Lade Inhalt...

Träume als Verhandlung von Wirklichkeitsszenarien

Die Inkompatibilität von Schreib- und Eheleben in Franz Kafkas Doppeltraum vom 7./8. Dezember 1912

Seminararbeit 2013 65 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kontext: Der Briefverkehr zwischen Franz Kafka und Felice Bauer

3. Text: Der Brief vom 7./8. Dezember 1912
3.1. Die Präambel
3.1.1. Bruch mit der freudschen Erwartungshaltung
3.1.2. Aufbau einer kafkaschen Erwartungshaltung
3.2. Traum # 1: Brief- und Literaturmaschinerie
3.2.1. Medialität zwischen Traum und Wirklichkeit
3.2.1.1. Apparat, Tisch und Bett
3.2.1.2. Telegraphie, Telephonie und Brief
3.2.1.3. Sorge und Inspiration
3.2.2. Das Schreiben: vom Bändchen zu Briefen
3.2.2.1. Auf Knopfdruck
3.2.2.2. Das leere Bändchen
3.2.2.3. Erste Schriftzeichen
3.2.2.4. Ein richtiger Brief
3.2.2.5. Briefe und Karten
3.3. Traum # 2: Topographie der (Ehe-) Hindernisse
3.3.1. Medialität zwischen den Träumen
3.3.1.1. Blindeninstitut, Dorf – Zimmer, Bureau
3.3.1.2. Mutter, Lehrer – Schwester, man
3.3.1.3. Häuschen, Holz – Bändchen, Papier
3.3.2. Das Freien: vom Häuschen zum Portal
3.3.2.1. Verlassen und Zurückkehren
3.3.2.2. Den Abhang hinunter
3.3.2.3. Auf und ab
3.3.2.4. Den Berg hinauf
3.3.2.5. Die Ankunft oben
3.4. Das Aufwachen

4. Conclusio

5. Bibliographie
5.1. Primärliteratur
5.2. Sekundärliteratur
5.3. Internetquellen

1. Einleitung

In Zusammenhang mit dem Traum wurde und wird oft die Frage gestellt, ob „ein der­artig fragwürdiges Gebilde überhaupt Gegenstand einer ernsthaften wissenschaftli­chen Beschäftigung sein“[1] kann. Einen Beantwortungsversuch kann und wird diese Arbeit allenfalls für das Gebiet der Literaturwissenschaft vorlegen, in dem das Interesse ausschließlich niedergeschriebenen „echten“ wie auch fingierten Träumen gilt – im Übrigen eine Grenze, die nur allzu leicht verschwimmt. Gerade bei Franz Kafka haben echte Träume auf verschiedensten Ebenen, in der Regel poetisch bearbeitet, Eingang in seine literarischen Texte gefunden[2]. In seinen Tagebüchern und Briefen finden sich auch „authentische“ Traumprotokolle. Die An­führungszeichen sollen darauf hinweisen, dass es äußerst schwierig ist, in Zusam­menhang mit Träumen und deren Niederschrift von Authentizität zu sprechen. Erstens entziehen sich im Wachzustand meist weite Teile des Trauminhalts, die Er­innerung verschwimmt zunehmend. Zweitens träumen wir bekanntlich nicht nur, aber doch hauptsächlich in Bildern, die dann erst in einem sekundären Vorgang in Sprache umgewandelt, vertextet werden. Der Schreibakt logisiert und rationalisiert das Traumgeschehen, bringt „ein Element des Zögerns, der Hemmung, des distan­zierten Innehaltens ins Spiel“[3]. Dies gilt insbesondere für Träume, die jemand ande­rem anvertraut werden, wie jene in Kafkas Brief an Felice Bauer vom 7./8. Dezember 1912, die im Zentrum dieser meiner Arbeit stehen. Ebenso wie bei fiktiven, in ein literarisches Werk eingebetteten Träumen kann es auch bei den „echten“ sinnvoll sein, das Umfeld genau unter die Lupe zu nehmen. In der Regel stehen Traumprotokolle, zumal, wenn für die Weitergabe bestimmt, nicht nur für sich allein, werden nicht einzig um ihrer selbst willen mitgeteilt:

Wenn Kafka Felice, Milena, Ottla oder Felix Weltsch seine Träume mitteilt, dann geht es ihm – implizit und meist auch explizit – immer darum, seine innere Einstellung dem Adressaten gegenüber zu erläutern.[4]

In einem Brief an Felice, seine „Liebste“[5], wird die Funktion der Traummitteilung eng mit der besonderen Form der Fernbeziehung, welche die beiden geführt haben, zusammenhängen, weshalb es unerlässlich scheint, den bis dato unterhaltenen Brief­verkehr zwischen Felice und Kafka in die Untersuchung der Träume miteinzubeziehen.

Kafka selbst macht in dem hier zu untersuchenden Brief an Felice kein Geheimnis aus der Literarizität seiner darin erzählten Träume, sondern liefert in einer Art Prä­ambel so etwas wie eine Leseanweisung mit, die allerdings selbst nicht weniger komplex und vieldeutig ist wie das, was folgt.

Was folgen, sind zwei Träume bzw. ein Doppeltraum, worin grundsätzlich Probleme der (Fern-)Beziehung sowie Möglichkeiten zwischenmenschlicher Kommunikation verhandelt werden. Es stellen sich insbesondere die Fragen, was für eine Beziehung Kafka und Felice führen (können), welche Kommunikationsformen dabei eine Rolle spielen und wo Kafkas Traum-Ich schlussendlich nicht hingelangt. Das warum nicht, die blinden Stellen der Kommunikation, werden durchgespielt.

