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„The Triumph of the Frontier“? US Indian Removal Policy unter Präsident Jackson

Masterarbeit 2014 77 Seiten

Geschichte - Amerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die „Wilden“ müssen „zivilisiert“ werden - Die Indianerpolitik Jeffersons und seiner Nachfolger
II.A. Europäische Denktraditionen und Jeffersons Indianerbild
II.A.1. „Zivilisieren“ - Aber wie?
II.B. Im Zeichen der Kontinuität: James Monroe und John Quincy Adams
II.C. Ein Fehlschlag auf der ganzen Linie?

III. Die Georgia- Frontier: Ein vorhersehbarer Konflikt
III.A. Kampf um das Land - Die Cherokee als Opfer ihres eigenen Erfolges?
III.B. Eine Sovereign, Foreign Nation ?
III.B.1.Die kompromisslose Reaktion Georgias
III.B.2.Widerstand leisten! Die Cherokee und der U.S. Supreme Court

IV. Move or be Removed: Andrew Jackson und seine Indianerpolitik
IV.A. Das Indianerbild Andrew Jacksons - Indian Fighter oder Humanitarian ?
IV.A.1.Das Indianerbild Jacksons als US-Präsident anhand offizieller Dokumente
IV.A.2.Das Indianerbild Jacksons an der Frontier
IV.B. Am Ende der Geduld: Der Indian Removal Act von 1830
IV.B.1.Eine kontroverse Debatte
IV.C. Ein Vertrag um jeden Preis

V. Fazit

VI. Quellenverzeichnis

VII. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die amerikanische Indianerpolitik in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ist gekennzeichnet durch das Entfernen bzw. die Vertreibung der Indianer- stämme, die das Gebiet östlich des Mississippi River bewohnten und damit innerhalb der Staatsgrenze der USA lebten, nach Westen. Diese Politik, die insbesondere mit der Präsidentschaft von Andrew Jackson assoziiert wird, wird im Englischen als Removal Policy 1 bezeichnet und ist, ob intendiert oder nicht, verantwortlich für großes Leid der nordamerikanischen Ureinwohner.2 Aus Sicht der amerikanischen Bevölkerung war das Vertreiben der indiani- schen Bevölkerung notwendig geworden, weil sie das von den Indianern3 be- wohnte Land für ihre eigenen Zwecke nutzen wollten, also für Ackerbau und Viehzucht, kurzum für das amerikanische farming, für die Ausweitung des Baumwollanbaus, vor allem in den südlichen Staaten und Territorien, und weil die Indianer, insbesondere aus Sicht der sogenannten Pioniere (pioneers) oder Frontiersmen, das Land nicht „richtig“ oder zum Teil gar nicht bewirt- schafteten und daher ganz grundsätzlich nicht „zivilisiert“ waren. Diese Fron- tiersmen waren es auch, die den gesellschaftlichen Druck auf die Politik der jeweiligen Bundesstaaten ausübten, das in ihren Augen „freie“ Land - im Sinne von „ungenutzt“ -, das de facto und de iure durch viele Verträge abge- sichert, indianisches Land war, bewirtschaften zu können. Die Bundesstaaten wiederum trugen diesen Druck weiter in die Hauptstadt, nach Washington, wo es galt ihn in politisches Handeln zu transformieren.

Den Frontiersmen (und ihrem Charakter) kommt seit 1893 eine besondere Bedeutung in der amerikanischen Geschichtsschreibung zu. Im besagten Jahr hielt ein bis dato größtenteils unbekannter amerikanischer Historiker aus dem amerikanischen Westen (Wisconsin) bei einem Treffen der American Histo- rical Association in Chicago einen Vortrag mit dem Titel: „The Significance of the Frontier in American History“. Dieser Mann war niemand anderes als Frederick Jackson Turner,4 der mit diesem Vortrag gleichsam über Nacht be- rühmt wurde. Die Tatsache, dass die Geschichtsschreibung bei der Expansion der USA über den Kontinent hinweg nach Westen heute von einer Frontier spricht, ist der Verdienst Turners. Mit dem Vortrag revoltierte Turner gegen die Dominanz der Historiker aus dem Osten der USA, sprich: der Atlan- tikküste. Diese vertraten die These, dass die amerikanische Demokratie und die Gesamtheit ihrer institutionellen Formen grundsätzlich aus England über- nommen worden waren, wobei sie von angelsächsischen Urformen sprachen, die wiederum in den Wäldern Germaniens entstanden seien. Turner hingegen sah und definierte sich selbst als ein Mann des amerikanischen Westens und nahm in der spezifischen Struktur der amerikanischen Demokratie, wie auch in den Charaktereigenschaften der Menschen, vor allem derjenigen, die nicht an der Ostküste lebten bzw. die landeinwärts migriert waren, spezifisch „westliche“5 Eigenschaften war, die sich von denen der Atlantikküste unter- schieden.6 Das Entstehen dieses Unterschieds sowie der Spezifität der ameri- kanischen Demokratie erklärte er mit Hilfe seiner frontier hypothesis. Zu sei- nen Lebzeiten war die Frontier allerdings bereits wieder geschlossen und da- mit die geographische Eroberung des amerikanischen Kontinents abgeschlos- sen, sodass er diese Frontier retrospektiv konstruierte.7 Diejenigen Siedler oder Pioniere, die nun in der ersten Reihe den Kampf zwischen Wildnis und Zivilisation8 ausfochten, seien eben jene absolut individualistische, energie- geladene und ambitionierte Männer, die mutig, aggressiv, pragmatisch und voller Abenteuerlust voranschritten und den Weg für die späteren Siedler und (Klein-)Bauern ebneten.9 Sie ließen sich von nichts und niemandem aufhal- ten, auch nicht von den vielen Indianerstämmen, denen sie begegneten und die das Land bewohnten bzw. denen es ursprünglich gehörte. Die Indianer stünden bzw. gehörten eindeutig auf die Seite der Wildnis. In seinem Essay spielen die Indianer, abgesehen von einem vereinenden Element für die Sied- ler und Frontiersmen zu Amerikanern sowie als allgemeiner Gegner, keine eminent wichtige Rolle.10 Den Frontiersmen war auch die Politik der Bun- desregierung gegenüber den Indianern völlig gleichgültig, die darauf fußte die Indianer zu „zivilisieren“. Jefferson, Monroe, Adams, allen US Präsiden- ten bis hin zu Andrew Jackson wird im Allgemeinen diese Politik zugeschrie- ben, auch wenn deren Erfolg nicht allen und den Frontiersmen schon gar nicht ersichtlich war bzw. sie diesen bezweifelten.

