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Der klassische Bildungsbegriff Humboldts und der moderne Bildungsbegriff Klafkis. Ein Vergleich

von Julia Hoffmann (Autor)

Hausarbeit 2008 22 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bildungsbegriff Humboldt
2.1 Die Theorie der Bildung des Menschen

3. Bildungsbegriff Klafki
3.1 Zur Problemgeschichte
3.2 Die Allgemeinbildung
3.3 Die Schlüsselprobleme
3.4 Die Schwerpunktbildungen

4. Der Vergleich

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Vergleich des klassischen Bildungsbegriffs Humboldts und des modernen Bildungsbegriffs Klafkis. Um einen Vergleich anstellen zu können, wird zunächst der Bildungsbegriff Humboldts in Kapitel 2 herausgearbeitet. Hierzu wurde der Text „Theorie der Bildung des Menschen“ dahingehend analysiert. Die Analyse beginnt mit der Kritik Humboldts an dem vorherrschenden Bildungsbegriff und beinhaltet daraus resultierende Forderungen Humboldts. Weiterhin wird sowohl das Bildungsziel als auch der Weg zur Erreichung dieses Ziels beschrieben und herausgestellt.

Kapitel 3 beinhaltet eine schriftliche Darstellung des modernen Bildungsbegriffs nach Klafki in Bezug auf Klafkis „Zweite Studie“ aus dem Buch „Neue Studien zur Bildungstheorie und Didaktik“. Hierzu wurden Unterkapitel gebildet, die verschiedene Aspekte bezüglich des modernen Bildungsbegriffs enthalten. „Zur Problemgeschichte“ beschreibt sowohl die geschichtliche Entstehung des Bildungsbegriffs, als auch sein Fortschreiten, welches auch immer das derzeitige Bildungsverständnis mit einschließt. „Die Allgemeinbildung“ enthält verschiedene Punkte, anhand derer zu schlussfolgern ist, was Allgemeinbildung nach Klafki meint. Das nächste Unterkapitel beschäftigt sich mit den Schlüsselproblemen des Bildungsbegriffs. Anknüpfend werden Schwerpunkte erläutert, die diskutiert und verändert werden müssen, um den Schlüsselproblemen schon auf diese Weis entgegentreten zu können.

Der Vergleich in Kapitel 4 stellt dann die beiden Bildungsbegriffe gegenüber und erläutert deren Auswirkungen sowohl auf den einzelnen Menschen als auch auf die Gesellschaft bzw. die Menschheit.

Abschließend werden die Ergebnisse kurz in der Schlussbemerkung zusammengefasst und in Bezug zum aktuellen Stand des Bildungswesens gesetzt. Hierzu wird auch auf die neueste Entwicklung des Bildungswesens, die Ganztagsschule, eingegangen.

2. Bildungsbegriff Humboldt

2.1 Theorie der Bildung des Menschen

Der Text „Theorie der Bildung des Menschen“ von Wilhelm von Humboldt ist aus dem Jahr 1793 und wurde in zwei Textteile gegliedert. Der erste Teil besteht aus sieben Abschnitten, die nun erklärt und interpretiert werden.

Schon zu Beginn des ersten Abschnittes weist Humboldt die Richtung seiner Ausführung und nennt klare Kritik und Zielvorstellung. Humboldts primäres Ziel ist die „Ausbildung der Menschheit als ein Ganzes“, die unter ganz bestimmten Bedingungen erreicht werden kann. Nur durch die Entwicklung von Fähigkeiten, die dazu anleiten, „die verschiedenen Fächer der menschlichen Erkenntnis“ zu erweitern und diese miteinander zu verbinden, kann ein Ganzes gebildet werden. Diese Forderung entsteht dadurch, dass Humboldt der Ansicht ist, der Mensch kenne „seine eigentliche Natur“ nicht und sei deshalb nicht in der Lage seinen Tätigkeitsbereich zu überschauen. Er beklagt somit, dass es dem Menschen nicht mehr möglich ist, über „höhere Standpunkte“ und „allgemeinere Uebersicht“ zu verfügen, um einzelne „Fächer“ jeweils einzeln und später in einem Zusammenhang auszuüben. Obwohl man annehmen könnte, dass Humboldt für eine allumfassende Bildung, im wahrsten Sinne des Wortes plädiert, ist dies nicht richtig. Denn die Bildung in allen „Fächern“ würde nur dazu führen, dass der Mensch sich nicht mehr entscheiden könnte. Daher meint Humboldt mit der angestrebten Überschaubarkeit nicht die Bildung des Menschen in allen „Fächern“, sondern die allgemeine, nützliche Bildung des Menschen.