Um nochmals auf die eingangs angeführte Frage, inwiefern eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Träumen sinnvoll sein kann, zurückzukommen, und gleich­zeitig das quasi als Motto dieser Arbeit vorangestellte Zitat von Heiner Müller zu begründen, erneut ein Zitat:

Die Funktion der Literatur als „Tagebuch der Nation“ weist auf die besondere Aufgabe des Schreibens bei Kafka hin. Er protokolliert die Bewegungen des sozialen Lebens durch die Form seiner Subjektivität. Diese zeichnet sich durch Authentizität und Intensität aus, wofür der Traum paradigmatische Kraft gewinnt.[6]

Daran anknüpfend, um nicht Gefahr zu laufen, die Zitate ohne Einhalt im Kreis her­umgehen, sich jagen zu lassen, eine Schlussfolgerung, die, da am Anfang der Arbeit stehend, wohl auch etwas von einem Programm hat[7]: Wenn Träume bzw. deren ver­dichtete, verschobene Darstellung innerer Wahrheiten, Schriftstellern zum Vor- oder vielmehr Sinnbild für das poetische Schaffen werden, dann, so ist anzunehmen, kön­nen wohl auch alle, die sich wissenschaftlich mit Literatur beschäftigen, etwas von Träumen lernen; genauer gesagt, von Traumerzählungen, da die (i.d. Regel verschriftlichte) Sprache das einzige System ist, welches Träume und die darin ent­haltenen Wünsche wie auch Ängste überhaupt erst verhandelbar macht. Kurz: Es schadet mit Bestimmtheit weniger als es nützen kann, sich Texte manchmal so anzu­schauen, wie man/frau Traumerzählungen anschaut.

Der Schaden, um nicht zu verschweigen, dass das ganze beileibe kein Spaziergang ist, beschränkt sich auf eine in rauen Mengen Zeit und Nerven beanspruchende, äußerst genaue und kaum abgesicherte, mindestens Wort-für-Wort Lektüre, die am „Ende“[8] mitunter mehr Fragen aufwirft, als beantwortet werden können. Der Gewinn ist, wenn auch keine Gewissheit, so doch immerhin eine konkretere Vorstellung der Komplexität und, um mit Freud zu sprechen, der „Überdeterminierung“[9] von Träu­men, Traumerzählungen, Texten. Das eigentliche Ziel mag hier, wie so oft, der Weg, die Lektürestrategie, sein.

2. Kontext: Der Briefverkehr zwischen Franz Kafka und Felice Bauer

Aus Kafkas Tagebuchaufzeichnungen geht hervor, dass er Felice Bauer am 13. August 1912 bei Max Brod kennengelernt hat. Wolf Kittler spricht von einer „Be­gegnung im Zeichen der Schrift“:

Zwei Bereiche, die bis zu diesem Zeitpunkt unvereinbar schienen, kamen dabei auf schicksal­hafte Weise in Berührung: die Literatur, verkörpert durch den Freund, und das Büro, in Gestalt der Geliebten.[10]

Max Brod, der Kafkas schriftstellerische Versuche bekräftigte, und mit ihm an diesem Abend die Endredaktion seines ersten, zur Veröffentlichung bestimmten Bändchens „Betrachtung“ abschließen wollte, machte Kafka mit Felice, „der zu einer leitenden Stellung aufgestiegenen Stenotypistin“[11], bekannt:

Die Begegnung löst den Widerspruch zwischen der gefürchteten Abschreiberschaft [Felice bemerkte, dass das Abschreiben von Manuskripten ihr Freude bereite, S.F.] bei der dichteri­schen Arbeit und der widerwilligen Autorschaft beim Diktieren im Büro. Der Unterschied zwischen dem Schreiben als Selbstentäußerung und dem Abschreiben als Selbstverleugnung wird durch die Differenz zweier auf zwei verschiedene Instanzen verteilter Techniken stabilisiert.[12]

Die erste Erwähnung von Felices Namen erfolgte schon am Tag nach der ersten Be­gegnung in einem Brief Kafkas an Max Brod:

Lieber Max, ich stand gestern beim Ordnen der Stückchen unter dem Einfluß des Fräuleins, es ist leicht möglich, daß irgend eine Dummheit, eine vielleicht nur im Geheimen komische Auf­einanderfolge dadurch entstanden ist.[13]

Wiederum einen Tag darauf, am 15. August, notiert Kafka in seinem Tagebuch: „Viel an – was für eine Verlegenheit vor dem Aufschreiben von Namen – Felice Bauer gedacht.“[14] Die Bekanntschaft scheint ihn stark beschäftigt, auch ein wenig durcheinander gebracht zu haben, worauf die Beschreibung des Kennenlernens, wel­che erst am 20. August im Tagebuch verzeichnet ist, nicht sofort schließen ließe:

Frl. Felice Bauer. Als ich am 13. VIII zu Brod kam, saß sie bei Tisch und kam mir doch wie ein Dienstmädchen vor. Ich war auch gar nicht neugierig darauf, wer sie war, sondern fand mich sofort mit ihr ab. Knochiges Gesicht, das seine Leere offen trug. Freier Hals. Überworfene Bluse. Sah ganz häuslich angezogen aus, trotzdem sie es, wie sich später zeigte, gar nicht war. [Ich entfremde ihr ein wenig dadurch, daß ich ihr so nahe an den Leib gehe. Al­lerdings in was für einem Zustand bin ich jetzt, allem Guten in der Gesamtheit entfremdet und glaube es überdies noch nicht. Wenn mich heute bei Max die literarischen Nachrichten nicht zu sehr zerstreuen, werde ich noch die Geschichte von dem Blenkelt zu schreiben versuchen. Sie muß nicht lang sein, aber treffen muß sie mich] Fast zerbrochene Nase. Blondes, etwas steifes reizloses Haar, starkes Kinn. Während ich mich setzte, sah ich sie zum erstenmal genauer an, als ich saß, hatte ich schon ein unerschütterliches Urteil. Wie sich –[15]

Aus dem reflexiven Einschub Kafkas über sein persönliches Befinden und Schreiben, inmitten der äußerlichen Beschreibung von Felice, wird schon die „Verkettung von Literarischem und Biographischem“[16] ansatzweise erkennbar, welche im Briefver­kehr der beiden noch solch eine große Rolle spielen wird.

