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Exportkalkulation - Problematik der Exportkalkulation im B2B-Bereich

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 32 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Export als eine mögliche Form grenzüberschreitender Geschäftstätigkeit

3. Besonderheiten des Außenhandels

4. Exportspezifische Kostengruppen
4.1 Kosten der Vorbereitung auf Exportaktivität
4.1.1 Kosten der Entscheidung über die Aufnahme der Exportaktivität
4.1.2 Kosten der Auftragsgewinnung
4.1.3 Kosten des Aufbaus einer Auslieferungs- und Vertriebsstruktur
4.2 Kosten der Auftragsabwicklung
4.2.1 Exportgutbezogene Kosten
4.2.2 Kosten der after-sales-Services
4.3 Kosten der Bewältigung der logistischer und rechtlicher Erfordernisse des Außenhandels
4.3.1 Kosten logistischer Leistung
4.3.2 Kosten der Erfüllung von Formalitäten im Außenhandelsgeschäft
4.3.3 INCOTERMS
4.4 Kosten der Finanzierung und Zahlungsabwicklung
4.4.1 Kosten der Finanzierung im Außenhandel
4.4.2 Kosten der Zahlungsabwicklung
4.5 Kosten exportspezifischer Risiken
4.5.1 Allgemeine Risiken im Außenhandel
4.5.2 Güterwirtschaftliche Risiken
4.5.3 Finanzwirtschaftliche Risiken
4.5.4 Instrumente des Risikomanagements und ihre Kosten
4.6 Fazit

5. Kalkulationssysteme für Export

6. Aufbau einer Exportkalkulation

7. Zusammenfassung

8. Literaturverzeichnis

9. Abbildungsverzeichnis

10. Tabellenverzeichnis

11. Anhang

1. Einleitung

In der heutigen Zeit der Internationalisierung und des globalen Wettbewerbs gibt es immer weniger Unternehmen, die sich auf dem internationalen Markt gar nicht betätigen. Eine der populärsten Formen der grenzüberschreitenden Geschäftstätigkeit stellt der Export dar. Export hat inzwischen solchen Ausmaß, daß manche Unternehmen auf den Vertrieb im Ausland angewiesen sind. So ist beispielsweise die Exportquote in der Automobilindustrie im letzen Jahr auf 70% angestiegen[1]. Der Maschinenbau ist nach der Automobilindustrie die zweitgrößte Exportbranche. Seine Exportquote belief sich im Jahr 2000 auf nahezu die Hälfte des Produktionswertes[2]. Viele andere Unternehmen machen 20 bis 30% ihres Umsatzes im Ausland. Der Außenhandel zeichnet sich dabei durch ganze Reihe von besonderen Merkmalen aus. Viele diese Merkmale schlagen sich für ein exportierendes Unternehmen in ganz besonderen Kosten aus. Die durch den Export entstehenden Kosten gilt es in der Kalkulation zu berücksichtigen, damit sie die erwünschte Aussagekraft erhält. In dieser Arbeit wollen wir uns mit der Problematik der Exportkalkulation im busitess-to-business-Bereich beschäftigen. Um die Gründe für die Notwendigkeit einer speziellen Exportkalkulation zu verdeutlichen, werden wir zuerst die Besonderheiten des Außenhandels besprechen. Vor diesem Hintergrund werden wir dann exportspezifische Kosten vorstellen. Im nächsten Schritt werden die Vor- und Nachteile der unterschiedlicher Kalkulationssysteme und -methoden für Exportkalkulation besprochen. Zum Abschluss soll auf die Möglichkeiten des Aufbaus einer Exportkalkulation eingegangen werden. Das Ziel dieser Arbeit ist es auf die Vielfalt von Kosten aufmerksam zu machen, die durch Exportaktivität ausgelöst werden können, und konkrete Hinweise zur Berücksichtigung dieser Kosten in einer Kalkulation zu geben.

