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Der Europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt

Anwendung, Kritik und Ausblick

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 34 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Abkürzungsverzeichnis

II. Einleitung

III. Defizitäre Haushalte

IV. Grundsteinlegung im Vertrag von Maastricht
4.1 Protokoll 13: Die Konvergenzkriterien im Vertrag von Maastricht

V. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt
5.1 Ziele des SWP: Theo Waigels „Deutsche Stabilitätskultur“
5.2 Die Instrumentarien des ESWP zur Haushaltsüberwachung
5.2.1 „Frühwarnsystem“
5.2.2 „Überwachung des nationalen Haushaltsprogramms“
5.2.3 „Verfahren bei übermäßigen Defizit“
5.2.4 Sanktionsmechanismen
5.3 Der EcoFin-Rat

VI. Krise des ESWP und Neuinterpretation

VII. Der Stabilitätspakt nach Lissabon
7.1 No-Bail Out Klausel

VIII. Griechische Staatsschuldenkrise 2010 und der EFSF
8.1 EFSF, EFSM und ESM
8.2 „Sixpack“- Reform

IX. Fazit

X. Anhang
10.1 Tab
10.2 Abb

XI. Literaturverzeichnis

XII. Eidesstattliche Versicherung

I. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

II. Einleitung

Die Europäische Integration ist ein voranschreitendes, Ländergrenzen überschreitendes Großprojekt der Europäischen Union mit der Zielsetzung, in allen Mitgliedsstaaten den Euro einzuführen. Bisher (Stand 2013) haben 17 Länder ihre Währung durch den Euro ersetzt, der die Handlungsbedingungen im Europäischen Wirtschaftsbereich erleichtern und durch eine hohe Preisstabilität eine Stabilität des Marktes gewährleisten soll. Die Schaffung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) auf Grundlage eines dreistufigen Programmes im Jahre 1990 stellte die Basis, der Vertrag von Maastricht die ersten EU-vertraglich festgehaltenen Kriterien, dessen Einhaltung den Eintritt in die EU gewähren sollten. Genau unter diesen sogenannten Konvergenzkriterien befinden sich zwei, welche weiterführend defizitäre Haushalte innerhalb der Europäischen Union (EU) identifizierbar machen; ein Defizit von 3% oder mehr des Bruttoinlandprodukts (BIP), sowie eine Staatsverschuldung von über 60% des BIP.

Bereits in den ersten Jahren manifestierten sich die Folgen mangelnder Haushaltsdisziplin von Mitgliedsstaaten in dem entstandenen gemeinsamen Wirtschaftsraum der Währungsunion. Unter Theo Waigel wurden die Rufe nach einer "politischen Rückversicherung" laut, es sollte nicht weiter ungestraft gegen die Kriterien des Vertrags von Maastricht verstoßen werden dürfen. Defizitäre Haushalte, immense Staatsverschuldung und nationale Wirtschaftskrisen sollte ein Instrumentarium entgegengesetzt werden, welches nicht nur als Frühwarnsystem fungierte, sondern weitere Sanktionen einsetzten könnte, um Staaten notfalls zu Maßnahmen für eine Wiedererlangung eines ausgeglichenen Haushalts zu zwingen. Die Lösung in Form einer "zusätzlichen institutionellen Verankerung der dauerhaften Gewährleistung der Haushaltspolitik in EU- und Euro-Staaten"[1] auch nach der Einführung der einheitlichen Währung fand seinen Niederschlag im Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt (ESWP) und trat am 1. Januar 1999 in Kraft. Der Pakt besteht aus einer 1997 ratifizierten Entschließung des Europäischen Rates (ER) in Amsterdam und zwei Verordnungen des Rates über haushaltspolitische Überwachung, Koordinierung der Wirtschaftspolitiken und der Durchführung eines Defizitverfahrens bei Nichteinhaltung der genannten Kriterien. Einher mit dem ESWP ging die mittelfristige Verpflichtung, jährlich Stabilitäts- bzw. Konvergenzprogramme vorzulegen und somit einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen oder zu halten.[2]

