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DVD-Cover-Texte als eigene Textsorte?

Eine attributspezifische linguistische Analyse hinsichtlich wiederkehrender Merkmale

Hausarbeit 2014 22 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Konzeption und Ansatz der vorliegenden Untersuchung
2.1 Definition von Text
2.2 Definition von Textsorte
2.3 Definition von Attribut
2.4 Das Korpus
2.5 Methodik

3. Analyse
3.1 Konjunktionalphrasen und Phraseologismen
3.2 Appositionen und Doppelpunkte
3.3 Häufig auftretende Attribute
3.3.1 Adjektiv-und Partizipialattribute
3.3.2 Genitivattribute

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Korpus (mit Nummerierung der Sätze)

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in die empirische Forschung zur Textsorten-klassifikation ein, deren Ziel es ist, Texte verschiedenen Kategorien zuzuordnen und somit eine Grundlage für weiterführende Analysen von Texten zu schaffen. Der Logik zufolge ist eine Klassifikation nur vollständig, wenn sie „alle denkbaren Fälle mitumfaßt, sie ist empirisch vollständig, wenn sie alle faktisch vorkommenden Elemente (eines bestimmten Bereichs) rubriziert“ (Rolf, Eckard 1993: 51). Diese Arbeit möchte eines dieser Elemente behandeln, indem sie sich den Attributen aus synchroner Sicht widmet, die sich in ausgewählten Texten finden lassen. Es ist von besonderem Interesse, welche und wie viele Attributtypen im Korpus zu finden sind und welchen grammatischen und semantischen Gehalt sie aufweisen. Die Idee für die Auswahl des Korpus basiert auf dem Analyseergebnis meiner vorausgegangenen Seminararbeit. Dieses zeigte eine Tendenz, dass Texte auf der Rückseite von DVD-Covers zu Trickfilmen eine hohe Frequenz von Attributen aufweisen. Es ist für mich besonderer Reiz, dieses bisher lediglich konstatierte Phänomen eingehend zu untersuchen. Da die Analyse von Attributen allein nicht ausreicht, um eine Aussage darüber treffen zu können, ob es sich bei den ausgewählten Texten um eine eigene Textsorte handelt, ist das Ziel dieser Arbeit lediglich die Abgabe einer Handlungsempfehlung hinsichtlich künftiger Untersuchungen. Diese Arbeit will eine Einschätzung hinsichtlich dessen erreichen, ob es sich lohnt, auf den Analyseerkenntnissen aufbauend weitere Analysen der potenziellen Textsorte anzustellen. Daher lautet die Fragestellung dieser Arbeit: „Lassen sich im Korpus Merkmale finden, die sich in mehreren dieser Texte zeigen und somit typisch für die potenzielle Textsorte scheinen?“

2. Konzeption und Ansatz der vorliegenden Untersuchung

Die Textsortenforschung liefert bislang unbefriedigende Ergebnisse. Es herrschen verschiedene Ansätze, nach denen Textsorten bestimmt werden können, jedoch kam es bislang zu keinem Konsens über die ideale Vorgehensweise. Textsorten werden oft als Prototypen aufgefasst – das heißt es wird versucht, die in der kognitiven Psychologie entwickelte Prototypentheorie (vgl. Klix 1984) auf die Textsortenforschung zu übertragen. Die Problematik dabei ist, dass die Klassifizierung der Texte oft semantisch motiviert und somit weniger greifbar ist. Einigkeit besteht jedoch in dem Punkt, dass zur Bestimmung einer Textsorte Untersuchungskriterien verschiedener Disziplinen berücksichtigt werden sollten, um ein normatives Ergebnis zu erzeugen (s. Abschnitt 2.2).

2.1 Definition von Text

Für die vorliegende Analyse bediene ich mich der Textdefinition nach Klaus Brinker, der wie auch Heinemann/Viehweger (1991: 128), einen „integrativen Textbegriff“ verfolgt; er versteht also textsemantische, -pragmatische und -grammatische Aspekte als konstitutiven Bestandteil der verbalen Kohärenz eines Textes: „Der Terminus ‚Text‘ bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert“[1] (Brinker 2010: 17).

