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Der König von Narnia. Eine Allegorie?

Hausarbeit 2012 27 Seiten

Amerikanistik - Literatur

Leseprobe

Index

I Einleitung: Da steckt mehr dahinter!

II Analytischer Teil: Ein Blick hinter den Wandschrank
2.1 Der König von Narnia – eine kurze Zusammenfassung
2.2 Die Macht der Weißen Hexe
2.2.1 Jadis
2.2.2 Der Sündenfall
2.3 Aslan und die Kinder
2.3.1 Gut und schrecklich zugleich
2.3.2 Kindlicher Glaube
2.4 Prophezeihungen in Narnia
2.5 Aslan bringt
2.5.1 Weihnachten nach Narnia
2.5.2 klimatischen Wandel
2.5.3 charakterliche Veränderung
2.5.4 die Erfüllung des Gesetzes
2.5.5 neues Leben

III Diskussion: Narnia als Allegorie?

IV Bibliographie

Der König von Narnia – eine theologische Analyse

I Einleitung: Da steckt mehr dahinter!

Das 20. und 21. Jahrhundert gelten unumstritten als das Fantasy- und Sciencefictionzeitalter. Allein in den vergangenen zehn Jahren begeisterten Romanreihen wie Tolkiens Lord of the Rings, Rowlings Harry Potter und Meyers Twilight eine ungeheure Zahl an jungen Lesern und sicherten den Kinos Millionen von regelmäßigen Besuchern. Auch die derzeitige Neuverfilmung der Narnia-Chroniken, die 2005 durch Walten Media begann, hat dazu geführt, dass immer mehr Kinder und Jugendliche den Griff zum Buch wagen und sich dabei auf eine andere Wirklichkeit einlassen.

Jedoch heben sich für viele begeisterte Zuschauer und Leser die Narniachroniken in gewissermaßen von den zuvor erwähnten Fantasyromanen ab. Ob bzw. inwiefern eine christliche Symbolik auch in jenen vorhanden ist, lässt sich diskutieren. Doch kommt diese in den Narnia-Büchern in sehr offener Weise zum Ausdruck. Was also steckt hinter den Narnia-Büchern? Gibt es eine Wirklichkeit hinter der Wirklichkeit Narnias, die es womöglich zu entdecken gilt? Inwiefern darf oder soll man den König von Narnia als biblische Allegorie lesen?

Offen bekannte C.S. Lewis, dass ihn sein Glaube an Jesus Christus in seinem Schreiben der Narniabücher beeinflusst und in eine bestimmte Richtung geleitet habe, und dass die Person Aslan für ihn die Natur Jesu Christi wiederspiegle. Die Art und Weise wie C.S. Lewis biblische Inhalte in seinem ersten Buch Der König von Narnia in neue Bilder übersetzt, soll Hauptgegenstand dieser Arbeit sein. Es sollen dabei die verwendeten Symbole, Motive und Themen analysiert, interpretiert und diskutiert werden.

Obwohl sich C.S. Lewis auch Mythologien unterschiedlicher Kulturen und Zeiten bediente, werde ich aus Gründen der Themeneinschränkung ausschließlich die Analogien zu biblischen Texten ausarbeiten. Dabei werde ich mich auf deren Übereinstimmungen und nicht deren Unterschiede konzentrieren.

Da die Bücher im Englischen verfasst wurden und ich in der Lage bin, diese im Original zu lesen, habe ich mich für die englische Version der Bücher, und somit deren englischen Bezeichnungen entschieden. Außerdem überwiegt die Zahl der englischen Sekundärliteratur, weshalb ich in dieser Arbeit fast ausschließlich auf Englisch zitiere. Prinzipiell wurde in dieser Seminararbeit mit der Guten Nachricht Übersetzung von 1990 gearbeitet. Desweiteren orientiert sich diese Arbeit überwiegend an der Chronologie des Buches.

Soweit ich mich zurück erinnern kann, war Narnia immer schon ein Teil meines Leben. Das Eintauchen in neue Welten kurz vor dem Einschlafen hat mich fasziniert und meine kindliche Imagination gefördert. Im Laufe meiner Jugend habe ich mich immer wieder mit den Narnia-Büchern beschäftigt. Dabei sind mir an einigen Stellen Parallelen zu biblischen Erzählungen aufgefallen, zu deren Vertiefung diese Seminararbeit dienen soll.

II Analytischer Teil: Ein Blick hinter den Wandschrank

2.1 Der König von Narnia – eine kurze Zusammenfassung

Es ist das Jahr 1940. Wegen der Luftangriffe auf englische Großstädte werden die Pevensie-Geschwister Peter, Susan, Edmund und Lucy von ihren Eltern aufs Land geschickt. Während einer Entdeckungstour durch das Haus des Professors Kirke stößt Lucy, die Jüngste, auf einen Wandschrank und gelangt durch ihn in ein Land namens Narnia. Dort trifft sie auf Mr Tumnus, einen Faun, der unter der Anweisung der Weißen Hexe steht, jeden Menschen, der ihm begegnet, an sie auszuliefern. Er widersetzt sich jedoch diesem Auftrag und verhilft Lucy stattdessen zur Flucht. Zurück in ihrer eigenen Welt muss Lucy feststellen, dass seit ihrer Abwesenheit nur wenige Sekunden vergangen sind. Zudem glauben ihr ihre Geschwister nicht.

