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Persönlichkeitsmerkmale und Beziehungszufriedenheit

Eine empirische Analyse zum Einfluss der Persönlichkeit auf die Zufriedenheit in Paarbeziehungen.

Bachelorarbeit 2013 67 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Ansätze und Ableitung der Hypothesen
2.1 Das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit (Big-Five)
2.2 Das sozialpsychologische Modell zur Erklärung der Beziehungszufriedenheit
2.2.1 Partnerschaftsbezogene Belastungen und deren Bewältigung
2.2.2 Kognitionen und Attributionsstile in Paarbeziehungen
2.3 Der ökonomische Ansatz zur Erklärung der partnerschaftlichen Zufriedenheit

3 Bisheriger Forschungsstand

4 Datengrundlage und methodisches Vorgehen
4.1 Datenbasis
4.2 Operationalisierung der Variablen
4.2.1 Abhängige Variable
4.2.2 Unabhängige Variablen
4.2.3 Kontrollvariablen

5 Ergebnisse
5.1 Deskriptive Analysen
5.2 Multivariate Analysen

6 Zusammenfassung der Ergebnisse und Diskussion

Anhang

Literaturverzeichnis

SPSS Syntax

Eidesstattliche Erklärung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Reliabilitätskennwerte auf den Dimensionen der „Big Five“

Tabelle 2: Deskriptive Statistik

Tabelle 3: Modell 1 ohne Drittvariablen

Tabelle 4: Modell 2 mit Drittvariablen

Tabelle 5: Modell 3 mit Drittvariablen

Tabelle 6: Fünf Hauptfaktoren der Persönlichkeit mit zugehörigen Facetten im revidierten NEO-Persönlichkeitsinventar (NEO PI-R) von Costa und McCrae (1992)

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Beziehung zwischen Persönlichkeit und Zufriedenheit

Abbildung 2: Beziehung zwischen Persönlichkeit und Zufriedenheit (Familienökonomie)

Abbildung 3: Big-Five-Dimension Extraversion mit Items und Polung

Abbildung 4: Big-Five-Dimension Neurotizismus mit Items und Polung

Abbildung 5: Big-Five-Dimension Verträglichkeit mit Items und Polung

Abbildung 6: Big-Five-Dimension Gewissenhaftigkeit mit Items und Polung

Abbildung 7: Big-Five-Dimension Offenheit für Erfahrungen mit Items und Polung

1 Einleitung

Eine dauerhaft glückliche Paarbeziehung zu führen ist in allen Gesellschaften und Kulturkreisen stets von großer Bedeutung gewesen. Für den überwiegenden Teil der Menschen stellt eine zufriedene und von Liebe geprägte Partnerschaft ein sehr erstrebenswertes Ziel in der individuellen Lebensplanung dar, da diese einen zentralen Beitrag zum individuellen Wohlbefinden und zur Lebenszufriedenheit leistet. So berichten im Rahmen einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage des Wohlfahrtssurveys etwa 70 Prozent der deutschen Befragten, dass Liebe und Zuneigung eine sehr wichtige Quelle für ihre Lebensqualität sind. Dieser Lebensbereich wurde von den befragten Personen sogar über Erwerbstätgikeit, finanzielle Absicherung oder religiöse Werte gestellt. Als wichtiger eingestuft wurden in dieser Studie lediglich die Lebensbereiche wie Familie und Gesundheit (Statistisches Bundesamt 2003: 453 f.). Neben den Auswirkungen auf das individuelle Lebensglück übt eine partnerschaftliche Zufriedenheit ebenfalls einen Einfluss auf die Gesundheit der Partner aus. In diesem Zusammenhang liefert eine Untersuchung von Gottman und Notarius empirische Evidenz dafür, dass die Qualität zwischenmenschlicher Beziehungen einen generell gesundheitsfördernden Effekt hat und dass diese als äußerst prädiktiv für die Lebenserwartung und Krankheit anzusehen ist (Gottman/Notarius 2002: 166).

Aufgrund der hohen sowohl persönlichen wie gesellschaftlichen Bedeutung von beziehungsrelevanten Prozessen, die sich nicht zuletzt in den deutlich gestiegenen Trennungs- und Scheidungsziffern (Kopp 1994) niederschlägt, stellen Partnerbeziehungen immer wieder ein äußerst brisantes Thema dar, das in der wissenschaftlichen Diskussion einen zunehmend hohen Stellenwert einnimmt. So befasst sich seit den letzten Jahrzehnten sowohl sozialpsychologische als auch soziologische Paar- und Beziehungsforschung systematisch mit dem Konstrukt von Partnerschaftszufriedenheit, um wesentliche Bedingungsfaktoren für eine hohe Beziehungszufriedenheit aufzuzeigen und so zu einem besseren Verständnis von diesem Phänomen beizutragen. Der Blick auf die empirische Forschung zeigt hierbei zunächst, dass in den meisten der in der Vergangenheit durchgeführten Untersuchungen zu dieser Thematik vor allem den sozioökonomischen Faktoren wie dem Bildungsniveau, der beruflichen Position oder dem Einkommen eine zentrale Rolle zugesprochen wurde (vgl. Lundberg 2012: 2; Bodenmann 1995: 9). Erstaunlicherweise wurden dabei psychologische Einflussfaktoren wie Merkmale der Persönlichkeit in den bisherigen einschlägigen Arbeiten häufig vernachlässigt. Dies ist insbesondere deshalb verwunderlich, da anzunehmen ist, dass in Paarbeziehungen auch Persönlichkeitseigenschaften eines jeden Individuums eine beachtliche Rolle im Zusammenhang mit dem Führen einer zufriedenstellenden Partnerschaft zukommt. Erst in den letzten Jahren wurde in der Partnerschaftsforschung die Bedeutung individueller Merkmale und ihr potentieller Einfluss auf die familienspezifischen Ereignisse wie Zufriedenheit mit Ehe intensiver thematisiert. Dennoch fällt auf, dass die Mehrzahl der Forschungsarbeiten zum Zusammenhang von Persönlichkeit und Beziehungszufriedenheit auf relativ geringen Fallzahlen beruhen (vgl. Lundberg 2012: 2). Darüber hinaus stammen die meisten dieser Studien vorwiegend aus dem angloamerikanischen Raum. Der Ausgangspunkt für den Versuch die Zufriedenheit in Partnerschaften in Abhängigkeit von den individuellen Einflussfaktoren zu untersuchen, war der Umstand, dass sich vor allem im deutschsprachigen Raum Forschungsdefizite auf diesem Gebiet feststellen lassen. Daher soll in dieser Arbeit der Versuch unternommen werden, diese Defizite zumindest teilweise zu beheben.

