Lade Inhalt...

The Funding Gap. Eine Analyse der Ursachen zur Entstehung einer Finanzierungslücke bei deutschen Wachstumsunternehmen

Bachelorarbeit 2014 97 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 FAS AG/ Carchadoron Capital GmbH Unternehmensportfolio
1.2 Problemstellung
1.2.1 Ziel der Arbeit
1.2.2 Aufbau der Arbeit

2 Grundlagen
2.1 Wachstumsunternehmen
2.1.1 Definition StartUp
2.1.2 Gründungstheorien im Vergleich
2.1.3 Phasenspezifische Unternehmensentwicklung
2.2 Unternehmensfinanzierung
2.2.1 Außenfinanzierung vs. Innenfinanzierung
2.2.2 Systematisierung der Beteiligungsinvestoren
2.2.2.1 Business Angel
2.2.2.2 Venture Capital-Gesellschaften
2.2.2.3 Schwarmfinanzierung
2.2.3 Phasenspezifische Finanzierung
2.2.4 Existenz einer Finanzierungslücke

3 Empirische Untersuchung
3.1 Systematik der Untersuchung
3.1.1 Gegenstand der Untersuchung
3.1.2 Vorgang der Untersuchung
3.2 Auswertung des Startup Fragebogens
3.2.1 Fragenkatalog
3.2.2 Auswertung der Antworten
3.2.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
3.3 Analyse des Business Angel Fragebogens
3.3.1 Fragenkatalog
3.3.2 Auswertung der Antworten
3.3.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
3.4 Analyse des Venture Capital Fragebogens
3.4.1 Fragenkatalog
3.4.2 Auswertung der Antworten
3.4.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
3.5 Abschlussanalyse

4 Fazit

Anhang

Literatur- und Quellenverzeichnis

Danksagung

Ich bedanke mich herzlichst bei allen, die mich während der Erstellung dieser Arbeit unterstützt haben.

Ein großer Dank geht an Herrn Prof. Dr. Reinhardt für interessante Gespräche über den Inhalt meiner Arbeit sowie die schnelle Beantwortung meiner Fragen, sogar am Wo­chenende.

Weiter bedanke ich mich bei allen Jungunternehmern, Business Angels und Venture Capital-Gesellschaften für die rege Teilnahme an meiner Untersuchung. Besonderer Dank gilt hierbei Niklas Oberneder von Join the Lama für ein anregendes Telefonat, das mir einen tiefen Einblick in die Finanzierungsprobleme deutscher StartUps lieferte.

Ich danke injeglicher Form meinen Eltern für zahlreiche Stunden des Korrekturlesens.

Abschließend bedanke ich mich bei meiner Freundin Juliane. Du hast mich von der Er­stellung der Fragebögen, über die theoretische Ausarbeitung bis hin zur finalen Überar­beitung jederzeit unterstützt. Ich danke für dein positives Feedback und für deine kriti­schen Anmerkungen.

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Aufbau der Arbeit

Abbildung 2: Darstellung der Entwicklungsphasen

Abbildung 3: Allgemeine Finanzierungsarten

Abbildung 4: Informelles Beteiligungskapital

Abbildung 5: Aufbau von Venture Capital-Gesellschaften

Abbildung 6: Unterschied zwischen Crowd Funding/ Crowd Investing

Abbildung 7: Darstellung der Finanzierungsphasen

Abbildung 8: Branchenverteilung der StartUps

Abbildung 9: Finanzierungsstruktur deutscher StartUps

Abbildung 10: Finanzierungsrunden deutscher StartUps

Abbildung 11: Investoren der 1. Finanzierungsrunde (nach Gruppen)

Abbildung 12: Investoren der 1. Finanzierungsrunde (nach Anzahl)

Abbildung 13: Investoren der 2. Finanzierungsrunde (nach Gruppen)

Abbildung 14: Erwartungen an Investoren (BA = blau; VCG = rot)