2. Export als eine mögliche Form grenzüberschreitender Geschäftstätigkeit

Exporttätigkeit stellt eine der möglichen Formen von Ausweitung der Geschäftstätigkeit über Grenzen hinweg dar. Bei dieser Form der Internationalisierung handelt es sich um einen grenzüberschreitenden Liefergeschäft. Exportaktivitäten sind im Vergleich zu solchen Formen der Internationalisierung wie Beteiligung an einem ausländischen Unternehmen, Auslandniederlassung oder Produktionsstätte im Ausland mit relativ geringem Risiko und geringer Kapitalbindung für das exportierende Unternehmen verbunden. In diesem Fall wird nämlich nur die letzte Wertschöpfungsstufe ins Ausland verlagert. Unter anderem aus diesem Grunde ist diese Form der Internationalisierung besonders stark verbreitet. Exportgeschäfte können dabei auf sehr unterschiedliche Art und Weisen abgewickelt werden. Die Art der Abwicklung prägt wesentlich die im Verlauf des Geschäftes anfallenden Kosten. Sie muss also bei der Aufstellung einer Exportkalkulation berücksichtigt werden. Aus diesem Grunde wollen wir an dieser Stelle auf diese Problematik kurz eingehen.

In der Literatur wird grundsätzlich zwischen zwei Formen des Exportgeschäftes unterschieden. Beide orientieren sich an einem produzierenden Unternehmen. Man differenziert hier grundsätzlich zwischen direktem und indirekten Export. Beim direkten Export verkauft ein Hersteller seine Produkte unmittelbar an Importeure, Handelsbetriebe oder Endverbraucher im Importland. Der Geschäft kann dabei vom Inland aus abgewickelt werden. Der Hersteller kann aber auch im Importland eigene Vertreter einsetzen bzw. dort sogar eine eigene Vertriebsorganisation aufbauen. Bei indirektem Export erfolgt der Verkauf über zwischengeschaltete Personen oder Unternehmen. Bei diesen kann es sich um in Inland oder Ausland ansässige Handelsbetriebe und Handelsmittlern handeln. Falls ein Unternehmen seine Waren an einen im Inland ansässigen Außenhändler verkauft, liegt für dieses Unternehmen im Grunde genommen ein Inlandsgeschäft vor. Für solch ein Unternehmen fallen nur wenige exportspezifischen Kosten an. Der eigentliche Exporteur ist in diesem Fall das inländische Außenhandelsunternehmen. Seine Exportkalkulation wird sich zum Teil von der eines direkt ins Ausland exportierenden Herstellers unterschieden[3]. Eine spezielle Form des direkten und indirekten Exports stellen Exportkooperationen dar. In diesem Fall erfolgt die Anbahnung und Abwicklung der Exportgeschäfte auf Mehr-Firmen-Basis.

Die Art der Abwicklung der Exportaktivität prägt die für ein exportierendes Unternehmen anfallenden Kosten. Die Kostenstruktur von Herstellern, welche an einen Handelsbetrieb im Ausland verkaufen, für die Abwicklung des Geschäftes Handelsvertreter, Makler oder Kommissionäre einschalten und solcher die direkt an den Endkunden liefern, unterscheiden sich voneinander. Auch für den Hersteller und Händler als Exportur fallen unterschiedliche Kosten an. Diese Unterschiede prägen den Aufbau der Exportkalkulation. In dieser Arbeit werden wir zeigen, welche Kosten bei der Abwicklung des Exportgeschäftes allgemein anfallen können.

3. Besonderheiten des Außenhandels

Ein Exportgeschäft könnte kalkulatorisch wie ein entsprechendes Geschäft im Inland behandelt werden. Dies würde aber zu wesentlichen Fehlern in den Kalkulationsergebnissen führen. Der Außenhandel zeichnet sich nämlich durch besondere Merkmale aus, die kostenwirksam sind. Um eine aussagekräftige Exportkalkulation zu entwickeln, muß man die Besonderheiten des Exportgeschäfts kennen. Bevor wir also zu der Problematik der exportspezifischen Kostengruppen übergehen, wollen wir auf einige Besonderheiten des Außenhandels eingehen.

