Lade Inhalt...

Third Places nach Ray Oldenburg

„A setting beyond home and work (...) in which people relax in good company and do so on regular basis“

Essay 2013 9 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Der dritte Raum[1] stellt einen kollektiven Treffpunkt dar, an dem Menschen miteinander in Interaktionen treten, ein Einzelner unter Leuten ist und an dem das Wohlfühlen, der Abstand von Zweifeln und Gedanken, im Vordergrund steht.

Im Gegensatz zu den sogenannten ‚First and Second Places’ ist der dritte Raum für den Besucher ein spontan aufsuchbarer, kommunikativer und geselliger öffentlicher Raum, der zum Abschalten und Entspannen dient. Ray Oldenburg[2], ein amerikanischer Soziologe, prägte den Begriff des ‚Third Place’ und betitelt diesen als „the core settings of informal public life {...} that host the regular, voluntary, informal, and happily anticipated gatherings of individuals beyond the realms of home and work.“[3] Dabei ist es wichtig, dass dieser Raum einen neutralen Boden für die aufsuchenden Personen darstellt, die demnach frei in ihren Entscheidungen sind. Beispielweise ist es den jeweiligen Personen überlassen, wie lange sie sich in diesem Raum aufhalten und mit wem sie in Interaktionen treten.

Der dritte Raum ist somit eine zwanglose Alternative zum ‚First and Second Place’ – also dem zu Hause und dem Arbeitsplatz. Er stellt somit einen Aufenthaltsraum oder Treffpunkt ohne Familienmitglieder und Arbeitskollegen dar und wird als Ausgleich wahrgenommen. Mit dem Arbeitsplatz sowie dem Zuhause existiert eine persönliche Verbundenheit, die oftmals mit Sorgen und Problemen einhergeht. Daher bietet der dritte Raum einen Rückzugsort für die jeweiligen Personen. Es ist üblicherweise ein Platz, an dem man Freunde treffen kann oder neue Bekanntschaften schließt und den man vor beziehungsweise nach der Arbeit oder auch in der Mittagspause besucht. Dieser Treffpunkt stellt für den Besucher eine Pause zwischen Familien- und Arbeitswelt dar. Zu beachten ist hierbei, dass nicht alle Orte als dritte Räume agieren können. Oftmals werben Cafés, Restaurants, Friseure sowie öffentliche Einrichtungen damit, dass sie die Qualitäten eines dritten Raums besitzen, obwohl sie häufig die Ansprüche an das nötige Design, das Ambiente und den passenden Umgang mit den Kunden nicht erfüllen. So sorgen zu viele Kunden, unbequeme Sitze oder eine kühle Atmosphäre für ein unbehagliches Gefühl. „Seating is uncomfortable by design and customers in line are treated rudely when uncertain of theier orders“[4] Ein dritter Raum verfolgt gegensätzliche Absichten. Um einen dritten Raum zu schaffen, der bei den eintretenden Akteuren ein komfortables Gefühl hervorruft, sollte das Ambiente eine gewisse Wärme ausstrahlen und mit positiven und optischen Einflüssen aufwarten.

Bei diesem Essay stehen die dritten Räume einer Universität im Fokus. Dabei ist die Universität Koblenz-Landau, Campus Koblenz, beispielgebend. Dritte Räume sind auch immer von ihrem Nutzen und Umfeld abhängig, so dass es wichtig ist einen Campus zu bestimmen, da keine Allgemeingültigkeit herrscht. Jede Universität ist unterschiedlich strukturiert und somit kann beispielsweise eine Bibliothek sowohl einen ‚Third Place’ als auch einen ‚Second Place’ darstellen. Insbesondere ist bei der Analyse zu beachten, dass die Beobachtungen aus studentischer Perspektive vorgenommen wird und somit von einem etwas abgewandelten ‚Third Place’ - Konzept nach Oldenburg ausgegangen werden muss. Das Grundgerüst bleibt hierbei gleich, nur die Analyse wird dem studentischen Umfeld angepasst. Besondere Aufmerksamkeit benötigt in diesem Kontext die Frage, ob die Universität zweite und dritte Räume besitzen kann, da sie eigentlich den täglichen Arbeitsplatz des Studierenden darstellt und ob sie dritte Räume überhaupt benötigt.

In einem ersten Schritt müssen Treffpunkte am Campus Koblenz ausgemacht werden, die eventuell als ‚Third Places’ von der Studentenschaft genutzt werden. Diese können dann im nächsten Schritt anhand der Charakteristika Oldenburgs bewertet werden. Dabei spielt unter anderem die Lage eine wichtige Rolle, ob sie beispielweise gut zu erreichen sind oder im inneren oder äußeren Teil eines Gebäudes angesiedelt sind. In diesem Essay beziehe ich mich jedoch ausschließlich auf potentielle dritte Räume auf dem Gelände des Campus Koblenz.

Generell lassen sich Seminarräume, Büros der Professoren und Computerräume, als eindeutige Arbeitsräume für Studenten, also nicht zu Oldenburgs Konzept passend bewerten. Vielmehr stellen sie zweite Räume für Studenten dar. Fraglich ist jedoch, welche Funktionen der Mensa, dem kleinen Bistro, der Bibliothek oder dem Mikadoplatz zugeordnet werden können?

[...]


[1] Wenn hier der Begriff Raum gewählt wird, ist damit ein Raum, Platz oder Treffpunkt gemeint, an dem sich Menschen treffen können.

[2] In seinem Buch bezeichnet er ‚Third Places’ auch als „Great Good Places“

[3] Oldenburg 1999, 16.

[4] Oldenburg 2001, 3.

Details

Seiten
9
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656651819
ISBN (Buch)
9783656651796
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273216
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
2,0
Schlagworte
3. Räume Third Place Oldenburg Ethnologie Soziologie soziale Ästhetik kulturwissenschaft
Zurück

Titel: Third Places nach Ray Oldenburg