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Die Bedeutung außerschulischer Lernorte im Schulalltag im Politikunterricht

Hausarbeit 2013 22 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

2. AUßERSCHULISCHE LERNORTE
2.1. AUßERSCHULISCHE LERNORTE IM POLITIKUNTERRICHT

3. EINSATZ IN DER SCHULE
3.1. DIE PLANUNG
3.1.1. Die Vorbereitung
3.1.2. Die Durchführung
3.1.3. Die Nachbereitung
3.2. VORTEILE
3.3. NACHTEILE

4. EIN KONKRETER POLITISCHER AUßERSCHULISCHER LERNORT - DAS GERICHT
4.1. BEZUG ZUR SCHULE
4.2. PLANUNG DES BESUCHS
4.3. DURCHFÜHRUNG
4.4. NACHBEREITUNG

5. FAZIT

6. LITERATUR
6.1. BÜCHER
6.2. INTERNETQUELLEN

1. Einleitung

Außerschulische Lernorte, Exkursionen, Erkundung, Klassenfahrt, ... - alle haben sie eines gemeinsam: Sie bleiben Schülerinnen und Schülern1 im Gedächtnis. Mir erging es dabei nicht anders. Wenn ich heute an meinen Gemeinschaftskundeunterricht zurückdenke, fallen mir zunächst die Exkursionen zum Stuttgarter Flughafen und zum Amtsgericht ein.

Darum entschied ich mich eine Hausarbeit zum Thema außerschulische Lernorte zu schreiben.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich damit, welche Bedeutung außerschulische Lernorte für den Schulalltag haben. Insbesondere wird dabei die Rolle der außerschulischen Lernorte im Politikunterricht betrachtet.

Zunächst werden mehrere Definitionen untersucht und miteinander verglichen.

Anschließend wird die Planung eines außerschulischen Lernortes näher betrachtet. Des Weiteren werden einige der zahlreichen Vorteile außerschulischer Lernorte vorgestellt und oft genannte Nachteile beleuchtet und zugleich entkräftet. Außerdem wird das Gericht als ein konkreter politischer außerschulischer Lernort vorgestellt und der methodische Dreischritt von Burk und Claussen anhand dieses Beispiels durchgeführt.

Im abschließenden Fazit wird dann die Frage nach der Bedeutung der politischen außerschulischen Lernorte im Schulalltag geklärt.

In der vorliegenden Arbeit liegt der Schwerpunkt auf außerschulischen Lernorten im Politikunterricht. Jedoch sind außerschulische Lernorte in allen Fächern und Klassenstufen möglich, es lässt sich deswegen keine klare Abgrenzung zu politischen außerschulischen Lernorten ziehen. Deswegen beinhaltet die Hausarbeit auch Kapitel, die sich mit außerschulischen Lernorten im Allgemeinen beschäftigen. Auch die historische Entwicklung der außerschulischen Lernorte ist kein Gegenstand dieser Arbeit.

Des Weiteren werden keine genaue Begriffsbestimmung zu den einzelnen Formen wie Exkursion oder Erkundung gegeben.

2. Außerschulische Lernorte

In diesem Kapitel wird untersucht, was außerschulische Lernorte sind und welche verschiedenen Definitionen es dafür gibt.

Im Voraus muss angemerkt werden, dass es keine allgemeingültige Definition gibt.2 Wenn man zunächst rein von den Begrifflichkeiten ausgeht, dann sind außerschulische Lernorte Plätze außerhalb der Schule, bei denen man etwas lernt, wobei „schulisch“ bereits impliziert, dass es darum geht, dass Schüler dabei lernen. Sauerborn und Brühne schlagen in ihrem Buch Didaktik des außerschulischen Lernens folgende Definition vor:

„ Außerschulische Lernorte beschreiben die originale Begegnung im Unterricht außerhalb des Klassenzimmers. An außerschulischen Lernorten findet die unmittelbare Auseinandersetzung des Lernenden mit seiner räumlichen Umgebung statt. Charakteristisch sind hierbei vor allem auch die Möglichkeiten einer aktiven (Mit-)Gestaltung sowie die Möglichkeit zur eigenständigen Wahrnehmung mehrperspektivischer Bildungsinhalte durch die Lerngruppe. “ 3 In dieser Definition wird einerseits die Begegnung außerhalb des Klassenzimmers in den Fokus gestellt, andererseits auch der Lernende, der sich durch das Lernen außerhalb des Klassenzimmers aktiv mit seiner räumlichen Umgebung auseinandersetzen kann.

