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Businessplan zur Gründung einer Naturheilpraxis

Akademische Arbeit 2008 28 Seiten

BWL - Unternehmensgründung, Start-ups, Businesspläne

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zeitpunkt der Gründung

2. Gründerperson

3. Gründungsvorhaben

4. Marktchancen

5. Marketingstrategie

6. Konkurrenz

7. Wettbewerbskonzepte

8. Zukunftsaussichten

9. Standort

10. Kostenplanung

11. Rentabilitätsvorschau

12. Gründungsfinanzplan

13. Rechtsform

14. Rahmenbedingungen

15. Schluss

16. Literaturverzeichnis (inklusive weiterführender Literatur)

17. Anhang

Einleitung

In dieser Arbeit wird ein Businessplan für einen Heilpraktiker erstellt, der sich in der Stadt X niederlassen möchte. Um der Arbeit einen überschaubaren Rahmen zu geben, müssen vorweg einige Annahmen getroffen werden, die nachfolgend aufgezählt und begründet werden.

Es wird davon ausgegangen, dass es sich bei der zu gründenden Praxis um eine Einzelpraxis ohne Angestellte handelt. Eine Umfrage, die das Wickert-Institut 1999 im Auftrag der Stiftung Deutscher Heilpraktiker zur wirtschaftlichen Situation von Heilpraktiker-Existenzen durchführte, ergab, dass 79 % aller Praxen Einzelpraxen ohne Angestellte sind [vgl. Kreß 2005, 5]. Der Anteil der Gemeinschaftspraxen beträgt dieser Umfrage zufolge 5 %, während eine Statistik zwei Jahre später nur 1 % zählte [vgl. Rebmann 2005, 5]. Im Folgenden wird auch nicht das Heilpraktikertum im Nebenerwerb diskutiert, sondern der Status der Vollexistenz, den der Wickert - Umfrage zufolge 70 % der Praxen erreichen [vgl. Kreß 2005, 5]. Es wird von einer Praxisneugründung ausgegangen. Das Thema Praxisübernahme wird aufgrund der geringeren praktischen Relevanz nicht diskutiert. Aufgrund der zahllosen Behandlungsmethoden und unterschiedlichen Philosophien ist die Übernahme einer Heilpraxis wesentlich komplexer als die Übernahme einer Arztpraxis. Gründe dafür sind die unterschiedliche Ausstattung, die für verschiedene Therapieverfahren benötigt wird, und das Phänomen, dass sich viele Heilpraxen in den Privathäusern der Praxisinhaber befinden, was eine Übernahme erschwert. Außerdem ist es sehr fraglich, ob die Patienten von einem Heilpraktiker zum anderen übergehen würden, oder ob sie sich ihren neuen Heilpraktiker nicht lieber selbst auswählen. Das Phänomen „Heilpraktiker" ist im Übrigen kein neues, sondern blickt inzwischen auch in der Bundesrepublik auf eine lange Geschichte zurück.

Ein Businessplan ist ein schriftliches Dokument, welches das Konzept eines neu zu gründenden Unternehmens beschreibt. Adressaten sind zum einen der Gründer selbst und zum anderen Investoren und Kapitalgeber [Kollmann 2005, 57].

Die Gliederung des Businessplans entstand in Anlehnung an die Checkliste zum Unternehmenskonzept im Leitfaden „Existenzgründung im sozialen Sektoi" von Prof. Dr. phil. Ludger Kolhoff vom Fachbereich Sozialwesen an der FH Braunschweig / Wolfenbüttel. Er vertritt das Lehrgebiet „Soziales Management" [vgl. Kolhoff 2002, 125-126].

Auf einen Executive Summary, wie in vielen Businessplan Handbüchern gefordert, wurde bewusst verzichtet, da es nicht darum geht Investoren für eine Beteiligung zu gewinnen, sondern lediglich darum, den Geldgeber (Bank) von der Tragfähigkeit des Konzepts zu überzeugen. Potentielle Investoren, die durch schnelles Querlesen des Executive Summary Interesse an innovativen Konzepten gewinnen sollen, werden hier nicht benötigt [vgl. MBPW 2006, 2223]. Um Wiederholungen weitestgehend zu vermeiden, fällt der Businessplan kürzer aus, als dies in Wirklichkeit der Fall wäre.

1. Zeitpunkt der Gründung

Die Naturheilpraxis A.B. wird zum 1. Januar 2008 in Musterstadt eröffnet. Der Zeitplan sieht vor, im Januar und Februar, solange die Zahl der Patienten noch niedrig ist, die Praxis einzurichten und auszustatten.