Im zweiten Abschnitt wird deutlich, dass Humboldt den modernen Menschen betrachtet, der seine Bestimmung nun nicht mehr aus der Gesellschaft oder sich selbst entwickeln kann. Dieser Mensch hat eine „Natur“, die nach „innerer Verbesserung und Veredlung“ strebt. Um dies zu erreichen, benötigt er eine Welt um sich. Der Mensch versucht nun mit dieser Welt eine Vereinigung herbeizuführen, also „Welt zu seyn“. Dies wird von Humboldt „NichtMensch“ genannt und ist nur möglich, da der Mensch Fähigkeiten des Denkens, des Handelns, des Sich Vorstellens und des Bearbeitens besitzt. Aus diesem Grund ist der Mensch auch das einzige Lebewesen, das an seiner Bestimmung arbeiten kann, da nur der Mensch von seiner Welt weiß. Humboldt sagt hier, dass der Mensch seine Bestimmung selber suchen und finden muss.

In dem dritten und vierten Abschnitt geht Humboldt näher darauf ein. Der Mensch hat weiterhin die Aufgabe den „Begriff der Menschheit“ in sich selbst auszumachen und ihn immer wieder an die nächste Generation weiterzugeben. Aber nur durch „die Verknüpfung unsres Ichs mit der Welt“ kommt es zu einer Wechselwirkung, die dem Menschen den „Begriff der Menschheit“ zu realisieren hilft. Der Mensch ( das Subjekt ) besitzt die Fähigkeiten des Denkens, Verstehens, Handelns und Bearbeitens. Der NichtMensch ( das Objekt, die Welt ) veranlasst den Menschen dazu, seine Fähigkeiten zu verwenden und dadurch in Wechselwirkung zur Welt zu treten, indem der Mensch sie bearbeitet. Somit erzielt er durch diese Wechselwirkung, die nach Humboldt als Verknüpfung, nicht, wie vielleicht anzunehmen, als Entgegensetzung von Mensch und NichtMensch, verstanden werden soll, eine Veränderung. Diese Veränderung soll sich darin zeigen, dass „der Begriff der Menschheit in unsrer Person“ realisiert worden ist, der sich zu einem Fortschritt über Generationen hinweg ausdehnen soll. Deutend kann man schlussfolgern, dass nicht nur die Bildung des einzelnen Menschen notwendig ist, sondern die Bildung der gesamten Menschheit. Dieser Prozess ist für ihn „das wahre Streben des menschlichen Geistes“, wie in Abschnitt vier beschrieben.

Das Einwirken des Menschen auf die Welt, um so zur menschlichen Bestimmung zu gelangen, wird in den Abschnitten fünf und sechs näher erläutert. Demnach stellt er die Forderung danach, dass der Mensch durch seine Fähigkeit zu denken und seinem Geist, der Welt sein „Gepräge [...] aufdrücken“ muss. Jeder Mensch soll auf die Welt einwirken, denn sonst bleibt nur ein „ohnmächtiger Versuch“ und als solcher „vergänglicher [...] als das Daseyn der Pflanze“, womit die Selbstbestimmung des Menschen verloren wäre. Der Mensch muss sich seine Selbstbestimmung selber erarbeiten, indem er die Welt kennen lernt und auf sie einwirkt. Eine „vollkommene Einheit und durchgängige Wechselwirkung“ liegt in dem Menschen verankert, so dass er dieses nur anwenden muss. Humboldt verwendet den Begriff der „Entfremdung“, um darauf aufmerksam zu machen, dass der Mensch die Welt um sich zunächst als etwas fremdes wahrnimmt. Erst durch die dann angewandte Wechselwirkung entsteht die Rückkehr aus der Entfremdung, durch die „das erhellende Licht und die wohlthätige Wärme“ erzeugt wird, damit es dann in unser „Inneres zurückstrale“.

Der letzte Abschnitt verdeutlicht nochmals, dass die Wechselwirkung mit der Welt absolut notwendig ist, damit der Mensch zur Selbstbestimmung gelangen kann und die Bildung der gesamten Menschheit möglich wird.