Der ESWP ist demnach in der dritten Stufe der EWWU verankert und soll somit die Stabilität in der Eurozone gewährleisten. Nur die Länder, welche die vorangegangenen Kriterien der ersten und zweiten Stufe erfüllen, dürfen den Euro als Währung einführen. Danach ist die Überwachung der Einhaltung ebendieser nicht vorbei- der Europäische Rat für Wirtschaft und Finanzen (EcoFin-Rat) , eine der wichtigsten und häufig vergessenen Institutionen des Europäischen Systems- übernimmt die Aufgaben des ESWP zusammen mit der Europäischen Kommission und überwacht, warnt und sanktioniert Staaten im Falle eines Haushaltsdefizits.[3]

Wie der Name sagt, soll der ESWP die Stabilität und das Wachstum fördern und mögliche Defizite gar nicht erst ermöglichen. Dass das System nicht voll zufriedenstellend war, zeigte die Auseinandersetzung „zwischen der Bundesregierung und der Opposition um die Defizite der öffentlichen Haushalte in Deutschland zwischen 2002 bis 2004“[4]. Diese war aus der Diskussion um Entscheidungen des EcoFin (und des Europäischen Gerichtshofs) über ausgesetzte Defizitverfahren gegenüber Frankreich und der BRD entstanden, welche in einer Neuinterpretation des Paktes 2005 gipfelte. Die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise bzw. Europäischen Strukturkrise finden im Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus 2010, sowie in der Reform des „Sixpack“, die am 13. Dezember 2011 in Kraft trat, ihren Niederschlag[5]

Die folgende Hausarbeit hat sich mit dem Thema der Entwicklung des ESWP in den Jahren von 1992, dem Vertrag von Maastricht, bis zu der Reform des „Sixpack“ 2011 beschäftigt. Diese Auseinandersetzung nimmt besonderen Bezug auf die Umsetzung der Theorie in die Praxis in Form der „Nichtbeistands-Klausel“ und den Hilfsmaßnahmen für Griechenland. Eine zentrale Rolle dabei spielt die Zukunft des ESWP. Kann eine stärkere Regelbindung helfen, zukünftige Krisen zu vermeiden? Oder muss der allgemeine Disziplinierungseffekt infrage gestellt werden, was zur Konsequenz hätte, dass der ESWP letztendlich kein geeignetes Instrumentarium wäre?[6] Ralf Rotte und Sascha Derichs (2005) stellen die These auf, dass die Krise des ESWP ebenso sein Ende sei und zugleich eine Krise des europäischen Integrationsprozesses darstelle.[7] Bereits 5 Jahre später spricht Daniela Schwarzer über ein „Versagen der wirtschafts- und fiskalpolitischen Überwachung“[8]. Die wirtschaftliche Relevanz kann an dieser Stelle gleich der Zukunft der Wirtschafts- und Währungsunion, der Eurozone und somit dem gesellschaftlichen Zusammenleben in der EU gesetzt werden. Der rote Faden der Hausarbeit wird in der Frage zu finden sein, ob der Stabilitäts- und Wachstumspakt geeignet ist, zukünftige Krisen zu vermeiden.

Um eine differenzierte Meinung zu erhalten, wird im ersten Kapitel zunächst auf die Anfänge der Wirtschafts- und Währungsunion eingegangen, die einhergehen mit den Anfängen des ESWP in den Neunziger Jahren. Besonders Bezug wird an dieser Stelle auf den Vertrag von Maastricht und die darin vorkommenden Konvergenzkriterien genommen. Die anschließende Betrachtung konzentriert sich auf die Reform des ESWP von 2005, gefolgt von der zu zeigenden Krisenuntauglichkeit ab 2008. Um diese theoretische Grundlage anhand eines Beispiels erörtern zu können, wird die Krise in Griechenland reflektiert. Aufgrund dieser Daten soll dann eine Prognose über die Zukunft des SWP in Bezugnahme der „Sixpack“-Reform- sowie dem ESM vorgenommen werden. Wichtig zu erwähnen scheint an dieser Stelle, dass sich die rechtlichen Grundlagen in den alten Artikel 104 EGV und des Artikels 126 AEUV überschneiden, durch die Literatur in erster Linie aber über erstgenannten berichtet wird.

