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Projekt und Organisation. Reflexion einer Projektsimulation

Hausarbeit 2013 25 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 Einleitung

2 Reflexion der Projektsimulation
2.1 Aus der Ich- Perspektive
2.2 „Eigentliche Projektsimulation“ - Aus der Gruppenperspektive und deren Umgang mit Problemen und Konflikten

3 Das Konfliktfeld Projekt und Organisation
3.1 Das System der Hierarchie und die Organisation
3.2 Die Projektgruppe und Gruppenarbeit in Organisationen
3.3 Konfliktpotenziale
3.3.1 Zwischen Projektgruppe und Organisation
3.3.2 Durch Mehrfachmitgliedschaft
3.3.3 Durch informelle Gruppen

4 Verbindungen von Theorie und Simulation
4.1 Hierarchie und Herausbildung informeller Gruppen
4.2 Projektgruppe und das Problem der Mehrfachmitgliedschaft

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Rahmen des Blockseminars „Projekt und Organisation“ wurde eine Projektsimulation durchgeführt. Eine Hausarbeit soll diesbezüglich in Form einer Reflexion über die wichtigsten Prozessschritte und die eigene Rolle angefertigt sowie mit fundierter Literatur belegt werden.

Zu Beginn des Blockseminars wurde erläutert, was Projektgruppen sind. Damit einherge- hend wurde der Fokus der ersten theoretischen Erklärungen1 auf das Gebiet der Gruppen- dynamik gelenkt. Denn bei Projektgruppen treten dieselben Dynamiken auf, wie bei allen an- deren Gruppenformen. Das war eine gute Wiederholung der Inhalte aus den Vorlesungen „Soziale Formate - Die Gruppe“ und „- Die Organisation“ aus dem Bachelorstudium Soziale Arbeit an der Universität Kassel. In diesem Zusammenhang mussten sich die Teilnehmer in einer ersten Gruppenarbeit Überlegungen zu projektbezogenen Fragen2 machen.

Diese erweckten jedoch in mir den Eindruck, dass ich persönlich bisher kaum bis gar nicht direkt an einem Projekt mitgewirkt bzw. sonstige Erfahrungen in diesem Bereich aufzuweisen habe. Deshalb erschien mir die folgende Simulation eines Projekts im Rahmen des Block- seminars umso spannender. Doch bevor dieses am Samstagmorgen starten sollte, wurde am Freitagabend auf Grundlage der ersten (oben genannten) Kleingruppenarbeit inhaltlich detailliert zusammengetragen, was ein Projekt für genaue Merkmale hat und dass nicht alles, was sich Projekt nennt, auch eines ist. Das war für mich sehr aufschlussreich und verhalf mir zu einem guten ersten Überblick und Einstieg in die Thematik. In diesem Zusammenhang sind wir im Plenum über die Frage „Wie entsteht Gruppenidentität“ zum eigentlichen Thema des Seminars vorgedrungen. Nämlich dahingehend eine Verbindung zwischen Projekten und Organisationen herzustellen. Dabei ging es insbesondere um Schwierigkeiten im Bezug auf das Scheitern vieler Projekte, die Anbindung an die Linie und die schwierige Rückkehr aus der Projektgruppe zur Linienarbeit. Projekt und Organisation sind immer ein Konfliktfeld- Mit diesem Fazit endete der erste Seminartag. Gleichzeitig sollten die Teilnehmer der Pro-jektsimulation an den folgenden zwei Tagen die Bedeutung dieser Feststellung am eigenen Leibe erfahren.

Zuerst soll in dieser Hausarbeit über die eigene Rolle reflektiert werden. Anschließend soll- ten die Gruppe und ihr Verhalten, dass „Wir“ unter die Lupe genommen werden. Darauf folgt eine theoretische Untermauerung der Reflexion mit empfohlener Literatur aus dem Seminar von Krainz, Heintel, Claessens und Schwarz. Die wichtigen theoretischen Aspekte des Kon- fliktfelds Hierarchie/ Organisation und Projektgruppen sollen dargelegt und anschließend mit den praktischen Erlebnissen der Simulation verglichen werden. Auch soll hier die Theorie auf die Projektsimulation übertragen werden. An dieser Stelle könnten eventuell Diskrepanzen zwischen Theorie und Simulationsversuch sichtbar werden. Abschließend soll im Resümee die Projektsimulation bewertet werden.

