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Ratingagenturen und ihr Einfluss auf die Weltwirtschaft

Ein zukunftsfähiges Modell?

Facharbeit (Schule) 2013 18 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort.

2. Ratingagenturen
a. Definition
b. Ratings
c. Historischer Hintergrund
d. Die großen Drei
i. Standard & Poors
ii. Moodys
iii. Fitch Rating

3. Einfluss der Ratingagenturen.
a. Folgen eines Ratings
b. Wie kam es zu dieser Macht?
c. Ist die Macht der Ratingagenturen doch nur ein Myhtos?
d. Die Wichtigkeit der Ratingagenturen.

4. Unabhängigkeit der RatingagenturenS
a. Interessenskonflikte bei einem Rating.
b. Regulierungsmaßnahmen auf dem Ratingmarkt
c. Besitzverhältnisse dere Ratingagenturen

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

7. Anhang

1. Vorwort

„Die Analysten der Ratingagenturen bringen Staaten in Finanznot und lassen weltweit die Börsen erzittern“ (Wirtschaftswoche). Sind Ratingagenturen die mächtigsten Unternehmen unseres Wirtschaftssystems?

Ein Rating verursacht Unruhe und Sicherheit, lässt Staaten ins Zittern geraten und Börsianer frohlocken. Eine kleine Abstufung kann in der Wirtschaft eine große Panik auslösen und lässt Investoren Zurückhaltung üben. Umgekehrt kann ein positives Rating zu Mut und Investitionsbereitschaft und damit verbunden zu mehr Arbeitsplätzen führen. Die Frage, die sich aufwirft lautet: Ist das alles noch gesund und besteht nicht die Gefahr, dass einflussreiche Unternehmen oder Staaten Druck auf die Agenturen ausüben, um sich selbst durch Schwächung der anderen einen Vorteil zu verschaffen? Sollte es nicht vielmehr auch europäische Ratingagenturen geben, um ein Korrektiv zu den amerikanischen zu etablieren?

In den letzten Jahrzehnten gerieten die Ratingagenturen zunehmend in öffentliche Kritik. Im Jahre 2002 durch den Wirtschaftsskandal Enron und vor allem seit der Suprime-Krise 2007, welche zur Finanzkrise führte, diskutieren Regierungen und Wertpapieraufsichtsbehörden wie bspw. die SEC[1] über notwendige regulatorische Veränderungen des Ratingmarktes.

So habe ich mich persönlich auch gefragt: „Warum können drei so kleine Buchstaben Einfluss darauf haben, ob in Irland jemand auf der Straße lebt oder noch seinen Job bei Ryan Air als Pilot ausüben kann?“. Oder ist diese Macht nur Schein? Für mich persönlich wirft der Begriff Ratingagentur eine Menge Fragen auf. Mit dieser Facharbeit werde ich einigen dieser Fragen nachgehen und sie genauer beleuchten. Dabei werde ich versuchen, Neutralität zu wahren.

Der Aufbau der Facharbeit weist eine klare Struktur auf. Im ersten Teil werde ich mich mit dem Begriff Ratingagentur genauer beschäftigen. Dabei wird das Rating der Agenturen angerissen sowie die genauen Aufgaben der „Big Three“ vorgestellt. Dieser erste Teil soll auch Lesern, welche noch nicht so vertraut mit Thema sind, die Chance geben die etwas komplexen Sachverhalte zu verstehen. Die historische Entwicklung der „vermeintlichen Weltmacht“ darf dabei natürlich nicht fehlen. Wie der Titel schon sagt, befasst sich der Hauptteil meiner Facharbeit mit dem Einfluss der Ratingagenturen und versucht die Auswirkungen eines Ratings sowie deren Macht auf dem Markt und die Verwendung dieser, in Bezug auf die Weltwirtschafts-Krise oder anderen aktuellen Ereignissen, kritisch zu hinterfragen. Dabei wird die Bedeutsamkeit der Ratingagenturen in unserer globalen Welt nicht außer Acht gelassen. Außerdem beschäftigt sich der Hauptteil damit, ob Interessenskonflikte zwischen Emittent[2] und Ratingagentur auftreten könnten. Hierbei wird der Leser auch über interessante Besitzverhältnisse der Agenturen stoßen und einiges über die aktuellen, schon getroffenen Regulierungen auf dem Markt erfahren.

Abschließend werde ich in meinem persönlichen Fazit meine eigene Meinung dem Leser kundtun und auf die Titelfrage: „Ein zukunftsfähiges Modell?“ eingehen. Thematisieren werde ich dabei vor allem die Punkte Regulierung, Transparenz, Einfluss und Macht.