Der zweite Textteil der „Theorie der Bildung des Menschen“ besteht aus vier Abschnitten. Im ersten Abschnitt spricht Humboldt von dem „Mittelpunkt, zu dem alles, was eigentlich auf uns einwirken soll nothwendig gelangen muss“. Zu diesem Mittelpunkt gelangt der Mensch, indem er die „mannigfaltigen Arten menschlicher Thätigkeit“ miteinander vergleicht. Von diesem Mittelpunkt aus, kann der Mensch dann ein genaues Bild seiner Tätigkeit im Zusammenhang mit seiner „inneren Bildung“ gewinnen. Der unüberschaubare Kreis der Fähigkeiten, die ein Mensch betrachten könnte, wird damit enger und bezieht sich nur noch auf das Geschäft des jeweiligen Menschen. Der Mensch erkennt, wie sich seine beruflichen Fähigkeiten auf seine Persönlichkeit und umgekehrt die Persönlichkeit auf die beruflichen Fähigkeiten auswirken kann.

Mit dieser Wechselwirkung geht Humboldt in den zweiten Abschnitt diese Textteils über. In diesem Abschnitt macht er deutlich, dass der Mensch dahin strebt seine „ganze Bildung“ zu vollenden. Dies schafft er nur, indem er seinem Geschäft „eine eigene und neue Ansicht der Welt und dadurch eine eigene und neue Stimmung seiner selbst“ gibt. Seine vollendete Bildung kann der Mensch dann in seinen Werken zum Ausdruck bringen. Humboldt erwähnt hier das Beispiel eines Bildners, der nicht nur einfach ein Bildnis Gottes darstellt, sondern „die Fülle seiner plastischen Einbildungskraft“ in dem Bildnis ausdrückt. Welches Mittel ein Mensch wählt, um seine „Geistesstimmung“ auszudrücken, bleibt ihm überlassen, denn es gibt eine große Anzahl an Mitteln.

Im dritten Abschnitt geht Humboldt auf die Verschiedenheit der Menschen ein und auf die Veränderungen, die sich Laufe der Zeit ergeben haben und auch weiterhin ergeben werden. Diese Verschiedenheit muss zum Ausdruck gebracht werden, wobei niemand übergangen werden darf. Würde eine Gestalt geschaffen in der die vollständige Individualität und der ganze Einfluß, den ihr Zeitalter und ihre Nation auf sie ausgeübt hat deutlich wird, könnte man an dieser „die mannigfaltigen Arten, wie jedes einzelne Fach bearbeitet werden kann“ wieder erkennen. Man könnte diese dann immer wieder mit den neuen Veränderungen, die sich ergeben vergleichen und dadurch den Fortschritt in einzelnen Fächern erkennen.

Im letzten Abschnitt sagt Humboldt noch einmal deutlich, dass man „dies schrittweise verfolgen und im ganzen überschauen“ muss, damit die Bildung der Menschen „durch ein regelmäßiges Fortschreiten Dauer gewinnt“. Die Weitergabe von Generation zu Generation und die regelmäßige Überprüfung des Wissensstandes werden also noch einmal betont.

3. Bildungsbegriff Klafki

3.1 Zur Problemgeschichte

Der Bildungsbegriff hat eine enorme geschichtliche Entwicklung durchlebt. Er entstand im Zeitraum von 1770 bis 1830. Vertreten und entwickelt wurde er von diversen Denkern wie z.B. Lessing, Kant, Goethe, Schiller und Pestalozzi. Zu dieser Zeit besaß die Bildung jedes Menschen keinen großen Stellenwert in Staat und Gesellschaft, so dass der Bildungsbegriff entwickelt wurde, um auf die Missstände dieser Zeit aufmerksam zu machen. Die verschiedenen Denker wurden von Klafki in den Bereich der philosophisch – pädagogischen Klassik eingeordnet, so dass der Bildungsbegriff diesbezüglich konkrete philosophisch – pädagogische Bedeutungsmomente enthielt.

