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Systemische Beratung. Familientherapie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 39 Seiten

Pädagogik - Familienerziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Was ist Beratung ?

2. Dimensionen von Beratung
2.1 Einzelberatung
2.2 Die Familienberatung
2.3 Die Gruppenberatung
2.4 Die Selbsthilfegruppenberatung

3. Kommunikation

4. Beratungsbeziehungen

5. Beratungsmethoden

6. Fragetypen
6.1 Fragen zum Gesprächsrahmen
6.2 Das Verflüssigen von Eigenschaften
6.3 Zirkuläres Fragen
6.4 Lösungsorientiertes Fragen/ Lösungsorientierte Kurztherapie
6.5 Zukunftsorientierte Fragen
6.6 Spekulative Fragen
6.7 Verantwortungsbetonende Fragen
6.8 Zielorientierte Fragen
6.9 Prozessfragen
6.10 Reflecting Team

7. Die Familientherapie
7.1 Geschichte der Familientherapie
7.2 Das Mailänder Modell
7.3 Was ist Familientherapie ?
7.4 Warum Familientherapie, wenn es nur einer Person schlecht geht?
7.5 Warum Familientherapie?
7.6 Rolle des Therapeuten
7.7 Anwendungsgebiete der Familientherapie

8. Fazit/ Zusammenfassung

9. Literaturverzeichnis

10. Selbstständigkeitserklärung

Einleitung

„Zu sehen und zu hören, was in mir ist und mit mir ist und nicht, was dort sein sollte, dort war oder vielleicht sein könnte! Zu sagen, was ich fühle und denke und nicht, was ich sagen sollte! Zu fühlen, was ich fühle und nicht das, was ich fühlen sollte! Zu fragen, was ich möchte und nicht warten, warten, warten auf Erlaubnis! Zu wagen, was mich reizt, statt immer nur Sicherheit zu wählen!“[1]

Virginia Satir beschreibt fünf Freiheiten die jedem Menschen vergönnt sein sollten. Doch was ist wenn diese Freiheiten verwehrt werden bzw. wurden. Welche positiven oder negativen Auswirkung hat dies auf die Entwicklung eines Menschen? Welche Arten von psychischen Störungen ergeben sich daraus und wer behandelt sie? Welche Behandlungsmöglichkeiten werden eingesetzt? Auf all diese Fragen werden wir in unserer Hausarbeit genauer eingehen. Wir legen dabei besonderes Augenmerk auf die Entwicklung und den Aufbau der systemischen Beratung und Familientherapie. Weiterhin befassen wir uns mit den Anwendungsmöglichkeiten und dem Facettenreichtum der Inhalte der verschiedenen Modelle während der Entstehung bis hin zur heutigen bunten Landschaft von gemischten Anwendungen im Bereich der systemischen Beratung und Familientherapie.

1. Was ist Beratung ?

Beratung erfolgt heutzutage überall in solchen Gebieten, in denen wir uns nicht so gut auskennen. Die Beratung wird in den meisten Definitionsvorschlägen als professionelle Hilfestellung verstanden und geschieht meist aus beruflicher Absicht. In der Regel ist sie kein Ausdruck einer persönlichen Beziehung oder von Anteilnahme. Es gibt eine Menge Beratungsarten – bzw. Eheberatung, kommerzielle Beratung, Steuerberatung, u.a. Das Ziel einer Beratung ist meist eine Verhaltensänderung; die Zielsetzung von Beratung wird eher im Zusammenhang mit eng definierten situationsabhängigen Angelegenheiten und spezifischen Problemen gesehen. Für deren Bewältigung kommt es darauf an, dass man die Ressourcen eines Menschen voll ausnutzt. Der Ratsuchende sollte sein Problem möglichst selbst erkennen, es mit Hilfe des Beraters wahrnehmen und selbst eine Lösung zu diesem Problem finden.