III. Defizitäre Haushalte

„Solide öffentliche Haushalte tragen wesentlich zu einer mittel- und langfristig stabilen Wirtschaftsentwicklung bei.“[9] Vermehrte Investitionen, durch Vertrauen in die Wirtschaft und ein niedriges Zinsniveau gefördert, führen demnach zu einem erhöhten Wachstumspotential. Gegenteilig kann aber schon ein geringes Ungleichgewicht der Haushalte „Wachstumsaussichten beeinträchtigen“.[10] Defizitäre Haushalte werden durch die Maastricht Kriterien als solche identifiziert, wenn die Defizitquote den 3%-Referenzwert des BIP deutlich überschreitet und ihnen zudem ein Schuldenstand von über 60% des BIP nachgewiesen werden kann. Auch wenn den Mitgliedsstaaten bei der Unterzeichnung des Vertrages von Maastricht klar gewesen sein sollte, dass sie damit eine „Selbstverpflichtung zur finanzpolitischen Stabilität“[11] innerhalb der EU zustimmten, konnte ihnen das Ausmaß dieser Verantwortung nicht voll bewusst gewesen sein.

Eurostat vermerkte 1995 bereits neun EU- Staaten, welche die Defizitgrenze von 60% des BIP nicht einhielten (Vgl. Abb. 1).[12] Weiter wie bisher verschuldeten sich die Staaten nun nicht mehr auf nationaler, sondern auch auf europäischer Ebene. Die Daten zeigen auch ab 2000 die gleichbleibende Tendenz eines Anstiegs des öffentlichen (Maastricht-) Schuldenstands. Griechenland schafft es mit einem Gesamtvolumen von 170,3% des BIP 2011 auf einen Rekordwert, wohingegen Estland trotz anhaltender Verschuldung mit 9, 8% harmlos wirkt (Vgl. Tab. 1).[13]

Die Notwendigkeit eines Mechanismus zur Sanktionierung von Staaten bei einer defizitären Haushaltspolitik ergibt sich aus der Möglichkeit zur Staatsverschuldung der Mitgliedsstaaten innerhalb der Europäischen Wirtschaftsunion. Folglich muss zunächst erklärt werden, welche Motivation Staaten haben, ein hohes Maß an Staatsverschuldung voranzutreiben. Ralph Rotte (2005) gibt hierzu wichtige Risikopotentiale und damit einen Erklärungsansatz für Staatsverschuldung unter der Bedingung einer Währungsunion hinsichtlich der Verschuldungsanreize der Mitglieder an.[14]

Obwohl die Wechselkurse mit dem gemeinsamen Zinsniveau alle Mitgliedsstaaten an einen gemeinsamen Kapitalmarkt binden, bleibt die Volkswirtschaft eines Staates weiterhin in der nationalen Fiskalpolitik verankert. Verschuldet sich nun ein Staat zusätzlich, so kommt es nach der „deficit-spending“ Theorie von Keynes zu einer Sonderkonjunktur und dadurch zu erhöhten Zinsen auf dem Kapitalmarkt, welche wiederum (durch Partnerländer ohne schuldenfinanzierte Fiskalpolitik gedämpfte) negative Wachstumseffekte auf alle Mitgliedsstaaten haben.[15] Laut Rotte bleiben den anderen Staaten zwei Alternativen; Entweder die Hinnahme der Politik oder die Anpassung ihrer Politik an den „Sündenstaat“. Wird die Politik angepasst, könnten sich die negativen Wachstumseffekte auf die ganze Währungsunion ausdehnen, welche das Projekt der Währungsunion selbst in Frage stellen würde (siehe V.).[16]

Ein weiterer Aspekt der Staatsverschuldung entnimmt Rotte dem demokratisch-politischen System der EU. In einem demokratischen System werden oftmals finanzielle Mittel der Regierung von verschiedene Interessengruppen oder Lobbys vereinnahmt, damit diese die Regierung stützen oder tolerieren. Rotte bezeichnet dieses typische Problem als ein „Mangel an Fiskaldisziplin“[17]. Diese sogenannten „rent-seeking“ Lobbys, d.h. verschiedensten, mithilfe politisch erwirkter Privilegien versehenen Interessengruppen in stabilen Demokratien, führen zu einem Verlust der Kostenreduktion- und Verhandlungsmöglichkeiten und führen so zu Stagnation oder Kollaps des Systems. Gleiches gilt für Politiker, die in der Public- choice Literatur ebenfalls als „Vertreter von Sonderinteressen“ gelten, die aus wahltaktischen Gründen höhere staatliche Ausgaben erlauben und intertemporale Negativwirkungen vor dem Wähler verschleiern.[18] Rotte zieht daraus den Schluss, dass eine Verhinderung massiver Staatsverschuldung für Stabilitätspolitische Zwecke für die Stabilität der Währungsunion Vorrang hat[19]