Der Außenhandel unterscheidet sich vom Binnenhandel in erster Linie dadurch, daß der Geschäft in diesem Fall immer mit Grenzüberschreitung verbunden ist. Diese einfache Tatsache zieht zahlreiche Konsequenzen für den Informations-, Güter- und Geldfluß hinter sich. Der grenzüberschreitende Charakter des Geschäfts induziert außerdem besondere Risiken, die beim Binnenhandel gar nicht, oder im anderen Ausmaß auftreten. Diese Aspekte des Außenhandelsgeschäftes sollen mit der unten dargestellten Grafik () veranschaulicht werden.

Wie bereits erwähnt und wie der Grafik entnommen werden kann, kann internationaler Liefergeschäft zwischen einem Hersteller, oder aber einem Exporthändler im Land A und einem Importhändler oder einem Abnehmer im Land B zustande kommen. Da der Geschäft grenzüberschreitenden Charakter hat, zeichnet sich der Informations-, Güter- und Geldfluß im Außenhandel durch besondere Merkmale aus. So ist der Informationsfluß im gewissen Maße erschwert. Dies betrifft sowohl persönliche Kommunikation als auch Informationsgewinnung. Der heutige Stand der Informationstechnologie ermöglicht zwar Kommunikation mit dem Geschäftspartner und anderen Institutionen im Ausland über Entfernung hinweg. Für persönlichen Kontakt vor Ort sind aber immer Reisen nötig. Sprachunterschiede machen oft das einschalten von Dolmetschern und Übersetzern nötig. Für die Geschäftspartner ist es außerdem relativ schwer die für sie relevanten Informationen über Umfeldbedingungen im Ausland, Kundenbedürfnisse und die wirtschaftliche Situation des Geschäftspartners zu gewinnen. Probleme mit dem Informationsfluß können zu Fehlentscheidungen und mehr oder weniger ernsthaften Problemen in der Abwicklung eines Geschäftes führen. Die Besonderheiten des Außenhandels im Kommunikationsbereich resultieren also in Risiken, die man als informationsflußbedingt bezeichnen kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kostenverursachungsrelevante Dimensionen des Außenhandels[4]

Auch der Güterfluß im Außenhandel zeichnet sich durch ganze Reiche von besonderen Merkmalen aus. Je nachdem aus welchem Land der Geschäftspartner kommt, sind hier im Rahmen der Lieferung unterschiedlich große Entfernungen zu überbrücken. Meistens sind diese größer als die beim Binnengeschäft. Auch an die Verpackung der Güter für Transport ins Ausland werden besondere Anforderungen gestellt. Bei einer Lieferung müssen außerdem oft unterschiedliche Transportmittel wie z.B. LKW, Zug und Schiff zum Einsatz kommen. Das macht das Umladen und eventuelle Zwischenlagerung nötig. Auch die Überschreitung der Grenze an und für sich ist mit zusätzlichen zu erledigenden Formalitäten und Wartezeiten verbunden. All dies führt dazu, daß für die Anlieferung der Ware ins Ausland allgemein relativ viel Zeit benötigt wird. Der Transport ist auch relativ teuer. Die Besonderheiten der Abwicklung des Transportes über Grenzen hinweg führen auch dazu, daß Beschädigung, Verderb oder Untergang der Ware in dieser Phase der Auftragsabwicklung mit relativ höherer Wahrscheinlich auftreten kann. Die güterwirtschaftlichen Risiken im Außenhandel haben also anderen Ausmaß als bei Warenlieferung im Inland.