Auch Präsident Andrew Jackson gilt als Frontiersman. Ihm werden vor allem in der Zeit vor seiner Präsidentschaft ähnliche „westliche“ - bereits beschrie- bene - Charaktereigenschaften zugesprochen. Jackson lebte in Nashville, Tennessee und war Major General der U.S. Army im Süden, wo er zeitweilig das Kommando innehatte. Des Weiteren soll er ein ausgezeichneter Indian Fighter gewesen sein, der rücksichtlos die Interessen der Regierung(en) durchsetzte und sich im Krieg gegen die Seminole-Indianer in Florida oder gegen die Creek-Indianer ausgezeichnet hatte. Aber war Jackson ein über- zeugter Frontiersman ? War er ein Indianerhasser und initiierte deshalb die Removal Policy ? Lehnte er die philanthropischen Ansätze seiner Vorgänger grundsätzlich ab oder sah er lediglich keine andere Möglichkeit für ein Über- leben der Indianer? Welche Meinung hatte er von den Indianern? Diese Fra- gen werden im Laufe der Arbeit genauer zu untersuchen und zu beantworten sein.

In dieser Arbeit soll die Indianerpolitik von Präsident Andrew Jackson in Tei- len mit der Frontier -Hypothese Turners verbunden werden, um die im Titel der Arbeit gestellte Frage nach dem Triumph der Frontier beantworten zu können. Denn Turner selbst hat in der Rückschau die Wahl Jacksons - wie auch die einiger seiner Nachfolger - als „ […] triumph of the frontier“11 ge- wertet, mit denen sich die Demokratie nach „westlichem Maß“ - gemeint ist hier der Frontier -Westen des späten 19. Jahrhunderts - als entscheidende Kraft durchgesetzt hätte. Im begrenzten Rahmen der vorliegenden Arbeit kann auf 60 Seiten nicht die komplexe These Turners detailliert analysiert, kritisiert oder ein allumfassendes Charakterporträt Andrew Jacksons gezeich- net werden, sondern es muss davon ausgegangen werden, dass sowohl die Frontier -These Turners als auch der grobe Lebensweg Jacksons bis zum Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, dem Leser bekannt sind. Vielmehr stehen die Indianerpolitik Jacksons und der Konflikt der Cherokee mit dem Bundesstaat Georgia als exemplarisches Beispiel im Vor- dergrund. Besonders gut dokumentiert ist die amerikanische Indianerpolitik in Beziehung zu den Five Civilized Tribes - den Chickasaws-, Choctaws-, Creek-, Cherokee- und Seminole-Indianern12 - des aus der Perspektive des frühen 19. Jh. gesprochenen amerikanischen Südwestens. Diese Stämme wur- den im Zuge der von Jacksons initiierten Removal Policy aus ihren Heimat- gebieten vertrieben und westlich des Mississippi im Indian Territory - vor allem in dem Gebiet, das heute mehrheitlich der Staat Oklahoma bildet - an- gesiedelt. In dieser Arbeit sollen die Cherokee exemplarisch betrachtet wer- den, da dieser Stamm vielleicht als der mit Abstand „zivilisierteste“13 be- zeichnet werden könnte, weil sie nicht nur eine eigene geschriebene Sprache entwickelte hatten, sondern auch weil sie mit dem Cherokee Phoenix eine eigene Zeitung besaßen, sich 1827 eine eigene Verfassung gaben und auch eine eigene ‚Polizei‘ besaßen. Des Weiteren leisteten sie am längsten und er- bittertsten Widerstand gegen ihre Vertreibung und zogen 1831 sogar im Kampf um ihr Heimatland vor den U.S. Supreme Court. Zunächst sollen die Grundzüge und Grundgedanken der Indianerpolitik der Vorgänger Jacksons, insbesondere die von Thomas Jefferson, kurz erläutert, da sie einerseits grundlegend für das Verständnis der Handlungsweisen sowohl Jacksons als auch der Indianer sind, andererseits je nach Betrachtungsweise durchaus ein roter Faden erkennbar wird, der von Jefferson zu Jackson reicht. Um die An- sichten Jacksons herauszustellen, werden im Anschluss daran vor allem seine Reden vor dem Kongress - seine Annual Messages - wie auch seine Reden zu Beginn seiner Amtszeiten - die Inaugural Addresses - untersucht und das zentrale Element seiner ersten Amtszeit, der Indian Removal Act von 1830. Um zu verstehen, wie sich diese Politik aber auch der Druck der Frontier an selbiger bemerkbar machte, soll das Spannungsfeld zwischen dem Staat Ge- orgia und den dort lebenden Cherokee näher analysiert werden. Die Klagen der Cherokee vor dem U.S. Supreme Court und die Urteile des selbigen wer- den im Zuge dessen ebenfalls betrachtet werden. Die Schwierigkeit wird in der Trennung und Abgrenzung der Politik Jacksons und der Ereignisse in Ge- orgia liegen, da die Geschehnisse gewissermaßen zeitlich parallel ablaufen und reziprok sind. Im Fazit soll dann die Frage nach dem Triumph der Fron- tier beantwortet werden. Abschließend soll noch darauf hingewiesen werden, dass es sich bei der für diese Arbeit verwendeten Literatur um ausschließlich englischsprachige Literatur handelt, da keine deutschsprachige Literatur zu diesem Thema existiert. Daher werden alle Zitate sowie die allermeisten Be- grifflichkeiten nicht übersetzt, was gegebenenfalls den Lesefluss etwas beeinträchtigen kann.

