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Themistokles und die Flottenpolitik zur Zeit der Perserkriege

Seminararbeit 2004 17 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1. Vorwort/ Thesenformulierung
1.2. Hinweise zur Quellenlage

2. Das Leben des Themistokles
2.1. Herkunft, Abstammung und Jugend
2.2. Der Einstieg in das politische Leben Athens
2.3. Der Beginn der politischen Vormachtstellung
2.4. Der Aufbau der athenischen Flotte unter Themistokles

3. Veränderung im Inneren Athens durch den Flottenbau
3.1. Auswirkungen auf die Bedeutung der Landstreitkräfte
3.2. Die endgültige Schwächung der Aristokraten

4. Athen unmittelbar vor dem Angriff der Perser unter Xerxes
4.1. Innere Stabilität
4.2. Letzte Vorbereitungen vor dem Angriff der Perser

5. Licht und Schatten
5.1. Was bedeuten die Veränderungen für die Zukunft?
5.2. Schlusswort

6. Anhang
6.1. Quellenverzeichnis
6.2. Literaturverzeichnis

1. Einführung

1.1. Vorwort/ Thesenformulierung

Der Name des Themistokles ist wohl mit einer Bedeutung für Athen während der so genannten Perserkriege verbunden wie kaum ein zweiter. Doch vor allem in unserer Vergangenheit, seiner Gegenwart, ist ihm die Anerkennung, die ihm sein Wirken hätte verleihen müssen, zum größten Teil verwehrt geblieben. Diejenigen, die ihm diese Anerkennung nicht zukommen ließen, waren Bürger Athens, die ihre Freiheit in nicht zu unterschätzendem Maße diesem Mann zu verdanken hatten. Einem Mann, der trotz größter Widrigkeiten und ungünstigster Vorraussetzungen leidenschaftlich und mit großer Weitsicht sein Leben dem Wohle Attikas widmete. Im Folgenden wird somit ein Protagonist der Geschichte des antiken Griechenlands näher betrachtet und sein Wirken hinsichtlich des Aufstiegs Attikas zur Seemacht beurteilt. Themistokles wird natürlich vor allem mit der entscheidenden Seeschlacht bei Salamis in Verbindung gebracht, doch ich werde versuchen, den Fokus dieser Arbeit auf die von ihm verfolgte Politik zu richten, die diesen legendären Sieg überhaupt erst möglich werden ließ. Dabei möchte ich einzelnen Aspekten besondere Aufmerksamkeit zukommen lassen und habe dazu zwei Thesen formuliert, die eventuell hilfreich sein könnten, um Vermutungen zu bestätigen oder um diese zu entkräften.

1. Durch sein ehrgeiziges politisches Engagement hat Themistokles Griechen- land nicht nur zur Freiheit verholfen, sondern auch die Vorraussetzungen für die athenische Demokratie geschaffen.
2. Seine provokante Politik hat jedoch auch großen Anteil am Konflikt zwischen Athen und Sparta, der sich unmittelbar nach 480 v.Chr. verschärfte und letztendlich im peloponnesischen Krieg mündete.

1.2. Hinweise zur Quellenlage

Wie in den meisten Fällen, in denen politische Größen Athens betrachtet werden, ist es auch in diesem Fall Herodot, welcher sich mit der Persönlichkeit des Themistokles

