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Wahrheit und Lüge

Eine Gratwanderung zwischen dem Alltagsverhalten einerseits, dem ethischen und biblischen Verständnis andererseits

Fachbuch 2014 327 Seiten

Theologie - Praktische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführende Worte

Kapite l
Was ist Wahrheit
Der Wahrheitsbegriff – eine 1. Definition nach Lexika
Wahrheit im Alltag
Die persönliche Wahrheit
Philosophie – Wahrheit, einige Philosophen und ihre Sichtweisen
- Augustinus
- Friedrich (Daniel Ernst) Schleiermacher
- (François Marie Arouet) Voltaire
- Anselm von Canterbury
- Thomas von Aquin
- René Descartes
- Edmund Husserl
- Arthur Schopenhauer
- Friedrich (Wilhelm) Nietzsche
- Søren Kierkegaards
- Immanuel Kant
- Martin Heidegger
- Aristoteles
- Sokrates
- Platon
- Ernst Bloch
- Albert Camus
- Peter Möller
- Neuthomismus
Zitate zur Wahrheit

Kapite 2
Wahrheit und Wahrheitstheorien
Die Wahrheit
Der Begriff Wahrheit
Der Begriff Wahrheit – Definition
Eine klassische Definition
Aspekte der Wahrheit
Wahrheitskriterien
Die Erkenntnistheorie
Wahrheit in der neueren Philosophie
Das Äquivalenzschema
Die Abbildungstheorien
Die skeptische Wahrheitstheorie
Die pragmatische Theorie
Die Wahrheitstheorie des Pragmatismus
Ein 1. schematischer Überblick über die Wahrheitstheorien
Die absolute Wahrheit
Die objektive Wahrheit
Die ewige Wahrheit
Die Korrespondenztheorie (Intention)
Die Korrespondenztheorie der Wahrheit
Die Probleme der Korrespondenztheorie
Eine besondere Variante der Korrespondenztheorie:
Die semantische Wahrheitstheorie bei Tarskis
Die Evidenztheorie
Die Kohärenztheorie (Intention)
Die Kohärenztheorie
Die Konsenstheorie
Die Konsenstheorie (Habermas)
Die Wahrheitstheorie (Erlanger Schule)
Grafik zur Entstehungsthese von absoluter Wahrheit
Die Redundanztheorie und ihre Intention
Die Redundanztheorie der Wahrheit
Die performative Theorie
Die Pragmatismus – und Intersubjektivitätstheorie
Geltungsansprüche
- Verständlichkeit
- Wahrhaftigkeit
- Wahrheit
- Richtigkeit
Diskurs
Die dialogische Theorie der Wahrheit (Erlanger Schule)
Die sprachanalytisch orientierte Wahrheitstheorie
Die semantische Theorie der Wahrheit
Die dialektische – materialistische Widerspiegelungstheorie
Die logische – empirische Bildtheorie
Die Geschichte von den blinden Männer und dem Elefanten
Induktion und Deduktion
Von der Erfahrung auf das Allgemeine schließen
Vom Allgemeinen auf das Spezielle schließen – Deduktion
Identitätstheorie
Disquotationstheorie
Minimaltheorie
Prosententiale Theorie
Widerlegung
Vier Wahrheitstheoriegruppen

Kapitel 3
Theologie und Wahrheit
Biblische Aspekte im Blick auf das gelebte Wahrheitsverständnis
Wahrheit und Wahrheitsverständnis im Neuen Testament
- Die katholische Kirche und ihr Verständnis von Lüge
- Die evangelische Kirche und ihr Lügenverständnis
Ethik und Lüge
Wahrheit und Lüge im Alten Testament
Dogmatische Betrachtung von Wahrheit
Wilfried Härle
Karl Barth
Hochmut – Trägheit – Lüge
Ein persönliches Fazit an dieser Stelle

Kapitel 4
Wahrheit im Alltag
Werte in unserer Gesellschaft, dargestellt an einer Werteskala
von Politikern und Bürger
Die Bedeutung von Wahrheit in der Erziehung
Lügen in der Kindererziehung
Fantasie, Sehnsucht und Wirklichkeit
Aufmerksamkeit
Angst vor der Strafe
Ein Gespräch über die Lüge – Grafik
Erziehung – Problem – Konfliktlösung
Eltern erziehen oft durch Lügen
Lügen ist in der Erziehung weit verbreitet
Kinder und ihr völliges Vertrauen in die Eltern
Lügen und Lügenverhalten – enttäuschte Eltern
Lügen: Kontrolle als Konsequenz
Lügen: Enttäuschung benennen
Das bewusste Lügen
Die Lüge – mangelndes Vertrauen
Wann ist die Lüge „sinnvoll“?
Lügen von cleveren Mütter
Zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden können ....
3.000 Lügen in der Kindheit?
Keine Fantasiefiguren in der Erziehung einsetzen
Die Problematik der Lüge und dem Kind im Vorschulalter
Das Kind in seiner eingeschränkten Wahrnehmung
Warum lügen Kinder überhaupt?
Mögliche Ursachen, warum ein Kind die Unwahrheit zu sagen lernt
Kinder wollen ehrlich sein
So lernt ein Kind ehrlich zu sein
Verhaltentipps für Eltern. Wenn ihr Kind lügt
Varianten der kindlichen Lüge
Das eigene Verhalten überprüfen
Wann lügen Kinder? Was kann man als Eltern tun?
10 Tipps für den richtigen Umgang mit Lügen
Dauerlügen
In der Vorbildfunktion das gutes Beispiel vorleben
Lügen aus Höflichkeit oder Rücksichtnahme,
lernen die Kinder von den Erwachsenen
Doch wie soll man sich verhalten, wenn man sein Kind
bei einer Lüge erwischt?
Wer lügt hat Stress
Die höfliche Lüge
Die strafbare Lüge
Die Lüge im Strafrecht
Die Lüge im Zivilrecht
Lügen erkennen
Wann spricht man von einer Lüge?
Die Lüge in der Abgrenzung zur Täuschung
Wann und warum lügt ein Mensch?
Warum lügen wir eigentlich?
Exkurs: Wiedergabe einer nicht repräsentativen Umfrage
In einer 1o. Realschulklasse
Gespräche zur Frage der Lüge
- IT – Berater
- PR – Berater
- Eine Schulleiterin
- Eine Ethiklehrerin
- Ein Elektromeister
- Ein Installateur
- Ein Schüler
- Ein jungendlicher Schüler (Handballtrainer)
- Ein Schlosser
- Eine Angestellte in einem Handwerksbetrieb
- Eine Lehrerin (Handballtrainerin)
- Eine Arzthelferin
- Eine andere Arzthelferin
- Schüler/innen einer IGS in Offenbach
- Eine Afghanische Familie
- Zwei Realschüler vor einem Einkaufsmarkt
Ergebnisse der Schüler/innen aus dem Fragebogen
Die Auswertung im Einzelnen
Gründe dafür, warum, wir eigentlich lügen
Unterschiedliche Formen für die Ausübung der Lüge
Eigennützige Gründe
- Prosoziale Gründe
- Gemische Gründe
Die unterschiedlichen Formen der Lüge genauer betrachtet
Die soziale Lüge
Die emotionale Lüge
Die Notlüge
Die lebensrettende Lüge
Die vorsätzliche Lüge
Zwanghaftes Lügen
Die Lüge im Strafrecht
Im Einzelnen wird gelogen
Die 10 Top – Lügen der Männer und Frauen
Das Verhalten während des Lügens
Die Neurobiologie pathologischer Lügner
Der Mund lacht, aber die Augen nicht
Mögliche Handlungen und Merkmale einer Lüge
Zwölf Indizien die einen Lügner enttarnen
Verhaltensmuster und Reaktionen als Hinweis
Wie gehen wir als Gesellschaft mit Wahrheit in
Krisensituationen um?
8 Tipps für den Umgang mit Krisen
Was versteht man unter einer Krise?
Was ist eine Krise, auch im Blick auf Kinder?
Was kann man zu einer erfolgreichen Krisenbewältigung
beitragen?
Vom Umgang mit der Krise
Die 4 Phasen einer Krisenbewältigung
Was können Krisen positives bewirken?
Das persönliche Krisenmanagement
Krisen konstruktiv nutzen
Halbwahrheit
Beispiele zur Problematik der Halbwahrheiten:
Helga – Die Mutter und ihre Halbwahrheiten
Halbwahrheit und die Statistik
Weitere Definitionen von Lüge
Die Lüge der Barmherzigkeit und ihre Verantwortbarkeit,
eine Erklärung für diese besondere Form der Lüge
Die Lüge in der Sterbegleitung?
Tod und Leben (Eugen Drewermann)
Begriffliche Klärung: Tod und Sterben
Die medizinische Sicht von Tod und Sterben
Der Wandel in der Einstellung zum Sterben
Die Phasen des Sterbens (Kübler – Ross)
Für Sterbende da sein und was wir tun können
Der Sterbende in seiner vertrauten Umgebung
Der Sterbende darf selbst entscheiden
Sterbende zu begleiten heißt
Sterbebegleitung ist individuell unterschiedlich
Sterbebegleitung heißt auch, pflegerische Schwerpunkte
Nicht aus dem Auge zu verlieren
Gespräch beim Sterbenden
Ich als Angehöriger
Die christliche Sterbebegleitung
Sterbende und ihre Bedürfnisse
Der Umgang mit der Wahrheit –
Die Wahrheit zwischen Arzt und Patient
Die Wahrheit zwischen Patient und Angehörigen
Umgang mit Schuld
Krankensalbung in der katholischen Kirche
Meine letzte Ölung – alte Bezeichnung für Krankensalbung
Wegzehrung
Die Angst vor dem Tod – Sterben
Lebensangst
Angst vor der Zukunft
Nah – Tod – Erfahrungen
Memento mori
Die Kunst des Sterbens – Ars morendi heute
Totentanz
Sterben mit Würde – auch im Krankenhaus
Sterben im Pflegebereich
Aufklärung über Tod und Leben

Kapitel 5
Christen und die gelebte Wahrheit
Die Lüge
Die Lebenslüge
Eine weitere Definition von Lüge
Unaufrichtigkeit (und der Lüge)
Die Selbstlüge
Das achte Gebot im Dekalog
Darstellung von 3 Formen der Lüge:
Die Selbstlüge
Die Fremdlüge
Die Kollektivlüge
Was ist Wahrheit
Die Lüge kritisch im Katholizismus betrachtet
Heiligt der Zweck den Einsatz einer Lüge
Die staatliche Lüge
Die Lüge im Verständnis der Japaner
Die Lüge philosophisch betrachtet
Die Lüge in ihrer sinnverwandten Bedeutung
Wahrheit oder nur für wahr gehalten?
Glauben mit Personenbezug

Kapitel 6
Das Verständnis von Wahrheit und Lüge
Wahrheit und Lüge
Im Christen – und Judentum:
Die christliche Theologie, Glaube und Wahrheit
Im Judentum
Die römisch – katholische Kirche
Altes Testament
Neues Testament
Bibelstellen zum Nachschlagen
Kritische Bemerkungen
Im Islam
Die Taqiyya im Koran
Allgemeine Definition im Islam
Lügen im Koran
Die Einzigartigkeit Allahs und die Beigesellung
Lügen – Kidb
Ungläubige machen sich von Allahs Weg abwendig
Im Buddhismus:
Buddhismus
Buddha
Die Lüge im Buddhismus

Abschließendes Fazit

Glossar

Bibelstellen chronologisch geordnet

Koranstellen chronologisch geordnet

Literaturnachweis

Anhang Urteil zur erlaubten Lüge – Schwangerschaft

Anhang Kirchliche Dogmatik

Anhang Fragebogen

Anhang Weitere Informationen zur Auswertung des Fragebogens

Biografie/Bibliografie

Einführende Worte zur überarbeiteten 2. Neuauflage

In einem Baumarkt am 28.09.2011 im Main – Kinzig – Kreis:

Ein Kunde steht an der Information des Baumarktes und wartet auf seine Kundenkarte. Während dieser Wartezeit, hat der Kunde noch einige Fragen nach einem Laminatschneider und den damit verbundenen Kosten. Die Angestellte an der Kasse kann die Fragen nicht beantworten. Sie greift zum Telefonhörer und ruft einen Kollegen aus: „Herr B. ein Ferngespräch“. Wenige Sekunden später ist der ausgerufene Kollege offensichtlich am Telefon seiner Abteilung. „Ich bin das Ferngespräch“, lacht die Angestellte der Information in den Hörer und informiert sich.

„Lügen haben kurze Beine“ heißt es schon in einem Sprichwort; wenn dieser Satz dann eine tatsächliche, physische Folge nach sich ziehen würde, als einer realistischen Wahrheit entsprechen würde, dann wäre es wohl um die gesamte Menschheit und ihrer Größe nicht sehr gut bestellt. Unabhängig davon, wohin wir schauen, wir kommen immer wieder zu der selben Erkenntnis: In der Politik und leider auch in der Kirche, den PR – Abteilungen und Privatsendern, ob in den Schulen oder am Arbeitsplatz, auf der Straße oder auch in den eigenen vier Wänden – alle, jeder einzelne Mensch dreht hier und da ein bisschen an der Wahrheit, „begradigt und beschönt“ den tatsächlichen Sachverhalt, manchmal etwas mehr und drastischer, an anderen Stellen wieder etwas weniger, geschickter, unauffälliger und dezenter.

Wir sind auch nicht Pinocchio, glücklicherweise keine geschnitzte Holzfigur, die beim Lügen eine lange Nase bekommt und die Lüge dadurch für alle anderen Menschen sichtbar wird; wir sind auch nicht der Baron Münchhausen, und doch machen wir alle dasselbe, wir lügen.

Jeder Mensch lügt nach den Auswertungen von wissenschaftlicher Erhebungen und Untersuchungen (erschreckender Weise) bis zu 200 Mal am Tag. „Der Bus hatte Verspätung“, „Ich stand im Stau“ oder „Nein, die Hose macht dich nicht dick“, solche und ähnliche Alltagslügen kennt wohl jeder. Obwohl Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe als Richtschnur unseres Handelns gelten, ist es scheinbar nicht sehr weit her damit. Oft geschehen Lügen ja auch aus Höflichkeit und Bescheidenheit heraus oder sie sind reine Schmeichelei. West.art hat mit dem Wirtschaftspsychologen Jack Nasher (laut Handelsregister Amtsgericht Darmstadt vollständig „Jack Lord Nasher – Awakemian – Doerr“, wurde am 1. Juni 1979 in Korbach geboren. Er ist ein deutscher Wirtschaftspsychologe, Autor, Diplom – Jurist, sowie Professor an der Munich Business School) darüber gesprochen, wie man Lügen erkennt und warum wir alle es so häufig tun.

Jede noch so kleine Flunkerei (die wir im Regelfall noch nicht als Lüge ansehen) ist aus Sicht des Betroffenen an einen bestimmten Zweck gebunden. Dieser Zweck muss aber nicht immer im Bezug auf andere Menschen schlecht sein; dieses Tun kann sogar gute Ziele verfolgen, wobei dem Lügner das recht häufig noch nicht einmal bewusst ist.

Dieses Buch geht nun gezielt den Fragen nach, wo die Lüge eigentlich anfängt, beziehungsweise was eine Lüge ist? Wie sieht unser persönliches Wahrheitsverständnis aus? Warum lügen wir überhaupt? Welche Ziele verfolgen wir mit dem Lügen?

Frage über Fragen, wenn wir uns mit dieser Thematik auseinandersetzen, uns ihr ehrlich stellen. Wann handelt es sich denn um eine Lüge? Wann sprechen wir von Wahrheit und was sagt die Wissenschaft, im Besonderen die Philosophie dazu? Beides ist sachbetrachtet doch sehr stark relativ zu sehen und einzuschätzen, denn die Wahrheit ist „subjektiv“, und jeder Mensch, völlig unabhängig von seinem Alter, empfindet, erlebt, erzählt und schildert sie aus seiner ganz eigenen, persönlichen Wahrnehmung und Empfindung heraus.

Bei vorbereitenden Gesprächen mit Menschen aller Altersgruppen und sozialen Schichten für dieses Buch machte ich immer wieder die Erfahrung, dass mir meine Gesprächspartner im Brustton ihrer persönlichen Überzeugung sagten: „Nein, ich lüge nicht, ganz im Gegenteil, ich verabscheue die Lüge“. Wer mag es mir verübeln, dass ich schon an der einen oder anderen Stelle lächelte, ich schon an so mancher Stelle bei mir dachte: „Allein bei dieser Äußerung handelt es sich schon um eine Lüge“, die dann ihre Bestätigung darin fand, dass der versprochene, ausgefüllte Fragebogen nicht mich zurück gegeben wurde. Bei den Arzthelferinnen gaben keine Antwort, beziehungsweise: „Das ist an vielen Stellen viel zu persönlich“. Auch hier kam der Fragebogen nicht zurück.

Aus diesem Erleben und dieser Erfahrung heraus stelle ich nun auch an Sie, liebe Leserin, lieber Leser die Frage: „Können Sie von sich ehrlichen Herzens sagen, dass Sie noch nie gelogen haben und auch nicht lügen?“

Eigentlich handelt es sich hier nur um eine rhetorische Frage, denn wir wissen doch alle, auch dann, wenn wir es nach außen nicht zugeben wollen, dass wir mehr oder weniger oft die Lüge, als Notlüge und somit als eine Ausrede getarnt einsetzen, um uns einen möglichen oder auch drohenden Ärger und die daraus folgenden Probleme zu ersparen.

Lügen? Ich doch nicht! So oder ähnlich reagieren die meisten von uns, wenn wir mit unserer Auslegung der Wirklichkeit konfrontiert werden. Doch wir können die Lüge nicht aus unserem Leben eliminieren, auch wenn wir uns noch so elaboriert ausdrücken. Je mehr wir die Lüge ablehnen, desto mehr lügen wir, bewusst oder auch unbewusst.

Die größte Lüge besteht allerdings in der Illusion, ein Leben ohne Lüge führen zu können. Selbst dann, wenn wir bereit sind, die subjektive Zurechtbiegung der Wirklichkeit als ein harmloses „schwindeln“ zu akzeptieren, sind wir nicht in der Lage, den alltäglichen, existentiellen Anforderungen ohne Lüge zu entsprechen. Wir brauchen und verwenden die Lüge (leider) Tag und Nacht.

Hanau, im April 2014

Kapitel 1

Was ist Wahrheit

Der Wahrheitsbegriff – eine 1. Definition nach Lexika

In der Philosophie wird der Wahrheitsbegriff (englisch truth; französisch vérité; griechisch aletheia; lateinisch veritas) zumeist prädikativ als eine Bestimmung von Urteilen, von Aussagen oder Sätzen verwendet, manchmal aber auch in Bezug auf mentale Akte und Zustände. Von der prädikativen Verwendung des Wahrheitsbegriffes ist die attributive und die substantive Verwendung zu unterscheiden[1]. „Wahrheit ist die Übereinstimmung mit ihrem Gegenstand; ein unabhängig vom Gegenstand gültiges Wahrheitskriterium gibt es nicht.

Die Philosophie beantwortet die Grundfrage nach der Möglichkeit, den Kriterien und der Erkennbarkeit von Wahrheit in den einzelnen Systemen unterschiedlich. In der Logik ist Wahrheit die inhaltliche Übereinstimmung eines Satzes mit den Tatsachen; zu unterscheiden von der „Richtigkeit“, worunter die formale Gültigkeit eines Satzes verstanden wird[2].

Eine Definition des Terminus Wahrheit tritt bereits eine Wahrheitsdiskussion zur Frage der Definierbarkeit schlechthin los. So vertritt Gottlob Frege[3] die Auffassung, dass die Wahrheit so fundamental (grundlegend, wesentlich) ist, dass sie sich nicht definieren lässt.

Für Alfred Tarski[4] dagegen ist der Begriff Wahrheit sehr wohl definierbar, was für Tarski bedeutet, dass das Verständnis eindeutig auf andere Begriffe zurück zu führen ist. Die Lüge ist der Missbrauch der Sprache (RGG – Religion in Geschichte und Gegenwart) aus ganz egoistischen Gründen, ergo einer egoistischen Motivation heraus.

Die Lüge ist das täuschende Verbergen eines Sachverhaltes oder Geschehens. Sie betrifft immer einzelne Aussagen einer oder auch mehrer Personen, die Unwahrhaftigkeit dagegen immer den Kern der Person.

Vom Wahrheitsbegriff ist demzufolge die Wahrhaftigkeit zu unterscheiden, die als das subjektive „Für – Wahr – Halten“ der eigenen Aussage bestimmt werden kann. Eine große Rolle spielen die Korrespondenztheorien (von lateinischen co = mit, und respondere, antworten) oder Übereinstimmungstheorien der Wahrheit, nach denen etwas wahr ist, wenn es dem entspricht oder mit dem übereinstimmt, von dem es ausgesagt wird. Das wird manchmal auch als die klassische Definition der Wahrheit bezeichnet.

In neuerer Zeit wird für diese Auffassung auch der Begriff „Korrespondenztheorie“ verwendet. Eine Aussage ist dann wahr, wenn sie mit dem Sachverhalt, den sie beschreibt, beschreiben will, korrespondiert. In diesem Sinne sind folglich sowohl die philosophischen Materialisten, wie auch die objektiven Idealisten Vertreter der Korrespondenztheorie. Auch die Skeptiker vertreten diese Auffassung, sagen aber unmissverständlich, dass wir uns nie sicher sein können, ob wir eine Wahrheit im Sinne der Korrespondenztheorie gefunden haben (keine Anhänger der Korrespondenztheorie sind die Vertreter der diversen Spielarten des Subjektiven Idealismus, da es nach ihren Auffassungen keine vom erkennenden Subjekt unabhängig existierenden Tatbestände, Dinge, Eigenschaften gibt).

Es wird aber auch zwischen einem prädikativen und einem attributiven Wahrheitsbegriff unterschieden. In der Regel wird der prädikative Wahrheitsbegriff verwendet, der besagt, dass ein Satz oder ein Gedanke immer dann wahr ist, wenn die Aussage (im Sinne der Korrespondenztheorie) richtig ist.

Beim attributiven Wahrheitsbegriff dagegen ist eine Sache, ein Lebewesen, eine Erscheinung an sich schon wahr. „Ein wahres Kunstwerk“. „Ein echter Mensch“. „Ein richtiges Bedürfnis“. Dem liegt die Auffassung zu Grunde, dass alles eine Idealform hat, der sie entsprechen muss, um dann auch wahr zu sein. Diese Auffassung findet man unter anderem bei Platon und Hegel. Aber auch völlig unphilosophische Menschen haben (meist unbewusst) häufig diese Einstellung.

Die Wahrheit im Alltag

Umgangssprachlich bedeutet, beziehungsweise beschreibt Wahrheit die Übereinstimmung von Gedanken oder einer Aussage mit dem, was tatsächlich vorhanden oder geschehen ist. So lautet auch der klassische Wahrheitsbegriff der abendländischen Philosophie „Adequatio intellectus et rei“. Wahrheit bedeutet, dass uns in unserem Bewusstsein ein objektiver Tatbestand gegenwärtig ist, und zwar so, dass jegliche Täuschung ausgeschlossen ist.

So stellt sich schon an dieser Stelle die Frage danach: Was ist Wahrheit? Vielleicht (möglicherweise) das, was an jeden Abend zur gleichen Zeit im Fernsehen ausgestrahlt wird? Möglicherweise auch das, was in den Zeitungen zu lesen steht? Oder ist es vielleicht doch Meinungen aus dem Internet, der freiesten und unkontrolliertesten Plattform für einen Meinungsaustausch?

Im Grunde genommen ist die Wahrheit nichts anderes als die höchste Form der Plausibilität. Wir gehören wohl zu der letzten Gruppe und können wichtige Ereignisse (vor allem die vom 11. September) plausibler erklären, als es die Medien vermögen. Wir sehen Ereignisse im Zusammenhang, stellen und beantworten wichtige Fragen, die bei anderen Meinungen und Halbwahrheiten immer wieder vernachlässigt werden.

Die Politik der meisten (westlichen) Regierungen hat derzeit nur noch wenig mit Demokratie zu tun. Zwei Beispiele: Teile der amerikanischen Verfassung wurden bereits durch Bush außer Kraft gesetzt; die Terrorangriffe vom 11. September waren garantiert „false Flag“ Operationen, wurden also von der Regierung geplant und ausgeführt.

Wahrheit gibt es nur vor Gott [5].

Wahrheit, wenn sie gesprochen wird, von wem auch immer, spricht immer von der Liebe Gottes[6].

Die persönliche Wahrheit

Genau betrachtet gibt es wohl unendlich viele Wahrheiten. Die Wahrheit als solche ist jedoch in den meisten Fällen subjektiv. Als Wahrheit verstehen wir im Regelfall das, was wir auch als wahr akzeptieren, unabhängig davon, ob es stimmt oder nicht. Es gibt sowohl die kleinen und unbedeutenden Wahrheiten ebenso wie auch die großen und auch häufig entscheidenden Wahrheiten, die dann allerdings auch Veränderungen mit sich bringen, bringen können; das geschieht dann im Kleinen wie auch in einem Größerem Umfang. Wenn wir eine Wahrheit in der Gesellschaft oder auch in unserem Umfeld etablieren (begründen, einrichten, errichten) wollen, dann müssen dazu andere Menschen erreicht und davon überzeugt werden, gelegentlich auch mit Beweisen, in anderen Fällen durch eine ausgesprochen gute Rhetorik (Redekunst).

Will man eine Wahrheit wirklich wissen, geht man in der Regel in den meisten Fällen analytisch vor. Dabei stellt sich dann auch noch die Frage: Wie wichtig ist es eigentlich die Wahrheit immer zu kennen oder mit einer Unwahrheiten leben zu müssen? Vielleicht ist das nicht immer all zu wichtig für den/die Einzelne/n; wenn etwas auch als Wahrheit deklariert wurde, beeinflusst es den Menschen in der Regel nicht besonders, auch dann nicht, wenn es eigentlich nicht stimmt.

Manche Menschen verbreiten Lügen und sind dabei der festen Überzeugung, dass es sich um die Wahrheit handelt, ergo alles seine absolute Richtigkeit hat. Es bleibt also an dieser Stelle festzuhalten, dass es aber auch um Wahrheiten handeln kann

- die geglaubt werden und
- Wahrheiten die gewusst werden, also als bewiesen zu akzeptieren

sind.

Die Mehrzahl der Menschen geht in ihrem Denken und in ihrer Überzeugung davon aus, dass es im Leben immer mehr Unwahrheiten als Wahrheiten gibt.

Behauptungen und Lügen zum Beispiel oder auch falsch verstandene Erörterungen. Andere Menschen glauben, dass die String – Theorie7 wahr ist, aber sie verstehen sie gar nicht; für manche Wahrheiten gilt übrigens, dass es besser ist, wenn sie im Verborgenen bleiben.

Wahrheit ist nicht gleich Wahrheit,

wisst ihr wie ich´s meine?

Wie ich´s drehe und auch wende,

für mich gibt´s doch nur diese Eine.

http://de.consenser.org/node/2201

Die Tatsache, dass Wahrheit nicht gleich Wahrheit ist, dass habe ich im Kindergarten, den mein Enkelkind besuchte auf eine ganz üble und erschreckend krasse Art erfahren und lernen dürfen: Mein Enkelkind war über längere Zeit krank; dadurch war es ihr nicht möglich, ihren Geburtstag mit den anderen Kindern ihrer Gruppe gemeinsam zu feiern.

Ich sah darin noch kein größeres Problem, denn ein Geburtstag kann ja auch nachgefeiert werden; ich ging also in den Kindergarten, schilderte die Situation und bekam als Antwort, dass es überhupt kein Probleme sei, wenn ich rechtzeitig Bescheid sagen würde, wann mein Enkelkind den Kindergarten wieder besuchen würde.

Dann war dieser Tag absehbar; ich sagte also wie ausgemacht 2 Tage vorher im Kindergarten Bescheid, verbunden mit der Information, dass ich für Kuchen, Essen und Trinken sorgen würde. Mir wurde von der Erzieherin gesagt, dass alles so in Ordnung ginge.

Voll bepackt gingen wir in den Kindergarten. Als ich das Mitgebrachte der Erzieherin übergab, wurde mir nun zu meiner großen Verwunderung erklärt, dass sie versuchen wollte, am nächsten Tag den Geburtstag nachzufeiern, da man im Kindergarten nicht Bescheid wusste, keine Ahnung davon hatte, dass mein Enkelkind heute wieder kommen würde.

Direkt von mir darauf angesprochen, dass das nicht stimmte, denn ich hatte 2 Tage vorher die entsprechende Information an sie selbst gegeben, bestritt sie das Geschehen. Sie beschwerte sich anschließend bei der Kindergartenleiterin, die mich dann telefonisch um ein persönliches Gespräch bat. In diesem Gespräch bestritt sie nicht den von mir geschilderten Sachverhalt, der durch Zeugen untermauert wurde, sondern sagte mir, dass die Erzieherin ihr ganz persönliches und eigenes[7] Wahrheitsverständnis hatte! Der Begriff Wahrheit und das entsprechende die ganz persönlichen Wahrheitsverständnisse haben viele Facetten, das hatte ich nun verstanden!

Philosophie – Wahrheit, einige Philosophen und ihre Sichtweisen

Der Begriff der Wahrheit nimmt in der philosophischen Diskussion eine zentrale und damit sehr wichtige Rolle ein. Gottlob Frege[8] ordnete den Zielgedanken aller Wissenschaften unter den Begriff der Wahrheit ein.

Doch auch in unserem Alltag ist Wahrheit ein wichtiger Bestandteil; dabei spielt es keine Rolle, ob ich Gerichtsverfahren, das Verhalten im täglichen Geschäftsleben oder im partnerschaftlichen Umgang miteinander in den Fokus aller meiner Überlegungen einbeziehe.