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Untersuchung der Beziehung zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und Zufriedenheit in partnerschaftlichen Beziehungen. Da das recht umfassende und komplexe Phänomen der Partnerschaftszufriedenheit mit unterschiedlichen persönlichkeits-, sozialpsychologischen sowie ökonomischen Aspekten einhergehen kann, erscheint deshalb die theoretische Auseinandersetzung mit dieser Thematik aus zwei verschiedenen Sichtweisen sinnvoll, d.h. aus individueller und dyadischer Sichtweise. Dafür wird in dieser Arbeit zum einen der Frage nachgegangen, welche Persönlichkeitseigenschaften generell, d.h. unabhängig von denen des Partners, förderlich, hinderlich oder bedeutungslos für das individuell erlebte Beziehungsglück sind, wobei zur Klärung dieser Frage psychologische Modelle herangezogen werden. Der Forschungsschwerpunkt dieser Arbeit richtet sich außerdem auf die Frage nach der Passung der beiden Partner in Bezug auf ihre Persönlichkeitsmerkmale, wobei sich diese in Ähnlichkeit oder Unähnlichkeit äußern kann. Dementsprechend wird in dieser Analyse weiterhin die Frage untersucht, ob und in welchem Maße ähnliche oder komplementäre Merkmale der Partner einen positiven Effekt auf das partnerschaftliche Glück haben. Die Beantwortung dieser Frage erfolgt hingegen mit Hilfe ökonomischer Überlegungen. Während sich demnach die erste Forschungsfrage aus individueller Sichtweise betrachten lässt, handelt es sich im zweiten Fall vielmehr um eine dyadische Perspektive (Neyer 2003: 172 ff.). Durch die Berücksichtigung der oben genannten theoretischen Perspektiven kann die hohe Relevanz der Persönlichkeit des Einzelnen im Hinblick auf die partnerschaftliche Zufriedenheit verdeutlicht werden. Dabei soll mit Hilfe der Daten des Beziehungs- und Familienpanels überprüft werden, ob die bisherigen Ergebnisse mehrheitlich internationaler Studien zu den Paarbeziehungen auch für den deutschsprachigen Raum zutreffen.

Diese Arbeit gestaltet sich wie folgt: Zunächst werden in Kapitel 2 zentrale Theorieansätze zur Erklärung der Partnerschaftszufriedenheit erläutert, wobei sowohl psychologische (s. Absatz 2.1 und 2.2) als auch ökonomischer Erklärungsansätze (s. Absatz 2.3) vorgestellt werden. Auf Basis der dargestellten theoretischen Ansätze werden jeweils ebenfalls in Kapitel 2 entsprechende forschungsleitende Hypothesen entwickelt, die später in Kapitel 5 und 6 einer eigenen empirischen Prüfung anhand der pairfam-Befragungsdaten unterzogen werden. Anschließend werden die bisherigen Forschungsbefunde zusammengefasst (siehe Kapitel 3). Auf den aktuellen Forschungsstand in Kapitel 3 folgen im 4. Kapitel die Beschreibung der in der Untersuchung verwendeten Datengrundlage (s. Absatz 4.1) und die Operationalisierung der Variablen (siehe Absatz 4.2). Im 5. Kapitel werden die Ergebnisse der statistischen Auswertung dargestellt. Hierzu erfolgt in einem ersten Schritt die deskriptive Darstellung der Untersuchungsbefunde (s. Absatz 5.1). In einem zweiten Schritt (s. Absatz 5.2) werden nun die wichtigsten Resultate der multivariaten Analyseverfahren vorgestellt. Abschließend werden nochmals die wichtigsten empirischen Erkenntnisse dieser Arbeit präsentiert und kritisch beleuchtet.

2 Theoretische Ansätze und Ableitung der Hypothesen

In diesem Teil der Arbeit werden zwei psychologische Modelle zur Erklärung der partnerschaftlichen Zufriedenheit vorgestellt: Zum einen das Big-Five Persönlichkeitsmodell und zum anderen das Vulnerabilitäts-Stress-Adaptationsmodell der Ehe. Danach erfolgt eine theoretische Auseinandersetzung mit der zweiten Fragestellung im Hinblick auf die dyadischen Passungsmechanismen. Hierzu wird die ökonomische Theorie der Familie nach Gary S. Becker herangezogen. Im Anschluss daran werden auf der Grundlage dieser theoretischen Erklärungsansätze jeweils geeignete Hypothesen formuliert.