Auch die Finanzierung und Zahlung im Außenhandel zeichnet sich durch besondere Merkmale aus. Für Außenhandelsgeschäft sind erstens relativ hohe Vertragswerte typisch. Die räumliche Entfernung führt dazu, daß die Zeitspanne zwischen der Auslieferung und Ankunft der Ware relativ groß ist. Abhängig von der vertraglichen Vereinbarungen kann sich dies auf den Zeitpunkt des Eingangs von Forderungen beim Verkäufer auswirken. Der Zahlungsverkehr im Außenhandel ist auch mit besonderen Risiken verbunden. Ein für grenzüberschreitende Geschäfte typisches Risiko resultiert aus Wechselkursschwankungen. Im Außenhandel ist außerdem die Wahrscheinlichkeit des Zahlungsausfalls höher, als im Binnenhandel. Wegen des erschwerten Informationsflusses ist es nämlich schwieriger die finanzielle Situation des Geschäftspartners zu prüfen. Außerdem fehlt es oft an einer gemeinsamen rechtliche Grundlage, um Warenbezahlung nachträglich zu fordern. Diese finanzielle Aspekte des Außenhandelsgeschäftes führen zum Einsatz besonderer Formen von Finanzierung und Zahlungsabwicklung. Auch diese sind für die Geschäftspartner mit ganz spezifischen Kosten verbunden.

Exportgeschäfte sind außerdem mit ganzer Reihe von Risiken verbunden, die aus der unterschiedlichen Herkunft des Lieferanten und Kunden resultieren. Diese Risiken sind durch die politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Rahmenbedingungen im Partnerland verursacht. Solche Ereignisse und Faktoren wie Krieg, Regierungswechsel, Vorurteile gegenüber dem anderen Land, andere gesellschaftliche Struktur, kulturelle Unterschiede können nämlich das Geschäft erschweren, oder sogar zum Scheitern bringen. Auch sie können also sich für die Geschäftspartner in Kosten zurückschlagen.

Der Geld-, Information- und Güterfluß stellen Dimensionen des Außenhandels dar, die für die Verursachung von Kosten wirksam sind. Der Fluß dieser Objekte im Exportgeschäft wird nämlich auf eine besondere Art und Weise abgewickelt. Diese Art der Abwicklung schlägt sich in der Höhe und Art der zu tragenden Kosten zurück. Auch die mit dem Exportgeschäft verbundenen Risiken haben finanzielle Auswirkung. Im Falle des Eintritts verursachen sie nämlich konkrete Verluste. Das Risiko Management und seine Instrumente müssen aber auch finanziert werden.

Bei den mit Exportgeschäft verbunden Kosten läßt sich zwischen solchen Unterscheiden, die nur bei internationalen Geschäftsaktivitäten auftreten und solchen die im Falle eines Exportauftrags im anderer Höhe als beim Binnengeschäft anfallen. Allgemein kann man aber sagen, daß aus den Besonderheiten des Außenhandels Besonderheiten für den Kostenanfall in einem Unternehmen resultieren. Diese sind bei einer Exportkalkulation stets vor Augen zu behalten. Ob alle dieser Kosten in der konkreten Kalkulation berücksichtigt werden, hängt von mehreren Faktoren ab. Auf diese Problematik werden wir im Detail im Verlauf dieser Arbeit eingehen.

4. Exportspezifische Kostengruppen

Die durch die Realisierung eines Exportgeschäftsauftrags verbundenen Kosten sind sehr vielfältig. Man kann sie auch sehr unterschiedlich Kategorisieren. Einer Kategorisierung könnte man beispielsweise die bereits besprochenen Dimensionen des Außenhandels zugrunde legen. Außerdem wäre eine Systematisierung nach Kostengruppen möglich, die in einem klassischen Kalkulationsrahmen auftreten (vgl. Coenenberg 1993: 157). Bei der Unterscheidung könnte man sich aber auch auf die Differenzierung zwischen Einzel- und Gemeinkosten beschränken. Jedes dieser Systematisierungsvorgehen bringt Vor- und Nachteile mit sich. In dieser Arbeit haben wir uns entschlossen, die exportspezifischen Kosten entlang der einzelnen Schritte des Exportprozesses zu besprechen. Dies soll uns ermöglichen, die Vielfalt und Vielzahl der mit Exporttätigkeit verbundenen Kosten zu erfassen. Auf die Problematik der Berücksichtigung dieser Kosten in der Kalkulation werden wir im späteren Verlauf dieser Arbeit ausführlich eingehen.