2. Dimensionen von Beratung

2.1 Einzelberatung

Die Beratung von einer einzigen Person ist die kleinste denkbare Beratungsform, in der (mindestens) zwei Personen miteinander kommunizieren. Mittelpunkt dieser Beratungsform sind individuelle und subjektive Problemerfahrungen und individuell erlebte soziale Rahmenbedingungen. Das Zentrum der Beratung ist also die Sicht des Ratsuchenden. Hier gilt es, sie zu verstehen und die Probleme, die hinter dem Erlebten und Dargestellten stecken, zu filtern, zu analysieren und auszuwerten. Dritte Personen werden nur indirekt durch die Darstellung des Ratsuchenden mit einbezogen, beispielsweise dann, wenn sie Ursache der Probleme sind oder maßgeblich an ihnen beteiligt sind; aber auch dann, wenn sie zur Unterstützung der Problembewältigung beitragen können.

Die Einzelberatung ist eine klassische Methode, die sich bis zu den 70er Jahren als die meistgewählte Form der Therapie durchsetzte. Erst danach wählte man Gruppen- oder Familienberatungen und – therapien.

Die Einzelfallarbeit erstreckte sich vorerst nur auf die Sozialarbeit, beispielsweise mit Alkoholabhängigen oder anderen weniger gut betuchten Personen. Sie galt als die „Psychotherapie für Arme“[2].

Man versuchte, die Subjektivität eines Menschen zu verstehen, indem man die Problemerfahrungen und Lebenssituation des Einzelnen beleuchtete. Das bedeutete jedoch nicht, dass man die Probleme des Einzelnen auf seine mangelnde Kompetenz oder auf Versagen seinerseits schob. Die Individualität der Problemsituationen diente lediglich zur Reduzierung des Kontextes auf das eigentliche Problem, ohne Beleuchtung von Rahmenfaktoren oder ähnlichem. Die Einzelberatung ist also zwar eine verkürzende Problem- und Handlungsperspektive, aber auch eine auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Reflexion der Probleme.

Der Ratsuchende erlebt seine Probleme ganz allein und vollkommen anders, als jemand in einer ähnlichen Situation. Die Beratungsmethode sollte allerdings auch das soziale Umfeld und gesellschaftliche Ereignisse nicht außer Acht lassen, denn auch in Einzelberatungen und – therapien ist es möglich und nötig, den familiären oder sozialen Hintergrund anzusprechen. Die Einzelberatung ist somit die intensivste Form aller Beratungsmöglichkeiten, da sie sich primär auf die individuellen Probleme des Einzelnen richtet, auf sie eingeht und spezifische Problemlösungen findet.

Die Ratsuchenden müssen keine Rücksicht auf andere nehmen und können ganz offen mit dem Berater über ihre Probleme reden, ohne dass andere Personen zuhören, gerade wenn dem Ratsuchenden die eigenen Probleme peinlich sind und sie nicht offen vor anderen Personen darüber reden können.

2.2 Die Familienberatung

Die Familienberatung konzentriert sich auf die Beratung und Therapie mehrerer Personen, meist Familienmitglieder – Kinder und Eltern, aber auch Paare. Sie behandelt die Probleme des Einzelnen und versucht, mit Hilfe anderer betroffener Personen die Schwierigkeiten zu lösen. Beispiele dafür sind Krankheiten oder Behinderungen eines Familienmitglieds, aber auch das Versagen eines Kindes in der Schule, lange Arbeitslosigkeit oder materielle oder gesellschaftliche Belastungen.[3]

Diese Form der Beratung ist allerdings nicht immer freiwillig. Ein Kind wird sich nicht unaufgefordert dem Beratungsgesuch der Eltern anschließen. Auch soziale Dienste setzen die Familie unter Druck, wenn sie drohen, das Kind wegzunehmen, wenn die Eltern kein Beratungsgespräch aufsuchen. Diese Art der Ausgangslage ist für Ratsuchenden und Berater nicht unbedingt die optimalste Vorraussetzung für eine gelungene Beratung. Dieses Erzwingen einer Familienberatung wird heute oftmals mit der Besorgnis um das Wohlergehen des Kindes begründet. Lehrer und Erzieher haben die Möglichkeit, sich durch den regelmäßigen Umgang mit solchen Kindern ein ausgeprägtes Bild ihrer Verhaltensweisen zu machen und bei Vermutungen über beispielsweise Misshandlungen oder Vernachlässigung durch die Eltern entsprechende Schritte dagegen in die Wege zu leiten.