2. Ratingagenturen

Definition

Ratingagenturen (englisch. Credit rating agency, CRA) sind privatrechtlich organisierte, sowie gewinnorientiert agierende Unternehmen, welche mit Hilfe von Ratings, Aussagen über die Ausfallwahrscheinlichkeit von Finanztiteln[3] treffen, anhand vordefinierter Kriterien, die je nach Ratingagentur variieren. Mit Hilfe einer Analyse des jeweiligen Kreditrisikos bilden sie folglich eine Meinung über die Bonität des zu begutachtenden Finanztitels. Neben Anleihen von Staaten, Banken und Industrieunternehmen vergeben die Agenturen auch Ratings für Geldmarktpapiere und seit einigen Jahren auch für Investmentfonds/Krisenfonds (Bsp. ESM).[4]

Ratings

Grundlage für ein Rating ist meist der Auftrag eines Emittenten[5] bzw. Kreditnehmers. Die Ratingagenturen geben aber auch ihre Empfehlung unaufgefordert bei z.B. Staatsanleihen oder dem ESM ab. Dabei sammelt die Ratingagentur alle relevanten Daten des Instituts oder des Fonds und startet eine Basis-Analyse, welche sowohl qualitative und quantitative Faktoren berücksichtigt und prüft. Das Rating soll neutral, zukunftsorientiert und umfassend die Erfolgs- und Risikofaktoren der Unternehmen, Staaten oder Fonds bewerten. Diese Faktoren werden komplex beurteilt und zu einem einzigen Wert zusammengeführt. Die meisten Ratingverfahren basieren auf dem sog. Shareholder-Value- Ansatz oder auf der Kapitalmarktheorie, wo der zentrale Aspekt die Ausfallwahrscheinlichkeit ist. Die Ratings sind in der Regel für die Öffentlichkeit unentgeltlich auf der Homepage der Ratingagenturen zu finden. Mittels Ratings gelangen die getrichterten Informationen zu den Investoren, Staaten und Unternehmen, sodass Ratingagenturen zu Markttransparenz und Effizienz beitragen. Die Analysen mindern die Unsicherheiten und Unwissenheiten des Finanzsystems.[6]

Das Ratingurteil wird mit Buchstabencodes dargestellt, um das Ergebnis so übersichtlich zu gestalten wie nur möglich. Die drei größten Ratingagenturen Standard & Poors, Moodys und Fitch haben jedoch leicht verschiedene Varianten, wobei in den Skalen aber einheitlich die Bereiche Investment grade und Speculative grade gegliedert werden. Die Skala beginnt mit der Bestnote Triple A, welche Deutschland zum Beispiel regelmäßig erhält. Ab BB+ beginnt der spekulative Bereich, der auch unter der Bezeichnung „Ramsch“ bekannt ist. Je schlechter die Bonität, desto unwahrscheinlicher ist es, dass jemand in den Finanztitel investiert und somit erschwert dies dem Schuldner die Suche nach frischem Kapital (Kredite).

Nachdem der Emittent der Ratingagentur den Auftrag gegeben hat, zum Beispiel das Unternehmen zu bewerten, damit Investoren dank dieses Ratings besser gelockt werden können, beginnt die Ratingagentur mit einem sogenannten Erstrating. Hierbei werden alle Grundlagen für das Rating gelegt und jegliche Informationen des Unternehmens einbezogen. Danach wird jährlich eine Rating-Update ermittelt. Hierbei ist hinzuzufügen, dass für dieses sogenannte Sekundär-Rating die Zustimmung des Unternehmens nicht notwendig ist und somit eine Herabstufung nicht zu verhindern ist. Dieses Folgerating ist eine Richtlinie des IOSCO[7] Code of Conduct[8], welche eine kontinuierliche Überwachung und Überprüfung des Ratings fordert. Da das Ratingverfahren und die Updates sehr aufwändig sind erhalten die Ratingagenturen regelmäßig Gebühren von den Emittenten. Ein Rating ist also mit sehr vielen Kosten für den Auftraggeber verbunden. Lediglich Staatsanleihen werden unentgeltlich bewertet.[9]

Historischer Hintergrund

Die Wurzeln des „Rating-Marktes“ liegen in den USA. Hier bedienten sich Anleger schon seitMitte des 19. Jahrhunderts externen Informationen über meist Eisenbahnanleihen. Den Grundstein legte John Moody 1909 mit der „Analysis of Railroad Investments“, wobei er die notwendigen Daten entgeltlich den Investoren zur Verfügung stellte. 1916 stieg die Poor’s Publishing Company ins Geschäft ein, woraufhin die Standard Statistics Company 1922 und 1924 die Fitch Publishing Company folgten.