Hierzu gehört die humanistische Ansicht, dass nicht nur jeder Mensch das Recht auf Bildung besitzt, sondern auch ein Recht darauf hat, Bildung zu erlangen. Dies bedeutet, dass für jeden Menschen, der sich bilden möchte auch Möglichkeiten geschaffen werden müssen, um dieses Recht realisieren zu können. Des weiteren enthält dieser Bildungsbegriff das gemeinsame gesellschaftliche Miteinander. Es wird hierbei die Ansicht vertreten jeder Mensch besäße so viel Vernunft, um Möglichkeiten zur Kommunikation zu entwickeln. Die Kommunikation fördert die Erweiterung der Humanisierung, die dadurch zur gemeinsamen Gestaltung von Lebensbedingungen und Politik führt. Diese gemeinsame Gestaltung der gesellschaftlichen Ordnung hält für jeden Menschen eine Vergrößerung der eigenen Freiheit bereit, so dass eine Gesellschaft entstehen kann, in der jeder mitbestimmen und sich einbringen kann. Natürlich übt der Bildungsbegriff starke Kritik an hierarchisch – herrschaftlich gegliederte, gesellschaftliche Umstände dieser Zeit.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts zeichnete sich ein neues Bildungsverständnis ab, das allerdings scheiterte. Hierbei wurde der gesellschaftlich – politische Aspekt durch ein unpolitisches Verständnis von Bildung ersetzt. Der Verfall ereignete sich dann, als sich das unpolitische Verständnis von Bildung nicht durchsetzen konnte und somit gesellschaftlich – politische Verhältnisse dominierten. Dies geschah aber in einer verschärften Form, die eingesetzt wurde, um Bildung als Mittel zur absoluten Sicherung von Herrschaftsverhältnissen zu benutzen. Bildung galt nur noch dazu, die Abgrenzungen der sozialen Schichten deutlicher hervorheben zu lassen. Nur wohlhabende Menschen konnten sich bilden und taten dies auch, um ihre vorherrschende Machtstellung weiterhin zu sichern.

3.2 Die Allgemeinbildung

Um den Begriff der Allgemeinbildung deutlicher zu umreißen, beginnt Klafki mit einer Auseinandersetzung von Bildung und Gesellschaft. Hierbei geht es darum, in welchem Verhältnis Bildung und Gesellschaft zueinander stehen. Die These „Bildungsfragen sind Gesellschaftsfragen“ (S. 49) veranlasst ihn zu einer Darstellung von zwei verschiedenen Auslegungen. Die erste Auslegung beinhaltet, dass Bildung in unmittelbarer Anknüpfung an die Gesellschaft zu verstehen ist. Demnach haben Bildungstheorie und Bildungspraxis die Aufgabe, sich den gesellschaftlichen Anforderungen und Entwicklungen anzupassen. Diese Auslegung schließt natürlich mit ein, dass Bildungstheorie und Bildungspraxis in völliger Abhängigkeit zur Gesellschaft stehen. In diesem Zusammenhang beschreibt Klafki das Auftreten von pädagogischer Theorie und pädagogischer Praxis „als nachgeordnete Instanzen, als reaktive gesellschaftliche Subsysteme“ ( S. 50 ). Klafki distanziert sich von dieser Ansicht und nennt die zweite Auslegung, der oben genannten These, die sich mit seiner Sichtweise besser vereinbaren lässt. Demzufolge stehen pädagogische Theorie und pädagogische Praxis nicht nur in Abhängigkeit zu der Gesellschaft. Diese Ansicht beinhaltet, dass die Gesellschaft immer von Menschen gemacht wird, die natürlich nie gleich, sondern als individuelle Persönlichkeiten zu sehen sind. Ihre Individualität zeichnet sich durch verschiedene Interessen, Meinungen, Verhaltensweisen und Ansichten aus. Daher ist die Gesellschaft ein Gemisch aus verschiedenen menschlichen Gruppierungen. Da aber jeder einzelne Mensch neben seiner individuellen Persönlichkeit auch in der Lage ist, selbstständig zu denken und zu handeln, und somit immer wieder auf die gesellschaftliche Entwicklung einwirkt, ist die Gesellschaft absolut wandel – und veränderbar. Aus diesem Grund haben sowohl die pädagogische Theorie als auch die pädagogische Praxis zwar die Aufgabe sich mittels Wahrnehmung und Reaktion an die gesellschaftliche Entwicklung anzupassen, aber auch zu beurteilen und mitzugestalten.

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Details

Seiten
22
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656639824
ISBN (Buch)
9783656639817
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272328
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund
Note
1,3
Schlagworte
Bildung Humboldt Klafki Bildungsbegriff

Autor

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    Julia Hoffmann (Autor)

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