Welcher Mensch will denn nicht logisch korrekt argumentieren und damit dann auch logischerweise von wahren Voraussetzungen zu den wahren Schlussfolgerungen kommen? Wer möchte denn in unserer Gesellschaft nicht als zuverlässiger und wahrhaftiger Mensch angesehen und geachtet werden? Aus diesen Überlegungen heraus könnte man tatsächlich davon ausgehen, dass der Wahrheitsbegriff im Laufe der vergangenen Jahrhunderte schon längst geklärt worden ist und keinerlei Unsicherheiten mehr bestehen. Diese Einschätzungen würden den realen Zustand aber weit verfehlen, denn die Diskussion um das Wahrheitsverständnis ebbt bis zum heutigen nicht ab.

Der Terminus „Wahrheit“ ist noch immer in der Philosophie ein bedeutender und sehr zentraler Begriff. Dabei zielt das Streben der Philosophen in erster Linie nach dem Verständnis, also dem inhaltlichen Verständnis von der Wahrheit. Was dann dabei unter dem Begriff „Wahrheit“ im Einzelnen zu verstehen ist, ob und wie sie überhaupt erlangt werden kann, da sind sich die Philosophen allerdings nicht einig; ebenso uneinig sind sie sich bei der Frage, woran Wahrheit zu messen ist, sodass aus diesem Grund in der Philosophie deutlich unterschiedliche Interpretationen und damit sehr vielseitige Antworten gefunden und auch dementsprechend zahlreich dargestellt werden.

Viele Philosophen sind im Verlaufe ihrer Überlegungen zu dem Schluss gekommen, dass die objektive Wahrheit für den Menschen nicht erreichbar ist oder die Menge der objektiven Wahrheiten, die ein Mensch haben kann, im Vergleich zu dem nicht Erkennbaren und den Vermutungen sehr gering ist. Im Ergebnis dieser Auffassungen entstanden dann Begriffe wie beispielsweise die subjektive, relative oder praktische Wahrheit, je größer die Annäherung an dieses Ideal ist (Platon, Hegel und Kierkegaard).

„Philosophen tun sich gelegentlich schwer mit der Lüge und haben infolgedessen Probleme damit, da sie nicht in ihr Vernunftsystem integrierbar ist[9].

„Diskreditiert man die Lüge“, so Wittgenstein, „dann übersieht man all jene Aspekte, die zeigen, dass die Lüge schon lange zum Leben und zur Alltagspraxis gehört“.

An dieser Stelle möchte ich die Gedanken einiger Philosophen zu dieser Fragestellung nur ganz kurz und schon fast stichwortartig anreißen, einige ihrer Kerngedanken und des jeweiligen Verständnisses aufzeigen, und sie dann zur Einstimmung in die unterschiedlichsten Begriffsverständnisse des Problem – kreises von Lüge – Wahrheit ausrichten und darstellen; es ist aber nicht immer vermeidbar, dabei auch einige darüber hinaus gehende Informationen des Philosophen mit anzusprechen:

Augustinus von Hippo

Augustinus von Thagaste, Augustin oder Aurelius Augustinus, war einer der bedeutendsten christlichen Kirchenlehrer und ein wichtiger Philosoph an der Epochenschwelle zwischen Antike und Mittelalter. Zunächst war er Rhetor (bei den antiken Griechen ein Redner oder – als Theoretiker – ein Lehrer der Beredsamkeit) in Thagaste, Karthago, Rom und Mailand[10].

Von 395 bis zu seinem Tod war er Bischof von Hippo Regius. Augustinus führt in den „Confessiones“ (Bekenntnisse, sind autobiographische Betrachtungen des christlichen Kirchenlehrers Augustinus, die um das Jahr 400 entstanden sind) zu dieser Thematik aus:

Die Auseinandersetzung mit der Lüge findet man bei Augustinus bereits im frühen 5. Jahrhundert; so beschreibt Augustinus den Fakt, die Sprache zur Täuschung zu benutzen, als eine Sünde.

Ähnliches Gedankengut findet sich auch bei Kant und darüber hinaus auch in der modernen Sprachphilosophie. Damit kann an dieser Stelle festgestellt werden, dass uns die Lüge auch in sehr verschiedenen Ansprüchen begegnet und damit eine Zurückzuweisung der Lüge als etwas zu sehen und zu verstehen ist, das dem Wahrhaftigkeitsanspruch der menschlichen Vernunft klar widerspricht, auf die die Intention der Sprache, die ganz grundsätzlich auf wahre Aussagen ausgerichtet und geprägt ist, im Grundsatz entgegensteht, so nach den Ausführungen von Dr. Klaus – Jürgen Grün[11].

Bei Augustinus heißt es in seinem immer wieder herangezogenen Mörderbeispiel: „Angenommen, es flüchtet sich einer zu dir, den du durch eine Lüge vom Tode befreien könntest. Wirst du dann nicht lügen?“

Auch bei dieser doch sehr heiklen Frage hält Augustinus unbeirrbar daran fest, dass die Bibel das Lügen verbietet. Stellt man die Frage danach, ob die Rettung eines anderen Menschen die Lüge erlaubt ist, dann ist das im Grunde die Frage danach, ob die Rettung eines anderen Menschen die Sünde erlaubt, zugesteht.

Für Augustinus ist hiermit das Seelenheil des Menschen in Gefahr, das allein auf der Freiheit von der Sünde beruht und darüber hinaus verlangt, dass eben dieses Seelenheil im eigenen Leben, und erst recht dem Leben eines Mitmenschen Vorrang hat. Das heißt ganz eindeutig, dass die Lüge mit der göttlichen Heilsordnung eben nicht vereinbar ist, in keinem Fall.

„Jeder aber, der lügt, redet im Gegensatz zu dem, was er denkt, in der Absicht, zu täuschen. Und doch haben wir die Sprache fürwahr nicht zu dem Zwecke, damit sich die Menschen gegenseitig irreführen, sondern damit einer dem Anderen seine Gedanken mitteilen kann. Diese Sprache also als Täuschung zu gebrauchen ist Sünde; denn das ist ihr Zweck nicht – auch aus dem Grunde dürfen wir nicht glauben, die Lüge sei keine Sünde, weil wir bisweilen jemandem mit einer Lüge nützen können“.

Sinngemäß sagte er, dass die Lüge eine Sünde ist und bleibt, aber diese Menschen der Lüge folgten (ohne es eigentlich zu wissen), gewissermaßen also einem übergeordneten göttlichen Plan; dadurch war dann in der Konsequenz der Nutzen ihrer Lüge so groß, dass sie auf Verzeihung dieser Sünde hoffen konnten. Festzuhalten bleibt dabei aber auch: Es bedarf nach der Auffassung von Augustinus aber der göttlichen Verzeihung. In seinen Augen kann niemals der Zweck die Mittel heiligen. Das Problem des Verschweigens der Wahrheit löste Augustinus, in dem er sagte: „Zwar muss alles was du sagst wahr sein, aber du brauchst nicht alles zu sagen was wahr ist.“

Noch einmal ganz deutlich: Für Augustinus ist die Lüge nicht mit der göttlichen Heilsordnung vereinbar.

Friedrich (Daniel Ernst) Schleiermacher

Schleiermacher versucht – in der romantischen Gegenbewegung zum Rationalismus der Aufklärer –, das religiöse „Gefühl der schlechthinnigen Abhängigkeit“ den Gebildeten wieder nahe zu bringen [12].

Er sieht das subjektive, nicht begrifflich fassbare Erleben der Unendlichkeit als eine rein rezeptive und passive Form des Selbstbewusstseins, die sich jedem aktiven kritischen Zugriff des Verstandes entzieht. Damit greift er in gewisser Weise die mittelalterliche Mystik mit ihrer Kritik an veräußerlichten Religionsformen wieder auf. Er kritisiert auf diese Weise zugleich den

Dogmatismus und Konfessionalismus der protestantischen Staatskirchen, verlangt aber dennoch keine institutionelle Trennung von Kirche und Staat.

In mehreren dieser Wirkfelder wird er dadurch zu den wichtigsten Autoren seiner Zeit, in einigen Bereichen wird er auch zu den Klassikern der Disziplin überhaupt gerechnet.

Zu den immer wieder auftretenden Fragen und Zweifel am Kreuzestod Jesu griff er mit persönlichen Gedankenanstößen ein; Schleiermacher schrieb in „Das Leben Jesu“ (Seite 442 – 443): „Es ist in der neuern Zeit häufig darüber gestritten worden, wie es sich mit dem Tode Jesu verhalte, wiefern es etwas natürliches und der Sache gemäßes sei, dass er in einem so kurzen Zeitraum wie die Kreuzigung wirklich gestorben sei, und ob deswegen sein Tod als ein wirklicher Tod angesehen werden kann?“

Voltaire (François – Marie Arouet)

Einer der schärfsten Kirchenkritiker damals war François-Marie Arouet (1694 – 1778), der sich Voltaire nannte. In Frankreich nennt man das 18. Jahrhundert auch „das Jahrhundert Voltaires“ (le siècle de Voltaire). Voltaire, Aufklärer in seiner Zeit, schrieb für gezielt die französischsprachige europäische Oberschicht, zu der nicht nur der Adel, sondern auch das aufstrebende Bürgertum gehörte. Viele seiner ungefähr 750 Werke erlebten in einer rasanten Geschwindigkeit mehrere Auflagen und wurden sehr schnell in andere europäische Sprachen übersetzt[13].

Voltaire, der über darüber hinaus über hervorragende Kenntnisse Englisch – und Italienisch verfügte, veröffentlichte auch in diesen Sprachen einige seiner Gedanken/Texte. Da er einen beträchtlichen Teil seines Lebens außerhalb Frankreichs verbrachte, kannte daher auch die Niederlande, England, Deutschland und die Schweiz aus seiner eigenen, persönlichen Anschauung. Mit der Kritik an den Missständen des Absolutismus und der Feudalherrschaft war Voltaire ein wichtiger Wegbereiter der Französischen Revolution. Seine Waffen im Kampf für seine Vorstellungen waren dabei ein immenses Wissen, Phantasie, Einfühlungsvermögen, ein präziser und allgemein verständlicher Stil,

sowie Sarkasmus und Ironie.

Er bekämpfte vor allem den Machtanspruch der katholischen Kirche und das Bündnis des Klerus mit Adel und Absolutismus. Er rief zur Zerstörung des Papsttums auf („Écrasez l’infâme!“) und trat gegen die religiöse Indoktrination, für die Glaubens – und Gewissensfreiheit ein.

Voltaire bekannte sich jedoch nicht zum Atheismus, sondern zum Deismus (Gottgläubigkeit vom lateinischen Deus [De:(j)us ] – Gott) abgeleitet, bezeichnet man im Allgemeinen den Glauben an Gott aus Gründen der Vernunft), weil er den Glauben an einen strafenden Gott als beste Basis für ein soziales Leben nach moralischen Grundsätzen hielt („Wenn Gott nicht existierte, müsste man ihn erfinden“).

„Geschichte ist die Lüge, auf die man sich geeinigt hat“. Voltaire fordert damit allerdings geradezu zum Lügen auf: „Die Lüge ist eine sehr hohe Tugend, wenn sie Gutes tut. Man muss wie der Teufel lügen, nicht zaghaft, nicht zu Zeiten, sondern mutig und immer, …“.

Anselm von Canterbury

– lateinisch: Anselmus Cantuariensis Anselmo de Candia Ginevra, war ein Theologe und Philosoph des Mittelalters. Er wird vielfach als Begründer der Scholastik angesehen („Vater der Scholastik“) und ist Hauptrepräsentant der Frühscholastik[14].

Die Wahrheit nicht zu kennen heißt für ihn nicht, an eine Lüge zu glauben. Immerhin ist „die Lüge“ gleichfalls so schwer zu beweisen wie etwa „die Wahrheit“. Sofern wir jedoch wissen, dass es keiner Antwort (= keines Beweises) bedarf, weil diese Antwort nichts an „der Sache an sich“ ändern kann, lässt sich eine neue Sicht dazu zu gewinnen. Es ist ähnlich mit allen anderen Situationen – die sich „als solche“ nicht ändern, selbst dann nicht, wenn ein Mensch ihre Hintergründe im Nachhinein so gut verstünde wie die Tatsache, dass 1 + 1 = 2 ist.

Was änderte sich demnach „an Gott“, wenn der Mensch ihn verstehen würde? Andere Frage könnte lauten: Was änderte sich „an ihm“, wenn es ihn denn gar nicht gäbe? Würde sich denn etwas an seinem nicht Vorhanden sein ändern, wenn wir seine Vorhanden seit beweisen könnten? Könnten denn in der Umkehrung die Beweise seines Vorhanden seins denn etwas daran ändern, dass er nicht vorhanden ist? Als Ergebnis aus diesen Gedankenspielen lässt sich ganz klar die Erkenntnis ableiten: Die neue Sicht ist frei davon, Dinge erfragen (= wissen) zu wollen, deren Antworten keine Rolle spielen können.

Was ist eine Lüge?

„Possumus igitur, nisi fallor, definire quia veritas est rectitudo sola mente perceptibilis”. Anselm von Canterbury, De veritate (siehe Zitat 11). Die Übersetzung: Wir können also, wenn ich mich nicht täusche, definieren: Die Wahrheit ist die allein mit dem Geist wahrnehmbare Strukturordnung.

Thomas von Aquin

Innerhalb der mittelalterlichen Philosophie ist Thomas von Aquin einer der bekanntesten Vertreter einer Korrespondenz – oder Adäquationstheorie der Wahrheit[16]. Thomas von Aquin integriert die Offenbarung und die rationale Welterkenntnis in ein gemeinsames umfassendes Lehrsystem: Natürliches Fragen nach dem Weltgrund kommt zu einer allgemeinen Erkenntnis eines (des) höchsten Wesens (Gott); der christliche Glaube ergänzt dieses Verständnis nun durch das geoffenbarte Wissen, wer und was dieses Wesen denn genau ist und was es will[15].

Die Gedanken Thomas von Aquin über die Lüge weisen zahlreiche Übereinstimmungen mit der Theorie des Kirchenvaters Augustinus auf.

Genauso wie er geht auch Thomas von Aquin in seiner Argumentation vom natürlichen Sprachzweck aus und kommt so zu dem Schluss, dass jede Lüge einen sündhaften Charakter hat. Die Lüge zersetzt die Einheit von Erkennendem und Sein und verhindert so das Glück, das an sich Erkenntnis und Austausch von Wahrheit ist. Thomas von Aquin führt den Begriff der Wahrhaftigkeit ein, die er als eine Tugend betrachtet, die durch andere Tugenden wie beispielsweise Klugheit oder Liebe im Lot gehalten werden soll; dagegen sind kluges Verschweigen und eine zweideutige Rede als leichte Sünden, die den Menschen nicht vom wahren Ziel abhalten, zulässig. Als völlig unzulässig betrachtet Thomas von Aquin, ebenso wie Augustinus die willentliche Irreführung in Glaubenssachen, also jede Form von Lügen im Bezug auf die Erkenntnisinhalte, die Gotteserkenntnis betreffen.

Thomas von Aquin wird eine Erkenntnis zugeschrieben: „veritas est adaequatio rei et intellectus“ (die Wahrheit ist die Übereinstimmung von Wahrheit und Verstand).

René Descartes (latinisiert – Renatus Cartesius)

Mit René Descartes gewinnt die Antithese zwischen Philosophie und Theologie deutlich an Schärfe: Diese war schon seit der Reformation gegeben, da Martin Luther den Christusglauben dem allgemeinen Weltwissen, dem abstrakten Gotteswissen und dem zweckgebundenen Herrschaftswissen entgegen stellte[17].

Nun brachte Descartes die scholastische Synthese von natürlicher Theologie (beziehungsweise philosophischer Metaphysik) und spezieller, christlicher Offenbarung auch von der Seite eines nicht von vornherein gläubigen Denkens her in das Denken seiner Mitmenschen ein. Erstmals begründet das denkende Subjekt Selbstbewusstsein, Autonomie. Von der intuitiven Erfahrung des Cogito ergo sum („Ich denke, also bin ich.“) aus stützt der Begriff Gottes nur noch sekundär menschliche Selbstgewissheit.

Für Descartes, der die Lüge nicht vom Bereich der Macht Gottes ausschließt, ist die Lüge aber kein inneres Übel.

Edmund Husserl

vertritt eine Variante der Evidenztheorie der Wahrheit, eine phänomenologische Wahrheitstheorie (die Wahrheitstheorien werden im nächsten Kapitel ausführlich behandelt). In seinem frühen Werk „Das Ideal der Adäquation. Evidenz und Wahrheit“ von 1901, ergibt sich die Wahrheit in Bezug auf Gegenstände und auf Begriffe durch eine Erfüllung, wobei das Gegebene als Gemeintes und das Gegebene als Selbstgegebenheit in ihrem Verständnis zusammen fallen. Die Wahrheit ist also eine Identität, und diese Identität ergibt sich mit Evidenz. Evidenz wird dabei als Gewissheit verbürgende Erfahrung dieser Übereinstimmung verstanden[18].

„Wahrheit“ ist die völlige Übereinstimmung von Gemeintem und Gegebenem. Das Erlebnis der Übereinstimmung ist dann die Evidenz oder Intuition. Evidenz in diesem Sinne ist also kein Gewissheitserlebnis, sondern die unmittelbare Erfahrung, die dann aber im Sinne Husserls korrigierbar ist, wenn sich im Nachhinein herausstellt, dass die damalige Erfahrung nicht zutreffend war.

Arthur Schopenhauer

Schopenhauer entwarf eine Lehre, die in gleicher Weise sowohl die Ethik, die Metaphysik und die Ästhetik beinhaltet. Er selbst sah sich als ein Schüler und Vollender von Immanuel Kant, dessen Philosophie er als Vorbereitung seiner eigenen Lehre verstand. Weitere Anregungen bezog Schopenhauer aus der Ideenlehre Platons und aus den Vorstellungen der östlichen Philosophien[19].

Innerhalb der Philosophie des 19. Jahrhunderts entwickelte er eine eigene Position des subjektiven Idealismus und vertrat damit als einer der ersten Philosophen im deutschsprachigen Raum die Überzeugung, dass der Welt ein unvernünftiges Prinzip zugrunde liegt.

Schopenhauer verteidigt die Lüge, ähnlich wie die Gewalt, in einer absoluten Notwehrsituation; werde ich angegriffen oder versucht mir jemand seinen Willen aufzuzwingen oder mir auch schlechte Ware zu verkaufen, dann kann ich mich natürlich mit einer Notlüge dagegen zur Wehr setzen. Es stellt sich dann dabei allerdings die Frage, ob die Verwerflichkeit der Lüge nicht vielleicht damit im Zusammenhang der Frage zu sehen und zu verstehen, welcher Mensch nun wirklich das Recht auf die Wahrhaftigkeit der Mitmenschen hat.

Die heute gängigen Verfahren, „Ableitungen der Unrechtmäßigkeit der Lüge aus dem Sprachvermögen des Menschen“, hat Schopenhauer schon vor 150 Jahren als „platt, kindisch, und abgeschmackt“ bezeichnet.

Schopenhauer sagt ganz klar und unmissverständlich, dass nur die differenzierte Beurteilung der Lüge „den schreienden Widerspruch zwischen der Moral, die gelehrt, und der, die täglich, selbst von den Redlichsten und Besten, ausgeübt wird“ beseitigt (Privatdozent Dr. Klaus – Jürgen Grün lehrt am Institut für Philosophie und ist Leiter sowie Gründer des Philosophischen Kollegs für Führungskräfte).

Trotz seiner scharfen Kritik an der Lüge ist Schopenhauer weit davon entfernt, die Lüge in absolut jeder Situation als ein unzulässiges Tun zu erklären; ganz im Gegenteil, denn Schopenhauer erkannte durchaus ein Recht zur Lüge an; seine schlichte Begründung: Ich brauche niemandem, „der unbefugt in meine Privatsphäre späht“, Rede und Antwort zu stehen.

Wittgenstein sagt über Schopenhauer: „Schopenhauer, der sich selbst zwar nicht als Materialist verstand, aber gleichwohl die Stichworte für eine materialistische Sicht der Lüge gibt. Schopenhauer verstand es, ein Recht zur Lüge zu formulieren. Schopenhauer spürte, dass eine Verneinung der Lüge uns selber in unserem Dasein verneinen möchte.

Schopenhauers Erläuterung der berechtigten Lüge macht zweierlei deutlich:

- Zum einen, dass sich das Recht zur Lüge nicht alleine auf die Fälle beschränkt, in denen es um die Abwehr von direktem Zwang geht,
- zum anderen, dass nicht jede Lüge dem Motiv folgte, einen anderen gegen seinen Willen zu zwingen.

Aber das ist das Hauptmotiv der Lüge: Einen anderen Menschen gegen seinen Willen zu zwingen. So lässt sich das Motiv der Lüge in Schopenhauers Denkweise darstellen, die gleichwohl dem einzelnen Menschen, dem Individuum zuweilen das Recht gibt zu lügen“.

Ludwig Josef Johann Wittengenstein[20], ein österreichisch – britischer Philosoph sagt, dass „Schopenhauers Aussagen zur Lüge führen zu einer vollkommen eigenwilligen Vorstellung, zu einer einzigartigen Betrachtung in der Philosophiegeschichte, die er in einem Dialog aus den ‚Parerga und Paralipomena’ zum Ausdruck bringt: Er nennt dort die Religion ‚die Wahrheit im Gewande der Lüge’“.

„Die Wahrheit kann warten, denn sie hat ein langes Leben vor sich“.

„Jede Wahrheit durchläuft drei Stadien: Zuerst wird sie verhöhnt, danach wird sie gewaltsam bekämpft, zuletzt wird sie als selbstverständlich akzeptiert“.

Friedrich Nietzsche

Nietzsche sieht den christlichen Glauben in Europa in einem Niedergang begriffen – „Gott ist tot“. Die christliche Moral hebt sich (auch in seiner eigenen Philosophie) selbst auf, denn nach seiner Überzeugung würden auch alle bisher geglaubten Werte mit dem Glauben an einen Gott sich selbst entwerten. In der dekadenten (kulturellem Niedergang) Moderne enthüllt sich die christlich – abendländische Tradition als eine im Kern nihilistische, also eine Orientierung, die auf der Verneinung jeglicher Seins –, Erkenntnis –, Wert – und Gesellschaftsordnung basiert. Auf diesen nun bevorstehenden „europäischen Nihilismus“, in dem Nietzsche eine „Selbstverkleinerung des Menschen“ befürchtet, sucht er nun eine Antwort. Seine vor allem in „Also sprach Zarathustra“ gegebenen Hinweise auf neue Wertsetzungen („Wille zur Macht“, „Ewige Wiederkunft“, „Übermensch“, Wiederherstellung des Dionysoskults) bleiben dabei allerdings im direkten Vergleich unklar[21].

In seiner Spätzeit spitzt Nietzsche seine Kritik auf den Kern der christlichen Botschaft zu (Der Antichrist): Für ihn ist das Christentum eine barbarische Schwächung aller edlen Eigenschaften des Menschen.

Das Christentum hat mit Paulus von Anfang an eine lebensfeindliche Sklavenmoral gepredigt, so dass Nietzsche sich den Aufschwung zu einem höheren Menschsein nur als totales Abstreifen des abendländischen Christentums mit einer „Umwertung aller Werte“ vorstellen kann.

Die besondere Position Nietzsches lautet: „Wer nicht lügen kann, weiß nicht, was Wahrheit ist“ (Nietzsche: Also sprach Zarathustra). In seiner Schrift „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne“ von 1873 betrachtet er die Problematik der Wahrhaftigkeit anhand einer Genealogie (Wissenschaft der Herkunft) der Sprache: Da jedes Wort selbst eine Ungenauigkeit und damit eine Unwahrheit darstellt, kann die Sprache folglich auch kein Fundament der Wahrheit sein. Nietzsche weist im diesem Zusammenhang deutlich darauf hin, dass nach diesen Erkenntnissen der Gebrauch von Worten in konventioneller (traditionsgemäß, der Norm entsprechend) Weise keine Wahrheit enthält.

Da die Menschen aber gesellschaftliche Wesen sind und ihre Sprache darum auch traditionellen Mustern folgt, folgen muss, besteht Wahrhaftigkeit in der moralischen „Verpflichtung, nach einer festen Konvention zu lügen“. Um diesen Zustand zu überwinden, sollen die alten, kraftlosen Metaphern (bildliche Ausdrücke), jene „Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind“, (Nietzsche: „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne“) zerstört werden und durch eigene, kreative Schöpfungen ersetzt werden.

Nach Nietzsche ruhen alle priesterlichen und philosophisch – priesterlichen, Herrschaftsgebilde auf dem gegebenen Recht zu einer heiligen Lüge. Er bezeichnet deshalb eine Täuschung oder Verheimlichung der Wahrheit, auch in einer vermeintlich guten Absicht angewendet, als eine Volkstäuschung für religiöse Zwecke), wie sie sich nicht nur im Christentum, sondern bei Mohammed, also auch im Islam, bei Konfuzius oder auch bei Platon findet.

„Der Wille zum Schein, zur Illusion, zur Täuschung, zum Werden und Wechseln ist tiefer, 'metaphysischer' als der Wille zur Wahrheit, zur Wirklichkeit, zum Sein: die Lust ist ursprünglicher als der Schmerz“[22].

„Die Wahrheit zu sagen, ist die Ohnmacht zu lügen“, so Nietzsche.

Søren Kierkegaard

In seinen meist pseudonym (unter einem Decknamen) veröffentlichten Schriften zeigte er sich als engagierter Verfechter der Idee des Christentums gegen die Realität der Christenheit. Etwa ein Drittel seiner gedruckten Werke besteht im Weiteren aus veröffentlichten Predigten und religiösen Reden, die unter seinem eigenem Namen erschienen sind[23].

Kierkegaard wird auch häufig als der erste Existenzphilosoph und als geistiger Wegbereiter oder Begründer der Existenzphilosophie verstanden.

Das Leitmotiv seines Lebens, das nach seinem Verständnis für ihn bleiben wird, lässt sich in der Aussage „nicht Theorie und bloßes Wissen, sondern Tun und Leben, nicht teilnahmslose, neutrale Objektivität, sondern Einsatz und Entscheidung der Person“ bestimmen, das Leben zusammenfassen und ausdrücken.

In einer Notiz im Tagebuch vom 01.08.1835 schreibt er: „… Es kommt darauf an, meine Bestimmung zu verstehen, zu sehen, was Gott eigentlich will, dass ich tun soll; es gilt, eine Wahrheit zu finden, die Wahrheit ist für mich, die Idee zu finden, für die ich leben und sterben will“[24].

„Die Lüge ist jene Dichtung, die nicht aus dem Leben kommt. Man kann ein System des Denkens aufstellen, nicht aber ein System des Daseins“, so Kierkegaard.

„Je mehr Leute es sind, die eine Sache glauben, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Ansicht falsch ist. Menschen, die Recht haben, stehen meistens allein“.

Immanuel Kant

Immanuel Kant ist ein Vertreter der so genannten Pflichtethik („Einführung in die Theologische Ethik“ von Martin Honecker). Kant klassifizierte die Wahrheiten wie folgt:[25]

- Apriorische Wahrheiten: Wahrheiten, die von der Erfahrung unabhängig sind, wie zum Beispiel „2 + 2 = 4“, zu deren Begründung man keinerlei Erfahrung benötigt.
- Aposteriorische (empirische) Wahrheiten: Wahrheiten, die von der Erfahrung abhängig sind, als Beispiel: „die Erde dreht sich um die Sonne“, zu deren Begründung man Erfahrung benötigt.
- Analytische Wahrheiten: Wahrheiten, bei denen der Prädikatsbegriff im Subjektsbegriff enthalten ist, beispielsweise „alle Junggesellen sind unverheiratet“, zu deren Begründung man nur Bedeutungsregeln alleine benötigt.
- Synthetische Wahrheiten: Wahrheiten, bei denen der Prädikatsbegriff nicht im Subjektsbegriff enthalten ist, wie zum Beispiel „alle Junggesellen sind glücklich“, zu deren Begründung man nicht nur Bedeutungsregeln alleine benötigt.
- Notwendige Wahrheiten: Wahrheiten, deren Verneinung zu einem logischen Widerspruch führt, wie beispielsweise „alle Kreise sind rund“.
- Kontingente (oder zufällige) Wahrheiten: Wahrheiten, deren Verneinung zu keinem logischen Widerspruch führt, wie Aussagen „die Anzahl der Planeten ist gleich 9“.

Kant sagt konkret zu der Frage der Lüge: Man darf nicht lügen, da das eigene Handeln immer so sein muss, dass man daraus ein allgemein gültiges Gesetz schaffen könnte (Kategorischer Imperativ – gültig im Sinne von binden). Daraus lässt sich nun ableiteten: Lügt der Mensch, so nach dem Verständnis von, würde das zur Folge haben, dass alle Menschen nicht nur lügen dürften, sondern sogar müssten.

Im Blick auf die Moral, die Kant allein durch die Vernunft zu begründen versucht, billigt er der Religion jedoch eine mündige, Mensch sein fördernde Rolle zu; denn „es ist notwendig, dass unser ganzer Lebenswandel sittlichen Maximen (allgemeinen Lebensregeln) untergeordnet werde“, so Kant. Dabei benötigt die Eigenart des menschlichen Denkens eine „wirkende Ursache“, sowie einen „entsprechenden Ausgang, es sei in diesem, oder einem anderen Leben“ (Kant 1787).

„Ohne also einen Gott und eine für uns jetzt nicht sichtbare, aber gehoffte Welt, sind die herrlichen Ideen der Sittlichkeit zwar Gegenstände des Beifalls und der Bewunderung, aber nicht Triebfedern des Vorsatzes und der Ausübung“ (Kant 1787). Die Idee eines Gottes hat für Kant im Hinblick auf die Moral eine motivierende, nicht aber eine begründende Funktion. Gott ist für Kant in der Kritik der praktischen Vernunft ein notwendiges „Postulat“ (denknotwendige Voraussetzung) der Vernunft, ohne dass ihr deswegen auch objektive Realität zukommt.

Kants abstrakter, philosophischer Gottesbegriff ist jedoch nicht identisch mit den Vorstellungen eines beispielsweise persönlichen Gottes oder eines Gottes, der in die Welt eingreifen würde.