Wenn die Eltern nun nicht bereit sind, so eine Familienberatung in Anspruch zu nehmen, ist es allerdings wenig sinnvoll, sie dazu zu zwingen. Dieser Zwang wäre eine ungünstige Vorraussetzung, um etwas über die Wahrnehmungen, Gefühle, Ängste oder Ansichten der Eltern zu erfahren.

2.3 Die Gruppenberatung

„Eine Gruppe ist eine Anzahl von Personen, die in wechselseitigen Beziehungen zueinander stehen und sich dabei ein Gruppengefühl (...) entwickelt.“[4]

Dabei unterscheidet man zwischen Primär- und Sekundärgruppen. Primärgruppen sind durch enge Zusammenschlüsse von interagierenden Personen gekennzeichnet. Diese Personen kennen sich sehr gut, beispielsweise Familien oder der engste Freundeskreis.

Sekundäre Gruppen sind locker zusammenhängende Personengruppen, die eine indirekte Beziehung untereinander haben und eher distanziert zueinander sind, wie beispielsweise Arbeitskollegen oder die Kommilitonen eines Studenten.

Des weiteren werden diese Gruppen in formelle und nicht- formelle Gruppen unterteilt. Die Mitglieder einer Schulklasse gehören zu einer formellen Gruppierung, während die Mitglieder eines Freundeskreises nicht formell bestimmt werden.

Die Gruppenberatung ist durch Kommunikation zwischen den Teilnehmern , durch den Austausch von Erfahrungen, Kenntnissen, Einstellungen und individuellen Handlungsweisen gekennzeichnet. In einer Gruppenberatung können die auftretenden Probleme besser bewältigt werden, da jeder Teilnehmer durch individuelle Sichtweisen und Beratung des anderen zur Lösung des Problems beiträgt. Durch die verschiedenen Erfahrungen, die jeder Teilnehmer machte, ist es für alle Betroffenen leichter, die belastende Situation zu akzeptieren und sich damit auseinander zu setzten. Man erkennt, dass man mit seinem Problem nicht allein ist. Diese Erkenntnis lässt das Selbstwertgefühl und den Mut zur Problembewältigung ansteigen. Viele Ratsuchende erleben es als Erleichterung, unangenehme Themen in einer Gruppe offen ansprechen zu können und sich nicht dafür schämen zu müssen. Die sozialen Konsequenzen der eigenen Schwierigkeiten können in der Gruppe leichter thematisiert werden, weil eine gemeinsame Basis und ein gemeinsames Verständnis für das jeweilige Problem vorliegt.

Die Gruppenberatung durchläuft verschiedene Phasen:

In der ersten Phase lernen sich die Teilnehmer erstmals kennen und es wird die Kommunikationsform untereinander bestimmt. Der oder die Berater stellen hierzu Regeln auf, die für alle Teilnehmer gelten, wie beispielsweise maximale Redezeiten für jeden Einzelnen oder Diskretion.[5] Im nächsten Schritt wird das zu erörternde Thema festgelegt, zu dem jeder Teilnehmer seine eigenen Erfahrungen darstellt. Danach wird versucht, die Probleme zu analysieren und zu interpretieren, wobei hier ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Einzelfall und Gesamtanalyse herrscht. Dieser Wechsel zwischen individuellen Sichtweisen und allgemeinen Perspektiven ist durchaus hilfreich für die Problembewältigung.

