/

5 Vgl.: https://www.auswaertiges-amt.de/cae/servlet/contentblob/343836/publicationFile/3310/fghWiederaufbauKonkret.pdf

6 Vgl.: Vgl.: Kleemeier, Ulrike - Clausewitz: Soldat und Denker S. 9

7 Vgl.: Kleemeier, Ulrike - Clausewitz: Soldat und Denker S. 1,2

8 Vgl.: von Clausewitz, Carl - Vom Kriege S. 9

9 Vgl.: Zwick, Elisabeth - Zum Themenschwerpunkt "Bildung und Krieg" S. 1

10 Vgl.: von Clausewitz, Carl – Vom Kriege S. 289

11 Vgl.: von Clausewitz, Carl – Vom Kriege S. 17

12 Vgl.: von Clausewitz, Carl – Vom Kriege S. 18

13 Vgl.: von Clausewitz, Carl – Vom Kriege S. 39

14 Vgl.: Münkler, Herfried – Die neuen Kriege S. 25

15 Vgl.: von Clausewitz, Carl – Vom Kriege S. 17

16 von Clausewitz, Carl – Vom Kriege S. 27

17 von Clausewitz, Carl – Vom Kriege S. 17

18 Vgl.: von Clausewitz – Vom Kriege S. 17

19 von Clausewitz, Carl – Vom Kriege S. 17

20 Vgl.: Münkler, Herfried – Der Wandel des Krieges S. 60f

21 Vgl.: Münkler, Herfried – Die neuen Kriege S. 118ff

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656664789
ISBN (Buch)
9783656665052
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273751
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg – Politikwissenschaften
Note
2,7
Schlagworte
Krieg Strategie Ideen Politik Geschichte Clausewitz Carl von neue Kriege Asymmetrie Kriegsführung Taktik Staatenzerfall Legitimation von Gewalt

Autor

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