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Internationale Kommunikation in der "Generation Facebook"

Wurde unsere Welt durch soziale Netzwerke zu einem globalen Dorf?

von Lara Te (Autor)

Hausarbeit 2014 19 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 „THE GLOBAL VILLAGE“ VON MARSHALL MCLUHAN
2.1 HERBERT MARSHALL MCLUHAN
2.2 „THE GLOBAL VILLAGE“

3 DAS INTERNET - DER MOTOR DES GLOBALEN DORFS
3.1 DAS INTERNET ALS GLOBALES MEDIUM
3.2 SOZIALE NETZWERKE - GEMEINSCHAFT IM WWW (BEISPIEL: FACEBOOK)

4 ERFÜLLTE PROPHEZEIUNG ODER LEERE THEORIE?
4.1 MOTIVE DER NUTZUNG UND KOMMUNIKATIONSVERHALTEN IN FACEBOOK .
4.2 INTERNATIONALE FACEBOOK-FREUNDE

5 SCHLUSSBETRACHTUNGEN

LITERATURVERZEICHNIS

1 Einleitung

„Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen. Facebook - eine offene und vernetzte Welt.“ - lautet das Motto des „blauen Riesen“ unter den Social Networks. Die Funktion ist klar: Facebook erlaubt es dir, zu jeder Zeit, von jedem Ort, binnen Sekunden ans andere Ende der Welt Kontakt aufzunehmen. Ein Netz, das sich über den gesamten Erdball legt und jeden mit jedem verbindet. Riesige Datenströme, die Unmengen an Information in Lichtgeschwindigkeit von einem Punkt zum anderen transportieren. Nichts erscheint mehr unerreichbar - keine Distanz zu groß, keine Wartezeit zu lang. Es fühlt sich an wie ein« „globales Dorf“, erzeugt von den elektronischen Medien der nachalphabetischen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts, prophezeite ein kanadischer Wissenschaftler namens Herbert Marshall McLuhan rund 60 Jahre zuvor. Durch die fortschreitende Entwicklung elektronischer Tech- nologien und der Vernetzung der gesamten Gesellschaft zieht sich die Welt immer weiter zusammen und formt sich zu einem glob alen Dorf. Wir fühlen uns mit allen Bewohnern der Erde wie in einer direkten Nachbarschaft. Auf den ersten Blick scheint diese Theorie recht plausibel. Doch zu McLuhan’s Zeiten war das World Wide Web noch lange nicht ausgereift und Mark Zuckerberg, der Gründer und Entwickler von Facebook, war zu dieser Zeit noch nicht einmal geboren. Was meinte der Medienwissenschaftler also wirklich mit seiner These vom globalen Dorf und lässt sich diese auch noch auf das Zeitalter von Facebook, Google und Co. anwenden? Ist das Internet die Realisierung von McLuhan’s Theorien? Kommuni- kation ans andere Ende der Welt, zu jeder Zeit«doch wie sieht es überhaupt aus mit unseren internationalen Kontakten? „Multikulti“-Freundeslisten oder Mangel- ware? Was schrumpft wirklich - die große weite Welt da draußen oder doch bloß unser eigener kleiner Teil davon?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Facebook - eine offene und vernetzte Welt (Facebook, 2014)