Auf der Webseite des Thüringer Schulportals lässt sich eine weitere Definition für außerschulische Lernorte finden:

„ Mit Blick auf ein gemeinsames Begriffsverständnis verstehen wir unter einem "außerschulischen Lernort" jeden Ort außerhalb der Begrenzung eines Klassenraumes, der auf Grund des ihm innewohnenden Potenzials die Möglichkeit bietet, unterschiedlichste Lernthemen in der originalen Begegnung sowie mit einem hohen Grad an Eigenständigkeit und Kreativität entdeckend und forschend zu bearbeiten und auf diese Weise zu einem tieferen Verständnis von Zusammenhängen beiträgt. “ 4

Diese Begriffsbestimmung zeigt das Potenzial von außerschulischen Lernorten: Es kann etwas gelernt werden, im Umkehrschluss wird aber nicht vorausgesetzt, dass an jedem Lernort etwas gelernt werden muss. Wie auch in der ersten Definition findet hier außerschulisches Lernen bereits außerhalb des Klassenraums statt, beispielsweise also auch auf dem Schulflur.

Burk, Rauterberg et al. haben folgende Definition aufgestellt:

„ Grundsätzlich kann jeder Ort zu einem schulischen Lehrort bzw. Lernort werden. Unterteilen lassen sie sich in außerschulische Orte und Einrichtungen, die pädagogischen Zwecken dienen und einen Bildungsauftrag erfüllen sollen und in solche, die völlig ohne pädagogische Zwecke bestehen. “ 5

Diese Definition macht zwar deutlich, dass jeder Ort zu einem Lernort werden kann, es bleibt allerdings offen, wie dies geschieht. Auch der Faktor der Lernenden und die Rolle der Lehrerperson werden nicht berücksichtigt. Stattdessen wird eine Unterscheidung in pädagogisch dienlich und undienlich vorgenommen. Messmer, von Niederhäusern et al. gehen bei ihrer Begriffsbestimmung auch über den schulischen Bereich hinaus:

„ Orte außerhalb des Schulhauses, an denen Personen jeglichen Alters im Rahmen formaler, non-formaler oder informeller Bildung lernen können. Konstitutiv für diese Lernorte ist die Möglichkeit der unmittelbaren Begegnung mit einem Lerngegenstand und/ oder Sachverhalt. Ausserschulisches [!] Lernen findet statt, wenn solche Begegnungen - bewusst oder unbewusst - in den Lernprozess integriert sind und zu einem Kompetenzerwerb beitragen. [...] “ 6

Außerschulisches Lernen wird hierbei nicht direkt an der Schule festgemacht, es kann auch als informelles Lernen geschehen und ist für jedes Alter zugänglich. Bei dieser Definition wird am deutlichsten, was einen Ort zu einem außerschulischen Lernort in der Schule macht: Der Besuch eines außerschulischen Lernortes muss in den Lernprozess integriert sein und zum Kompetenzerwerb der beteiligten Personen beitragen.

Alle Definitionen haben gemeinsam, dass für einen außerschulischen Lernort das Klassenzimmer verlassen werden muss. Bei Sauerborn und Brühne, der Webseite des Thüringer Schulportal und Messmer, von Niederhäusern et al. muss eine originale/ unmittelbare Begegnung stattfinden, erst dann wird ein Ort zum Lernort. Besonders die Definitionen von Sauerborn und Brühne und vom Thüringer Schulportal gehen auch auf die aktive Mitgestaltung beziehungsweise die Eigenständigkeit der Schüler ein. Die Schüler sollten beim Besuch eines außerschulischen Lernortes aktiv werden, dies kann bereits in der Vorbereitung geschehen, wie im Kapitel 3 aufgezeigt wird.

Auffallend ist, dass bei keiner der Definitionen die intensive Vor- und Nachbereitung erwähnt wird.

Deshalb wird folgende Definition vorgeschlagen, die sich aus den positiven Argumenten aller oben genannten Definitionen zusammensetzt und die Planung mit einbezieht:

Außerschulische Lernorte beschreiben die originale und unmittelbare Begegnung im Unterricht außerhalb des Klassenzimmers. Charakteristisch für außerschulische Lernorte ist die Möglichkeit der aktiven Mitgestaltung sowie die Chance zur eigenständigen Wahrnehmung mehrperspektivischer Bildungsinhalte und somit ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge. Lernen an einem außerschulischen Lernort geschieht dann, wenn die reale Begegnung in den Lernprozess integriert ist und zum Kompetenzerwerb beiträgt. Ein außerschulischer Lernort sollte nicht spontan besucht werden, sondern bedarf einer intensiven Vor- und Nachbereitung durch den Lehrer und die Schüler.