2.1 Das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit (Big-Five)

In den letzten Jahren hat wohl kein anderes Persönlichkeitsmodell in der Persönlichkeits-forschung soviel Aufmerksamkeit gefunden wie das mittlerweile empirisch gut gesicherte Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit, auch bekannt als „Big-Five“ Modell. Hintergrund des Big-Five-Modells ist keine Persönlichkeitstheorie, vielmehr handelt es sich bei diesem Modell um ein methodisches Vorgehen, das auf dem sogenannten psycho-lexikalischen Ansatz basiert. Der lexikalische Ansatz beruht dabei auf der Überlegung, dass sich alle bedeutsamen Aspekte der Persönlichkeit, die für den Umgang der Akteure untereinander besonders wichtig sind, auch in den persönlichkeitsbeschreibenden Begriffen der natürlichen Sprache wiederspiegeln. Eine Implikation dieser Annahme ist, dass die zur Beschreibung von Individuen in der Sprache verwendeten Begriffe, wie personenbeschreibende Adjektive geeignet sind, alle relevanten Persönlichkeitsdifferenzen zwischen Individuen abzubilden. So wird angenommen, dass je bedeutender eine Persönlichkeitseigenschaft ist, umso eher wird diese in einer Sprache vorkommen. Demnach erhofft man sich durch diesen Ansatz die grundlegendsten Dimensionen der Persönlichkeit zu ermitteln (vgl. Borkenau/Ostendorf 1993: 5; Laux 2003: 171; Amelang et al. 2006: 276; Asendorpf 2007: 154). Die nach dem eingangs genannten Ansatz erfasste Fünf-Faktoren-Struktur konnte in zahlreichen faktorenanalytischen Arbeiten bestätigt werden. So führten die vorgenommenen Faktorenanalysen unabhängig von den untersuchten Personenstichproben und über mehrere Persönlichkeitsinventare hinweg immer wieder zu den genannten fünf unabhängigen Faktoren, die inzwischen als sog. „Big Five“ bezeichnet werden (vgl. Borkenau/Ostendorf 1993: 6). Bei den „Big Five“ der Persönlichkeit handelt es sich demnach um fünf robuste und von verschiedenen Forschern in allen Kulturen mehrfach replizierte Persönlichkeitsfaktoren: Extraversion, Neurotizismus, Gewissenhaftigkeit, Verträglichkeit und Offenheit. Es wird angenommen, dass interindividuelle Unterschiede im Sinne von Dispositionen weitgehend auf eine Variation in diesen fünf zentralen Merkmalsbereichen zurückzuführen sind (Costa/McCrae 1992). Obwohl durchaus alternative Taxonomien zur Konzeptualisierung der Persönlichkeit vorliegen, erwies sich das Konstrukt der „Big Five“, welches die fünf zentralen Persönlichkeitsdimensionen beschreibt, in empirischen Untersuchungen als das besonders konsistente und reliable Modell zur Kategorisierung von Persönlichkeitsattributen (vgl. Lundberg 2012: 4). Das inzwischen wohl etablierteste und umfassendste Messinstrument zur Erfassung des Fünf-Faktoren-Modells der Persönlichkeit ist die revidierte Form des NEO-Persönlichkeitsinventars, das „NEO Personality Inventory“ (NEO PI-R) von Costa und McCrae, in dem für jede der fünf Dimensionen sechs Unterfaktoren unterschieden werden (Costa/McCrae 1992). Auch die deutsche Kurzadaptation des amerikanischen Persönlichkeitstests[1] mit seinen 60 Items von Borkenau und Ostendorf (1993) besitzt im deutschen Sprachraum mittlerweile ein breites Anwendungsfeld. Bei diesem Persönlichkeits-fragebogen handelt es sich um ein faktorenanalytisch konstruiertes Erhebungsinstrument, welches der Erfassung der einzelnen Merkmalsausprägungen in den oben genannten fünf Hauptdimensionen der Persönlichkeit dient. In der Tabelle 6 (s. Anhang) werden zur Veranschaulichung die sowohl englischen als auch deutschen Bezeichnungen der fünf Big-Five Faktoren, die sich ihrerseits in jeweils sechs heterogene Facetten bzw. Subdimensionen unterteilen, dargestellt.

2.2 Das sozialpsychologische Modell zur Erklärung der Beziehungszufriedenheit

Nach einer Darstellung des Fünf-Faktoren-Modells der Persönlichkeit wird im folgenden Unterkapitel das durch empirischen Befunde gestützte sozialpsychologische Erklärungsmodell für den Einfluss der Persönlichkeit auf die Partnerschaftszufriedenheit skizziert. Dies erscheint an dieser Stelle insofern sinnvoll, als sich anhand der unten im Modell ausgeführten theoretischen Annahmen vermuten lässt, dass die im vorherigen Abschnitt beschriebenen Merkmale der Persönlichkeit in einem engen Zusammenhang mit bestimmten sozialpsychologischen Komponenten wie z.B. mit dem Bewältigungsverhalten von Paaren stehen, welche wiederum einen Einfluss auf die Partnerschaftszufriedenheit ausüben. Auf die Bedeutung von Stress, Kommunikations- und Konfliktlösekompetenzen für die Beziehungszufriedenheit soll im Folgenden näher eingegangen werden.

