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Gegenüberstellung der Ansichten von Aristoteles und Hans Peter Dürr

Essay 2009 10 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Einleitung

Um nachzuvollziehen zu können, was Aristoteles unter Glück (eudaimonia) versteht, muss man zuerst einmal wissen, auf welcher Grundlage seine Ethik basiert bzw. von welchen Grundbegriffen sie ausgeht. Darüber hinaus sind mit dem Begriff Glück viele weitere Begrifflichkeiten eng verbunden, die seine Lehre noch differenzierter darstellen. Als zweite Quelle stelle ich Auszüge aus den Ansichten der Physik und Transzendenz vor, die sich ebenfalls zum Thema eudaimonia äußern. Auf diesem Gebiet wird das Glück jedoch nicht eudaimonia genannt, sondern Kräfte der schöpferischen Seele und diese beziehen sich eher auf die heutige Gesellschaft und die dazugehörigen Probleme bzw. Hindernisse. Des Weiteren stelle ich die Ansichten von Aristoteles und die Ansichten der Physik und Transzendenz gegenüber und versuche, Parallelen zu ziehen. Zum Schluss beziehe ich selber Stellung zu diesem Thema und gebe ein kurzes Fazit. Die folgende Arbeit umfasst jedoch nur Teile, einzelne Ausschnitte bzw. einzelne Aspekte aus den jeweiligen Ansichten und ist somit nicht vollständig, da sie ansonsten den Rahmen dieses Essays sprengen würde.

Aristoteles, eudaimonia

In Aristoteles Ethik stehen zwei Grundbegriffe im Mittelpunkt, der Begriff der eudaimonia (Glück; gutes gelungenes Leben) und der Begriff der arete (Tugend, Vortrefflichkeit, Bestzustand). Grundsätzlich seien alle Menschen der Meinung, dass die eudaimonia das oberste Strebensziel sei, jedoch sind sie sich uneins in der Frage worin die eudaimonia besteht. Das gute gelungene Leben besteht in einer Betätigung der menschlichen Seele, die den besonderen, dem Menschen eigentümlichen Fähigkeiten gemäß ist und den bestmöglichen Zustand (arete) der menschlichen Seele darstellt. Die Tugenden werden in zwei Arten unterschieden: Tugenden des rationalen Seelenteils, die Verstandes-tugenden, sowie Tugenden des aratoinalen Seelenteils, die in einer richtigen Haltung gegenüber den arationalen Strebungen, den Emotionen und Begierden, existieren. Für ein gutes Leben ist es unerlässlich, sich Tugenden anzueignen und auszuüben. In Aristoteles selbst dokumentierter Katalog populärer Tugenden herrscht auch in gewisser Weise ein Konflikt zwischen: dem eigenen Glücksstreben und der Ausübung bestimmter, am Wohl anderer orientierter Tugenden (Tugenden die dem Wohl des Anderen bei gleichzeitiger Aufopfer-ung des Eigeninteresses zugutekommen). Das eigene Wohlergehen und das der Anderen kann man nicht klar separieren. Eudaimonia ist ein langfristiges und reflektiertes Interesse. Die “guten „ Tugenden sind nicht nur dienlich als Instru-ment zur Beförderung des eigenen oder fremden Wohlergehens, sondern auch ein Bestandteil der eudaimonia. Nach dem sogenannten „Gut“ streben alle. Es wird um seiner selbst willen gewählt oder um dessen willen man andere Dinge wählt. Alle absichtlichen Aktivitäten vollziehen sich um einer Sache willen, die der Handelnde für ein Gut hält d.h. alles was man tut, tut man, weil man ein bestimmtes Gut erlangen will. Güter sind daher die Strebensziele aller absicht-lichen Handlungen. Viele der Strebensziele sind Teil einer hierarchischen ge-ordneten Reihe: man lernt etwas um einer Prüfung willen, man schafft die Prü-fung um einer bestimmten beruflichen Qualifikation willen, man übt den Beruf um des Lebensunterhalts willen aus usw. Würde man nun die Reihe solcher Strebensziele ins Unendliche weiterführen, so wäre das Streben leer und nutzlos. Daraus schließt Aristoteles, dass solche Reihen durch ein Ziel be-schlossen werden müssen, welches um seiner selbst und nicht um einer anderen Sache willen gewählt wird d.h. dass das Streben nur dann einen Sinn hat, wenn derartige hierarchische Reihen an einen bestimmten Punkt durch ein an sich selbst erstrebenswertes Ziel zu einem endgültigen Schluss kommen. Nach Aristoteles werden Güter in Äußere Güter (Reichtum, Freundschaften, gute Herkunft, gute Nachkommen, Ehre, günstiges Geschick etc.), Innere Gütern des Körpers (Gesundheit, Schönheit, Stärke, athletische Fähigkeiten etc.) und Innere Güter der Seele (versch. Tugenden, sie sind das einzige Gut, wovon man kein Übermaß haben kann, sie können nicht schlecht gebraucht werden) unterteilt.

