Lade Inhalt...

Legasthenie. Symptome, Ursachendiagnostik und Maßnahmen

Hausarbeit 2012 19 Seiten

Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffe: Legasthenie, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Rechtschreibstörung

3. Symptome und Ursachen der Lese- und Rechtschreibstörungen

4. Diagnostik

5. Fördermöglichkeiten bei Lese-Rechtschreib-Störungen in der Schule
5.1. Förderung der phonologischen Bewusstheit
5.2. Förderung der allgemeinen Lernvoraussetzungen
5.3. Förderung des Lesens
5.4. Förderung des Rechtschreibens

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit der Hausarbeit "Legasthenie - Lese- und Rechtschreibstörungen" wird ein Überblick zu der schulischen Teilleistungsschwäche gegeben, die sich im Wesentlichen auf die Kompetenzen des Lesens und Schreibens bezieht. Schülerinnen und Schüler (SuS), die Lese-Rechtschreib-Störungen (LRS) haben, leiden für gewöhnlich unter dem ausbleibenden Schulerfolg und teilweise auch unter der sozialen Stigmatisierung. Daher wird in dieser Hausarbeit nach Möglichkeiten gefragt, die im schulischen Kontext als Fördermaßnahmen für die Beseitigung oder zumindest für die Verminderung von Legasthenie/ LRS eingesetzt werden können und entweder durch den Deutschlehrer oder fächerübergreifend als Fördermaßnahme realisiert werden können.

Es wird zunächst ein kurzer Überblick zu dem abweichenden Grundverständnis des Phänomens "Legasthenie/ LRS" gegeben, indem eine Arbeitsdefinition entwickelt wird. Hier ist bereits darauf zu achten, dass es sehr unterschiedliche medizinische, sozialtherapeutische und pädagogische Ansätze gibt. Das Hauptaugenmerk wird in dieser Hausarbeit auf dem pädagogisch-schulischen Ansatz liegen, der darauf ausgerichtet ist, LRS im Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe I (Sek. I) gezielt zu fördern. Als theoretische Grundlegung wird nach den Symptomen und den möglichen Erklärungsursachen für LRS gefragt, da diese Auskunft über den Förderbedarf und die Komplexität der Ursachen für LRS geben. Ein kurzer Blick auf die Diagnostik soll verdeutlichen, dass für die Feststellung von LRS zwar in erster Linie die Beobachtungen der Eltern und Lehrer maßgeblich sind, jedoch professionalisierte Standardverfahren hilfreich seien können, um einen Förderbedarf zu diagnostizieren.

Der Hauptteil der Hausarbeit richtet sich sodann auf Fördermaßnahmen, die im schulischen Kontext realisiert werden können. Hier wird im Wesentlichen nach Möglichkeiten gefragt, um die Grundlagen für die Beseitigung der LRS zu stärken und die Voraussetzungen für geeignete Fördermaßnahmen zu schaffen. Dies betrifft vor allem die phonologische Bewusstheit und die allgemeinen Lernvoraussetzungen. Konkrete Vorschläge zur Förderung des Leseverstehens und der Orthografie sollen dann herausstellen, dass auch im Deutschunterricht bzw. im fächerübergreifenden Unterricht realistische Möglichkeiten bestehen, um SuS, die an LRS leiden, zu fördern, ihnen Selbstvertrauen zu vermitteln und Schulerfolge zu ermöglichen.

2. Begriffe: Legasthenie, Lese-Rechtschreib-Schwäche, Rechtschreibstörung

Bevor im Hauptteil der Hausarbeit nach Möglichkeiten und konkreten Maßnahmen danach gefragt wird, was der einzelne Lehrer in Unterrichtssituationen und auch fächerübergreifend unternehmen kann, um die Lese- und Rechtschreibschwächen bei Schülern zu vermindern, ist an dieser Stelle definitorisch zu klären, was unter "Legasthenie" bzw. unter einer "Lese-Rechtschreib-Schwäche" zu verstehen ist. Eine mögliche Definition für Legasthenie lautet: ,,Die Legasthenie ist eine umschriebene und schwerwiegende Beeinträchtigung des Erlernens von Lesen und Rechtschreibung, die in Besonderheiten von Hirnfunktionen begründet ist. Diese in allen Schriftsprachen vorkommende Teilleistungsstörung ist veranlagt und nicht die Folge von unzureichender Beschulung, einer Intelligenzminderung oder anderen körperlichen, neurologischen oder psychischen Erkrankungen.“[1]

Erkennbar knüpft diese Definition des Begriffs "Legasthenie" an die Definitionen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) an. Diese versteht unter Legasthenie eine Lernstörung, die biologisch begründet wird und darauf abzielt, dass die Informationsverarbeitung für Sprache und Schriftzeichen im zentralen Nervensystem nicht geleistet werden kann. Während die Legasthenie vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts als ein spezifisches Phänomen verstanden wurde, wonach die Entwicklungsstörungen oder sogar eine verminderte Intelligenz dazu beitragen, dass Kinder aber auch Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben können, hat sich besonders seit der Mitte des 20. Jahrhunderts das Grundverständnis von Legasthenie, vor allem unter dem Einfluss psychologischer Erklärungsmuster, verändert. So zitiert K. Schleider den Schweizer Psychologen Linder wie folgt:

,,Unter ,Legasthenie‘ verstehen wir demnach eine spezielle und aus dem Rahmen der übrigen Leistungen fallende Schwäche im Erlernen des Lesens (und indirekt auch des orthographischen Schreibens) bei sonst intakter oder (im Verhältnis zur Lesefähigkeit) relativ guter Intelligenz.“[2]

Eine exakte Trennung zwischen den Begrifflichkeiten der Legasthenie und der Lese- und Rechtschreibstörungen bzw. der Lese- und Rechtschreibschwäche fällt also schwer. Der gemeinsame Nenner beruht darauf, dass es ganz offensichtlich erhebliche Beeinträchtigungen gibt, die dazu führen, dass Kinder und Jugendliche, aber auch Erwachsene nicht richtig lesen und schreiben können.

Spätestens seit 1978, also zu einem Zeitpunkt, als der Legastheniebegriff als ein medizinisches Krankheitsbild immer fragwürdiger wurde, begann auch die Kultusministerkonferenz, als die zuständige Schaltstelle für den Umgang mit Lese- und Rechtschreibschwächen, einem veränderten Umgang mit Schülern den Weg zu öffnen, die aufgrund unterschiedlicher Ursachen offensichtlich erhebliche Probleme beim Lesen- und Schreibenlernen zeigen. Der Wandel in der Anschauung schlug sich vor allem darin nieder, dass nun nicht mehr in erster Linie Ärzte für die Therapie bzw. die Behebung der Lese- und Rechtschreibschwächen zuständig sein sollten, sondern dass die Lese- und Rechtschreibstörungen als eine schulische und pädagogische Herausforderung verstanden wurde. Dies schließt den Einbezug medizinischer Kriterien zur Erklärung keineswegs aus, verändert aber gerade hinsichtlich der Interventions- und Präventionsmaßnahmen die Perspektive.[3] Norbert Sommer-Stumpenhorst zieht aus der Debatte um Legasthenie und LRS die Schlussfolgerung, dass aufgrund der unterschiedlichen psychologischen, medizinischen und pädagogisch-sozialen Ansätze der Begriff der Legasthenie für den Gebrauch und die Reaktion auf LRS in der Schule wenig hilfreich ist. In der Tat spricht vieles dafür, weniger über die Frage nach möglichen pathologischen Befunden oder gar vererbten Anlagen zu sprechen, sondern eher über die Frage nachzudenken, wie SuS gefördert werden können, die Symptome einer LRS zeigen. Daher gehen die folgenden Überlegungen der Hausarbeit nicht von einer statischen Definition von Legasthenie oder LRS aus, sondern lenken den Blick auf die Probleme, die Ursachen und die möglichen Maßnahmen, um Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten bei SuS abzubauen und soweit wie möglich zu beseitigen. Das Verständnis von LRS geht hier also nicht von der Meinungsstreit unterschiedlicher Fachwissen aus, sondern von den Betroffenen.[4]

3. Symptome und Ursachen für Lese- und Rechtschreibstörungen

Für Lehrer im Deutschunterricht, aber auch für Fachlehrer und Eltern, die nicht unmittelbar über die wissenschaftliche Kompetenz eines Diagnoseverfahrens verfügen, können auch einzelne Symptome erste Anhaltspunkte dafür bieten, dass der Schüler/ die Schülerin gegebenenfalls erhebliche Lese- und Rechtschreibschwächen aufweist. Wenn bspw. Buchstaben oder Wörter ausgelassen, ersetzt, vertauscht oder ergänzt werden oder wenn Buchtstaben bzw. Wörter optisch nicht eindeutig erfasst werden und zudem ein geringes Lesetempo auftreten, so können dies Symptome für LRS sein. Darüber hinaus kann ein verzögerter Lesebeginn sowie ein fehlender Lesefluss und die mangelnde Fähigkeit, Wörter zu Sinneinheiten zu verbinden ein Anzeichen für LRS sein. Außerdem ergeben sich weitere Symptome durch die veränderte Reihenfolge von Wörtern im Satzbau sowie auf einer nächst höheren Abstraktionsebene die Problematik, das Gelesene zusammenzufassen oder sachlogische Beziehungen des Gelesenen herzustellen. Insgesamt ziehen also einige Symptome erkennbar auf Schwierigkeiten des Lesens und des Leseverständnisses ab.[5]

Ein ähnliches Vorgehen bietet sich auch für die Orthografie an. Auch hier lassen sich einzelne Symptome auflisten, die in Teilen oder ihrer Gesamtheit erste Hinweise darauf geben, dass eine Lese- und Rechtschreibstörung vorliegen kann. Ein erstes Indiz besteht in der hohen Fehlerzahl, ungeachtet, ob es sich um geübte oder nicht geübte Diktate handelt oder um Texte, die von den Lernenden abgeschrieben werden. Ein weiteres Indiz stellt die Verdrehung von Buchstaben dar, z. B. "b" für "d", "p" für "q" und "m" für "n". Außerdem treten umgekehrte Reihenfolgen der Buchstaben in Wörtern auf, anstelle von "Brief" schreibt der Schüler "Breif". Fernerhin werden von SuS, die Lese- und Rechtschreibstörungen aufweisen, zum Teil Buchstaben ausgelassen oder falsche Buchstaben eingefügt. So kann bspw. anstelle von "deine" einfach nur "eine" im Satz stehen. Auffällig sind schließlich auch zahlreiche Regelfehler, wie z. B. Dehnungsfehler und Fehler der Groß- und Kleinschreibung. Ergänzt werden diese durch zahlreiche Grammatik- und Interpunktionsfehler. Schließlich spielen auch die Wahrnehmungsfehler eine entscheidende Rolle. SuS mit LRS vertauschen häufig die Konsonanten "k" und "g", "t" und "d" und "p" und "b". Bemerkenswert ist überdies, dass die Fehler nicht kohärent auftreten, d. h., dass einzelne Wörter manchmal richtig und manchmal falsch geschrieben werden.[6] Diese sicherlich enumerative Listung möglicher Symptome gibt jedenfalls erste Hinweise auf später zu erörternde Strategien der Intervention und Prävention bei Lese- und Rechtschreibstörungen.

Die LRS-Forschung hat mittlerweile nicht nur unterschiedliche Typen der Rechtschreib- und Leseschwierigkeiten herausgearbeitet, sondern sich auch intensiv mit der Ursachenforschung auseinandergesetzt. Ein einhelliges Bild über die Ursachen gibt es zwar nicht; vielmehr spricht einiges dafür, dass Lese- und Rechtschreib-schwächen aus verschiedenen Gründen entstehen können. So lassen sich Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten als Entwicklungsprobleme begreifen, die lange vor dem eigentlichen Beginn des Schreiben- und Lesenlernens einsetzen, z. B. die mangelnde Entwicklung der kindlichen Motorik, die sprachliche Vernachlässigung von Kindern, aber auch Defizite im Unterricht können zu Lese- und Rechtschreibstörungen führen.[7]

[...]


[1] Warnke, Andreas; Hemminger, Uwe; Roth, Ellen; Schneck, Stefanie: Legasthenie - Leitfaden für die Praxis. Göttingen (2002) - S. 14

[2] Schleider, Karin: Lese- und Rechtschreibstörungen. München (2009) - S. 11

[3] Vgl.: Mann, Christine: LRS/ Legasthenie - Prävention und Therapie. Weinheim und Basel (2001) -

S. 183 ff.

[4] Vgl.: Sommer-Stumpenhorst, Norbert: Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten: vorbeugen und überwinden. Berlin (1990) - S. 33 f.

[5] Vgl.: Schleider, Karin: Lese- und Rechtschreibstörungen. München (2009) - S. 16

[6] Vgl.: Schleider, Karin: Lese- und Rechtschreibstörungen. München (2009) - S. 17

[7] Vgl.: Mann, Christine: LRS/ Legasthenie - Prävention und Therapie. Weinheim und Basel (2001) -

S. 197 f.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656639442
ISBN (Buch)
9783656639428
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272560
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,3
Schlagworte
legasthenie symptome ursachendiagnostik maßnahmen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Legasthenie. Symptome, Ursachendiagnostik und Maßnahmen