IV. Grundsteinlegung im Vertrag von Maastricht 1992

Der Anfang der EG bzw. EU geht auf das Ende des zweiten Weltkrieges zurück, als ein Ausdruck des Wunsches nach friedvoller Koexistenz. Der Brüsseler Pakt (1948) legte dabei den Grundstein, es folgten die Pariser (1954) und Römischen Verträge (1957), der Fusionsvertrag (1965), die Einheitliche Europäische Akte (1986), der Vertrag von Maastricht (1992), von Amsterdam (1997), Nizza (2001) und- 2009 der Vertrag von Lissabon, auch EU-Reform Vertrag genannt. Vor der Gründung der Europäischen Gemeinschaft 1965 und der voranschreitenden europäischen Integration wurde der Wunsch und auch die Notwendigkeit eines gemeinsamen europäischen Rechts immer deutlicher; Die heutige 28 Staaten umfassende Union besitzt Institutionen eines nahezu supranational bindenden Rechtssystems.

Die Idee einer gemeinsamen Währung der Europäischen Staatengemeinschaft entstand bereits in den 70er Jahren unter Bestrebungen des luxemburgischen Premierministers Pierre Werners.[20] Dennoch dauerte es 20 weitere Jahre, bis sich die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union in der 1990 gegründeten EWWU auf die Umsetzung festgelegter wirtschafts- und währungspolitischer Regelungen einigten. In einem dreistufigen Prozess sollte eine höhere Anbindung, mit dem Ziel der Einführung einer gemeinsamen Währung, Stärkung des Europäischen Binnenmarktes und hoher Preisstabilität, erreicht werden.[21] Eine einheitliche Währung bedeutet aber auch, mit gemeinsamen Regeln, Vorgaben und Zielen im gemeinsamen Wirtschafts- und Währungsraum zu agieren.

4.1 Protokoll 13: Die Konvergenzkriterien im Vertrag von Maastricht

Um in die Währungsunion eintreten zu dürfen, muss ein potentielles Mitgliedsland bestimmte wirtschaftliche Voraussetzungen erfüllt haben.[22] Diese werden in dem Vertrag von Maastricht anhand der Konvergenzkriterien festgelegt, denn „Ohne Konvergenz drohe entweder eine Inflationsgemeinschaft oder eine Transferunion“.[23] Wie viel dessen allerdings nötig ist, wird nicht weiter definiert. „Im Maastrichter Vertrag ist Konvergenz Voraussetzung und Ziel einer Währungsunion zugleich.“[24] Zwei der später im ESWP verabschiedeten Kriterien finden eine genaue Auslegung in Art. 109j Abs. 1, den Konvergenzkriterien und dem Zusatzprotokoll über die Konvergenzkriterien des Vertrags zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft. Zu diesem Zeitpunkt war der ESWP allerdings noch nicht geltendes EU-Recht. Heute befindet sich eine Mehrzahl der Konvergenzkriterien in Art. 126 und Art. 140 des AEUV des 2009 unterzeichneten Lissabonner Vertrags.

In den monetären (finanziellen) Kriterien wird festgelegt, dass die Staaten verpflichtet sind, die öffentlichen Haushalte so zu verwalten, dass kein übermäßiges Haushaltsdefizit entsteht. Kommt es doch dazu, ist jeder Staat verpflichtet, das Verfahren bei einem übermäßigen Defizit einzuhalten; Die Frage, ob ein Haushalt als solide betrachtet werden kann, wird durch zwei Bedingungen, im Vertrag von Maastricht beschriebenen Kriterien , beantwortet;

- Die Defizitquote darf die Obergrenze von 3% nicht dauerhaft und deutlich überschreiten
- Die Schuldenquote muss sich erkennbar auf einen Referenzwert von 60% zubewegen.[25]