2.2.1 Partnerschaftsbezogene Belastungen und deren Bewältigung

In den letzten Jahren wurden zunehmend sozialpsychologische Modelle entwickelt, die den Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und der partnerschaftlichen Qualität durch moderierende Größen zu erklären versuchen. Ein besonders prominentes Modell zur Vorhersage der Qualität von Paarbeziehungen wie Paarzufriedenheit und- stabilität ist das von Karney und Bradbury 1995 entwickelte Vulnerabilitäts-Stress-Adaptationsmodell der Ehe, das auf den Befunden einer von diesen Autoren durchgeführten Metaanalyse von 115 prospektiven Längsschnittuntersuchungen zum Entwicklungsverlauf von Partnerschaften basiert. Dieses Belastungs-Bewältigungsparadigma unterscheidet dabei drei Gruppen von Prädiktoren, von denen angenommen wird, dass sie die Beziehungsqualität kausal beeinflussen:

Überdauernde Eigenschaften (Enduring Vulnerabilities): darunter fallen individuelle Persönlichkeitsmerkmale des Paares wie etwa ihr Neurotizismus, Passung der Partner hinsichtlich dieser Merkmale oder beziehungsspezifische Kognitionen,

Belastende Ereignisse (Stressful Events): zu den stressreichen Ereignissen für die Partnerschaft gehören z.B. berufliche Belastungen, Arbeitsplatzverlust oder Krankheit,

Anpassungsprozesse (Adaptive Processes): dazu zählen typische Stressbewältigungs- bzw. Copingstrategien der Partner, die insbesondere in Konfliktsituationen und Krisen eingesetzt werden wie etwa Konfliktbewältigungsstile oder Kommunikationsfertigkeiten. Den adaptiven Verhaltensweisen von Paaren kommt im Modell dabei eine besondere Bedeutung zu, weil sie zwischen den überdauernden Eigenschaften wie bestimmten individuellen Persönlichkeits- dispositionen und äußeren Einflüssen, also belastenden Ereignissen, vermitteln (Karney/Bradbury 1995: 23 ff.). Demzufolge haben Paare, die Konflikte dysfunktional bewältigen, erheblichen psychischen Belastungen ausgesetzt sind und problematische andauernde Vulnerabilitäten, wie etwa hoch ausgeprägte emotionale Instabilität, mit in die Partnerschaft bringen, in der Regel nur geringe Chancen, eine zufriedenstellende und daraus folgend stabile Ehe zu führen.

Eine Reihe von Studien belegt einen robusten Zusammenhang von individuellen Bewältigungsstrategien und Qualität einer Paarbeziehung, wobei in diesen zwischen funktionalen und inadäquaten Copingstrategien differenziert werden konnte (z.B. Wolf 1987: 116; Bodenmann 1995; Bodenmann/Cina 2000; Bodenmann 2000). So haben diese Untersuchungen nachweisen können, dass Palliation (Emotionsregulation durch guten Zuspruch), Umbewertung, aktive Beeinflussung der Situation, sachliche oder emotions-bezogene Informationssuche, positive Selbstgespräche oder Konfliktlöseverhalten, die als adäquate Strategien der Stressbewältigung im Rahmen der Partnerschaft gelten, sich positiv auf die Paarzufriedenheit auswirkten, während sich im Hinblick auf die Partnerschaftszufriedenheit insbesondere solche dysfunktionalen Strategien der Stress-bewältigung wie negative Selbstverbalisation, Passivität, Vermeidung der Situation, Resignation und Rückzug oder Selbst- und Fremdvorwürfe als ungünstig erwiesen (Bodenmann 2000: 174; Bodenmann 1995). In Übereinstimmung mit diesen Befunden konnten Bodenmann und Cina in ihrer im 5-Jahres-Längsschnitt durchgeführten prospektiven Analyse des Einflusses von Stress und Coping auf die Partnerschaftsqualität zeigen, dass innerhalb der verschiedenen individuellen Strategien zur Bewältigung der belastenden Situationen vor allem Selbst- und Fremdvorwürfe sowie Passivität sowohl zum ersten Meßzeitpunkt als auch fünf Jahre später signifikant mit einer geringen Beziehungsqualität korreliert seien (Bodenmann/Cina 2000: 17).

Ferner wurden in den hier vorgestellten Studien die Zusammenhänge zwischen dem Ausmaß der im Bereich der Partnerschaft empfundenen Belastungen und der Partnerschaftsqualität über die Zeit hinweg untersucht. Dabei weist sowohl frühere als auch aktuelle Forschung zu diesem Thema eindeutig darauf hin, dass ein hohes subjektives Belastungsniveau und die daraus resultierenden Einbrüche in der Kommunikationsqualität einen destruktiven Einfluss auf die Partnerschaftsqualität habe (Bodenmann 2000: 87; Bodenmann/Cina 2000; Bodenmann 1995; Wolf 1987). So wiesen in einer Untersuchung von Bodenmann Paare mit einem hohen Belastungsausmaß zum Zeitpunkt der Erstmessung drei Jahre später einen signifikant ungünstigeren Verlauf hinsichtlich der Beziehungszufriedenheit auf als Paare mit einem niedrigeren Niveau an Stress (Bodenmann 2000: 169). Innerhalb der verschiedenen Stressoren erwiesen sich dabei vor allem partnerschafts- und erziehungsbedingte Belastungen, Freizeitstress sowie Alltagswidrigkeiten als beste Prädiktoren für eine Abnahme der Partnerschaftszufriedenheit (Bodenmann 1995: 141 f.). Allerdings liefern mehrere Längsschnittstudien Hinweise darauf, dass die gefundene negative Korrelation zwischen dem persönlichen Stressniveau und der Partnerschaftsqualität durch die Qualität von individueller und dyadischer Belastungsbewältigung beeinflusst wird. Konkret bedeutet dies, dass sich das Vorhandensein von Belastungen vor allem dann destruktiv für die Partnerschaft auswirken, wenn die Copingkompetenzen jedes einzelnen Partners bzw. des Paares defizitär sind. Zugleich konnte nachgewiesen werden, dass bei Paaren mit effizienten Stressbewältigungsressourcen selbst ein hohes Belastungsniveau nicht mit einem Absinken der partnerschaftlichen Zufriedenheit einherging (z.B. Bodenmann 2000: 87). Aufgrund der bislang vorhandenen empirischen Evidenz zu dieser Thematik kann der Schluss gezogen werden, dass je besser die Fähigkeit des Paares, belastende Ereignisse gemeinsam angemessen zu bearbeiten, umso eher ist eine erfolgreiche Problemlösung und günstige Paarinteraktion möglich und umso höher ist in der Folge die Zufriedenheit in der Beziehung.