2 Reflexion der Projektsimulation

Diese Reflexion wurde kurz nach dem Blockseminar im Juni 2012 in Stichpunkform angefertigt und im Nachhinein in Sätze umformuliert und ergänzt. Diese soll die emotionale Perspektive bei der Teilnahme an der Simulation widerspiegeln und zwar zuerst aus der Sicht der Autorin sowie im Folgenden aus der Perspektive des informellen Gruppengefüges.

2.1 Aus der Ich- Perspektive

Nach der Beschreibung der Dachorganisation, der strukturellen Umgebung und den Spielregeln sollten die Teilnehmer sich freiwillig melden für die zu vergeben- den Rollen. Bei der Besetzung des Geschäftsführers, der Betriebsleiter und der Betreuungsleiter wollte sich zuerst, wie so oft keiner freiwillig diese Rollen über- nehmen- ich auch nicht. Deshalb war ich erleichtert3, dass sich für diese Positio- nen doch noch drei Freiwillige gefunden hatten. Zugleich fragte ich mich aber auch: Wie kann man das denn freiwillig machen? Dann war es mir relativ gleich- gültig in welche von den vier Teams4 ich sollte, solange ich keine von den oben genannten Führungspositionen hätte übernehmen müssen. Natürlich wäre ich lieber mit den Kommilitonen (4) in einer Gruppe gewesen, die ich aus meinem Studiengang kenne. Da das aber aufgrund der Gruppengrößen von drei bis vier nicht möglich war, hat es mich aber nicht gestört mit zwei fremden Personen eine Gruppe (bzw. ein Dreieck) zu bilden. Durch das Spiel „Cocktailparty“ war ich zu- mindest schon mal mit einer von den zwei Studentinnen im Gespräch gewesen. Trotzdem habe ich nach meinem Eindruck kein Problem mit fremden Menschen in Gruppen zu arbeiten.

Die aller erste Aktion des Geschäftsführers, der Betreuung- und Betriebsleitung, dass Ankleben von Namensschildchen, war schon etwas übertrieben und eine aufgesetzte pädagogische Methode. -„Damit wir Sie mit Namen ansprechen kön- nen“ - Im Nachhinein ist das schon der erste Punkt gewesen, der mich innerlich im Laufe der Simulation stetig mehr gegen die Führung der Organisation auf- brachte. Gleichzeitig liegt hierin vermutlich auch für mich die Abneigung so eine Führungsposition selbst zu übernehmen. Sich selbst in den Mittelpunkt rücken zu müssen wegen der Verantwortung und sich dabei mit bestimmten Maßnahmen unbeliebt zu machen.

Bei unserer ersten Aufgabe durch die Geschäftsführung, einem Brainstorming, war ich noch frohen Mutes und dachte, jetzt kann es mit dem Projekt5 endlich losgehen. Erst konnten wir mit der Aufgabe nicht wirklich etwas anfangen, doch dann waren wir plötzlich sehr kreativ. Besonders ich kam auf die Idee mit der Spezialisierung auf Kindersachen usw. Also im Zuge des ersten Brainstormings hatten wir uns eigentlich schon, so hatten wir die Aufgabe verstanden, mit Ver- besserungsmöglichkeiten, Einsparmaßnahmen und Öffentlichkeitswirksamkeit beschäftigt. Was vermutlich doch nicht so ganz6 gewollt war. Unseren Gruppen- leiter hatten wir gelost, da es jedem von uns gleichermaßen egal war bzw. es nichts ausmachte, diese Rolle zu übernehmen. Ich habe dann das entsprechen- de Los gezogen aber da es sich ja nur um ein Spiel handelte, war mir das vorerst egal.