Die Moralgesetze und das gute Handeln in dieser Welt, gemeint sind nicht die übernatürliche Aspekte, sind für Kant der eigentliche und einzige Sinn und Zweck einer Religion. Diese Gesetze waren es, „deren innere praktische Notwendigkeit uns zu der Voraussetzung einer selbständigen Ursache, oder eines weisen Weltregierers führte, um jenen Gesetzen Effekt zu geben“ (KRV – Kritik der reinen Vernunft).

Der vorausgesetzte Gott darf daher nicht als ein neuer Gegenstand oder als ein reales Sein angesehen werden, von dem dann in der Umkehrung die moralischen Gesetze abgeleitet werden können. Das ist nach Kant „schwärmerisch oder wohl gar frevelhaft“, die „die letzten Zwecke der Vernunft verkehren und vereiteln“ (Kant, KRV26). In dieser fatalen (verhängnisvollen, folgendenschweren) Verdrehung der tatsächlichen Verhältnisse wird das Gottesbild vom Hilfsmittel zum eigentlichen Zweck und das gute Handeln zum bloßen Hilfsmittel der Gottesverehrung[26].

Die Religion kann nach Kant ihren Zweck in der Welt in Übereinstimmung mit der Vernunft nur dann erfüllen, wenn gilt (KRV 847): „Wir werden, soweit praktische Vernunft uns zu führen das Recht hat, Handlungen nicht darum für verbindlich halten, weil sie Gebote Gottes sind, sondern sie darum als göttliche Gebote ansehen, weil wir dazu innerlich verbindlich sind“.

Ebenso wandte er sich in einer scharfen Form gegen die verschiedenen Arten des religiösen Kultes; angesprochen sind hier beispielsweise die Gebete, die Beichten (die Ohrenbeichte, die Gemeindebeichte) oder auch die Gottesdienste. Die einzige Funktion einer Religion sah Kant in der Gewährleistung eines (durch Vernunft geprüften) moralischen Lebenswandels: „Alles, was, außer dem guten Lebenswandel, der Mensch noch tun zu können vermeint, um Gott wohlgefällig zu werden, ist bloßer Religionswahn und Afterdienst Gottes“.[27]

Es ist für Kant allerdings sehr erstaunlich, dass die biblisch Überlieferung bei ihrer Darstellung des ersten Verbrechens, das ja ursächlich dafür ist, dass das Böse überhaupt erst in die Welt gekommen ist, nicht vom Brudermorde (Kain ermordet Abel) berichtet, sondern sich vielmehr auf die erste Lüge (Sündenfall im Paradies: Adam und Eva) bezieht, und damit in der Folge die Lüge als den Urheber alles Bösen, implizit (einschließlich) des Lügners von Anfang an sieht, und sie/ihn deshalb auch als den Vater der Lügen bezeichnet; obwohl die Vernunft dem Hang des Menschen zur Gleisnerei (Unehrlichkeit, Scheinheiligkeit, falsches Versprechen, Vortäuschung, Lippenbekenntnis, Unaufrichtigkeit, Gemeinheit, Maskerade, Fälschung, Lüge, Verstellung), doch eindeutig voraus gegangen sein muss, sie dennoch keinen Grund weiter angeben kann, da ein Akt der Freiheit auch nicht (gleich einer physischen Wirkung) nach dem Naturgesetz des Zusammenhanges der Wirkung und ihrer Ursache, die insgesamt Erscheinungen sind, deduziert, ergo das Besondere aus dem Allgemeinen abgeleitet und erklärt werden kann, so Immanuel Kant in der Metaphysik der Sitten von 1797.

Deutlich wird aber auch, dass Kant die Lüge durchaus als etwas sehr Verwerfliches angesehen hat. „Die Lüge (...) ist der eigentliche faule Fleck in der menschlichen Natur“ (Immanuel Kant: AA VIII, Seite 422 – Verkündigung des nahen Abschlusses eines Traktats zum ewigen Frieden in der Philosophie).

Das Lügenverbot ist eigentlich notwendig, da Wahrhaftigkeit eine Bedingung der Selbstverpflichtung ist und daher Bestandteil der Rechtsquelle zugeordnet werden muss: „Sie (Die Lüge) schadet jederzeit einem Anderen, wenn gleich nicht einem andern Menschen, doch der Menschheit überhaupt, indem sie die Rechtsquelle unbrauchbar macht“ (Immanuel Kant: AA VIII, Seite 426 – Über ein vermeintes Recht, aus Menschenliebe zu lügen).

Wer lügt, verwendet folglich ganz bewusst die Sprache gegen die Intention (Absicht, Bestreben) von Sprachlichkeit: „(...) die Mitteilung seiner Gedanken an jemanden durch Worte, die doch das Gegenteil von dem (absichtlich) enthalten, was der Sprechende dabei denkt, ist ein der natürlichen Zweckmäßigkeit seines Vermögens der Mitteilung seiner Gedanken gerade entgegen gesetzter Zweck, mithin Verzichtung auf seine Persönlichkeit und eine bloß täuschende Erscheinung vom Menschen, nicht der Mensch selbst“, so Kant in diesem Zusammenhang.[28]

„Die Lüge ist Wegwerfung und gleichsam Vernichtung seiner Menschenwürde. Ein Mensch, der selbst nicht glaubt, was er einem Anderen sagt, hat einen noch geringeren Wert, als wenn er bloß Sache wäre“.[29]

Daraus folgt dann aber, dass es in keinem denkbaren Fall einer Anwendung eine Ausnahme geben kann: Wenn es ein das Lügenverbot gibt, dann gilt es auch in jedem Fall. Allerdings besitzt der Mensch eine natürliche Neigung zur Lüge: „Die Lüge (...) ist der eigentliche faule Fleck in der menschlichen Natur.“ (Immanuel Kant: AA VIII, 422, Kant, Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1900ff, AA VIII, 422 / Verkündigung des nahen Abschlusses eines Traktats zum ewigen Frieden in der Philosophie.) Das Lügenverbot gilt, da Wahrhaftigkeit eine Bedingung des Selbstverpflichtung ist und daher Bestandteil der Rechtsquelle: „(Die Lüge) schadet jederzeit einem Anderen, wenn gleich nicht einem andern Menschen, doch der Menschheit überhaupt, indem sie die Rechtsquelle unbrauchbar macht.“ (Immanuel Kant: AA VIII, 426, Kant, Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1900ff, AA VIII, 426 / Über ein vermeintes Recht, aus Menschenliebe zu lügen.) Selbst eine Lüge, die keinem Betroffenen unmittelbar schadet oder in der konkreten Situation einen Vorteil verschafft, ist also verboten, da sie immer die Menschheit im Allgemeinen schädigt.

Martin Heidegger

Martin Heidegger ersetzt die Evidenztheorie durch die Theorie der Wahrheit, die sich von dem griechischen Begriff aletheia (von den griechischen Bedeutungen a = nicht und lethein = verbergen) ableitet; das wiederum heißt nun für Heidegger, dass die Wahrheit als eine Unverborgenheit, Unverdecktheit, als das Entdeckte verstanden zu verstehen ist. Heidegger geht davon aus, mit diesen Überlegungen und Theorien den ursprünglichen voraristotelischen Wahrheitsbegriff der Griechen wiederentdeckt zu haben[30].

Er steht damit in der Tradition der Phänomenologie (vor allem seines Lehrers Edmund Husserl, dessen Nachfolger er auch war), der Lebensphilosophie (besonders Wilhelm Diltheys[31] ), sowie der Existenzdeutung Søren Kierkegaards.

Die hauptsächlichen Bemühungen Heideggers waren die Kritik an der abendländischen Philosophie und die Entwicklung einer neuen Auffassung im Bezug auf den Menschen und der Welt.

1927 entstand sein erstes Hauptwerk mit dem Titel „Sein und Zeit“, das die philosophische Richtung der Fundamentalontologie (Kompromissloses Festhalten an der Lehre des Seins) begründete.

Ab Mitte 1930 begann Heidegger mit einer Gesamtinterpretation der abendländischen Philosophiegeschichte. Dafür untersuchte er die Werke bedeutender Philosophen unter phänomenologischen (Lehre von den Erscheinungen), hermeneutischen (die Kunst der Auslegung und Deutung von Texten) und ontologischen Gesichtspunkten (Lehre vom Sein und den allgemeinen Prinzipen des Seins) und versuchte so, deren „unbedachte“ Voraussetzungen und Vorurteile freizulegen. Alle bisherigen philosophischen Entwürfe stellten nach Heidegger Verständnis nur eine einseitige Auffassung der Welt – eine Einseitigkeit in sich dar, die er als ein Merkmal jeder Metaphysik (Überlegungen und Thesen jenseits der Erfahrungswelt liegend, ein Teilgebiet der Philosophie) ansah.

Diese metaphysische Weltauffassung gipfelte aus Heideggers Sicht dann in der modernen Technik. Mit diesem Begriff verband er nicht allein, wie sonst üblich, ein neutrales Mittel um bestimmte Zwecke zu erreichen, sondern er versuchte damit klarzumachen, dass sich mit der Technik auch eine veränderte Auffassung der Welt verbindet. So wundert es nicht, wenn nach Heidegger die Erde durch die Technik vornehmlich unter dem Gesichtspunkt der Nutzbarmachung in das Blickfeld gebracht wird.

Wegen ihrer globalen Verbreitung und der damit verbundenen schonungslosen „Vernutzung“ natürlicher Ressourcen (Reserven), sah Heidegger in der Technik als eine unabweisbare Gefahr.

Bei ihm ist der Tod, biblisch gesehen, nicht der der Sünde Sold.

Aristoteles

Aristoteles hat zahlreiche Disziplinen entweder selbst begründet oder maßgeblich beeinflusst, dazu zählen unter anderem auch die Wissenschaftstheorie, die Logik, die Biologie, die Physik, die Ethik, die Dichtungstheorie und auch die Staatslehre. Aus seinem eigenen Gedankengut entwickelte sich dann im Laufe der Zeit der Aristotelismus[32].

Die verschiedenen Wahrheitstheorien unterscheiden sich unter anderem danach, welchen Stellenwert sie dem Äquivalenzschema beimessen.

Dieses Schema besagt: Wenn man von einer Aussage, nennen wir sie sondern vielmehr die Eigengesetzlichkeit des menschlichen Geisteslebens zu verstehen suchte.

„p“, behauptet, sie sei wahr, dann ist die auf diese Weise gebildete Aussage genau dann wahr, wenn die Ausgangsaussage wahr ist.

Ein Beispiel dazu:

„Mein Wunsch ist wahr geworden“! Was behauptet man, wenn man behauptet „Mein Wunsch ist wahr geworden“. Ein Wunsch hat eine Struktur – „W“ genannt, und symbolisiert den Wunsch „p“ genannt. Es besteht der propositionale Gehalt (im gleichen Verhältnis) p = Satz, was dann in der Folge heißt, dass der Inhalt des Wunsches, in der Proposition/Aussage ... dem Denken in der Welt entspricht und der proportionale Gehalt des Satzes wahr ist; das heißt weiter, dass sich sozusagen das Verhältnis zu „p“ ändert und sich im Bezug auf „p“ nicht mehr im intentionalen Zustand des Wünschens befindet, sondern des Für – wahr – haltens, beziehungsweise des Überzeugung – Habens, kurz Ü = p.

Das bedeutet wiederum, dass der Mensch sich nun nicht mehr „p“ wünscht, sondern davon überzeugt ist, dass „p“ eine wahre Proposition ist. Mein Wunsch hat sich dann in diesem Sinne erfüllt, was in der Folgung aber nichts über die „wahre Erfüllung“ des Wunsches aussagt.

Dieses Schema findet sich bereits bei Platon und wird bei Aristoteles wie folgt formuliert: Zu sagen nämlich, das Seiende sei nicht oder das Nicht – Seiende sei, ist falsch, dagegen zu sagen, das Seiende sei und das Nicht – Seiende sei nicht, ist wahr. (Aristoteles, Metaphysik 1011 b 26ff.).

Das heißt konkret, dass falsch eine Aussage ist, welche von dem Seiendem aussagt, es sei nicht, oder von Nicht – Seiendem, es sei. Wahr dagegen ist die Aussage, die von dem Seiendem aussagt, dass es ist, und von Nicht – Seiendem, dass es nicht ist. Wahres oder Falsches aussagen heißt damit immer Sein oder Nichtsein aussagen, wobei sich das immer auf Seiendes oder Nicht – Seiendes bezieht.

Aristoteles formuliert seine Gedanken so: Zu sagen, dass das Seiende nicht sei oder das Nicht – Seiende sei, das ist falsch; dagegen zu sagen, das Seiende sei und das Nicht – Seiende sei nicht, das ist wahr. Im Blick auf die Lüge sagt er: „Einen Fehler durch eine Lüge zu verdecken heißt, einen Flecken durch ein Loch zu ersetzen“.

Auch aus seiner Sicht ist die Lüge an sich schon schlecht und absolut tadelnswert, wobei dazu im Gegensatz die Wahrheit gut und lobenswert ist. Daraus ergibt sich dann in der Folgerung, dass auch der Wahrhaftige, der die Mitte hält, lobenswert ist; die Menschen, die mit Lügen umgehen, verdienen den Tadel; allerdings differenziert er dabei, indem er sagt, dass der Prahler in einem höherem Maße davon betroffen ist.

Eine Einzelbetrachtung der beiden Typen (dem Wahrhaftigen und dem Prahler) konstatiert er wie folgt: Es hat zunächst aber wohlgemerkt jetzt nichts mit dem zu tun, was Verträge betrifft oder überhaupt mit Dingen, die Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit betreffen; der Wahrheitsliebende, der Mensch, der auch dann schon, wenn es auf nichts ankommt, die Wahrheit sagt, wird dieses dann um so eher tun, wenn es auf etwas ankommt. Dieser Mensch wird sich vor der Lüge als einer Unsittlichkeit hüten, weil er die Lüge als solche schon verabscheut.

Nach Aristoteles ist ein solcher Mann des Lobes würdig. Er weicht von der Wahrheit (wenn sie nicht ganz feststeht) lieber nach Seiten des Zuwenig ab, denn dieses Tun scheint ihm passender zu sein, da ihm Übertreibungen grundsätzlich widerwärtig sind.

Wer sich ohne besondere Absicht größer macht als er ist, gleicht zwar etwas einem schlechten Manne, weil er sonst nicht gern lügt, ist aber aus der Sicht von Aristoteles wohl eher mehr ein leerer und eitler, als ein böser Mensch. Geschieht dieses Tun aber mit Absicht, dann ist er, wenn diese Absicht auf Ehre und Ansehen ausgerichtet ist, wie der Prahler nicht allzu sehr zu tadeln; ist diese Absicht aber auf Geld und Geldeswert gerichtet, so zeigt er sich in einem hässlicheren Licht.

Die Prahlerei liegt aber nicht in dem Vermögen zu prahlen, sondern in einem freien Willen begründet. Ein Prahler ist auf Grund eines Habitus (äußere Erscheinung, Gestalt und Erscheinung eines Menschen) ein Prahler, weil er dementsprechend beschaffen ist, ebenso, wie es auch ein richtiger Lügner ist, da er selbst am Lügen Freude hat; im Gegensatz dazu lügt ein Anderer um des Ansehens oder des Gewinns willen. Die Menschen die also prahlen, um sich ein entsprechendes Ansehen zu geben, schreiben sich durch dieses Tun Eigenschaften zu, auf Grund derer sie dann gelobt oder glücklich gepriesen werden, gepriesen werden wollen. Menschen, die das wegen eines Gewinnes tun, schreiben sich Eigenschaften zu, von denen zum Einen ihre Mitmenschen einen Vorteil haben, und zum Anderen deren Nichtvorhandensein sich auf diese Weise damit verbergen lassen; so geben sie sich beispielsweise als kluge Wahrsager oder Ärzte aus, tun sich damit groß, weil meistens gerade bei diesen Menschen diese Eigenschaften vermutet werden, und die genannten Bedingungen zutreffen.[33]

Sokrates

Die herausragende Bedeutung von Sokrates zeigt sich unter anderem darin, dass alle griechischen Denker vor ihm als „Vorsokratiker“ bezeichnet werden. Sokrates entwickelte die philosophische Methode eines strukturierten Dialogs, die er Mäeutik (Maieutik, von altgriechisch μαιευτική maieutikē abgeleitet – „Hebammenkunst“, bezeichnete Sokrates in Anspielung auf den Beruf seiner Mutter seine Kunst der Gesprächsführung. Platon legte seine Philosophie ganz überwiegend in der literarischen Form Sokratischer Gespräche nieder.) nannte[34].

Diese Kunst der Gesprächsführung und ihre philosophischen Inhalte wurden nur indirekt überliefert, da Sokrates selbst nichts Schriftliches hinterlassen hat. Mehrere seiner Schüler (siehe „fiktives – angenommenes – Gespräch“ bei Platon), der berühmteste unter ihnen war Platon, haben sokratische Dialoge verfasst und dabei die unterschiedlichen Züge seiner Lehre betont. Die unbeugsame Haltung von Sokrates wegen seines angeblich verderblichen Einflusses auf die Jugend und Missachtung der griechischen Götter in dem gegen ihn geführten Prozess, hat wesentlich zu seinem Nachruhm beigetragen.

Das Todesurteil nahm er als gültiges Fehlurteil gelassen hin; bis zur Hinrichtung durch den Schierlingsbecher beschäftigten ihn und die Freunde und Schüler, die ihn im Gefängnis besuchten, philosophische Fragen.

Nahezu alle bedeutenden philosophischen Schulen der Antike haben sich auf Sokrates berufen. Michel de Montaigne[35] nannte ihn im 16. Jahrhundert den „Meister aller Meister“ (Zitat nach Kaufmann) und Karl Jaspers schrieb: „Sokrates vor Augen zu haben, ist eine der unerlässlichen Voraussetzungen unseres Philosophierens“ (Zitat nach Kaufmann).

Sokrates war einer der ersten Denker, die ein „Kommunikationsmodell” entwickelt haben: Die drei Siebe (Fragen). Durch diese Siebe (Fragen, die man sich selbst stellt) sollte ein Gedanke erst hindurch fallen, bevor man ihn ausspricht.

Folgt man Sokrates, dann darf man folglich nie lügen! So sagte er beispielsweise im Blick auf die Lüge: „Dem, der ständig lügt, wird man (auch) die Wahrheit nicht glauben“.

Platon

Er war ein Schüler des Sokrates, dessen Denken und Methode er in vielen seiner Werke schilderte. Die Vielseitigkeit seiner Begabungen und die Originalität seiner wegweisenden Leistungen als Denker und Schriftsteller machten Platon zu einer der bekanntesten und einflussreichsten Persönlichkeiten der Geistesgeschichte. In der Metaphysik und Erkenntnistheorie, in der Ethik, der Anthropologie griechisch: ἀνθρωπολογία – anthropología, „die Menschen – kunde“, von ἄνθρωπος – ánthropos „der Mensch“, ist die Disziplin der Philosophie, die sich mit dem Wesen des Menschen befasst), der Staatstheorie, der Kosmologie, der Kunsttheorie und der Sprachphilosophie setzte er Maßstäbe auch für diejenigen, die ihm – wie sein Schüler Aristoteles – in zentralen Fragen widersprachen[36].

Platon resümiert, dass die Lüge in gewissem Sinn höher einzustufen sei als die wahrheitstreue Rede: Der Lügner bedarf eines besseren Gedächtnisses, einer stärkeren Vorstellungskraft und gewiss einer höheren Intelligenz und Phantasie als derjenige, der nur das von sich gibt, was er wahrheitsgemäß erlebt hat. Der Lügner muss seine Lügen zusammenhängend und widerspruchsfrei halten, er nicht entdeckt werden will.

Ein fiktives Gespräch[37] zwischen Sokrates und Platon über die Lüge:

Sokrates: „Nun, mein Lehrling, erzähle mir über die Lüge. Die Lüge deines Lebens. Die Lüge, dass ich klug bin. Die Lüge, dass du klug bist.“

Platon: „Mein Meister Sokrates. Ich hege keinesfalls Zweifel daran, dass ihr selbst eine Lüge seid. Seid ihr der, wofür ihr euch ausgebt? Oder ist euer Bart, eure äußere Hülle bloß eine Lüge?“

Sokrates: „Nun, mein Schüler, ihr sprecht wahre Worte. Doch was sind Lügen? Lügen die Schauspieler nicht auch auf der Bühne? Lügen sie sich nicht einen Charakter, den sie gar nicht haben?“

Platon: „Meister Sokrates, ihr definiert die Lüge als etwas positives, dass uns umgibt“.

Sokrates: Ich habe sie keinesfalls als etwas Positives definiert.

Platon: „Dann war das meine Interpretation. Doch wenn ihr mir die simple, oberflächliche Frage stellt, ich solle euch über die Lüge erzählen, dann erzähle ich euch folgendes:

Die Lüge stellt die Wahrheit in Frage, wetteifert mit ihr, verliert aber immer wieder. Wer hat denn noch nie gelogen? Eine Lüge ist eine Verdrehung der Tatsachen, so wie es die entsprechende Person gerne haben würde. Wer sagt, er log aus Not, der mag wohl recht gehandelt haben und auf sein Herz gehört haben, aber die Folgen sind dennoch fatal. Es ist meiner Meinung nach immer richtig die Wahrheit zu sagen, anstatt sich hinter etwas falschem zu verstecken und jemanden damit tief zu verletzen. Dies ist meine Auffassung über die Lüge, Meister“.

Sokrates: „Das war gut, mein Schüler, wenngleich ich Eure Auffassung nicht teilen kann. Ich finde die Lüge gut. Sie umgibt uns und ohne zu lügen, wäre ich nie das, was ich jetzt bin“.

Ernst Bloch (eigentlich Ernst Simon Bloch),

„Wer leben will, muss sich irgendwie stets belügen. Es gibt keinen Menschen, der ohne die wohltätigen Folgen des Träumens auch nur einen Schritt gehen könnte oder gar imstande wäre, sich zu seiner Tagesarbeit zu erheben“ (Bloch: GU: 55)[38].

„Die Fälschung unterscheidet sich vom Original dadurch, dass sie echter aussieht“, sagt Ernst Bloch im Rahmen einer Ausstellung unter dem Titel „Wahre Lügen Original und Fälschung im Dialog“ (17. – 22. Juni 2008).

Albert Camus,

Die Camus’sche Philosophie wird in Abgrenzung zum Existentialismus oft mit dem Titel „Philosophie des Absurden“ gekennzeichnet, beziehungsweise beschrieben[39].

„Die Wahrheit, die das Licht, blendet. Die Lüge dagegen ist ein schöner Sonnenuntergang, der alle Dinge verschönert“, sagt Albert Camus. „Ich habe nie an die Macht der Wahrheit an sich geglaubt. Aber es ist schon viel, wenn man weiß, dass bei gleichen Kräfteverhältnissen die Wahrheit stärker ist als die Lüge“, so Camus an anderer Stelle.

„Aber es ist schon viel, wenn man weiß, dass bei gleichen Kräfteverhältnissen die Wahrheit stärker ist als die Lüge“.

Peter Möller,

Er war nach seiner eigenen Darstellung in seiner Kindheit ein Christ; in seiner Jugendzeit Kommunist hat er sich am Kommunismus orientiert und ist nun seit Anfang seiner 30 iger Jahre ein Sozialdemokrat. Heute schätzt er sich als einen so individualistisch und selbst denkenden Menschen ein, der mit seinen teilweise so ungewöhnlichen Auffassungen, nicht mehr in die „klassischen“ Schubladen passt[40].

In „Meiner Philosophie“ stellt er die These auf, dass das Sein aus verschiedenen, sich einander ausschließenden Wirklichkeiten bestehen könnte. Aber im Unterschied zur Kohärenztheorie versucht er den Bezug zu der von ihm unabhängigen Realität zu behalten. Diese Realität erscheint wider –sprüchlich und dialektisch.

Der Neuthomismus

In der neueren Philosophie wird die Korrespondenztheorie vor allem vom Neuthomismus (Emerich Coreth, Karl Rahner, Johannes Baptist Lotz) vertreten. Wahrheit wird dort generell als eine Übereinstimmungs – beziehungsweise Angleichungsbeziehung zwischen dem Wissen eines erkennenden Subjekts und einem Seienden verstanden, auf das sich dieses Wissen bezieht. Coreth definiert Wahrheit in typischer Formulierung als „Übereinstimmung zwischen dem Wissen und dem Seienden“[41]. Den Hintergrund bildet die Auffassung von einer grundsätzlichen Identität von Sein und Wissen: „Sein ist ursprünglich und eigentlich Sich – Wissen, wissendes Bei – sich – Sein im geistigen Vollzug“[42].

In der Neuscholastik wird der Neuthomismus als der eigentliche Kern bezeichnet. Unter dem Neuthomismus versteht man eine „Philosophie nach Kant“, die eine Metaphysik im Sinne Thomas von Aquins neu begründet. Der Weg zur Seinsmetaphysik führt insbesondere über das Argument der Retorsion und die Urbejahung (Affirmation absolue) des Seins, die in jeder urteilenden Aussage hintergründig gesetzt wird. Auf diese Weise werden die Problemebene Thomas von Aquins und die damit verbundenen Fragen, so wie die nach Identität und Differenz der Seienden im Sein, sowie die Frage nach dem absoluten Sein wiedergewonnen und in ihren Antworten weiter entfaltet; siehe auch Thomas von Aquin: „De ente et essentia“, ins Deutsche übersetzt: „Über das Seiende und das Wesen“.

Eine Richtung des Neuthomismus stellt die Quellenforschung der großen Theologen Meister Eckhart[43], Albertus Magnus[44] und Thomas von Aquin dar.

Die Bewegung des Neuthomismus war in Frankreich und Belgien am stärksten entwickelt. Die Enzyklika Aeterni Patris von Papst Leo XIII. vom 4. August 1879 gab dem Neuthomismus starke Impulse.

Mitbegründet wurde diese „Denkschule“ von Joseph Maréchal[45] (1878 – 1944); zu den bekanntesten Vertretern des Neuthomismus der Gegenwart gehören Jacques Maritain[46], Étienne Gilson[47], Erich Przywara[48], Mystik; Eckhart selbst als Mystiker zu bezeichnen ist umstritten.

Johannes Baptist Lotz[49], Walter Brugger[50], Karl Rahner[51], Bernard Lonergan[52] und Emerich Coreth[53].

Der Neuthomismus unterscheidet sich vom Thomismus im engeren Sinne, wie er etwa von den großen Dominikanerthomisten, Réginald Garrigou – Lagrange[54], Santiago Ramirez[55] unter anderem vertreten wird.

Zitate zur Wahrheit

Aus der riesigen Menge von Zitaten zur Wahrheit habe ich die herausgesucht, die mir am Besten gefallen haben:

„In vinum veritas. Im Wein liegt die Wahrheit. Und mit beidem stößt man an“.[56]

Max Frisch: „Man sollte dem Anderen die Wahrheit wie einen Mantel hinhalten, dass er hineinschlüpfen kann, und sie ihm nicht wie einen nassen Lappen um die Ohren schlagen“.

André Gilde: „Glaube denen, die die Wahrheit suchen. Und zweifle an denen, die sie gefunden haben“.

Lessing: „Nicht die Wahrheit, in deren Besitz irgendein Mensch ist oder zu sein vermeinet, sondern die aufrichtige Mühe, die er angewandt hat, hinter die Wahrheit zu kommen, macht den Wert des Menschen“.

Popper: „Ich mag unrecht haben und Du magst recht haben; und wenn wir uns bemühen, dann können wir zusammen vielleicht der Wahrheit etwas näher kommen“.

George Bernard Shaw: „Wenn etwas witzig ist, untersuche es sorgfältig auf die verborgene Wahrheit“.

Zhuang Zhou: „Es ist derjenige am weitesten von der Wahrheit entfernt, der auf alles eine Antwort hat“.

Mark Twain (1835 – 1910): Eine Lüge ist bereits dreimal um die Erde gelaufen, bevor sich die Wahrheit die Schuhe anzieht.

Russland: „Aus dem Munde eines Kindes spricht die Wahrheit“.

Deutschland: „Das Gerücht ist immer größer als die Wahrheit“.

Japan: „Der Scherz ist das Loch, aus dem die Wahrheit pfeift“.

Deutschland: „Die Wahrheit von heute ist die Lüge von morgen“.

Georgien: „Die Wahrheit wird im Streit geboren“.

Lateinisches Sprichwort nach Plinius dem Älteren: „Im Wein steckt die Wahrheit!“ Naturgeschichte XIV, 50, 141 und Alkäus von Mytilene, Fragment

Niederlanden: „In Spott und Spiel sagt man oft die Wahrheit“.

Deutschland: „Kinder und Narren sagen immer die Wahrheit“.

Deutschland: „Zum Begräbnis der Wahrheit gehören viele Schaufeln“.

Frankreich: „Nur die Wahrheit kann verletzen“.

Dänemark: „Wahrheit ist immer obdachlos“.

Georgien: „Wer die Wahrheit sagt, sollte sein Pferd gesattelt lassen“.

Polen: „Wer fragt, sucht die Wahrheit“.

Otto von Bismarck: „Die Wahrheit hat es gegen die Lüge immer schwer, wenn die Öffentlichkeit die Lüge glauben will“.[57]

Andreas von Rétyi: Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd“.[58]

Kapitel 2

Wahrheit und Wahrheitstheorien

Die Wahrheit

(westgermanisch wâra, das wie lateinisch verus zuindogermanisch uêro gehört; griechisch Aletheia; lateinisch veritas, wirklicher Sachverhalt) ist einer der wichtigsten philosophischen Grundbegriffe.

Die Frage nach der Wahrheit gehört zu den zentralen Problemen der Philosophie und wurde von den verschiedensten philosophischen Schulen und Denkern auch sehr unterschiedlich beantwortet und gesehen.

Dabei sind aber ganz grundsätzlich zwei Fragenkreise, zum einen die Fragen nach dem Begriff von Wahrheit (Wahrheitsdefinition/en), sowie auch die Fragestellung nach deren Kriterium zu unterscheiden, denn die Wahrheitsdiskussion stellt die unterschiedlichsten Fragen aus den ebenso unterschiedlichen Blickwinkeln:

1. Was verstehen wir unter „Wahrheit“?
2. Was ist „wahr“?

Hier geht es primät um begriffliche und definitorische Antworten.