2.2.2 Kognitionen und Attributionsstile in Paarbeziehungen

Neben den Komponenten Belastungen und Strategien zu deren Bewältigung kommt im Vulnerabilitäts-Stress-Adaptations-Modell auch der Art der im Stresskontext getätigten Kausalattributionen, d.h. der Art der Ursachenfaktoren, auf die das Partnerverhalten zurückgeführt wird, eine wesentliche Rolle hinsichtlich der Beziehungszufriedenheit zu. Dabei wird in diesem Modell ein unmittelbarer Einfluss von bestimmten Attributionsmustern auf die Zufriedenheit in der Partnerschaft postuliert (Fincham/Bradbury 1993). Als Attributionen werden die Ursachenzuschreibungen und kausale Erklärungen für bestimmte Handlungsmotive oder Verhaltensabsichten und ihre Auswirkungen auf emotionales Erleben und Verhalten bezeichnet (Kelley/ Michela 1980: 460). Dabei gehören bestimmte Attributionsmuster in Partnerschaften zu den entscheidenden Denkprozessen (Kognitionen), um die Verhaltensweisen des/der Partners/-in zu verstehen und vorhersagen zu können.

In mehreren empirischen Untersuchungen konnte eine enge Beziehung von spezifischen Attributionsmustern und partnerschaftlicher Zufriedenheit belegt werden (z.B. Fincham/ Bradbury 1993; Fincham/ Bradbury 1992; Bradbury/ Fincham 1990; Bodenmann 1995: 146). Bradbury und Fincham (1990) beispielsweise konnten in ihrer Untersuchung zum Einfluss von partnerbezogenen Attributionen auf die Ehezufriedenheit zeigen, dass glückliche Ehepartner die Bedeutung positiver Ereignisse in der Ehe verstärken und zugleich den Einfluss negativer Partnerschaftserfahrungen verringern, indem sie günstige, die Partnerschaft unterstützende Attributionsmuster zeigen. So werden bei Personen, die ihre Beziehung als positiv bewerten, die Gründe für das positive Ereignis vorwiegend beim Partner und nicht in den äußeren Umständen gesucht (interne Attribution). Außerdem werden positive Eheerfahrungen als stabil (zeitlich überdauernd) und global angesehen, d.h. als etwas, das Einfluss auf sämtliche Partnerschaftsbereiche haben könnte. Die Auswirkungen negativer Erfahrungen werden hingegen dadurch verringert, dass das negative Partnerverhalten auf externe, variable bzw. instabile und spezifische Ursachen zurückgeführt wird. Im Gegensatz dazu würden die weniger glücklichen Paare dazu tendieren, die Auswirkungen von negativen Ereignissen in der Ehe durch interne, stabile und globale Kausalattributionen zu maximieren und die des positiven zu minimieren, indem das positive Verhalten des Partners als situativ, variabel und spezifisch attribuiert wird. Die Studie von Bradbury und Fincham deutet in diesem Zusammenhang darauf hin, dass vor allem ungünstige, den Partner belastende, Kommunikationsstile bei negativen Erfahrungen, d.h. internale, stabile und globale Kausalattributionen als Ursache einer geringen Partnerschaftszufriedenheit betrachtet werden können (Bradbury/ Fincham 1990: 29).

Bevor die für die vorliegende Arbeit relevanten Hypothesen zum allgemeinen Einfluss von Persönlichkeitsattributen auf die Zufriedenheit in der Beziehung formuliert werden, soll vor dem Hintergrund der eingangs vorgestellten theoretischen Annahmen zunächst einmal der in dieser Arbeit postulierte Zusammenhang zwischen Persönlichkeit und partnerschaftlicher Zufriedenheit veranschaulicht werden. So lässt sich aus dem sozialpsychologischen Erklärungsmodell die folgende Schlussfolgerung ziehen: Die Persönlichkeit beeinflusst erstens die Einschätzungen der Partner bezüglich des Ausmaßes der Belastung, zweitens die Art und Weise, wie mit der Belastung umgegangen wird bzw. welche Strategien zu deren Bewältigung eingesetzt werden und drittens die Art, in der das Partnerverhalten vor allem bei negativen Beziehungsereignissen interpretiert wird. Diese Komponenten stehen wiederum in engem Zusammenhang mit der Zufriedenheit in der Partnerschaft. Dieser Zusammenhang in kann der folgenden Abbildung entnommen werden.

Abbildung 1: Beziehung zwischen Persönlichkeit und Zufriedenheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Abbildung

Nun werden die aus den theoretischen Erklärungsmustern Hypothesen zum Zusammenhang zwischen den einzelnen Persönlichkeitsmerkmalen und der partnerschaftlichen Zufriedenheit abgeleitet. Im Hinblick auf die Persönlichkeitsdimension Extraversion kann aufgrund der oben geschilderten theoretischen Ausführungen angenommen werden, dass sich dieser Persönlichkeitsbereich grundsätzlich positiv auf die Zufriedenheit in der Partnerschaft auswirken dürfte, weil die damit assoziierten Merkmale wie Herzlichkeit, Geselligkeit, Durchsetzungsfähigkeit oder Aktivität sich als günstig für die Stresswahrnehmung, Wahl und Effektivität von Bewältigungsstrategien sowie Auslegung des negativen Partnerverhaltens erweisen sollten. So lässt sich in Bezug auf die entsprechenden Bewältigungsprozesse annehmen, dass Personen, die besonders gesprächig, heiter und personenorientiert sind, im Gegensatz zu den ruhigen Introvertierten, über ein größeres soziales Netzwerk verfügen und somit eher nach sozialer Unterstützung als adäquater Bewältigungsressource im Stresskontext suchen als introvertierte Personen. Darüber hinaus lässt sich im Hinblick auf bestimmte Attributionsstile die Vermutung aufstellen, dass extravertierte, optimistische Individuen ihre Umwelt in der Regel positiv interpretieren und damit eher funktionale Erklärungsmuster für negative Ereignisse in der Partnerschaft aufweisen. Dies dürfte sich weiterhin günstig auf die Interaktionsqualität zwischen den Partnern auswirken. Der hier postulierte positive Effekt von Extraversion auf die Beziehungszufriedenheit wird durch die erste zu überprüfende Hypothese ausgedrückt:

Hypothese 1: Extraversion übt einen positiven Einfluss auf die Zufriedenheit in Paar-beziehungen aus.

