Lade Inhalt...

Vergleich der Selbstmordthematik in Büchners „Über den Selbstmord. Eine Rezension“ und „Dantons Tod“

Hausarbeit 2014 14 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wissenschaftliche Definition des Begriffs „Selbstmord“ nach Rainer Tölle

3. Darstellung des Selbstmordes in Büchners “Über den Selbstmord. Eine Rezension”
3.1. Beispiel: Kato und Lukretia
3.2. Beispiel: Roland

4. Darstellung des Selbstmordes in Büchners „Dantons Tod“
4.1. Julie
4.2. Lucile

5. Vergleich der Selbstmordthematik in „Über den Selbstmord. Eine Rezension“ und „Dantons Tod“

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Meist werden nur von Wenigen im Rahmen der Beschäftigung mit Büchner seine Aufsätze aus seiner Schulzeit in Betracht gezogen, obwohl man daraus doch viel über den späteren Schriftsteller und seine Werke erfahren kann. Vor allem das Thema des „Selbstmordes“ wiederholt sich in seinen Dramen. Somit habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, eine völlig neue Seite des allseits bekannten Autoren zu beleuchten, indem ich mich im Folgenden mit der Selbstmordthematik in zwei von Büchners Schriften auseinandersetzen werde. Dazu analysiere ich, inwiefern der Suizid der beiden Frauenfiguren aus „Dantons Tod“ auf Büchners Aufsatz aus seiner Gymnasialzeit „Über den Selbstmord. Eine Rezension“ anzuwenden und damit zu vergleichen ist.

Zunächst werde ich eine kurze wissenschaftliche Definition des „Selbstmordes“ nach Rainer Tölle geben. Danach lege ich dar, welches Bild des „Selbstmordes“ Büchner in seinem Gymnasialaufsatz zeichnet und erläutere einige Beispiele, die er dafür verwendet. Danach gehe ich auf die Suizide von Julie und Lucile aus „Dantons Tod“ ein. Zuletzt vergleiche ich die beiden Werke und wende sie aufeinander an.

2.Wissenschaftliche Definition des Begriffs „Selbstmord“ nach Rainer Tölle

Ein Suizid oder ein Suizidversuch erfolgt, wenn ein Mensch in der Lösung eines Problems nur seinen eigenen Tod sieht oder sein Leben ihm so unerträglich erscheint, dass er es beenden will. Auslöser einer solchen Situation können Enttäuschungen und Ängste verschiedenster Arten sein. Vor allem der zwischenmenschliche Aspekt spielt hier eine große Rolle.[1]

Ein Selbstmord erfolgt meist spontan aus einer Kurzschlussreaktion heraus, sodass zwischen dem ersten Suizidgedanken und der tatsächlichen Durchführung oft nur ein Tag und zwischen Entschluss und dem Selbstmord sogar weniger als ein halber Tag liegt. Diese Art von Suizid ist die häufigste und zeigt eine hohe Wahrscheinlichkeit auf Rettung, da zum Beispiel viele nach der Einnahme einer Überdosis an Schlafmittel sich doch noch Hilfe rufen.[2]

Eine andere, seltenere Form des Selbstmordes ist der geplante. Hierbei wird die Tat lange und gründlich vorbereitet und entschlossen durchgeführt ohne die Absicht gerettet zu werden.[3]

Absichten des Suizides/ Suizidversuches können verschiedene sein. Zum einen gibt es Menschen, die mit dieser Tat ihre Umwelt auf sich aufmerksam machen wollen oder sie schockieren, ihr Schaden zufügen wollen, da sie sich von ihr ungerecht behandelt fühlen. Somit strebt der Selbstmörder die Veränderung seines Umfeldes an. Dies nennt man den demonstrativen Suizidversuch.[4]

Zum anderen kann der Akt auch gegen die eigene Person sein, was in den häufigsten Fällen zutrifft. Also besitzt er eine selbstzerstörerische Absicht. Hierfür wird der Begriff ernster Suizidversuch verwendet. Meist kann aber nicht zwischen dem einen und dem anderen differenziert werden, da oft das Überlappen der beiden Motive zum Auslöser des Suizides wird.[5]

Des Weiteren gibt es Selbstmörder, die eigentlich gar nicht den wirklichen Tod beabsichtigen, sondern nur ihre Ruhe in dem „unendlichen Schlaf“ wollen. Dies ist bei Konsumierung von Schlaftabletten der Fall. Denn, wie gesagt, oft wird der Tod als eine Art nie endender Schlaf angesehen, in den man durch Medikamente ohne Schmerz hineinsinkt. Des Öfteren wird ein Suizidversuch auch unter Einwirkung von Alkohol verübt, da so die Hemmungen und Ängste abgeschwächt werden.[6]