Die Endphase einer solchen Gruppentherapie besteht meist aus der Reflexion der individuell vorgenommen Lösungsschritte.

Die Gruppenberatung ist heute im bereich der Frauen- und Mädchenberatung eine weit verbreitete Situation. Vielen Frauen und Mädchen hilft es, sich in einer Gruppe mit Gleichgesinnten über Ängste, Nöte und andere Themen zu unterhalten. Solche Themen können aber auch Partnerschaftsprobleme, mangelndes Selbstwertgefühl, Sucht, Depressionen, o.ä. sein.

Beratungsgruppen bieten den Hilfesuchenden schnell und kurzfristig eine Möglichkeit zur Unterstützung.

2.4 Die Selbsthilfegruppenberatung

In der Selbsthilfegruppenberatung ist kein professioneller Berater anwesend. Die Selbsthilfe gewinnt ihre Kraft aus teilnehmenden Personen, die gewillt sind, ihre Probleme mit Hilfe anderer, gleichgesinnter Personen zu lösen.

Solche Selbsthilfegruppen werden im Allgemeinen dennoch nicht ohne Aufsicht gelassen. Für anfallende Schwierigkeiten stehen immer Berater zur Verfügung, beispielsweise bei Konflikten innerhalb der Gruppe oder bei Aktivitäten, die die Gruppe plant. Die leitende Funktion bleibt jedoch trotzdem die der Gruppe; der Berater hat lediglich die Aufgabe, die Gruppe auf Abruf zu unterstützen, so dass die Gruppe nicht in Versuchung geraten kann, sich von der Meinung des Beraters abhängig zu machen.

Des weiteren gibt es noch Organisations-/ Institutions- und Kollegiale Beratung, auf die wir aber nicht näher eingehen werden.

3. Kommunikation

In der Alltagssprache versteht man unter Kommunikation meist nur das verbale Verhalten. Doch Kommunikation umfasst mehrere Bereiche des menschlichen Denkens und Handelns: Mimik, Gestik, das ´Sich- verstehen´ aber auch das ´Sich- nicht- verstehen´.[6] Kommunikation bedeutet, dass ein Verhalten zwischen zwei oder mehreren Personen vorliegt, indem etwas vermittelt wird. Das Beratungsgespräch ist also auch eine Form der Kommunikation.

Watzlawick stellte dazu fünf Regeln auf:[7]

„Es ist unmöglich, nicht zu kommunizieren.“

Mit jedem Verhalten teilt man sich selbst und seiner Umwelt etwas mit; somit ist jedes Verhalten eine Form der Kommunikation.

„Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt (- wobei der Beziehungsaspekt den Inhaltsaspekt überlagert).“

Der Sender drückt über seine Kommunikation einen Mitteilungsinhalt aus. Dieser Inhalt bezieht sich nicht nur auf den Empfänger, sondern auch auf das Verhältnis zum Kommunikationspartner.

Wenn solch eine Beziehungsebene gestört ist, wird die gesendete Botschaft nie das ziel erreichen, was eigentlich beabsichtigt war. Diese Kommunikationsebenen müssen gleichzeitig betreten werden, um sich ordentlich miteinander verständigen zu können.[8]

„Jede Kommunikation enthält in der unterschiedlichen Sicht der verschiedenen Partner eine Struktur, die als Interpunktion einer Ereignisabfolge erscheint.“

Bei einem bestimmten Kommunikationsablauf wird von den Kommunikationspartnern ein Anfangspunkt gesetzt (Interpunktion[9] ). Bei einer Auseinandersetzung ist es möglich, dass jeder Kommunikationspartner seinen Anfangspunkt dafür geltend macht. So entsteht eine kreisförmige Kommunikation; das heißt, es werden keine Ursachen analysiert, sondern es folgt immer eine Reaktion auf die andere.