1 „The Global Village“ von Marshall McLuhan

1.1 Herbert Marshall McLuhan

Herbert Marshall McLuhan wurde am 21.07.1911 in Edmonton (Kanada) geboren und war ein bedeutender Medientheoretiker. Er studierte Literaturwissenschaften an den Universitäten von Manitoba und Cambridge, an der er auch selbst einige Jahre dozierte. Sein Aufenthalt in Cambridge bildete eine wesentliche Grundlage für seine späteren Theorien. Marshall McLuhan lehrte an einer Reihe von Universitä- ten, unter anderem am St. Michaels College der University of Toronto und an der St. Louis University, wo er auch seine spätere Ehefrau, die Lehrerin und angehende Schauspielerin, Corinne Lewis, kennenlernte. Nachdem er 1952 zum Professor er- nannt wurde, gründete er mit Unterstützung der Ford Foundation die Kommunika- tions- und Kulturseminare an der Universität von Toronto. Nachdem Marshall McLuhan immer populärer wurde und auch andere Universitäten wachsendes Inte- resse an ihm zeigten, gründete die University of Toronto im Jahr 1963 das „Centre for Culture and Technology“, das McLuhan bis 1979 leitete. Während dieser Zeit veröffentlichte er mit „The Mechanical Bride“ (1951), welches die Auswirkungen von Werbung auf Gesellschaft und Kultur behandelt, sein erstes größeres Werk. Zusammen mit Edmund Carpenter gründete er die Zeitung „Explorations“, die sich mit Kommunikation und Neuen Medien auseinandersetzte. Seine wohl bekanntes- ten Werke, die ihn zu einem bedeutenden und zugleich oft kontrovers diskutierten Wissenschaftler im Bereich der Medien machten, sind „The Gutenberg-Galaxy“ (1962), „Understanding Media“ (1964) und „The Medium is the Massage“ (1967). Seine letzte Schrift, „The Global Village“, verfasste er zusammen mit Bruce R. Po- wers, der diese nach McLuhans Tod veröffentlichte. Marshall McLuhan wurden mehrere Ehrengraduierungen verliehen, unter anderem von der University of Manitoba und der University of Toronto. Außerdem erhielt der Medienphilosoph einige Auszeichnungen wie den „Honorary Award for Culture and Communicati- on“ (1967) und eine Goldmedaille vom Präsidenten der italienischen Republik (1971). Des Weiteren war Marshall McLuhan Mitglied der Royal Society of Canada.1 Im September 1979 erlitt der Wissenschaftler einen Schlaganfall, welcher seine Sprechfähigkeit nachhaltig beeinträchtigte. Daraufhin versuchte die University of Toronto das „Centre for Culture and Technology”, das unter der Leitung von McLuhan stand, zu schließen, was jedoch von einer Reihe von Unterstützern des Medientheoretikers, unter anderem von Woody Allen, in dessen Film „Der Stadt- neurotiker“ McLuhan einen Gastauftritt hatte, verhindert wurde. Marshall McLuhan starb am 31. Dezember 1980 im Schlaf an den Folgen seines Schlaganfalls.2

Während und auch nach seiner Lebenszeit beeinflusste Marshall McLuhan eine Reihe von bedeutenden Geisteswissenschaftlern und Medientheoretikern wie Paul Levinson3oder Neil Postman, der sich selbst als „Kind McLuhans“4bezeichnete. Das lag nicht zuletzt an McLuhan’s simplen, gut verständlichen Schreibstil, der von einfacher Sprache, kurzen Sätzen und prägnanten Schlagworten geprägt war. („Ich versuche meine Leser in Wahrnehmungen zu verwickeln. Deshalb gebrauche ich ihre Sprache. Die Sprache ihrer Umwelt.“5). Außerdem gilt sein Werk bis heute als Grundstein der Medientheorie. Die zentralen und bekanntesten Thesen seiner Ar- beit sind „Das Medium ist die Botschaft“ und die Theorie vom „globalen Dorf“, nach der „die elektronischen Medien die Welt der nach-alphabetischen Gesellschaft auf die Größe eines Dorfs oder eines Stammes schrumpfen lassen.“6Besonders durch Aussagen dieser Art gilt Marshall McLuhan heute als „Apostel des elektroni- schen Zeitalters“7. Im Internetzeitalter des 21. Jahrhunderts erleben seine Thesen eine wahre Renaissance und insbesondere seine Theorie über das „globale Dorf“ erscheint in der Generation von Facebook, Google und Co. wieder brandaktuell. Doch zum Todeszeitpunkt von Marshall McLuhan steckte das World Wide Web noch in Kinderschuhen und eine Weiterentwicklung der elektronischen Welt in diesem Ausmaß konnte er nur erahnen. Nicht zuletzt deshalb ist McLuhan’s Ruf bis heute umstritten: „genialer Theoretiker“, „Medienprophet“ oder doch nur „unsor- tierter Spinner“?8

1.2 „The Global Village“

„Medien-Guru“, „Prophet des Medienzeitalters“9- der Wissenschaftler Herbert Marshall McLuhan bekam viele Titel verliehen. Doch was hat er eigentlich gesagt? Eine seiner bekanntesten und wohl am häufigsten zitierten Thesen lautet: „Das Medium ist die Botschaft.“ Zunächst muss jedoch einmal geklärt werden, was der Medienwissenschaftler überhaupt mit einem „Medium“ meinte. Unter Medium verstand Marshall McLuhan keinesfalls nur Zeitung, Radio oder Fernsehen.