Als für diese Arbeit besonders wichtige Werke können für den ersten Teil der Indianerpolitik Jeffersons und seiner Nachfolger neben den Ansprachen Thomas Jeffersons auch Bernard W. Sheehans Buch „Seeds of Extinction. Jeffersonian Philanthropy and the American Indian“14, Reginald Horsemans Buch „Race and Manifest Destiny. The Origins of American Racial Anglo- Saxonism”15 sowie das Buch von Robert F. Berkhofer „The White Man’s In- dian. Images of the American Indian from Columbus to the Present”16, das das Denken der Menschen zur Zeit Jeffersons sehr gut Kontextualisiert, und der Aufsatz von Robert W. McCluggage mit dem Titel „The Senate and In- dian Land Titles, 1800-1825” gezählt werden.17 Im Kapitel über die Cherokee, ihren „zivilisatorischen“ Erfolgen und dem Konflikt mit Georgia kommen neben offiziellen Dokumenten des Parlaments in Georgia und den weiterhin wichtigen Autoren Sheehan, Horseman und Berkhofer, noch die grundlegenden Aufsätze von William G. McLoughlin „Experiments in Cherokee Citizenship, 1817-1829“18 und Mary Young „The Cherokee Na- tion: Mirror of the Republic“19 hinzu. Im zweiten Teil der Arbeit wird insbe- sondere auf diverse Reden Andrew Jacksons zurückgegriffen sowie auf die Standardwerke von Ronald N. Satz,20 Grant Foreman,21 Robert Vincent Re- mini22 und den wichtige Aufsatz Francis Paul Pruchas „Andrew Jackson’s Indian Policy: A Reassessment“23, indem er Jacksons Politik pointiert und kraftvoll verteidigt. Die These Turners aus dessen zuvor zitierten Werk wird zwischendurch ebenfalls wieder aufgegriffen. Des Weiteren muss zur Litera- tur noch angemerkt werden, dass diese überwiegend aus den 1960er und 70er Jahren stammt (wenige Aufsätze von Anfang der 1980er Jahre) und es so gut wie keine aktuelle(re) Literatur gibt. Die Hauptdiskussion über die amerika- nische Indian Removal Policy im 19. Jahrhundert wurde bereits geführt.

II. Die „Wilden“ müssen „zivilisiert“ werden - Die Indianerpolitik Jeffersons und seiner Nachfolger

Im Folgenden sollen zwei Amtsvorgänger Andrew Jacksons und ihre India- nerpolitik in gebotener kürze betrachtet werden. Dieses Vorgehen erscheint sinnvoll, da zum einen in der Literatur davon die Rede ist, dass sich ab 1820 bzw. spätestens Mitte des 19. Jahrhunderts ein drastischer Wandel in der of- fiziellen amerikanischen Indianerpolitik einerseits und der Einstellung der Bevölkerung andererseits vollzieht24 - vielleicht mit der Ausnahme der Fron- tiersmen. Zum anderen, weil Turner in seiner Frontier -These davon spricht, dass mit Jackson diese triumphiert habe, was zu der noch zu klärenden Frage führt, über wen oder was diese genau triumphierte. Daher liegt es nahe, sich die Politik der Amtsvorgänger Jacksons anzuschauen; etwas, dass Turner si- cherlich ebenfalls gemacht haben wird, um zu seiner Feststellung des Triumphs der Frontier zu kommen.

II.A. Europäische Denktraditionen und Jeffersons Indianerbild

Thomas Jefferson war einer der bedeutenden Amerikaner der Epoche der Aufklärung. Leicht zeitversetzt begann die amerikanische Aufklärung mit ihm und seinen intellektuellen Zeitgenossen, den Gründervätern Amerikas, auch in der Neuen Welt. Jefferson und seine Mitstreiter an der amerikani- schen Ostküste wandten die Prinzipien der Aufklärung und dem damit ver- bundenen Fortschrittsglauben, der die Verbesserung der Menschheit im mo- ralischen und intellektuellen Sinn postulierte, auf ihre Politik an und somit auch auf die Indianerproblematik.25 Im 18. und frühen 19. Jahrhundert ent- sprang die sogenannte environmentalism theory dem aufgeklärten Denken der europäischen Tradition und half den Menschen, den Unterschied im Ent- wicklungsstand der verschiedenen Völker der Welt sowohl kulturell und so- zial als auch physiologisch zu erklären und zu verstehen.26 Mithilfe des eige- nen Verstandes und ohne auf göttliche oder übernatürlich Erklärungsansätze zurückgreifen zu müssen, wurde die Welt verstanden und erklärt, denn diese basierte auf Ursache-Wirkungs-Prinzipien, die man entschlüsseln konnte.27 Bekannterweise waren diese Männer in den allermeisten Fällen gläubige Christen und so verbanden sie die neuen aufklärerischen Gedanken mit ihrem Glauben; Elemente der alten Sichtweisen blieben also erhalten. So glaubte man beispielsweise, dass alle Menschen einer einzigen, von Gott geschaffe- nen Rasse, angehörten, dass das Universum durch göttliche Kräfte geordnet sei und dass die Erde - wie im Alten Testament beschrieben - in einer relativ kurzen Zeitspanne entstanden sei.28 Aus dieser Vermischung ergab sich die Auffassung: „[A]ll men were created equal by their Creator and the variations were explainable purely by natural causes.“29 Deshalb konnte auch Jefferson sagen: “I believe the Indian then in body and mind equal to the White man[.]”30 Weitergedacht folgt daraus bereits die Indianerpolitik, die Jeffer- sons als Präsident verfolgte, nämlich eine „Zivilisierung“ der Indianer, die dieser Theorie zufolge möglich sein musste. Ein zweiter für Jeffersons An- sichten bezüglich der Indianer ebenso wichtiger Grund war, dass man die Theorie über die Einflüsse der Umwelt auf die Menschen sowohl in positiver als auch in negativer Richtung bezüglich der Equality of Man auslegen konnte, was der französische Naturalist Comte de Buffon versuchte. Dieser vertrat die These, dass alle, Menschen wie Tiere, die in Amerika existierten und lebten - auch die eingewanderten Europäer - mit der Zeit durch die dor- tigen Umwelteinflüsse degenerierten.31 Einer solchen These mussten sich die amerikanischen Intellektuellen natürlich erwehren, da dadurch ihre eigenen aufklärerischen Gedanken und ihre Fortschrittsfähigkeit in Frage gestellt wurden.32 Auch wegen solcher Theorien war es wichtig mit einer entspre- chenden Politik zu demonstrieren, dass die Indianer „zivilisiert“ werden konnten. Die vielbetonte „Wildheit“ der Indianer war somit nur ein temporä- res Stadium, das es zu überwinden galt.33 Der Fortschrittsgedanke, der der Aufklärung inhärent ist, führte allerdings auch dazu, die weiße Kultur als die am weitesten „fortgeschrittene“ und somit „höchste“ anzusehen und die Indi- aner demzufolge als „minderwertig“ oder „unterlegen“ zu klassifizieren; auch Jefferson nahm eine solche Klassifizierung vor.34 Der bereits angesprochene Wandel dieser Ansichten Mitte des 19. Jahrhunderts resultierte aus dieser auf die weiße Kultur fixierten, ethnozentrischen Betrachtungsweise und aus dem Evolutionismus, der es erlaubte, menschlichen Fortschritt von einem primiti- ven Anfangsstadium zur Zivilisation als eine progressive Entwicklung der Spezies Mensch zu betrachten35 - mit dem späteren Aufkommen der Evolutionstheorie Darwins wandelte sich diese Ansicht zu einem rassischen, auf Vererbung basierenden Konzept.