„Die menschliche Kommunikation kann in digitaler (genau bezeichenbarer) und analoger (ähnlicher) Weise erfolgen.“

Analog von digital zu unterscheiden ist eigentlich Aufgabe der Mathematik und Physik. Von digitaler Kommunikation spricht man immer dann, wenn der Mitteilungsinhalt verschlüsselt ist und die Bedeutung der Schlüsselzeichen eindeutig ist.[10] Dazu gehören die Sprache, jegliche Formen von Buchstaben und Zahlen.

Ist die Information in solchen Zeichen verschlüsselt, die nur eine ungefähre und indirekte Darstellung erlauben, spricht man von analoger Kommunikation.

Dazu gehört die Körpersprache, Mimik, Blicke, Gebärden, aber auch Tonfälle und der Sprachstil.

Diese Zeichen werden von verschiedenen Kommunikationsempfängern auch unterschiedlich interpretiert.

Beziehungsaspekte werden meist über analoge Kommunikation ausgedrückt; Inhaltsaspekte dagegen über digitale Kommunikation. Durch analoge Interaktion wird meist sehr undeutlich ausgedrückt, was gemeint ist. Um dadurch Unsicherheiten zu vermeiden, sollte es immer Rückmeldungen in digitaler Form (bsw. durch Sprache) geben. Ein Lächeln ist in manchen Situationen nicht eindeutig genug, deshalb bedarf es einem digitalen Feedback.

„Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär, je nachdem, ob die Beziehung zwischen den Partnern auf Gleichheit oder auf Unterschiedlichkeit beruht.“

Eine symmetrische Kommunikation ist dadurch gekennzeichnet, dass beide Partner von einem ebenbürtigen Verhältnis zueinander ausgehen.

Die komplementäre Kommunikationsform zeichnet sich durch einander ergänzende Verhaltensweisen beider Kommunikationspartner aus. Wichtig ist, dass in beiden Kommunikationssituationen die jeweiligen Verhaltensweisen ineinander verzahnt sind und sich gegenseitig bedingen.[11]

In einer Beratungssituation hat der Berater einen Wissensvorsprung (inhaltliche Komplementarität) und der Ratsuchende bittet um Hilfe (Beziehungskomplementarität). Somit ist die Beratungssituation eher ein komplementäres verhalten; der Berater hat jedoch die Aufgabe, dem Ratsuchenden volle Anerkennung für sich und sein Problem zu schenken.

Ein weiterer Grundsatz ist, dass der Berater seine Überlegenheit in einer Beratungssituation nicht zeigen sollte. Vielmehr sollte er dem Ratsuchenden das Gefühl vermitteln, ein Partner von ihm zu sein.

Da jede Beratungssituation individuelle Maßnahmen erfordert, ist es nicht empfehlenswert, vorgefertigte Interpretationsschemata zu verwenden. Der Berater hat nicht die Aufgabe, dem Ratsuchenden Lösungswege aufzuzeigen, er soll ihm lediglich helfen, selbst Lösungen zu finden und ihn auf dem Weg der Planung und Durchführung unterstützen.

Für den Berater gibt es dabei zwei Möglichkeiten, dem ratsuchenden die nötige Aufmerksamkeit entgegenzubringen: das aktive und das passive Zuhören.[12]

Das passive Zuhören ist dadurch gekennzeichnet, dass der Berater nur zuhört und (vorerst) nicht sagt und auch keine Fragen stellt.

Das Schweigen wird vom Ratsuchenden als Interesse und Anteilnahme verstanden und ermutigt ihn, seine Probleme in Worte zu fassen. Reaktionen vom Berater, beispielsweise Kopfschütteln oder Nicken zeigen dem Ratsuchenden, dass er die volle Aufmerksamkeit des Beraters genießt.