Da sich in der Linguistik die Zeichendefinition de Saussures etabliert hat, nach der ein sprachliches Zeichen bilateral ist, also über eine Inhalts- und eine Ausdrucksseite verfügt (Schwarz/Chur 2004: 22), berücksichtigt Brinker sowohl semantische Aspekte wie Textbedeutung, Inhalt, Thema und Sinnzusammenhang, aber auch die Grammatik. Auf pragmatischer Ebene ist die kommunikative Funktion des Textes anzusiedeln, über welche ein Text verfügen muss, um als solcher bezeichnet werden zu können. Hier orientiert sich Brinker an der Sprechakttheorie Austins, Searles und Wunderlichs.

In einer meiner vorangegangen Seminararbeiten wurde bereits dokumentiert, dass längere Folgen von sprachlichen Zeichen, die auf der Rückseite eines DVD-Covers für Zeichentrickfilme abgedruckt sind, sowohl Kohärenz aufweisen als auch als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisieren. Die Untersuchungsbeispiele des Korpus dieser Arbeit erfüllen dieselben Rahmenbedingungen: Sie sind an demselben Ort zu finden (Coverrückseite), beziehen sich auf dasselbe Genre (Zeichentrickfilm) und dasselbe Medium (DVD). Aufgrund dieser Übereinstimmung werden die Untersuchungsbeispiele ebenfalls als Texte bezeichnet. Die vorliegende Arbeit lässt also die Untersuchung von Kohärenz und kommunikativer Funktion außen vor und definiert das Korpus als eine Sammlung von zehn Texten. Der Vollständigkeit halber soll eine Definition von Textsorte dieser Arbeit dennoch nicht fehlen.

2.2 Definition von Textsorte

Textsorten gehört zum Alltag eines jeden Sprechers und somit auch zum Alltag von Nicht-Linguisten. Nach Sitta haben Textsorten etwas „intuitiv ungemein Einleuchtendes“ (Sitta 1973: 64), weshalb die meisten Sprecher dazu in der Lage sind, Texte den Textsorten zuzuordnen ohne sich zuvor mit ihrem konkreten Aufbau zu beschäftigen. Diese intuitive Zuordnung erfolgt jedoch nur auf der Basis eines ebenfalls laienhaften Verständnisses von Textsorten. Denn nicht in jedem Fall lassen sich die Textsortenbestimmungen des alltäglichen Sprachusus wissenschaftlich fundieren.

Bei näherer Beschäftigung mit der Grenzziehung und Merkmalszuordnung erweist sich der Begriff Textsorte als „Schnittpunkt unterschiedlicher Fragestellungen sprachlicher, sozialer und kognitiver Art“ (Brinker/Heinemann 2000: 509), über deren Gewichtigkeit unterschiedlich diskutiert wird. Brinker/Heinemann gehen sogar so weit, dass sie die bisherigen Konkretisierungsversuche verschiedener Linguisten (Überblick in Adamzik 1995a) aufgrund der fehlenden Übereinstimmungen als gescheitert ansehen. Als Minimalkonsens sehen sie nur die allgemeine Definition von Hartmann (1971: 22), welche Textsorten als „Teilmengen von Texten“ beschreibt, „die sich durch bestimmte relevante gemeinsame Merkmale beschreiben und von anderen Teilmengen abgrenzen lassen“. Aufgrund ihres hohen Abstraktionsgrades sei diese Definition jedoch nicht sonderlich brauchbar.

Nach Brinker/Heinemann gibt es vier Grundkonzepte nach denen Textsorten definiert werden: der grammatisch-strukturalistische Ansatz, das Thema-Modell, Situations-Modelle und Funktions-Modelle (vgl. Brinker/Heinemann 2000: 509ff.). Allerdings empfehlen sie Mehr-Ebenen-Modelle (Heinemann/Viehweger 1991: 145ff., Ermert 1979, Dimter 1981, Gülich 1986, Gläser 1990, Nussbaumer 1991), die einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen. In diesen Modellen besteht weitgehender Konsens darüber, dass sich Textsorten a) als eine limitierte Menge von Textexemplaren mit signifikanten Gemeinsamkeiten erweisen und b) diese Gemeinsamkeiten auf mehrere Ebenen zugleich bezogen sind. Dazu zählen:

- die äußere Textgestalt/ das Layout
- die charakteristischen Struktur- und Formulierungsbesonderheiten
- inhaltlich-thematische Aspekte
- situative Bedingungen (einschl. des Kommunikationsmediums bzw. Kanals)
- die kommunikativen Funktionen

(vgl. Brinker/Heinemann 2000: 513)

Um das Korpus als selbstständige Textsorte zu bezeichnen, bedarf es also der weit-reichenden Analyse vieler textinterner und textexterner Faktoren, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erhalten. Diese Arbeit geht den ersten Schritt in diese Richtung, indem sie einen dieser spezifischen Faktoren untersucht.