Traditionell übernahmen Banken die Aufgabe des Vermittlers zwischen Anleger und Kapitalnachfragern auf dem Finanzmarkt. Das Risiko der jeweiligen Anlage und der damit verbundenen Kreditvergabe schätzten somit die Banken ein. Doch im Zuge der Globalisierung und der Internationalisierung der Finanzmärkte mussten Banken erhebliche Einbußen in diesem Markt als „Mittelsmann“ machen, da sich alternative und risikoreichere Anlageformen entwickelten. Investoren legten ihr Geld lieber in Fonds oder Aktien an. Diese Entwicklung zwang die Banken auch risikofreudigere Investitionen zu tätigen, obwohl ihr altes Credo „größtmögliche Sicherheit“ lautete. Dieser Wandel brachte die Banken aber in einen Interessenskonflikt zwischen diesem besagten Credo und dem Wandel zu mehr Risiko für mehr Profit. Das verunsicherte die Kunden, da sie davon ausgingen, dass die Banken schon im eigenen Interesse zu mehr Sicherheit und konservativen Anlageformen tendieren würden. Doch unter dem Druck des Marktes, war dies kaum noch möglich. So mussten externe Begutachter der Finanztitel her, womit die Ratingagenturen zum Zug kamen.

Die großen Drei

Der Ratingmarkt besteht aus einer oligopolistischen Marktstruktur (95% Marktanteile), welche vor allem durch die „Barriers to Entry“ hervorgerufen wurde. Dies verhindert Preiswettkampf und soll für eine gewisse Qualität der zu verkaufenden Produkte sorgen.[10] Rudolph Hickel (deutscher Wirtschaftswissenschaftler, Finanzprofessor, bis 2009 Direktor des IAW): „Diese drei Ratingagenturen sind eine private Lizenz zum Geldscheffeln.“[11]

i Standard and Poors

1941 fusionierten die Standard Statistics Company und die Poor’s Publishing Company zu Standard & Poors. Seit 1966 ist S&P eine Tochtergesellschaft von McGraw-Hill. S & P dominiert den Weltmarkt mit über 40% Marktanteil. Der Finanzdienstleister erzielte 2011 einen Umsatz von 3,1 Mrd. US $. Bis zum Jahre 2010 hat S& P über 1.190.500 Ratings erstellt.[12]

ii Moodys

Moodys lieferte als erste Agentur Ratings. Damals zu Eisenbahn-Anleihen gegen Bezahlung an Investoren. Daraufhin wurde 1914 die Firma Moody’s Investor Services gegründet. Heutzutage gibt es auch noch den Geschäftszweig für Risikomanagement- Software, welcher unter der Tochtergesellschaft Moody’s Analytics läuft. Beide Unternehmen gehören der Dachgesellschaft Moodys Corporatian an. Mit einem Marktanteil von rund 40% ist es die weltweit zweitgrößte Ratingagentur. Bis 2009 besaß der berühmte Finanzinvestor Warren Buffet 48 Mio Aktien des Unternehmens. Obwohl er seinen Anteil verringerte, ist er trotzdem noch der größte Anteilseigner Moodys mit 13%.[13]

[...]


[1] Die SEC (United States Securities and Exchange Commission) ist die US-Börsenaufsichtsbehörde für die Kontrolle des Wertpapierhandels. Sie wurde als Reaktion auf den Börsencrash 1929 gegründet und ist eine unabhängige Behörde der Vereinigten Staaten.

[2] Emittenten können Unternehmen, Banken, Staaten sowie andere öffentliche Körperschaften sein

[3] Finanztitel sind Anleihen sowie Bonds, festverzinsliche Wertpapiere und dienen zur Fremdfinanzierung für langfristiges Kapital

[4] Vgl. Gabler, 12. Auflage S. 1147 I http://www.rp-online.de/wirtschaft/was-sind-ratingagenturen-1.2205066 I http://de.wikipedia.org/wiki/Ratingagentur

[6] Vgl. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/credit-rating.html I http://www.wendt-solutions.de/rating/rating_definition.htm Ihttp://www.handelswissen.de/data/themen/Finanzierung/Bankbeziehungen/Rating/Ratingverfahren-agenturen.php

[7] Internationale Organisation der Börsenaufsichtsbehörden hat ebenso wie die SEC, die Aufgabe der Überwachung der Ratingagenturen

[8] Siehe auch „Regulierungsmaßnahmen des Ratingmarktes“ S. 11

[9] Vgl. http://finanzen.bloggemeinschaft.net/2011/04/26/wie-ratingagenturen-geldanlagen-bewerten-%E2%80%93-teil-2/

[10] Engelmann, S.7

[11] Hickel, S. 102, 17.02.12

[12] Vgl. http://www.zeit.de/2012/11/Ratingagenturen I Michel, S. 8/9, 14.01.09 I Stöckl, S.9 , 26.07.07

[13] http://de.wikipedia.org/wiki/Moody%E2%80%99s#cite_note-7 I http://www.moodys.com/Pages/atc.aspx

Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656646549
ISBN (Buch)
9783656646495
Dateigröße
975 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272569
Note
1,0
Schlagworte
ratingagenturen einfluss weltwirtschaft modell

Autor

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Titel: Ratingagenturen und ihr Einfluss auf die Weltwirtschaft