Das aktive Zuhören soll dem Ratsuchenden das Gefühl vermitteln, dass seine Probleme verstanden werden. Der Berater erstattet dem Klienten eine Rückmeldung, indem er mit eigenen Worten die Probleme des Ratsuchenden wiedergibt. Damit werden Missverständnisse umgangen und Falschinformationen verhindert. Die Akzeptanz des Beraters wird gefestigt und es baut sich eine Vertrauensbasis auf. Der Ratsuchende soll animiert werden, seine Hemmungen zu überwinden und seine Gefühle zu äußern. Die Beratungssituation wird entemotionalisiert.[13]

4. Beratungsbeziehungen

Die wichtigste Dimension eines Beratungsgesprächs ist die Beziehung zwischen Berater und Ratsuchendem. Ein erfolgreicher Berater verfügt über kognitive, emotionale und pragmatische Kompetenz – er muss die Beratungssituation überschauen können, dialogfähig sein und ebenso einfach nur zuhören können, Geduld und Toleranz aufzeigen und über nötige theoretische und praktische (anwendungsbezogene) Kenntnisse verfügen. Der Erfolg einer Beratung ist im Wesentlichen davon abhängig, wie gut oder schlecht sich die Beziehung untereinander entwickelt und ob eine gewisse Vertrauensbasis geschaffen wird. Existiert eine solche vertrauensvolle Basis nicht, helfen auch die besten Methoden nicht, um das Problem zu bewältigen.

Carl Rogers stellte drei wichtige Merkmale auf, die für eine erfolgreiche Beratung von Nöten sind.[14] Sie sind Grundvoraussetzung für jeden guten Berater und unabdingbar für eine erfolgreiche Beratung:

[...]


[1] Zitat: Virginia Satir in http://lernen.bildung.hessen.de/bilingual/zitat_der_Woche/quotesarchiv

[2] Sickendiek, Ursel/ Engel, Frank/ Nestmann, Frank: Beratung. S. 85

[3] Sickendiek, Ursel/ Engel, Frank/ Nestmann, Frank: Beratung. S. 92

[4] Sickendiek, Ursel/ Engel, Frank/ Nestmann, Frank: Beratung. S. 92

[5] vgl. Sickendiek, Ursel/ Engel, Frank/ Nestmann, Frank: Beratung. S. 93

[6] Satir; Virginia: Familienbehandlung- Kommunikation und Beziehung in Theorie, Erleben und Therapie. S. 80f

[7] Bachmair, Sabine/ Faber, Jan/ Hennig, Claudius/ Kolb, Rüdiger/ Willig, Wolfgang: Beraten will gelernt sein. S. 98f

[8] vgl. Bachmair, Sabine/ Faber, Jan/ Hennig, Claudius/ Kolb, Rüdiger/ Willig, Wolfgang: Beraten will gelernt sein. S. 100

[9] vgl. Bachmair, Sabine/ Faber, Jan/ Hennig, Claudius/ Kolb, Rüdiger/ Willig, Wolfgang: Beraten will gelernt sein. S. 100

[10] vgl. Bachmair, Sabine/ Faber, Jan/ Hennig, Claudius/ Kolb, Rüdiger/ Willig, Wolfgang: Beraten will gelernt sein. S. 101

[11] vgl. Bachmair, Sabine/ Faber, Jan/ Hennig, Claudius/ Kolb, Rüdiger/ Willig, Wolfgang: Beraten will gelernt sein. S. 102

[12] Gordon, Thomas: Familienkonferenz - die Lösung von Konflikten zwischen Eltern und Kind S.70f

[13] Gordon, Thomas: Familienkonferenz - die Lösung von Konflikten zwischen Eltern und Kind. S.70f

[14] vgl. Sickendiek, Ursel/ Engel, Frank/ Nestmann, Frank: Beratung. S. 113

Details

Seiten
39
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638294126
ISBN (Buch)
9783638649414
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v27334
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Note
1.3
Schlagworte
Systemische Beratung Familientherapie

Autoren

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Titel: Systemische Beratung. Familientherapie