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Akteure und Interessengruppen einer multifunktionalen Landschaftsnutzung aus der Perspektive der Neuen Politischen Ökonomie

Hausarbeit 2003 18 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Fragestellungen

3. Zielsetzung

4. Das Konzept der Multifunktionalität und multifunktionale Landschaftsnutzung

5. Relevante Interessengruppen einer multifunktionalen Landschaftsnutzung
5.1 Bürokratie und Bürokraten
5.2 Die Politiker und die Regierung
5.3 Die Firma: Die landwirtschaftliche Betriebe
5.4 Die Wähler
5.5 Verbände: Die landwirtschaftlichen Verbände

6. Wechselwirkung zwischen Interessengruppen im Hinblick einer multifunktionalen Landschaftsnutzung
6.1 Wechselwirkung zwischen Politikern, landwirtschaftlichen Verbänden und Wählern
6.2 Wechselwirkungen zwischen Bürokraten, Politikern, landwirtschaftlichen Verbänden und landwirtschaftlichen Betrieben
6.3 Wechselwirkungen zwischen Wähler und Politiker
6.4 Das Rentenstreben der Interessengruppen

7. Multifunktionale Agrarlandschaftsnutzung aus der Perspektive einigen internationalen Organisationen
7.1 Die Welthandelsorganisation (WTO) und die Europäische Union (EU).
7.2. Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) und Food and Agriculture Organizations of the United Nations (FAO)

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Konzept der Multifunktionalität und damit die multifunktionale Landschaftsnutzung ist ein relativ junges Umwelt- und Agrarpolitikfeld, das inzwischen eine zunehmende Bedeutung erlangt hat, aufgrund des Drucks zur Liberalisierung der Agrargüterproduktion im Rahmen der Welthandelorganisation (WTO) und der zunehmenden Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf die Umweltproblematik, die zum großen Teil der landwirtschaftlichen Produktion zuzuschreiben ist.

Die relevanten Akteure einer multifunktionalen Landwirtschaftsnutzung sind bislang wenig aus der Perspektive der Neuen Politischen Ökonomie (NPÖ) herausgearbeitet worden. Die NPÖ nimmt grundsätzlich im Gegensatz zur normativen politischen Theorie, rationales Verhalten der Menschen auf der Basis des “homo oeconomicus” an. Die beteiligten Akteure verhalten sich opportunistisch und orientieren sich bei politischen Entscheidungen an ihren individuellen Interessenlagen (vgl. z.B. Downs, 1957, Frey und Kirchgässner, 1994).

Auf diese Annahmen basiert dieser Hausarbeit, um ein potenzielles Verhalten der Interessengruppen im Hinblick einer multifunktionalen Landschaftsnutzung (ML) zu prognostizieren.

Im ersten Teil werden die Fragestellungen erwähnt und im zweiten Teil wird die Zielsetzung dieses Beitrages genannt. Im dritten Teil werden die zu einer ML relevanten politischen Interessengruppen identifiziert. Die Wechselwirkungen dieser Interessengruppen zusammen mit dem Versuch, deren Verhalten im Hinblick einer ML zu prognostizieren, wird im vierten Teil unternommen. Im fünften Teil werden einige internationale Organisationen erwähnt, die für die ML relevant sind.

2. Fragestellungen

- Welche sind die politisch relevanten Interessengruppen einer multifunktionalen Landschaftsnutzung
- Wie würden sich relevante Interessengruppen gegenüber der Einführung einer multifunktionalen Landschaftsnutzung aus der Perspektive der Neuen Politischen Ökonomie verhalten?
- Welche sind die relevanten internationalen Organisationen, die die multifunktionale Landschaftsnutzung betreffen?

3. Zielsetzung

Die Zielsetzung dieses Beitrages ist, die relevanten politischen Akteure einer multifunktionalen Landschaftsnutzung herauszuarbeiten, deren politische Beziehungsgeflecht zu zeigen und eine positive Aussage über das Verhalten politisch relevanter Interessengruppen im Hinblick einer ML zu formulieren, sowie eine kurze Anmerkung über die Internationalen Organisationen, die die Einführung der ML beeinflussen.

4. Das Konzept der Multifunktionalität und multifunktionale Landschaftsnutzung

Im Kommuniqué anlässlich des OECD Ministertreffens im März 1998 wurde eine Facette des Agrarsektors hervorgehoben, die bis dahin auf internationaler Ebene kaum zur Sprache kam: die Multifunktionalität der Landwirtschaft. Damit wurde ein Begriff verwendet, der erst kurz zuvor, und zwar im Herbst 1997 beim EU- Agrarministerrat in Luxemburg, als eine Komponente des Europäischen Agrarmodells formuliert wurde. Zunächst wurde dieser Begriff lediglich im Zusammenhang mit der Rolle der Landwirtschaft in peripheren ländlichen Regionen verwendet, und zwar bei der Erhaltung der Landschaft und Sicherung natürlicher Ressourcen. Mittlerweile wird der „multifunktionale Charakter der Landwirtschaft“ dem gesamten europäischen Agrarsektor als immanente Eigenschaft zugeschrieben und als Legitimation für Politikmaßnahmen einzuführen[1].