Was ist wahr? Folgeüberlegungen dazu lauten dann beispielsweise so:

- Wie und nach welchen möglichen Kriterien kann Wahrheit denn überhaupt festgestellt werden?
- Wovon, von welchen „Tatsachen“ kann denn gesagt werden, dass sie wahr sind?

Bei diesem Gedankengang geht es im Kern um metaphysische, semantische und erkenntnistheoretische Überlegungen einerseits, Belange und um Rechtfertigung als Wahrheitsträger andererseits.

Gerade auf den letzten Gedanken bezogen, dem Wahrheitsträger, gibt es viele unterschiedliche Meinungen, Standpunkte und Antworten. Als mögliche Wahrheitsträger kommen dann beispielsweise fundierte Urteile in jeglicher Form, also sozial, zwischenmenschlich, ebenso wie auch juristisch Urteile, die Behauptungen aller möglichen Denker, alle möglichen Theorien und ihre Ansätze, die noch so unterschiedlichen Denkakte, Äußerungen in jeglicher Form, Sätze, Satztypen, Satzinhalte und Sprechakte in Frage.

An dieser Stelle klammere ich die Verwendung von Ausdrücken wie „ein wahrer Freund“ und die damit verbundenen, unterschiedlichsten Freundschaftssprüche oder auch Sätze aus der Dichtung[59] wie „Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheueren Ungeziefer verwandelt“ aus.

Es ist bei diesen Überlegungen auch nicht von Bedeutung, in welcher Sprache der Satz abgefasst und ob er tatsächlich so gesprochen wurde. Es ist auch nicht wichtig, ob die Wahrheit an dieser Stelle vielleicht genauer mit der in diesem Satz geäußerten Idee oder einem ihm zugrunde liegenden Gedanken (in der philosophischen Diskussion auch Proposition genannt) kooperiert.

Es soll an und ab dieser Stelle aber ausdrücklich nicht ausgedrückt werden, dass diese Überlegungen, auf welche Kerngedanken nun wirklich die Attribute „wahr“ oder „falsch“ zugesprochen können oder sollen unwichtig sind, sondern es soll lediglich deutlicht werden, dass ein weiteres Eingehen auf diese Frage deutlich zu weit führen und den eigentlichen Rahmen sprengen würde.

Bereits bei der Frage nach dem Begriff der Wahrheit ist es schon möglich, in einem ersten alltagssprachlichen Zugang den Begriff „Wahrheit“ in seiner Bedeutung grundsätzlich von dem Terminus Falschheit in seiner spezifischen Bedeutung, also der Lüge oder auch einem Irrtum ganz klar abzugrenzen. Rein von der Grammatik her gesehen lassen sich dabei sowohl ein substantivischer („Ich sage die Wahrheit“.), wie auch ein attributiver („Das ist wahre Kunst“.) und ein prädikativer Sinn („Es ist wahr, dass es heute regnet“.) bei den Wörtern „wahr“ und „Wahrheit“ in ihrer Unterscheidung zuordnen.

In der Aussagenlogik ist jeder dieser Aussagen ganz eindeutig einem Wahrheitswert zugeordnet. Bei den zusammengesetzten Aussagen kann diese Aussagelogik nach den formalen Regeln aus den Wahrheitswerten der Teilaussagen unzweifelhaft eruiert werden. In der zweiwertigen Aussagenlogik gibt es deshalb auch die beiden Wahrheitswerte „wahr“ und „falsch“.

Der Begriff „Wahrheit – Definition

Unter Wahrheit (englisch truth, französisch vérité, griechisch aletheia, lateinisch veritas), versteht man nach einer Definition die Übereinstimmung einer Aussage oder eines Gedankens mit der Wirklichkeit oder auch einem durch Konventionen und Normierung festgelegten Regelwerk, etwa dem, wie in der Mathematik („zwei und zwei ist vier”). Grundsätzlich aber wird als wahr alles das angesehen, das dem Satz „Diese Aussage ist falsch” widerspricht; danach ist ein Satz oder auch ein Gedanke immer dann wahr, wenn er einen Sachverhalt formuliert, der auch tatsächlich besteht. Diese Auffassung von Wahrheit wird auch als Korrespondenztheorie der Wahrheit bezeichnet. Der Wahrheitsbegriff der Korrespondenztheorie entspricht damit auch dem alltagssprachlichen Verständnis von Wahrheit[60].

Eine klassische Definition der Wahrheit:

Lexikon der Philosophie Eine große Rolle spielen die Korrespondenztheorien (von den lateinischen Termini co = mit und respondere, antworten) oder Übereinstimmungstheorien der Wahrheit, nach welchen etwas wahr ist, wenn es dem entspricht oder mit dem übereinstimmt, von dem es ausgesagt wird. Das bezeichnet man bisweilen auch die klassische Definition der Wahrheit.

Aspekte der Wahrheit:

Wahrheit lässt sich auffassen als

- die Übereinstimmung von Aussagen mit Realitäten,
- die auf ein Handlungsziel bezogene verantwortete Interpretation von Realitäten,
- die Wahrhaftigkeit im zwischenmenschlichen Umgang.

Alle drei Aspekte entwickeln allerdings eine Vielzahl an Fragestellungen, mit denen sich auch die verschiedensten wissenschaftlichen Fachbereiche, wie beispielsweise die Philosophie, die Logik oder auch die Mathematik im Einzelnen beschäftigen. Wahrheitskriterien:[61]

Im Fokus der philosophischen Wahrheitstheorien steht zunächst die Suche nach hinreichenden Wahrheitskriterien. Dabei geht es primär um die Frage, aufgrund welcher Dispositionen wahre und falsche Aussagen tatsächlich unterschieden werden können. Dabei kommen folgende Kriterien in Betracht:

- Die Übereinstimmung (Konsens) einer Gemeinschaft (von Experten oder auch von Laien), die darüber entscheidet, was in dieser Gemeinschaft jeweils für wahr und falsch gehalten wird.
- Die praktische Nützlichkeit einer als wahr behaupteten Ansicht. Danach ist eine Aussage über einen Sachverhalt wahr, wenn die Annahme sich im Umgang mit diesem Sachverhalt als erfolgreich erweist. Nützlich, gut und wahr werden somit zu synonymen Begriffen, eine Position, die etwa die Tugendlehre des Sokrates bestimmte. Heute wird diese Position vor allem von der Philosophie des Utilitarismus vertreten.
- Der innere Zusammenhang (Kohärenz) eines Gesamtsystems von Aussagen. Eine einzelne Aussage, die ein Element im Zusammenhang mehrerer Aussagen darstellt, ist demnach wahr, sofern sie mit anderen Elementen zusammenstimmt und sich widerspruchslos in das Gesamtsystem der Aussagen einfügt.
- Die intuitive Evidenz einer Aussage (siehe Intuition).

Danach ist die Wahrheit einer Aussage schlicht darin begründet, dass sie dem gesunden Menschenverstand unmittelbar einleuchtet und plausibel ist (Common sense). Eine solche Evidenz wird vor allem bei Aussagen über unmittelbar wahrnehmbare Ereignisse (so genannte Beobachtungssätze), sowie bei mathematischen Grundsätzen (siehe Axiomen) und Schlussfolgerungen in Anspruch genommen.

Die Erkenntnistheorie:

Die Erkenntnistheorie untersucht die Quellen und Kriterien der Erkenntnis, die möglichen Arten der Erkenntnis und ihren jeweiligen Gewissheitsgrad sowie die genaue Beziehung zwischen dem Erkennenden und dem Erkannten, dem Menschen und dem Gegenstand.[62]

Von Kants drei Hauptfragen der Philosophie

„1. Was kann ich wissen?
2. Was soll ich tun?
3. Was darf ich hoffen?”

behandelt die Erkenntnistheorie die erste Hauptfrage. Da für Philosophen in der Regel die Ausrichtung auf Wahrheit das höchste Gebot darstellt, ist der erkenntnistheoretische Ansatz jeder philosophischen Schule auch grundlegend. Er beschäftigt sich mit der Fragestellung, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit eine Aussage oder eine Theorie als „wahr” gelten kann. Gibt es hierüber keine Gewissheit, dürfen auch Aussagen aus der Ethik, der politischen Philosophie, der Ästhetik oder anderen Bereichen der Philosophie keine Geltung beanspruchen.

In den Wahrheitstheorien wird deshalb in der Regel auch der prädikative Gebrauch der Termini deutlich hinterfragt und untersucht. Gelegentlich wird die Lehre von der Wahrheit auch als Alethiologie bezeichnet. Für die Unterscheidung der Theorien sind dabei in der Lehre von der Wahrheit neben ihren Aussagen über die Wahrheit auch die Aussagen über die jeweils akzeptierten Wahrheitskriterien ganz wesentlich. Das Wahrheitskriterium ist dabei ein besonderes Kennzeichen, durch das einerseits die wahren Urteile erkennbar werden und durch das andererseits auch deren Wahrheit festgestellt werden kann.

Ein heute weiterer weit verbreiteter Wahrheitsbegriff ist der des Pragmatismuses. Im Pragmatismus ist das wahr, was sich im alltäglichen, praktischen Leben, bei der Bewältigung der praktischen Probleme bewährt hat. Einen anderen „objektiven“ Maßstab für Wahrheit gibt bei dieser Auffassung gar nicht.

Gegenüber den heutigen Korrespondenztheorien bestehen allerdings auch deutliche Unterschiede[63]. John Milbank und auch Tobias Davids[64] haben in einer systematischen Herausarbeitung von den Gemeinsamkeiten und den Unterschieden zwischen der thomasischen Adäquationstheorie der Wahrheit und heutigen Korrespondenztheorien der Wahrheit entwickelt[65].

In den Quaestiones disputatae de veritate findet sich dann auch die klassische Formulierung der ontologischen Korrespondenztheorie der Wahrheit als „adaequatio rei et intellectus (Übereinstimmung der Sache mit dem Verstand)“[66]: „Respondeo dicendum quod veritas consistit in adaequatione intellectus et rei (…). Quando igitur res sunt mensura et regula intellectus, veritas consistit in hoc, quod intellectus adaequatur rei, ut in nobis accidit, ex eo enim quod res est vel non est, opinio nostra et oratio vera vel falsa est. Sed quando intellectus est regula vel mensura rerum, veritas consistit in hoc, quod res adaequantur intellectui, sicut dicitur artifex facere verum opus, quando concordat arti“[67].

Die Übersetzung: „Ich antworte, es sei zu sagen, dass Wahrheit in der Übereinstimmung von Verstand und Sache besteht (…). Wenn daher die Sachen Maß und Richtschnur des Verstandes sind, besteht Wahrheit darin, dass sich der Verstand der Sache angleicht, wie das bei uns der Fall ist; aufgrund dessen nämlich, dass die Sache ist oder nicht ist, ist unsere Meinung und unsere Rede davon wahr oder falsch. Wenn aber der Verstand Richtschnur und Maß der Dinge ist, besteht Wahrheit in der Übereinstimmung der Dinge mit dem Verstand; so sagt man, der Künstler verfertige ein wahres Kunstwerk, wenn es seiner Kunstvorstellung entspricht“.

Den Hintergrund dieser Wahrheitsdefinition stellt ein dreifaches Verständnis von Wahrheit dar: Vergleiche dazu beispielsweise De veritate I, 1.

1. von der Seite der Übereinstimmung aus gesehen, der ontologischen Wahrheit;
2. von der Seite des erkennenden Subjekts aus, dessen Wissen mit dem Seienden übereinstimmt gesehen, der logischen Wahrheit, ausgedrückt in der Formel „adaequatio intellectus ad rem“ und
3. von der Seite des erkannten Objekts aus gesehen, dessen Sein mit dem Wissen des erkennenden Subjekts übereinstimmt, der ontische Wahrheit, ausgedrückt in der Formel „adaequatio rei ad intellectum“.

Ein korrespondenztheoretischer Wahrheitsbegriff wurde bis in das 19. Jahrhundert sehr oft vertreten. So erklärte beispielsweise Kant in der Kritik der reinen Vernunft: „Die Namenerklärung der Wahrheit, dass sie nämlich die Übereinstimmung der Erkenntnis mit ihrem Gegenstande sei, wird hier geschenkt, und vorausgesetzt“ (A 58, B 82).

In dieser Diskussion sind zwei Argumentationslager auszumachen:

a) Robuste oder substanzielle Wahrheitstheorien: Die Wahrheit ist ein zentraler Begriff für Logik, Ontologie, Erkenntnistheorie und Semantik, ja für die gesamten Wissenschaften.
b) Deflationistische Wahrheitstheorien: Die Wahrheit ist ein neben – sächlicher Begriff, es gibt kein philosophisches Problem der Wahrheit, es gibt nur das Problem zu zeigen, dass es kein Problem gibt.

Eine andere Einteilung der Wahrheitsdiskussion ergibt sich zur Frage der Definierbarkeit:

a) Wahrheit ist so fundamental, sie lässt sich nicht definieren, so Gottlob Frege und Donald Davidson[68].
b) Wahrheit ist sehr wohl definierbar, das heißt, auf andere Begriffe rückführbar, so Alfred Tarski.

Eine weitere Unterscheidung kann in der Form getroffen werden, dass zwischen den realistischen und nicht – realistischen Theorien der Wahrheit unterschieden wird. Dabei verteidigt der Wahrheitsrealist die Ansicht, dass es, wenn ein Satz wahr ist, einen bestimmten Sachverhalt unabhängig von jedem Bewusstsein gibt, der eben mit diesem Satz in einer bestimmten Beziehung steht. Die nicht – realistische Theorien der Wahrheit bestreiten das deutlich; zwei bekannte Philosophen dieser Interpretation sind S. Peirce[69] und William James[70]. Die einzelnen Kategorien der Einteilungen sind dabei unterschiedlich kombinierbar und werden – wie könnte es auch anders sein – natürlich in allen Schattierungen vertreten und verteidigt.

Wahrheit in der neueren Philosophie

Der Begriff der Wahrheit spielt in der philosophischen Diskussion eine zentrale Rolle. Gottlob Frege nannte als Ziel aller Wissenschaft die Wahrheit. Doch auch im Alltag ist Wahrheit wichtig, sei es vor Gericht, im Geschäftsverkehr oder im partnerschaftlichen Umgang. Wer will denn nicht logisch korrekt argumentieren und damit von wahren Voraussetzungen zu wahren Schlussfolgerungen kommen? Wer will denn nicht als zuverlässiger und wahrhaftiger Mensch gelten? So gesehen könnte man meinen, dass der Wahrheitsbegriff sei im Laufe der Jahrhunderte schon längst geklärt worden sei. Weit gefehlt, denn die Diskussion darüber ebbt in keiner Weise ab.

Hier wird die Korrespondenztheorie vor allem vom Neuthomismus (Emerich Coreth[71], Karl Rahner[72], Johannes Baptist Lotz[73] ) vertreten.

Wahrheit wird dort generell als eine Übereinstimmungs – beziehungsweise Angleichungsbeziehung zwischen dem Wissen eines erkennenden Subjekts und einem Seienden verstanden, auf das sich dann dieses Wissen bezieht. Coreth definiert dabei Wahrheit in einer typischen Formulierung als die „Übereinstimmung zwischen dem Wissen und dem Seienden“[74].

Rescher hat die Diskussion in der Wahrheitstheorie bereichert, indem er zwischen den absoluten (guaranteeing) und den zureichenden (authorizing) Wahrheitskriterien unterschied.

Ein zureichendes Kriterium liegt immer dann vor, wenn die Wahrheit legitim wird, aber nicht mit einer logischen Notwendigkeit folgt. Mit einem absoluten Wahrheitskriterium lässt sich auch die logische Notwendigkeit darstellen.

Folgt ein Satz mit logischer Notwendigkeit redet man auch von einer logischen Wahrheit (oder Tautologie). Ein Satz (Urteil) ist genau dann logisch wahr, wenn jeder Satz mit gleicher logischer Form wahr ist. Die verschiedenen Wahrheitstheorien unterscheiden sich unter anderem danach, welchen Stellenwert sie dem Äquivalenzschema beimessen.

Dieses Äquivalenzschema besagt:

Es verhält sich so, dass p genau immer dann, wenn p, also wenn man von einer Aussage behauptet, dass sie wahr ist, die dann eben auf diese Weise gebildete Aussage immer genau dann wahr ist, wenn die Ausgangsaussage wahr ist. Dieses Schema findet sich bereits bei Platon und wird bei Aristoteles wie folgt formuliert: Zu sagen nämlich, das Seiende sei nicht oder das Nicht – Seiende falsch ist, dagegen zu sagen, das Seiende sei und das Nicht – Seiende sei nicht, ist wahr[75].

Das heißt falsch ist eine Aussage, welche von Seiendem aussage, es sei nicht, oder von Nicht – Seiendem, es sei. Wahr dagegen ist die Aussage, welche von Seiendem aussagt, dass es ist, und von Nicht – Seiendem, das es nicht ist. Wahres oder Falsches aussagen heißt damit immer Sein oder Nichtsein aussagen, wobei sich dies immer auf Seiendes oder Nicht – Seiendes bezieht.

Die neuzeitliche Diskussion versucht vor allem zu klären, was es bedeutet, dass etwas mit etwas anderem übereinstimmt. Putnam[76] nennt die Auffassung, dass es eine sprach – und denkunabhängige Gesamtheit von Gegenständen gibt, die sich in genau einer vollständigen Theorie beschreiben lassen, wobei die der Theorie in einer Korrespondenz zu den beschriebenen Gegenständen besteht, metaphysischen Realismus.

Die Abbildungstheorien

der Wahrheit sind eine Variante der Korrespondenztheorien. Sie fassen die Übereinstimmung als eine Art Abbildung (copy) zusammen. Von diesem Typ ist zum Beispiel die Wahrheitstheorie des Epikur[77].

Auch die antike Skepsis vertritt eine Korrespondenztheorie der Wahrheit. Naess hat die skeptische Wahrheitstheorie in neuerer Zeit wieder in die Diskussion gebracht. Er geht – ganz im Stile der antiken Skepsis – davon aus, dass Wissen (knowledge) immer wahr ist. Würde dies verneint, müsste man zugeben, dass man Erkenntnisse besitzen kann, die unwahr sind. Weiter nimmt er an, dass bisher als bewiesen Angesehenes widerlegt werden kann, das heißt zwischen Beweisgründen und Wahrheit existiert eine Kluft. Dadurch wird es problematisch, ob wir von uns sagen können, dass wir Erkenntnis (Wissen) erreicht haben.

Gegen die Skeptiker wendet Rescher ein, dass die Gültigkeit logischer und begrifflicher Wahrheiten im Gegensatz zu den tatsächlichen Wahrheiten ohne externes Kriterium bestimmt werden kann. Dies ist aber, wenn überhaupt, lediglich ein Argument gegen den universellen und für einen partiellen und dies auch nur, wenn eine absolute und keine relative Skepsis vorliegt.

Gegen die Abbildungstheorien ist eingewendet worden, dass sie problematisch werden, sobald es um abstrakte Eigenschaften oder Funktionen geht (Röte, Mut, Kraft). William James[78] hat zusätzlich eingewendet, dass diese Theorien eine paradigmatische Erkenntnissituation voraussetzt, in die sich Hypothesen, Modalitäten, Negationen und Generalisierungen nur schwer einfügen lassen.

Pragmatische Theorie

- Ihre Intention:

Die Wahrheit mit ihrer Nützlichkeit identifizieren. Was aber bedeutet die Nützlichkeit in diesem Zusammenhang?

Die Wahrheit mit ihrer Nützlichkeit identifizieren. Was aber bedeutet die Nützlichkeit in diesem Zusammenhang? Die Pragmatiker gehen noch einen Schritt weiter. Für sie sind Sätze wahr, wenn sie nützlich sind. Ein Satz ist genau dann wahr, wenn unser Verhalten, basierend auf der Satzaussage, nützliche Ergebnisse bringt.

Die von den Korrespondenztheoretikern zugrunde gelegte Sprache – Welt – Beziehung ist nicht statisch, sondern dynamisch. Wahrheit ist etwas, was sich in der Praxis bewähren muss. Eine Beurteilung dieser Richtung von Wahrheitstheorien wird dadurch deutlich erschwert, dass es zahlreiche und auch unterschiedliche Positionen zu genau dieser Fragestellung gibt.

So vertritt William James einen Instrumentalismus. Für ihn sind wahre Aussagen wertvolle Handlungsinstrumente. Die Vertreter dieser Richtung – William James, John Dewey[79] – werden daher auch Instrumentalisten genannt.

Charles S. Peirce[80] änderte die Bezeichnung seiner Theorie, um sich bewusst von William James abzugrenzen von „pragmatism“ in „pragmaticism“. Zusätzlich erschwerend sind die Positionen der Hauptvertreter in sich selbst nicht konsistent.

Mit der pragmatischen Theorie zeigt sich ein Analogon zur Wissenschaftstheorie: eine Theorie gilt, solange sie uns nützt und solange sie nicht widerlegt ist. Was funktioniert gilt (vorläufig) als wahr (Charles S. Peirce, William James, John Dewey).

Die Wahrheitstheorie des Pragmatismus

(vom griechischen pragma, Wirksamkeit, Tun) vertritt die Auffassung, dass etwas wahr ist, wenn es in der Praxis fruchtbar beziehungsweise nützlich ist. Dabei, so überzeugte Wissenschaftler, liegt bei William James eine Korrespondenztheorie vor. James betrachtet die Wahrheit als eine Eigenschaft unserer Ideen, als ihre Übereinstimmung mit der Realität.

Die Definition von Wahrheit und das Wahrheitskriterium hängen bei James eng zusammen. Auch Jerusalem vertritt eine pragmatische Wahrheitstheorie.

Russell hat gegen James eingewendet, dass man die Fragen, was Wahrheit ist und wie man wissen kann, ob unsere Meinungen wahr oder falsch sind streng voneinander trennen muss. Rescher verteidigt James, indem er den Unterschied zwischen absoluten (guaranteeing) und zureichenden (authorizing) Wahrheitskriterien betrachtet. Nach Rescher[81] muss die pragmatische Wahrheitstheorie als eine Theorie des zureichenden Kriteriums betrachtet werden: Was funktioniert, kann legitim, aber nicht mit logischer Notwendigkeit als wahr angesehen werden.

Ein 1. schematischer Überblick über die Wahrheitstheorien:

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

James vertritt eine Konvergenzthese der Wahrheit (in der Soziologie die Theorie von der Entwicklung einer Gesellschaft auf ein Idealbild hin): Für ihn ist die absolute Wahrheit ein idealer zukünftiger Konvergenzpunkt, in dem unsere heutigen relativen Wahrheiten aufgrund vervollständigter Erfahrung zu umfassender Weisheit aufgehoben sind.

Um den Terminus absolute Wahrheit richtig zu verstehen, muss man, wie Narski verdeutlicht sich bewusst machen, dass dieser Terminus mehrere Bedeutungen hat:

1. Die absolute Wahrheit ist das absolute Wissen über die Wirklichkeit insgesamt, das heißt über die gesamte Welt.
2. Die absolute Wahrheit ist jener Teil der relativen Wahrheiten, die erhalten bleiben muss und im Prozess der Erkenntnisentwicklung anwächst.
3. Das absolute Wissen ist ein endgültiges Wissen über einige bestimmte Aspekte der Wirklichkeit.
4. Die absolute Wahrheit umfasst gewisse unwiderlegbare Resultate der Erkenntnis über einzelne Seiten untersuchter Objekte oder Klassen von Objekten in Form von Konstatierungen und Beschreibungen.

Alle diese Bedeutungen stehen miteinander in Zusammenhang, aber nur in der ersten Bedeutung ist die absolute Wahrheit erschöpfendes, allgemeines, absolutes Wissen.

Eng verwandt mit dem Begriff der absoluten Wahrheit ist der Begriff der objektiven Wahrheit. Objektiv wahr ist eine Behauptung, deren Inhalt der Wirklichkeit, der objektiven Welt entspricht und nicht vom Wollen und Wünschen des erkennenden Subjekts abhängt. Es ist klar, dass nicht in allen Ontologien die Existenz objektiver Wahrheiten angenommen werden kann.

Mit dem Begriff der absoluten und der objektiven Wahrheit ist auch der Begriff der ewigen Wahrheit eng verwandt (lateinisch: aeternae veritates). Dieser Begriff, der in einigen metaphysischen oder religiösen Schriften verwendet wird, geht davon aus, dass jede Wahrheit ewig sein muss, das heißt für alle Zeiten unveränderlich und unter allen Bedingungen. Wenn sich die Wahrheit später ändert, so das Argument, bedeutet das, dass das, was man als Wahrheit angenommen hatte, keine Wahrheit ist. Russell stellt drei Forderungen auf, denen seiner Meinung nach jede Theorie der Wahrheit genügen muss:

- Es muss Falschheit geben können.
- Wahrheit und Falschheit sind Eigenschaften von Glaubens – überzeugungen oder Aussagen.
- Die Wahrheit oder Falschheit hängt immer von etwas ab, das jenseits des Glaubens liegt.

Die Korrespondenztheorie

Ihre Intention: Wahrheit als Übereinstimmung mit der Realität. Wie lässt sich diese Übereinstimmung (Korrespondenz) explizieren?

Um sie zu verstehen, ist eine Rückkehr zur Definition von Aristoteles notwendig. Sie ist allgemein in der Wissenschaft als erste Fassung der Korrespondenztheorie der Wahrheit anerkannt. Die Korrespondenztheorien gehen davon aus, dass Wahrheit eine Sprache – Welt – Beziehung ist. Ein Satz ist dann wahr, wenn die von ihm aufgestellte Behauptung mit einer Situation in der Welt (auch einem Sachverhalt oder einer Tatsache) übereinstimmt. Eine präzise Formulierung der Wahrheitsbedingung eines Satzes ist bei Alfred Tarski („Die semantische Konzeption der Wahrheit und die Grundlagen der Semantik“) zu finden.

- „P“ ist wahr genau dann, wenn P, also der Sachverhalt mit der Aussage übereinstimmt.
- „P“ steht für den Namen eines Satzes und bezeichnet eindeutig nicht etwa den 16. Buchstaben des Alphabets.

Ein Beispiel dazu:

Der Satz „Blut ist rot“ ist genau dann wahr, wenn das Blut tatsächlich rot ist. Bei diesen Überlegungen wird deutlich, dass es sich um keine Definition von Wahrheit handelt; im Gegenteil, denn diese Formulierung gibt das Kriterium an, anhand dessen festgestellt werden kann, wann das Zusprechen von Wahrheit korrekt ist. Tarski verallgemeinert diese Äquivalenz zum berühmten Tarski – Schema.

Bezeichnen wir den Namen des Satzes mit „X“ und setzen für die Satzaussage selbst die Variable „p“ ein, dann muss es eine Aussage in der Sprache sein, auf die sich das Wort wahr bezieht.

(T) X ist wahr genau dann, wenn p sich in der Aussage auf das Wort „wahr“ bezieht.

Ein Beispiel dafür:

„Snow is white“ ergibt ins Tarski – Schema eingesetzt: Diese Aussage ist genau dann wahr, wenn Schnee auch tatsächlich weiss ist.

Die Korrespondenztheorie der Wahrheit

Die in der Philosophiegeschichte über weite Strecken dominierende Wahrheitstheorie war die Korrespondenz – oder Adäquationstheorie der Wahrheit. Diese Theorie geht von Wahrheit als Übereinstimmung gedanklicher Vorstellungen mit der Wirklichkeit aus. In ihr wird Wahrheit grundsätzlich als eine Relation zwischen zwei Bezugspunkten verstanden. Für die Relation werden Bezeichnungen wie Übereinstimmung, Entsprechung, Adäquation, Übereinkunft gebraucht.

Auch die Relata werden unterschiedlich bestimmt: anima/ens, Denken – Sein, Subjekt – Objekt, Bewusstsein – Welt, Erkenntnis – Wirklichkeit, Sprache – Welt, Behauptung – Tatsache.

Als erster Korrespondenztheoretiker wird vielfach Aristoteles[85] genannt, der sie in seiner Metaphysik folgendermaßen formulierte: „Zu sagen nämlich, das Seiende sei nicht oder das Nicht – Seiende sei, ist falsch, dagegen zu sagen, das Seiende sei und das Nichtseiende sei nicht, ist wahr. Wer also ein Sein oder Nicht – Sein prädiziert, muss Wahres oder Falsches aussprechen[86] (…). Nicht darum nämlich, weil unsere Meinung, du seiest weiß, wahr ist, bist du weiß, sondern darum, weil du weiß bist, sagen wir die Wahrheit, indem wir dies behaupten“[87].

Aristoteles spricht in dieser berühmten Formulierung allerdings nicht von Korrespondenz oder Adäquation, so dass die Zuordnung des Aristoteles zur Korrespondenztheorie umstritten ist.

Probleme bei der Korrespondenztheorie

Bei der Korrespondenztheorie wird Wahrheit als eine zweistellige Relation der Form aRb gedacht. Bei all diesen drei Strukturmomenten ergeben sich Probleme, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert verstärkt thematisiert wurden, was zur Entwicklung alternativer Wahrheitstheorien führte.

So ergeben sich Probleme bei der Bestimmung des Wahrheitsträgers (truthbearer), um welche Gegenstände oder Entitäten es sich handelt, die mit den Tatsachen oder der Wirklichkeit übereinstimmen sollen, und die wir in diesem Sinne wahr nennen?

Auf der anderen Seite stellt sich die Frage nach dem Wahrmacher (truthmaker), nämlich von welcher Art dasjenige ist, womit Aussagen übereinstimmen müssen, um wahr zu sein. Es herrscht unter den Korrespondenztheoretikern zwar eine weitgehende Einigkeit darüber, dass es sich bei den Wahrmachern um Tatsachen handelt, allerdings besteht Uneinigkeit darüber, was Tatsachen eigentlich sind.

So drückt Günther Patzig [88] eine in der analytischen Philosophie weit verbreitete Ansicht aus, dass man weder den allgemeinen Begriff der Tatsache definieren noch einzelne Tatsachen identifizieren könne, ohne auf Aussagen zu rekurrieren.

