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Der Begriff der Verdrängung als Kontroverse

Hausarbeit 2013 14 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Definition des Verdrängungsbegriffs nach Sigmund Freud

2 Gegenthese zur unbewussten Verdrängung

3 Verdrängung und Traumata am Beispiel von PTBS

4 Dissoziative Amnesie und Verdrängung

5 Kritik an der Theorie und dem Begriff der Verdrängung

6 Resumeé

Literaturverzeichnis

1 Definition des Verdrängungsbegriffs nach Sigmund Freud

Eine der ersten Theorien des Unbewußten stammt von Sigmund Freud. Er vertrat die These, daß bestimmte Lebenserfahrungen, wie etwa traumatische Erinnerungen oder tabuisierte Wünsche, so bedrohlich für unsere Psyche sind, daß sie aus unserem Bewußtsein verbannt werden. Für diesen Vorgang führte er den Begriff der Verdrängung ein. Freud nahm an, daß bei der Verdrängung des Inhalts der unannehmbaren Ideen oder Motive die damit verbundenen intensiven Gefühle weiterhin vorhanden sind und das Verhalten beeinflussen (Zimbardo, 1999, S.166).

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu berücksichtigen, dass es sich nach Freuds These bei der Verdrängung um die unbewusste Unterdrückung von Triebbedürfnissen handelt oder um belastende Impulse wie Scham-, Schuld-, oder Angstgefühle die aus dem Es stammen. Dieser Vorgang steht also einem entschlossenem und kontrolliertem Triebverzicht entgegen (Vgl. Brühlmeier, 1995).

Diese Betrachtungsweise geht auf Freuds Instanzen-Modell (Es – Ich – Über Ich) zurück. Nach diesem Modell ist für die Verdrängung der unbewusste, nicht zugängliche Teil des Ich, unter Einfluss der moralischen Instanz Über-Ich, zuständig, der den Triebregungen und Wünschen des Es entgegenwirkt (Vgl. Brühlmeier, 1995). Das es sich dabei um den unbewussten Teil des Ich handelt, bezieht wiederum Freuds topografisches Modell mit ein (Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Illustration des topographischen Modells nach Sigmund Freud.

erstellt von Tanja Weigert mit Paint

Anhand der Illustration ist Sigmund Freuds Betrachtungsweise sehr gut nachzuvollziehen. Deutlich ist zu sehen, dass das Es, welches nach seiner Theorie Hort der Inhalte ist, die es zu verdrängen gilt vollständig im Unbewussten liegt und somit nicht zugänglich sind, während Teilbereiche des Ich und Über-Ich im vorbewussten-und bewussten Teil der Seele liegen und somit für den Menschen einen zugänglichen Teil beherbergen.

Inwieweit spielt nun der Mechanismus der Verdrängung in Sigmund Freuds These des Instanzen-und topographischen Modells überhaupt eine Rolle? „Die Verdrängung ist der grundlegende Abwehrmechanismus des Ich. Abwehrmechanismen sind psychische Strategien, die das Ich einsetzt, um die Konflikte abzuwehren, die im normalen Verlauf des Lebens auftreten.“ (Zimbardo, 1999. S.533) Das Ich entspricht dabei der Instanz der Realität und steht als Vermittler in ständigem Konflikt zwischen dem Es, dem Über-Ich und den Ansprüchen der Außenwelt. Das Es hingegen ist, wie schon anklang die Instanz der Triebwünsche und -regungen und somit als „Lustprinzip“ zu bezeichnen, während das Über-Ich die Instanz repräsentiert, welche die moralischen Regeln und Normen beherbergt (Vgl. Zimbardo, 1999, S.533). Aus den bisherigen Anführungen lässt

sich ableiten das, Triebwünsche und Impulse aus dem Es in das Bewusstsein drängen. Die Art und Menge von Triebregungen und Wünschen, die eine Bedrohung für die Psyche darstellen könnten, werden nun also vom unbewussten Teil des Ich in Zusammenarbeit des Über-Ich verdrängt. Anders formuliert ist Motiv und Absicht der Verdrängung nichts weiter als die Vermeidung von Unlust (Vgl. Freud, 1915, S.37). Wichtig für das Verständnis der Wirkungsweise der Verdrängung ist weiterhin, dass die unerwünschten (das Ich bedrohenden) Inhalte nicht einfach nur einmal verdrängt werden und dann verschwunden sind. Vielmehr ist die Verdrängung eines individuellen Inhaltes ein andauernder Prozess, der gleichfalls das andauernde Aufbringen psychischer Energie erfordert. Wie hoch die Energie sein muss, um einen Inhalt im Unbewussten zu halten und somit fortwährend zu verdrängen ist von Art und Schwere des Inhaltes abhängig (Vgl. Freud, 1915, S.32 ff). Der Konflikt, welcher nun also verdrängt wurde, ist keinesfalls gelöst und „schwelt“ im Unbewussten weiter. Genau diese Tatsache ist es nun, die in der Folge zu Fehlleistungen, Neurosen und Psychosen führen, sowie in Träumen zu Ausdruck kommen kann (Vgl. psychologie48, 2009).

2 Gegenthese zur unbewussten Verdrängung

Einige Forscher, darunter der amerikanische Psychiater Harrison Pope behaupten, das die Verdrängung lediglich ein kulturelles Produkt ohne biopsychologische Basis sei (Vgl. Westerhoff in Süddeutsche, 22.Mai 2010). Die Vorstellung verdrängter belastender Erinnerungen existiere demzufolge erst seit etwa 200 Jahren. Vor dem Jahr 1800 gäbe es keine Beschreibung eines solchen Vorgangs. Weder in der Fachliteratur noch in Romanen, Gedichten oder Erzählungen. Dies hieße zwar nicht, dass es keinerlei verdrängte Erinnerungen gäbe, würde aber darauf hindeuten, dass es wie bereits erwähnt eher ein Produkt der modernen westlichen Kultur sei. So hätte es immer schon Berichte über Depressionen, Wahnvorstellungen und Angststörungen gegeben, Berichte über Verdrängungen jedoch erst seit dem 19. Jahrhundert (Vgl. Heinzel, 2011. S.338 f).

Weiter führen die Kritiker der freudschen Verdrängung an, das es seiner Theorie zu folge ja so sein müsse, dass die Menschen, die besonders Schlimmes erlebt haben, ein besonderes Interesse daran haben müssten, zu vergessen und genau diese Inhalte aus ihrem Gedächtnis auszuschließen, respektive zu verdrängen. Hier sei aber genau das Gegenteil der Fall, da es Menschen die möglicherweise sexuelle Übergriffe erlebt haben, genau nicht gelänge diese Gedanken loszulassen und zu vergessen. Es sei also nicht das Problem, zu verdrängen, sondern nicht verdrängen zu können. Weil genau dieser Zustand dazu führe, dass Menschen mit ihren Belastungen nicht mehr fertig würden und seelisch erkrankten, da es ihnen nicht gelänge belastende Inhalte loszulassen ( Vgl. Westerhoff in Süddeutsche, 22.Mai 2010).

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Details

Seiten
14
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656655268
ISBN (Buch)
9783656655213
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273281
Institution / Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Stendal – Fachhochschule
Note
1,3
Schlagworte
Freud Verdrängung Instanzenmodell Psychologie Sigmund Freud Traumata Amnesie

Autor

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