2.1. Außerschulische Lernorte im Politikunterricht

Außerschulische Lernorte im Politikunterricht haben laut Ackermann nur eine relativ kleine Bedeutung und wurden bisher von der pädagogischen Diskussion nicht beachtet.7 Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass sein Buch Politisches Lernen vor Ort bereits 1988 erschienen ist. Heutzutage haben außerschulische Lernorte in der pädagogischen Diskussion einen anderen Stellenwert. Burk, Rauterberg et al. mahnen sogar an, dass Kritik an der Dominanz der außerschulischen Lernorte mit ihrem Erlebnis- und Eventcharakter laut werden könnte.8

Ackermann begründet seine Aussage mit zwei Ursachen. Einerseits sei eine gewisse Politikscheue der deutschen Pädagogik der Grund, andererseits fehle es an politischen Kategorien, damit ein Lernort überhaupt als politisch wahrgenommen werden kann.9

Laut Ackermann solle ein außerschulischer Lernort nach den politischen Dimensionen polity, policy und politics hin ausgewählt werden. Die Dimensionen unterteilen Politik in die Form (polity), die Aufgaben und Probleme (policy) und in den Prozess der politischen Willensbildung (politics). Durch diese Unterscheidung wird den Schülern ein Teilaspekt der Politik gezeigt, sie müssen sich nicht dem ganzen Politikfeld auf einmal annehmen, was viel zu unübersichtlich wäre.10 Detjen fordert außerdem eine didaktische Strukturierung um die Lernziele zu erreichen, denn „[n]ur so besteht nämlich die Aussicht, dass die Schülerinnen und Schüler den politischen Charakter des jeweiligen Lernortes und dessen gesellschaftliche Einbindung überhaupt wahrnehmen.“11

Der Vorteil politischer außerschulischer Lernorte liegt für Ackermann darin, dass sie „[...] einen direkten, erlebnisbezogenen Zugang zu zentralen Politikbereichen [ermöglichen], was aber nicht einen Verzicht auf abstraktes Lernen bedeuten soll.“12 Durch außerschulische Lernorte kann den Schülern die oftmals abstrakte Politik näher gebracht werden. Sie sind also eine Chance um Politik anschaulicher und verständlicher zu machen, gleichzeitig mahnt Ackermann aber an, dass abstraktes Lernen im Klassenzimmer dabei nicht auf der Strecke bleiben darf. Ganz auf Faktenund Institutionswissen kann also nicht verzichtet werden.

Ackermann führt außerdem aus, dass Politik dem Einzelnen oft nicht direkt wahrnehmbar und zugänglich ist, sondern oft durch die Massenmedien vermittelt wird.13

Ähnlich argumentiert auch Von Reeken: „Den unmittelbarsten Zugang zur Politik können Kinder in ihrem lokalen Umfeld erfahren.“14 Erst wenn auf lokaler Ebene politische Veränderungen sichtbar werden, können diese auch auf staatlicher Ebene verstanden werden.

Auch Detjen schließt sich diesem Argument an. Für ihn kann durch politische außerschulische Lernorte am ehesten der politische Nahraum und gesellschaftliche Gegebenheiten, die sich auf lokaler Ebene abspielen, erkundet werden. Somit eignen sich außerschulische Lernorte besonders im Bereich der Kommunalpolitik.15 Es ist jedoch ein Trugschluss zu glauben, dass die Schüler durch den Besuch eines außerschulischen Lernortes die politische Wirklichkeit durch reine Anschauung verstehen und fassen können.16 Vielmehr sollten „[d]en Schülern [...] Fähigkeiten vermittelt werden, mit deren Hilfe sie die komplexen Zusammenhänge und interessen- und ideologiegebundenen Präsentationsformen der Politik und Politiker durchschauen können.“17

Alleine durch einen Besuch eines außerschulischen Lernortes lernen die Schüler nicht viel. Wichtiger ist es, dass sie dabei Fähigkeiten und Kompetenzen vermittelt bekommen.