Abbildung 15: Intensität der Betreuung (BA = blau, VCG = rot)

Abbildung 16: Reportinganforderungen (BA = blau, VCG = rot)

Abbildung 17: Versagungsgründe für die Anschlussfinanzierung

Abbildung 18: Branchenzugehörigkeit der Business Angels

Abbildung 19: Dauer der Tätigkeit als Business Angel

Abbildung 20: Branchenverteilung der BA-Investments

Abbildung 21: Anzahl der Investments aktuell (= blau) und gesamt (= rot)

Abbildung 22: Positive Exit-Quote der Business Angel-Beteiligungen

Abbildung 23: Durchschnittlich investierte Summe pro StartUp

Abbildung 24: Erwartungen an StartUps

Abbildung 25: Gründe für das Scheitern von Investments

Abbildung 26: Bevorzugter Investitionszeitpunkt der Business Angels

Abbildung 27: Anzahl aktueller Investments bei Venture Capital-Gesellschaften

Abbildung 28: Branchenverteilung der VCG- Investments

Abbildung 29: Anzahl der Investments Gesamt

Abbildung 30: Vergleich von Exit (= blau) und Liquidationen (= rot) der Investments

Abbildung 31: Einschätzung der positiven Exit-Quote von VC-Investments

Abbildung 32: Durchschnittlich investiertes Kapital durch VC-Gesellschaften

Abbildung 33: Durchschnittliche Kapitalüberlassungsdauer

Abbildung 34: Entscheidungskriterien zur Investition in ein StartUp

Abbildung 35: Mögliche Gründe für das Scheitern von Startups

Abbildung 36: Venture Capital-Markt in Deutschland

Abbildung 37: Optimaler Investitionszeitpunkt für Venture Capital-Gesellschaften

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Gründungstheorien im Vergleich

Tabelle 2: Gründungsformen

Tabelle 3: Unterschiedliche Business Angel-Typen

Tabelle 4: Unterscheidung der Venture Capital-Fonds

Tabelle 5: Unternehmensphasen vs. Finanzierungsphasen

Tabelle 6: Anzahl der eingereichten Businesspläne im Zeitverlauf

1 Einleitung

1.1 FAS AG/ Carchadoron Capital GmbH Unternehmensportfolio

Internationale Märkte und globale Netzwerke zwingen Unternehmen zur Ausrichtung interner Strukturen an internationale Anforderungen. In diesem Feld ist die FAS AG als Beratungsunternehmen mit Fokussierung auf internationale Rechnungslegung und Be­wertung kapitalmarktorientierter Unternehmen nach International Financial Reporting Standards (IFRS)/ International Accounting Standards (IAS) und United States Gene­rally Accepted Accounting Principles (US GAAP).

Dieses Beratungsfeld bezeichnet man als Corporate Performance Management (CPM). Darunter versteht man die Weiterentwicklung der allgemeinen Business Intelligence (BI), um mit deren Hilfe selektierte Daten der Unternehmensplanung und -steuerung zu verdichten. CPM befasst sich weiter mit der Optimierung interner Prozesse.[1]

Als Unternehmensberatung hat sich die FAS AG auf die Harmonisierung von internem und externem Rechnungswesen spezialisiert und leistet sämtliche, damit einhergehen­den Umstellungs- und Beratungsleistungen. Neben der Service-Line Financial Consul­ting existiert weiter der Bereich Valuation Services, in dem Bewertungsdienstleistungen wie Kaufpreisallokationen, Unternehmensbewertungen sowie Aktien-Options- Bewertungen und Due Dilligence-Prüfungen durchgefährt werden.

Gegründet wurde das Unternehmen im Jahre 2000 von Prof. Dr. Peter Leibfried und Dipl.-Kfm. Ingo Weber in Stuttgart, besitzt daneben weitere Standorte in Frankfurt, Düsseldorf und München. Die Mandanten des Unternehmens finden sich vornehmlich im sog. D-A-CH-Gebiet, verschiedene Projekte in Dänemark oder den USA wurden in den vergangenen Jahren ebenfalls erfolgreich absolviert.