„Alle Medien sind eine Rekonstruktion, ein Modell der biologischen Fähigkeit, die die menschlichen Anlagen über sich hinausführt: Das Rad ist eine Ausdehnung des Fußes, das Buch ist eine Ausdehnung des Auges, die Kleidung eine Ausdehnung der Haut, und der elektrische Stromkreis ist eine Ausdehnung des zentralen Nervensystems.“10

Unter Medien versteht McLuhan also Erweiterungen und Ausdehnungen der menschlichen Körperteile. Doch was meint er nun mit seiner Kernaussage: „Das Medium ist die Botschaft“? Der Medientheoretiker Neil Postman schrieb in seinem Vorwort zu Philip Marchand’s Biographie über Marshall McLuhan, dass der kana- dische Wissenschaftler gerne folgende Bemerkung des englischen Lyrikers T.S. Eliot zitierte, um seine These zu verdeutlichen: „Der Inhalt eines Gedichts ist das Fleischstück, das der Dieb dem Wachhund hinwirft, um ihn abzulenken.“ Der In- halt des Gedichts ist also zweitrangig und hat lediglich den Zweck, den Leser abzu- lenken, damit die poetische Form unbemerkt ihre Wirkung entfalten kann.11Ge- nauso verhält es sich nach McLuhan zu den Medien. Im Mittelpunkt steht nicht der Inhalt, der über Buch, Radio oder Fernsehen vermittelt wird, sondern das Medium selbst. Marshall McLuhan benutzte für seine Thesen oftmals provokante Meta- phern und Analogien, um seine Aussagen besser zu verdeutlichen, was häufig dazu führte, dass genau diese missinterpretiert wurden.12So warfen ihm seine Kritiker mehrmals vor, dass für McLuhan der Inhalt eines Mediums völlig bedeutungslos sei. Das Medium ist die Botschaft. Damit wollte der Wissenschaftler keineswegs andeuten, dass der Inhalt eines Mediums unwichtig sei - er spiele lediglich eine untergeordnete Rolle, während das Medium selbst im Vordergrund steht. Relevant ist nicht die Botschaft, die es übermittelt, sondern die Wirkung, die das Medium auf unsere Gesellschaft hat. Kurz zusammengefasst: Medien beeinflussen und verän- dern unsere Gesellschaft viel stärker, als die Inhalte selbst dies tun.

„Das meine ich mit »Das Medium ist die Botschaft«. Das Medium, zum Beispiel das Alphabet, erzeugt eine neue Welt, eine neue Ausweitung der Sinne und eine Umgestaltung der gesamten Wahrnehmung. Es erzeugt eine neue Konstellation von kulturellen Verhaltensmustern, Repräsentationsformen und Strategien, die der eigenen Zeit nicht erklärbar sind.“13

Dass gesellschaftliche Wandlungen immer mit medialen Veränderungen einherge- hen, zeigt McLuhan anhand seiner Einteilung der (Medien-)Geschichte in drei Zeit- alter, die durch die fortschreitende Entwicklung der Technik geprägt wurden. Das erste ist das analphabetische, orale Zeitalter, das jedoch durch die Erfindung des phonetischen Vokalalphabets (8.-5. Jh. v. Chr.) in eine von der Schrift geprägte Manuskriptkultur übergeht. Diese Epoche wird schließlich, nach der Erfindung des Buchdrucks durch Johannes Gutenberg um 1450, von einem Zeitalter abgelöst, das Marshall McLuhan die Gutenberg-Galaxis nennt. Mit der Explosion der Technik der Schrift und der Erfindung des Buchdrucks erweiterten sich unsere Sinneswahr- nehmungen immer mehr, so dass unsere Welt größer wurde. Mit der zunehmenden Erschließung von elektronischen Technologien kehrt sich dieser Prozess um.