Die Aposiopese am Ende des Eintrags – „Wie sich – “[17] – lässt allerhand Raum für Spekulationen offen: Wie sich die Meinung über eine Person durch einen einzigen tiefen Blick verändern kann? Wie sich solche Urteile ganz plötzlich manifestieren? usw. Die Beschreibung hat im Ganzen nicht viel Lobenswertes für Felice übrig. Wäre das „unerschütterliche[s] Urteil“[18] ähnlich kühl ausgefallen, so könnte man/frau mutma­ßen, hätte Kafka eine Woche nach der ersten Begegnung mit Felice wohl kaum Grund gehabt, diese so exakt, aus dem Gedächtnis heraus, zu beschreiben. In einem späteren Brief an Felice, vom 27. Oktober 1912, schreibt er „alle äußeren Begeben­heiten jenes Abends“[19], an die er sich noch erinnern konnte, nieder. Trotz seines angeb­lich sehr schlechten Gedächtnisses[20] nehmen diese recht detailreichen Erinnerungen etwas mehr als fünf Seiten ein, welche er zudem in einem Brief an Felice vom 3. November 1912 nochmals ergänzt[21].

Am 20. September 1912[22] schickte Kafka den ersten Brief an Felice, die in Berlin lebte, ab und startete somit einen Briefwechsel, der „bald sehr intensiv wurde (aus den Jahren 1912-1917 sind ungefähr 700 Briefe von ihm überliefert)“[23]. Am selben Tag erhielt er „auch seinen ersten Verlagsvertrag“[24]. Die zunehmende Intensität der Brieffreundschaft, „die im Kontext ihrer Zeit deutlich auf den Horizont einer Ehean­bahnung oder zumindest einer Liebeswerbung ausgerichtet ist“[25], kann jedoch nicht nur quantitativ an der Menge der Briefe gemessen werden, sondern auch qualitativ, insbesondere am Grad der Vertrautheit, welcher an der sich verändernden Anrede – von „Sehr geehrtes Fräulein!“[26], „Verehrtes Fräulein“[27] oder „Gnädiges Fräulein!“[28] über „Liebes Fräulein Felice!“[29] zu „Liebstes Fräulein Felice!“[30] oder „Liebstes Fräu­lein!“[31] bis hin zu „Liebste, Liebste!“[32] – und dem Wechsel vom Sie zum Du deutlich wird: „Wie das klingt, von Ihnen mit Du angesprochen zu werden […]“[33], „[…] dieses Du, für das ich Dir auf den Knieen danke“[34], „So lückenlos schließt nichts zwei Menschen aneinander, gar wenn sie nichts als Worte haben wie wir zwei“[35]. Als ein weiterer Indikator für die Intensität des Briefwechsels kann der schlag­artige Abbruch von Kafkas Tagebuch, nachdem er den ersten Brief von Felice erhalten hatte, gelten: „Der private Text, der in dieser Zeit das eigene Tagebuch ver­tritt, sind die […] als Tagebuch phantasierten Briefe der Geliebten“[36].

Kafka schrieb oft mehrere Briefe an einem Tag und war jedes Mal extrem beunruhigt, wenn Felices Antwort auf sich warten ließ, was gerade im Anfangssta­dium der brieflichen Kommunikation nicht selten der Fall war. „Soviele Jahre sind vergangen, daß ich nichts von Ihnen gehört habe […]“[37] schreibt er am 24. Oktober 1912, als der Briefverkehr gerade einmal einen Monat bestand. Schuld war laut Kafka in der Regel „die Unordentlichkeit der Post“[38] bzw. die „uns verfolgende Post“[39], die „ja ganz unberechenbar [ist], gar die österreichische, sie arbeitet vollkom­men improvisiert, so wie beiläufig die Juxpost bei Sommerunterhaltun­gen.“[40] Ab und an erscheint es dem/der heutigen, natürlich nur sehr einseitig mit dem Briefverkehr vertrauten[41] LeserIn fast so, als wäre die Post Felice ein angenehmer Sündenbock, um für ihren Brieffreund nicht geschriebene in verlorene Briefe umzu­wandeln, und auch bei Kafka dringen mit der Zeit leise Zweifel an seinen fixen Schuldzuweisung durch:

Und gehn denn Briefe überhaupt verloren, außer in der unsichern Erwartung, die keine andere Erklärung mehr findet?[42]

Liebste es gehn, es gehn Briefe verloren, oder aber ich leide an Verfolgungswahn.[43]

Der späte September, die Zeit, in welcher der Briefverkehr ins Rollen kam, war eine sehr produktive Phase für Kafka, die auf eine längere schriftstellerisch magere Zeit folgte, welche er nach eigenen Worten mehr „vertrödelt und verschlafen“ hatte, sich „mit träumerischen Entschuldigungen auf dem Bett“[44] dehnend.

Möchte man/frau den einige Wochen später plötzlich stark angeregten Schaffenspro­zess Kafkas mit Felice in Verbindung bringen, so ist dies weniger über die Bekannt­schaft an sich, die ja schon seit Mitte August bestand, sondern vielmehr noch über den ersten, abgeschickten Brief möglich. Beinahe unmittelbar darauf schreibt Kafka die Geschichte „Das Urteil“ „in der Nacht vom 22 zum 23 von 10 Uhr abends bis 6 Uhr früh in einem Zug“[45] nieder, die er bezeichnenderweise auch Felice widmet[46]. Vom 23. auf den 24. September findet sich im Tagebuch ein Ansatz zum Fragment gebliebenen „Gustav Blenkelt“ und ein bis zwei Tage später schreibt er schon an „Der Verschollene“ weiter. Kafka wird etwas später selbst bewusst, dass sein Den­ken an Felice bzw. an ihre Briefe und seine, die darauf folgen, mit seinem „Schreiben im Zusammenhang“ steht, er bezeichnet sie als mit seinem „Schreiben verschwistert“[47]. Die Fernbeziehung, welche sich zwischen den beiden anbahnt, ist seiner schriftstellerischen Produktivität nach eigener Angabe aber keineswegs nur zuträglich: „[…] ich schreibe seit paar Tagen schrecklich wenig, ja fast nichts, ich habe zuviel mit Dir zu tun, zuviel an Dich zu denken.“[48]

