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Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was ist Bildungsbenachteiligung?
2.1 Ungleichheiten in der schulischen Bildung
2.2 Ursachen zum Zusammenhang von Bildungsungleichheiten und Migrationshintergrund

3 Bildungsbenachteiligung durch institutionelle Diskriminierung und Segregation

4 Ausblick

1 Einleitung

„Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund haben in Deutschland drastisch geringere Bildungschancen als andere Kinder und Jugendliche.“1 Bei einer Einwohnerzahl von 81,8 Millionen Menschen lebten zum 31.12. 2011 6.930.896 Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Die drei mengenmäßig größten Migrationsgruppen stellen dabei nach Herkunftsherkunft unterschieden die aus der Türkei, Italien und Polen stammenden Menschen dar.2

Bildung stellt in unserer Gesellschaft nicht nur einen wichtigen Faktor für individuelle Lebenschancen, beruflichen Erfolg und Selbstverwirklichung dar, sondern ermöglicht auch den Zugang zur politischen sowie kulturellen Inklusion.3

Das die Bildungschancen eng mit der sozialen Herkunft korrelieren belegen beispielsweise die PISA und IGLU Studien, wobei Deutschland der Spitzenreiter in der Verbindung von sozialer Herkunft und dem Bildungserfolg ist.4 Es sind diesbezüglich deutliche schulische Unterschiede zwischen Kindern ohne Migrationsstatus und Heranwachsenden mit Migratitionshintergrund zu verzeichnen.5 Demnach gehören schlechte Bildungschancen beziehungsweise ein mangelnder Bildungserfolg der in Deutschland lebenden MigrantInnen zu den Problemen, die dringenden Handlungsbedarf fordern. Sowohl Benachteiligung als auch soziale Ausgrenzung stellen in diesem Zusammenhang ein enormes Konfliktpotential dar.6

Ausgehend von der bestehenden Notwendigkeit der Auseinandersetzung mit diesem Themenfeld soll in dieser Arbeit die These , Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund durch soziale und ethnische Segregation und institutionelle Diskriminierung ‘ in den Mittelpunkt gerückt werden. Zur Annäherung an diesen Gegenstand wird dabei zunächst beleuchtet, was unter Bildungsbenachteiligung zu verstehen ist. Im Nachfolgenden findet eine begriffstheoretische Einbettung hinsichtlich schulischer Diskriminierung sowie sozialer und ethnischer Segregation, auf Grund von empirischen Daten statt. Hierbei werden unter anderem die Dimensionen vorgestellt auf welchen Bildungsbenachteiligungen im Bezug auf Kinder mit Migrationsgeschichte zu finden sind, wobei die IGLU und PISA Studien herangezogen werden. Der Schluss soll letztendlich die Arbeit abrunden und einen Ausblick liefern.

2 Was ist Bildungsbenachteiligung?

Bildungsbenachteiligung beziehungsweise Bildungsungleichheiten im Schulsystem können auf verschiedene Faktoren zurückgeführt werden. Demnach existieren schicht-, herkunfts- und geschlechterspezifische Ungleichheiten.7 Anfangs werden in diesem Zusammenhang die Ebenen sozialer Bildungsungleichheiten erläutert, wobei näher auf die schichtspezifischen Unterschiede hinsichtlich des Bildungserfolgs, die Bildungsungleichheiten zwischen den Geschlechtern und die Bildungsungleichheiten im Zusammenhang mit dem Migrationshintergrund eingegangen wird. Die letztere Ebene bildetet dabei den Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit. Außerdem werden einige Ursachen zum Zusammenhang von Bildungsbenachteiligung und Migrations- status aufgezeigt.

2.1 Ungleichheiten in der schulischen Bildung

Bildungsungleichheiten können wie bereits erwähnt in unterschiedlichen Bereichen existieren beziehungsweise auf verschiedene Determinanten zurückgeführt werden, wobei die drei verbreitetsten das Milieu, das Geschlecht und der Migrationshinter- grund sind. Die Zugehörigkeit zu den erwähnten Gruppen kann in unterschiedlicher Art und Weise Ungleichheiten im Bildungserfolg hervorrufen beziehungsweise zu Bil- dungsbenachteiligung führen. Benachteiligungen werden beispielsweise hinsichtlich der Kompetenzen, der Schulabschlüsse und der besuchten Schulform deutlich.8

Die soziale Herkunft hat einen erheblichen Einfluss auf die Bildungschancen sowie den damit verbundenen Bildungserfolg. Demnach sind schichtspezifische Bildungs- ungleichheiten in den Schulen erkennbar. Erkennbar ist ein Leistungsvorsprung von SchülerInnen aus höheren sozialen Schichten gegenüber Kindern aus niedrigeren Schichten, was vor allem beim Übergang von Haupt- und Realschule sowie Gymna- sium deutlich wird. SchülerInnen aus niedrigeren sozialen Schichten besuchen im Vergleich zu Kindern und Jugendlichen aus höheren Milieus seltener das Gymnasi- um.9

In Deutschland sind des Weiteren Bildungsunterschiede zwischen den Geschlech- tern zu erkennen, was dadurch deutlich wird, dass Frauen im Durchschnitt einen größeren Bildungserfolg als Männer aufweisen. Demnach erreichen die Schülerinnen durchschnittlich deutlich höhere Bildungsabschlüsse als Schüler. Außerdem durch- laufen Frauen die Schullaufbahn schneller und müssen weniger häufig Klassenstufen wiederholen.10