Durch das Aufkommen von Telegrafie, Fernsehen und Computer „verlässt das zentrale Nervensystem selbst den Körper und legt sich als neuronales Netz um den Erdkreis.“14Wir befinden uns in einem geschlossenen Stromkreis, in dem Informa- tion in Lichtgeschwindigkeit übertragen werden kann. Der Prozess der Explosion geht über in einen Vorgang der Implosion, die Welt zieht sich immer mehr zusam- men und wird zu einem elektronisch geschaffenen, globalen Dorf.15Dieses parado- xe Begriffspaar, das sich auf den Medienwissenschaftler Marshall McLuhan zurück- führen lässt, erscheint erst einmal gegensätzlich. „Global“ bedeutet so viel wie „weltumfassend“ oder „auf die ganze Erde bezüglich“, während man den Begriff „Dorf“ eher mit „Nähe“ und „kleiner Raum“ suggeriert. McLuhan meint damit nicht sprichwörtlich, dass die Menschen in einem realen Dorf leben, sondern be- nutzt den Begriff eher als eine Metapher für die Veränderung der menschlichen Beziehungen im Zeitalter moderner Massenmedien.16„Die neue elektronische In- terdependenz formt die Welt zu einem globalen Dorf“17schreibt Marshall McLu- han in seinem Werk „The Medium is the Massage“. Mit der weltweiten medialen Vernetzung durch Telefon, Radio oder Fernsehen schwinden örtliche Entfernun- gen dahin, der Raum wird kleiner und weit entfernte Orte wachsen zusammen, da die modernen Kommunikationstechnologien sämtliche Distanzen überwinden. Mit der Erfindung des Fernsehens war es möglich an Geschehnissen der ganzen Welt teilzuhaben, obwohl man sich weit entfernt aufhielt. „Fernsehen ist live und es ist überall. Es spannt das neuronale Netz der »Zuschauer« über den ganzen Planeten und vernetzt alle mit allen: Die Bildschirmakteure sitzen zusammen mit den TV- Usern in einem globalen Container.“18Während sich der Mensch mit der Erfin- dung der Schrift immer mehr von seiner Umwelt distanziert, wird im elektroni- schen Zeitalter genau diese Isolation wieder aufgehoben und der Mensch beginnt erneut, sich mit seiner Umwelt zu vereinen.19

Besonders im aktuellen 21. Jahrhundert und der Zeit von Facebook, Twitter und anderen diversen sozialen Plattformen im Netz erscheint McLuhan’s Theorie vom globalen Dorf wieder topaktuell und wird oft als Metapher für das World Wide Web angesehen. Soziale Netzwerke wie Facebook ermöglichen es uns innerhalb von nur wenigen Sekunden Kontakt zu Kommunikationspartnern am anderen der Welt aufzunehmen.

[...]


1Vgl. Gordon (2002).

2 Vgl. Marchand (1999, S. 17 ff.).

3Vgl. Levinson (1999, S. 1 ff.).

4Marchand (1999, S.15).

5McLuhan (2001, S. 98).

6Roesler & Stiegler (2005, S. 73).

7Marchand (1999, S.10).

8Focus Online (2011).

9McLuhan & Powers (1995, S. 15).

10 McLuhan & Powers (1995, S. 121).

11Marchand (1999, S. 11).

12Vgl. Levinson (1999, S. 2).

13 McLuhan (2001, S. 112).

14Roesler & Stiegler (2005, S. 74).

15Vgl. Roesler & Stiegler (2005, S.73 ff.).

16Vgl. Bühl (2000, S. 33).

17Fiore & McLuhan (1969, S. 67).

18Roesler & Stiegler (2005, S. 74).

19 Vgl. McLuhan (2001, S. 109).

Details

Seiten
19
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656658511
ISBN (Buch)
9783656658535
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273589
Institution / Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,7
Schlagworte
internationale kommunikation generation facebook wurde welt netzwerke dorf

Autor

  • Lara Te (Autor)

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