Des Weiteren führt er formale Kriterien ein, die das höchste Gut erfüllen muss wie z.B.: es muss eigenständig sein d.h. dass man im Besitz dieses Guts keine anderen Dinge benötigt. Es darf nur um seiner willen selbst gewählt, niemals um anderer Sache willen gewählt werden und es wird nicht dadurch vergrößert, dass ein anderes Gut hinzugerechnet wird. Das höchste Gut und letzte Strebensziel bezeichnet das im Leben erreichte Glück. Auf der Basis des ergon-Arguments versucht Aristoteles zu definieren, worin das gute gelungene Leben für den Menschen besteht (ergon = jedes Ding hat eine spezifische Leistung oder Fähigkeit, Aufgabe, Funktion). Das ergon bei einem Messer ist das Gutsein, seine Fähigkeit zu schneiden. Aristoteles meint wenn es für jedes Ding ein ergon gibt, dann muss auch ein ergon für den Menschen existieren. Wenn sich der gute Zustand einer Sache aus ihrem ergon bestimmen lassen kann, dann muss sich die eudaimonia auch auf diese Art auch bestimmen lassen. Nach vielen Überlegungen kommt Aristoteles zu dem Entschluss, dass das ergon des Menschen die Fähigkeit zu denken und zu überlegen bzw. die Vernunft (logos) sei. Kein anderes Lebewesen verfügt über diese Fähigkeit (ergon) des Menschen. Laut Aristoteles ist nicht nur das ergon wichtig für die eudaimonia sondern auch die arete des Menschen (arete = vernünftige Aktivität der Seele auf gute Weise ausüben, konstant sein und das ganze Leben prägen, damit das Leben insgesamt als gut bezeichnet werden kann). Durch diese Überlegungen kann Aristoteles das menschliche Glück so bestimmen: „Das für den Menschen Gute ist (a) die Aktivität (energeia) der Seele (b) gemäß der Vortrefflichkeit (arete) (c) bzw. wenn es mehrere Arten der Vortrefflichkeit (arete) gibt gemäß der besten und vollkommenen – (d) und dies während eines kompletten Lebens“ (EN 1098a 16-20). Das vollkommende Glück besteht laut den Kapiteln EN in der vortrefflichen Aktivität des höchsten menschlichen Seelenteils, der Vernunft. Theorie ist die Betätigung des vernünftigen Seelenteils, dieser ist aber das Beste im Menschen und Gegenstände der Theorie sind das Beste im Bereich der Erkenntnis. Denken ist die Tätigkeit, die wir am ehesten anhaltend durchführen können. Bei anderen Dingen ermüden wir schneller. Die Betätigung der Verstandestugenden. Wie z.B. der Weisheit ist mit Lust verbunden. Da die Theorie keinen weiteren Zweck zu erfüllen hat, wird sie am ehesten um ihrer selbst willen erstrebt, was als ein Merkmal des höchsten Guts bezeichnet wird. Theorie bedeutet Muße, (fast) alles andere aber tut man der Muße willen. Die theoretische oder tiefsinnige Lebensform verspricht daher das vollendete Glück. Zwar soll man versuchen, nach dem Besten in uns zu leben und dies würde die theoretische Lebensform bedeuten, jedoch müsse auch der glückliche Mensch in äußeren Verhältnissen leben, weil er Nahrung benötigt und überhaupt körperliche Bedürfnisse hat. Das zweitbeste Leben nennt Aristoteles die politische Lebensform, weil sie in der Betätigung der Charaktertugenden besteht, die vor allem für den Umgang mit anderen geeignet sind. Anders gesagt, geht es um ein Leben nach denjenigen Tugenden, die sich mit unseren Emotionen und daher mit dem Ganzen aus Leib und Seele auseinandersetzen. Darüber hinaus ergänzt Aristoteles die Tugenden mit der Mesotes–Lehre. Laut dieser Lehre ist Tugend immer eine Mitte (mesotes) zwischen zwei Fehler - oder lasterhaften Extremen. Diese Extreme sind jeweils mit entgegengesetzten Leidenschaften (Emotionen, Begierden usw.) bzw. mit dem Zuviel oder Zuwenig einer Leidenschaft verbunden. Z.B. ist die Tugend der Tapferkeit die Mitte zwischen zu viel Furcht (auch als Feigheit bezeichnet) und zu wenig Furcht (kommt am ehesten der Tollkühnheit nahe). Aristoteles sagt es geht nicht um eine exakt genaue, errechenbare Mitte, sondern jeweils um „die Mitte für uns„. Er meint damit, dass sich die Mitte an dem für den Einzelfall Angemessenen orientieren und richten muss. Der stärkste Zusammenhang von Tugend und Glück besteht jedoch darin, dass die Tugend-en den vortrefflichen Zustand der menschlichen Seele bestimmen und ein solcher Zustand zugleich das für den Menschen gute und somit glückliche Leben bedeutet. Tugenden sind daher nicht nur Mittel zur Erreichung des Glücks, sondern konstitutiver Bestandteil und notwendige Voraussetzung. In Bezug auf die Formung des Charakters spielen die Momente der Gewöhnung, Lust und Schmerz eine zentrale Bedeutung. Aristoteles benennt Lust als einen wichtigen Aspekt des glücklichen Lebens und verteidigt deshalb das Gutsein der Lust. Zu den Aktivitäten müsse Lust (energeia) zählen, die kein Ziel außer-halb ihrer selbst benötigt. Genauer beschreibt er die Lust als ungehinderte Aktivität bzw. als Vollkommenheit oder Vervollkommnung der Aktivität. Vermutlich möchte er Platon nur entgegenbringen, dass nicht alle Arten von Lust (wie z.B. das mit der Bedürfnisbefriedigung verbundene Vergnügen) als Wiederherstellung angesehen werden können. Darüber hinaus müssen auch Arten von Lust berücksichtigt werden, die erklären, warum etwa die Aktivität des Philosophierens als lustvoll empfunden werden kann.

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Details

Seiten
10
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656639305
ISBN (Buch)
9783656639282
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v272064
Institution / Hochschule
Hochschule München
Note
1,8
Schlagworte
Hans Peter Dürr Glück Tugenden Eudaimonia Fragmentierung Ganzheit Aristoteles Physik und Transzendenz Philosophie gelungenes Leben Strebensziele

Autor

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