Tatsachen müssten daher als erfüllte Wahrheitsbedingungen von Sätzen angesehen werden[89]. Für die Korrespondenztheorie ergibt sich daraus das Dilemma, dass sie in einen definitorischen Zirkel gerät, da der Begriff der Tatsache bereits den Begriff der Wahrheit enthält, den es eigentlich erst zu definieren gilt: „Dabei ist es wichtig zu sehen, dass es zunächst ganz unklar ist, ob das, was Tatsachen sind, über W(ahrheit), oder ob W(ahrheiten) über Tatsachen zu erläutern sind. Eben daher ist eine Definition, nach welcher wahr sei, was mit den Tatsachen übereinstimmt, ebenso richtig wie leer: Es handelt sich um eine Tautologie (…)“.[90]

Eine Vielzahl an Ausdrücken wurde dafür verwendet; einige Beispiele dazu:

- Korrespondenz, Entsprechung, Übereinstimmung, Adäquation, Abbildung oder Widerspiegelung.

Gegen das Konzept einer echten bildlichen Beziehung wurde vorgebracht, dass in ihr unklar bleibe, wie die Übereinstimmungsrelation von zwei so unterschiedlichen „Entitäten“ wie Wissen und Gegenstand überhaupt gedacht werden soll (zum Beispiel zwischen meinem Wissen, dass der konkrete Gegenstand vor mir rot ist und dem Gegenstand selbst). Um diese Schwierigkeiten zu umgehen, wurde in sprachanalytisch orientierten Korrespondenztheorien versucht, die Relation zwischen Aussagen und Tatsachen abstrakter als Strukturgleichheit oder Isomorphie zu fassen. Auch dieses Konzept erweist sich jedoch bereits bei einfachen Beispielen als problematisch, da in vielen Fällen eine eindeutige Zerlegung einer Tatsache in ihre Elemente nicht möglich zu sein scheint: „Nehmen wir das in der Wahrheitsdiskussion seit langem notorische Beispiel: Die Katze ist auf der Matte. Diese Aussage kann man vielleicht noch halbwegs plausibel in ihre Bestandteile zerlegen. Aber wie steht es mit der entsprechenden Tatsache? Kann man wirklich sagen, dass diese Tatsache aus den und den Bestandteilen besteht, etwa aus der Katze, der Matte und einer bestimmten räumlichen Relation?“[91]

Auf noch größere Schwierigkeiten stößt man zum Beispiel bei negativen Aussagen und ihrem Pendant auf Seiten der Tatsachen. Worin besteht etwa die Übereinstimmung, wenn ich erkenne, dass ein bestimmter Gegenstand nicht vorhanden ist beziehungsweise dass ihm bestimmte Eigenschaften nicht zukommen? Wie soll man sich eine Übereinstimmung mit etwas nicht Bestehendem denken? Noch schwieriger lassen sich irreale Konditionalsätze interpretieren wie: „Wenn ich dies nicht getan hätte, wäre jenes (vielleicht) nicht passiert.“

Dennoch erfährt Karen Gloy[92] viel Zustimmung, wenn sie konstatiert: „Das adaequatio – Verständnis (hierbei geht es eindeutig darum die Regeln einer Übereinstimmung aufzuweisen) der Wahrheit ist zweifellos das bekannteste und verbreitetste, das sowohl unser alltägliches, vorwissenschaftliches Denken wie auch unser wissenschaftliches beherrscht.“ Im Alltag stellt die (vage) Rede von der Übereinstimmung einer sprachlichen Aussage mit einem objektiven Sachverhalt oft auch kein Problem dar.

Die Kritik an den Korrespondenztheorien der Wahrheit zielt in erster Linie darauf, dass die Aussagestruktur (zum Beispiel das Verhältnis zwischen Subjekt und Prädikat in der Aussage Sokrates ist ein Mensch) von vollkommen anderer Art ist als die Strukturen und Relationen der Wirklichkeit, die Inhalt der Aussage sind. Weiter wurde geltend gemacht, dass Dinge oder Tatsachen nicht unabhängig von den spezifischen Ausdrücken identifizierbar sind, das heißt die Wirklichkeit und die Sprache nicht als zwei voneinander unabhängige Dimensionen fassbar sind, zwischen denen ein kontingentes (äußeres) Korrespondenzverhältnis bestünde.

Das Problem der Korrespondenztheorie ist, wie festgestellt wird, dass das Kriterium tatsächlich erfüllt ist. Bei einfachen Sachverhalten „Dieses Haus hat vier Fenster“ kann man nachschauen und zählen. Doch bei All – Aussagen („Schnee ist weiß“ ist eine verkappte All – Aussage) oder bei Tatsachen, die sich auf die Vergangenheit beziehen, (Immanuel Kant wurde 1724 in Königsberg geboren) ist diese einfache Verifikation unmöglich. Der Nachteil der Korrespondenztheorie ist, daß sie sich auf etwas außerhalb der Sprache Liegendes bezieht. Dies versucht die Kohärenztheorie zu vermeiden (Bertrand Russell, Alfred Tarski, Ludwig Wittgenstein).

Um diesen möglichen Einwänden gerecht zu werden, wurde etwa von Popper versucht, die Korrespondenztheorie in der Weise zu modifizieren, dass eine Aussage dann als wahr zu bezeichnen ist, wenn sie in irgendeiner Form mit einem Faktum korreliert.

Die Einwände gegen die verschiedenen Fassungen der Korrespondenztheorie wurden insbesondere von Brentano[93] zu einer allgemeinen Kritik an dieser Theorie schlechthin erweitert: Die Theorie berücksichtige nicht verneinende Aussagen von der Art Es gibt keine Löwen auf Grönland, es sei denn, man führe eine unendliche Menge negativer Fakten ein.

Weiter: Wenn die Wahrheit in einer Übereinstimmung zwischen der Aussage und der Wirklichkeit besteht, kann Wahrheit nicht erkannt werden. Denn um die Wahrheit zu erkennen, müsste ich etwas Wahres über die Überein – stimmungsrelation zwischen der Aussage und der Wirklichkeit sagen können, was aber die Gewissheit der Wahrheit einer neuen Aussage verlangte, die als wahre Aussage selbst mit irgendetwas übereinstimmen muss, was wiederum die Wahrheit einer dritten Aussage in einem unendlichen Regress voraussetzte.

Ein weiteres Problem in der Korrespondenztheorie ist, wie an diesem Beispiel dargestellt wird, dass das Kriterium tatsächlich erfüllt sein muss.

Bei einfachen Sachverhalten wie „Dieses Haus hat vier Fenster“, kann man nachschauen und nachzählen. Anders sieht der Sachverhalt bei All – Aussagen („Schnee ist weiss“ ist beispielsweise eine verkappte All – Aussage) oder bei Tatsachen, die sich auf die Vergangenheit beziehen, wie „Immanuel Kant wurde 1724 in Königsberg geboren“, denn hier ist eine Vertifikation nahezu, beziehungsweise gänzlich unmöglich.

Als Nachteil der Korrespondenztheorie ist dabei also zu erkennen, dass sie sich auf etwas außerhalb der Sprache Liegendes bezieht. Das versucht die Kohärenztheorie zu vermeiden (Bertrand Russell, Alfred Tarski, Ludwig Wittgenstein).

Als Postulat der Wahrheitsdefinitheit (auch als Bivalenz = Zweideutigkeit beschrieben) bezeichnet man die Forderung, dass jede Aussage, die keine Indikatoren (zum Beispiel ich, du, hier, dort, jetzt) enthält einen festen Wahrheitswert hat.

Eine besondere Variante der Korrespondenztheorie ist die semantische Wahrheitstheorie Tarskis

Satz dieses Typs ist die Antinomie des Lügners. Solche Paradoxien beruhen nach Tarski auf der semantischen Geschlossenheit natürlicher Sprachen, das heißt darauf, dass natürliche Sprachen semantische Prädikate wie wahr oder bedeutet enthalten. Semantische Prädikate aber betreffen das Verhältnis der Ausdrücke einer Sprache mit den entsprechenden Ausdrücken[94].

Das Wahrheitsprädikat in natürlichen Sprachen erlaubt Paradoxien der Form : P: Der mit ‚P’ bezeichnete.

Das dritte Problem betrifft die Korrespondenzrelation selbst. Dies zeigt sich bereits daran, dass zu ihrer Beschreibung in den verschiedenen Theorien ein Satz ist falsch. Ein dieser Sprache bezeichneten Gegenständen. Um die entstehenden Paradoxien zu beseitigen, muss man – so Tarski – semantische Prädikate wie Ausdrücke einer anderen Sprache behandeln. Diese Sprache wird Metasprache genannt. Durch die Unterscheidung der Sprachebenen können die Paradoxien vermieden werden.

Die Definition eines Wahrheitsprädikates für eine Sprache in einer Metasprache ist nach Tarski adäquat, wenn aus ihr alle Sätze der Form x ist wahr dann genau, wenn p folgen, wobei x durch den Namen eines Satzes der Sprache und p durch die Übersetzung dieses Satzes in die Metasprache zu ersetzen ist. Einen solchen Satz betrachtet Tarski als partielle Definition des Wahrheitsprädikates der betreffenden Sprache.

Tarski hat gezeigt, dass sich für bestimmte formale Sprachen endlicher Ordnung, die neben einfachen Prädikaten auch Quantoren und wahrheitsfunktionale Verknüpfungen enthalten können, ein Wahrheitsprädikat definieren lässt das seinem Kriterium (er nennt es Konvention W) entspricht.

Tarski wurde entgegengehalten, dass diese Formulierung der Korrespondenz – theorie zwar korrekt, aber philosophisch gesehen in dem Sinn unzureichend sei, dass sie in solcher Formalisierung den Unterschied zwischen der Korrespondenztheorie und anderen Wahrheitsauffassungen verwische. Dies ist jedoch kein Einwand. Ein anderes Argument gegen die semantische Wahrheitstheorie von Tarski ist, dass es zwar für formale Sprachen ganz brauchbar, aber philosophisch irrelevant sei, weil die Übersetzung von dem Objekt – in die Metasprache die Kenntnis semantischer Relationen voraussetzt.

Es gibt eine Weiterentwicklung der semantischen Wahrheitstheorie von Kripke[95].

Eine Übertragung der Idee Tarskis auf natürliche Sprachen ist die Disqutationstheorie der Wahrheit (Zitat – Tilgungs – Theorie der Wahrheit).

Mit Es schneit ist wahr behauptet man nicht mehr, als dass es tatsächlich schneit. Wahr ist lediglich ein sprachliches Mittel zum semantischen Aufstieg von der Objekt in die Metasprache, um mit Hilfe des Namens eines Satzes (es schneit.) dasselbe zu sagen wie in diesem Beispiel mit dem benannten Satz. Im Falle der natürlichen Sprachen – so die Disquotationstheorie – verfügen wir nicht über eine vollständige Definition des Wahrheitsprädikats, sondern nur über einzelne Sätze, die der Konvention W folgen.

Austin [96] stellt in seinem Aufsatz Wahrheit (1950) eine linguistisch überarbeitete Korrespondenztheorie der Wahrheit vor. In der Wissenschaft wird diese Theorietyp als die konventionalistische Korrespondenztheorie der Wahrheit bezeichnet. Für Austin ist die Philosophie eine linguistische Analyse, in der die Vielfältigkeit von sprachlichen Funktionen verdeutlicht wird. Eine Aussage (Statement) hat auch noch andere Funktionen, die deutlich über das wahr oder falsch zu sein hinausgehen. Bei ihm gelten Aussagen und nicht Sätze (sentences), wie bei Tarski beispielsweise als Kandidaten für die Prädikate wahr oder falsch. Aussagen sind immer dann wahr, wenn sie durch Beschreibungskonventionen bezüglich der Worte (Sätze) mit dem Typus der vorgefundenen Situationen, Dinge, Ereignisse usw. verbunden sind, und wenn die Worte (Aussagen) durch Referenzkonventionen mit den vorgefundenen historischen Situationen verbunden sind.

Russell[97] vertritt nun eine Korrespondenz mit Fakten.

Damit Falschheit möglich ist, darf das, womit der wahre Glaube übereinstimmt, nicht ein einzelnes Objekt sein. Der Glaube ist nach Russell ein Verhältnis zwischen dem Bewusstsein und einem Faktum, das heißt einem Komplex miteinander in Beziehung stehender Objekte. Ein Glaube ist wahr, wenn er mit dem assoziierenden Komplex, das heißt dem korrespondierenden Faktum, übereinstimmt, sonst ist er falsch.

Die Evidenztheorie

der Wahrheit (von den lateinischen Termini evidentia; ex, heraus, und videre, sehen) bestimmt das als wahr, was aus der Sache heraus einleuchtend ist und sich, dem Fragenden entweder schlagartig, intuitiv und auch (doch) zugleich als gewiss zeigt (Brentano, Husserl), von uns in seiner Wesenheit ganzheitlich erkannt, beziehungsweise aufgenommen wird (Max Scheler[98], H.– E. Hengstenberg[99] ) oder auch mittelbar durch Ableitung aus einem per se Einsichtigen Gewissheit wird.

Die Evidenz – Erfahrung kann auch als ein psychologischer Zustand gedeutet werden – was jedoch unter von anderem, wie beispielsweise Brentano und Husserl abgelehnt wird. Brentano bestreitet ganz eindeutig die Möglichkeit der Entwicklung einer Theorie der Wahrheit die keinen Zirkelschluss enthält. Evidenz muss schon deshalb der Grundbegriff einer Wahrheitstheorie sein.

Daraus ergibt sich, dass man eine objektiv, sachliche Evidenz (Sachverhalts – evidenz) und eine persönlich einsichtige Evidenz (Intuitionsevidenz) unterscheiden kann; sie hängen aber voneinander ab.

Die Argumente gegen die Evidenztheorie der Wahrheit bauen hauptsächlich auf der Kritik gegen den Begriff der Evidenz überhaupt auf. Die antiken Skeptiker haben bereits eine ausführliche Kritik der Evidenztheorie der Stoiker geübt.

Russell wendet zudem auch noch gegen eine Evidenztheorien der Wahrheit ein, dass bei ihnen die Wahrheit und Falschheit eines Glaubens nicht von dem abhängt, was jenseits des Glaubens liegt, sondern sie nur von internen Qualitäten beispielsweise Klarheit oder Bestimmtheit abhängen.

Der Philosoph Moritz Schlick[100] hat den klaren Einwand, dass die Evidenzlehre ... vor den Angriffen eines energischen Skeptizismus nicht schützen kann (Schlick, M.: Allgemeine Erkenntnislehre. 1918, 1925, Nachdruck 1979, 141ff.).

Husserl vertritt eine Variante der Evidenztheorie der Wahrheit, die phänomenologische Wahrheitstheorie. In seinem frühen Werk „Das Ideal der Adäquation. Evidenz und Wahrheit “ von 1901 ergibt sich die Wahrheit in Bezug auf Gegenstände und auf Begriffe durch eine Erfüllung, wobei das Gegebene als Gemeintes und das Gegebene als Selbstgegebenheit zusammenfallen. Die Wahrheit ist also eine Identität und diese Identität ergibt sich mit Evidenz. Evidenz wird dabei als Gewissheit verbürgende Erfahrung dieser Übereinstimmung verstanden.

Strawson[101], ein britischer Philosoph, wendet allerdings gegen diese Auffassung das Argument ein, dass Fakten (Sachverhalte) und Dinge durchaus einen verschiedenen Status haben. Dinge (wie Tische) können beispielsweise zerbrechen oder verbrennen, Fakten dagegen (wie zum Beispiel das Faktum, dass dieser Tisch rund ist) können wir nicht zerbrechen oder verbrennen, sie sind schlicht nicht veränderbar. Fakten liegen vor oder sie liegen eben nicht vor; dabei darf aber nicht übersehen werden, dass, wenn wir Dinge zerbrechen oder verbrennen, damit neue Fakten geschaffen werden. Dafür ist für ihn klar, dass es Fakten und nicht Dinge sind, durch die Behauptungen wahr oder falsch werden.

Die Kohärenztheorie

Vertreten wird auch die Kohärenztheorie[102] der Wahrheit. Diese sagt aus, ein Satz sei wahr, wenn er sich widerspruchsfrei in ein System bereits vorhandener wahrer Sätze einordnen ließe. Die Kohärenztheorie vergleicht nur noch Sätze untereinander. Ein Haupteinwand für mich ist auch hier, dass es keinen Bezug zu einer von den denkenden Wesen unabhängigen Realität gibt. Außerdem wird hier die Wahrheit der Logik stillschweigend vorausgesetzt. Nach der Kohärenztheorie kann es mehrere voneinander unabhängige, sich widersprechende Systeme von Wahrheiten geben. So ist zum Beispiel festgestellt worden, dass neben der euklidischen Geometrie[103] weitere in sich widerspruchsfreie nicht – euklidische Geometrien möglich sind.

Ihre Intention: Wahrheit als Kohärenz mit einem Aussagensystem.

Was ist Kohärenz?

Schon bei der Korrespondenztheorie mussten die zu überprüfenden Aussagen anhand von Beobachtungsaussagen als wahr bestimmt oder als falsch verworfen werden. Die Kohärenztheorie der Wahrheit vergleicht nur noch Aussagen untereinander. Sie nimmt daher – in Absetzung zur Korrespondenztheorie – nicht auf etwas Bezug, das außerhalb des Denkens liegt. Ein Satz ist wahr, wenn er sich widerspruchsfrei in das Netz der bestehenden wahren Aussagen einordnen lässt. Formaler: Ein Satz p ist wahr genau dann, wenn p ein Element einer kohärenten Aussagenmenge A ist. Eine Aussagenmenge A ist kohärent, wenn jedes Element der Menge konsistent mit jeder Teilmenge ist und jedes Element p aus allen anderen (als Prämissen genommen) ableitbar ist. Die Aussagen von A stehen in einer inferentiellen Abhängigkeit zueinander; es gibt keine inferentiell unabhängige Aussage in A.

Daraus ergibt sich die Schwäche der Kohärenztheorie, denn ihr fehlt jeglicher Realitätsbezug. Es kann durchaus mehrere verschiedene, kohärente Systeme von Aussagen geben. Ein Satz S2 kann in einem System wahr, im anderen falsch sein. Ein weiterer Einwand gegen die Kohärenztheorie besteht darin, dass Kohärenz die Gesetze der Logik notwendigerweise voraussetzt (widerspruchsfrei, ableitbar).

Die Wahrheit ist wiederum für die Logik bereits grundlegend, wird also schon vorausgesetzt. Das ist nicht gerade ein Ergebnis, das man von einer Wahrheitstheorie erwartet, argumentiert Nicholas Rescher.

So lässt sich nach dem amerikanischen Philosoph Putnams [104] interner Realismus als Wahrheitstheorie auffassen. Putnam vertritt seinerseits die These, dass es mehrere zulässige Beschreibungen der Wirklichkeit geben kann, deren Wahrheit durchaus in ihrer rationalen Akzeptierbarkeit besteht. Die Theorie läuft auf eine Wahrheitstheorie hinaus, die den Vorstellungen einiger parakonsistenter Logiker entspricht. Diesem Ansatz wird gelegentlich eine kohärenztheoretische Interpretation geben, obwohl der Ansatz noch nicht zwingend kohärenztheoretisch interpretiert erden muss.

Die Kohärenztheorie

der Wahrheit tauchte Ende des 19. Jahrhunderts im Neuhegelianismus des angelsächsischen Raums auf, etwa bei Francis Herbert Bradley[105] und Brand Blanshard[106]. Die Kohärenztheorie spielte auch in den Diskussionen des logischen Empirismus und des Wiener Kreises eine Rolle, wobei Otto Neurath eine Kohärenztheorie präferierte, während Moritz Schlick der Korrespondenztheorie den Vorzug gab[107]. In ihrer einfachsten Form vertritt die Kohärenztheorie die Auffassung, dass die Wahrheit oder Richtigkeit einer Aussage darin besteht, dass sie sich widerspruchslos in ein System von Aussagen einfügen lässt.

So formuliert Otto Neurath [108]: „Die Wissenschaft als ein System von Aussagen steht jeweils zur Diskussion. (…). Jede neue Aussage wird mit der Gesamtheit der vorhandenen, bereits miteinander in Einklang gebrachten Aussagen konfrontiert. Richtig heißt eine Aussage dann, wenn man sie eingliedern kann. Was man nicht eingliedern kann, wird als unrichtig abgelehnt. Statt die neue Aussage abzulehnen, kann man auch, wozu man sich im allgemeinen schwer entschließt, das ganze bisherige Aussagensystem abändern, bis sich die neue Aussage eingliedern lässt (…)“[109].

Neuraths programmatischer Ansatz wurde von Nicholas Rescher[110] zu einer umfassenden Theorie ausgearbeitet. Allerdings verwendete Rescher dabei den Kohärenzbegriff explizit nur als ein Kriterium, nicht aber für eine Definition von Wahrheit. Bei der Definition von „wahr“ schließt er sich der Korrespondenztheorie an, die besagt, „Wahrheit meine die Übereinstimmung einer Proposition mit einer Tatsache“[111].

Rescher unterscheidet bei seinen Überlegungen zwei Arten den Wahrheits – kriterien:

- die garantierende (guaranteeing) und
- die legitimierende (authorizing) Kriterien.

Das erste Kriterium gibt eine vollkommene Sicherheit in Bezug auf das Vorliegen von Wahrheit, während das zweite Kriterium lediglich einen stützenden Charakter hat. Nach Reschers Ansicht genügt es bereits, wenn ein solches Kriterium das Vorliegen von Wahrheit in den Bereich einer Wahrscheinlichkeit rückt. Rescher schränkt dann die Geltung des Kohärenzbegriffs weiter auf die Explikation von Tatsachenaussagen – Rescher spricht von „Daten“ – ein, während für die Wahrheit von logisch – mathematischen Aussagen nach seiner Ansicht pragmatische Kriterien herangezogen werden müssen. Daten sind dabei von vornherein als sprachliche Entitäten konzipiert und nicht als reine Tatsachen. Die Akzeptierbarkeit von Daten wird dabei ebenfalls nach pragmatischen Kriterien gerechtfertigt.

Eine Theorie oder ein Aussagensystem kann nach Rescher dann als kohärent bezeichnet werden, wenn folgende Aspekte erfüllt sind:

1. Umfassendheit (comprehensiveness): Alle relevanten Sätze werden berücksichtigt; die Theorie ist logisch geschlossen.
2. Konsistenz (consistency): Die Theorie enthält keine logisch – kontradiktorischen Sätze.
3. Zusammengefügtheit (cohesiveness): Die Sätze der Theorie werden in ihren Beziehungen beziehungsweise Kontexten zu den anderen Sätzen expliziert; die Beziehungen zwischen den Sätzen sind logisch einwandfrei.

In der heutigen Philosophie ist die Konsenstheorie allerdings weit verbreitet. Wahr ist, worüber in einem freien und, offenen Diskurs ein Konsens gefunden werden kann. Die Konsenstheorie gibt es in unterschiedlichen, konkreten Ausformungen. Eine der einflussreichsten ist die von Habermas[112]

Die Konsensustheorie der Wahrheit

Die Intention der Konsenstheorie:

Wahrheit als Übereinstimmung mit kompetenten Sprechern der Sprach – gemeinschaft.

Was sind kompetente Sprecher? Die Konsenstheorie der Wahrheit besagt, dass eine Aussage dann wahr ist, wenn jeder der Sprache mächtige Sprecher einer gemachten Aussage zustimmt. Die Verifíkation einer Aussage nach der Konsenstheorie hängt also von allen Mitgliedern einer Sprachgemeinschaft ab. Die Voraussetzung dabei ist, dass jedes Mitglied sprachkundig, sachkundig und gutwillig ist. Auch hier gibt es eine Analogie zur Wissenschaftstheorie. Die Forschergemeinschaft ist sich darüber einig, welche Theorien gerade gültig sind (C.S. Peirce).

Sowohl die pragmatische Theorie als auch die Konsenstheorie haben eine Harmonisierung der Einzelinteressen zur Voraussetzung. Die Konsensustheorie der Wahrheit, vom lateinischen consensus = Übereinstimmung, Einigkeit abgeleitet; auch: intersubjektive Wahrheitstheorie oder Konsenstheorie der Wahrheit, bei der bestimmt Aussagen dann als wahr gelten, wenn eine potentiell unendlich große Menge von Menschen unter idealen Kommunikations – bedingungen dieser Aussage allgemein zustimmen würde. Es werden für den Prozess der Konsensbildung Gutwilligkeit, Sprachkundigkeit, Normalsinnigkeit und Vernünftigkeit gefordert. Wahrscheinlich ist Protagoras von Abdera[113] einer der ersten Philosophen gewesen, der den Dialog als Mittel der Wahrheitsfindung diskutierte.

Konsensustheorie der Wahrheit (Habermas)

Für die Konsensustheorie (auch Konsenstheorie oder Diskurstheorie)[114] ist eine Aussage nur/immer dann wahr, wenn sie Anerkennung von allen vernünftigen Gesprächspartnern verdient und über sie ein – prinzipiell unbegrenzter – Konsens hergestellt werden könnte. Jürgen Habermas legte 1973 in seinem Aufsatz Wahrheitstheorien[115] den wohl bislang präzisesten Entwurf einer solchen Theorie vor.

Er definiert darin „Wahrheit“ wie folgt: „Wahrheit nennen wir den Geltungsanspruch, den wir mit konstativen Sprechakten verbinden. Eine Aussage ist wahr, wenn der Geltungsanspruch der Sprechakte, mit denen wir, unter Verwendung von Sätzen, jene Aussage behaupten, berechtigt ist“.

Ein Träger der Wahrheit ist die Aussage, sofern ihr Gehalt in der Standardform der Behauptung einer Tatsache (so genannter konstativer Sprechakt) formuliert werden kann. Wenn eine solche Formulierung als Tatsachenaussage möglich ist, wird mit der Aussage ein Geltungsanspruch erhoben, der berechtigt oder unberechtigt sein kann.

Ein Geltungsanspruch ist nach Habermas dann berechtigt, wenn er diskursiv eingelöst werden kann[116].

Ein Beispiel für eine Konsensustheorie ist die Wahrheitstheorie der Erlanger Schule. Ob eine Aussage wahr oder falsch ist, hängt nach der Theorie von Kamlah[117] und Lorenzen[118] nicht von der Aussage selbst ab.

Die Aussage „Sokrates ist ein Mensch“ ist wahr, wenn jeder kompetente Sprecher der Person mit dem Namen Sokrates dieses Prädikat (Mensch – Sein) zuspricht (beziehungsweise zusprechen würde). Die Verifikation einer Aussage ist eine intersubjektive Angelegenheit. Kompetenz bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Beteiligten sprach – und sachkundig, sowie gutwillig sind; Kompetenz bedeutet darüber hinaus an dieser Stelle, dass die Beteiligten ihren Gesprächspartnern gegenüber aufgeschlossen sind und ihre Überlegungen nicht von Emotionen, Traditionen oder Gewohnheiten bestimmt werden.

Der Konsens, der unter diesen Bedingungen erreicht wird, ist demnach ein berechtigter Konsens. Durch ihn sind dann somit die behaupteten und diskutierten Aussagen verifiziert und sie können wahr genannt werden.

Die Übereinstimmung besteht hier also zwischen den vernünftigen Gesprächspartnern, nicht aber zwischen den Aussagen und der Wirklichkeit.

Gegen die Theorie der Erlanger Schule wurde eingewendet, dass sie Unklarheit darüber lässt, welches genauen Kriterien der Vernünftigkeit herangezogen werden, wie gesichert werden soll, dass es zu einem Konsens, ergo zu einer Einigung kommen soll. Akzeptiert man, dass in der Realität nie die Vernünftigkeit gesichert werden kann, dann bedeutet das in der Folge, dass es keine Aussagen, deren Wahrheit wir mit Gewissheit erreichen können.

Habermas verweist in seiner diskursiven Konsenstheorie auf einem im Diskurs durch die vier universalen Geltungsansprüche

1. Verständlichkeit,
2. Wahrheit,
3. Richtigkeit und
4. Wahrhaftigkeit

und unterstellte notwendige, ideale Sprechsituation als Grundlage für einen berechtigten Konsens.

Strawsons performative Theorie der Wahrheit (vom englischen to perform, ausführen, durchführen), auch als die dito – Theorie der Wahrheit bezeichnet (vom altitalienischen „gesagt“), baut auf der Sprechakttheorie auf und ist eine Variante der Redundanztheorie.

Mit der Aussage „Es ist wahr, dass p“ wird nach dieser Theorie keine andere Aussage gemacht als mit „p“. Es wird aber eine andere Handlung vollzogen, üblicherweise die des Bestätigens oder Bekräftigens einer vorausgegangenen Aussage. Wahrheit ist damit ein performatives Wort.

Das Wort wahr ist kein metasprachliches Prädikat, sondern mit Wörtern wie ja oder dito vergleichbar. Eine Behauptung oder Aussage als wahr zu bezeichnen, heißt also eigentlich nichts anderes, als das bestätigen, was keine Beschreibung, sondern ein Tun ist.

Ähnlich wie in der performative Wahrheitstheorie behauptet die prosentiale Theorie der Wahrheit (1975), die von Dorothy L. Grover[119], Joseph L. Camp[120] und Nuel D. Belnap[121] entworfen wurde, dass sich alle Verwendungsweisen von wahr auf solche Fälle zurückführen lassen, in denen wahr als unselbständiger Teil in Ausdrücken wie „Das (gerade Gesagte) ist wahr“ (so genannte Prosentenzen) vorkommt und damit zur indirekten Behauptung einer durch den Äußerungskontext festgelegten Aussage beiträgt. Der Gebrauch von „ist wahr“ ist danach klar ein Ersatz für die in natürlichen Sprachen nicht übliche Quantifikation über Aussagenvariable.

Für Crusius [122] ist die Denkbarkeit das Wahrheitskriterium. Wahr ist, was sich nicht anders denken lässt. (Schlick, Moritz: Allgemeine Erkenntnislehre, 1918, 1925, Nachdruck 1979, 141f. 146.

Die Gesellschaft spricht heute immer dann von einer absoluten Wahrheit (AW), wenn der „Welt – Konsens den Tatsachenscheinbar entspricht.

In unserem Wahrheitsverständnis gibt es, wie bereits an mehreren Stellen genannt und beschrieben, viele doch teilweise auch sehr unterschiedliche Wahrheiten; da stellt sich nun die Frage, ob es denn wirklich nur eine absolute Wahrheit gibt !