Gerade, wenn die Kommunikation schleppend und unausgeglichen – Kafka schreibt in der Regel öfter und schneller als Felice antwortet – dahinplätschert, scheint dies auch dem Schreiben nicht sehr zuträglich:

Die Briefe spielen die zentrale Rolle beim Versuch, das Leben mit dem Schreiben zu synchronisieren, dies jedoch im stets gegenwärtigen Bewusstsein des Scheiterns auf beiden Gebieten.[49]

Sein eigenes Briefschreiben an Felice bekommt vor allem dadurch Bedeutung, dass sie ihm antwortet, er bestenfalls für jeden Brief auch wieder einen zurück erhält. Dies sollte eine Idealvorstellung bleiben.

Obwohl ein privater Briefverkehr an sich schon eine dialogische Kommunikation darstellt, hält sich das gegenseitige Ausfragen und Antworten auf ein Minimum be­grenzt; es wirkt, jedenfalls von Kafkas Seite aus, meist wie eine notwendige Ver­pflichtung, die er hinter sich bringen oder noch lieber verschieben möchte:

Wieder ist es keine Antwort, die ich schreibe, lassen wir Frage und Antwort sich verfitzen nach Belieben, […][50]

[…] ich antworte gar nicht und frage kaum und alles nur deshalb, weil die Freude Ihnen zu schreiben, ohne daß ich mir dessen gleich bewußt werde, alle Briefe an Sie gleich für das Endlose anlegt und da muß natürlich auf den ersten Bogen nichts eigentliches gesagt werden.[51]

Nun habe ich aber wieder so wenig erzählt und gar nicht gefragt und muß schon wieder schlie­ßen. Aber keine Antwort und noch zweifelloser keine Frage soll verloren gehen.[52]

Wieder antworte ich auf nichts, aber Antworten ist eben Sache der mündlichen Rede, durch Schreiben kann man nicht klug werden, höchstens eine Ahnung des Glücks bekommen.[53]

Es lässt sich hier schon erkennen, dass „das Schreiben und Schicken der Briefe selbst ein zentrales, wenn nicht das zentrale Thema der Korrespondenz darstellt“[54].

Die „Ahnung des Glücks“[55] scheint der eigentliche Antrieb für die Beziehung zwischen Kafka und Felice zu sein und nicht dessen Erfüllung. Nur hat eine Ahnung, die „für das Endlose“[56] angelegt sein soll, etwas Paradoxes an sich, worum Kafka weiß: „[…] wie viele Unmöglichkeiten es in unserem Schreiben gibt.“[57] – „Unmöglich­keiten auf allen Seiten!“[58]. Die zwischen den Briefen vermittelte Ahnung, im Sinne von steter Spannung, welche überaus positive, aber auch ebenso negative Gefühle heraufzubeschwören fähig ist, kann als ein Mechanismus betrachtet werden,

[…] der Probleme nur erzeugt, damit die Auseinandersetzung mit ihnen unmittelbar in Litera­tur mündet. Kafkas Problemerzeugungsmechanismus ist in Wirklichkeit ein Literaturproduktionsmechanismus.[59]

Dieser Aussage würde ich bedingt zustimmen, und zwar unter den Bedingungen, dass das „nur“, die dem Mechanismus zugeschriebene Ausschließlichkeit, durch ein „auch“ ersetzt, und das „unmittelbar“, welches die große Anstrengung zwischen Problem- und Literaturerzeugung verschweigt, weggelas­sen wird.

Der Brief vom 7./8. Dezember 1912, welcher in der folgenden Arbeit im Zentrum stehen soll, ist nicht der erste, in dem Träume thematisiert werden. Felice musste Kafka schon zuvor von ihren Träumen geschrieben haben, die er als „dunkle un­glückliche Träume“[60] beschreibt, für deren Inhalt er sich verantwortlich fühlt: „Geht meine Bestimmung Dich zu quälen über das Wachsein hinaus bis in den Schlaf?“[61]

Am 8. November schrieb Kafka Felice: „Es ist das erste Mal, daß ich von Ihnen träumte und mich daran erinnerte.“[62] Einen Traum auch inhaltlich erzählt hat er ihr erstmals am 17. November[63], als er sie schon „Liebste“ nannte und beide sich duzten. Ab da sind auch „die Traumerzählungen, ganz in die vertrackte double-bind-Strate­gie der Briefwechsel eingebunden, mit der Kafka um Zuneigung und Zuwendung wirbt und zugleich die Unüberbrückbarkeit der Distanz betont.“[64]

3. Text: Der Brief vom 7./8. Dezember 1912

Kafka schreibt einen, abgesehen von drei direkten Fragen – „Ob Dir nur gut ist? Ob Du an mir nicht allzuviel auszusetzen hast? Ob Dir gerade heute viel an mir gelegen ist?“[65] –, überwiegend monologischen Brief an Felice, in dem er ihr von seinen Träu­men berichtet. Schon durch Kafkas Datierung „Nacht vom 6. zum 7. XII 12“[66] wird ein Raum des Dazwischen aufgemacht, in solch einem viele seiner Texte zu situieren sind: „Geschrieben zur Geisterstunde, gehören sie weder zum Gestern noch zum Morgen, sind sie weder rein literarisch, d.h. öffentlich, noch rein privat.“[67] Doch nicht einmal die Zwischendatierung ist offenbar Dazwischen genug. In der „Briefe an Felice“-Ausgabe[68] findet sich, unter der angegebenen Datierung Kafkas, folgender Hinweis: „[vermutlich in der Nacht vom 7. zum 8. Dezember 1912]“. In der „Träume“-Ausgabe wird auf die ursprüngliche Datierung Kafkas schon verzichtet und nur mehr am Ende der Traumerzählungen: „[an Felice Bauer, 7./8. Dezember 1912, F 165-167]“[69] angegeben. Die „Kritische Kafka Ausgabe“[70] führt wieder beide Datierungsvarianten an, zuoberst jene vom 7./8. Dezember[71], wobei sogar, anders als bei der ursprünglichen Datierung, die Tage, hier Samstag/Sonntag, angegeben werden. Dies macht Kafka zwar auch des Öfteren, jedoch nicht in diesem Brief.