und der Schlacht bei Salamis beschäftigt hat und hier als eine der wichtigsten Quellen anzusehen ist. Da Herodot sich in seinem Werk jedoch nicht sehr ausführlich mit Themistokles auseinandersetzt, sind weitere Quellen notwendig, um detaillierte Informationen über die politischen Geschehnisse zu erhalten, in die Themistokles involviert gewesen ist. Der wichtigste Aspekt jedoch, der Herodot und Themistokles verbindet, ist der, dass der zeitliche Unterschied zwischen Geschehenem und Geschriebenem überschaubar ist. In diesem Zusammenhang ist auch Thukydides zu nennen, der Themistokles zeitlich wohl am nächsten stand und im Allgemeinen als zuverlässige Quelle bezeichnet wird. Ganz im Gegensatz zu Plutarch, auf den ich als eine weitere literarische Quelle zurückgegriffen habe. Die zeitliche Distanz ist hier schon sehr viel größer, liegen doch mindestens 500 Jahre zwischen der entscheidenden Schlacht bei Salamis und der Geburt des Plutarch. Dennoch vermag Plutarch ein interessantes Bild von Themistokles zu zeichnen, wenngleich es[1] sich nicht um eine Biographie im heutigen Sinne handelt und die große Sympathie gegenüber der Größe des Themistokles stellenweise doch sehr auffällig ist. Doch es ist vor allem die Charakterbeschreibung des Plutarch, die die Einarbeitung in das Thema ungemein erleichtert hat. Aufgrund der umfangreichen Aktivitäten des Themistokles finden sich neben den literarischen Quellen auch Artefakte, wie zum Beispiel zahlreiche Ostraka[2], die einen entscheidenden Abschnitt im Leben des Themistokles markieren. Ein anderer interessanter Fund ist der „Stein von Troizen“, eine Inschrift, die Mitte des letzten Jahrhunderts an der Ostküste des Peleponnes entdeckt worden ist und unter anderem Informationen über konkrete Vorbereitungen zur Schlacht von Salamis offenbart. Urheber des Dokumentes soll Themistokles selbst gewesen sein, unter anderem enthält es Regelungen zur Evakuierung von Frauen und Kindern aus Athen. Der Fund ist deshalb von größter Bedeutung, weil ursprünglich davon ausgegangen wurde, dass die Bevölkerung Athen fluchtartig und zunächst völlig orientierungslos verlassen habe. Unter der Vorraussetzung der tatsächlichen Authenzität dieses Fundes würde dies erneut für die Weitsicht sprechen, welche Themistokles immer wieder zugesprochen wird. Dazu Thukydides: „Niemand vermochte je wie dieser Mann durch die Kraft seines Geistes, bei nur kurzer Zuwendung so wunderbar in jeder Lage das Rechte zu treffen.“3 Natürlich existieren noch weitere Quellen, doch ich möchte mich größtenteils auf die bereits erwähnten literarischen Quellen beschränken, da ich glaube, dass sie meiner Argumentation dienlich sein werden.

2. Das Leben des Themistokles

2.1. Herkunft, Abstammung und Jugend

Themistokles wurde um 524 v.Chr. als Sohn des Neokles geboren, welcher einem alten athenischen, adligen Geschlecht der Lykomidai angehörte.4 Zwar soll sein Vater ziemlich wohlhabend gewesen sein, jedoch ohne jegliches politisches Engagement.5 In einer Zeit, in der in Athen die Teilnahme am politischen Leben für Vollbürger nicht nur Privileg, sondern vielmehr eine Verwirklichung des Einzelnen zum Wohle der Gemeinschaft darstellte, scheint dies eher ungewöhnlich. Über seine Mutter existieren vielfältige Angaben, am interessanten ist wohl jedoch, dass sie keine Bürgerin Athens gewesen ist.6 Diese Tatsache zieht natürlich Konsequenzen in nicht unerheblichem Maße nach sich, denn es ist bekannt, dass nur denjenigen überhaupt das Bürgerrecht zuerkannt wurde, deren beider Elternteile Vollbürger Athens waren. Themistokles war also mit ungünstigsten Vorraussetzungen gesegnet. Diese Formulierung mag paradox klingen, doch sie spiegelt bereits etwas von dem wider, was diesen Mann später ausmachen sollte. Denn anstatt sich aufgrund seiner Abstammung eher bedeckt zu halten, ging Themistokles einen anderen Weg. Es muss davon ausgegangen werden, dass durch die Reformen des Kleisthenes am Ende des 6.Jh.v.Chr. zwar die verfassungrechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen worden sind und viele Einwohner Athens nun auch tatsächlich mit Bürgerrechten ausgestattet waren, doch vor allem in den Köpfen des alten Adels noch andere Vorstellungen der Klasseneinteilung existierten. Themistokles konnte also keine Unterstützung erwarten, zumindest nicht von denen, die noch in alten Strukturen dachten. Doch schon in jungen Jahren ließ er sich trotz dieser Widerstände nicht davon abhalten,