In einem attributivem Gebrauch des Terminus Wahrheit, wird dann von einem wahren Ereignis, einem wahren Leben oder auch einem wahren Kunstwerk gesprochen, womit nur ausgedrückt und deutlich unterstrichen werden soll, dass das Ereignis, das Leben oder auch das Kunstwerk echt, wirklich, beziehungsweise gut sind. Häufig liegt deshalb diesem Begriffsverständnis von Wahrheit die Vorstellung zugrunde, dass es für jedes Ding eine Idealität, also die ideale Gestalt gibt; daraus wird dann ganz logisch gefolgert, dass durch diese Tatsache ein Sachverhalt, eine Sache oder was auch immer umso „wahrer“ wird, je näher er/sie an diesem Ideal eingestuft wird oder eingestuft werden kann.

Was nützt es dem einzelnen Menschen schon, wenn seine Meinung einerseits zwar absolut den Tatsachen entspricht (Meinungswahrheit MW) und der Rest der Welt diesen Menschen trotz dieser Tatsache als einen Lügner sieht und auch als solchen bezeichnet? Tatsachen werden von den Menschen erst dann als wirklich wahr empfunden, wenn diese auch von der Gesellschaft als Wahrheit akzeptiert, also „abgesegnet“ werden, beziehungsweise abgesegnet wurden; Nikolaus Kopernikus und seine Aussage: „Die Erde dreht sich um die Sonne“, mag als Beispiel dazu ausreichend sein.

Da in unseren doch teilweise sehr unterschiedlichen Kulturkreisen und Gruppen ebenso unterschiedliche Standpunkte gibt, wird diese Thematik im Blick auf die absolute Wahrheit (AW) in sich doch recht kompliziert. In der folgenden Grafik, die das Entstehen von Wahrheitsverständnis verdeutlicht, werden dann in einem folgenden Text deshalb nochmals verschiedene Wahrheitstypen (Wahrheitstheorien) aus einem anderen Blickpunkt nochmals vorgestellt und beschrieben.

Die menschliche Sprache

wirkt akustisch, in Wort und Schrift

auf den

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Menschen ein.

Die Folge daraus:

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Es entwickelt sich ein Standpunkt. Sie führt zu einer eigenen Meinung.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Die Meinung und der Standpunkt bringt das persönliche Erkennen mit sich.

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Diese Erkenntnis führt dann zu einer persönlichen Wahrheit.

Die menschliche Sprache (akustisch, in Wort oder Schrift) führt über den Standpunkt (S) einerseits, und der Meinung (M) andererseits, zu einem persönlichen erkennen und damit in einem weiteren Schritt zu einem persönlichen Erkennen, also zu der persönlichen Wahrheit (pW).

Stellt man nun den Standpunkt, die Meinung und die Tatsache, die auf die einzelne Person einwirken in drei sich überschneidenden Kreisen dar, dann ergeben sich anteilige unterschiedlich und gewichtige neue Aspekte und Erkenntnisse:

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Setzt man diese Grafik in Beziehung zu Theorien, dann ergeben sich daraus aus folgende Ergebnisse:

- der Überschneidung Standpunkt und Meinung ein Konsens,
- aus der Überschneidung von Standpunkt und Tatsache eine Wahrheit,
- sowie aus der Überschneidung aus Meinung und Tatsache eine Meinungswahrheit und
- aus der Überschneidung aller drei Kreise die absolute Wahrheit.

Die Redundanztheorie und ihre Intention:

Die Vertreter der Redundanztheorie der Wahrheit behaupten kurz und bündig, dass das Wahrheitsprädikat überflüssig ist. Wahrheitsausdrücke, wie beispielsweise „ist wahr“, „es ist wahr, dass ...“ sind in allen Aussagen problemlos eliminierbar, ohne dabei den Inhalt der Aussagen in irgendeiner Weise zu verändern.

Als frühe Vertreter der Redundanztheorie gelten Gottlob Frege und F. P. Ramsey. Für Ramsey gibt es kein selbständiges Problem der Wahrheit, sondern nur eine Sprachverwirrung. Die Redundanzvertreter sind der Überzeugung, dass die Sprache uns täuscht. Sie verstärken ihrerseits das Äquivalenzschema:

Es ist wahr, dass p <=> p

und schreiben ihm Synonymie zu.

Ein Beispiel dazu:

Es ist wahr, dass Schnee weiß ist, ist synonym zu: Schnee ist weiß. Der Zusatz „ist wahr“ fügt dem Satz nichts Neues hinzu. Problematischer erscheinen allerdings die Fälle, in denen der Satz nicht explizit angegeben wird.

Ein Beispiel dazu:

„Er hat immer Recht“. Doch kann das als Implikation aufgefasst werden nach dem Schema: Für alle p gilt, wenn er „p“ behauptet, ist „p“ wahr.

Die Formel (der Ausdruck) „ist p wahr“ entspricht wieder p Formal: Für alle p (er behauptet p p).

Die Wahrheit wird bereits mit der behauptenden Kraft des Satzes ausgesagt. Es gibt keine Eigenschaft „wahr“ und sie ist auch nicht nötig.

Die klassischen Wahrheitstheorien, wie beispielsweise die Korrespondenz – theorie sind nicht falsch, sondern viel schlimmer noch, denn sie versuchen etwas zu definieren, das es nicht gibt.

Die Redundanztheorie ist für einfache Sachverhalte durchaus überzeugend, muss aber bei indirekten Bezügen klare Lösungen und Ergebnisse finden, denn die oben angeführte Implikation ist nicht immer leicht zu formulieren. Die Prädikate „wahr“ in den Sätzen „Einsteins Theorie ist wahr“ oder „Alles, was der Prediger sagte, ist wahr“ sind also nicht redundant.

Die Redundanztheorie der Wahrheit argumentiert wie folgt: Sätze, in denen der Terminus „wahr“ vorkommt, sind in der Regel redundant. Sie vertritt darüber hinaus die Behauptung, beziehungsweise die These in einem folgenden Schritt, dass dieser Terminus ohne Informationsverlust aus der Sprache eliminiert werden kann; er ist demnach also in einem gewissen Sinne sogar überflüssig.

Als die großen Hauptvertreter der Redundanztheorie werden für gewöhnlich die beiden Logiker, beziehungsweise Philosophen Ramsey[123] und Ayer[124] benannt; erstaunlich dabei ist allerdings, dass die Redundanztheorie aber bis auf Gottlob Frege[125] zurückgeführt werden kann, der in seinem Werk „Über Sinn und Bedeutung“ schon 1892 den Grundgedanken der Redundanztheorie formulierte: „Man kann ja geradezu sagen: ‚Der Gedanke, dass 5 eine Primzahl ist, ist wahr. ‘ Wenn man aber genauer zusieht, so bemerkt man, dass damit eigentlich nicht mehr gesagt ist als in dem einfachen Satz: ‚5 ist eine Primzahl’ (…).

Daraus ist zu entnehmen, dass das Verhältnis des Gedankens zum Wahren doch mit dem des Subjekts zum Prädikate nicht verglichen werden darf“.

Frege drückte hier bereits die absolut zentrale Idee der Redundanztheorie aus, dass der Begriff „wahr“ im Grunde gesehen eigentlich nichts zum Sinn der Sätze, in denen er vorkommt, beiträgt und daher inhaltlich redundant = überflüssig ist.

In einer klassischer Form wird dieser Gedanke in Ramseys Facts and Propositions folgendermaßen, schon fast „vernichtende“ formuliert, in dem es hier lapidar nur heißt, dass „es in Wirklichkeit kein gesondertes Wahrheitsproblem gibt, sondern lediglich eine sprachliche Verwirrung (linguistic muddle)“[126].

Wahrheit oder Falschheit können also primär Propositionen (propositions) zugeschrieben werden. Wenn jemand sagt, dass „ p ist wahr “, bejaht er damit lediglich p, und wenn er formuliert, dass „ p ist falsch “, behauptet er damit nicht – p.

Mit diesem Verständnis wird dann aber der Inhalt der Proposition p nicht erweitert. So meint beispielsweise der Satz „Es ist wahr, dass Cäsar ermordet wurde“ nicht mehr als der Satz, dass „Cäsar wurde ermordet“.

Die ergänzende Satzform wie beispielsweise „es ist wahr“, wird deshalb zum einen eigentlich nur aus stilistischen Gründen angewendet oder auch zum Anderen, um einer eigenen Behauptung einen deutlichen, und damit gewichtigen Nachdruck zu verleihen.

Gegen die Redundanztheorie wurde allerdings immer wieder eingewendet[127], dass in ihr der Begriff „wahr“ nicht erklärt und nicht definiert wird. So kann gegen das Cäsarbeispiel von Ramsey ein Papstbeispiel konstruiert werden, in dem das Wort „wahr“ wesentlich vorkommt und nicht eliminiert werden kann: „Alles, was der Papst sagt, ist wahr.“

Die Redundanztheorie der Wahrheit

(von lateinischen redundantia, überströmende Fülle in der Rede – auch die No – Truth – Theorie), die auf Ramsey zurückgeht, eliminiert die Termini „wahr“ und „falsch“ mit der schlichten Begründung, dass die zusätzliche Formulierung „ist wahr“ zu einer Behauptung „p“ nur wiederholt. Die Aussagefunktion „p ist wahr“ drückt nach dieser Theorie genau dasselbe wie „p“ aus, und ist deshalb damit logischerweise überflüssig (redundant) geworden. Da der Terminus „wahr“ aus logischer Sicht kein Prädikat ist, drückt er damit auch keine Eigenschaft aus.

Gegen die Redundanztheorie hat schon Tarski früh eingewendet, dass es unterschiedliche Beispiele dafür gibt, in denen die Elimination des Wahrheitsprädikates zu Problemen führt (alle Konsequenzen einer wahren Aussage sind wahr, die erste Aussage Platons „ist wahr“) und selbst wenn ein Wort (zum Beispiel wahr) auch durch andere Worte definiert werden kann, heißt das noch nicht, dass es auch überflüssig ist.

Der Sinn von Wahrheit besteht demnach im praktischen Unterschied zwischen wahren und unwahren Ideen. Nach James „besteht ein interner Zusammenhang zwischen den Fragen, „was ist Wahrheit?“ einerseits und der Frage, „wie erreichen wir Wahrheit?“ [128]. Mit Blick auf den Verifikationsprozess lässt sich deshalb sagen: „Die Definition von Wahrheit hängt immer auch mit dem Wahrheits kriterium zusammen“[129].

Für das Wahrheitskriterium und der Nützlichkeit in der Praxis wurde schon immer auf eine mögliche Verbindung zu den Wahrheitstheorien von Hegel und Marx hingewiesen[130].

Bertrand Russell kritisierte diese Vermischung von Definition und Kriterium der Wahrheit. Festzustellen, ob die Wirkungen eines Glaubens (auf lange Sicht) gut sind, kann noch schwieriger sein als andere Formen der Verifikation. Andere Menschen könnten diese Vermischung zudem in ihren Auswirkungen für schädlich halten, die wir (Wissenschaftler) als positiv erachten. „Intersubjektive Wahrheit setzt daher voraus, dass alle Einzelinteressen harmonieren[131].“

Die performative Theorie

Ihre Intention: Das Wahrheitsprädikat ist kein eigenständiges Prädikat sondern ein performativer Operator, mit dem die Wissenschaft so etwas wie Zustimmung ausdrückt.

Mit der Zuschreibung von Wahrheit an einen Sachverhalt signalisieren wir die Zustimmung zu einer Aussage. Mit einem Satz wie „Die Aussage: Das Wetter ist scheußlich, ist wahr“ sagen wir tatsächlich nicht mehr, als mit dem Satz „Das Wetter ist scheußlich“. Vielmehr signalisieren wir Zustimmung zu diesem Satz. Die Wahrheitszuschreibung ist nach Peter Strawson[132] ein performativer Akt.

Ramseys Redundanztheorie hatte aber eine ausgesprochen große Wirkung auf die Diskussion des Wahrheitsbegriffs in der sprachanalytischen Philosophie.

Einen der wichtigsten Versuche einer kritischen Ausarbeitung findet sich bei Strawson, der im Jahre 1949 mit seinem Aufsatz Truth das unternahm, in dem er eine performative Theorie der Wahrheit entwickelte[133].

Strawson [134] gibt darin der Redundanztheorie insofern Recht, dass er behauptet, dass „man keine neue Aussage macht, wenn man sagt, dass eine Aussage wahr ist“. Dennoch ist diese Behauptung der Wahrheit nicht überflüssig, da „man etwas über die bloße Aussage Hinausgehendes tut, wenn man sagt, diese Aussage sei wahr“[135].

Die Formulierung (der Ausdruck) „ist wahr“ ist für Strawson damit kein metasprachliches Prädikat, das er zum Sprechen über Sätze verwenden würde.

Er stellt eine „Äußerung ohne Sinn und Zweck (pointless utterance)“ dar. Der Gebrauch von „ist wahr“ ist ein „sprachlicher Vollzug“, mit dem man eine Aussage bloß noch bestätigt, ohne dass inhaltlich etwas Neues ausgesagt wird. Der Ausdruck „es ist wahr, dass“ ist demnach nur der Modus des Aussagens, ein „Performator, welcher eine zunächst bloß mögliche Aussage in eine wirkliche (freilich möglicherweise falsche) Behauptung überführt“[136].

Pragmatismus und Intersubjektivitätstheorien

Pragmatische Theorie

Ihre Intention: Wahrheit mit Nützlichkeit identifizieren.

Fragestellung:

Was bedeutet Nützlichkeit in diesem Zusammenhang?

Pragmatiker gehen noch einen Schritt weiter. Für sie sind Sätze immer dann wahr, wenn sie auch nützlich sind. Ein Satz ist immer genau dann wahr, wenn unser Verhalten, basierend auf der Satzaussage, auch nützliche Ergebnisse bringt. Die von den Korrespondenztheoretikern zugrunde gelegte Sprache – Welt – Beziehung ist nicht statisch, also unbewegt, sondern ganz im Gegenteil dynamisch, schwungvoll und lebendig. Wahrheit ist somit, was sich in der Praxis zunächst auch bewähren muss.

Eine Beurteilung dieser Richtung von Wahrheitstheorien wird Wissenschaftler dadurch deutlich erschwert, da es viele und teilweise sehr unterschiedliche Positionen gibt. William James vertritt einen Instrumentalismus (das Denken und die menschliche Intelligenz werden nur zu einem Instrument zur Anpassung zu wechselnden Bedingungen).

Für William James sind wahre Aussagen wertvolle Handlungsinstrumente. Die bedeutendsten Vertreter dieser Richtung – William James, John Dewey – werden daher auch als Instrumentalisten bezeichnet. Charles S. Peirce änderte die Bezeichnung seiner Theorie allerdings, um sich so ganz bewusst von William James abzugrenzen von „pragmatism“ in „pragmaticism“. Zusätzlich erschwerend sind die Positionen der Hauptvertreter, die in sich selbst nicht konsistent.

Mit der pragmatischen Theorie zeigt sich ein Analogon (Entsprechung) zur Wissenschaftstheorie: Eine Theorie gilt nur solange sie uns nützt und solange sie nicht widerlegt ist. Was funktioniert gilt (vorläufig) als wahr (Charles S. Peirce, William James, John Dewey).

Der Gedanke der Intersubjektivität wurde bereits stark im Deutschen Idealismus herausgearbeitet. Die Verbindung zum Wahrheitsproblem erkannte aber erst Charles S. Peirce[137]. Intersubjektivität wird von Peirce als Ergebnis einer unbegrenzten Forschergemeinschaft verstanden.

„Andererseits sind alle Vertreter der Wissenschaft von der frohen Hoffnung getragen, dass die Prozesse der Forschung, wenn sie nur weit genug voran getrieben werden, zu jeder Frage, auf die sie angewendet werden, eine sichere Lösung ergeben werden. (…). Sie mögen zuerst unterschiedliche Ergebnisse erhalten, aber wenn jeder seine Methoden und Prozesse perfektioniert, wird man feststellen, dass die Ergebnisse sich stetig auf ein vorbestimmtes Zentrum hinbewegen. (…). Die Meinung, der alle Forscher schicksalhaft am Ende zustimmen müssen, ist das, was wir mit Wahrheit meinen, und der Gegenstand, der durch diese Meinung repräsentiert wird, ist das Reale“[138].

Während Charles S. Peirce hier sowohl Intersubjektivität als auch Korrespondenz mit Tatsachen als Aspekte der Wahrheit andeutet, vertritt er an anderer Stelle Grundsätze einer pragmatischen Theorie der Wahrheit: „For truth is neither more nor less than that character of a proposition which consists in this, that belief in the proposition would, with sufficient experience and reflection, lead us to such conduct as would tend to satisfy the desires we should then have. To say that truth means more than this is to say that it has no meaning at all“.

„Denn die Wahrheit ist weder mehr noch weniger als der Charakter eines Satzes, der darin besteht, dass die Überzeugung von diesem Satz uns bei genügender Erfahrung und Reflexion zu einem Verhalten führen würde, das darauf zielen würde, die Wünsche, die wir dann haben würden, zu befriedigen. Sagt man, dass Wahrheit mehr bedeutet als das, so heißt das, dass sie überhaupt keinen Sinn hat“.[139]

Auf Charles Peirce beriefen sich William James[140] und John Dewey[141], die Hauptvertreter der Wahrheitstheorie des Pragmatismus[142]. Bei Peirce und Apel[143] werden Aspekte der pragmatischen Wahrheitstheorie mit der Konsen – sustheorie der Wahrheit verbunden.

Für Herbert Keuth[144] stellt die pragmatistische Wahrheitstheorie im Grunde eine Theorie des Fürwahrhaltens dar; auch kommen wir, um den Erfolg einer Aussage beurteilen zu können, nicht darum herum, die Übereinstimmung mit den Tatsachen zu überprüfen[145].

Ausgehend von den Überlegungen des Pragmatismus und der Sprachphilosophie Wittgensteins entwickelte sich im deutschsprachigen Raum die Intersubjektivitätstheorie der Wahrheit vor allem als Konsensustheorie Jürgen Habermas, Karl – Otto Apel[146].

Geltungsansprüche

Habermas unterscheidet vier Arten von Geltungsansprüchen, die weder aufeinander, noch auf ein gemeinsames Fundament zurückgeführt werden können[147]. Die Erfüllung dieser Geltungsansprüche müssen die Sprecher im kommunikativen Handeln unterstellen. Solange die Verständigung untereinander gelingt, bleiben die wechselseitigen Ansprüche unthematisiert; scheitert sie jedoch, dann sind die Unterstellungen daraufhin zu überprüfen, welche von ihnen denn unerfüllt geblieben sind. Je nach Geltungsanspruch existieren dann auch unterschiedliche Reparaturstrategien:

- Verständlichkeit: Der Sprecher unterstellt das Verständnis der gebrauchten Ausdrücke. Bei Unverständnis wird zu einer Explikation (Erläuterung, Darlegung)durch den Sprecher aufgefordert.
- Wahrhaftigkeit: Die Sprecher unterstellen sich zunächst eine gegenseitige Wahrhaftigkeit. Wird diese dann aber doch angezweifelt, können die Zweifel kaum durch den Sprecher selbst zerstreut werden, da er ja der Unwahrhaftigkeit verdächtig wird.
- Wahrheit: Bezüglich des propositionalen (gleichwertigen) Gehalts der Sprechakte wird Wahrheit unterstellt. Wird diese bezweifelt, muss ein Diskurs (wissenschaftliche Erörterung, beziehungsweise ein Gedankenaustausch) klären, ob der Anspruch des Sprechers überhaupt zu Recht besteht.
- Richtigkeit: Die Richtigkeit der Norm, die mit dem Sprechakt behauptet wird, muss anerkannt werden. Auch dieser Geltungsanspruch ist nur diskursiv einlösbar[148].

Diskurs

Der Geltungsanspruch der Wahrheit einer Aussage wird in einem Diskurs eingelöst, beziehungsweise abgeklärt. Die Einlösung erfolgt in einem Konsens, der jedoch keine zufällige Übereinstimmung sein darf, sondern ein echt begründeter Konsens sein muss, so dass „jeder andere, der in ein Gespräch mit anderen eintreten könnte, und dann demselben Gegenstand das gleiche Prädikat zusprechen würde“. Voraussetzung für einen solchen begründeten Konsens ist eine „ideale Sprechsituation“.

„Die ideale Sprechsituation ist weder ein empirisches (erfahrungsgemäßes) Phänomen (seltenes, eigenartiges Ereignis) noch bloßes Konstrukt (gedankliche Erfindung, haltlose Spekulation), sondern eine in Diskursen unvermeidliche reziprok (wechselseitig ) vorgenommene Unterstellung“.

Damit eine ideale Sprechsituation nicht bloße Fiktion bleibt, müssen wiederum vier Bedingungen der Chancengleichheit aller Diskursteilnehmer erfüllt sein, zunächst zwei triviale (alltägliche), dann zwei nicht triviale:

Zur Unterscheidung

- Chancengleichheit im Bezug auf die Verwendung der kommunikativer Sprechakte, so dass jeder „jederzeit Diskurse eröffnen, sowie durch eine Rede und Gegenrede, beziehungsweise Frage und Antwort“ fortsetzen kann;
- Chancengleichheit im Bezug auf die Thematisierung und Kritik sämtlicher Vormeinungen, so dass „keine Vormeinung auf Dauer der Thematisierung und der Kritik entzogen bleibt“, und demnach problematisiert, begründet oder widerlegt werden kann („Postulat der Redegleichheit“);
- Chancengleichheit im Bezug auf die Verwendung repräsentativer Sprechakte, so dass es allen möglich ist, „ihre Einstellungen, Gefühle und Intentionen zum Ausdruck zu bringen“, um die Wahrhaftigkeit der Sprecher sich selbst und anderen gegenüber zu garantieren („Wahrhaftigkeitspostulat“);
- Chancengleichheit im Bezug auf die Verwendung regulativer Sprechakte, so dass alle „die gleiche Chance haben, (…) zu befehlen und sich zu widersetzen, zu erlauben und zu verbieten, (…)“, damit „Privilegierungen im Sinne einseitig verpflichtender Handlungs – und Bewertungsnormen“ ausgeschlossen sind.[149]

Zur Unterscheidung zwischen Wahrheit und Falschheit nach der Konsenstheorie ist es wichtig, vernünftige Konsense zu identifizieren:

„Ein vernünftiger Konsensus kann von einem trügerischen in letzter Instanz allein durch Bezugnahme auf eine ideale Sprechsituation unterschieden werden. (…) Die Bedingungen der empirischen Rede sind (jedoch) auch dann, wenn wir der erklärten Absicht, einen Diskurs aufzunehmen, folgen, sehr oft nicht mit denen einer idealen Sprechsituation identisch“.[150]

Doch um „den vernünftigen Charakter von Rede“ nicht preisgeben zu müssen, setzen wir voraus, dass ein erzielter Konsens ein vernünftiger Konsens sei, solange „jeder faktisch erzielte Konsensus auch in Frage gestellt und daraufhin überprüft werden kann, ob er ein hinreichender Indikator für einen begründeten Konsensus ist“.[151]

Die dialogische Theorie der Wahrheit im Verständnis der Erlanger Schule

Eine wichtige Grundlage der dialogischen Theorie der Wahrheit, sie wird auch als Dialogtheorie bezeichnet, stellt die Schrift „ Logische Propädeutik Vorschule des vernünftigen Redens“ [152], dar. Wilhelm Kamlah[153] und Paul Lorenzen[154] entwickeln darin die Grundtermini der Lehre vom vernünftigen Reden; dazu gehören bei ihnen auch die Wörter „wahr“ und „falsch“. Sie legen dabei auch großen Wert auf die Bedeutung der „Homologie“, also des „Konsens“ der Gesprächsteilnehmer: „Da wir bei (…) Beurteilung der Wahrheit von Aussagen auf das Urteil anderer rekurrieren, die mit uns dieselbe Sprache sprechen, können wir dieses Verfahren interpersonale Verifizierung nennen.

Wir stellen auf diesem Wege, durch diese „Methode“, Übereinstimmung zwischen dem Sprecher und seinen Gesprächspartnern her, eine Übereinstimmung, die in der Sokratischen Dialogik „Homologie“ genannt wurde“.[155]

„Wahr“ und „falsch“ sind für Kamlah und Lorenzen klare Beurteilungs – prädikatoren. Welche Bedeutung diese Termini haben, kann in der natürlichen Sprache unmissverständlich rekonstruiert werden, denn in der Verbindung mit einem Aufsatz des Lorenzen Schülers Kuno Lorenz[156] erörtert Jürgen Habermas ausführlich den Unterschied zwischen den beiden Theorien

- der Konsenstheorie und
- der dialogischer Theorie der Wahrheit:

Die Festlegung der „Wahrheitsbedingungen einer Aussage mit den Verwendungsregeln der in dieser Aussage auftretenden sprachlichen Ausdrücke“ bedeute eine Verwechselung von Verständlichkeit und Wahrheit[157]. Wegen dieser „analytische(n) Wahrheitstheorie“[158] trage der Erlanger Ansatz „zur Begründung einer von der Konsensustheorie der Wahrheit geforderten Logik des Diskurses (…) aber Wesentliches nicht bei“[159].

Die sprachanalytisch orientierte Wahrheitstheorien

In Verbindung mit dem neuen Forschen und dem Hinterfragen in der sprachanalytischen Philosophie, verstärkte sich im 20. Jahrhundert, ist auch wieder ein verstärktes Interesse an der Wahrheitsproblematik zu beobachten. Der Begriff der Wahrheit wurde dabei/dadurch sogar teilweise innerhalb hochkomplexer Wahrheitstheorien intensiv ausgebaut. Die dabei vertretenen und teilweise sehr unterschiedlichen Positionen werden hinsichtlich der Frage, welchen „Gegenständen“ der Prädikator „wahr“ zugesprochen werden kann sichtbar/erkennbar, ebenso wie im Blick auf die der Kriterien, wann eigentlich von Wahrheit gesprochen werden kann.

In diesen beschriebenen Theorien wird „Wahrheit“ aber nicht mehr wie beispielsweise in der Korrespondenztheorie als eine Eigenschaft des Bewusstseins oder Denkens verstanden, sondern als eine Eigenschaft von sprachlichen Gebilden, wie Sätzen oder Propositionen, aufgefasst.

Die semantische Theorie der Wahrheit

Als eine der einflussreichsten sprachanalytisch orientierten Theorien wird die semantische Wahrheitstheorie von Alfred Tarski[160] (auch logisch – semantische oder formal – semantische Wahrheitstheorie) in der Fachwelt gesehen, beziehungsweise bezeichnet. Tarskis Ziel ist dabei eine Definition der Wahrheit, und zwar im Anschluss an den Gebrauch der Umgangssprache zum Einen, und in Präzisierung der Korrespondenztheorie zum Anderen. Darüber hinaus zeigt er dabei zusätzlich Möglichkeiten auf, wie und unter welchen Bedingungen von einem vorgelegten Ausdruck bewiesen werden kann, dass er wahr ist.

Für Tarski bezieht sich der Begriff der Wahrheit stets auf eine bestimmte Sprache. Zur Vermeidung von Antinomien (Unvereinbarkeit von Gesetzen) schlägt Tarski vor, die semantischen Prädikate wie „wahr“ oder „falsch“ in einer Sprache über der Sprache, also in einer Metasprache zu verwenden. In dieser Metasprache sollen dann in einem weiteren Schritt alle Aussagen mit „wahr“ oder „falsch“ bezeichnet werden, die in einer von der Metasprache getrennten Objektsprache, also einer Sprache, in der Menschen ihre Äußerungen über Nichtsprachliches kommunizieren, formuliert sind. Da für jede Sprache L das Prädikat „wahr in L“ aus L selbst verbannt werden soll, kommt es zu einer Hierarchisierung der Sprachen, für die Wahrheitsprädikate wider – spruchsfrei definiert werden können.

Für seine Definition geht Tarski vom Begriff der Erfüllung aus. In der Logik erfüllt ein Subjekt immer dann eine Aussagefunktion, wenn diese Funktion durch das Einsetzen des Namens des betreffenden Subjekts wahr wird.

Der Begriff „Erfüllung“ wird hier an dieser Stelle also über den Begriff „wahr“ definiert. Diese Definition kann man aber auch umdrehen und dann sagen: Wahr ist eine Aussage, wenn ihr Subjekt die Aussagefunktion erfüllt. Der Begriff „Erfüllung“ muss jetzt aber zur Vermeidung eines Zirkels ohne Rekurs auf den Begriff „wahr“ definiert werden. Nach Tarski ist dies möglich: Ein Subjekt erfüllt eine Aussagefunktion, wenn ihm die im Prädikat ausgedrückte Eigenschaft zukommt, also: „(T) x(p) ist eine wahre Aussage dann und nur dann, wenn p“[161] 159 bei dieser „Äquivalenz der Form (T)“ handelt es sich nach Tarski nicht um eine Definition der Wahrheit, da hier keine Aussage, sondern eben nur das Schema einer Aussage – eine Aussageform – vorliegt: „Wir können nur sagen, dass jede Äquivalenz der Form (T), die wir nach Ersetzung von ‚p‘ durch eine partikuläre Aussage und von ‚X‘ durch den Namen dieser Aussage erhalten, als eine partielle Definition der Wahrheit betrachtet werden kann, die erklärt, worin die Wahrheit dieser einen individuellen Aussage besteht. Die allgemeine Definition muss in einem gewissen Sinne die logische Konjunktion all dieser partiellen Definitionen sein“[162].

Die dialektische – materialistische Widerspiegelungstheorie

Der Dialektische Materialismus vertritt eine Widerspiegelungstheorie der Wahrheit. Sie wird als eine Übereinstimmung des Bewusstseins mit dem bewussten Objekt verstanden. Dabei wird Wahrheit in den Dienst der Praxis gestellt, in der sie ihr ausschließliches Kriterium findet. Marx drückt dies in seiner zweiten These über Feuerbach aus: „Die Frage, ob dem menschlichen Denken gegenständliche Wahrheit zukomme – ist keine Frage der Theorie, sondern eine praktische Frage. In der Praxis muss der Mensch die Wahrheit, in einer Wirklichkeit und Macht, Diesseitigkeit seines Denkens beweisen. Der Streit über die Wirklichkeit oder Nichtwirklichkeit des Denkens – das von der Praxis isoliert ist – ist eine rein scholastische Frage“ (Karl Marx, Thesen über Feuerbach, von Engels 1888 als Anhang verfasst. MEW Band 3, Seite 5).