Ebenso wie für „chronologische Irritationen“[72] in Kafkas Tagebüchern, könnte die folgende Aussage für die Datierung von Briefen gelten: „Falsche Datierungen werden nicht als Fehler, sondern als Interpretamente der Zeitprofilierung lesbar.“[73] Wird der Anfang des besagten Briefes berücksichtigt – „Liebste, ich habe aus ver­schiedenen Gründen heute nichts geschrieben.“[74] –, auf den einige Rechtfertigungen folgen, dann könnte Elias Canettis, in Bezug auf das Tagebuch getä­tigte Äußerung „Unter früheren Daten eintragen, als ließe sich das Vergangene be­einflussen“[75], durchaus auch als Möglichkeit für die „falsche“ Datierung dieses Brie­fes herangezogen werden.

Von dieser Datumsverwirrung lässt sich gut überleiten zur Frage „Wer spricht?“. Kafka natürlich, wäre eine simple, nicht ganz falsche, aber doch sehr ungenaue Ant­wort. Denn ebenso wie die Briefe und Träume oft in einem Zwischenraum, zwischen zwei Tagen, zu lokalisieren sind, so kann auch von einer „Dualität der zwei Subjekte“ gesprochen werden:

Wir unterscheiden hier grob zwischen einem Subjekt der Aussage als Form des Ausdrucks, also einem ersten Subjekt, das die Briefe schreibt, und einem Subjekt des Ausgesagten als Form des Inhalts, also einem zweiten Subjekt, von dem der Brief spricht (auch wenn ich von mir spreche).[76]

Nun handelt es sich aber nicht „nur“ um einen Brief, was schon die Form der (Zwischen-)Datierung andeutet, sondern um einen Brief, in dem Träume mitgeteilt werden, was die Dualität der Subjekte mindestens zu einer Trinität werden lässt. Das Subjekt der Aussage, den Briefschreiber, schließe ich mit dem Subjekt des Träu­mens, dem Träumer, zusammen, da es sich um ein und dieselbe empirische Person in unterschiedlichem Bewusstseinszustand handelt.

Das Subjekt des Ausgesagten, von dem der Brief spricht, kann jedoch nicht nur theo­retisch, sondern auch praktisch vom Subjekt des Geträumten, von dem der Traum im Brief spricht, unterschieden werden.

Für die Analyse der Träume spielt nun vor allem das Verhältnis zwischen diesen beiden Subjekten eine wichtige Rolle. In anderer, etwas vereinfachter, aber für dieses Vorhaben, wie ich denke, völlig ausreichender Terminologie von Manfred Engel ausgedrückt:

Eines der wichtigsten Mittel zur Charakterisierung von Traumnotaten ist das Verhältnis von erzähltem (träumendem) und erzählendem (wachem) Ich, das sich auf der Skala zwischen einem rein personalen und einem stark auktorialen Erzählverhalten bewegen kann.[77]

Diese beiden Ebenen sind nicht immer klar voneinander zu trennen, aber dort, wo es, beispielsweise im ersten Traum durch temporale Indikatoren, möglich ist, soll eine Unterscheidung künftig vorgenommen werden.

3.1. Die Präambel

Die „Träume“- Ausgabe[78] beginnt nicht mit dem ursprünglichen Briefanfang, son­dern, dem Thema gemäß, an der Stelle im Brief, wo Kafka das erste Mal auf seine Träume zu sprechen kommt.

Diese Einleitung der Traumerzählungen durchbricht einerseits eine Erwartungshal­tung Träumen gegenüber, wie sie seit Sigmund Freuds „Traumdeutung“[79] besteht, andererseits baut sie für die Briefadressatin, Felice Bauer, und in weiterer Folge für alle LeserInnen dieses Traumes, auch eine Erwartungshaltung auf.

3.1.1. Bruch mit der freudschen Erwartungshaltung

Der erste Satz – „Liebste, ich habe heute wohl während des ganzen Schlafes von Dir geträumt, erinnerlich sind mir aber nur zwei Träume.“[80] – lässt noch nichts Ungewöhn­liches erahnen, denn dass man/frau das Gefühl hat, die ganze Nacht ge­träumt zu haben, und im Anschluss doch nur einen Bruchteil in Erinnerung behält, diese Erfahrung ist wohl jedem Träumer und jeder Träumerin bekannt.

Gleich darauf beginnt Kafka jedoch mit einer psychoanalytisch-freudschen Erwar­tungshaltung Träumen gegenüber gründlich zu brechen:

Ich habe mich gleich nach dem Erwachen trotz starken Widerstandes bemüht, sie [die Träume] zu vergessen, denn es waren schreckliche Wahrheiten aufdringlich und überdeutlich in ihnen, so wie sie an dem mattern Tagesleben niemals zum Durchbruch kommen könnten. Ich will sie nur ganz oberflächlich und kurz erzählen, trotzdem sie sehr verwickelt und voll Details waren, die noch jetzt in mir drohen.[81]

Kafkas Bemerkungen lassen sich beinahe als Kontrafaktur zur „Traumdeutung“ Freuds lesen[82], bei welcher der Wunsch sich zu Erinnern im Vordergrund steht. Freuds Ziel ist es, das unbewusst Vergessene, jedenfalls so viel wie möglich davon, im Vorgang der Analyse wieder zum Bewusstsein zu bringen. Ihm zufolge sind „zwei psychische Kräfte“ am Zustandekommen von Erinnerungen beteiligt „von denen die eine die Wichtigkeit des Erlebnisses zum Motiv nimmt, es erinnern zu wollen, die andere aber – ein Widerstand – dieser Auszeichnung widerstrebt.“[83]

Bei Kafka könnte der Widerstand sowohl auf das Erwachen als auch auf das Verges­sen bezogen werden.