In Verbindung mit der Frontier These Turners wird noch deutlicher, warum sich vor allem an der Ostküste diese recht positivistischen Sichtweisen be- züglich einer „Zivilisierung“ der Indianer durchsetzen konnten - von den rein intellektuellen Einflüssen durch die Aufklärung abgesehen. Im frühen 19. Jahrhundert hatte sich die Frontier bereits von der Atlantikküste weg bewegt und lag jenseits der Appalachen und der Royal Proclamation Line von 1763. Demzufolge waren auch der Kontakt und vor allem der Konflikt mit den In- dianern weniger geworden; diesbezüglich kehrte „Ruhe“ ein - was auch da- ran lag, dass viele Indianerstämme der Ostküstenregion bereits durch Krank- heiten und Konflikte ausgelöscht worden waren oder kurz davor standen.36 Aus der Aufgeklärtheit und Ruhe der Distanz betrachtet konnte man ein Inte- resse für die Indianer entwickeln. So begann man ihre „Wildheit“ insofern positiver zu sehen, als dass man die Verhaltensweisen der Frontiersmen wie auch der übrigen städtischen Bevölkerung der Ostküste zunehmend negativer betrachtete und als sündhaft bezeichnete. Das Bild des Noble Savage wurde dadurch vor allem in der Literatur ein sehr starker Gegenentwurf und Spiegel der europäischen Gesellschaft der Ostküste.37 Es handelte sich also um ein mehrdeutiges Indianerbild; zum einen der „edle Wilde“ und auf der anderen Seite der „wilde, gewalttätige Indianer“.38

Die bis jetzt beschriebene intellektuelle Ebene der Auseinandersetzung mit den Indianern hatte jedoch wenig mit der täglichen Praxis des Kulturkontakts beider Völker an der Frontier zu tun,39 denn diese resultierte laut Berkhofer in jedem Fall in der Aneignung von zumeist indianischem Land durch weiße Siedler.40 Das wichtigste Resultat des Kontakts an der Frontier war die Kon- struktion von gegensätzlichen Identitäten: „die Indianer“ und „die Weißen.“41

II.A.1. „Zivilisieren“ - Aber wie?

„Those who labor the earth are the chosen people of God, if ever He had a chosen people.“42 Mit diesem Satz macht Jefferson 1784 deutlich, in welche Richtung und auf welchen Prinzipien die „Zivilisierung” der Indianer beruhen sollte. Der Ackerbau bzw. die Landwirtschaft im weiteren Sinn bildete das Fundament der neu entstandenen Republik. Jeder Bürger sollte idealerweise ein Kleinbauer (yeoman farmer) sein oder werden, der mit eigener Hände Ar- beit eine Fläche von 100-300 Acres an Land bewirtschaftete.43 Dieser „agra- rian idealism“44 sollte das Ziel einer „American agrarian society“45 verwirk- lichen. Nur Kleinbauern, die sich selbst und ihre Familie versorgen konnten, waren abgesichert, sodass sie frei und unabhängig von der Regierung leben konnten und somit in der Lage, dieser Freiheit durch das Wählen Ausdruck zu verleihen; denn unter diesen Voraussetzungen war es ihnen erlaubt dieses Recht wahrzunehmen.46 Nicht umsonst spricht Turner von einer „farming frontier“47 bei der Aufzählung der verschiedenen Frontier -Arten, die in den USA zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Orten existierten. Jef- ferson folgte mit diesen Ideen und deren politischer Umsetzung dem engli- schen Philosophen John Locke, der es als ein „Natürliches Recht“ bezeich- nete, das man das Stück Land, was man bewirtschaftete, schlussendlich auch besaß und obendrein zum Fortschritt der gesamten Gesellschaft beitrug.48 Für Jefferson und Gleichgesinnte hatten die Indianer schon aus dem einfachen Grund keinen Besitzanspruch auf ihr Land, weil sie es nicht bewirtschafteten und verbesserten - zumindest nicht auf europäische Art und Weise, denn die Frauen waren in den indianischen Kulturen für die Landwirtschaft zuständig, die Männer für die Jagd; dieser Faktor wurde aber grundsätzlich ignoriert,49 was sie aus europäischer Sicht zu „Wilden“ machte.50 In seinen häufigen An- sprachen an diverse Indianerstämme sprach Jefferson immer davon und er- munterte diese zur Übernahme der weißen landwirtschaftlichen Methoden und Konzepte sowie ihrer Besitzkonzepte, wie z.B. in dieser Ansprache an die Häuptlinge der Cherokee von 1806 deutlich wird:

„You are becoming farmers, learning the use of the plough and the hoe, enclosing your grounds and employing labor in their cultivation which you formerly employed in hunting and war; and I see handsome speci- mens of cotton cloth raised, spun and wove by yourselves. You are also raising cattle and hogs for your food and horses to assist your labors. Go on, my children, in the same way and be assured the further you advance in it the happier and more respectable you will be.”51

Dieser „Zivilisierungsprozess“ ist für Jefferson nicht mehr aufzuhalten und geht auf eine natürliche und konsequente Art und Weise weiter: „You will find your next want to be mills to grind your corn[.] […] You will, therefore, find it necessary to establish laws for this.”52 In einem Brief an Kaplan Hen- dricks, die Delaware, Mohikaner und Munrie Indianer aus dem Dezember 1808 heißt es ganz ähnlich:

„[…] if you wish to increase your numbers you must give up the deer and the buffalo, live in peace, and cultivate the earth. […] Let me en- treat you, therefore, on the lands now given you to begin to give every man a farm, let him enclose it, cultivate it, built a warm house on it, and when he dies, let it belong to his wife and children after him.”53

Es wird deutlich, dass das Konzept einer Kernfamilie für Jefferson ebenfalls zu einem zivilisierten Leben und einer fortschrittlichen Gesellschaft gehörte.54 Die Indianer kannten zumeist - nicht ausschließlich oder in jedem Fall - Stammes- bzw. Gemeineigentum, das somit aufgebrochen werden sollte.55 Die Indianer sollten individualistischer werden und Privateigentum haben und sich in diesem Punkt der anglo-amerikanischen Gesellschaft annähern.56 Diese Argumentationsmuster zeigen sich durchgängig in Jeffersons Schriften und Ansprachen an die Indianer.

Die „Zivilisierung” der Indianer sollte direkt vor Ort auf dem von den India- nern bewohnten Gebiet stattfinden.57 Ein Removal per se war bei Jefferson und seinen Anhängern zunächst nicht vorgesehen - es sei denn, die Indianer entschieden sich freiwillig dazu.58 Natürlich war Jefferson und seinen Anhä- ngern das Gebiet, das die Indianer für sich beanspruchten, viel zu groß, sodass sie die Indianer immerzu aufforderten und ermunterten ihr Land durch Ver- träge an die Bundesregierung abzutreten.59 Wenn die Indianer erst einmal mit der Landwirtschaft begonnen hätten - davon gingen Jefferson und die Phi- lanthropen aus -, würden sie das überschüssige Land, das sie nicht (mehr) benötigten, verkaufen.60 Eine weitere Methode die Indianer dazu zu veranlas- sen mehr Land abzutreten, war die Ausweitung der trading houses im India- nergebiet. Auf diese Weise sollten sie vordergründig mit allem versorgt wer- den, was sie zum Leben und um Landwirtschaft zu betreiben, benötigten. Die Indianer sollten auf diese Weise gewissermaßen „ruhig gestellt“ werden.61 In der Realität war die Intention eine ganz andere. Die Indianer die dort Waren kauften, sollten sich für diese verschulden, sodass sie letztendlich gezwungen sein würden, Land zu verkaufen, um die Schulden zu begleichen; es würde nur so viel Land übrig bleiben, dass ein Jeder auf kleinen Parzellen Ackerbau betreiben würde.62

Die Annäherung der Indianer an die weiße Kultur durch eine Übernahme ih- rer Techniken und Praktiken sollte in einer Verschmelzung beider Seiten in einer einzigen amerikanischen Kultur gipfeln und damit auch in der de facto Auslöschung der indianischen Kultur durch vollständige Assimilation.63 Diese Hoffnung auf ein Verschmelzen beider Kulturen äußerte Jefferson auch gegenüber den Indianern: „[Y]ou will become one people with us; your blood will mix with ours: and will spread with ours over this great island.“64 An anderer Stelle sagte er: „You will unite yourselves with us, and we shall all be Americans.“65

Kurz zusammengefasst sah die „Zivilisierungspolitik“ Jeffersons vor, die In- dianer vor Ort zu „zivilisieren“. Durch das Erlenen der landwirtschaftlichen Techniken der weißen Siedler und das Bestellen von Feldern, durch die Al- phabetisierung und die Bildung der Indianer in den sogenannten Boarding oder Mission Schools,66 durch das Näherbringen staatlicher Strukturen nach denen sich die einzelnen Indianervölker organisieren sollten,67 das Aufgeben ihrer nomadischen Lebensweise und ihre Sesshaftwerdung sowie das Einhal- ten von Frieden mit benachbarten Stämmen wie auch mit den weißen Siedlern. Dies alles sollte, zumindest laut Jeffersons idealistischer Sichtweise, zu einer Vermischung beider Völker führen.

II.B. Im Zeichen der Kontinuität: James Monroe und John Quincy Adams

Um nicht 20 Jahre Indianerpolitik amerikanischer Präsidenten zu übersprin- gen, soll der Vollständigkeit halber in diesem Kapitel kurz dargestellt werden, wie James Monroe und John Quincy Adams die Indianerproblematik inter- pretierten und wie die Politik ihrer Amtszeiten diesbezüglich aussah.68 In der Forschungsliteratur bezüglich des „Indianerproblems“ werden alle Präsiden- ten zwischen Jefferson und Jackson eher oberflächlich behandelt bzw. sie selbst gar nicht weiter erwähnt, sondern stattdessen einzelne Mitglieder ihrer Administration wie die Secretaries of War oder Commissioners of Indian Af- fairs. Deshalb wird in dieser Arbeit auch auf Meinungen und Kommentare dieser zurückgegriffen.