2. Gründerperson

A. B. wurde am 5. Mai 1975 in Musterstadt geboren. Er ist ledig, hat keine Kinder, keine Religionszugehörigkeit und lebt in Musterstadt. Von Januar bis Oktober 2007 absolvierte er berufsbegleitend eine zehnmonatige Intensivausbildung an der Heilpraktikerschule C. . Die Kurse fanden immer samstags und sonntags statt. Er entschied sich für diesen Ausbildungsweg, da er durch seinen erlernten Beruf als Physiotherapeut bereits ein großes medizinisches Wissen mitbrachte.

Nach dem Fachabitur im sozialen Bereich an der FOS Musterstadt im Jahre 1994 absolvierte er eine dreijährige Ausbildung zum Physiotherapeuten an der staatlichen Berufsfachschule für Physiotherapie, die er im Mai 1997 erfolgreich abschloss. Zunächst arbeitete er drei Jahre als Angestellter im Krankenhaus bevor er im Jahr 2000 in die Praxis für Physiotherapie D. E. wechselte, in der er einer von vier Mitarbeitern war.

Dort bekam er nicht nur Einblick in Praxisführung, Praxismanagement, Patientenmanagement und Kontakt mit Ärzten und Krankenkassen, auch mit den vom Praxisinhaber angewandten Naturheilverfahren wie Osteopathie kam er in Kontakt und durfte selbst an Fachfortbildungen über Naturheilverfahren teilnehmen. Dadurch eignete er sich im Laufe der Jahre ein gutes Branchenwissen über Naturheilkunde an, lernte viele Heilpraktiker kennen und entschied sich schließlich selbst für die Tätigkeit als Heilpraktiker mit eigener Praxis.

Die Tätigkeit in der Praxis für Physiotherapie endete zum 31 .Oktober 2007. Im Rahmen seiner Heilpraktikerausbildung gab es zusätzliche Unterrichtseinheiten zu den Themen Existenzgründung, Praxisführung, Marketing, Betriebswirtschaft und Berufsrecht. Außerdem absolvierte A. B. im August 2007 einen zweiwöchigen Vollzeitkurs der Bundesagentur für Arbeit für Existenzgründer in Freien Berufen. Dabei machte er sich vor allem mit steuerlichen und buchhalterischen Sachverhalten vertraut. Am 12. November 2007 erhielt er nach bestandener amtsärztlicher Überprüfung am zuständigen Gesundheitsamt die Zulassung über die Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung vom Landratsamt Musterstadt zugestellt. Er hat die Berufsbezeichnung „Heilpraktiker" zu führen.

3. Gründungsvorhaben

Die Spezialisierung auf die Behandlung von Symptomen im Zusammenhang mit Depressionen, Ängsten, Stress und Burnout - Syndrom orientiert sich an den aktuellen Medienberichten über den enormen Anstieg dieser psychischen Erkrankungen und die Unzufriedenheit der Betroffenen mit den herkömmlichen Verfahren der Schulmedizin. Aus einer vom Meinungsforschungsinstitut Emnid durchgeführten repräsentativen Umfrage geht hervor, dass 82% der Bevölkerung Naturmedizin bei Schlafstörungen und 68% bei depressiven Verstimmungen bzw. innerer Unruhe bevorzugen [Pascoe 2004, 6]. Durch die drei Therapieschwerpunkte Infusionstherapie, Osteopathie und Akupunktur wird eine wirksame Kombination zur Heilung und Linderung dieser Leiden angeboten. Zwischen 30 % und 40 % der Bevölkerung haben laut aktueller Umfrage schon Erfahrung mit Phytotherapie, Homöopathie und Vitaminen etc., die allesamt in der Infusionstherapie zum Einsatz kommen. Nur 8 % wurden bisher mit Akupunktur behandelt und 13,2 % mit Bewegungstherapien, zu denen auch die Osteopathie gehört.

