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Die Februarunruhen 1934 in Graz

Die Kämpfe in Graz und die Darstellung in der Presse

Seminararbeit 2014 11 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Forschungsstand
1.3 Zeitlicher Kontext
1.4 Der Februar 1934 in Österreich
1.5 Die Lage in der Steiermark

2 Die Kämpfe in Graz
2.1 Eggenberg
2.2 Hauptbahnhof und umgebendes Industriegebiet
2.3 Gösting
2.4 Wachstube Hackhergasse

3 Die Darstellung der Februarunruhen in der Presse
3.1 Grazer Volksblatt
3.2 Arbeiterzeitung

4 Resümee

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Fragestellung

Ich möchte anhand Grazer Zeitungsartikel aus dem Februar 1934 klären, wo in Graz Kämpfe gegen das Dollfuß Regime stattgefunden haben. Wer war an diesen Kämpfen beteiligt?In welchem Ausmaß diese stattgefunden haben? Außerdem möchte ich herausfinden, wie die Februarunruhen in ausgewählten Grazer Zeitungen geschildert wurden, insbesondere in Hinsicht auf die Frage ob es sich um Unruhen oder einen Bürgerkrieg handelte, möchte ich herausfinden, welche Begrifflichkeit von diesen Grazer Zeitungen benutzt wurde.

1.2 Forschungsstand

„Die Kämpfe selbst sind bereits zur Genüge in Literatur dargestellt worden. Trotz mancher neuen Einsicht, die Regionalstudien noch hier bieten können sind sensationelle neue Ergebnisse nicht mehr zu erwartend[1]Die Kämpfe für den Raum Graz sind in „Februar 1934, Hintergründe und Folgen“ von Arnold Reisberg bereits sehr gut beschrieben. Tageszeitungen für den angegebenen zeitlichen und geographischen Kontext sind gut zugänglich, jedoch mussten systemkritische Medien ab dem Februar 1934 ihre Arbeit aufgeben. Aus dem Brünner Exil gelangte jedoch bald nach den Kämpfen bereits sozialdemokratische Presse nach Österreich.

1.3 ZeitlicherKontext

„Am Parteitag der Sozialdemokratischen Partei Österreichs wurde 1926 das Linzer Programm angenommen, dieses „wurde von der konservativen’Gegenseite als Beweis der Gefährlichkeit’ der sozialdemokratischen Bewegung gewertet. [...] Die Ereignisse von Schattendorf, die den Tod zweier Menschen zur Folge hatten, und die im daraufhin stattfindenden Prozess erfolgte Freisprechung der Täter zogen nicht nur - als unmittelbares Ergebnis - den Brand des Justizpalastes am 15. Juli 1927 und damit verbundene Straßenkämpfe nach sich. [...] Mit Fug und Recht kann von einem Teufelskreis’ ständig anwachsender Radikalisierung gesprochen werden, wobei die Zunahme faschistischer Elemente immer deutlicher zu Tage trat. Als typisches Symptom der Entwicklung erscheint der 1930 geleistete „Korneuburger Eid“ der Heimwehren, der vor allem durch die Ablehnung des „westlichen demokratischen Parlamentarismus“ geprägt ist.“[2]1931 unternahm der Landesleiter des Steirischen Heimatschutzes Walter Pfrimer[3], vergeblich einen Putschversuch. In Folge der Weltwirtschaftskrise radikalisierten sich die Pareien Österreichs zunehmend. .„Zur Zeit der Februarkämpfe waren 45% aller Arbeitnehmer in der österreichischen Industrie ohne Beschäftigung“[4]. 1932 wurde Engelbert Dollfuß Bundeskanzler Österreichs. Im März 1933 erfolgt die de facto Ausschaltung des Parlaments durch eine Notverordnung[5]. Am „30. März 1933 kam es zum Verbot des sozialdemokratischen „Republikanischen Schutzbundes“, dem am 26. Mai jenes der Kommunistischen Partei folgte. Das offizielle Ende der Nationalsozialistischen Partei wurde mit 19. Juni 1933festgesetztii[6]

1.4 DerFebruar1934 in Österreich

Am 12. Februar wollte die Linzer Polizei im Parteiheim der SDAP nach Waffen suchen.[7] „Im Hause befanden sich größere Kontingente des ehemaligen Republikanischen Schutzbundes, welche sofort der Polizei bewaffneten Widerstand entgegensetzten.“[8] Daraufhin brachen in Wien, Oberösterreich und der Steiermark Unruhen aus. In den sonstigen Bundesländern blieben diese jedoch weitgehend aus. Eine Extraausgabe des Arbeiterwille titelte „Alarm! Alles heraus zum Endkampf gegen den Faschismus! Generalstreik in ganz Österreich ausgerufen.“[9] Der ausgerufene Generalstreik blieb jedoch aus, nur vereinzelt legten Arbeiter ihre Arbeit nieder. Das Bundesheer kam mit Artillerieunterstützung der Gendarmerie zu Hilfe und konnte innerhalb weniger Tage die öffentliche Ordnung wiederherstellen.