Neben dem Milieu und dem Geschlecht hat der Migrationsstatus einen entscheiden- den Einfluss auf den Bildungserfolg, wobei dieser den Schwerpunkt der Arbeit bildet. Schon in der Primarstufe zeichnen sich deutliche Kompetenzunterschiede der Schü- lerInnen in Anbetracht des Migrationshintergrundes ab. Demnach haben Kinder mit Migrationsgeschichte vor allem Schwierigkeiten beim Lesen, was unter anderem die IGLU-Studie belegt. Eine weitere Benachteiligung wird im Bezug auf das Erreichen von Schulabschlüssen ersichtlich, womit auch eine Benachteiligung hinsichtlich der Schulformen einhergeht. Heranwachsende mit Migrationshintergrund erreichen im Vergleich zu Gleichaltrigen Kindern und Jugendlichen ohne Migrationsstatus niedri- gere Schulabschlüsse. Zudem besuchen Kinder ohne deutsche Staatsangehörigkeit häufiger Haupt- und Realschulen.11

2.2 Ursachen zum Zusammenhang von Bildungsungleichheiten und Migrati- onshintergrund

Nachdem aufgezeigt wurde, dass das der Migrationshintergrund eine wichtige De- terminante hinsichtlich der Bildungsbenachteiligung ist, stellt sich an dieser Stelle die Frage, welche Gründe diese Ungleichheiten in der schulischen Bildung hervorrufen. Einen großen Einfluss auf den Bildungserfolg hat die Schicht beziehungsweise die gesellschaftliche Zugehörigkeit.12 Demnach lassen sich Bildungsungleichheiten von MigrantInnen zum Großteil über ihre „Zugehörigkeit zu unteren sozialen Schichten“13 in der Gesellschaft erklären.

Eine weitere zentrale Ursuche für Bildungsbenachteiligungen wird in der fehlenden beziehungsweise unzureichenden Beherrschung der deutschen Sprache, gemessen an der Lesekompetenz, gesehen.14 Demnach stellen unzureichende Kompetenzen im Hinblick auf das Verstehen, Lesen und Schreiben der deutschen Sprache eine sehr große Barriere hinsichtlich des durchlaufens der Schullaufbahn dar.15 Zudem kommt dazu, dass SchülerInnen mit Migtationshintergrund, die mit ihren Eltern nicht deutsch sprechen, besonders benachteiligt sind.16

In der Bildungsbiografie der Familie wird auch ein Einflussfaktor auf die Lern- und Bildungsprozesse der Heranwachsenden mit Migrationsstatus gesehen. Demnach spielt es eine wichtige Rolle, dass Kinder sowie Jugendliche von Klein auf in schulischer Hinsicht Unterstützung erfahren.17

Um so früher Heranwachsende mit Migrantionshintergrund in ein anderes Land ein- wandern, um so mehr Möglichkeiten stehen ihnen zu Verfügung, die jeweilige Lan- dessprache zu erlernen. Somit hat das Zuwanderungs- beziehungsweise Einwande- rungsalter einen entscheidenden Einfluss auf die Bildungschancen.18 Wenn die Dauer des geplanten Aufenthalts im Zuwanderungsland nicht eindeutig ist und damit verbunden auch Rückkehrabsichten in das Heimatland im Raum stehen, kann dies einen erheblichen Einfluss auf den Bildungserfolg haben. Eine fehlende Perspektive im Einwanderungsland kann somit zu Bildungsbenachteiligungen führen.19

Bei der Einwanderung in ein neues Land können nicht nur Verständnisprobleme auf- treten, sondern oftmals fehlt auch entsprechendes Wissen über die Modalitäten so- wie Abläufe zum deutschen Schulsystem. Den Migrationsfamilien mangelt es dem- nach häufig an Informationen über die Anforderungen sowie Voraussetzungen der jeweiligen Bildungswege. Sie sind oftmals nicht in der Lage die Schullaufbahnent- wicklung ihrer Kinder zielgerichtet zu steuern, wodurch Bildungsungleichheiten her- vorgerufen werden können.20

Weitere Ursachen für Bildungsbenachteiligungen lassen sich in der institutionellen Diskriminierung sowie ethnischen und sozialen Segregation finden, wobei auf diese im folgenden Kapitel näher eingegangen wird.

[...]


1 Söhn, Özcan, 2007, S. 117.

2 Statistisches Bundesamt, 2012

3 Dombrowski, Solga, 2009, S.7.

4 Valtin, 2008, S.12.

5 Dombrowski, Solga, 2009, S.13.

6 Schönwälder, 2005, S.6.

7 Dombrowski, Solga, 2009, S.13.

8 Ebd., S. 11.

9 Ebd., S. 13f.

10 Becker, Müller, 2011, S. 55.

11 Dombrowski, Solga, 2009, S.17.

12 Valtin, 2008, S. 12.

13 Dombrowski, Solga, 2009, S.25.

14 Baur, 2010, S. 32.

15 Herwartz-Emden, 2007, S.13.

16 Dombrowski, Solga, 2009, S. 26.

17 Kristen, Granato, 2007, S.40.

18 Dombrowski, Solga, 2009, S. 27.

19 Ebd., S.27.

20 Ebd., S. 28.

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656653141
ISBN (Buch)
9783656653134
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272981
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,3
Schlagworte
bildungsbenachteiligung kindern migrationshintergrund

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Titel: Bildungsbenachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund