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Cybermobbing. Mobbing in der Welt der neuen Kommunikationsmedien

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. MOBBING

3. DIE DEFINITION VON CYBERMOBBING

4. CYBERMOBBING VS. MOBBING

5. KANÄLE

6. METHODEN

7. EIGENE STUDIE

8. FAZIT

9. LITERATURVERZEICHNIS

10. ANHANG

1. Einleitung

„Zum dritten Mal innerhalb von zwei Jahren hat sich in Großbritannien ein junges Mädchen das Leben genommen, weil es online gemobbt wurde. Der Online-Psychoterror wird zum Massenphänomen. Das Problem dabei: Die meisten Jugendlichen nehmen ihn nicht ernst genug - manche aber zerbrechen daran.“1

Dieser in der Kommunikationswissenschaft erst junge Forschungsgegenstand stand bisher kaum imöffentlichen Bewusstsein, rückt aber dennoch immer weiter in dieses, seit in den letzten Jahren über diese Art des Mobbens immeröfter zu hören ist. In dem zitierten Artikel des Online-Magazins Spiegel wird berichtet, wie sich ein junges Mädchen durch das konstante Mobbing in der Schule sowie online von einer Brücke aus in den Tod stürzte. Mehrere Mädchen hätten sie über ihre Facebookseite terrorisiert und gemobbt, berichtet Spiegel. Doch was genau ist Cybermobbing und wie kann es Menschen so verstören, bis sie schließlich nur noch den Ausweg in einem Selbstmord sehen?

Mit der rapiden Verbreitung der neuen Medien, wie dem Internet oder dem Handy geht die Entwicklung dieses relativ neuen Phänomens unter Jugendlichen aber auch jungen Erwachsenen einher, nämlich dem des Cybermobbings. In dieser Hausarbeit wird es darum gehen den Begriff des Cybermobbings zunächst gegenüber dem des traditionellen Mobbing abzugrenzen und anschliessend zu definieren. Worin liegen die Unterschiede zum traditionellen Mobbing? Ist es lediglich das Hinzukommen der neuen Kommunikationsmittel, oder verändern diese die Art des Mobbings, sodass man die beiden Begriffe deutlich von einander unterscheiden muss?

Desweiteren werde ich diese neuartigen Kommunikationsmittel im Hinblick auf ihre Funktion beim Cybermobbing untersuchen. Welche davon werden von Jugendlichen benutzt? Welche Methoden kommen beim Cybermobbing zum Einsatz?

Abschliessend werde ich meine eigene Studie und deren Ergebnisse präsentieren und diese mit den Definitionen aus der von mir benutzten Literatur verknüpfen.

2. Mobbing

Bevor man versucht den Begriff „Cybermobbing“ zu erklären und zu definieren, muss man vorab den Terminus „Mobbing“ auf seine Ursprünge und seine Bedeutung hin untersuchen, denn von diesem leitet sich Cybermobbing ab.

Der Begriff Mobbing im Deutschen ist ein Anglizismus. Im Englischen bedeutet „to mob“„anpöbeln, angreifen, herfallen“ und „mob“ bezeichnet „Meute, Bande, Pöbelhaufen“.2 Mit Mobbing werden Handlungen negativer Art bezeichnet, die von einer Gruppe oder auch einer Einzelperson gegen ein Individuum ausgeübt werden. Diese negativen Handlungen können sich sowohl verbal als auch nonverbal und physisch äußern. Doch erst wenn sich die ausgeübte Gewalt über eine längere Dauer erstreckt, und es somit nicht bei einem Einzelfall bleibt, spricht man von Mobbing. Eine weitere Eigenschaft des Gewaltaktes, um von Mobbing sprechen zu können, stellt das Kräfteungleichgewicht dar. Der gewaltausübende Täter muss physisch oder psychisch stärker als das Opfer sein. Ist es ein Streit oder eine Auseinandersetzung mit gleichstarken Kontrahenten spricht man nicht von Mobbing.3 Mobbing kann überall auftreten, wo mehrere Menschen sich regelmäßig zusammenfinden. Dies kann die Schule, der Arbeitsplatz, der Fußballverein, das Gefängnis, die Wohngemeinschaft oder auch die Universität sein.

3. Die Definition von Cybermobbing

Zunächst sei gesagt, dass in der englischsprachigen Literatur der Begriff „Cyberbullying“ verwendet wird, während in der deutschen mit Cybermobbing gearbeitet wird. Ich werde in meinen Ausführungen den Begriff Cybermobbing verwenden und nur von Cyberbullying sprechen, wenn ich auf englische Literatur Bezug nehmen werde. Jedoch möchte ich darauf verweisen, dass Cyberbullying sich im Englischen sich durch eine Kleinigkeit von unserem Begriff des Cybermobbings Fremdunterscheidet:

„Once adults become involved, it is plain and simple cyber-harassment or cyberstalking. Adult cyber-harassment or cyberstalking is NEVER called cyberbullying”4

Im Deutschen wird beim Begriff von Cybermobbing jedoch nicht zwischen Erwachsenen und Jugendlichen unterschieden. Eine einheitliche und allgemeingültige Definition für den Begriff des Cybermobbings existiert bislang noch nicht, was verständlich ist, denn dieses Phänomen ist noch nicht allzulange Forschungsgegenstand.5 So wird es in der angloamerikanischen Forschung erst seit 1999, und in der deutschen gar erst seit 2007 untersucht.6 Die meisten Autoren jedoch handhaben es so, dass sie den Begriff des traditionellen Mobbings mit den neuen Medien, die beim Cybermobbing eine Rolle spielen, wie bspw. SMS, Emails und Websites ergänzen und so eine Definition für das Cybermobbing zu erarbeiten versuchen. So konstruieren Kowalski und Limber folgende Definition: „bullying through e-mail, instant messaging, in a chat room, on a website, or through a text message sent to a cell phone“7

Belsey hingegen definiert es folgendermaßen:

„the use of information and communication technologies such as e-mail, cell phone and paper text message, instant messaging (IM), defamatory personal Web sites, and defamatory online personal poolling websites, to support deliberate, repeated, and hostile behavior by an individual or group, that is intended to harm others.”8

Beide jedoch gehen nicht auf die Unterschiede zum traditionellen Mobbing ein, obschon Cybermobbing sich nicht nur durch die neu hinzukommenden Medien vom traditionellen Mobbing unterscheidet. Im folgenden Kapitel möchte ich die Merkmale von Cybermobbing und ihre Unterschiede zu dem traditionellen Mobbing eruieren und darlegen.

4. Cybermobbing vs. Mobbing

Will man das Wort Cybermobbing analysieren, ist zunächst der Zusatz „Cyber“ zu erklären und übersetzen. Schaut man im Duden unter dessen Bedeutung finden sich die folgenden Zeilen zu diesem Präfix:

„Wortbildungselement mit der Bedeutung »die von Computern erzeugte virtuelle Scheinwelt betreffend«, z. B. Cyberspace“9

Die Begriffsbestimmung ist somit leicht zu treffen. Cybermobbing ist also Mobbing, welches in der virtuellen Welt stattfindet, also über das Internet oder das Handy.10 Welche Besonderheiten aber mit dem Mobben in der virtuellen Welt einhergehen, soll nun erklärt werden. Zum einen findet das traditionelle Mobbing durch Raum und Zeit begrenzt statt. Das bedeutet, dass das gemobbte Opfer seinem Gegenüber sowohl räumlich als auch zeitlich begegnen muss, um überhaupt gemobbt werden zu können. Während das Opfer zum Beispiel im Klassenraum gemobbt werden kann, kann dies zu Hause im eigenen Zimmer nicht mehr passieren.11 Beim Cybermobbing wird diese Voraussetzung des Mobbings außer Kraft gesetzt, wie Webster erläutert:

„There’s no safe place anymore. You can be bullied 24/7 …even in the privacy of your own bedroom”12

Um es mit einem Beispiel zu verdeutlichen, stelle man sich einen beleidigenden Kommentar auf der Facebook-Profilseite eines Schülers vor, welcher von einem Mobber verfasst wurde. Dieser Kommentar ist für alle Freunde des Gemobbten lesbar und dies zu jeder Zeit. Der in diesem Fall gemobbte Schüler muss nicht einmal unmittelbar etwas davon mitbekommen. Und damit komme ich zu einem weiteren Punkt, der den Unterschied zum traditionellen Mobbing ausmacht, nämlich der Größe des Publikums. Transponieren wir das eben genannte Beispiel in den Bereich des traditionellen Mobbings, würde es wahrscheinlich so aussehen, dass das Opfer verbal in einem Klassenraum angegriffen werden würde. Nicht nur wäre somit Akt der Gewaltausübung auf eine gewisse Zeitdauer, nämlich die Dauer der Schulstunde in dem Fall, und die Räumlichkeit beschränkt, weiterhin wäre das Publikum auch wohl um ein vielfaches kleiner. Ein weiterer Unterschied liegt in dem zugrunde liegenden Kräfteverhältnis von Opfer und Täter. Willard beschreibt es folgendermaßen: „reports of cyberbullying reveal an aspect that is at odds with the generally accepted definition of bullying - that bullying occurs when a more powerful person attacks a less powerful person. It appears that sometimes less powerful people or a group of people are using the internet to attack more powerful people or a group of people”13

Auch dies ist eine besondere Eigenschaft des Cybermobbings. Jemand der in der realen Welt kräftemäßig nicht in der Lage wäre jemanden zu mobben, muss nicht zwangsläufig auch online nicht dazu befähigt sein. Jedoch würde ich dem Zitat von Willard noch etwas hinzuaddieren wollen, denn im Umgang mit dem Internet sind andere Fertigkeiten von Nöten als in der realen Welt um jemanden Mobben zu können, weder physische Stärke noch hohe soziale Stellung sind relevant. Fähigkeiten im Umgang mit der Technik rücken in den Vordergrund und somit würde ich die Cybermobber in keinem Fall als „less powerful people“ bezeichnen, und wenn dann muss die Einschränkung getroffen werden, dass sie „less powerful“ in der realen Welt sind, jedoch keineswegs im virtuellen Cyberspace. Eine dieser Fähigkeiten der technisch bewanderten Cybermobber stellt auch gleichzeitig ein weiteres Kernmerkmal des Cybermobbings dar: Anonymität. Jemand der im Umgang mit Computern und dem Internet sicherer und begabter ist, kann nicht nur auf vielfältige Art und Weise Mobben (z.B. eigene Videos bei YouTube hochladen, Bilder nachbearbeiten usw.) sondern weiß auch sich anonym und für das Opfer unerkennbar, insofern gewünscht, zu bewegen. Während beim traditionellen Mobben also die face-to-face Situation gegeben sein muss, bedarf es in der virtuellen Form nicht einmal einer Bekanntschaft zwischen Täter und Opfer.14 Gemobbt werden kann der Mitschüler, Nachbar oder auch jemand der tausende von Kilometern entfernt lebt.

[...]


1 http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,650340,00.html Aufgerufen am 24.04.2012.

2 http://www.dict.cc/englisch-deutsch/mob.html Aufgerufen am 20.04.2012

3 http://mobbing-in-schulen.de/media/Cybermobbing.pdf Aufgerufen am 20.04.2012

4 (Fawzi, 2009) S.33

5 (Fawzi, 2009) S.31

6 (Fawzi, 2009) S.30

7 (Kowalski, 2007) S.24

8 (Fawzi, 2009) S.32

9 http://www.duden.de/rechtschreibung/Cyber Aufgerufen am 20.04.2012

10 (Fawzi, 2009) S.33

11 (Fawzi, 2009) S.33

12 (Fawzi, 2009) S.33

13 (Willard, 2007) S.28

14 (Willard, 2007) S.26-28

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656640165
ISBN (Buch)
9783656640134
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272515
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Institut für Germanistik
Note
1,3
Schlagworte
Cybermobbing Mobbing Cyber Pragmatik Sprachwissenschaft Germanistik Hausarbeit Semantik

Autor

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Titel: Cybermobbing. Mobbing in der Welt der neuen Kommunikationsmedien