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Moritz von Uslar "Deutschboden - Eine teilnehmende Beobachtung". Analyse einer Reportage

Hausarbeit 2011 13 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die moderne Reportage

3. Über das Buch
3.1 Der Verlag
3.2 Der Autor
3.3 Inhaltsangabe

4. Textanalyse
4.1 Theoretischer Ansatz
4.2 Zum Titel
4.3 Analyse der formalen Gestaltungsmittel
4.4 Bestimmung der Autorenintention

5. Stellungnahme
5.1 Rezensionen
5.2 Persönliches Urteil

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Bei dem behandelten Text handelt es sich um eine moderne Reportage in Buchform mit dem Titel: „Deutschboden – Eine teilnehmende Beobachtung“. Das Buch ist am 23. September 2010 bei dem Verlag „Kiepenheuer & Witsch“ erschienen. Der Autor Moritz von Uslar ist als Ethnologe unterwegs und befasst sich mit dem Leben in einer Kleinstadt in Brandenburg. Clifford Geertz, amerikanischer Ethnologe, beschreibt die Arbeit des Ethnologen als „dichte Beschreibung“[1], die sogenannte „Ethnographie“[2], welche Nähe zu den Protagonisten fordert. Der Ethnologe müsse sich mitten unter den betroffenen Personen befinden ohne jedoch „eine innere geistige Korrespondenz mit seinen Informanten herzustellen“[3] ; vielmehr ginge es darum „herauszufinden, wie sie sich überhaupt selber verstehen.“[4]

Moritz von Uslar wagt diesen Schritt und reist für drei Monate in die Kleinstadt. Er bezeichnet sich selbst stets als „Mann mit Hut“[5], um damit auszudrücken, dass er eine Rolle spielt; er spielt den Reporter.

Die folgende Ausarbeitung dient dem Zwecke, die Reportage auf ihre Konstruktion hin zu analysieren und herauszustellen, wie Moritz von Uslar es schafft den Leser in die gewünschten Bahnen zu lenken. Das nächste Kapitel bietet eine kurze Beschreibung der modernen Reportage. Im dritten Kapitel kommen allgemeine Fakten über den Verlag, der das Buch herausgegeben hat und über den Autor zur Sprache und es wird eine kurze Inhaltsangabe zum behandelten Buch gegeben. Das vierte Kapitel ist darauf ausgelegt, die Reportage kritisch zu durchleuchten und die Intention des Autors herauszustellen. Hierzu werden die formalen Gestaltungsmittel und die Art und Weise der Leserbeeinflussung analysiert. Im fünften Kapitel wird eine Stellungnahme vorgenommen, die auf die Rezension der Zeitung „Die Welt“ angelegt ist. Abschließend treffe ich ein eigenes Urteil über die Thesen, die während des Verlaufs dieser Seminararbeit aufgestellt werden.

2. Die moderne Reportage

„Die moderne Reportage ist faktizierender Augenzeugenbericht und schildernder Erlebnisbericht in einem.“[6] Sie berichtet über die Beobachtungen des Reporters und wie diese auf ihn wirken. Die Schilderung der subjektiven Wahrnehmung dient dazu, den Leser miterleben zu lassen. Häufig wird dazu die Ich-Form verwendet. Die Aufgabe der modernen Reportage ist, soziale Distanzen und institutionelle Barrieren zu überwinden um dem Leser somit Fernes nahe zu bringen. Der Informationsgehalt steht hierbei im Hintergrund, vielmehr zählt die Empfindung des Reporters bei seinen Erlebnissen. Folglich ist die Reportage lediglich eine Ergänzung zur Berichterstattung.

Die moderne Reportage lässt sich nicht auf einen Darstellungstyp festlegen, denn meist besitzt sie mehrere Elemente unterschiedlicher Typen. Meist besteht sie aus dem recherchierten Hintergrundbericht und dem typisierenden Feature. Der Hintergrundbericht liefert die Fakten, wohingegen das Feature dafür zuständig ist, dem Leser die Möglichkeit zu geben, sich in die Situation hineinversetzen zu können.[7]

3. Über das Buch

3.1 Der Verlag

Der Verlag Kiepenheuer & Witsch wurde nach dem zweiten Weltkrieg im Jahre 1947 von dem Verleger Gustav Kiepenheuer und dem Bibliotheksdirektor Dr. Joseph Caspar Witsch mit der Absicht gegründet, von der DDR in die BRD umzusiedeln um im Westen Deutschlands Fuß zu fassen. Da zuvor das NS-Regime die Verleger mit einem Veröffentlichungsverbot belegt hatte, erhielt der Verlag nach dem Krieg als einer der ersten eine sowjetische Verlagslizenz.