4.1 Kosten der Vorbereitung auf Exportaktivität

Export stellt eine von mehreren Möglichkeiten für die Ausweitung der Geschäftstätigkeit dar. Die Aufnahme der Exportaktivität ist mit zahlreichen Vorbereitungen verbunden. Im ersten Schritt wird mehr oder weniger systematisch über den Schritt zu Internationalisierung entschieden. Wenn diese Entscheidung systematisch getroffen wird, ist sie für das Unternehmen mit gewissem Aufwand verbunden. Falls die Aufnahmen der Exporttätigkeit nicht vom Kunden aus, sondern vom Unternehmen induziert wird, muß in der zweiten Phase der Vorbereitung auf die Exportaktivität ein Exportauftrag gewonnen werden. Anschließend kann sich auch erweisen, daß die Produkte oder andere Leistungen für das ausländische Zielmarkt angepaßt werden müssen. In diesem Kapitel wollen wir die einzelnen Kostengruppen die mit dem Prozeß der Vorbereitung auf Exportaktivität verbunden sind besprechen.

4.1.1 Kosten der Entscheidung über die Aufnahme der Exportaktivität

Die Entscheidung für die Aufnahme der Geschäftstätigkeit über Grenzen hinweg kann ad hoc, oder aber systematisch getroffen werden. Bei einer systematischen Entscheidungsfindung entstehen für ein Unternehmen noch vor der Aufnahme der Exporttätigkeit gewisse Kosten. Eine ad hoc Entscheidung kann demgegenüber in einem Mißerfolg resultieren, welcher für den Exporteur auch kostspielig sein kann. Bei einer systematischen Entscheidungsfindung gilt es zuerst die Zweckmäßigkeit der Aufnahe der Exporttätigkeit zu prüfen. Bei diesem Schritt müssen sowohl der ausländischen Markt, eigene Stärken und Schwächen und eigene Fähigkeit zu Realisierung von Exportaufgaben analysiert werden. Zur systematischen Entscheidung über die Aufnahme der Exportaktivität gehört auch die Auswahl des Zielmarktes und der Marktbereiche, die bearbeitet werden sollen. Außerdem ist für die ausgewählten Märkte eine konkrete Strategie zu entwickeln. Für alle diese Entscheidungen ist Informationsgewinnung und -verarbeitung nötig. Diese Prozesse sind also immer mit zeitlichem und finanziellem Auffand verbunden. Noch vor der Aufnahme der Exporttätigkeit können also für ein Unternehmen Kosten entstehen. Diese Kosten in einer Exportkalkulation zu berücksichtigen wird es allerdings außerordentlich schwer sein. Es handelt sich hier nämlich um Gemeinkosten, die aus allgemeinen Aufgaben der Geschäftsführung, einer Strategieentwicklung- bzw. Marketingabteilung resultieren.

4.1.2 Kosten der Auftragsgewinnung

Der Schritt zu einer Exportaktivität kann aus einem Anfrage eines ausländischen Unternehmens, oder aber aus der Gründung einer Niederlassung im Ausland eines bereits bestehenden Kunden resultieren. In solchem Fall entstehen für das Unternehmen im ersten Moment keine besonderen Kosten für Auftragsgewinnung. Dieses Unternehmen kann sich aber später entscheiden, auch an andere Unternehmen im Ausland zu verkaufen. Solch ein und jedes andere Unternehmen, welches von sich aus Exporttätigkeit aufnehmen will, muß Aufträge im Ausland akquirieren. Der Prozeß der Akquisition von Aufträgen im Ausland ist durch die räumliche Entfernung etwas erschwert. Die hier anfallenden Kosten sind auch meistens höher als bei der Auftragsgewinnung im Ausland. Aus diesem Grunde ist es besonders wichtig diese bei der Durchführung einer Kalkulation soweit wie möglich zu berücksichtigen.

