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E.T.A. Hoffmann: Der Sandmann. Eine Analyse

Wie ist die Entstehung und Entwicklung Nathanaels Wahnsinn zu begründen?

Hausarbeit 2011 13 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführung in die Erzählung

3 Figurenanalyse
3.1 Nathanael
3.2 Clara
3.3 Olimpia
3.4 Coppelius/ Coppola

4 Freuds Interpretation

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

E.T.A Hoffmanns Erzählung Der Sandmann erschien 1816 im ersten Teil der Sammlung seiner sogenannten Nachtstücke. Die Geschichte die vom verhängnisvollen Leben des Protagonisten Nathanael erzählt blieb zu Lebzeiten des Autors zunächst weitgehend unbeachtet. Erst die Studie Siegmund Freuds über Das Unheimliche verhalf dem Schauermärchen zu Anfang des 20. Jahrhunderts zu größerer Aufmerksamkeit und veranlasste Autoren verschiedener Fachrichtungen zu neuen Interpretationen.[1] Freud hatte anhand des Nathanael die exemplarische Entwicklung einer psychischen Krankheit aufgezeigt. Dies verwundert zunächst, da zur Zeit der Entstehung des Sandmanns die Begründung der Psychoanalyse noch weit entfernt war. Wie konnte Hoffmann also den Verlauf einer psychischen Krankheit so beispielhaft darstellen, dass Freud daran 70 Jahre später seine Theorien aufzeigen konnte? Woher hatte Hoffmann das nötige Wissen? Ein kurzer Blick auf seine Biografie gibt Aufschluss: Hoffmann, der seine kreativen Fähigkeiten als Komponist, Zeichner und Dichter vorwiegend nachts auslebte, war tagsüber als Jurist tätig. Er eignete sich durch Studien der damaligen Fachliteratur umfassende Kenntnisse über die menschliche Psyche an. Auf diese konnte er sich bei der Erstellungen von Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit von Straftätern berufen. Sein Wissen über „Genese, Symptome und Therapie des Wahnsinns“ fügte er im Sandmann zu einer unheimlichen Erzählung zusammen.[2]

Diese Arbeit soll sich auf genau diesen psychoanalytischen Aspekt konzentrieren und den fortschreitenden Realitätsverlust des Protagonisten analysieren: Es soll die Frage beantwortet werden, wie die Entstehung und Entwicklung Nathanaels Wahn zu erklären ist. Im Zuge einer allgemeinen Einführung ist es zunächst erforderlich den Inhalt der Erzählung wiederzugeben. Daraufhin soll eine Analyse der Figur Nathanaels, sowie jener Figuren gegeben werden, die in Zusammenhang mit seiner Krankheit von Bedeutung sind. Anhand der Figuren lassen sich bereits einige Faktoren erkennen, die seinen Wahn auslösten, begünstigten oder verstärkten. Auf dieser Grundlage kann dann dazu übergegangen werden, die komplexere Theorie Freuds vorzustellen. Diese kann als Ergänzung für die bis dahin gefundene Erklärung aufgefasst werden. Schlussendlich soll im Fazit eine allübergreifende Beurteilung zusammenfassen, wie es zu Nathanaels tragischem Schicksal kam.

2 Einführung in die Erzählung

Die Erzählung ist multiperspektivisch aus den Briefen verschiedener Figuren und dem Bericht eines Erzählers zusammengesetzt, der oft auch aus der Perspektive Nathanaels spricht. Es herrscht weitestgehend Unklarheit darüber, inwieweit sich Begebenheiten wirklich so zugetragen haben oder durch Nathanaels subjektive Wahrnehmung beeinflusst sind. Einbildung und Realität verschmelzen in der Erzählung und es wird dem Leser überlassen, zu entscheiden was Wirklichkeit ist. In dieser Arbeit wird der psychoanalytische Standpunkt vertreten, dass die Ereignisse an sich nichts Furchterregendes an sich haben, obwohl man durch den Erzählstil die Ängste und Befürchtungen des Protagonisten stets nachvollziehen kann. Auf dieser Grundlage soll eine Zusammenfassung der Ereignisse erfolgen.

Die Erzählung beginnt mit einem Brief Nathanaels an seinen Freund Lothar. In diesem berichtet er ihm von der Begegnung mit dem Wetterglashändler Coppola. Nathanael glaubt in diesem den Advokat Coppelius erkannt zu haben. Um die Bedeutung dieser Begegnung verständlich zu machen, schildert Nathanael Erinnerungen aus seiner Kindheit: An manchen Tagen herrschte eine angespannte Stimmung in der Familie. Die Mutter schickte Nathanael und seine Geschwister mit der Begründung der Sandmann käme, zeitig zu Bett. Nach dieser Gestalt befragt, erzählte die Kinderfrau die Fabel vom grausamen Sandmann der „zu den Kindern [kommt] wenn sie nicht zu Bett gehen wollen und [...] ihnen Händevoll Sand in die Augen [wirft], dass sie blutig zum Kopf herausspringen.“[3] Um die Identität des Sandmanns zu ergründen, versteckt sich Nathanael eines Abends im Zimmer seines Vaters, sieht Coppelius und erkennt in seiner „grässlichen Gestalt“ den Sandmann, der zusammen mit seinem Vater alchemistische Experimente durchführt. Nathanael wird durch sein Aufschreien entdeckt und Coppelius droht, ihm die Augen zu nehmen. Auf bitten des Vaters lässt er ihm diese und Nathanael verfällt in einen wochenlangen Fieberschlaf. Ein Jahr später stirbt der Vater bei einem weiteren Experiment mit Coppelius. Dieser verschwindet daraufhin spurlos.

Diesen Brief hatte Nathanael versehentlich nicht an Lothar, sondern an seine Verlobte Clara geschickt. Sie verfasst daraufhin ein Antwortschreiben, indem sie erklärt, dass Nathanael allein die Verknüpfung zwischen Coppelius, der Fabel des Sandmans und dem Wetterglashändler Coppola geknüpft habe, diese aber nicht real sei. Sie legt ihm nahe, dies zu erkennen und sich nicht seiner Fantasie hinzugeben. Nathanael verfasst daraufhin einen weiteren Brief an Lothar, indem er eingesteht, sich wahrscheinlich geirrt zu haben, was die Identität des Wetterglashändlers Coppolas anbelangt.

[...]


[1] Vgl. Reclam Nachwort 2009, S. 61

[2] Vgl. ebd., S. 70 f.

[3] Hoffmann: Der Sandmann 1816, S. 5

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656657057
ISBN (Buch)
9783656657095
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273510
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg – Institut für Literarische Kulturen
Note
1,7
Schlagworte
Psychoanalyse Literatur Freud Hoffmann Sandmann

Autor

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