1.5 Die Lage in derSteìermark

„ln der verhältnismäßig stark industrialisierten Steiermark spielten sich die Kämpfe vor allem in Bruck an der Mur und Kapfenberg sowie in der Hauptstadt Graz ab. “[10] Am 12. Februar wurde ,,wegen Verbrechens des Aufruhrs für das Bundesland Steiermark das Standrecht verhängtG[11]

2 Die Kämpfe in Graz

„ Graz war im nordwestlichen Halbbogen von drei Hauptstützpunkten zerniert[12]: in Eggenberg durch die festungsartigen Baulichkeiten der roten Konsumgenossenschaft, außerdem durch die fortifikatorisch anmutenden Anlagen des außer Betrieb stehenden Schienenwalzwerkes und anschließenden Brückenbaues und endlich durch die Hirtenschule.“[13] In Graz „ wurden militärische Kräfte, und zwar Teile des Alpnjägerregimentes Nr. 9 und der Brigade Artillerie Abteilung Nr. 5, gegen die als Stützpunkte der Aufständischen dienenden Objekte insbesondere die Gebäude des Eggenberger Gemeindeamtes und des Arbeiter Konsumvereins eingesetzt. Die Leitung dieser Aktion lag in den Händen des Kommandanten des Alpenjägerregiments Nr.9 Obersten Weiß. Die erwähnten Maßnahmen lösten in der Nacht zum 13. Februar eine Anzahl von Gefechten aus, deren für das Bundesheer erfolgreicher Verlauf das Schicksal der Aufstandsbewegung, soweit Steiermark in Betracht kam entschied.“[14]

2.1 Eggenberg

„Am 12. d. Mittags ist in Eggenberg die Parole zum Generalstrek verlautbart worden. Daraufhin wurde von Schutzbündlern aus dem Keller des Konsumvereins Waffen herbeigeschafft und verteilt. Beim ersten Waffengebrauch vor diesem Gebäude wurde ein Gendarm erschossen.“[15] Die Schutzbündler besetzten das Konsumvereinhaus sowie auch das Rathaus. In Eggenberg „wo der Gendarmerieposten ausgehoben, ein zu Hilfe eilender Gendarmerie-Überfallskraftwagen im Feuer liegen blieb (Tote und Verwundete) und eine aus der Alpenjägerregimentskaserne rasch eingesetzte Kompanie des Alpenjägerregimentes Nr. 9 mit lebhaften Maschinengewehr- und Gewehrfeuer aus den besetzten Objekten (Konsumverein, Brotfabrik, Gemeindehaus, Haus des Gendarmeriepostens usw.) empfangen

wurde und sogleich schwere Verluste erlitt (etwa 15 Mann, davon ein Toter und mehrere Schwerverletzte). Auch nach dem Einsatz weitere Infanterie aus der Alpenjägerkaserne (ein Batallón) zeigte es sich, daß eine Erstürmung des besetzten Gebäude in der stockfinsteren Nacht ohne Verwendung von Geschützen unabsehbaren Blutopfern erkauft werden könnte.“[16]„Erst als Alpenjäger mit vier Kanonen anrückten, begann um 1.30 Uhr nach zwanzig Artillerieschüssen der Angriff auf das Gebäude, das nach heftigstem Widerstand erobert wurde. In Eggenberg fanden die Truppen keine Gewehre mehr. Die assistierenden Heimwehrler plünderten unbehindert die Lagerbestände des Konsums.“[17]. „Zusammenfassend wird festgestellt, daß von den verschiedenen Kampfplätzen in Eggenberg, im Rathaus, Konsumverein und bei der Post sowie bei der Hirtenschule und am Kalvariengürtel am 12. Februar in der Zeit von 15.20 Uhr bis Mitternacht 82 meist durch Schüsse schwerverletzte und von Mitternacht bis 7.30 Uhr des 13. Februar 48 Verletzte versorgt und in die Krankenhäuser überführt wurden, meist Alpenjäger, Gendarmerie und auch Zivilpersonen darunter vier Frauen. “[18]

2.2 Hauptbahnhofund umgebendes Industriegebiet

Um den Grazer Hauptbahnhof sammelten sich Schutzbundangehöhrige, konnten den Hauptbahnhof jedoch nicht einnehmen und mussten sich zurückziehen. Die Exekutive sicherte dauraufhin das linke Murufer, indem sie alle Brücken besetzten, den Schloßberg abriegelten sowie öffentliche Gebäude und lebenswichtige Betriebe besetzten. Die Arbeiter besetzten die Humanic-Schuhfabrik, die Brückenbauanstalt Waagner-Biro, und das Schienenwalzwerk. Von dort aus versuchten die Arbeiter mehrmals vergeblich den Bahnhof einzunehmen um eine Verbindung mit Gösting zu schaffen sowie den Bahnverkehr zu unterbrechen[19]. „Die um 18.30 Uhr angelangte Militärabteilung wurde von der Betriebsanlage Waagner und Biro aus mit zwei Maschinengewehren beschossen. Die Exekutive wartete erst die Ankunft der Artillerie ab, mit deren Hilfe um 1.00 Uhr nachts die Brückenbauanstalt besetzt wurde. Vor dem Walzwerk stellte das Militär Minenwerfer auf, nahm es aber erst am nächsten Morgen um 6.00 Uhr ein.“[20]

[...]