Die zweite Aufgabe, ein Plakat mit den Stärken und Schwächen unserer Abtei- lung Textil herzustellen, war dann für mich etwas klarer formuliert. Jedoch viel es mir nicht ganz so leicht, wie den anderen zwei Gruppenmitgliedern, mir sozusa- gen die bestehende Qualitäten und Vorzüge unseres Betriebes auszudenken. Wir sind dann zusammen auf die Einteilung in fachliche Qualifikation und persön- liche Entwicklung/ soziale Kompetenz gekommen. Dafür, dass mir nicht ganz so viel eingefallen ist, habe ich dann eben die Gestaltung, die Einteilung und das Schreiben des Flip- Charts übernommen. Dadurch, dass sich unser Dreierteam ziemlich gut ergänzt hat und wir effektiv gearbeitet haben, waren wir auch inner- halb von ca. 30 Minuten fertig. Aber um sich sozusagen, etwas völlig frei auszu- denken war eine Stunde Arbeitszeit etwas übertrieben. Daran wird deutlich, dass unsere Gruppe ohne größere Probleme effektiv zusammenarbeiten konnte. Nach meinem Eindruck haben alle Abteilungen die Aufgaben der Geschäftsführung auch nicht zu ernst genommen, da es sich um das Ausdenken von Phantasie- zahlen, - aufgaben, - stärken und -schwächen etc. handelte. Dann sollten die Plakate von jeder Gruppe vorgestellt werden, das musste ich übernehmen, da ich per Los zum Leiter gewählt wurde, was mir nicht ganz so gut gefiel, einfach den unangenehmen Teil sozusagen auf den Leiter abzuschieben. Aber das ge- hört wohl zu Leitungsaufgaben dazu. Denn Vorträge zu halten gehört nicht so zu meinen Stärken aber spontan so was zu übernehmen, klappt meines Erachtens eigentlich ganz gut. Da man vorher nicht so viel Zeit hat, um sich deswegen ver- rückt zu machen. Im Laufe der Simulation bzw. des Wochenendes habe ich mit jedem Beitrag oder Vortrag allmählich meine Nervosität und Hemmungen verloren frei vor der Seminargruppe zu sprechen.

Nach dieser (oben genannten)Vorstellungsrunde hatte ich die Erwartung, dass die Projektarbeit jetzt so richtig losgehen kann und sich jedes Team etwas richtig Schönes ausdenkt mit Hilfe des Brainstormings und dem Stärken/Schwächen Plakat. Wie ich jedoch im Nachhinein feststellen musste, handelte es sich bei den ganzen Aufgaben „nur“ um die bloßen Vorgänge der Organisation, in die erst später eine Projektgruppe mit „von oben“ ausgewählten Personen aus den ver- schiedenen Gruppen (Fahrrad, Holz,…) integriert wurde. In der ersten Phase der Simulation ging es also um die Ausgestaltung des alltäglichen Geschäfts der Or- ganisation.

Nein im Gegenteil, es ging nicht „so richtig los“. Die nächste Aufgabe der Betriebsleiterin führte zunehmend dazu, dass die Mitglieder der Organisation langsam aber sicher gegen die Führung (im speziellen gegen diese) aufgebracht wurden. Diese zitierte die Leiter jeder Gruppe heran. Dabei dachte ich mir innerlich: “Was kommt denn jetzt?“

Dann wurden mit englischen Fachbegriffen aus der Wirtschaft die Aufgaben er- klärt, welche niemand richtig verstand. Das Unwissen bezüglich der Aufgaben- stellungen resultierte aus nicht eindeutig und klar formulierten Erklärungen hier- zu. Nach mehrfachen Nachfragen seitens der Leiter der vier Teams, wurden die Aufgaben jedes Mal anders erklärt oder es ergab sich das Teile der Fragen doch nicht so stimmten und einige Male umgeworfen werden mussten. Jedoch stan- den wir unter Zeitdruck und mussten während sich ständig etwas änderte schon nebenher anfangen die Antworten zu den fragen zusammen zutragen. Am Ende mussten wir nur Phantasiezahlen zu: Umsatz, Auftragslage, Angestellte, Kern- kompetenzen, Angebot, Erfolg auf Arbeitsmarkt, Kunden und Wettbewerb auf- schreiben. Jedoch durch diese fachmännischen Umschreibungen wurde alles unnötig verkompliziert und in die Länge gezogen, was bei uns Unverständnis, Frustration und Misstrauen gegenüber der Betriebsleiterin auslöste. Auch viel es mir schwer oder habe ich es für die Simulation als sinnlos erachtet mir irgendwel- che Zahlen auszudenken. Aber die Dame aus der Wirtschaftsabteilung brauchte diese Informationen, um dann der Geschäftsführung genaue Daten und Fakten „selbst“ präsentieren zu können. Ebenso verhielt es sich mit der so genannten SWOT- Analyse. Diese Methode aus der Wirtschaft kannte von den auserwähl- ten Gruppenleitern auch niemand. Auch hier wurde von uns aufgrund von Nicht- wissen nachgefragt. Daraufhin gab die Betriebsleiterin nur schwammige Antwor- ten und wir riskierten dadurch noch mehr Punkte auf die Aufgabenliste gesetzt zu bekommen, die der Leiterin während ihrer Erklärungsversuche einfielen. Diese Aufgaben brachten uns als die Ausführenden schon ziemlich auf. Wir schrieben dann jeder einfach irgendwas von dem ersten Flipchart zu Stärken und Schwä- chen ab und dachten uns dazu noch irgendetwas aus, weil die Aufgabe für uns keinen Sinn ergab. Innerlich und vor allem zusammen mit den Auserwählten von der Tischlerei habe ich mich richtig aufgeregt, dass diese Aufgabe nichts bringt und sinnlos ist. Für uns war das bloße ausdenken von Zahlen nicht nachvoll- ziehbar und unrealistisch. Zur Krönung lief diese Aufgabe tatsächlich darauf hin- aus noch mal genau das gleiche von eben, der ersten Gruppenarbeit, dem Stär- ken/Schwächen Plakat zu wiederholen (und trotzdem fand Betriebsleiterin unsere Ausarbeitungen ganz toll).