Der Secretary of War unter Präsident Madison, William Harris Crawford,69 gab 1816 gegenüber dem US-Senat folgende Erklärung ab, die illustriert, dass Madison ein Anhänger der Indianerpolitik wie auch des aufklärerischen Den- kens Jeffersons war. Demanach sei es der Wille der Regierung „to draw its savage neighbors within the pale of civilization.“70 Laut Horseman äußerte Crawford ebenfalls die Meinung, dass die Regierung die Indianer auf deren Gebiet östlich des Mississippi River zu halten hofften und sie wünschte diese Indianer in die amerikanische Gesellschaft zu assimilieren.71 1820 bot Mon- roe diversen amerikanischen humanitären Organisationen sogar Gelder des Kongresses dafür an, die Indianer zu „zivilisieren” und für diese z.B. Schulen zu errichten.72 Einig ist sich die Forschung sowohl darin, dass Monroe daran interessiert war die Lebensbedingungen der Indianer zu verbessern und diese zu „zivilisieren“ als auch darin, dass während seiner Amtszeit, wie auch wäh- rend der Adams, ihre Politik durch den Druck und den Widerstand von der Frontier angepasst werden musste.73 Das bedeutet, dass, um Konflikte mit den Frontier -Staaten zu vermeiden, Adams und Monroe die Removal -Politik Jeffersons beibehielten bzw. sogar ausweiteten.74 Landabtretungen der India- ner herbeizuführen war erklärtes Ziel beider Regierungen, solange die Frei- willigkeit75 garantiert und der Prozess durch Verträge abgesichert war.76 In einer Rede vor dem Kongress 1825 machte Monroe seine (Indianer-)Politik deutlich: „[…] Satisfied I also am that the removal proposed is not only prac- ticable, but that the advantages attending it to the Indians may be made so apparent to them that all tribes, even those most opposed, may be induced to accede to it at no very distant day.”77 Secretary of War George Graham be- auftragte 1817 drei Männer, Andrew Jackson, General David Meriwether und den Gouverneur von Tennessee Joseph McMinn damit, mit den Cherokee über weitere Landabtretungen an die Bundesregierung zu verhandeln.78 Auch der Gouverneur des Michigan Territory, Lewis Cass, wurde beauftragt Ver- träge mit den Indianern des Ohio Gebiets abzuschließen, in denen diese ihr gesamtes Land im Michigan Territory abtreten würden, was ihm auch gelang. Präsident Monroe brachte diese und andere Verträge in den Kongress zur Ab- stimmung ein.79

Präsident John Quincy Adams war schon weniger überzeugt davon, dass man die Indianer „zivilisieren“ könne als sein Vorgänger.80

[...]


1 Ich verzichte in dieser Arbeit darauf, den Begriff der Removal Policy zu übersetzen. Als deutsche Übersetzung passt wohl am ehesten der Begriff einer „Umsiedlungspolitik“, jedoch schwingt bei diesem nicht die Konnotation des Zwanghaften bzw. der Vertreibung der nord- amerikanischen Indianer und der entsprechenden historischen Epoche mit; deshalb verwende ich den englischen Begriff. Ähnliches gilt für die Begriffe Frontier und Frontiersmen, für die es keine adäquate deutsche Übersetzung gibt. Für den Begriff Removal wird vor allem der deutsche Begriff des „Entfernens“ benutzt, weniger der einer „Vertreibung“. Des Weite- ren werden diese Begriffe allesamt kursiv geschrieben, da sie Konzepte, Ideen und Hypothe- sen bezeichnen und somit Metasprachlich zu sehen sind. Englische Termini und Namen hin- gegen werden nicht Kursiv geschrieben, da es sonst zu Verwechslungen kommen kann.

2 Diese Arbeit konzentriert sich auf die Umsetzung und Ausformung der Indianerpolitik der USA, nicht auf die Konsequenzen für die jeweiligen Indianerstämme. Dies ist aufgrund des begrenzten Umfangs dieser Arbeit nicht zu leisten. Dass die Indianer als Konsequenz dieser Politik Leid, Schmerzen und Tod erleiden mussten, ist in der Forschung ebenfalls unstrittig.

3 Ich verwende in dieser Arbeit den in Deutschland im allgemeinen Sprachgebrauch üblichen Terminus des/eines/der “Indianer(s)“. Dieser Begriff ist keinesfalls abwertend oder negativ gemeint. Ich bin mir bewusst, dass dieser unpräzise und nicht rein wissenschaftlich ist. Man könnte stattdessen auch ‚Ureinwohner Amerikas‘ oder ‚indigene Bevölkerung‘ lesen.

4 Vgl. Frederick Jackson Turner: The Frontier in American History. New York 1920. (im Folgenden zitiert als Turner: Frontier.) In dieser Essaysammlung sind die Texte Turners ent- halten, u.a. auch die detaillierteren Essays bzw. Kapitel zu den einzelnen Phasen der wan- dernden Frontier (The Old West, The Middle West, The Ohio Valley in American History u.a.) und dem Problem des amerikanischen Westens (The Problem of the West).

5 Der Begriff „westlich“ bzw. „südwestlich“ steht in dieser Arbeit stellvertretend für den amerikanischen Süden wie er sich einem Zeitgenossen des frühen 19. Jh. darstellte. Grob gesagt umfasst dieser die heutigen Staaten North Carolina, South Carolina, Georgia, Tennessee, Mississippi, Alabama, Louisiana und mit Einschränkungen Florida, Virginia, West Virginia und Kentucky. Die Begriffe „Südstaaten“, „der Süden“, „südwestlich“ und „südwestliche Staaten“ werden demzufolge Synonym verwendet.

6 Zu Turners Lebzeiten gab es laut Hofstadter einen Aufstand des westlichen Farmers und ein „rising western self-consciousness“ sowie eine kulturelle Revolte „against the dominance of the East and its patronizing attitudes“; Richard Hofstadter: Introduction, in: Hofstadter, Richard; Lipset, Seymour Martin (Hgg.): Turner and the Sociology of the Frontier, New York 1968, S. 3-8, S. 3. (im Folgenden zitiert als Hofstadter: Introduction.)

7 Hofstadter: Introduction, S. 3.; Laut Berkhofer hat Turner in seiner Hypothese nämlich ver- schiedene Zeiträume und geographische Räume miteinander Verschmolzen; Robert F. Ber- khofer (Jr.): The North American Frontier as Process and Context, in: Lamar, Howard; Thompson, Leonard (Hgg.): The Frontier in History. North American and Southern Africa Compared, New Haven 1981, S. 43-75, S. 43. (im Folgenden zitiert als Berkhofer: Context.)