Als Lucy jedoch ein zweites Mal durch den Wandschrank geht, folgt ihr Edmund unbemerkt und trifft kurz darauf auf die Weiße Hexe. Diese gibt sich als Königin von Narnia aus, bietet ihm verzaubertes Essen an, und verspricht, ihn zum König zu machen, wenn dieser seine Geschwister zu ihr führt. Ohne weiter darüber nachzudenken willigt Edmund ein und kehrt zu seinen Geschwistern zurück, wo er leugnet, jemals in Narnia gewesen zu sein.

Wenige Tage später gelangen die vier Kinder gemeinsam nach Narnia, wo sie von Aslan, dem wahren König, und von deren Berufung, selber Könige und Königinnen von Narnia zu werden, erfahren. Doch zur gleichen Zeit wird Edmund zum Verräter. Er schleicht sich unbemerkt davon und begibt sich zum Schloss der Weißen Hexe, wo er dieser alles berichtet, was er über Aslan mitbekommen hat. Als Reaktion darauf versuchen Peter, Susan und Lucy noch vor der Weißen Hexe den Steinernen Tisch zu erreichen, bei dem sie Aslan treffen sollen. Etwas später gelingt es Aslans Truppen, Edmund zu befreien, doch die Weiße Hexe verlangt Gerechtigkeit. Sie beruft sich auf das Gesetz, nach welchem ihr jeder Verräter zusteht, und auf den tiefen Zauber, der den Tod jedes Verräters verlangt. Aslan bietet daraufhin an, stellvertretend für Edmund zu sterben. In einer nächtlichen Zeremonie, die Susan und Lucy aus der Ferne mitansehen, wird Aslan von der Weißen Hexe auf dem Steinernen Tisch erstochen. Die Mädchen beweinen den Toten bis zum Morgengrauen, als plötzlich der Steinerne Tisch entzwei bricht und Aslan lebendig vor ihnen steht. Er berichtet den Kindern von dem noch tieferen Zauber, und begibt sich daraufhin zum Schloß der Weißen Hexe, wo er den versteinerten Kreaturen neues Leben einhaucht. Anschließendeilt er seinem Heer zur Hilfe, besiegt die Weiße Hexe, und ernennt die Pevensies zu Königen und Königinnen.

Das Buch endet dreißig Jahre später mit der Wiederentdeckung des zu Beginn eingeführten Laternenpfostens und Wandschrankes, durch den die Pevensies letztlich wieder zurück nach England gelangen.

2.2 Die Macht der Weißen Hexe

2.2.1 Jadis

Eine erste wichtige Parallele zum biblischen Weltbild in der Erzählung von Narnia ist die Beschreibung des Bösen. Sobald Lucy Narnia zum ersten Mal betritt wird sie mit den Auswirkungen der Macht der Weißen Hexe konfrontiert. Hundert Jahre regiert diese in Narnia unumstritten als selbsternannte Königin. Keiner – der nicht auch bereit dazu wäre, dafür sein Leben zu lassen – wagt es, sich ihr zu widersetzen. Dennoch wird sie von der Angst getrieben, die an sich gerissene Macht wieder verlieren zu können.

Diese Angst liegt zum Einen darin begründet, dass sie das vom Schöpfer festgelegte Hauptkriterium eines narnianischen Monarchen bereits von Natur aus nicht erfüllt. Zum Anderen ist sie sich ihrer Unterlegenheit gegenüber der Macht des Guten bewusst. Diese beiden Ursachen sollen im Folgenden weiter ausgeführt werden, um anschließend das aus dieser Angst resultierende Verhalten Jadis´ besser verstehen zu können.

Laut Aslan sollen in Narnia alleinig Erdenkinder, d.h. Adamssöhne oder Evastöchter auf dem Thron sitzen[1]. Dieses Kriterium erfüllt die Hexe nicht. Wie der Biber den Kindern erklärt, gibt sie sich zwar als Mensch aus, ist aber in Wirklichkeit keiner[2]. Denn Jadis stammt nicht von Eva ab, sondern ist die Tochter Liliths, die den jüdischen Mythologien nach die erste Frau Adams war und letztlich zur Dämonin wurde[3]. Jadis ist also bereits von ihrer Natur her nicht zur Monarchin Narnias befugt, und hegt daher Neid und Furcht gegen den Menschen, der ihr alleinig aufgrund dieses Kriteriums den Thron streitig machen kann[4]. Sie fürchtet sich so sehr vor ihm, dass sie spezielle Beauftragte hat, die dafür zuständig sind, Menschen – sollten sie jemals einem begegnen – sofort an sie auszuliefern. Ein solcher Beauftragte der Hexe ist Mr Tumnus.