Erstere Möglichkeit wirft allerdings die Frage auf, wieso der Träumer nicht erwa­chen wollen sollte, wenn im Traum „schreckliche Wahrheiten aufdringlich und über­deutlich“[84] ihn bedrängten. Oder sind die Wahrheiten womöglich allein oder erst recht in Konfrontation mit dem Wachzustand derart schrecklich? Vielleicht, weil der Traum nur eine konsequenzverminderte, leicht verzerrte Metapher für eine durchaus plausible, sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Wirklichkeit mit unvermin­derten Konsequenzen ist? Mit den Fragen, die diese Doppeldeutigkeit aufwirft, kündigt sich bereits die Problematik einer Unterscheidung zwischen Schlafen und Wachen an, die sich im weiteren Verlauf steigert bis hin zu den fließenden Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit, worauf am Ende, mit Bezugnahme auf den Schlusssatz des Briefes nochmals zurückzukommen ist.

Wird der Widerstand auf das Vergessen bezogen, dann ergibt sich ein Alternativmo­dell zu Freuds Widerstand gegen das Erinnern-Wollen. Der Widerstand arbeitet bei Kafka offenbar wider das Vergessen, welches gewünscht zu werden scheint. Verges­sen, dem nicht nur bei Freud, sondern generell ein verpönter Ruf anhaftet – alte, ge­sundheitlich beeinträchtigte oder ignorante Menschen vergessen, wer in der Arbeit oder in der Schule vergisst, wird in der Regel mit Sanktionen rechnen müssen usw. – , wird plötzlich von einem unbewusst-fahrlässigen zu einem bewusst-initiierten Akt des Willens, der – es handelt sich um einen starken Widerstand – einige Anstrengung erfordert. Aber dieser Wunsch des Vergessens muss wiederum in Zusammenhang mit dem nächsten Satz, der auch schon den Grund dafür mitliefert, gelesen werden. Kafka bemüht sich, die Träume zu vergessen, „denn es waren schreckliche Wahr­heiten aufdringlich und überdeutlich in ihnen, so wie sie an dem mattern Tagesleben niemals zum Durchbruch kommen könnten.“[85] Dass Schreckliches möglichst rasch vergessen sein will, verwundert nicht sonderlich – Freud würde es bei „Erfolg“ Ver­drängung nennen –, und der Widerstand könnte als vom Gewissen bzw. Über-Ich ausgehend betrachtet werden. Dass es sich bei dem Schrecklichen um Wahrheiten handelt, die zudem auch noch „aufdringlich und überdeutlich“[86] sind, verwundert im Zusammenhang mit dem Traumgegenstand schon mehr. Laut Freud sind, ebenso wie bei der Erinnerung, auch am Zustandekommen des Traums zwei „psychische Mächte“[87] beteiligt, und zwar der Wunsch, welcher die latenten Traumgedanken ent­hält, die sich ursprünglich im Traum Ausdruck verschaffen wollen, und die Zensur, welche diesen Wunsch entstellt, sodass die Träumenden sich nur mehr an einen ver­wirrenden manifesten Trauminhalt erinnern können, der einzig mittels Analyse, und auch dann nur ansatzweise, wieder in den eigentlichen Wunsch zurückzuführen ist: „Daß der Traum wirklich einen geheimen Sinn hat, der eine Wunscherfüllung ergibt, muß wiederum für jeden Fall durch die Analyse erwiesen werden.“[88]

Bei Kafka jedoch befinden sich „schreckliche Wahrheiten aufdringlich und über­deutlich“[89] im Traum selbst, der einem „mattern Tagesleben“[90] gegenübergestellt wird, quasi ein Bild wie Nacht/Wahrheit/Klarheit vs. Tag/Unwahrheit/Nebel, das Freuds These der unbedingten und ausnahmslosen Analysebedürftigkeit von Träu­men bzw. der Rückführung von manifestem Trauminhaltskauderwelsch in latente, verständliche, „wahre“ Traumgedanken durch den Analytiker obsolet werden lässt. Dem Unbewussten wird bei Kafka offenbar weit mehr zugestanden als nur krypti­sches Auslegungs- und Experimentierfeld des Bewussten zu sein; in ihm scheinen a priori existierende oder jedenfalls angelegte Wahrheiten zum „Durchbruch“[91] gelan­gen zu können. Der Traum wäre in diesem Zusammenhang eine Art Wahrsehen. Wenn man/frau gängige Metaphern wie die sich niedersenkende Nacht oder den Schlaf als Schleier mitdenkt, kann vielleicht sogar von einer Umwertung von Tag und Nacht bzw. von bewusstem Wach- und unbewusstem Traumzustand gesprochen werden.

Hier fände sich somit ein Gemeinsames in der anfänglich festgestellten, doppelten Bezugsmöglichkeit des „Widerstandes“. Der zweisame Bezug ergibt durchaus Sinn, denn sowohl die Abwehr gegen das Erwachen als auch jene der psychoanalytisch begründeten Hierarchie des Bewussten (hier: das Erinnern) und Unbewussten (hier: das Vergessen), weist auf einen Grenzbereich von Traum und Wirklichkeit hin, der alles andere als klar abgrenzbar zu sein scheint, wie Kafka durch das Umjonglieren der Wertigkeit dartut.