8 In Anlehnung an Turners Definition der Frontier als der Ort, den er als „meeting point between savagery and civilization“ ansieht; Turner: Frontier, S. 3.

9 George Wilson Pierson: The Frontier and American Institutions: A Criticism of the Turner Thesis, in: Hofstadter, Richard; Lipset, Seymour Martin (Hgg.): Turner and the Sociology of the Frontier, New York 1968, S. 15-42, S. 20. (im Folgenden zitiert als Pierson: Frontier Criticism.); Vgl. auch Turner: Frontier, S. 36.

10 Laut Berkhofer ist Turners Frontier -These zu ethnozentrisch, teilweise sogar rassistisch, weil es nicht-weiße Menschen und deren Einfluss auf die Frontier vernachlässigt; Berkhofer: Context, S. 44.

11 Turner: Frontier, S. 31.

12 Grant Foreman: Indian Removal. The Emigration of the Five Civilized Tribes of Indians, Norman 111989, S. 229. (im Folgenden zitiert als Foreman: Removal.)

13 Da das Konzept der Zivilisiertheit in Bezug auf die Indianern - wie auf alle indigenen Völker weltweit - mindestens einen Eurozentrismus, wenn nicht gar Rassismus, ausdrückt werden in der gesamten Arbeit die Begriffe „Zivilisierung“, „zivilisiert“, „zivilisieren“ oder „Zivilisation“ in Anführungszeichen geschrieben, um dies kenntlich zu machen und die Distanzierung des Autors zu diesen Konnotationen auszudrücken.

14 Bernard W. Sheehan: Seeds of Extinction. Jeffersonian Philanthropy and the American Indian, Chapel Hill 1973. (im Folgenden zitiert als Sheehan: Extinction.)

15 Reginald Horseman: Race and Manifest Destiny. The Origins of American Racial AngloSaxonism, Cambridge u.a. 1981.

16 Robert F. Berkhofer, Jr.: The White Man’s Indian. Images of the American Indian from Columbus to the Present, New York 1978.

17 Robert W. McCluggage: The Senate and Indian Land Titles, 1800-1825, in: The Western Historical Quarterly, Vol. 1, No. 4 (Oct. 1970), S. 415-425. (im Folgenden zitiert als McCluggage: Land Titles.)

18 William G. McLoughlin: Experiments in Cherokee Citizenship, 1817-1829, in: American Quarterly, Vol. 33, No. 1 (Spring, 1981), S. 3-25. (im Folgenden zitiert als McLoughlin: Citizenship.)

19 Mary Young: The Cherokee Nation: Mirror of the Republic, in: American Quarterly, Vol. 33, No. 5 [Special issue: American Culture and the American Frontier] (Winter, 1981), S. 502-524. (im Folgenden zitiert als Young: Mirror.)

20 Ronald N. Satz: American Indian Policy in the Jacksonian Era, Lincoln 1975. (im Folgenden zitiert als Satz: Policy.)

21 Foreman: Removal. (Wie Fußnote 12)

22 Robert Vincent Remini: Andrew Jackson & His Indian Wars, New York 2001. (im Folgenden zitiert als Remini: Indian Wars.) und Robert Vincent Remini: Andrew Jackson, New York 1969. (im Folgenden zitiert als Remini: Jackson.)

23 Francis Paul Prucha: Andrew Jackson’s Indian Policy: A Reassessment, in: The Journal of American History, Vol. 56, No. 3, (Dec., 1969), S. 527-539. (im Folgenden zitiert als: Prucha: Reassessment.)

24 Horseman spricht von einem graduellen Übergang hin zu einem vermehrt rassistischen Denken; vgl. Horseman: Race, S. 99, 102. Wohingegen Sheehan von einem radikalen Wandel spricht, der die Philanthropen im Hinblick auf die Möglichkeit einer „Zivilisierung“ der Indianer befiel; vgl. Sheehan: Extinction, S. 249f.

25 Vgl. Berkhofer: Images, S. 38f.

26 Berkhofer: Images, S. 38, 40.

27 Berkhofer: Images, S. 39.

28 Berkhofer: Images, S. 39.

29 Berkhofer: Images, S. 42. Vgl. Horseman: Race, S. 99ff.

30 Zitiert nach Berkhofer: Images, S. 42. In diesem Sinn auch bei Horseman: Race, S. 98: „Jefferson and his circle inherited the Enlightenment view that all mankind was of one species, and that mankind in general was capable of indefinite improvement.“

31 Berkhofer: Images, S. 42f. Ein weiterer Aspekt auf den aufgrund der begrenzten Seitenzahl nicht mehr eingegangen werden kann findet sich bei Horseman, Race, S. 103. Der religiöse Aspekt der Puritaner, dass die Amerikaner „a providential people“ seien, „destined to regen- erate the other peoples of the world[.]“ Die Indianer wären dann der erste Testfall.

32 Berkhofer: Images, S. 43. Vor allem in Jeffersons Schrift „Notes on the State of Virginia” von 1785.

33 Horseman: Race, S. 104.

34 Berkhofer: Images, S. 43.

35 Vgl. Berkhofer: Images, S. 49ff.

36 Berkhofer: Context, S. 48.

37 Vgl. Horseman: Race, S. 104, 106.

38 Horseman: Race, S. 103. Für weitere Aspekte des Indianerbilds Jeffersons und seine Ansichten bzgl. eines demokratischen Ideals(-zustands) der Indianer, siehe Harold Hellenbrand: Not “to Destroy But to Fulfil”: Jefferson, Indians, and Republican Dispensation, in: Eighteenth-Century Studies, Vol. 18, No. 4 (Autumn, 1985), S. 523-549.

39 Horseman: Race, S. 98. An dieser Stelle soll nicht weiter darauf eingegangen werden, da in einem späteren Kapitel über Andrew Jackson und den Konflikt der Cherokee mit Georgia auf die Praxis an der Frontier näher eingegangen wird (Kapitel III und IV.A.2).