2.3 Definition von Attribut

Wie bereits bei der Definierung von Text und Textsorte ist auch die Definierung von Attribut in der Forschung nicht eindeutig. „Die Auffassungen darüber, was unter einem Attribut zu verstehen ist, sind äußerst heterogen und divergieren erheblich von Grammatik zu Grammatik“ (Furhop/Thieroff 2005: 307). Sowohl bezüglich der Form von Attributen als auch darüber, zu welchen Satzelementen Attribute treten können (Substantiv, Pronomen, Adjektiv, Adverb) zeigen sich unterschiedliche Auffassungen.

Bezüglich der Form sind sich Linguisten weitgehend einig, dass Attribute Konstituenten sind, die mit ihrem Bezugswort in einer festen Verbindung stehen. Teilweise spricht man von einer näheren Bestimmung eines nominalen Satzgliedes (Hentschel/Weydt 2003: 392, Bußmann 2008: 67f.) teilweise auch von einer Modifikation (Furhop/Thieroff 2005: 308). Eisenberg gebraucht sogar beide Definitionen (vgl. Eisenberg 2006: 235).

Hinsichtlich des Bezugswortes scheint weitestgehend Einigkeit dahin zu bestehen, dass Attribute nicht zu Verben treten, bzw. diese Konstituenten (s. Beispiel 1 a-b) nicht als Attribute zu bezeichnen sind (vgl. Furhop/Thieroff 2005: 308, Helbig/Buscha 1988: 596). Eisenberg bezeichnet diese Adjektive und Adverbien als Adverbiale zum Verb (vgl. Eisenberg 2006: 223f.), Engel als Satzglieder bzw. Satelliten (Engel 2004: 15).

Ebenfalls Uneinigkeit herrscht auch hinsichtlich der Attributtypen. Im Folgenden zeigt sich, dass sogar die umfangreiche Auflistung des Duden, welcher mit zehn vergleichsweise viele Typen nennt, für die Analyse des Korpus nicht ausreicht. Im Korpus finden sich folgende Attributtypen:

nach Duden (2009: 800)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

zusätzlich nach Bußmann (2008: 68)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

zusätzlich nach Eisenberg (2006: 235)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Manche der Attributtypen wie Adjektiv-, Relativsatz- oder Genitivattribut sind problemlos zuordenbar, während sich andere als schwieriger erweisen. Probleme ergeben sich immer dann, wenn nicht eindeutig ist, ob einzelne Konstituenten als Bestandteil der Nominalphrase (NP) zu gelten haben oder nicht. Uneindeutig sind beispielsweise Formen, die das nominale Satzglied zwar beeinflussen, aber mit einem Doppelpunkt eingeleitet werden.

Missverständlich ist auch die Auflistung von Attributtypen nach Duden, da beispielsweise Präpositionalphrasen als Attribut fungieren können, aber nicht im Umkehrschluss jede Präpositionalphrase ein Attribut ist. Ein Beispiel hierfür ist die Konstruktion[2] mit brillantem Humor (A1).

[...]


[1] Ein wichtiges Merkmal dieser Definition ist, dass nicht nur schriftliche Folgen von Sprachzeichen, sondern auch gesprochene und mündlich realisierte Texte (Vorlesen) berücksichtigt werden.

[2] Dieser unspezifische Ausdruck, der sich an Eisenberg (2006: 235) orientiert, wird in dieser Arbeit verwendet, wenn noch nicht geklärt wurde, ob, und wenn ja, um welche Phrasenkategorie es sich im betreffenden Beispiel handelt.

Details

Seiten
22
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656653059
ISBN (Buch)
9783656653035
Dateigröße
594 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272999
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Philosophisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Textsorten

Autor

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