In der Bibel gibt es mehrere Personifizierungen des Bösen. Zum Beispiel tritt das Böse in Gestalt einer Schlange im Garten Eden auf, um die Frau zu verführen[5]. Im Buch Hiob schließt der Satan eine Wette mit Gott ab[6], und im Neuen Testament wird Jesus vom Teufel in der Wüste versucht[7].Woher das Böse kommt wird in der Bibel offengelassen. Jedoch gibt es in der apokryphen jüdischen Literatur Verweise auf einen ´Engelsturz´, den man in allegorischer Deutung mit bestimmten Texten der Bibel in Verbindung bringen kann[8]. Diese Vorstellung besagt, dass Satan ein gefallener Engel ist, der hochmütg wurde und den Thron Gottes an sich reißen wollte. Als Folge dessen wurde er von Gott in die Tiefe gestürzt, verlor seinen Anspruch als Engel und wurde so zum Gegenspieler Gottes. Der Mensch hingegen ist dem ersten Schöpfungsbericht zufolge im Ebenbild Gottes geschaffen und dazu berufen, über alles Leben auf Erden zu herrschen und Gemeinschaft mit Gott zu haben[9]. Daher hasst Satan den Menschen und versucht diesen zu verführen, um ihn von Gott und seiner Berufung fernzuhalten. Wie in Narnia ist also auch hier das Böse neidisch auf die Stellung des Menschen.

Desweiteren ist das Christentum trotz seiner Ernstnahme des Bösen keine dualistische Religion, bei der Gut und Böse ausgeglichen sind. Vielmehr ist das Böse Gott untergestellt und nach apokryphisch jüdischer Überzeugung ein Teil der Schöpfung Gottes.[10]

Auf den ersten Blick scheint dies in den Chroniken von Narnia etwas anders zu sein. Das Böse ist zwar dem Guten untergeordnet und in Macht unterlegen[11] (Jadis hat ganz offensichtlich Angst vor Aslan.[12] Außerdem entpuppt sie sich gegen Ende des zweiten Bandes als Henkerin des Großen-Herrschers-über-dem-Meer und ist somit dessen Untertan[13]). Jedoch ist Jadis kein Teil der Schöpfung Aslans, sondern existiert bereits vor der Erschaffung Narnias in einer anderen Welt namens Charn.[14]

In der gesamten Narniareihe wird nichts näheres über den Großen-Herrscher-über-dem-Meer berichtet, außer dass er der Vater Aslans ist und es noch andere Welten gibt, um die sich Aslan zu kümmern hat[15]. Da auch Aslan im Auftrag seines Vaters steht und diesem Gehorsam leistet, liegt die Interpretation nahe, dass der Große-Herrscher-über-dem-Meer auch die anderen Welten erschaffen hat, einschließlich Charn. Dies würde letztlich bedeuten, dass der zu Beginn hevorgehobene Unterschied womöglich gar kein Unterschied ist, da auch die Engel – und somit Satan – bereits vor Erdenbeginn existierten. Diese Deutung lässt C.S. Lewis dem Leser jedoch offen.

Um überhaupt an Anhängerschaft gewinnen zu können, gibt es für die Weiße Hexe nur zwei Möglichkeiten: zum Einen die gnadenlose Unterdrückung ihrer Untertanen, wie sie es mit den Narnianen handhabt, und zum Anderen das Auftreten als scheinbar gut, wie sie es mit Edmund tut.

Markus Mühling schreibt in seinem Werk Gott und die Welt in Narnia das Konzept der „Schönheit als scheinbare Gutheit“ habe bereits in der Antike existiert und sich durch die Alte Kirche und das mittelalterliche Christentum bis hin zur Klassik gehalten.[16] „Das Wahre, das Gute und das Schöne“[17] wurde dabei letztlich als eine Einheit gesehen, die stehts als solche auftritt. Sah man etwas Schönes, so nahm man zugleich an, dass dieses auch wahr und gut sein musste. Demnach ist das Böse, wenn es einen Menschen verführen möchte, erst dann erfolgreich, wenn es sich als scheinbar gut ausgibt.[18]

[...]


[1] vgl. MN 1994, 68

[2] vgl. LWW 1994, S.88

[3] vgl. Mühling 2005, S.64

[4] vgl. Mühling 2005, S.27

[5] vgl. Gen 3,1

[6] vgl. Ijob 1,6-12

[7] vgl. Lk 4,1-13

[8] vgl. Lk 10,18; 2 Petr 2,4; Judas 6;Ez 28,11-17; Jes 14,12

[9] vgl. Gen 1,26

[10] vgl. Mühling 2005, S.84

[11] vgl. MN 1994, S.118

[12] vgl. LWW 1994, S.107+126-127

[13] vgl. LWW 1994, S.155

[14] vgl. MN 1994, S.68

[15] vgl. LWW 1994, S.86+200

[16] vgl. Mühling 2005, S.22

[17] Mühling 2005, S.22

[18] vgl. Mühling 2005, S.22

Details

Seiten
27
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656638490
ISBN (Buch)
9783656638469
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272286
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,0
Schlagworte
Literatur Allegorien Narnia Gott Symbolik Kinderliteratur christlich Religionsunterricht Fantasie C.S. Lewis

Autor

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Titel: Der König von Narnia. Eine Allegorie?