Mit der Carchadoron Capital GmbH gründete Dipl.-Kfm. Ingo Weber eine Kapitalbetei­ligungsgesellschaft und unterstützt seither als Business Angel (BA) finanziell, wie auch operativ, Jungunternehmer bei dem Versuch, sich erfolgreich am Markt zu etablieren. Aus dieser Tätigkeit und aktuellen Diskussionen in Wirtschaft und Politik entstand die Grundidee der nachfolgenden Arbeit.

1.2 Problemstellung

Im Mai 2013 reiste der damalige Bundeswirtschaftsminister Dr. Philipp Rosier zum zweiten Mal während seiner Amtszeit ins Silicon Valley, das Zentrum der High- Potential-StartUps.

Neben Vorträgen an der Stanford University besuchte er auch ehemalige StartUps wie Google, immer begleitet von deutschen Unternehmensgründern, die im Rahmen des sog. German Silicon Valley Accelerator (GSVA) für drei Monate einen Blick hinter die Kulissen dieses Hot Spots der Technologien, erhalten.

Um weiteren StartUps diese Einblicke ebenfalls gewähren zu können verkündete der Bundesminister die Aufstockung des GSVA auf etwa sechs bis sieben Unternehmen pro Quartal. Hauptsächlich soll deutschen Wachstumsunternehmen somit der Zugang zum weltweit größten Venture Capital-Markt erleichtert werden.

Das deutsche Pendant zum Silicon Valley soll die Bundeshauptstadt Berlin werden, darüber ist man sich in der Praxis (und der Politik) mittlerweile einig. Was hierzu aller­dings noch fehlt, sind umfangreiche Venture Capital-Finanzierungen, wie sie in den USA schon fast alltäglich sind.

Die vorliegende Arbeit greift diese Problematik auf und beschäftigt sich mit der Anzahl der Venture Capital-Finanzierungen auf dem deutschen Markt.

Meist noch vor der gesellschaftsrechtlichen Unternehmensgründung benötigen junge Unternehmen große Anfangsinvestitionen, um die eigene Marktfähigkeit herstellen oder ihre Geschäftsidee verwirklichen zu können. Als Gründer jedoch sind die eigenen fi­nanziellen Mittel gering und die Position gegenüber Fremdkapitalgebern schwach. Deshalb erließ das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) im Mai 2013 eine Richtlinie, um Investoren einen Zuschuss zur Bereitstellung von Wagniskapi­tal zu gewähren. Ziel ist die Förderung der StartUp-Finanzierung, vornehmlich durch Business Angel.[2] Es soll die Bereitschaft privater Investoren gefördert werden, sich in Jungunternehmen einzubringen, sowohl finanziell als auch in beratender Funktion.

Auch neue Finanzierungswege lassen die Anzahl erfolgreich finanzierter Start-Ups stei­gen. Zu nennen ist hier z. B. das crowd funding.

Eine Anschlussfinanzierung, aufbauend auf die erste Finanzierungsphase, erhalten hin­gegen weit weniger Unternehmen. Der Anschlussfinanzierung erfolgreicher StartUps durch sog. Venture Capital-Gesellschaften (VCGen) schenken weder die erlassene Richtlinie, noch die modernen Möglichkeiten der Frühphasenfinanzierung Beachtung, obwohl gerade diese Gesellschaften über beachtliches Kapital verfügen.

Die entstehende Situation, in Fachkreisen Finanzierungslücke genannt, wird in der vor­liegenden Arbeit gleichermaßen als Funding Gap bezeichnet. Sie befasst sich eingehend mit der These, dass die geringe Anzahl an Venture Capital-Finanzierungen der Grund für die niedrige Quote erfolgreicher Anschlussfinanzierungen in Deutschland ist und hierdurch das Funding Gap entsteht.