Da diese Anwendungen auch bei der Behandlung von chronischen Schmerzzuständen wirksam sind, können alle Schmerzpatienten und somit auch das ältere Zielpublikum angesprochen werden. Immerhin bevorzugen zwischen 46 % und 56 % Naturmedizin bei Migräne und Venenleiden. Zusätzlich ordnen 85 % die Naturmedizin einer Empfehlung durch den Heilpraktiker zu, im Gegensatz zu nur 43 % bzw. 52 %, die dies Ärzten oder Apothekern zurechnen. [Pascoe 2004, 5-6]. Allerdings ist das Vertrauen bzgl. Informationen über Naturmedizin zu Arzt und Apotheker mit 66,3 %> bzw. 52,7 % größer, als das Vertrauen, das dem Heilpraktiker mit 45,7 % entgegengebracht wird [vgl. Pascoe 2007, 5]. Der Nutzen für die Patienten ist eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität und die Vermeidung der Einnahme chemischer Mittel mit Nebenwirkungen. Durch regelmäßige Kontrolle der Laborwerte des Blutes können auch prophylaktische Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit angeboten werden. Dem Patienten bietet sich somit die Möglichkeit, Krankheiten rechtzeitig vorzubeugen. Es wird jedoch immer darauf hingewiesen, dass diese Behandlung eine Psychotherapie, die bei Depressionen, Ängsten und Burnout Syndrom normalerweise angezeigt ist, nicht ersetzen kann, sondern im Idealfall ergänzt. Da es aber viele Betroffene gibt, die eine Psychotherapie ablehnen, soll auch diesen eine Unterstützung bei der Heilung geboten werden. Diese Patienten werden von Schulmedizinern im Regelfall abgewiesen und an einen Psychiater / Neurologen verwiesen.

Das Angebot wird durch Vorträge an der Vhs und selbstorganisierte Informationsveranstaltungen in der Region Musterstadt bekannt gemacht. Zusätzlich sollen mehrere Artikel in der regionalen Tageszeitung „Zeitung für Musterstadt', im Wochenblatt „Musterstädter Woche" und in der Sonntagszeitung „Musterstadt am Sonntag' die Bekanntheit des Angebots gewährleisten.

Die Kosten der Dienstleistung sind im Vergleich zu anderen Heilpraxen relativ gering, da keine teuren Geräte für die Behandlung notwendig sind. Für Patienten, die Erstattungen von den PKV oder Beihilfe erhalten, orientieren sich die Preise an der GebüH. Allerdings soll darauf geachtet werden, dass stets 66 EUR / Stunde erzielt werden. Aufgrund der ähnlichen Kostenstruktur der verschiedenen Therapieschwerpunkte wird für alle anderen Patienten dieser Stundensatz[1] erhoben und nicht die unterschiedliche Anwendung einzeln bepreist. Die Abrechnung erfolgt viertelstündlich.

4. Marktchancen

Die Chancen Privat- und Beihilfepatienten anzuwerben, stehen aufgrund der Erstattungsfähigkeit wesentlich besser als bei Angehörigen der GKV. Die A - Kunden der Praxis sind Kranke aus dem Stadtteil, die mit ihrem bisherigen Arzt oder Heilpraktiker unzufrieden sind. Es handelt sich dabei um die sogenannte Laufkundschaft. Dabei sind alle Altersgruppen gleichbedeutend. Darüber hinaus sollen Depressions- und Burnout - Patienten aus der Stadt und dem Landkreis als Klienten gewonnen werden. Als B -Kunden kommen alle Patienten hinzu, die durch Internet, Vorträge und Veröffentlichungen aus weiter Entfernung zur Behandlung kommen. Die Aufteilung erfolgt aufgrund der Bedeutung, da die Patienten im Stadtteil für das Image der Praxis maßgeblich sind, während Patienten, die weit entfernt wohnen, eher weniger Einfluss auf den Ruf der Praxis haben und nur im Erfolgsfall die Praxis weiterempfehlen werden.

Die Patienten einer Heilpraxis wünschen sich in erster Linie Heilung und Linderung ihrer Leiden. Erreichbarkeit der Heilpraxis und Hausbesuche sind sehr wichtig für die Patienten. Die Erfolge sollen möglichst schnell und kostengünstig erreicht werden.

2002 betrug der Umsatz in der Naturheilbranche insgesamt 5,95 Mrd. EUR. 2,61 Mrd. EUR davon entfielen auf Heilpraktiker [vgl. Rebmann 2005, 6]. In den letzten Jahren dürfte der Branchenumsatz weiter gestiegen sein. Denn zweifellos, so steht es auch im Branchenbericht für Ärzte der Hypo Vereinsbank, handelt es sich beim naturheilkundlichen Markt um einen Wachstumsmarkt [vgl. HVB 2006, 11].