Während im orthodoxen Marxismus das Bewusstsein als „Abbild“ des Sachverhalts verstanden wird, gehen die neuere Richtungen dazu über, diese Funktion der sprachlichen Gebilden Aussagen wie

- „Sie (die Wahrheit) wird definiert als Eigenschaft der Aussagen, mit dem widergespiegelten Sachverhalt überein zu stimmen“ (Artikel „Wahrheit“, in Georg Klaus, Manfred Buhr, Herausgeber, Philosophisches Wörterbuch, 11. Auflage, Leipzig, 1975) zuzuschreiben:

Die Wahrheit stellt immer ein Verhältnis dar, und zwar das Verhältnis des abgebildeten Objektes im Bewusstsein und dem Objekt selbst. Falls die Widerspiegelung adäquat ist, dann wird hier von einer (relativen) Wahrheit gesprochen. Das Kriterium hierfür bildet die Praxis. Der dialektische Materialismus unterscheidet die relative Wahrheit von der absoluten Wahrheit, doch er sieht beide als eine dialektische Einheit an:

- Eine absolute Wahrheit sei beispielsweise die Abstammung des Menschen von den Tieren. Die Relativität dieser Wahrheit ergibt sich zum Beispiel aus der Entwicklung der Erkenntnis der Menschheit, welche die Naturprozesse immer vollkommener erkennt und somit „neue“, genauere, höhere Wahrheiten herausfindet.

Darwins[163] These ist absolut wahr, doch sie kann ergänzt und immer genauer bestimmt werden. Somit erhalten die Menschen eine immer höhere relative Wahrheit, denn eine endgültige, ewige Wahrheit gibt es für den dialektischen Materialismus nicht.

Die logisch – empiristisch Bildtheorie

Auch innerhalb des Logischen Empirismus findet sich eine Abbildtheorie der Wahrheit. Klassisch wird diese Theorie im Werk des frühen Ludwig Wittgenstein ausgearbeitet. Im Tractatus Logico – Philosophicus (Ludwig Wittgenstein[164] ), geht Wittgenstein zunächst einmal davon aus, dass wir uns Bilder von der Wirklichkeit machen. Sie sind ein „Modell der Wirklichkeit“. Bilder drücken sich in Gedanken aus, deren Gestalt dann „der sinnvolle Satz“ darstellt.

Wittgenstein definiert die Wirklichkeit als „die Gesamtheit der Tatsachen“. Tatsachen sind bei ihm bestehende Sachverhalte, die von bloßen, nicht bestehenden Sachverhalten sehr wohl zu unterscheiden sind. Sie bestehen aus Gegenständen oder Dingen und der Verbindung zwischen ihnen. Auch der Satz ist eine Tatsache. Eine Tatsache wird zum Bild durch die „Form der Abbildung“, die sie dann mit dem Abgebildeten gemeinsam hat. Wittgenstein versucht das an folgendem Beispiel deutlich zu machen: „Die Grammophonplatte, der musikalische Gedanke, die Notenschrift, die Schallwellen; sie stehen alle in jener abbildenden Beziehung zueinander, die zwischen der Sprache und der Welt besteht.“

Ebenso wie die Notenschrift für ihn ein Bild der durch sie dargestellten Musik ist, stellt der Satz auch „ein Bild der Wirklichkeit“ dar. Ein Satz besteht aus Namen und den Beziehungen zwischen ihnen. Er ist wahr, wenn sich die in ihm enthaltenen Namen auf reale Gegenstände beziehen und die Beziehung zwischen den Namen den dargestellten Gegenständen entspricht.

Zum Nachweis der Wahrheit eines konkreten Satzes geht man nach Tarski von einer Liste von Fundamentalaussagen aus, die von ihm als erfüllt vorausgesetzt werden. Diese Fundamentalaussagen sind Axiome, also Aussagen, die auch ohne Beweis angenommen werden, oder auch Beobachtungsdaten, die den Anschluss an die Wirklichkeit darstellen.

Gelingt es mit Hilfe der Logik, den fraglichen Satz aus den Fundamentalaussagen abzuleiten, ist er damit auch erfüllt (detaillierte Beispiele finden sich unter anderem bei Wolfgang Künne[165], Wahrheit, in Ekkehard Martens/Herbert Schnädelbach, Herausgeber, Philosophie. Ein Grundkurs, Band 1, Rowohlt, Reinbek bei Hamburg, 1994, Seite 116 – 171; Wolfgang Stegmüller[166], Das Wahrheitsproblem und die Idee der Semantik, Eine Einführung in die Theorien von A. Tarski und R. Carnap, Springer, Wien, 1957, sowie Ernst Tugendhat[167] /Ursula Wolf[168], Logisch semantische Propädeutik, Reclam, Stuttgart, 1993).

Eine allgemeine Definition von Wahrheit ist für Tarski nur im Rahmen der formalen Sprachen möglich. In der normalen Sprache kann immer nur geklärt werden, „worin die Wahrheit dieser einen individuellen Aussage besteht“ (Alfred Tarski, Die semantische Konzeption der Wahrheit und die Grundlagen der Semantik, 1944, in Gunnar Skirbekk (Herausgeber), Wahrheitstheorien, Eine Auswahl aus den Diskussionen über Wahrheit im 20. Jahrhundert, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1977, Seite 140 – 188, hier Seite 145). So auch in seinem berühmt gewordenen Beispiel: „ ‚Es schneit‘ ist eine wahre Aussage dann und nur dann, wenn es schneit“ (Alfred Tarski, Der Wahrheitsbegriff in den formalisierten Sprachen, in Studia Philosophica Commentarii Societatis philosophicae Polonorum, Band I, Leopoli (Lemberg) 1935, Seite 268. Neu abgedruckt in K. Berka/L. Kreiser, Logik – Texte, Kommentierte Auswahl zur Geschichte der modernen Logik, 4. Auflage, Akademie Verlag, Berlin, 1986).

Er sagt jedoch: „Die für formalisierte Sprachen gewonnenen Ergebnisse haben auch in Bezug auf die Umgangssprache eine gewisse Geltung und zwar dank des Universalismus der letzteren: indem wir eine beliebige Definition einer wahren Aussage (…) in die Umgangssprache übersetzen, erhalten wir eine fragmentarische Definition der Wahrheit“ (Alfred Tarski, Der Wahrheitsbegriff in den formalisierten Sprachen, in K. Berka/L. Kreiser, Logik – Texte, Kommentierte Auswahl zur Geschichte der modernen Logik. 4. Auflage, Akademie Verlag, Berlin, 1986, §1).

Scheinbar bezieht sich diese Definition auf eine Korrespondenz zwischen der Aussage („es schneit“) und der Tatsache („wenn es schneit“), so dass deshalb häufig angenommen wird, der logisch – semantische Wahrheitsbegriff Tarskis geht vom Gedanken der Korrespondenz aus. Selbst wenn das ein Ziel Tarskis war, die Präzisierung der Korrespondenztheorie, so wurde jedoch doch immer wieder eingewendet, Tarskis Theorie systematisch auf der Annahme basiert, sodass „die Rahmentheorie, die axiomatische Mengenlehre konsistent ist, also keinen Widerspruch, keine Formel der Form ‚A und non – A‘ gemäß der Schlussregeln der klassischen Logik zu deduzieren erlaubt“. (Lothar Kreiser/Pirmin Stekeler – Weithofer, Wahrheit/Wahrheitstheorie, in Hans Jörg Sandkühler, Herausgeber, Enzyklopädie Philosophie, Band 2, O – Z, Meiner, Hamburg, 1999, Seite 1712 – 1722, Seite 1714) Daher beruhe die „oft so genannte ‚Korrespondenztheorie‘ der W(ahrheit) der Tarski – Nachfolge auf einer reinen Kohärenztheorie“. (Lothar Kreiser/Pirmin Stekeler – Weithofer, Wahrheit/Wahrheitstheorie. in Hans Jörg Sandkühler, Herausgeber, Enzyklopädie Philosophie, Band 2, O – Z, Meiner, Hamburg 1999, Seite 1712 – 1722, Seite 1714) Dennoch ist Tarskis Einfluss nicht zu leugnen: „Wie kaum eine andere hat diese Wahrheitstheorie in der neueren Philosophie breite Resonanz gefunden und sich problemlos, nahezu von selbst, in die Wissenschaftstheorie wie in die Metamathematik (…) eingefügt. Den Tarskischen Wahrheitsbegriff benutzen heute alle modernen Wahrheitstheorien“ (Karen Gloy, Wahrheitstheorien, Eine Einführung, Tübingen 2004, Seite 146).

Die Geschichte von den blinden Männern und dem Elefanten

Die Wahrheit ist für jeden Menschen ebenso unterschiedlich, wie die Untersuchung der unterschiedlichen Körperteile eines Elefanten durch blinde Männer, denn sie kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen:

Eine kleine Geschichte dazu:

Der Blinde, der das Bein befühlt sagt, dass ein Elefant wie eine Säule ist; der, der den Schwanz befühlt, dass ein Elefant wie ein Seil ist; der, der den Rüssel befühlt, dass ein Elefant wie ein Rohr ist; der, der das Ohr befühlt, dass ein Elefant wie ein Handfächer ist; der, der den Bauch befühlt, dass ein Elefant wie eine Wand ist; der, der den Stoßzahn befühlt, dass ein Elefant wie ein Ast ist.

Die Männer begannen zu streiten, was ein Elefant ist und die Schlichtung erschien unmöglich, da ja jeder aus seinem Blickwinkel Recht hatte. Da nahm einer der blinden Männer die Hand eines anderen Blinden und führte sie über das Bein, um zu demonstrieren, dass ein Elefant wie eine Säule ist. Dann versetzte sich jeder der anderen Männer in die verschiedenen Positionen und untersuchte die anderen Körperteil des Elefanten, der Streit verwandelte sich in eine lange, intensive Diskussion, bis man endlich einen Konsens darüber gefunden hatte, was ein Elefant nun tatsächlich ist; doch das Elefanten graue Tiere sind, das erfuhren die blinden Männer nie, denn die Farbe konnten sie nicht ertasten.

Induktion und Deduktion

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]

Induktion: „Sokrates ist sterblich“ und „Sokrates ist ein Mensch“, daraus ergibt die => Verallgemeinerung „Alle Menschen sind sterblich“.

Auf die Erfahrung jedes einzelnen Blinden bezogen wurde in einer Elefantentheorie erkannt und vereinigt (Induktion): Ein Elefant besteht aus einer Säule, einem Seil, einem Ast, einem Handfächer, einem Rohr sowie einer Wand.

Dank dieser Elefantentheorie hatten die blinden Männer die notwendigen Kriterien definiert, um beim nächsten Mal mit „Sicherheit“ feststellen zu können, ob vor ihnen ein echter Elefant steht (Deduktion).

Von der Erfahrung auf das Allgemeine schließen

Die Elefantentheorie baut auf den Erfahrungen der blinden Männer auf. Das Gehirn des Menschen versucht Muster zu erkennen und diese auch nach Möglichkeit zu verallgemeinern.

- Das Baby schlägt gegen die Rassel und diese gibt Geräusche von sich. Das Baby wiederholt diesen Vorgang immer wieder und lernt so seine Umwelt immer besser kennen.
- Das Gehirn lernt: Es verbindet Sinneseindrücke mit Muskelbewegungen, es erkennt Zusammenhänge und verallgemeinert diese Erfahrung. Jeder Mensch hat eine Ansammlung von unbewussten und bewussten Verallgemeinerungen, die unser tägliches Leben vereinfachen. Unsere Überzeugungen, Glaubenssätze und Theorien bestimmen unser Leben.

[...]


[1] Lexikon der Philosophie, Uwe Wiedemann

[2] Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, Mannheim, 2001

[3] Friedrich Ludwig Gottlob Frege, * 8. November 1848 in Wismar; † 26. Juli 1925 in Bad Kleinen, war ein deutscher Logiker, Mathematiker und Philosoph.

[4] Alfred Tarski beziehungsweise ursprünglich Alfred Tajtelbaum oder Teitelbaum, geboren am 14. Januar 1901 (nach anderen Quellen: 1902) in Warschau; † 26. Oktober 1983 in Berkeley, USA, war ein polnisch – US – amerikanischer Mathematiker und Logiker.

[5] Die Bibel, Brief an die Römer, Kapitel, Vers 25

[6] Die Bibel, Johannesevangelium, Kapitel 14, Vers 6

[7] Als Superstringtheorie (abkürzend meist Stringtheorie) bezeichnet man eine Sammlung eng verwandter hypothetischer physikalischer Modelle mit dem Ziel, alle bisher beobachteten Fundamentalkräfte der Physik einheitlich zu erklären. Sie gilt damit dann als Ansatz für die in der Physik gesuchte Vereinheitlichung der Gravitation (Schwerkraft, Anziehungskraft, die zwischen allen Körpern und Massen wirkt, im Besonderen zwischen Himmelskörpern) mit den Quantenfeldtheorien der nicht gravitativen Wechselwirkungen. Bisher ist die Theorie nicht experimentell überprüft. Je nach Grundannahmen werden in den Stringtheorien etwas unterschiedliche, aber ähnliche Schlussfolgerungen gezogen. Alle Stringtheorien haben jedoch das gemeinsame Grundkonzept, dass Strings (englisch für Fäden), als fundamentale Objekte mit eindimensionaler räumlicher Ausdehnung angenommen werden.

[8] Friedrich Ludwig Gottlob Frege, * 8. November 1848 in Wismar; † 26. Juli 1925 in Bad Kleinen, war ein deutscher Logiker, Mathematiker und Philosoph.

[9] Privatdozent Dr. habil. Klaus – Jürgen Grün, * 16. April 1957, ist ein deutscher Philosoph. Er gilt als Kritiker der akademischen Philosophie.

[10] Augustinus von Hippo, * 13. November 354 in Tagaste (Thagaste), in Numidien heute Souk Ahras in Algerien; † 28. August 430 in Hippo Regius in Numidien, heute Annaba in Algerien.

[11] Klaus – Jürgen Grün, * 16. April 1957, ist ein deutscher Philosoph. Er gilt als Kritiker der akademischen Philosophie.

[12] Schleiermacher, * 21. November 1768 in Breslau; † 12. Februar 1834 in Berlin, war protestantischer Theologe, Altphilologe, Philosoph, Publizist, Staatstheoretiker, Soziologe, Kirchenpolitiker und Pädagoge.

[13] Voltaire, geboren am 21. November 1694 in Paris; † 30. Mai 1778 in Paris; eigentlich François Marie Arouet, war einer der meistgelesenen und einflussreichsten Autoren der französischen und europäischen Aufklärung.

[14] Anselm von Canterbury * um 1033 in Aosta; † 21. April 1109 in Canterbury; Anselm von Aosta (Geburtsort) oder Anselm von Bec, seinem Kloster

[15] Thomas von Aquin, * um 1225 auf Schloss Roccasecca bei Aquino in Italien; † 7. März 1274 in Fossanova

[16] Marian David, „The Correspondence Theory of Truth“, in der Stanford Encyclopedia of Philosophy, englisch, inklusive Literaturangaben.

[17] René Descartes, *31. März, 1596, in La Haye/Touraine, Frankreich; † 11. Februar 1650 in Stockholm, Schweden, war ein französischer Philosoph, Mathematiker und Naturwissen – schaftler.

[18] Husserl, * 8. April 1859 in Proßnitz, Mähren; † 27. April 1938 in Freiburg im Breisgau), war ein Philosoph und Mathematiker. Der Geburt nach Österreicher erwarb Husserl 1896 die preußische Staatsangehörigkeit.

[19] Arthur Schopenhauer, * 22. Februar 1788 in Danzig; † 21. September 1860 in Frankfurt am Main, war ein deutscher Philosoph, Autor und Hochschullehrer. Er war der Sohn der Schriftstellerin und Salonière Johanna Schopenhauer und Bruder der Schriftstellerin Adele Schopenhauer.

[20] Ludwig Josef Johann Wittgenstein, * 26. April 1889 in Wien; † 29. April 1951 in Cambridge) war ein österreichisch – britischer Philosoph. Er lieferte bedeutende Beiträge zur Philosophie der Logik, der Sprache und des Bewusstseins. Seine beiden Hauptwerke Logisch – philosophische Abhandlung(Tractatus Logico – Philosophicus 1921) und Philosophische Untersuchungen (1953, postum) wurden zu wichtigen Bezugspunkten zweier philosophischer Schulen, des Logischen Positivismus und der Analytischen Sprachphilosophie.

[21] Nietzsche, *15. Oktober 1844 in Röcken bei Lützen; † 25. August 1900 in Weimar, war ein deutscher Philosoph, Dichter und klassischer Philologe.

[22] Nietzsche, Nachgelassene Fragmente, KSA 13, Seite 226

[23] Kierkegaard, * 5. Mai 1813 in Kopenhagen; † 11. November 1855 in Kopenhagen, war ein dänischer Philosoph, Essayist, Theologe und religiöser Schriftsteller.

[24] Johannes Hirschberger, Geschichte der Philosophie, Band 1, Seite 494, Herder Verlag, Freiburg, 1980

[25] Kant, * 22. April 1724 in Königsberg; † 12. Februar 1804 in Königsberg, war ein deutscher Philosoph der Aufklärung. Er zählt zu den bedeutenden Vertretern der abendländischen Philosophie. Sein Werk Kritik der reinen Vernunft kennzeichnet einen Wendepunkt in der Philosophiegeschichte und den Beginn der modernen Philosophie.

[26] Kant, Kritik der reinen Vernunft

[27] RGV., viertes Stück, Zweiter Teil, §2

[28] Kant, Metaphysik der Sitten, VIII, Seite 563

[29] Kant, Metaphysik der Sitten, VIII, Seite 562f.

[30] Heidegger, * 26. September 1889 in Meßkirch; † 26. Mai 1976 in Freiburg im Breisgau, war ein deutscher Philosoph

[31] Wilhelm Dilthey, * 19. November 1833 in Wiesbaden – Biebrich; † 1. Oktober 1911 in Seis am Schlern, Südtirol, war ein deutscher Philosoph, Psychologe und Pädagoge. Entgegen dem zu seiner Zeit stark verbreiteten Naturalismus entwickelte Dilthey ein lebensphilosophisches Fundament, welches das menschliche Leben und die Formen seines Ausdrucks nicht mehr nur nach Naturgesetzlichkeiten erklärte.

[32] Aristoteles, Betonung lateinisch und deutsch: Aris'toteles, * 384 vor Christus in Stageira auf der Halbinsel Chalkidike; † 322 vor Christus in Chalkis auf der Insel Euboia, gehört zu den bekanntesten und einflussreichsten Philosophen der Geschichte.

[33] Aristoteles – Nikomachische Ethik, Übersetzung Eugen Rolfes, 1921

[34] Sokrates, * 469 vor Christus in Alopeke, Athen; † 399 vor Christus, war ein für das abendländische Denken grundlegender griechischer Philosoph, der in Athen zur Zeit der Attischen Demokratie lebte und wirkte.

[35] Michel Eyquem de Montaigne, * 28. Februar 1533 auf Schloss Montaigne im Périgord; † 13. September 1592 ebenda, war Politiker, Philosoph

[36] Platon, * 428/427 vor Christus in Athen oder Aigina; † 348/347 vor Christus in Athen, war ein antiker griechischer Philosoph

[37] http://www.cassiodor.com/Artikel/5077.aspx

[38] Ernst Simon Bloch, * 8. Juli 1885 in Ludwigshafen am Rhein; 4. August 1977, Tübingen, war ein deutscher marxistischer Philosoph.

[39] Albert Camus, * 7. November 1913 in Mondovi, Algerien; † 4. Januar 1960 nahe Villeblevin, Yonne, Frankreich, war ein französischer Schriftsteller und Philosoph und gilt als einer der bekanntesten französischen Autoren des 20. Jahrhunderts. 1957 erhielt er für sein erzählerisches, dramaturgisches, philosophisches und publizistisches Gesamtwerk den Nobelpreis für Literatur.

[40] Peter Möller, Jahrgang 1952; geboren und aufgewachsen in Hamburg. Seit 1990 lebt er in Berlin. Vor langer Zeit Volksschüler und Arbeiter. Später Studium über den 2. Bildungsweg an der Hochschule für Wirtschaft und Politik (HWP) Hamburg und an den Universitäten Hamburg und Freiburg im Breisgau. Diplom – Sozialwirt. Nach dem Studium Tätigkeiten in der Jugend – und Sozialarbeit, der Erwachsenenbildung, als Kabarettist, Internetprogram – mierer und Schriftsteller.

[41] Emerich Coreth: Metaphysik: Eine methodisch – systematische Grundlegung, Seite 350, Tyrolia, Innsbruck/Wien/München, 1961

[42] Emerich Coreth: Metaphysik: Eine methodisch – systematische Grundlegung, Seite 354, Tyrolia, Innsbruck/Wien/München, 1961

[43] Eckhart von Hochheim, bekannt als Meister Eckhart, * um 1260 in Hochheim bei Gotha† vor dem 30. April 1328 in Avignon oder Köln, war ein bedeutender Theologe und Philosoph des christlichen Mittelalters. Seine Schriften hatten großen Einfluss auf die rheinländische Mystik; Eckhart selbst als Mystiker zu bezeichnen ist umstritten.

44 Albertus Magnus (auch Albertus Teutonicus; Albertus Coloniensis; Albert der Große, Albert der Deutsche, Albert von Lauingen, oft auch fälschlich Albert Graf von Bollstädt genannt), * um 1200 in Lauingen an der Donau; † 15. November 1280 in Köln) war ein deutscher Gelehrter und Bischof, der wegbereitend für den christlichen Aristotelismus des hohen Mittelalters war. Im Jahr 1622 wurde er selig und am 16. Dezember 1931 von Papst Pius XI. heilig gesprochen und zum Kirchenlehrer erklärt.

[45] Joseph Maréchal, * 1. Juli 1878 in Charleroi; † 11. Dezember 1944 in Löwen, war ein belgischer Jesuit und Philosoph des Neuthomismus. Nach dem Studium der Zoologie, Psychologie, Philosophie und Theologie wurde er 1908 zum Priester geweiht. Von 1919 bis 1935 war er Professor am Jesuitenkolleg Löwen. Maréchal konfrontierte den Neuthomismus mit Immanuel Kant und dem deutschen Idealismus. Darüber hinaus sind seine Studien zur Psychologie der Mystiker bekannt geworden. Im deutschen Sprachraum hatte er besonderen Einfluss auf Karl Rahner und Johannes Baptist Lotz.

[46] Jacques Maritain, * 18. November 1882 in Paris; † 28. April 1973 in Toulouse, war ein französischer Philosoph.

[47] Étienne Gilson, * 13. Juni 1884 in Paris; † 19. September 1978 in Auxerre, Dé – partement Yonne, war ein französischer Philosoph und Historiker.

[48] Erich Przywara, * 12. Oktober 1889 i n Kattowitz; † 28. September 1972 in Hagen bei Murnau, war Jesuit, katholischer Philosoph und Theologe.

[49] Johannes Baptist Lotz, * 2. August 1903 in Darmstadt; † 3. Juni 1992 in München; auch: Johannes B. Lotz, war ein deutscher Jesuit und Philosoph des Neuthomismus und der katholischen Existenzphilosophie.

[50] Walter Brugger, * 17. Dezember 1904 in Radolfzell; † 13. Mai 1990 in München war ein deutscher Jesuit und Philosoph.

[51] Karl Rahner, * 5. März 1904 – 30. März 1984, war ein deutscher Jesuit und Theologe, der neben Bernard Lonergan und Hans Urs von Balthasar, einflussreicher Theologe, gilt meist als einer der römisch – katholischen Theologen des 20. Jahrhunderts. Er war der Bruder von Hugo Rahner. Society of Jesus Er war geboren in Freiburg und starb in Innsbruck, Österreich.

[52] Bernard Joseph Francis Lonergan, S.J., CC, * 17. Dezember 1904; † 26. November 1984, war ein kanadischer jesuitischer Theologe und Religionsphilosoph.

[53] Emerich Coreth, * 10. August 1919 in Raabs an der Thaya; † 1. September 2006 in Innsbruck, war ein österreichischer katholischer Theologe und Philosoph.

[54] Réginald Garrigou – Lagrange, * als Gontran Garrigou – Lagrange, latinisiert Reginaldus Garrigou – Lagrange; * 21. Februar 1877 in Auch (Vendée / Frankreich); † 15. Februar 1964 in Rom) war ein französischer Dominikaner.

[55] Ramires Santiago, *29. Dez. 2002. Spanischer Thomist und Dominikaner. * 1891 in Burgos, † 1967 zu Salamanca.

[56] Wird verschiedenen Leuten zugeschrieben. Unabhängig davon, wem dieser Aphorismus zum ersten Mal einfiel, er gibt kurz, knapp, treffend und humorvoll wieder, wie wenig die Wahrheit häufig erwünscht ist.

[57] Otto von Bismarck, deutscher Reichskanzler 1815 – 1898

[58] Andreas von Rétyi, * 1963 in München, ist Publizist und Autor populär – und parawissenschaftlicher Bücher mit dem Schwerpunkt Ufologie.

[59] Franz Kafka, Erzählungen, „Die Verwandlung”, von 1914

[60] Definition des Begriffs Wahrheit: Encarta® Enzyklopädie Professional 2003 ©

[61] Encarta® Enzyklopädie Professional 2003 © 1993 – 2002

[62] Encarta® Enzyklopädie Professional 2003 © 1993 – 2002

[63] John Milbank, Catherine Pickstock in Truth in Aquinas, Seite 6 ff., Routledge 2001

[64] 1981; 2001 – 2007: Studium der Philosophie und Mittelalterlichen Geschichte in Düsseldorf, Leuven (als SOKRATES/ERASMUS – Stipendiat) und Köln; Thema der Magisterarbeit: „Thomas von Aquin über Handlung, Freiheit und Intentionalität“

[65] Tobias Davids in Wahrheit als Korrespondenz und Adäquation, Überlegungen zur Wahrheitskonzeption des Thomas von Aquin, in dem Philosophischen Jahrbuch 113/1, Seite 63 – 77, 2006

[66] Vergleiche dazu Thomas von Aquin, Quaestiones disputatae de veritate q.1.a.1.

[67] Thomas von Aquin, Summa theologiae I, q.21 a.2., lateinisches Original; Thomas von Aquin, Summa theologiae I, q.21 a.2.

[68] Donald Herbert Davidson, * 6. März 1917 in Springfield, Massachusetts; † 30. August 2003 in Berkeley, Kalifornien, war ein US-amerikanischer analytischer Philosoph

[69] Charles S. Peirce (1839-1914), bekannt als Logiker, Philosoph, Mathematiker und Physiker, zählt zu den wichtigsten Denkern der modernen Philosophie.

[70] William James, * 11. Januar 1842 in New York; † 26. August 1910 in Chocorua, New Hampshire; er war ein US – amerikanischer Psychologe und Philosoph (Pragmatist) und der Begründer der amerikanischen Psychologie. Er war von 1876 bis 1907 Professor für Psychologie und Philosophie an der Harvard University.

[71] Emerich Coreth, Jesuit, * 10. August 1919 in Raabs an der Thaya; † 1. September 2006 in Innsbruck, war ein österreichischer katholischer Theologe und Philosoph. Wegen seines Denkens, das im 20. Jahrhundert in Auseinandersetzung mit Immanuel Kant und neueren Philosophen Metaphysik begründen will, wird er dem Neuthomismus zugerechnet. Bekannt wurde er vor allem durch seine philosophiegeschichtlichen Werke, die sich mit der Philosophie des 17. bis 20. Jahrhunderts, zumeist um objektive Darstellung bemüht, auseinandersetzen.

[72] Karl Rahner, Jesuit, * 5. März 1904 in Freiburg im Breisgau; † 30. März 1984 in Innsbruck, war ein deutscher katholischer Theologe.

[73] Johannes Baptist Lotz, * 2. August 1903 in Darmstadt; † 3. Juni 1992 in München; war ein deutscher Jesuit und Philosoph des Neuthomismus und der katholischen Existenzphilosophie.

[74] Vergleiche dazu Emerich Coreth: Metaphysik: Eine methodisch – systematische Grund – legung. Tyrolia, Innsbruck/Wien/München 1961, Seite 350. Den Hintergrund bildet die Auffassung von einer grundsätzlichen Identität von Sein und Wissen: „Sein ist ursprünglich und eigentlich Sich – Wissen, wissendes Bei – sich – Sein im geistigen Vollzug“ Vergleiche Emerich Coreth: Metaphysik: Eine methodisch –systematische Grundlegung, Seite 354, Tyrolia, Innsbruck/Wien/München 1961

[75] Aristoteles, Metaphysik 1011 b 26ff.

[76] Hilary Whitehall Putnam, * 31. Juli 1926 in Chicago, Illinois, ist ein amerikanischer Philosoph. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren der Sprachphilosophie und der Philosophie des Geistes im 20. Jahrhundert.

[77] Epikur vom griechischen Ἐπίκουρος, Epíkouros abgeleitet; * um 341 vor Christus auf Samos; † 271 oder 270 vor Christus in Athen, war ein griechischer Philosoph und Begründer des Epikureismus. Epikur (341 – 270 vor Christus) gibt erstmals eine rationale Erklärung für das Entstehen der Religion: Ihre Lehren seien nur ein Abbild menschlicher Ideen, die keine äußeren Einwirkungen zu ihrer Erklärung benötigen. Die Götter der griechischen Mythologie erwiesen sich durch ihre anthropomorphen (menschenähnlichen) Züge als Wunschgebilde. Diese Kritik trifft indirekt – da Epikur sie nicht ausdrücklich darauf bezog – auch das Gottesbild der Bibel, das den personalen Schöpfergott mit menschlichen Eigenschaften ausstattet und in bewusst menschlicher Sprache auch vom „eifersüchtigen“, „zornigen“, „reuigen“ und „liebenden“ Gott spricht.