Die Akquisition von Auslandaufträgen kann sehr unterschiedlich abgewickelt werden. Sehr oft wird die Aufgabe auf eine bereits bestehende Marketing- oder Vertriebsabteilung abgewälzt. Wenn die Exporttätigkeit relativ großen Ausmaß annimmt, wird in einem Unternehmen eine spezielle Exportmarketingabteilung gegründet. Die Akquisition von Aufträgen erfolgt in erster Linie durch schriftliche oder elektronische Korrespondenz und Telefonate. Falls die hierfür zuständige Personen über keine relevanten Sprachkenntnisse verfügen, wird das Einschalten von Dolmetschern und Übersetzern nötig. Kontaktanknüpfung mit potentiellen ausländischen Geschäftspartner erfolgt auch oft auf internationalen Messen. Die Teilnahme an solchen Veranstaltungen als Aussteller ist mit hohen Kosten verbunden. In der Verhandlungsphase wird direkter Kontakt bevorzugt. In diesem Fall fallen Kosten für Auslandsreisen von Mitarbeitern an. Für die Akquisition von Aufträgen sind allgemein pre-sales -Services nötig. Kundenberatung, Erstellung und Zurverfügungsstellung von Demonstrationsmaterialien, Plänen, Modellen und Mustern kann dabei wegen der sprachlichen und räumlichen Barrieren mit höheren Kosten verbunden sein, als es im Inland der Fall wäre. In diesem Fall fallen nämlich meistens zusätzliche Kosten für Übersetzungen und Versand an. Es kann auch vorkommen, daß für den ausländischen Kunden neue Modellkonzepte entworfen werden müssen. Manche Unternehmen entscheiden sich, die Auftragsakquisition vom Importland aus abzuwickeln. In solchem Fall wird in einem bestimmten Land eine eigene Vertretung gegründet. Solch eine Repräsentanz ist mit besonders hohen Kosten verbunden. Hier fallen nämlich Gehaltskosten für Mitarbeiter, die zusätzlichen Auslandszulagen bzw. Reisespesen beinhalten, und extra Bürokosten an. Die Auftragsakquisition kann auch indirekt über Absatz- oder Handelsmittler abgewickelt werden. Je nach dem, ob ein Makler, Handelsvertreter oder Kommissionär zwischengeschaltet wird, fallen hier Maklerlohn (Courtage) oder aber Provisionen an. Eine Einschaltung von Zwischenstufen stellt aber allgemein einen zusätzlichen Kostenfaktor dar.

Nicht alle mit Auftragsgewinnung verbundenen Kosten lassen sich einem bestimmten Auftrag als Einzelkosten zurechnen. Die Bereitstellung einer Marketingabteilung, einer Auslandsvertretung und der Verzehr von Konw-How-Potentialen im Vetrieb- und Marketingbereich (vgl. Becker 1992:46) stellen Gemeinkosten dar. Nicht alle Aktivitäten der in dem jeweiligen Unternehmen für Auftragakquisition zuständigen Leuten enden auch mit Erfolgt. So entsteht in diesem Tätigkeitsbereich ein relativ großer Gemeinkostenblock. Bei der Aufstellung einer Exportkalkulation gilt es genau zu überlegen, wie man mit diesem umgehen will.

4.1.3 Kosten des Aufbaus einer Auslieferungs- und Vertriebsstruktur

Die Auslieferung und Vertrieb der zu exportierenden Waren kann sehr unterschiedlich organisiert werden. Aus logistischen Gründen kann sich für manche Unternehmen als zweckmäßig erweisen einen speziellen Auslieferungslager bereitzustellen. Falls das Unternehmen in ein bestimmtes Land sehr viel Exportiert kann es sich entscheiden, dort eine eigene Vertriebsorganisation aufzubauen. Sowohl der Aufbau als auch der spätere Betrieb und Bereitstellung eines Ausliferungslagers oder einer Vertriebsorganisation im Ausland wirken sich für das Unternehmen kostenmässig aus. Die hier anfallenden Gemein- und Einzelkosten gilt es idealtypisch in einer Exportkalkulation zu berücksichtigen.