Kafka thematisiert in der Präambel schließlich noch seine Vorgehensweise bei den Traumnotaten: „Ich will sie [die Träume] nur ganz oberflächlich und kurz erzählen, trotzdem sie sehr verwickelt und voll Details waren, die noch jetzt in mir drohen.“[92] Dass nur ein Auszug aus den eigentlichen Träumen präsentiert wird, ist nicht ver­wunderlich. Es überrascht vielmehr die als bewusst deklarierte Selektion. Kafka gibt nicht darum nur eine grobe Inhaltsangabe bekannt, weil ihm der Rest nicht mehr ein­fällt, sondern weil er es so will. Diese absichtliche, bedachte Auswahl kann wiederum Freuds Methode der freien Assoziation gegenübergestellt werden, die vom Patienten verlangt:

[...]


[1] Wilhelm Richard Berger: Der träumende Held. Untersuchungen zum Traum in der Literatur. Hg. v. Norbert Lennartz. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2000, S. 11

[2] Vgl. Manfred Engel: Traumnotate, literarische Träume und traumhaftes Schreiben. In: Träumungen in Film und Literatur. Hg. v. Bernard Dieterle. 2. Aufl. St. Augustin: Gardez! Verlag 2002, S. 233-262, hier insbesondere S. 245

[3] Wilhelm Richard Berger: Der träumende Held, S. 38

[4] Manfred Engel: Traumnotate, literarische Träume und traumhaftes Schreiben, S. 236

[5] Diese Briefanrede, oft auch in gesteigerter Form – „Liebste, Liebste!“ –, verwendet Kafka für Felice ab dem 14.11.1912. Siehe: Franz Kafka: Briefe 1900-1912. Hg. v. Hans-Gerd Koch. In: Franz Kafka: Schriften, Tagebücher, Briefe. Kritische Ausgabe. Hg. v. Gerhard Neumann, Malcolm Pasley u. Jost Schillemeit. Frankfurt am Main: S. Fischer 1999, S. 230

[6] Waldemar Fromm: Das Urteil – traumhafter Durchbruch des Autors und Scheitern der Figuren. In: Kafka-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Hg. v. Manfred Engel u. Bernd Auerochs. Stuttgart/Weimar: J.B. Metzler 2010, S. 431-437, hier S. 431

[7] Dieses „Programm“, wenn man/frau so will, beanspruche ich keineswegs als mein geistiges Eigentum; es könnte vielmehr als ein Fazit des Konversatoriums „Träume“, im Rahmen dessen diese Arbeit entstanden ist, betrachtet werden.

[8] Ende in Anführungszeichen, da die genaue Analyse eines solchen Traums schier endlos zu sein scheint, weshalb es sich, jedenfalls hier, mehr um einen künstlich herbeigeführten Abschluss handelt.

[9] Vgl. Sigmund Freud: Die Traumdeutung. Studienausgabe. Hg. v. Alexander Mitscherlich, Angela Richards u. James Strachey. 10 Bde. 11., korrigierte Aufl. Frankfurt am Main: Fischer 2001 (1900), Bd. II., S. 286

[10] Wolf Kittler: Schreibmaschinen, Sprechmaschinen. Effekte technischer Medien im Werk Franz Kafkas. In: Franz Kafka: Schriftverkehr. Hg. v. Wolf Kittler u. Gerhard Neumann. Freiburg: Rombach 1990, S. 75-163, hier S. 86

[11] Ebd., S. 88

[12] Ebd.

[13] Franz Kafka: Briefe 1900-1912, S. 166

[14] Franz Kafka: Tagebücher. Hg. v. Hans-Gerd Koch. In: Ders.: Schriften, Tagebücher, Briefe. Kritische Ausgabe. Hg. v. Gerhard Neumann, Malcolm Pasley u. Jost Schillemeit. Frankfurt am Main: S. Fischer 1999, Bd. 1, S. 430

[15] Ebd. S. 431-432

[16] Bettina von Jagow: Frühe Erzählungen: Der Betrachtung-Band. In: Kafka-Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Hg. v. Bettina von Jagow u. Oliver Jahraus. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2008, S. 401-407, hier S. 402

[17] Franz Kafka: Tagebücher, Bd. 1, S. 432

[18] Ebd., S. 432

[19] Franz Kafka: Briefe 1900-1912, S. 197

[20] Vgl. Ebd., S. 175

[21] Vgl. Ebd., S. 208-209

[22] Am Vorabend des jüdischen Versöhnungstages Jom Kippur.

[23] Franz Kafka: Träume. „Ringkämpfe jede Nacht“. Hg. v. Gaspare Giudice u. Michael Müller. Mit einem Nachwort v. Hans-Gerd Koch. Frankfurt am Main: Fischer 1993, S. 80

[24] Ekkehard W. Haring: Das Briefwerk. In: Kafka-Handbuch (2010), S. 390-397, hier S. 393

[25] Ebd.

[26] Franz Kafka: Briefe 1900-1912, S. 170 usw.

[27] Ebd., S. 173 usw.

[28] Ebd., S. 185/186 usw.

[29] Ebd., erstmals am 1.11.1912, auf S. 202

[30] Ebd., erstmals am 7.11.1912, auf S. 216

[31] Ebd., erstmals am 9.11.1912, auf S. 222

[32] Ebd., erstmals am 14.11.1912, auf S. 230

[33] Ebd., S. 227

[34] Ebd., S. 231

[35] Ebd.

[36] Wolf Kittler: Schreibmaschinen, Sprechmaschinen, S. 105

[37] Franz Kafka: Briefe 1900-1912, S. 188

[38] Ebd., S. 201

[39] Ebd., S. 263

[40] Ebd., S. 303

[41] Einseitig deshalb, weil Felices Briefe nicht überliefert sind.