1.2.1 Ziel der Arbeit

Ziel dieser Bachelorthesis ist die Lokalisierung einer eventuell vorhandenen Finanzie­rungslücke in Deutschland und die Untersuchung möglicher Ursachen für die Entste­hung. Um der Arbeit einen empirischen und repräsentativen Mehrwert zu verleihen, wurden Fragebögen an die entsprechenden Zielgruppen versandt, ausgewertet und we­sentliche Anforderungen für eine erfolgreiche Anschlussfinanzierung herausgearbeitet.

1.2.2 Aufbau der Arbeit

Anfangs werden die Begriffe des Wachstumsunternehmens und der Unternehmensfi­nanzierung definiert und ein Überblick über die wesentlichen Inhalte der Gründungsfor­schung und -finanzierung geboten.

Den Schwerpunkt der Arbeit bildet die Untersuchung über den Stand der Unterneh­mensfinanzierung in Deutschland und die Auswertung der individuellen Fragebögen.

In einem abschließenden Fazit werden die Ergebnisse der Untersuchung zusammenge­fasst und ein Zukunftsausblick gewährt.

Anhand einer Grafik wird nachfolgend der Aufbau dieser Arbeit schematisch darge­stellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 : Aufbau der Arbeit Quelle: Eigene Darstellung

2 Grundlagen

Im nachfolgenden Abschnitt werden die Grundlagen für die spätere Beurteilung der Frage, ob in Deutschland eine Finanzierungslücke vorliegt, dargestellt. In Kapitel 2.1 werden die Besonderheiten junger Unternehmen herausgearbeitet und eine einheitliche Definition des Begriffs StartUp festgelegt. Das Kapitel 2.2 befasst sich mit den allge­meinen Informationen und Fakten rund um das Thema Unternehmensfinanzierung.

2.1 Wachstumsunternehmen

Im Jahr 2011 wurden laut einer Statistik des BMWi insgesamt 401.495 Existenzen ge- gründet.[3] Diese Vielzahl an neu gegründeten Unternehmen zeigt die große Bedeutung von Jungunternehmen für die deutsche Wirtschaft. Neben einer für diese Arbeit einheit­lichen Definition wird nachfolgend zwischen zwei verschiedenen Gründungs- und Un­ternehmensformen unterschieden und auf die speziellen Entwicklungsphasen der Unter­nehmen eingegangen.

2.1.1 Definition StartUp

Der Begriff des StartUp stellt einen in die deutsche Sprache übernommenen Anglizis­mus dar. Abgeleitet wird er vom englischen ,,to start up“ und bedeutet übersetzt, „in Gang setzen“ oder „etwas aufziehen“.[4]

Insoweit kann man ein StartUp-Unternehmen als neu gegründetes,junges und am Markt noch nicht etabliertes Unternehmen bezeichnen, welches erst vor kurzer Zeit die Ge­schäftstätigkeit aufgenommen hat. Darüber hinaus sollte man auch den Entwicklungs­status in Betracht ziehen. Als StartUps werden also nur Unternehmen in der Gründungs­oder Wachstumsphase bezeichnet.[5] Dies entspricht dem sog. prozessorientierten Vorge­hen der Entrepreneurial Finance.[6] Hierbei wird nicht auf das Alter derjeweiligen Unter­nehmen, sondern ausschließlich auf den individuellen Entwicklungsstand abgestellt, da sich vor allem bei Hightech-StartUps der Zeitraum von Unternehmensgründung/ -idee bis zur Marktetablierung sehr lange gestalten kann. Hingegen sind bspw. Unterneh­mensgründungen im Einzelhandel recht schnell etabliert, obwohl sie ebenso auf eine geringe Unternehmensvergangenheit zurückblicken.