Im Vertrag von Maastricht wurde die Verwirklichung des WWU in drei Stufen bindend. Es wurde festgelegt, dass der Euro 1999 für Geschäfts- und Zentralbanken, 2002 als Bezahlungsmittel in allen Mitgliedsstaaten, eingeführt werden sollte. Im Vertrag zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft (EGV) „wird zwar eine einheitliche Geldpolitik eingeführt, aber andere Teilbereiche der Wirtschaftspolitik (z. B. die Finanz- und Strukturpolitik) bleiben in nationaler Verantwortung. Allerdings schreibt der Vertrag vor: „Die Mitgliedstaaten betrachten ihre Wirtschaftspolitik als eine Angelegenheit von gemeinsamem Interesse“ (Art. 99 des EGV).“[26] Aus diesem Grund enthält der EG-Vertrag weitere Bestimmungen, welche die Staatsfinanzen der Mitgliedsstaaten solidieren sollen. Artikel 104 schreibt dazu vor: „Die Mitgliedstaaten vermeiden übermäßige öffentliche Defizite.“ (Art. 104 des EGV).

V. Der Stabilitäts- und Wachstumspakt

Nach Erfüllung von Stufe I und II des WWU findet der ESWP seine Präzisierung der oben genannten Bestimmungen und Bedingungen in der dritten Stufe, welche am 1. Januar 1999 begann; in dieser wurden Wechselkurse der Währungen unwiderruflich festgelegt, der Euro als Einheitswährung eingeführt und die Europäische Zentralbank (EZB) mit der Durchführung einer einheitlichen Währungspolitik betraut.[27] Die Gemeinschaft übernimmt dadurch nicht nur geld- sondern auch finanzpolitische Kompetenzen.[28] Durch das Abkommen des ESWP hatten sich die damaligen Mitgliedsstaaten ein hohes Ziel gesetzt: die angestrebten nahezu ausgeglichenen Haushalte bzw. Haushaltsüberschüsse könnten zur Bewältigung von normalen Konjunkturschwankungen führen, ohne dass dabei die Defizitquote überschritten würde. In der EWWU sollten also durch Beitritt zum Euro und die dadurch verbundene Vollmitgliedschaft nicht nur die Maastrichter Kriterien erfüllt, die nationale Geldpolitik an die europäische Zentralbank übertragen, sondern auch eine generelle Verpflichtung „im Rahmen einer koordinierter Wirtschaftspolitik zukünftig eine stabile Finanzpolitik zu betreiben“[29], eingegangen werden. Da die Folgen einer mangelhaften Haushaltsdisziplin in der Währungsunion erst später in Erscheinung traten und die Vorgaben faktisch nur Euro-Staaten zu einer stabilitätsorientierten Finanzpolitik trieb, wurden die „institutionellen Vorgaben der Artikel 99 bis 104 des EG- Vertrags (EGV) […] seit 1997 durch den […] Stabilitäts- und Wachstumspakt ergänzt und präzisiert.“[30] Mit anderen Worten soll der Pakt ergänzend zu den Verfahren bei übermäßigem Defizit wirken, flankiert die stabilitätsorientierte Geldpolitik der Europäischen Zentralbank nach der Einführung des Euros[31] „und umfasst die Entschließung des Europäischen Rates zum SWP, die „Verordnung des Rates über den Ausbau der haushaltspolitischen Überwachung und der Überwachung und Koordinierung der Wirtschaftspolitiken“(1466/97) sowie die „Verordnung des Rates über die Beschleunigung und Klärung des Verfahrens bei einem übermäßigen Defizit“ (1467/97).“[32]

[...]


[1] Rotte, R. & Derichs, S. (2005). Krise und Ende des Europäischen Stabilitäts-und Wachstumspaktes. Hans-Seidel-Stiftung. München. S. 14.

[2] © Europäische Union. (1995-2014).Stabilitäts- und Wachstumspakt. Zugriff am 23.03.2014, von http://europa.eu/legislation_summaries/glossary/stability_growth_pact_de.htm

[3] Rat der Europäischen Union © Europäische Union. (2004- 2014). Zugriff am 09.12.2013, von http://www.consilium.europa.eu/policies/council-configurations/economic-and-financial-affairs?lang=de

[4] Rotte, R. & Derichs, S. (2005). S. 5.