In diesem Kapitel haben wir versucht Kosten zu nennen, die aus der Vorbereitung auf eine Exportaktivität im Ausland resultieren. Verursachungsgerechte Erfassung dieser Kosten in einer Kalkulation ist nicht einfach. Die hier erwähnten Kosten sind nicht immer mit einem bestimmten Auftrag verbunden. Bei den meisten dieser Kosten handelt es sich um Gemeinkosten, die aus dem Willen zur Aufnahmen oder Durchführung von Exportaktivitäten allgemein resultieren. Wie mit diesen Kosten in der Kalkulation umgegangen wird, hängt von dem gewählten Kalkulationsverfahren und dem Zweck der Kalkulation ab.

4.2 Kosten der Auftragsabwicklung

Mit der Abwicklung eines von einem Unternehmen angenommen Auftrages ist ganze Reihe unterschiedlicher Kosten verbunden. Die in diesem Bereich anfallenden Kosten für Inlands- und Auslandsaufträge sind im großen Teil deckungsgleich. In diesem Kapitel wollen wir auf einige Aspekte der Auftragsabwicklung aufmerksam machen, durch welche sich ein Exportgeschäft auszeichnen kann.

4.2.1 Exportgutbezogene Kosten

Die Anforderungen an die im Inland und Ausland verkauften Güter können sich voneinander unterscheiden. Diese Unterschiede können zum einen aus Normen und Bestimmungen und zum anderen aus den spezifischen Kundenwünschen und -bedürfnissen im Importland resultieren. Die Anpassung von Gütern für Export kann also eine Voraussetzung für den Einfuhr der Ware in das Importland sein. Außerdem kann sie für den Markterfolg im Zielland von Bedeutung werden. Die Notwendigkeit der Zuschneidung eines Gutes für ein bestimmtes Zielland liegt relativ häufig vor. Sie bleibt auch nicht ohne Bedeutung für die Kosten. Produktion von vom Standard abweichender Ware ist nämlich immer mit zusätzlichen Kosten verbunden. Um den Bestimmungen des Importlandes und den Wünschen der Kunden gerecht zu werden, müssen oft neue Produktvarianten entwickelt werden. Es kommt auch oft vor, daß bei der Produktion besondere Materialien verwendet werden müssen. Für Herstellung exportspezifischer Produktvarianten bzw. Produkte werden zusätzliche Umrüstungen, oder sogar spezielle Bearbeitungsschritte und Maschinen nötig. Die Erweiterung der Produktpalette zieht außerdem Komplexitätskosten hinter sich. Der Bedarf an Aktivitäten in der Beschaffung, Materialdisposition, Fertigungssteuerung und Qualitätsprüfung wird nämlich dadurch erhöht. Auch die Verpackung der für ein bestimmtes Exportland bestimmten Ware kann sich hinsichtlich der Form und der Beschriftung unterscheiden. Die Entwicklung, Herstellung bzw. Bezug und Verwendung solcher Verpackung wird zusätzliche Kosten verursachen. Allgemein kann man sagen, daß für die Entwicklung, Herstellung und Verpackung einer für Export bestimmten Ware besondere Kosten anfallen können. Damit das Kalkulationsergebnis die erwünschte Aussagekraft hat, gilt es diese Kosten bei der Kalkulation zu berücksichtigen.

All die hier erwähnten Aspekte beziehen sich auf die Produktion von Exportgüter. Die hier erwähnten Probleme betreffen einen exportierenden Händler im geringeren Ausmaß. Aber auch er muß Sorge dafür tragen, daß er Güter erwirbt, die er auf dem Zielmarkt verkaufen darf und kann. Dies kann für ihn zu erhöhten Verwaltungs- und Bezugskosten führen.