[1] Helmut Konrad, Zur Geographie der Februarkämpfe. In Erich Fröschl, Helge Zoitl [Hg.], Februar 1934, Ursachen, Fakten, Folgen, (Beiträge zum wissenschaftlichen Symposion des Dr.-Karl-Renner-Instituts, abgehalten vom 13. bis 15. Februar 1984 in Wien). Wien 1984. S. 336.

[2] Ute Sonnleitner, Widerstand gegen den „(Austro-) Faschismus“ in der Steiermark 1933-1938. Dissertation UniversitätGraz2009. S. 12.

[3] Die steirischen Heimwehr war Teil des deutschnationalen Lagers, in der durch einen Flügelkampf beherrschten Bewegung der Heimwehren. Vgl. Francis L. Carsten, Zwei oder Drei faschistische Bewegungen in Österreich? In Erich Fröschl, Helge Zoitl [Hg.], Februar 1934, Ursachen, Fakten, Folgen, (Beiträge zum wissenschaftlichen Symposion des Dr.-Karl-Renner-Instituts, abgehaltenvom 13. bis 15. Februar 1984 in Wien). Wien 1984. S. 182.­191.

[4] Eduard März, Fritz Weber, Österreichische Wirtschafstspolitik in der Zeit der grossen Krise. Bürgerliche Strategie und sozialdemokratische Alternative. In Erich Fröschl, Helge Zoitl [Hg.], Februar 1934, Ursachen, Fakten, Folgen, (Beiträge zum wissenschaftlichen Symposiondes Dr.-Karl-Renner-Instituts, abgehaltenvom 13. bis 15. Februar 1984 in Wien). Wien 1984. S. 15.

[5] Vgl. Ute Sonnleitner, Widerstand gegen den „(Austro-) Faschismus“ in der Steiermark 1933-1938. Dissertation Universität Graz 2009 S. 14.

[6] Ebda. S. 14.

[7] Vgl. Verhängung des Standrechtes über Wien und Linz. In Grazer Volksblatt, 6-Uhr-Blatt, Nr. 35. Graz, 12. Februar 1934. S. 1.

[8] Ebda. S. 1.

[9] Arbeiterwille, Organ des arbeitenden Volkes für Steiermark und Kärnten, Extraausgabe, Nr. 41. Graz, 12. Februar 1934. S. 1.

[10] Arnold Reisberg, Februar 1934, Hintergründe und Folgen. Wien 1974. S. 45.

[11] Standrecht in Steiermark. In Tagespost, Morgenblatt, Nr. 42. Graz, 13. Februar 1934. S.1.

[12] Zernieren heißt eine (von Soldaten) besetzte Örtlichkeit von der Außenwelt abschneiden.

[13] Die Schutzbundrevolte in Graz. In Grazer Volksblatt, Abendausgabe Nr. 40. Graz, 18. Februar 1934. S. 5.

[14] Die Tätigkeit der Brigade Steiermark währen der Unruhen. In Grazer Volksblatt, Abendausgabe Nr. 39., Graz, 16. Februar 1934. S. 1.

[15] Der Aufruhr in Eggenberg vor dem Standgericht. In Tagespost, Morgenblatt, Nr. 50. Graz, 21. Februar 1934. S.3.

[16] Die Artillerieeinsetzung bei den Unruhen in Steiermark. In Tagespost, Morgenblatt, Nr. 49. Graz, 20. Februar 1934 S. 6.

[17] Arnold Reisberg, Februar 1934, Hintergründe und Folgen. Wien 1974. S. 47

[18] Die Grazer Rettungsabteilung im Kampfe gegen die Aufständischen. In Grazer Volksblatt, 6-Uhr Blatt, Nr. 40. Graz, 17. Februar 1934. S.4.

[19] Vgl Arnold Reisberg, Februar 1934, Hintergründe und Folgen. Wien 1974. S. 46

[20] Arnold Reisberg, Februar 1934, Hintergründe und Folgen. Wien 1974. S. 47

Details

Seiten
11
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656757993
ISBN (Buch)
9783656758013
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273600
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Note
2
Schlagworte
februarunruhen graz kämpfe darstellung presse

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