Entsetzt war ich (und auch die anderen von der Tischlerei) darüber, dass die Be- triebsleiterin voll in ihrer Rolle aufgegangen ist ohne auch nur ganz kurz von ihrer Rolle zurück zutreten und abgesehen von den Aufgaben, normal und locker als Studienkollegin mit uns zu reden. Das fand ich total unsympathisch. Eventuell liegt hierin für mich die Begründung, dass die Mehrheit (ich selbst inbegriffen) keine Führungsposition in dem Sinne in der Simulation und auch sonst im alltäg- lichen Leben übernehmen möchten. Aus Angst unbeliebt und damit auf einem einsamen Posten zu stehen.

Auch war das der Punkt an denen die anderen und ich anfingen die komplette Führung anzuzweifeln, innerlich zu rebellieren und hinter deren Rücken zu läs- tern. Ab da fand ich die Aufgaben, die wir bekommen hatten irgendwie sinnlos und nicht in Richtung des Themas „Projekt“. Mich hatte es richtig genervt die Aufgaben zu machen und dann noch mal das gleiche, bloß von einem neuen Plakat vorlesen zu müssen. Denn eigentlich hatte die Betriebsleiterin fest zugesi- chert das Ganze zusammenfassen und der Führung vorzustellen. Aber nein, weil wir das „so super“ gemacht hätten, sie aber in Wahrheit damit überfordert war, sollten wir es doch alles selber vorstellen. Letztendlich hat sie ihre Aufgabe nicht erfüllt, sich jedoch mit unserer Arbeit geschmückt. Ab da waren die anderen und ich voll dabei gegen Führung zu sein.

Auch fand ich die ungleichmäßige Aufgabenverteilung unfair. Die vier Abtei- lungsleiter mussten jeweils alleine zwei Plakate beschreiben und der Rest (12 Personen) haben ein Plakat zusammen gemacht. Noch ein Punkt für mich die Führung anzuzweifeln, wegen der ungleichen und verplanten Aufgabenvertei- lung.

[...]


1 Aufgrund von Fragen der Teilnehmer

2 1) Was fällt mir zu Projekten ein (eigene Erfahrungen, Meinungen…)? 2) Was ist gut gelaufen? Worin liegen die Vorzüge? 3) Was fiel dabei schwer? Welche Probleme entstanden?

3 Alle anderen Teilnehmer ebenso.

4 Cafe, Textil, Tischlerei, Fahrrad

5 Erst später habe ich erkannt, dass die Ausgestaltung der verschiedenen Abteilungen nicht zum Projekt gehörte, sondern zur Organisation gehörte. Dies stellte ich fest, als aus jedem Team Mitglieder „von oben“ in eine externe Projektgruppe delegiert wurden.

6 Wegen unklarer Aufgabenstellung der Geschäftsführung

Details

Seiten
25
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656642367
ISBN (Buch)
9783656642350
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272492
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,0
Schlagworte
projekt organisation reflexion projektsimulation

Autor

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Titel: Projekt und Organisation. Reflexion einer Projektsimulation