Hinsichtlich des Persönlichkeitsmerkmals Neurotizismus (emotionale Labilität) und der diesem Merkmal zugeordneten Subdimensionen wie Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Depression und Impulsivität lässt sich vermuten, dass diese Persönlichkeitseigenschaft einen langfristig schädigenden Effekt auf das erlebte Beziehungsglück hat und insofern in einem negativen Zusammenhang zur partnerschaftlichen Zufriedenheit stehen dürfte, als die jeweiligen Merkmalsfacetten ungünstig mit subjektiver Belastungsbewertung, dem Stressbewältigungs-verhalten und der Art der getätigten Kausalattributionen assoziiert werden. Mit dem Vulnerabilitäts-Stress-Adaptationsmodell argumentiert, kann emotionale Labilität als eine andauernde, prädisponierende Vulnerabilität aufgefasst werden, die sich negativ auf die adaptiven Stressverarbeitungsweisen auswirkt, was wiederum zu einer geringen Beziehungsqualität führen sollte. Es ist demnach davon auszugehen, dass ängstliche, emotional labile oder neurotische Personen im Vergleich zu emotional stabilen Individuen ihre Partnerschaft insgesamt negativer bewerten, weil sie leichter verletzbar sind. Im Zusammenspiel mit belastenden Ereignissen sollten sie zudem eher dysfunktionale Strategien zur Bewältigung von Stress wählen, was wiederum zu einem markanten Einbruch der Problemlösefertigkeiten und partnerschaftlicher Kommunikation führen kann. Es kann ferner unterstellt werden, dass emotionale Instabilität und die damit verbundene verstärkte Neigung zu negativen Affekten Personen eher dazu prädisponiert, Beziehungserlebnisse verzerrt wahrzunehmen und auf unangenehme Situationen besonders stark zu reagieren. So ist zu vermuten, dass emotional labile Individuen insbesondere negativen Ereignissen größere Bedeutung beimessen, indem sie negatives Verhalten des/der Partners/-in auf internale, stabile und globale Ursachen zurückführen. Damit lässt sich die zweite Hypothese formulieren:

Hypothese 2: Emotional labile Personen sind weniger zufrieden in ihrer Beziehung als emotional stabile Individuen.

Was den Persönlichkeitsbereich Verträglichkeit betrifft, so wird unter Berücksichtigung der dem Bereich zugehörigen Subdimensionen, wie Vertrauen, Freimütigkeit oder Entgegenkommen, erwartet, dass das Merkmal in einer positiven Beziehung zu den individuellen Stresseinschätzungs- und Bewältigungsprozessen sowie Attributionsmustern stehen sollte, und dies dürfte einen weiterhin positiven Einfluss auf die Zufriedenheit in der Partnerschaft ausüben. Es kann davon ausgegangen werden, dass verträgliche Personen aufgrund ihres ausgeprägten Harmoniebedürfnisses und ihrer Nachgiebigkeit im Vergleich zu Individuen, die sich durch ein geringes Maß an Verträglichkeit auszeichnen, eher in der Lage sind, mit den konfliktreichen Situationen konstruktiv umzugehen, diese zu bewältigen bzw. gar zu vermeiden. Außerdem kann vermutet werden, dass dieses Merkmal im Allgemeinen günstig mit den partnerbezogenen Kommunikationsmustern assoziiert werden müsste. Dementsprechend ist von einem positiven Einfluss der Verträglichkeit auf die Zufriedenheit in Paarbeziehungen auszugehen. Die zu überprüfende Hypothese lautet unter diesen Annahmen somit:

Hypothese 3: Verträgliche Personen sind zufriedener in ihrer Partnerschaft als weniger verträgliche Individuen.

Auch in Bezug auf den Persönlichkeitsfaktor Gewissenhaftigkeit kann aufgrund der diesem Faktor zugeschriebenen Facetten der Ordnungsliebe, Selbstdisziplin oder des Pflicht-bewusstseins vermutet werden, dass das Merkmal im Allgemeinen positiv das eigene Beziehungsglück beeinflussen dürfte. Der Grund für diese Annahme wird darin gesehen, dass zielstrebige, ordentliche und pflichtbewusste Individuen in Belastungssituationen eher beziehungsunterstützende Verhaltensweisen wie aktive Problemlösung sowie mehr günstige Attributionsmuster zeigen als Personen mit geringerer Ausprägung in Gewissenhaftigkeit. Es wird folgende Hypothese aufgestellt:

Hypothese 4: Gewissenhaftigkeit Personen beeinflusst positiv die Zufriedenheit in Partnerschaften.

