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Streetart. Kunst oder Ware?

Kultur- und Konsumkritik nach Adorno und Horkheimer

Essay 2013 9 Seiten

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe

Vergleicht man die an manchen Streetart-Künstlern geäußerte Konsumkritik mit der Kulturkritik von Adorno und Horkheimer entdeckt man einige Parallelen. Oftmals werden kritische Bemerkungen über die Fülle an Streetart-Werken geäußert und zugleich der eigentliche Streetart-Gedanke angezweifelt. Es gibt viel Kritik aus den eigenen Reihen der Streetart-Szene und ebenso aus der breiten Öffentlichkeit. Steht noch die Kunst im Vordergrund oder ist es bekannten Künstlern wie Banksy oder Shepard Fairey bisweilen nicht mehr möglich ohne Kommerzialisierung auf dem Markt zu bestehen?

Streetart wird in mancher Hinsicht als ein Massenprodukt angesehen, da die eingesetzten Instrumente zur Produktion wie Schablonen und Sticker für eine schnelle Verbreitung sorgen. Dies sind zwangsläufig stets gern verwendete Gegenstände, da sie effektiv dazu beitragen eine große Anzahl von Menschen zu erreichen.

„In den auf (schnelle und mehrmalige) Reproduktion angelegten Mitteln und in der letztendlichen Optik von Banksys Street Art [...] hallt die für die Konsumkultur typische Massenproduktion wider.“[1]

Dessen ungeachtet muss sich in diesem Kontext die Frage gestellt werden, ob die Kunst zur Ware wird oder doch noch Kunst bleibt?

Die Entwicklung des Kulturindustrieprozesses, beginnend in den 1940er Jahren bis ins 21. Jahrhundert, zeigt auf wie der Umbruch von Kultur zur Ware geschaffen wurde bis hin zum Zeitpunkt der Wende, als die Ware sich annähernd wieder zur Kultur entwickelte.[2]

Durch den kapitalistischen Gedanken rücken seit den 1940er Jahren zunehmend der Besitz von Eigentum und Kapital in den Vordergrund. Max Horkheimer und Theodor W. Adorno üben in Ihrem Aufsatz „Dialektik der Aufklärung“[3] Kritik an der schnell erstarkenden Kulturindustrie aus. Sie sprechen dabei von einer kulturellen Produktion, in welcher die Kultur über einen ökonomischen und nicht mehr über ihren autonomen sowie ästhetischen Wert bestimmt wird. „Kultur heute schlägt alles mit Ähnlichkeit“[4]

Laut Horkheimer/Adorno fördert die Kulturindustrie den Verlust von Identität und führt zu einer unterschiedslosen Kultur. Beispielsweise differenzierten sich Produkte nicht mehr durch in ihre Form, sondern waren zunehmend strukturell ähnlich aufgebaut. Das Produkt wurde zum Massenerzeugnis und bestärkte wiederum die Entwicklung der Kulturindustrie. Insbesondere durch die technischen Erneuerungen des 20. Jahrhundert wurde das Phänomen der Massenkultur vorherrschend und standardisierte das Alltagsleben der Menschen, wie zum Beispiel mit Kleidung von der Stange oder dem T-Model von Ford, das stets die selbe Farbe und Ausstattung besaß.

Besondere Einschränkungen erfuhr die Hochkultur, die ihre Kreativität nicht entfalten konnte und somit zuließ, dass sich ein Wagner zur Ware entwickelte. Dabei stellt die größte Kritik, welche die beiden Autoren üben, den Wunsch des Menschen dar, alles Beherrschen zu wollen und das die Kulturindustrie das Denken zu zerstören scheint.

„Das Individuum soll seinen allgemeinen Überdruß als Triebkraft verwerten, sich an die kollektive Macht aufzugeben, deren es überdrüssig ist“.[5]

Adorno/Horkheimer folgend hat die Kultur – als sie zur Ware wurde – die Gesellschaft verändert und sich dem Kapitalismus untergeordnet. Durch die neue kommerzielle Vermarktung von Kultur, unter anderem in Form von Werbung, erfährt das Produkt eine psychologische sowie ökonomische Aufwertung und wird bei den Verbrauchern als Statussymbol verwendet. Beispielweise wird dadurch ein Gemälde nicht als Kunst angesehen, sondern erhält deine dekorative Funktion und wirkt somit auch als Statussymbol.

Streetart existierte bereits in der Zeit der Kulturindustrie und etablierte sich am Anfang der 1980er Jahre in Deutschland. Die Streetart-Szene hat sich frühzeitig von der Graffitibewegung gelöst und besitzt mittlerweile eigene Charaktere, Techniken und Motivationen. Typisch für das Mitwirken in einer Szene-Bewegung sind persönliche oder emotionale Gründe. Merkmale einer Szene sind zum einen überwiegend gleichaltrige Gruppenmitglieder und zum anderen eine strukturlose und egalitäre Organisation.

[...]


[1] Blanché 2012, 317.

[2] vgl. Adorno/Horkheimer 1947, 129.

[3] ebd.

[4] Adorno/Horkheimer 1947, 129.

[5] Adorno/Horkheimer 1947, 175/176.

Details

Seiten
9
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656651765
ISBN (Buch)
9783656651758
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273214
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,7
Schlagworte
Adorno und Horkheimer Kulturkritik Massenkultur Konsum Graffiti Streetart Banksy
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Titel: Streetart. Kunst oder Ware?