„An die 10 Millionen Bundesbürger gehen inzwischen regelmäßig oder gelegentlich zum Heilpraktiker." [VR 2003, 1]

Auch die Pascoe Studie von 2007 belegt eindrucksvoll, dass die Marktnachfrage nach alternativen Heilmethoden weiterhin steigt. Das Kennziffern - Rating des Informationsdienstes für Freie Berufe, das u. a. von der Hypo Vereinsbank zur Begutachtung von Businessplänen zu Rate gezogen wird, sieht bei den Rentabilitätskennzahlen eine Umsatzrentabilität zwischen 33 % und 48 % im Normalbereich. A. B. läge somit laut Planung in den ersten Jahren im Normalbereich. Bei der Personalkostenquote würde er sogar mit „sehr gut" bewertet werden, da er regelmäßig unter 14 % läge[2]. Als Produktivitätskennzahl wird der Umsatz je Inhaberstunde bemessen, der zwischen 54 und 77 EUR im Normalbereich liegt. Somit läge auch A. B. mit 66 EUR / Stunde in dieser Spanne [vgl. Rebmann 2005, 9]. Das Finanzierungsvolumen bei der Neugründung einer Praxis in den alten Bundesländern wird mit 43 899 EUR angegeben, in den neuen Bundesländern mit 32 671 EUR [vgl. Rebmann 2005, 10]. Dies bedeutet, dass zumindest in den ersten Jahren bei vielen Gründern eine gewisse Abhängigkeit von der Hausbank gegeben ist, und somit in diesem Zeitraum besonders auf Realitätsnähe und Wirtschaftlichkeit geachtet werden sollte. Der Kontakt zu den öffentlichen Kostenträgern, welche aus Sicht des Heilpraktikers die PKV und die Zusatzversicherungen der GKV darstellen, ist wichtig zur Kenntnisnahme aktueller politischer Tendenzen auf dem Gesundheitsmarkt und zur Gestaltung der Abrechnung. Bei genauer Kenntnis der Abrechnungsformalitäten spart der Heilpraktiker den Kostenträgern Arbeitsaufwand und den Patienten unnötige Zuzahlungen.

5. Marketingstrategie

Zunächst wird vorab ein Internetauftritt in Auftrag gegeben, um potentielle Patienten zu informieren die im Netz nach alternativen Verfahren und Therapeuten Ausschau halten. Dabei ist der Suchmaschineneintrag für bestimmte Begriffe wie Depression, Ängste und Burnout - Syndrom sehr bedeutend. Kurz vor der Praxiseröffnung erscheinen Anzeigen mit Hinweisen zur Eröffnungsfeier in der regionalen Tages- und Wochenzeitung. In den ersten beiden Monaten nach der Gründung, werden dann weitere Anzeigen mit den Therapieschwerpunkten und den Öffnungszeiten geschaltet. Im ersten halben Jahr sind außerdem ein Tag der offenen Tür geplant, ein Vortrag bei der Vhs in Musterstadt und zahlreiche Vorträge bei, im Stadtteil Musterberg ansässigen Vereinen, wie dem Sportverein, dem Altenclub und dem Wanderverein. Es soll im Gesundheitsteil der Wochenzeitung auch ein Artikel über die Behandlungsschwerpunkte und Therapieansätze untergebracht werden. Sowohl mit der in Musterstadt ansässigen Selbsthilfegruppe für Personen, die unter Depressionen leiden als auch mit dem Verein für Betroffene chronischer Schmerzzustände wird ein intensiver Austausch angestrebt, mit Vorträgen über jeweilige Behandlungsmöglichkeiten. Im Rahmen der CI-Entwicklung wird ein Flyer entworfen, der dann in Bioläden, Reformhäusern, der Vhs und der Apotheke in Musterberg ausgelegt wird und an den Pinnwänden der Lebensmittelgeschäfte im Stadtteil angebracht wird.

Da es sich um ein Siedlungsgebiet handelt, kann nach einigen Behandlungen auch mit dementsprechender Mundpropaganda gerechnet werden. Einträge in den Gelben Seiten und im Telefonbuch unter der Rubrik Heilpraktiker sind obligatorisch. Über den Berufsverband erfolgt zudem ein Eintrag in einem Internetverzeichnis mit Verweis auf die Homepage. Zudem soll auf Spezialseiten für Akupunktur, Osteopathie und Infusionstherapie Werbung für die Praxis gemacht werden und ebenfalls ein Eintrag in die jeweiligen Therapeutenverzeichnisse erfolgen.

[...]


[1] Siehe Anhang Punkt 3)

[2] Siehe Businessplan „Kostenplanung“

Details

Seiten
28
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656649922
ISBN (Buch)
9783656655695
Dateigröße
1022 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v273091
Institution / Hochschule
Fachhochschule Regensburg
Note
1,3
Schlagworte
businessplan gründung naturheilpraxis

Autor

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