Auch Von Reeken spricht sich für die Bedeutung der außerschulischen Lernorte im Politikunterricht aus. Denn „[...] nur vor Ort [ist] eine direkte Begegnung mit Politikern, politischen Institutionen und Prozessen einschließlich deren Beeinflussung durch Kinder möglich.“18

Joachim Detjen stellt vier Gruppen außerschulischer Lernorte vor, die für den Politikunterricht geeignet sind.

Gruppe 1 beinhaltet Politik und Verwaltung, als Beispiele werden die Institutionen oder lokale Politikverbände genannt.

Gruppe 2 umfasst die öffentliche Infrastruktur wie beispielsweise die Schule, öffentlicher Personennahverkehr, Feuerwehr und Krankenhaus.

Die 3. Gruppe besteht aus Wirtschaft und Gesellschaft, Detjen schlägt für Lernorte in diesem Bereich Industrie- und Handwerksbetriebe, Kreditinstitute und Geschäfte vor. In der 4. Gruppe werden Kultur, Medien und Freizeit zusammengefasst, darunter fallen Denkmäler, Museen oder eine Zeitungsredaktion.19

3. Einsatz in der Schule

Außerschulische Lernorte können in allen Fächern und allen Klassenstufen eingesetzt werden und sollten eine wertvolle Ergänzung zu den herkömmlichen Arbeitsweisen und Lernformen darstellen.20

Sie können dabei am Anfang, in der Mitte oder am Ende einer Unterrichtseinheit stehen und verschiedene Aufgaben übernehmen. Zu Beginn einer Unterrichtseinheit dienen sie zum Einstieg und zur ersten Einführung, während der Einheit kann durch sie eine Vertiefung und Veranschaulichung stattfinden und am Ende haben sie die Funktion einer Ergebnissicherung.21

3.1. Die Planung

Burk und Claussen haben 1980 für die Planung eines außerschulischen Besuchs einen methodischen Dreischritt aufgestellt, der folgendermaßen gegliedert ist:

„ 1. Vorbereitung auf das Lernen „ vor Ort “ ,
2. handelnde Auseinandersetzung mit dem Lernort,
3. Auswertung der Eindrücke, Erlebnisse und Erfahrungen. “ 22

Ein außerschulischer Lernort sollte also nie spontan und ohne Vorbereitung besucht werden. Der Planungsdreischritt von Burk und Claussen hat sich in der Didaktik durchgesetzt, weil

„ [...] sich komplexere Vorgehensweisen beim außerschulischen Lernen in der Regel als unvorteilhaft [erweisen]. Denn diese sind entweder zeitlich nicht zu realisieren, zu komplex im Bezug auf ihre Umsetzung oder gefährden insgesamt die Ganzheitlichkeit des Lernprozesses. “ 23

Im Folgenden werden die einzelnen Phasen der Vorbereitung, der Durchführung und der Nachbereitung genauer vorgestellt.

[...]


1 Im Hinblick auf die Lesbarkeit wird im Folgenden nur noch die männliche Nennform verwendet, dies ist nicht als Diskriminierung anzusehen.

2 Vgl. Gaedtke- Eckardt, S.5

3 Sauerborn und Brühne, 2007, S. 15

4 Thüringer Schulportal [Stand: 22.August 2013]

5 Burk, Rauterberg et al., 2008, S. 11

6 Messmer, von Niederhäusern et al., S. 7

7 Vgl. Ackermann, S. 13

8 Vgl. Burk, Rauterberg et al., S. 15

9 Vgl. Ackermann, S. 13

10 Vgl. Ackermann, S. 14 f

11 Detjen, S. 202

12 Ackermann, S. 15

13 Vgl. ebd., S. 15

14 Vgl. Von Reeken, S. 88

15 Vgl. Detjen, S. 213

16 Vgl. Ackermann, S. 16

17 Ackermann, S. 16

18 Von Reeken, S. 88

19 Vgl. Detjen, S. 202

20 Vgl. Ackermann, S. 21

21 Vgl. Meyer, S. 328

22 Burk und Claussen, S. 26

23 Sauerborn und Brühne, S. 80

Details

Seiten
22
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656643838
ISBN (Buch)
9783656643821
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271992
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg – Institut für Sozialwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Außerschulische Lernorte Außerschulisches Lernen

Autor

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Titel: Die Bedeutung außerschulischer Lernorte im Schulalltag im Politikunterricht