Eine weitere Typisierung des Suizides ist der Bilanzselbstmord. Dieser bezeichnet einen Suizid, der bei vollem Bewusstsein und psychischer Gesundheit freiwillig und wohlüberlegt durchgeführt wird, weil der Betroffene aus seinem jetzigen Leben die „Bilanz“ zieht, dass ein Weiterleben sinnlos ist, zum Beispiel im Falle einer unheilbaren Krankheit. Diese Form ist jedoch selten und umstritten, da die Diskussion um die Existenz einer rationalen Entscheidung über Leben und Tod Uneinigkeit hervorbringt.[7]

Als letzte Art ist der Kindersuizid zu nennen. Dieser kann erst ab dem sechsten bis siebten Lebensjahr als solcher bezeichnet werden, da Kinder erst ab diesem Alter die Endgültigkeit des Todes begreifen. Er erfolgt meist spontan auf unbedeutende Geschehnisse, die in einem bestimmten Moment Ärger oder Enttäuschung auslösen. Jedoch ist der Kindersuizid schwer von einem Unglück zu unterscheiden, da meist ein einfacher Provokationsversuch aus Versehen in einem durchgeführten Selbstmord enden kann. Abgesehen von der demonstrativen Intention dieser Tat, spielt auch eine problematische Ich-Findung während und vor der Pubertät eine Rolle (vor allem Mädchen sind hier betroffen). In der Regel ist der Kindersuizid ein eher seltenes Phänomen.[8]

3. Darstellung des Selbstmordes in Büchners “Über den Selbstmord. Eine Rezension”

In seinem Gymnasialaufsatz „Über den Selbstmord. Eine Rezension”[9] gibt Büchner seine Meinung über den Selbstmord als „[sachgemäße] Zusammenstellung einzelner Gedanken und Ansichten“[10] wieder und bezieht sich vermutlich auf einen Aufsatz eines Mitschülers[11]. So stellt er den Suizid, im Gegensatz zum Verfasser des rezensierten Aufsatzes, als nicht unklug dar, da sich der Selbstmörder nur von einem „unerträglich gewordenen [irdischen] Zustand“[12] befreien will, auch wenn er damit einen „sicheren Zustand mit einem unsicheren vertausche“[13]. So sei es, laut Büchner, eher unklug „in einer rettungslosen Lage zu verharren“[14].

[...]


[1] Tölle, Rainer: Suicidhandlungen. In: Ders. Psychiatrie. Sechste, neu verfaßte und erweiterte Auflage. Kinder- und jugendpsychiatrische Bearbeitung von R. Lempp, hg. Von R. Tölle. 6.Auflage. Berlin, Heidelberg, New York: Springer 1982, S.118-121.

[2] Ebd.

[3] Ebd.

[4] Ebd.

[5] Ebd.

[6] Ebd.

[7] Ebd.

[8] Ebd.

[9] Büchner, Georg: Über den Selbstmord. Eine Rezension. In: Ders.: Georg Büchner. Werke und Briefe. Münchner Ausgabe, hg. von Karl Pörnbacher, Gerhard Schaub, Hans-Joachim Simm und Edda Ziegler. 14.Auflage. München: dtv 2013, S.34-38.

[10] Ebd.

[11] Simm, Hans-Joachim: Kommentar. Über den Selbstmord. Eine Rezension. In: Ders.: Georg Büchner. Werke und Briefe. Münchner Ausgabe, hg. von Karl Pörnbacher, Gerhard Schaub, Hans-Joachim Simm und Edda Ziegler. 14.Auflage. München: dtv 2013, S.435-437.

[12] Büchner, Georg: Über den Selbstmord. Eine Rezension. In: Ders.: Georg Büchner. Werke und Briefe. Münchner Ausgabe, hg. von Karl Pörnbacher, Gerhard Schaub, Hans-Joachim Simm und Edda Ziegler. 14.Auflage. München: dtv 2013, S.34-38.

[13] Ebd.

[14] Ebd.

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656660002
ISBN (Buch)
9783656695851
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273674
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Institut für Germanistische und Allgemeine Literaturwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
vergleich selbstmordthematik büchners über selbstmord eine rezension dantons

Autor

Zurück

Titel: Vergleich der Selbstmordthematik in Büchners „Über den Selbstmord. Eine Rezension“ und „Dantons Tod“