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Der Film „La Haine“ unter der Betrachtung der Kulturtheorien von G. Simmel und M. Certeau

Hausarbeit (Hauptseminar) 2013 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „La Haine“ – dt. ‚Der Hass‘

3. Begründung der Filmauswahl

4. Die ‚Studien‘ Georg Simmels
4.1. Georg Simmel: ‚Über räumliche Projektionen sozialer Formen‘

5. Die ‚Studien‘ Michel de Certeaus
5.1. Michel de Certeau: ‚Praktiken im Raum‘

6. Die Anwendung vorhergehender Kulturtheorien auf den Film "La Haine“

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In vorliegender Hausarbeit werde ich mich mit den Kulturtheorien von Georg Simmel und Michel de Certeau in Bezug auf den Film „La Haine“ beschäftigen. Ich werde zunächst den Filminhalt wiedergeben und zudem die dazugehörige Begründung zur Auswahl des Filmes erläutern. Des Weiteren werde ich kurz auf den Autor Georg Simmel und folglich auf seine Kulturtheorie ‚Über räumliche Projektionen sozialer Formen‘ eingehen. Daran schließt Michel de Certeau mit seiner Kulturtheorie ‚Praktiken im Raum‘ an. Überdies werde ich mich mit der Anwendung dieser Kulturtheorien im Film selbst beschäftigen, wobei ich auf die Theorie Georg Simmels besonderes Augenmerk lege und ausführlicher eingehen werde. Zusammenfassend und resümierend folgt dann das Fazit.

2. „La Haine“ – dt. ‚Der Hass‘

„Dies ist die Geschichte von einem Mann, der aus dem 50. Stock von `nem Hochhaus fällt. Während er fällt, wiederholt er, um sich zu beruhigen, immer wieder: ‚Bis hierher lief‘s noch ganz gut, bis hierher lief’s noch ganz gut, bis hierher lief’s noch ganz gut…‘. Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung!“

Genau so beginnt der Film „La Haine“ von Mathieu Kassovitz. Ein französisches Drama aus dem Jahre 1995. Der Film spielt in einer Pariser Vorstadt Mitte der 90er Jahre. Er ist in schwarz-weiß gedreht und schildert das trostlose Leben in den Banlieues, den Vorstädten Frankreichs.

Der Film beschreibt genau 24 Stunden im Leben des Arabers Said, des Juden Vincent und des dunkelhäutigen Hubert. Diese drei Jugendlichen führen in der französischen Gemeinde Chanteloup-les-Vignes ein sehr tristes und hoffnungsloses Leben. Der Film thematisiert zu Beginn das erste zentrale Thema, nämlich die Auseinandersetzungen zwischen den Einwohnern und der Polizei in der vergangenen Nacht. Grund dafür ist eine Straßenschlacht, bei der Abdel, „einer von ihnen“, lebensgefährlich verletzt wurde und just im Koma liegt. Daraufhin brechen ausartende Straßenschlachten zwischen den Gangs des Viertels und der Polizei los. Vincent findet die verloren gegangene Schusswaffe eines Polizisten und schwört sich und den anderen, einen Polizisten zu töten, wenn Abdel stirbt, um so das Gleichgewicht wiederherzustellen. Der Verlust der Waffe eines Polizisten spricht sich natürlich schnell herum, bleibt aber ungeklärt. Obwohl er die Waffe zunächst versteckt hatte, trägt Vincent sie fortan mit sich. Dies hat mehrere gefährliche Situationen mit der Polizei, aber auch untereinander zur Folge. Vor allem zwischen Vincent und Hubert kommt es zu etlichen Diskussionen und Streitgesprächen, weshalb sich die Gruppe immer wieder zeitweise trennt.

Ortswechsel: Die drei Jugendlichen fahren zusammen in die Stadt Paris und werden dort wegen Ruhestörungen von der Polizei aufgegriffen und festgenommen, wobei Vincent aber fliehen kann. Die Polizisten misshandeln und traktieren Said und Hubert so lange, dass sie sogar ihren Zug zurück in ihren Heimatort verpassen. Am Bahnhof in Paris aber treffen sie wieder auf Vincent, der auf sie gewartet hatte. Gemeinsam gehen sie daraufhin zurück in die Stadt und führen ihre „Rowdy“-Tour fort, indem sie eine Vernissage stören und ein Auto knacken. In „Le Forum de Halles“ erfahren sie dann, dass Abdel an seinen Verletzungen indessen im Krankenhaus verstarb. Vincent schwört deshalb Rache, was abermals ein Streit über die Waffe auslöst. Said und Hubert gehen Vincent deshalb aus dem Weg. Später treffen sie auf eine Gruppe Neonazis. Nur durch das Auftauchen Vincents und dem Einsatz der Waffe, wurden sie aus dieser gefährlichen Situation gerettet.