40 Berkhofer: Context, S. 47.

41 Berkhofer: Context, S. 49.

42 Zitiert nach Roy Harvey Pearce: The Indian in American Life and the Idea of Savagism, in: Bogue, Allen G.; Phillips, Thomas D.; Wright, James E. (Hgg.): The West of the American People, Itasca, S. 84-89, S. 85. (im Folgenden zitiert als Pearce: Savagism.)

43 Harold Hellenbrand: Not “to Destroy But to Fulfil”: Jefferson, Indians, and Republican Dispensation, in: Eighteenth-Century Studies, Vol. 18, No. 4 (Autumn, 1985), S. 523-549, S. 536. (im Folgenden zitiert als Hellenbrand: Dispensation.)

44 Pearce: Savagism, S. 85.

45 Horseman: Race, S. 107.

46 Hellenbrand: Dispensation, S. 537. Jeffersons Problem dabei war, dass in etwa nur die Hälfte der weißen männlichen Einwohner seines Heimatstaates Virginia diese Voraussetzungen erfüllten. Viel Grundbesitz war in den Händen der Plantagenbesitzer konzentriert; Hellenbrand: Dispensation, S. 538.

47 Turner: Frontier, S. 12.

48 Pearce: Savagism, S. 85., Hellenbrand: Dispensation, S. 534.

49 Die Kultur der Indianer an der amerikanischen Ostküste basierte zu einem nicht unerheb- lichen Teil auf der Landwirtschaft, z.B. die der Powhatan, die auch Jefferson kannte. Die ersten Siedler übernahmen indianische Anbautechniken und deren Pflanzen; vor allem die sogenannten cash crops - Mais und Tabak - was ebenfalls ignoriert wurde; vgl. Pearce: Savagism, S. 84f. Obendrein zeigt es ethnozentrische Merkmale und das Jeffersons die So- zialstrukturen und vor allem die Aufteilung der Geschlechterrollen der Indianer nicht ver- stand.

50 Hellenbrand: Dispensation, S. 533.

51 Thomas Jefferson: Jefferson’s Indian Addresses. To the Chiefs of the Cherokee Nation. Washington, January 10, 1806 [ohne Seitenzahlen; Avalon Project, Yale Law School]. Dort, wie in allen anderen Briefen Jeffersons an die Indianer, ist gut seine paternalistische Rhetorik zu erkennen, die aber allen US-Präsidenten zu eigen war: „my children“, „your father“ etc.

52 Ebd.

53 Thomas Jefferson: To Caplain Hendrick, the Delawares, Mohicanes and Munries, Decem- ber 21, 1808, in: Lipscomb, Andrew A.; Bergh, Albert Ellery (Hgg.): The Writings of Thomas Jefferson, Vol. XVI, Washington 1905, S. 450-454, S. 451f. (im Folgenden zitiert als: Jefferson: Writings.)

54 „[…] you see how from a small family you may become a great nation by adopting the course which from the small beginning you describe has made us a great nation.“ Jefferson: Writings, S. 452.

55 Dieser Aspekt ist unter anderem zu finden bei Horseman: Race, S. 193., Sheehan: Extinction, S. 270., McCluggage: Land Titles, S. 417. Das Beispiel bei McCluggage ist zwar aus einer etwas späteren Zeit, aber das Prinzip ist identisch.

56 Horseman: Race, S. 107.

57 R. S. Cotterill: Federal Indian Management in the South, 1789-1825, in: The Mississippi Valley Historical Review, Vol. 20, No. 3 (Dezember 1933), S. 333-352, S. 340. (im Folgenden zitiert als Cotterill: Management.)

58 Sheehan: Extinction, S. 248.

59 Cotterill: Management, S. 345. Er beschreibt dies am Beispiel des Cherokee-Besitzes in Tennessee.

60 Hellenbrand: Dispensation, S. 547.

61 Cotterill: Management, S. 342.

62 Hellenbrand: Dispensation, S. 546., Cotterill: Management, S. 342.

63 Horseman: Race, S. 106. Hellenbrand: Dispensation, S. 547.

64 Zitiert nach Horseman: Race, S. 108.

65 Zitiert nach Horseman: Race, S. 108.

66 Aus Platzgründen kann hierauf leider nicht näher eingegangen werden.

67 Vgl. Jefferson: Writings, S. 457.

68 James Madison, US-Präsident von 1809-1817, und seine Indianerpolitik wird nur aus Platz- gründen nicht weiter erwähnt. Sie war aber identisch mit der Jeffersons, wie im obigen Zitat angedeutet wird.

69 Es kann natürlich nicht mit absoluter Sicherheit gesagt werden, ob Crawford tatsächlich die genaue Meinung Madisons wiedergibt oder seine eigenen.

70 Zitiert nach Horseman: Race, S. 108.

71 Horseman: Race, S. 193.

72 Cotterill: Management, S. 350.

73 Horseman: Race, S. 114, 194.

74 McCluggage: Land Titles, S. 424.

75 Die Freiwilligkeit bezieht sich hier natürlich nur auf die Aussagen der Administrationen, nicht auf die tatsächliche Praxis vor Ort.

76 Horseman: Race, S. 194.

77 James Monroe: Speech to the Senate and the House of Representatives, January 17, 1825, in: O’Neill, Terry (Hrsg.): The Indian Reservation System, San Diego 2002, S. 19-22, S. 21. (im Folgenden zitiert als Monroe: Speech 1825.)

78 McCluggage: Land Titles, S. 419.

79 McCluggage: Land Titles, S. 421.

80 Horseman: Race, S. 198.

Details

Seiten
77
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656637035
ISBN (Buch)
9783656637059
Dateigröße
772 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272407
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Historisches Institut
Note
2,0
Schlagworte
Indianer Indianerpolitik USA Andrew Jackson Cherokee Five Civilized Tribes Frederick Jackson Turner Frontier Frontier-Hypothese Zivilisierung Missionierung Thomas Jefferson John Quincy Adams James Monroe U.S. Supreme Court John Ross Resistance Georgia Nation Identität Indianerbilder Rassismus Noble Savage Ignoble Savage Indian Removal Act Removal Vertreibung 19. Jahrhundert Nationalismus

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Titel: „The Triumph of the Frontier“? US Indian Removal Policy unter Präsident Jackson