[42] Franz Kafka: Briefe 1900-1912, S. 239

[43] Ebd., S. 285

[44] Franz Kafka: Tagebücher, Bd.1, S. 434

[45] Ebd., S. 460

[46] Vgl. Franz Kafka: Briefe 1900-1912, S. 188

[47] Ebd., S. 203

[48] Ebd., S. 236

[49] Christian Schärf: Kafka als Briefeschreiber: Briefe an Felice und Briefe an Milena. In: Kafka-Handbuch (2008), S. 72-84, hier S. 73

[50] Franz Kafka: Briefe 1900-1912, S. 190

[51] Ebd., S. 201

[52] Ebd., S. 205

[53] Ebd., S. 241

[54] Christian Schärf: Kafka als Briefeschreiber: Briefe an Felice und Briefe an Milena, S. 74

[55] Franz Kafka: Briefe 1900-1912, S. 241

[56] Ebd., S. 201

[57] Ebd., S. 200

[58] Ebd., S. 201

[59] Oliver Jahraus: Das Urteil. In: Kafka-Handbuch (2008), S. 408-420, hier S. 411

[60] Franz Kafka: Briefe 1900-1912, S. 282

[61] Ebd.

[62] Ebd., S. 220

[63] Vgl. Ebd., S. 241

[64] Manfred Engel: Traumnotate, literarische Träume und traumhaftes Schreiben, S. 236

[65] Ebd., 308

[66] Kafkas Datierung des Briefes, Ebd., S. 308

[67] Maximilian G. Burkhart: Kafka und déconstruction. In: Kafka-Handbuch (2008), S. 385-398, hier S. 386

[68] Franz Kafka: Briefe an Felice und andere Korrespondenz aus der Verlobungszeit. Hg. v. Erich Heller u. Jürgen Born. Mit einer Einleitung v. Erich Heller. Frankfurt am Main: S. Fischer 1967.

[69] Franz Kafka: Träume. „Ringkämpfe jede Nacht“, S. 35-37, hier S. 37

[70] Vgl. Anm. 6

[71] Im Kritischen Apparat findet sich der Hinweis: „Bei dem von Kafka gesetzten Datum Nacht vom 6. Zum 7.XII 12 handelt es sich um ein Versehen; Kafka irrt sich um einen Tag, wie sich aus dem falschen Datumszusatz Sonntag 7 XII 12 über der Fortsetzung des Briefes am darauffolgenden Nachmittag (am Sonntag, den 8. Dezember) und dem Hinweis auf das späte Schlafengehen in der Nacht zuvor (Freitag auf Samstag, vgl. Nr. 340) ergibt.“ Siehe: Franz Kafka: Briefe 1900-1912, S. 884

[72] Arno Dusini: Tagebuch. Möglichkeiten einer Gattung. München: Wilhelm Fink Verlag 2005, S. 188

[73] Ebd.

[74] Franz Kafka: Briefe 1900-1912, S. 308

[75] Elias Canetti: Die Fliegenpein. Aufzeichnungen. München: Carl Hanser Verlag 1992, S. 93. Zitiert in: Arno Dusini: Tagebuch, S. 188

[76] Gilles Deleuze und Félix Guattari: Kafka. Für eine kleine Literatur. Aus dem Franz. übers. v. Burkhart Kroeber. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1976, S. 43.

[77] Manfred Engel: Traumnotate, literarische Träume und traumhaftes Schreiben, S. 244

[78] Siehe Anm. 24

[79] Die Breitenwirkung der Traumdeutung, die um 1900 (ein Jahr vordatiert) in Wien erschien, setzte erst mit der zweiten, erweiterten Auflage von 1909 ein. Siehe: Wilhelm Richard Berger: Der träumende Held, S. 22

[80] Franz Kafka: Briefe 1900-1912, S. 308

[81] Ebd.

[82] Dabei soll es nicht primär darum gehen, Kafka eine bewusste Gegenposition zu unterstellen. Dies wäre auch kaum möglich, da über seine Kenntnis von Freuds Werken nicht vielmehr bekannt ist, als dass sie teilweise vorhanden war, möglicherweise aber auch nur indirekt, über Gespräche mit Freunden und Bekannten, das Lesen von Zeitungsartikeln usw. Etwas mehr als zwei Monate vor dem Verfassen des hier behandelten Briefes, nach der Niederschrift von „Das Urteil“, hatte Kafka jedenfalls „Gedanken an Freud natürlich“ (Franz Kafka: Tagebücher, Bd. 1, S. 460/461). Selbst, wenn diese Gedanken nicht direkt mit der „Traumdeutung“ zu tun haben mochten, ist es deswegen noch längst nicht weniger interessant eine derart oppositionelle Position zu einem damals sehr starken Diskurs vorzufinden.

[83] Sigmund Freud: Über Deckerinnerungen. In: Gesammelte Werke. Unter Mitwirkung von Marie Bonaparte. Hg. von Anna Freud et al. Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuchverlag 1999 (1899), Bd. I, S. 529-554, hier S. 536

[84] Franz Kafka: Briefe 1900-1912, S. 308

[85] Ebd.

[86] Ebd.

[87] Sigmund Freud: Die Traumdeutung, S. 160

[88] Ebd., S. 162

[89] Franz Kafka: Briefe 1900-1912, S. 308

[90] Ebd.

[91] Ebd.

[92] Ebd.

Details

Seiten
65
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656650607
ISBN (Buch)
9783656650584
Dateigröße
668 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272732
Institution / Hochschule
Universität Wien – Germanistik
Note
1
Schlagworte
Freud Traum Traumdeutung Sigmund Freud Franz Kafka Kafka Traumerzählung Trauminterpretation Träume Traumanalyse Psychoanalyse Felice Bauer Traumprotokoll Traumnotat kafkaesk Überdeterminierung Trauminhalt latent manifest Schreibakt Schreibprozess

Autor

Zurück

Titel: Träume als Verhandlung von Wirklichkeitsszenarien