Schließlich lässt sich im Hinblick auf die Dimension Offenheit für Erfahrungen und die zugehörigen Facetten wie z.B. Wissensbegierde, Kreativität oder vielfältiges Interesse an neuen Erlebnissen, Erfahrungen und Eindrücken annehmen, dass dieses Merkmal aufgrund seiner Nähe zur Merkmalsdimension „Extraversion“ einen prinzipiell positiven Effekt auf die Stressverarbeitung und -toleranz und somit auch auf die Beziehungszufriedenheit haben dürfte. So kann davon ausgegangen werden, dass offene an neuen Erfahrungen interessierte Personen ein konstruktiveres Bewältigungsverhalten bei Belastungen aufweisen als Personen mit geringerer Ausprägung in diesem Merkmal. Dies lässt sich womöglich damit erklären, dass Personen, die grundsätzlich offen für Neues, für andere Menschen und Kulturen sind, aufgrund ihres breiten sozialen Netzwerks die Möglichkeit haben, in gegebenen Stresssituationen vorrangig auf soziale Unterstützung zurückzugreifen, die als angemessene Copingstrategie betrachtet werden kann. Aus den theoretischen Ausführungen lässt sich folgende Hypothese ableiten:

Hypothese 5: Offenheit für Erfahrungen wirkt sich positiv auf die Paarzufriedenheit aus.

2.3 Der ökonomische Ansatz zur Erklärung der partnerschaftlichen Zufriedenheit

Zur Beantwortung der zweiten aus dyadischer Sicht formulierten Forschungsfrage nach der Passung der Persönlichkeiten beider Partner wird im folgenden Abschnitt die ökonomische Theorie der Familie von Gary Becker herangezogen, die aus ökonomischer Perspektive einen wesentlichen Beitrag zur Erklärung der Partnerschaften liefert.

Der Ansatz der Familienökonomie von Gary Becker geht von rational handelnden, nutzen-maximierenden Individuen aus, die dann eine enge Beziehung oder Ehe eingehen, wenn sie sich hierdurch eine Steigerung ihrer individuellen Nutzenniveaus gegenüber der Situation als Alleinstehende versprechen (Becker 1976: 207). Der Wohlfahrtsgewinn in einer Ehe bzw. eheähnlichen Gemeinschaft gegenüber Einpersonenhaushalten besteht dabei darin, dass nur in Paarhaushalten bestimmte materielle oder immaterielle Basisgüter zur Erreichung eines hohen Wohlfahrtsniveaus, so genannte „commodities“ effizient und kostengünstig hergestellt und konsumiert werden können (vgl. Huinink/ Konietzka 2007: 131). Als Beispiele für solche innerhalb einer Partnerbeziehung produzierten und konsumierten Commodities nennt Becker vor allem Qualität und Quantität der Kinder, aber auch Qualität der Mahlzeiten, Prestige, Wertschätzung, Erholung, soziale Kontakte, Liebe und Gesundheit. Zur Produktion dieser nutzenstiftenden Gütern, die auf dem freien Markt bzw. außerhalb einer Ehe nicht zu erwerben sind, werden zum Teil die Ausgaben für Marktgüter, teilweise Zeitressourcen der einzelnen Haushaltsmitglieder, aber auch verschiedene Umweltbedingungen benötigt (Becker 976: 207; Becker 1981: 7f.). Dadurch dass die haushaltseigenen Güter keine marktgängigen Produkte sind, haben diese keinen Marktpreis, sondern einen Schattenpreis, der den Kosten der Gütererzeugung entspricht (Becker 1981: 8). Der ökonomischen Theorie der Familie zufolge kann hierbei das Verhältnis zwischen der für die gemeinsame Wohlfahrtsproduktion aufgewendeten Gütermenge und dem dadurch erzielten Wohlfahrtsniveau als Nutzenfunktion aufgefasst werden. Werden die Bedürfnisse beider Partner durch die effiziente Produktion von diesen Commodities befriedigt und die daraus resultierende Erhöhung des Gesamtnutzens aller Akteure erreicht, so geht dies in die gemeinsame Nutzenfunktion ein (vgl. Hill/ Kopp 1995: 105). Vor dem Hintergrund der ökonomischen Perspektive sind demnach Paar-beziehungen „[...] Konsum- und Produktionsgemeinschaften, die eine Ausweitung der Bedürfnisbefriedigungsmöglichkeiten bieten und den dabei entstehenden Produktionsaufwand verringern“ (Hartwig 1993: 36).