Am Tag darauf können die Jugendlichen wieder in ihr Viertel zurückkehren. Vincent übergibt die Waffe an Hubert, woraufhin dieser sich in entgegengesetzter Richtung von Said und Vincent verabschiedet und entfernt. Kurz darauf werden die Beiden von einem Polizisten, der schon zuvor als sehr angriffslustig und kompromisslos dargestellt wurde, angehalten. Der Polizist steigt aus und hält Vincent aggressiv und fluchend seine Waffe an den Kopf. Er versucht Vincent zu provozieren und meint, dass er ohne seine Gang nichts sei. Darauf drückt der Polizist unbeabsichtigt ab, wobei er Vincent mit einem Kopfschuss tötet. Hubert, der das Polizeiauto schon vorher gesehen hatte, misstrauisch wurde und schon zurück zu Said und Vincent lief, beobachtet die Geschehnisse. Entsetzt über die Tat des Polizisten, richtet er gegen diesen die ihm von Vincent zuvor gegebene Waffe. Auch der Polizist reagiert und richtet seine Waffe auf Hubert.

Die Filmkamera schwenkt nun auf den verängstigten Said, der sich auf der anderen Seite des Polizeiautos befindet. Er hat die Augen geschlossen und im Hintergrund wird ein Schuss abgegeben. Mit dieser Szene endet der Film. Der Zuschauer erfährt allerdings nicht, ob Hubert oder der Polizist geschossen hat.

3. Begründung der Filmauswahl

Wie schon erwähnt, schildert der Film „La Haine“ das trostlose Leben in den Banlieues Frankreichs. Der Film wurde in Anlehnung an eine wahre Begebenheit vom Regisseur und Drehbuchautor Mathieu Kassovitz produziert und scheint auch heute aktueller denn je. Die Ausschnitte am Anfang des Films sind echte Aufnahmen der Krawalle von 1993 in einer der französischen Banlieues, wobei der 16-jährige Makomé Bowole, gefesselt an einen Heizkörper, von einem Polizisten durch einen tödlichen Schuss in den Kopf getötet wurde.

Die Atmosphäre des Films wirkt durch die Schwarz-weiß-Sicht noch trister und leerer, was auch auf das Leben der drei Jugendlichen übertragen werden kann. Schon mit der ersten Szene des „fallenden“ Mannes und der Kommentar dazu, wird der Zuschauer in den Bann des Filmes gezogen. Keine Bildungschancen, wenig Geld und keine Jobmöglichkeiten. Darüber hinaus, wie es ist, eine gesellschaftliche Randgruppe zu sein, mit der niemand etwas zu tun haben möchte. Von diesem düsteren Schicksal können sich nur die Wenigsten befreien, da es sehr schwer ist, aus einem Milieu, von Hass und Kriminalität geprägt, wieder zu entkommen. Die Tatsache, dass die Meisten in derartige Verhältnisse bereits hineingeboren werden, macht diesen Sumpf noch trister und hoffnungsloser. Der Zuschauer bekommt durch diesen Film einen Einblick in genannte Begebenheiten. Man fragt sich ständig, wie so viel Hass und zügellose Wut entstehen können und doch kann man dies sehr gut nachvollziehen und sich in die Rollen der Jugendlichen hineinversetzen. Mathieu Kassowitz lässt die Darsteller mit ihrem kulturellen Hintergrund geradezu sich selbst spielen, was den Film umso authentischer macht. Dazu kommt, dass er den Schluss offen lässt, wobei er dem Zuschauer die Chance eröffnet, sich über den Film hinaus mit diesem Thema zu beschäftigen. Der Regisseur will dem Zuschauer hierbei keine Schuldigen präsentieren. Es geht ihm vielmehr um das Aufzeigen der Fehler auf beiden Seiten und dass alle an diesen immer noch offenen Konflikten beteiligt sind.

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Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656655206
ISBN (Buch)
9783656655190
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273280
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
2,0
Schlagworte
film haine betrachtung kulturtheorien simmel certeau

Autor

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Titel: Der Film „La Haine“ unter der Betrachtung der Kulturtheorien von G. Simmel und M. Certeau