[78] William James, * 11. Januar 1842 in New York; † 26.August 1910 in Chocorua, New Hampshire, war ein US – amerikanischer Psychologe und Philosoph (Pragmatist) und der Begründer der amerikanischen Psychologie. Er war von 1876 bis 1907 Professor für Psychologie und Philosophie an der Harvard University.

[79] John Dewey, * 20. Oktober 1859 in Burlington, Vermont; † 1. Juni 1952 in New York) war ein US – amerikanischer Philosoph und Pädagoge.

[80] Charles Sanders Peirce, * 10. September 1839 in Cambridge, Massachusetts; † 19. April 1914 in Milford, Pennsylvania) war ein US – amerikanischer Mathematiker, Philosoph und Logiker.

[81] Nicholas Rescher, * 15. Juli 1928 in Hagen, ist ein US – amerikanischer Philosoph deutscher Abstammung. Seine Schwerpunkte stellen die theoretische Philosophie, Moral – und Sozialphilosophie dar. Rescher ist zudem der prominenteste Vertreter der Kohärenztheorie der Wahrheit.

[82] Alfred Tarski: Der Wahrheitsbegriff in den formalisierten Sprachen. In: Studia Philosophica Commentarii Societatis philosophicae Polonorum. Band I, Leopoli (Lemberg) 1935, Seite 268. Neu abgedruckt in: K. Berka/L. Kreiser: Logik – Texte. Kommentierte Auswahl zur Geschichte der modernen Logik. 4. Auflage, Akademie Verlag, Berlin 1986.

[83] Jürgen Habermas: Wahrheitstheorien. In: Helmut Fahrenbach (Herausgeber): Wirklichkeit und Reflexion. Walter Schulz zum 60. Geburtstag. Neske, Pfullingen 1973, Seite 211 – 265, hier Seite 249: „Nur Aussagen können wahr oder falsch sein“.

[84] Jürgen Habermas: Wahrheitstheorien. In: Helmut Fahrenbach (Herausgeber): Wirklichkeit und Reflexion. Walter Schulz zum 60. Geburtstag. Neske, Pfullingen 1973, Seite 211 – 265, hier Seite 239.

[85] 384 vor Christus in Stageira auf der Halbinsel Chalkidike; † 322 vor Christus in Chalkis auf der Insel Euboia, gehört zu den bekanntesten und einflussreichsten Philosophen der Geschichte.

[86] Aristoteles: Metaphysik 1011b, Übersetzung H. Bonitz

[87] Aristoteles, Metaphysik 1051b,Übersetzung H. Bonitz

[88] Günther Patzig, * 28. September 1926 in Kiel, ist ein deutscher Philosoph. Nach dem Kriegsdienst studierte er ab dem Sommersemester 1946 an der Georg – August – Universität Göttingen. Patzig promovierte 1951 als Assistent von Josef König ebenfalls in Göttingen. Er habilitierte sich ebenfalls dort 1958 und blieb als Privatdozent bis 1960. Auf Vermittlung des kurz zuvor nach Hamburg gewechselten Carl Friedrich von Weizsäcker erhielt Patzig 1960 ein Extraordinariat an der Universität Hamburg. Bereits 1963 wechselte er jedoch wieder an die Georgia Augusta zurück, wo er bis zu seiner Emeritierung 1991 als Professor blieb. Er ist Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen seit 1971 (deren Präsident von 1986 bis 1990), der Joachim – Jungius Gesellschaft Hamburg seit 1989 und der Königlichen Akademie der Wissenschaft in Oslo seit 1997.

[89] Günther Patzig, Sprache und Logik, Seite 39 – 76, Göttingen, 1970

[90] Lothar Kreiser/Pirmin Stekeler – Weithofer, Wahrheit / Wahrheitstheorie, in Hans Jörg Sandkühler, Herausgeber, Enzyklopädie Philosophie, Band 2, O – Z, Seite 1712 – 1722, hier Seite 1714, Meiner, Hamburg, 1999

[91] Winfried Franzen, Zur neueren Wahrheitsdiskussion, Redundanztheorie versus Korrespondenztheorie der Wahrheit, in Zeitschrift für philosophische Forschung 35, 1981, Heft 1, Seite 78

[92] Karen Gloy, *21. Dezember 1941 in Itzehoe, studierte Philosophie, Germanistik, Physik, Kunstgeschichte und Psychologie an den Universitäten Hamburg und Heidelberg. Zu ihren Lehrern gehörten unter anderen Carl Friedrich von Weizsäcker, Hans – Georg Gadamer, Karl Löwith, Dieter Henrich, Ernst Tugendhat und Michael Theunissen.

[93] Clemens Wenzeslaus Brentano de La Roche , * 9. September 1778 in Ehrenbreitstein (heute Koblenz); † 28. Juli 1842 in Aschaffenburg, war ein deutscher Schriftsteller und neben Achim von Arnim der Hauptvertreter der sogenannten Heidelberger Romantik.

[94] Alfred Tarski beziehungsweise ursprünglich Alfred Tajtelbaum oder Teitelbaum, *14. Januar 1901 (nach anderen Quellen: 1902) in Warschau; † 26. Oktober 1983 in Berkeley, USA, war ein polnisch – US – amerikanischer Mathematiker und Logiker.

[95] Saul Aaron Kripke, * 13. November 1940 in Bay Shore, Long Island, New York, ist ein amerikanischer Philosoph und Logiker.

[96] John Langshaw Austin , * 26. März 1911in Lancaster; † 8. Februar 1960, war ein britischer Philosoph der Sprache; er studierte an der Shrewsbury School und dem Balliol College der Universität Oxford. Austin is widely associated with the concept of the speech act and the idea that speech is itself a form of action. Austin ist weitgehend mit dem Konzept der Sprechakttheorie und der Idee, dass Sprache selbst ist eine Form des Handelns verbunden.

[97] Bertrand Arthur William Russell, 3. Earl Russell, * 18. Mai 1872 bei Trellech, Monmouthshire, Wales; † 2. Februar 1970 in Penrhyndeudraeth, Gwynedd, Wales), war ein britischer Philosoph, Mathematiker und Logiker. Zusammen mit Alfred N. Whitehead veröffentlichte er mit den Principia Mathematica eines der bedeutendsten Werke des 20. Jahrhunderts über die Grundlagen der Mathematik. Er gilt als einer der Väter der Analytischen Philosophie.

[98] Max Scheler, * 22. August 1874 in München; † 19. Mai 1928, Frankfurt am Main, war ein deutscher Philosoph in bekannter für seine Arbeit Phänomenologie, Ethik und Anthropologie. Scheler developed further the philosophical method of the founder of phenomenology, Edmund Husserl , and was called by José Ortega y Gasset "the first man of the philosophical paradiseScheler entwickelte die philosophische Methode des Begründers der Phänomenologie, Edmund Husserl, und wurde von José Ortega y Gasset „der erste Mann der philosophischen Paradies genannt“. NachAfter his demise in 1928, Heidegger affirmed, with Ortega y Gasset, that all philosophers of the century were indebted to Scheler and praised him as "the strongest philosophical force in modern Germany, nay, in contemporary Europe and in contemporary philosophy as such." [ 1 ] In 1954, Karol Wojtyła, later Pope John Paul II , defended his doctoral thesis on "An Evaluation of the Possibility of Constructing a Christian Ethics on the Basis of the System of Max Scheler." seinem Tod im Jahre 1928, behauptete Heidegger mit Ortegay Gasset, dass alle Philosophen des Jahrhunderts Scheler viel zu verdanken haben und lobten ihn als „die stärkste philosophische Kraft im heutigen Deutschland, nein, im heutigen Europa und in der zeitgenössischen Philosophie“.

[99] Ernst Wilhelm Theodor Herrmann Hengstenberg, * 20. Oktober 1802; † 28. Mai 1869, war ein deutscher lutherischer Kirchenmann und neo – lutherische Theologe

[100] Friedrich Albert Moritz Schlick, * 14. April 1882 in Berlin; † 22. Juni 1936 in Wien, war ein deutscher Physiker und Philosoph. Schlick war der Begründer und einer der führenden Köpfe des Wiener Kreises im Logischen Empirismus. Seine Beiträge im Rahmen einer wissenschaftlichen Philosophie reichen von der Naturphilosophie und Erkenntnislehre bis hin zur Ethik und Ästhetik.

[101] Sir Peter Frederick Strawson, * 23. November 1919 in London; † 13. Februar 2006 in Oxford, war ein britischer Philosoph, der der Richtung der Philosophie der normalen Sprache innerhalb der analytischen Philosophie zugeordnet ist.

[102] Die unterschiedlichen Theorien zur Wahrheit werden in diesem Kapitel noch genauer besprochen und erläutert.

[103] Die euklidische Geometrie ist die uns zunächst vertraute, anschauliche Geometrie der Ebene oder des dreidimensionalen Raums. Der Begriff hat jedoch sehr verschiedene Aspekte und lässt Verallgemeinerungen zu. Der Begriff einer euklidischen Ebene wird zum Beispiel in der synthetischen Geometrie so verallgemeinert, dass genau die Ebenen, deren affine Koordinaten in einem euklidischen Körper liegen, euklidische Ebenen sind.

[104] Hilary Whitehall Putnam, * 31. Juli 1926 in Chicago, Illinois, ist ein amerikanischer Philosoph. Er gilt als eine der Schlüsselfiguren der Sprachphilosophie und der Philosophie des Geistes im 20. Jahrhundert.

[105] Francis Herbert Bradley, *30. Januar 1846 in Oxford, † 18. September 1924, Philosoph.

[106] Lothar Kreiser/Pirmin Stekeler – Weithofer, Wahrheit/Wahrheitstheorie, in Hans Jörg Sandkühler, Herausgeber, Enzyklopädie Philosophie, Band 2, O – Z, Meiner, Seite 1712 – 1722, hier Seite 1716, Hamburg, 1999

[107] Gunnar Skirbekk, Einleitung, in Gunnar Skirbekk, Herausgeber, Wahrheitstheorien, Eine Auswahl aus den Diskussionen über Wahrheit im 20. Jahrhundert, Seite 8 – 34, hier Seite 16f, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1977

[108] Otto Neurath, * 10. Dezember 1882 in Wien; † 22. Dezember 1945 in Oxford, war ein österreichischer Philosoph und Ökonom.

[109] Otto Neurath, Soziologie im Physikalismus, in Erkenntnis 2, 1931, Seite 403

[110] Nicholas Rescher, The Coherence Theory of Truth, Oxford, 1973

[111] Lothar Kreiser/Pirmin Stekeler – Weithofer, Wahrheit/Wahrheitstheorie, in Hans Jörg Sandkühler, Herausgeber, Enzyklopädie Philosophie, Band 2, O – Z, Meiner, Seite 1712 – 172, Seite 1716f, Hamburg, 1999

[112] Jürgen Habermas, * 18. Juni 1929 in Düsseldorf, ist einer der weltweit meist rezipierten Philosophen und Soziologen der Gegenwart. Er wurde bekannt durch Arbeiten zur Sozialphilosophie mit diskurs –, handlungs – und rationalitätstheoretischen Beiträgen, in denen er eine konstruktive Umformung der Kritischen Theorie verfolgte. Habermas sieht die Grundlage der Gesellschaft kommunikativ und durch Geltungsgründe bestimmt.

[113] Protagoras, griechisch Πρωταγόρας, aus Abdera in Thrakien, * 490; † 411 vor Christus, war ein vorsokratischer Philosoph der griechischen Antike und zählt zu den bedeutendsten Sophisten. Er verbrachte den Großteil seines Lebens in Athen, fiel später wegen seiner Lehren bei der Volksversammlung in Ungnade und wurde verbannt. Auf der Flucht nach Sizilien starb Protagoras, seine Schriften wurden vernichtet.

[114] Jürgen Habermas , * 18. Juni 1929 in Düsseldorf, ist einer der weltweit meist rezipierten Philosophen und Soziologen der Gegenwart. Er wurde bekannt durch Arbeiten zur Sozialphilosophie mit diskurs –, handlungs – und rationalitätstheoretischen Beiträgen, in denen er eine konstruktive Umformung der Kritischen Theorie verfolgte. Habermas sieht die Grundlage der Gesellschaft kommunikativ und durch Geltungsgründe bestimmt.

[115] Jürgen Habermas, Wahrheitstheorien, in Helmut Fahrenbach, Herausgeber, Wirklichkeit und Reflexion, Walter Schulz zum 60. Geburtstag, Seite 211 – 265, Neske, Pfullingen, 1973

[116] Jürgen Habermas, Wahrheitstheorien, in Helmut Fahrenbach, Herausgeber, Wirklichkeit und Reflexion, Walter Schulz zum 60. Geburtstag, Seite 211 – 265, hier Seite 218, Neske, Pfullingen, 1973

[117] Wilhelm Kamlah, *3. September 1905 in Harsleben bei Halberstadt; auf. studiert Musikwissenschaft, Geschichte, Theologie und Philosophie vorwiegend in Göttingen, aber auch in Tübingen, Heidelberg und Marburg. Zu seinen theologischen Lehrern zählt Rudolf Bultmann; Philosophie hört Kamlah bei Martin Heidegger.

[118] Paul Lorenzen, * 24. März 1915 in Kiel; † 1. Oktober 1994 in Göttingen) war ein deutscher Philosoph, Wissenschaftstheoretiker, Mathematiker und Logiker. Er ist neben Wilhelm Kamlah der Begründer der Erlanger Schule.

[119] Dorothy L. Grover, 13.Juli 1935, Portland, Multnomah County

[120] Joseph L. Camp Joseph L. Camp, Jr. is Professor of Philosophy and Fellow of the Center for Philosophy of Science at the University of Pittsburghist Professor für Philosophie und Fellow des Center für Philosophie an der Universität von Pittsburgh.

[121] Nuel D. Belnap, geboren 1930, ist ein US – amerikanischer Logiker und Philosoph, mit vielen wichtigen Beiträgen in der Philosophie der Logik, temporale Logik und strukturelle Beweistheorie. He has taught at the University of Pittsburgh since 1961; before that he was at Yale University . Er lehrte seit 1961an der University of Pittsburgh, zuvor, war er an der Yale Universität.

[122] Balthasar Crusius , latinisiert aus Krauß, *12. März 1550 in Werdau; † 26. März 1630, war ein evangelischer Theologe, Schulrektor, Pfarrer und Autor von Schuldramen.

[123] Frank Plumpton Ramsey, * 22. Februar 1903 in Cambridge; † 19. Januar 1930, war ein britischer Mathematiker und Logiker

[124] Alfred Jules Ayer, * 29. Oktober 1910 in St. John’s Wood, London; † 27. Juni 1989, war ein britischer Philosoph. Er trug wesentlich zur Popularisierung des Logischen Empirismus in englischsprachigen Ländern vor allem durch seine Hauptschriften Language, Truth and Logic (1936; Sprache, Wahrheit und Logik) und The Problem of Knowledge (1956; Das Problem der Erkenntnis) bei.

[125] Gottlob Frege, Über Sinn und Bedeutung, (1892), in G. Patzig, Herausgeber, Frege, Funktion, Begriff, Bedeutung, Seite 49, Göttingen, 1980

[126] Frank Plumpton Ramsey, Facts and Propositions, in G. Pitcher, Seite 16, Truth, Engle – wood Cliffs, 1964

[127] Alan Richard White, Truth, Seite 92ff, London 1971

[128] Gunnar Skirbekk, Einleitung, in Gunnar Skirbekk, Herausgeber, Wahrheitstheorien, Eine Auswahl aus den Diskussionen über Wahrheit im 20. Jahrhundert, Seite 8 – 34, hier Seite 13, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1977

[129] Gunnar Skirbekk, Einleitung, in Gunnar Skirbekk, Herausgeber, Wahrheitstheorien, Eine Auswahl aus den Diskussionen über Wahrheit im 20. Jahrhundert, Seite 8 – 34, hier Seite 13, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1977

[130] Lothar Kreiser/Pirmin Stekeler – Weithofer, Wahrheit/Wahrheitstheorie, in Hans Jörg Sandkühler, Herausgeber, Enzyklopädie Philosophie, Band 2, O – Z, Seite 1712 – 1722, hier Seite 1717, Meiner, Hamburg, 1999

[131] Gunnar Skirbekk, Einleitung, in Gunnar Skirbekk, Herausgeber, Wahrheitstheorien, Eine Auswahl aus den Diskussionen über Wahrheit im 20. Jahrhundert. Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1977, Seite 8 – 34, hier Seite 14, vergleiche dazu Bertrand Russel, William James, Auszug von 1946, in Gunnar Skirbekk, (Herausgeber), Wahrheitstheorien, Eine Auswahl aus den Diskussionen über Wahrheit im 20. Jahrhundert, Seite 59 – 62 (ursprünglich aus Bertrand Russels History of Western Philosophy), Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1977

[132] Sir Peter Frederick Strawson, * 23. November 1919 in London; † 13. Februar 2006 in Oxford) war ein britischer Philosoph, der der Richtung der Philosophie der normalen Sprache innerhalb der analytischen Philosophie zugeordnet ist.

[133] Peter Frederick Strawson, Truth, in Analysis 9, 1949, deutsch: Wahrheit, in R. Bubner (Herausgeber), Sprache und Analysis, Texte zur englischen Philosophie der Gegenwart. Göttingen, 1968; auch in Gunnar Skirbekk, Herausgeber, Wahrheitstheorien, Eine Auswahl aus den Diskussionen über Wahrheit im 20. Jahrhundert, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1977

[134] Sir Peter Frederick Strawson , * 23. November 1919 in London; † 13. Februar 2006 in Oxford, war ein britischer Philosoph, der der Richtung der Philosophie der normalen Sprache innerhalb der analytischen Philosophie zugeordnet ist.

[135] Peter Frederick Strawson, Wahrheit, in R. Bubner, Herausgeber, Sprache und Analysis, Texte zur englischen Philosophie der Gegenwart, Seite 97, Göttingen, 1968

[136] Lothar Kreiser/Pirmin Stekeler – Weithofer, Wahrheit/Wahrheitstheorie, in Hans Jörg Sandkühler Herausgeber, Enzyklopädie Philosophie, Band 2, O – Z, Meiner, Seite 1712 – 1722, hier Seite 1716, Hamburg, 1999 Peirce was educated as a chemist and employed as a Today he is appreciated largely for his contributions to logic, mathematics, philosophy, and semiotics , and for his founding of pragmatism In 1934, the philosopher Paul Weiss called Peirce "the most original and versatile of American philosophers and America's greatest logician". [

[137] Charles Sanders Peirce, * 10. September 1839 in Cambridge, Massachusetts; † 19. April 1914, war ein amerikanischer Philosoph, Logiker, Mathematiker und Naturwissenschaftler; Peirce was educated as a chemist and employed as a scientist for 30 yearsPeirce war als Chemiker ausgebildet und eingesetzt als Wissenschaftler seit 30 Jahren. Today he is appreciated largely for his contributions to logic, mathematics, philosophy, and semiotics , and for his founding of pragmatism . Heute ist er weitgehend und geschätzt für seine Beiträge zur Logik, Mathematik, Philosophie, Semiotik und für seinen Pragmatismus. In 1934, the philosopher Paul Weiss called Peirce "the most original and versatile of American philosophers and America's greatest logician". [ 7 ] Im Jahr 1934 nannte der Philosoph Paul Weiss Peirce „den originellsten und vielseitigsten amerikanischen Philosophen und Amerikas größte Logiker“.

[138] Charles S. Peirce, Collected Papers, Band 5, Abschnitt 407; siehe dazu auch Charles Hartshorne/Paul Weiss/Arthur W. Burks, Herausgeber, Collected Papers of Charles Sanders Peirce, Band 5, Pragmatism and Pragmaticism, 58. Auflage, Thoemmes, Bristol, 1998 (1931), Übersetzung von Lutz Hartmann

[139] Charles S. Peirce, Collected Papers, Band 5, Abschnitt 375, Anmerkung 2, siehe auch Charles Hartshorne/Paul Weiss/Arthur W. Burks, Herausgeber, Collected Papers of Charles Sanders Peirce, Band 5, Pragmatism and Pragmaticism, 58. Auflage, Thoemmes, Bristol, 1998 [1931]. Zur Übersetzung von Gert Wartenberg vergleiche dazu Karl – Otto Apel, Herausgeber, Schriften zum Pragmatismus und Pragmatizismus, Seite 175, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1976

[140] William James, * 11. Januar 1842 in New York; † 26. August 1910 in Chocorua, New Hampshire, war ein US – amerikanischer Psychologe und Philosoph (Pragmatist) und der Begründer der amerikanischen Psychologie. Er war von 1876 bis 1907 Professor für Psychologie und Philosophie an der Harvard University.

[141] John Dewey, * 20. Oktober 1859 in Burlington, Vermont; † 1. Juni 1952 in New York) war ein amerikanischer Philosoph und Pädagoge.

[142] Lothar Kreiser/Pirmin Stekeler – Weithofer, Wahrheit/Wahrheitstheorie, in Hans Jörg Sandkühler, Herausgeber, Enzyklopädie Philosophie, Band 2, O – Z, Meiner, Hamburg, 1999, Seite 1712 – 1722, hier Seite 1717; vergleiche dazu William James, Der Wahrheitsbegriff des Pragmatismus, 1907, in Gunnar Skirbekk, Herausgeber, Wahrheitstheorien, Eine Auswahl aus den Diskussionen über Wahrheit im 20. Jahrhundert, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1977, Seite 35 – 58, sowie dazu auch John Dewey, Essays in Experimental Logic, Chicago, 1916

[143] Karl – Otto Apel , * 15. März 1922 in Düsseldorf, ist ein deutscher Philosoph. Er ist ein Vertreter der Diskursethik sowie einer sprachpragmatischen, intersubjektiven Trans – zendentalphilosophie (Transzendentalpragmatik).

[144] Herbert Keuth, *4. Dezember 1940, ist ein deutscher Philosoph. Er war Professor für Philosophie an der Universität Tübingen.

[145] Herbert Keuth, Wissenschaft und Werturteil, Zu Werturteilsdiskussion und Positivis – musstreit, Seite 130ff., J. C. B. Mohr (Paul Siebeck), Tübingen

[146] vergleiche dazu, insbesondere mit dem Blick auf eine resultierende Kritik an der Konsensustheorie der Wahrheit, Vittorio Hösle, Die Krise der Gegenwart und die Verantwortung der Philosophie. Transzendentalpragmatik, Letztbegründung, Ethik, Beck, München, 1990, Seite 179ff) und als dialogische Theorie (Erlanger Schule).

[147] Jürgen Habermas, Wahrheitstheorien, in Helmut Fahrenbach, Herausgeber,

Wirklichkeit und Reflexion, Walter Schulz zum 60. Geburtstag, Seite 211 – 265, hier Seite 236, Neske, Pfullingen, 1973

[148] Jürgen Habermas, Wahrheitstheorien, in Helmut Fahrenbach, Herausgeber, Wirklichkeit und Reflexion, Walter Schulz zum 60. Geburtstag, Seite 211 – 265, hier Seite 220, Neske, Pfullingen, 1973

[149] Jürgen Habermas, Wahrheitstheorien, in Helmut Fahrenbach, Herausgeber, Wirklichkeit und Reflexion, Walter Schulz zum 60. Geburtstag, hier Seite 255, Neske, Pfullingen, 1973

[150] Jürgen Habermas, Wahrheitstheorien, in Helmut Fahrenbach, Herausgeber, Wirklichkeit und Reflexion, Walter Schulz zum 60. Geburtstag, Seite 211 – 265, hier Seite 257, Neske, Pfullingen, 1973

[151] Jürgen Habermas, Wahrheitstheorien, in Helmut Fahrenbach, Herausgeber, Wirklichkeit und Reflexion, Walter Schulz zum 60. Geburtstag, Seite 211 – 265, hier Seite 218, Neske, Pfullingen, 1973, Seite 211 – 265

[152] vom griechischen Begriff propaideuein „im Voraus unterrichten“, von pro „vor“ und paideuein „lehren, unterrichten“ abgeleitet, ist meist eine Vorbereitungsveranstaltung auf ein wissenschaftliches Gebiet. Der Begriff wird oft bedeutungsgleich mit Einführungsveranstaltung verwendet

[153] Wilhelm Kamlah, * 3. September 1905 in Hohendorf, dem heutigen Neugat –tersleben; † 24. September 1976 in Erlangen) war ein deutscher Historiker, Theologe, Musikwissenschaftler und Philosoph mit schulenbildender Wirkung.

[154] Paul Lorenzen, *24. März 1915 in Kiel; † 1. Oktober 1994 in Göttingen, war ein deutscher Philosoph, Wissenschaftstheoretiker, Mathematiker und Logiker. Er ist neben Wilhelm Kamlah der Begründer der Erlanger Schule des methodischen Konstruktivismus.

Lorenzen orientierte seine Philosophie am pragmatischen Handeln und am Prinzip der Methodischen Ordnung. In der Logischen Propädeutik bemühte er sich um einen handlungstheoretischen und sprachphilosophischen Neuansatz. In der Dialogischen Logik entwickelte er ein eigenständiges System zur Argumentationstheorie. Weiterhin leistete er wichtige Beiträge zur Konstruktiven Mathematik und zur Modallogik. In der Wissenschaftstheorie begründete er eine, Protophysik genannte, Variante des Operationalismus. Darüber hinaus entwickelte er aus einer normativen Logik Ansätze zu Fragen der Ethik und der Politischen Philosophie.

[155] Wilhelm Kamlah/Paul Lorenzen, Logische Propädeutik, Vorschule des vernünf – tigen Redens, Bibliographisches Institut, Seite 120, Mannheim 1967, ²1973 (BI – HTB 227); Metzler, Stuttgart, ³1996

[156] Kuno Lorenz, Der dialogische Wahrheitsbegriff, in Neue Hefte für Philosophie, Heft 2/3, Seite 111 – 123, 1972

[157] Jürgen Habermas, Wahrheitstheorien, in Helmut Fahrenbach, Herausgeber, Wirklichkeit und Reflexion, Walter Schulz zum 60. Geburtstag, Seite 211 – 265, hier Seite 238, Neske, Pfullingen, 1973

[158] Jürgen Habermas, Wahrheitstheorien, in Helmut Fahrenbach, Herausgeber, Wirklichkeit und Reflexion, Walter Schulz zum 60. Geburtstag, Seite 211 – 265, hier Seite 238, Neske, Pfullingen 1973

[159] Jürgen Habermas, Wahrheitstheorien, in Helmut Fahrenbach, Herausgeber, Wirklichkeit und Reflexion, Walter Schulz zum 60. Geburtstag, Seite 211 – 265, hier Seite 264, Anmerkung 30, Neske, Pfullingen, 1973

[160] Alfred Tarski, beziehungsweise ursprünglich Alfred Tajtelbaum oder Teitelbaum, * 14. Januar 1901 (nach anderen Quellen: 1902) in Warschau; † 26. Oktober 1983 in Berkeley, USA) war ein polnisch –US – amerikanischer Mathematiker und Logiker. Alfred Tarski ist einer der Hauptvertreter der Lemberg – Warschau – Schule vor dem Zweiten Weltkrieg.

[161] Alfred Tarski: Der Wahrheitsbegriff in den formalisierten Sprachen, in Studia Philosophica Commentarii Societatis philosophicae Polonorum, Band I, Leopoli (Lemberg) 1935, Seite 268. Neu abgedruckt in K. Berka/L. Kreiser: Logik – Texte, Kommentierte Auswahl zur Geschichte der modernen Logik, 4. Auflage, Akademie Verlag, Berlin, 1986

[162] Alfred Tarski: Die semantische Konzeption der Wahrheit und die Grundlagen der Semantik, 1944, in Gunnar Skirbekk (Herausgeber), Wahrheitstheorien, Eine Auswahl aus den Diskussionen über Wahrheit im 20. Jahrhundert, Seite 140 – 188, Seite 145, Suhrkamp, Frankfurt am Main, 1977

[163] Charles Robert Darwin, *12. Februar 1809 in Shrewsbury; † 19. April 1882 in Downe, war ein britischer Naturforscher. Er gilt wegen seiner wesentlichen Beiträge zur Evolutionstheorie als einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler.

[164] Ludwig Josef Johann Wittgenstein, * 26. April 1889 in Wien; † 29. April 1951 in Cambridge) war ein österreichisch – britischer Philosoph. Er lieferte bedeutende Beiträge zur Philosophie der Logik, der Sprache und des Bewusstseins. Seine beiden Hauptwerke Logisch – philosophische Abhandlung (Tractatus Logico – Philosophicus 1921) und Philosophische Untersuchungen (1953, postum) wurden zu wichtigen Bezugspunkten zweier philosophischer Schulen, des Logischen Positivismus und der Analytischen Sprachphilosophie.

[165] Wolfgang Künne,* 1944, ist seit 1985 Professor für Philosophie an der Universität Hamburg. Dr. phil. 1972 (Ruprecht – Karls – Universität Heidelberg), PD 1980, Universität Hamburg

[166] Wolfgang Stegmüller, * 3. Juni 1923 in Natters, Tirol; † 1. Juni 1991 in München, war ein deutsch – österreichischer Philosoph mit bedeutenden Beiträgen zur Erkenntnistheorie, Wissenschaftstheorie und zur Analytischen Philosophie. Mit seinem Werk Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie hat Stegmüller einer deutschsprachigen Leserschaft den Zugang zur Analytischen Philosophie geöffnet.

[167] Ernst Tugendhat, * 8. März 1930 in Brünn, ist ein deutscher Philosoph. In seinen ersten Arbeiten zeigte er sich vor allem durch Martin Heidegger und Edmund Husserl beeinflusst. Später wurde er zu einem der wichtigsten Vertreter der analytischen Philosophie in Deutschland.

[168] Ursula Wolf, * 1951 in Karlsruhe, ist eine deutsche Philosophin. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind die Philosophie der Antike (insbesondere Aristoteles), die Handlungstheorie und die Ethik (allgemeine Moraltheorie und Tierethik).

Details

Seiten
327
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656645672
ISBN (Buch)
9783656645702
Dateigröße
5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272567
Note
Schlagworte
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Titel: Wahrheit und Lüge