Gustav Kiepenheuer starb jedoch im April 1949, noch bevor ein Buch mit dem Imprint Kiepenheuer & Witsch erscheinen konnte. Aus diesem Grund wurde der Verlag alleine von Dr. Joseph Caspar Witsch aufgebaut und im selben Jahre in das Handelsregister beim Amtsgericht in Hagen eingetragen.

Heute beschäftigt Kiepenheuer & Witsch 40 Mitarbeiter am Standort Köln. Der Schwerpunkt des Verlages liegt auf dem Verlegen von Sachbüchern. Er publiziert unter Anderem für einige bekannte Autoren wie Alice Schwarzer, Nick Hornby oder Günter

Wallraff, die genau wie Moritz von Uslar teilnehmende Beobachtungen oder Reisereportagen verfasst haben.[8]

3.2 Der Autor

Moritz von Uslar wurde am 25. Juli 1970 in Köln geboren. Er war von 1992 bis 2004 Redakteur beim „Süddeutsche-Zeitung Magazin“ in München. Dort entwickelte er zusammen mit Rebecca Casati, ebenfalls Autorin und Journalistin, das Interview-Konzept: „100 Fragen an…“, bei dem einer wichtigen Persönlichkeit innerhalb von kürzester Zeit einhundert, teils pikante, Fragen gestellt wurden. Er schrieb auch die Theaterstücke „Freunde“ (2000), „Freunde 2“ (2001) und „Abso-fucking-lutely“; ebenso das Musik-Album „The best of Lulu“ (2004). Von Februar 2006 bis Oktober 2008 arbeitete er als Redakteur für den Spiegel. Im Jahre 2006 veröffentlichte von Uslar seinen ersten Roman „Waldstein oder der Tod des Walter Gieseking am 6. Juni 2005“.[9] Heute arbeitet er als Journalist bei der „Zeit“.[10]

In einem Interview mit Moritz von Uslar wird deutlich, dass er das Reportertum wegen des sensationssüchtigen Recherchierens und Aufschreibens als reine Pose empfindet. Jedoch habe er durch seine Erfahrungen Spaß am Mitschreiben und Verweilen an bestimmten Orten gefunden. Angeregt durch sein Buch entwickelte er für die „Zeit“ eine neue Reportageform namens „Freitagnacht“, in der er die Figur des Reporters übernimmt und an einige vermeintlich aufregende Orte reist[11], wie zum Beispiel nach Dortmund um sich Fußballspiele mit den Fans anzuschauen oder zu der des Missbrauchs durch Lehrer an Schülern beschuldigten Odenwaldschule.[12]

3.3 Inhaltsangabe

Moritz von Uslar begibt sich auf die Reise in eine Kleinstadt in Brandenburg, die er aus Schutz der Einwohner „Oberhavel“ nennt[13]. Er möchte die Realität zeigen und überprüfen, ob die Vorurteile gegenüber den Kleinstädtern stimmen. Daher rührt auch der Titelspruch des Buches „Willkommen in jenem unbekannten Land, das Deutschland heißt“[14]. Zu den Vorurteilen zählen die hohe Arbeitslosenrate und das allgemein wenig kultivierte Verhalten der Kleinstädter.

Es handelt sich hierbei um eine Reportage der Gegenwart, die in Präteritumsform gehalten ist. Durch die subjektive und provokante Schreibweise wirkt das Buch für Laien wie ein Roman, jedoch ist das Hauptmerkmal der modernen Reportage eben diese Subjektivität und hat dadurch durchaus die Berechtigung eine nicht fiktionale, sondern eine faktuale Erzählform zu sein.

[...]


[1] Geertz, Dichte Beschreibung, S.15

[2] Ebd., S. 15

[3] Ebd., S. 292

[4] Ebd., S. 292

[5] Uslar, Deutschboden, S. 16

[6] Haller, Die Reportage, S. 95

[7] Vgl. Haller, Die Reportage, S. 96

[8] http://www.kiwi-verlag.de/33-0-verlagsgeschichte.htm# [12.02.11]

[9] http://www.kiwi-verlag.de/46-0-autor.htm?id=3058

[10] http://www.zeit.de/ [28.02.11]

[11] http://www.moritztv.de/archiv/interviews/#c2353 [28.02.11]

[12] http://www.zeit.de/2010/24/Freitagnacht-Odenwaldschule?page=1 [28.02.11]

[13] Vgl. Uslar, Deutschboden, S. 15f.

[14] Vgl. ebd.

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656639756
ISBN (Buch)
9783656639725
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272291
Institution / Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn – Germanistik
Note
2,7
Schlagworte
moritz uslar deutschboden eine beobachtung analyse reportage

Autor

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