Steigerung der Produktionseffizienz innerhalb der „Produktions- und Konsumgemeinschaft“ wird insbesondere durch haushaltsinterne Spezialisierung und Arbeitsteilung ermöglicht, indem sich Partner entweder auf die Erziehungs- und Haushaltstätigkeiten oder auf den Marktsektor spezialisieren. Eine besondere Rolle für den Nutzenzuwachs aus einer Partnerschaft spielen in diesem Zusammenhang die jeweiligen in spezifisches Humankapital getätigten Investitionen der Partner und damit ihre individuellen Fähigkeiten und Ressourcen, die für die Herstellung von gemeinsam konsumierten Gütern notwendig sind (vgl. Hill/ Kopp 1995: 135). Konzentriert sich Frau und Mann bei der Erzeugung von nutzenstiftenden Commodities jeweils auf die eigenen spezifischen Kompetenzen, die ferner mit einer entsprechenden Produktivität verbunden sind, so werden bei gleichzeitiger Kosteneinsparung erhebliche Effizienzvorteile generiert (vgl. Hartwig 1993: 36). Dem familienökonomischen Ansatz zufolge profitieren beide Lebenspartner insbesondere dann von einer familialen Arbeitsteilung und Spezialisierung, wenn sie sich bei der Produktion von Basisgütern und zugleich bei der Verringerung der Kosten, die für deren Herstellung anfallen, gegenseitig ergänzen. Dies kann grundsätzlich implizieren, dass sie in bestimmten Eigenschaften und Fähigkeiten Unterschiede aufweisen und sich wiederum hinsichtlich anderer Merkmale ähnlich sind, wobei bei der Wahl eines in Bezug auf die individuellen Eigenschaften passenden Partners die jeweiligen Partnerpräferenzen stets von ausschlaggebender Bedeutung sind (a.a.O.: 44). Demnach geht Becker in seinem Ansatz davon aus, dass die Konstellation von bestimmten Merkmalen und Fähigkeiten der Akteure für den Nutzengewinn aus der Partnerschaft entscheidend ist. Damit wird die Passung bzw. „Match“ von persönlichen Eigenschaften der Partner gemeint (Huinink/ Konietzka 2007: 131; Arránz-Becker 2008: 38). Von einer optimalen Haushaltszusammensetzung oder einem guten Match zwischen zwei Individuen lässt sich hierbei dann sprechen, „[...] wenn innerhalb der Partnerschaft Homogamie bezüglich so genannter komplementärer Eigenschaften und Heterogamie bezüglich substituierbarer Merkmale herrscht“ (Arránz Becker 2008: 38). Verbinden sich danach Akteure zu Paaren, deren individuelle Merkmale komplementär zueinander sind, so wird der Effizienzgewinn aus einer Ehe dadurch größer und zugleich die entstehenden Produktionskosten dadurch geringer, dass die Produktivitätssteigerung eines Partners gleichzeitig die Erhöhung der Produktivität des anderen Lebenspartners zur Folge hat und umgekehrt. Für gemeinsamen Konsum und für die paargemeinschaftliche Güterproduktion und somit Gewinnmaximierung sei Becker zufolge in diesem Sinne von Vorteil, wenn beide Partner hinsichtlich ihrer komplementären Eigenschaften möglichst große Ähnlichkeiten aufweisen. Dazu zählen Merkmale des Paares, die lediglich für die häusliche Produktivität von Nutzen sind wie Intelligenz, Bildung, Gesundheit, Fertilität, Körpergröße oder Charaktereigenschaften. Herrscht eine große Übereinstimmung der Individuen im Hinblick auf diese „Traits“, so handelt es sich gemäß dem familienökonomischen Ansatz um ein „positive assortative mating“. Finden demgegenüber Individuen zusammen, deren Eigenschaften substitutiv zueinander sind, so ist für den Nutzenzuwachs einer Partner-beziehung förderlich, wenn das Paar sich bezüglich solcher Merkmale unähnlich ist. In diesem Kontext spricht Becker von einem „negative assortative mating“. Dabei wirkt sich die Fähigkeit zur Erwerbsarbeit des Ehegatten substitutiv auf die Marktproduktivität des anderen Partners aus. Becker postuliert den größten Ertrag für Individuen, die Unterschiede in ihren Marktproduktivitäten, also den erzielbaren Löhnen, aufweisen (Becker 1981: 72 f.; Huinink/ Konietzka 2007: 131 f.). Wenn beide Partner beispielsweise mit gleich hoher Produktivität ausgestattet sind, wodurch sie das gleiche Erwerbseinkommen erzielen können, so besteht kaum bzw. kein Anreiz zur Spezialisierung auf den Haushaltsbereich. Daraus resultiert dementsprechend auch kaum zusätzlicher Nutzen für die partnerschaftliche Haushaltsproduktion. Hingegen ist bei Paaren, die sich hinsichtlich ihrer Ausstattung an Humankapital unterscheiden, die Spezialisierung des Partners auf Hausarbeit mit einem geringeren Einkommenspotenzial weitaus attraktiver, was somit auch zu einer Gewinn-steigerung im Rahmen der Partnerschaft führt (vgl. Hill/ Kopp 1995: 136).

Der gewünschte Wohlfahrtsgewinn einer Partnerschaft kommt, wie bereits oben angedeutet, nicht nur durch die effiziente Güterproduktion eines Haushaltes und die persönlichen Ressourcen, die dazu benötigt werden, sondern auch durch den gemeinsamen Konsum der im Paarhaushalt hergestellten Güter zustande. Damit ist der Grad des erzielten Nutzens auch davon abhängig, ob Mitglieder desselben Haushalts ähnliche oder unterschiedliche Eigenschaften bezüglich ihrer Vorlieben im Konsum dieser Commodities aufweisen. Sind Becker zufolge die Konsumpräferenzen der Akteure unterschiedlich, so hat dies die Abnahme des erzielten Gesamtertrags und zugleich auch Erhöhung der für die Produktion anfallenden Kosten zur Folge. Weisen diese wiederum Ähnlichkeiten im Hinblick auf ihre Konsumbedürfnisse auf, so können hierdurch höhere Erträge und Kostenersparnisse erreicht werden (Becker 1981: 81 f.). Im Hinblick auf die individuellen Mechanismen der Partnerselektion geht Becker nicht von einem perfekten Heiratsmarkt aus, auf dem alle Beteiligten über vollständige Informationen verfügen, sondern es bestehen vielmehr bei zumindest einem der Akteure Informationsdefizite bezüglich der Partnereigenschaften bzw. des erwarteten Ehegewinns (a.a.O.: 220 ff.).

[...]


[1] Das deutschsprachige „NEO-Fünf-Faktoren Inventar“ (NEO-FFI) von Peter Borkenau und Fritz Ostendorf (1993), das auch mittlerweile in einer zweiten revidierten Fassung vorliegt, basiert auf einer Übersetzung der amerikanischen Originalversion „NEO Personality Inventory“ (NEO PI-R) von 1992 durch Paul T. Costa und Robert R. McCrae

Details

Seiten
67
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656685944
ISBN (Buch)
9783656685913
Dateigröße
704 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272568
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
persönlichkeitsmerkmale beziehungszufriedenheit eine analyse einfluss persönlichkeit zufriedenheit paarbeziehungen

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Titel: Persönlichkeitsmerkmale und Beziehungszufriedenheit