Die konzeptionelle Grundlage der Multifunktionalität, worauf diese Hausarbeit basiert, ist diese, die von der OCED (2001, S.6) gegeben wurde: „Das Konzept der Multifunktionalität umschreibt die Tatsache, dass ein wirtschaftliches Handeln vielfältige Güter und Dienstleistungen hervorbringen und auf Grund dieser Eigenschaft zu verschiedenen gesellschaftlichen Zielen gleichzeitig beitragen kann. Multifunktionalität ist folglich ein aktivitätsorientiertes Konzept, welches die spezifischen Eigenschaften des Produktionsprozesses und dessen vielfältiger Resultate (Outputs) beschreibt.“

Hierbei muss jedoch hinzugefügt werden, dass derartige „vielfältige Outputs“ aus einer Mischung zwischen privaten Gütern und verschieden öffentlichen Güter bestehen. Ferner können diese öffentlichen Güter zwei Charakteristika aufweisen: 1. Sie stiften Nutzen für die Gesellschaft (positive Externalitäten) oder 2. sie schaden den gesellschaftlichen Wohlstand (negative Externalitäten) (Vatn, 2002, S. 312). Die Theorie der öffentlichen Güter besagt darüber hinaus, dass diejenigen Ressourcen, die sich unter einem Freizugangsregime befinden, übernutzt werden (vgl. z.B. Hardin, 1968). Somit ist darauf zu erwarten, dass die Erhaltung einer Landschaft oder Biodiversität beispielsweise von Seiten der Landwirte nicht getätigt wird, wenn sie ein öffentliches Gut darstellt.

An die oben genante Problematik der öffentlichen Güter kann durch das Konzept der Multifunktionalität herangegangen werden, was tatsächlich von der Europäischen Union (EU) im Rahmen der gemeinsamen Agrarpolitik getrieben wird[2].

Die Produktion positiver Externalitäten bzw. die Vermeidung negativer Externalitäten der landwirtschaftlichen Produktion stellt eine alternative Landschaftsnutzung dar, die als multifunktionale Landschaftsnutzung bezeichnet wird, wo derartige Produktion honoriert wird, um ein optimales Angebot von ihnen schaffen zu können.

Das Konzept der Multifunktionalität ist jedoch noch nicht ausreichend definiert und kann sehr unterschiedlich interpretiert werden. Die argumentative Unterschiedlichkeit dieses Konzepts wird insbesondere bezüglich seiner Darstellung verschiedener Organisationen hervorgehoben. Die FAO beispielweise setzt den Schwerpunkt auf der Nützlichkeit des multifunktionalen Konzepts zur Erreichung nachhaltigen Zielen. Die OECD verfolgt hingegen einen geprägten umweltökonomischen Ansatz und die EU verwendet das Konzept, um weitere staatliche Eingriffe in der landwirtschaftlichen Produktion begründen zu können.

Die OECD (2001) erfasst nebenbei die Kernelemente der Multifunktionalität: a. die Existenz vielfältiger Waren (commodity outputs) und nicht warenbezogener Güter und Leistungen (non-commodity-outputs), welche gemeinsam durch die Landwirtschaft produziert werden und b. die Tatsache, dass einige der non-commodity-outputs Eigenschaften von Externalitäten oder öffentlichen Gütern aufweisen.

5. Relevante Interessengruppen einer multifunktionalen Landschaftsnutzung

5.1 Bürokratie und Bürokraten

Das Büro ist hauptsächlich keine gewinnorientierte Organisation, da der Besitzer oder Angestellte derartiger Organisationen kein persönliches pekuniäres Einkommen aus der Differenz zwischen Einnahmen und Kosten des Büros erzielen (Niskanen 1971, S.15)

Die Bürokratien sind als eine Bürogruppe und deren Beziehungen mit ihrer externen Umwelt zu verstehen (Niskanen, 1971. S. 23). Ferner definiert Roppel (1979, S. 9), dass eine Bürokratie eine Organisation ist, „die sich nicht durch den Verkauf ihrer Leistungen auf Märkten, sondern durch einen ihr zur Verfügung gestellten Pauschalbetrag, durch ein Budget, finanziert“.

Unter der Bedingung des ökonomisch rationalen Verhaltens, versucht der Bürokrat seinen persönlichen Nutzen zu maximieren. Niskanen, (1971. S.38) identifiziert verschiedene Variablen des Bürokratennutzens: „salary, perquisites of the office, public reputation, power, patronage, output of the bureau, ease of making changes and ease for managing the bureau“, wobei mit Ausnahme der beiden letzten alle übrigen Nutzenbestandteile eine monotone Funktion des Gesamtbudgets der Behörde seien. Nach dieser Annahme wird ein Bürokrat (ein „Chefbürokrat“) immer danach streben, ein möglichst hohes Budget zu erlangen.

5.2 Die Politiker und die Regierung

Eine Gesellschaft, die durch ein demokratisches System gestaltet ist, weist die folgenden Charakteristika auf[3]:

1. Die Gesellschaft wählt eine Regierung, die in der Arbeitsteilung derjenige Agent ist, welcher das Gewaltmonopol aufweist, um andere Agenten der Gesellschaft zu zwingen.
2. In einer Demokratie kämpfen zwei oder mehrere Parteien um die Regierungskontrolle.
3. Die Partei bzw. Parteikoalition, die die Stimmenmehrheit gewinnt, übernimmt die Regierungskontrolle.
4. Parteien bestehen aus Individuengruppen (Teams).
5. Die zur Verfügung gestellte Information ist unvollständig und/oder asymmetrisch

[...]


[1] Sinabell, Franz. (2003). Die Multifunktionalität der österreichischen Landwirtschaft – eine ökonomische Annäherung. In: http://www.boku.ac.at/oega/tagung/2001_abstracts/sinabell_l.pdf. (Stand: 01.13.2004)

[2] Die Haltung der EU gegenüber dem M.L wird im sechsten Teil erwähnt.

[3] Die hier geschriebenen Definitionen, basieren auf einer Studie von Downs (1957, S.136-137)

Details

Seiten
18
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638294256
Dateigröße
586 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v27352
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften des Landbaus
Note
1
Schlagworte
Akteure Interessengruppen Landschaftsnutzung Perspektive Neuen Politischen Multifunktionale

Autor

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