[5] © Bundesministerium für Finanzen. (2014). Zugriff am 17.03.2014, von https://www.bmf.gv.at/wirtschaftspolitik/wirtschafts-waehrungspolitik-eu/sixpack.html

[6] Vgl. Fritsche, U. (2004). Zur Zukunft des Stabilitäts- und Wachstumspaktes. Vierteljahreshefte zur Wirtschaftsordnung, 3/2004. 73. Jg., Heft 3/2004. DIW Berlin. Berlin, 2004. S. 343.

[7] Vgl. Rotte, R. & Derichs, S. (2005). S. 41.

[8] Schwarzer, D. (2010).Governance Dynamik in der Eurozone. In Europa nach Lissabon. Aus Politik und Zeitgeschichte, Beilage zur Wochenzeitung ‚Das Parlament‘, B 18/2010, S. 20.

[9] Deutsche Bundesbank. (2005). Monatsbericht Januar 2005. Zur Reform des Stabilitäts- und Wachstumspakts. Zugriff am 25.03.2014, von http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Monatsberichtsaufsaetze/2005/2005_01_stabilitaets_und_wachstumspakt.pdf?__blob=publicationFile vorgelegt für die Anhörung des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages am 19. Januar 2005. S 43.

[10] Ebd. S. 43

[11] Rotte, R. & Derichs, S. (2005).S. 12.

[12] Quelle: Eurostat. (2014). Öffentlicher Schuldenstand (Maastricht-Schuldenstand) in % des BIP- jährliche Daten. Zugriff am 25.03.2014, von http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/table.do?tab=table&init=1&plugin=0&language=de&pcode=tipsgo10.

[13] Quelle: Eurostat. (2014). Öffentlicher Bruttoschuldenstand- Prozentanteil des BIP und Millionen EUR. Zugriff am 25.03.2014, von http://epp.eurostat.ec.europa.eu/tgm/graph.do?tab=graph&plugin=1&pcode=tsdde410&language=de&toolbox=data.

[14] Rotte, R. & Derichs, S. (2005). S.8.

[15] Vgl. Ebd. S.8.

[16] Vgl. Ebd. S.8.

[17] Ebd. S.10.

[18] Rotte, R. & Derichs, S. (2005). S. 9.

[19] Ebd. S.8.

[20] Gruner, W.D.(Hrsg.)& Woyke, W.(Hrsg). (2007). Europa Lexikon. Länder∙ Politik∙ Institutionen. München. C.H. Beck Verlag. S.505.

[21] Vgl. Europäische Zentralbank. (o.J.). Zugriff am 09.12.2013, von http://www.ecb.europa.eu/ecb/history/emu/html/index.de.html.

[22] Waigel, Dr. T.(2009). Der Stabilitätspakt- deutsche Pedanterie oder Vorrausetzung für den Erfolg der Währungs-union. Zugriff am 25.03.2014, von http://web.apb-tutzing.de/apb/cms/fileadmin/uploads/pics/Waigel_kleiner.pdf S. 33.

[23] Ebd. S. 26.

[24] Ebd. S. 7

[25] Ebd. S. 34

[26] © Europäische Zentralbank. (2004). Zugriff am 09.12.2013, von http://www.ecb.europa.eu/pub/pdf/other/geldpolitik2004de.pdf S. 24.

[27] Europäische Zentralbank (o.J.) Zugriff am 09.12.2013, von http://www.ecb.europa.eu/ecb/history/emu/html/index.de.html#stage3.

[28] Lesch, H. (1993). Konvergenzkriterien einer Europäischen Währungsunion: Zur Logik der Bestimmungen von Maastricht. Institut „Finanzen und Steuern“ e.V., Nr. 317. Bonn, Mai 1993. S.7.

[29] Rotte, R. & Derichs, S. (2005). S. 14.

[30] Ebd. S. 14.

[31] Vgl. Ebd. S. 5.

[32] © Europäische Zentralbank. (2004). S.24.

Details

Seiten
34
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656660026
ISBN (Buch)
9783656659983
Dateigröße
663 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273672
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
1,0
Schlagworte
europäische stabilitäts- wachstumspakt anwendung kritik ausblick

Autor

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Titel: Der Europäische Stabilitäts- und Wachstumspakt