seine Vorhaben zu verwirklichen. Plutarch gibt zur seiner Jugend folgendes an: „Darin stimmen alle überein: wie er noch ein Knabe war, war sein Wesen voll ungestümer Leidenschaft. Begabt mit einem hellen Verstande, den Sinn auf große Dinge gerichtet, träumte er wohl davon, dereinst im Staatsleben eine Rolle zu spielen.“7 Neben diesem inneren Ehrgeiz war es vor allem sein Vater, der ihm beste Ausbildungsmöglichkeiten zukommen ließ. Dies geschah zum größten Teil durch Mnesiphilos aus Phrerarroi, einem „der fähigsten Erzieher seiner Zeit.“8 Diesem gelang es, Themistokles für die zeitgenössische Bildung derart zu begeistern, dass dieser begann, sein Temperament hinter seinen Verstand zu stellen und somit in der Lage war, sein ganzes Augenmerk auf das zu richten, was in Zukunft seine Berufung sein sollte, die politische Bühne Athens.

2.2. Der Einstieg in das politische Leben Athens

Für Themistokles schien es bereits in jungen Jahren nur ein Ziel gegeben zu haben, nämlich die Politik und alles, was damit in Verbindung stand. Nichts sollte ihm dabei im Wege sein, nicht einmal sein Vater, der laut Plutarch sogar versucht haben könnte, seinen Sohn vom öffentlichen Leben fernzuhalten.9 Es gibt durchaus Behauptungen, die besagen, dass die nichtgriechische Herkunft seiner Mutter seine adlige Abstammung nicht geschmälert haben soll. Doch warum hat dann sein Vater selbst nicht am politischen Leben teilgenommen und offensichtlich auch keine Begeisterung für die Pläne seines Sohnes entwickeln können? Diese Frage wird an keiner mir bekannten Stelle hinreichend beantwortet, scheint jedoch auf Themistokles, wenn überhaupt, eher motivierend gewirkt zu haben, denn er begann bereits sehr früh damit, sich politisch zu engagieren, zunächst als Aufseher über die Athener Wasserleitungen.10 In dieses Amt wurde man für jeweils ein Jahr gewählt und aufgrund der Wasserknappheit in Attika, hatte er damit bereits eine nicht zu unterschätzende Verantwortung übernommen. Im Jahre 493 oder 492 v.Chr. übernahm Themistokles dann jenes Amt des Eponymos Archon, welches das höchste Amt seiner Laufbahn sein sollte. Diese insgesamt neun Archonten wurden ebenfalls jährlich gewählt und der Eponymos Archon bedeutete die wichtigste dieser Positionen, was allein dadurch deutlich wird, dass unter anderem der Name des Jahres nach ihm benannt wurde.

[...]


[1] Plutarch „Das Leben des Themistokles“

[2] Ostraka (Tonscherben), verwendet beim Ostrakismos, dem Scherbengericht in Athen

3 Thuk. I, 138, 3

4 Papastavrou, J., Themistokles, S. 13

5 Grant, M., Die klassischen Griechen, S. 35

6 Plut. Them. 1

7 Plut. Them. 2

8 Papastavrou, J., Themistokles, S.14

9 Plut. Them. 2

10 Plut. Them. 31, 1

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638293495
ISBN (Buch)
9783640626939
Dateigröße
438 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v27251
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für alte Geschichte
Note
2,3
Schlagworte
Themistokles Flottenpolitik Zeit Perserkriege Proseminar Ostrakismos Xerxes Athen Salamis Piräus

Autor

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