4.2.2 Kosten der after-sales -Services

Der letzte Punkt, der die Auftragsabwicklung betrifft, sind die after-sales -Services. Die Abwicklung dieser Leistungen in Ausland ist allgemein etwas erschwert. Für einen Exporteur bestehen hier grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Zum einen können die Garantieleistungen auf einen Vertragspartner im Importland übertragen werden. Zum anderen besteht die Möglichkeit ein eigenes Servicenetz im Ausland aufzubauen. Mit welchen Kosten die Abwicklung der after-sales -Services über einen Geschäftspartner für den Exporteur verbunden ist, hängt von den jeweiligen Vertragsbedingungen ab. Im Falle des Aufbaues eines eigenen Servicenetzes wird das Unternehmen außer Einzelkosten mit Bereitstellungskosten belastet. Unabhängig davon wie die after-sales -Services abgewickelt werden, sollten die mit ihnen verbundenen Kosten zum Zwecke der Sicherung der Aussagekraft einer Exportkalkulation in ihr Berücksichtigt werden.

In diesem Kapitel versuchten wir darauf aufmerksam zu machen, daß die Abwicklung eines Exportgeschäftes mit unterschiedlichen für dieses Geschäft spezifischen Kosten verbunden sein kann. Die Kosten können aus speziellen Anforderungen an das Exportgut und seine Verpackung, der Erfüllung der Formalitäten des Außenhandels und der after-sales -Services resultieren.

4.3 Kosten der Bewältigung der logistischer und rechtlicher Erfordernisse des Außenhandels

Nachdem ein Gut für Exportzwecke hergestellt wurde, muß es in das Zielland verbracht werden. Wer diese Aufgabe übernimmt hängt von der konkreten Vertragsvereinbarung zwischen den Geschäftspartnern ab. Bei internationalen Kaufverträgen greift man bei Festlegung der Lieferbedingungen üblicherweise auf INCOTERMS (International Commercial Terms) zurück. Bei INCOTERMS handelt es sich um eine Reihe standardisierter Lieferklauseln, die zum Bestandteil eines Vertrages gemacht werden können. Mit diesen Vertragsformeln wird der Kosten- und Gefahrenübergang bei einem internationalen Liefergeschäft geregelt. Der Kostenübergang bezieht sich auf den Zeitpunkt, zu welchem die Transport- und Versicherungskosten vom Verkäufer auf den Käufer übergehen. Hinzu kommen die Abwicklungskosten, Zölle, Steuern, Beschaffung und Beglaubigung von Dokumenten. Der Gefahrenübergang ist nach INCOTERMS so zu verstehen, daß der Käufer den Kaufpreis bezahlen muß, sobald die Gefahr auf ihn übergangen ist, auch wenn er die Ware beschädigt oder gar nicht erhalten hat. INCOTERMS sind von Bedeutung bei der Aufstellung einer Exportkalkulation. Mit der vereinbarte Klausel wird nämlich festgelegt, welche Kosten der logistischer Leistungen, der im internationalen Handel zu erledigenden Formalitäten und der Risikotragung für den Exporteur anfallen. Im Folgenden werden wir zuerst allgemein auf die Problematik der für Außenhandel typischen mit dem Warentransport und Abwicklung von Außenhandelformalitäten anfallenden Kosten eingehen. Die Frage der Kostentragung werden wir anschließend vor dem Hintergrund der möglichen INCOTERMS beleuchten. Auf die Problematik der Kosten der Risikotragung werden wir hier nur kurz eingehen. Diesem Thema wollen wir nämlich einen gesonderten Kapitel widmen.

[...]


[1] FTD-Mitteilung vom 6.1.2003: www.ftd.de/autoindustrie

[2] Pressemitteilung des DIW Berlin vom 28.01.2003 / www.diw.de

[3] vgl. Anhang

[4] vgl. Becker 1992: 45

Details

Seiten
32
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638293389
ISBN (Buch)
9783638649377
Dateigröße
901 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v27237
Institution / Hochschule
Fachhochschule Erfurt – Betriebswirtschaftslehre
Note
1,3
Schlagworte
Exportkalkulation Problematik B2B-Bereich

Autor

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Titel: Exportkalkulation  -  Problematik der Exportkalkulation im B2B-Bereich