Deshalb können Unternehmen mit einer Bestandsdauer von nur einem oder auch von bis zu acht Jahren, als StartUp bezeichnet werden. Eine tiefergehende Auseinanderset­zung mit den einzelnen Unternehmensphasen von StartUps erfolgt im Unterkapitel 2.1.3.

Weitere wesentliche Merkmale von StartUps sind, neben dem geringen Alter, die feh­lende Branchen- und Managementerfahrung, ein hoher Investitionsbedarf bei großem Risiko, die geringen finanziellen Möglichkeiten und die daraus resultierende Abhängig­keit von externen Faktoren.[7] Einerseits zeichnet solche jungen Unternehmen der hohe Identifikationsgrad der Gründer zu ihrer eigenen Firma besonders aus. Anderseits stellt dieser häufig ein Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung dar, wenn sich nämlich das Unternehmen nicht in dem gewünschten Tempo entwickelt.[8]

Vielfach verwendete Synonyme für den Begriff des StartUp sind beispielsweise auch Jungunternehmen, junge Unternehmen oder junge, innovative Wachstumsunterneh­men.[9] Besonders häufig wird der Begriff des Wachstumsunternehmens synonym für solche StartUps verwendet, denen ein besonders großes Unternehmenswachstum vor­hergesagt wird und damit große Gewinnmargen für Investoren zu erwarten sind.[10]

Im Sinne dieser Arbeit werden Wachstumsunternehmen als jüngst gegründete oder in den Gründungsvorbereitungen befindliche Jungunternehmen bezeichnet, die geringe finanzielle Mittel besitzen und deshalb auf eine externe Finanzierung für den Marktein­tritt angewiesen sind. Häufig bedarf es auch einer Unterstützung des Managements, weil Unternehmensstrukturen kaum ausgebildet sind und es den Gründern an Erfahrungen in der Unternehmensführung mangelt.

Im weiteren Verlauf der Arbeit wird der Begriff des StartUps für Wachstumsunterneh­men verwendet.

2.1.2 Gründungstheorien im Vergleich

„Heute nun sah ich mich endlich, endlich vor die Notwendigkeit des Beweises gestellt, nicht mehr Knecht, sondern Herr meiner Selbst zu sein Karl May (1842 - 1912), deutscher Schriftsteller Gründungsforschung und Entrepreneurship, die Lehre darüber, unternehmerische Gele­genheiten zu erkennen, zu nutzen und daraus neuartige Unternehmen zu schaffen[11], sind heutzutage wichtige Aspekte des Unternehmertums. Auch in der Wissenschaft erzielen diese Bereiche immer mehr Betrachtung und werden in stetig steigenden Gründungs­Vorhaben berücksichtigt[12]. Nicht nur die Verwirklichung einer neuen Geschäftsidee, sondern auch das Streben nach finanzieller Unabhängigkeit sind Gründe für den Schritt in die Selbständigkeit.[13] Ganz nach Karl May, ist es der Wunsch, selbst sein eigener Chef zu sein.

Heute kann nahezu jeder sein eigenes Unternehmen gründen. Da aber nicht alle Grün­dungen gleich verlaufen, ist eine Unterscheidung hinsichtlich verschiedener Gründungs­theorien erforderlich (vgl. Tabelle 1).

In Anlehnung an Achleitner und Nathusius erfolgt die Unterscheidung der Unterneh­mensgründungen anhand von vier verschiedenen Ebenen.

Ebene 1 und 2 beziehen sich auf die Gründungsart, während die Ebenen 3 und 4 sich auf die einzelnen Unternehmensarten beziehen und diese in verschiedene Gruppen auf­teilen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Gründungstheorien im Vergleich

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Achleitner und Nathusius 2004, S. 1 ff.

Darstellung der verschiedenen Ebenen der Gründungstheorien:

- Ebene 1:

Bereits die Begründer der Gründungsforschung in Deutschland, Szyperski und Nathusius (1977) sahen den Grad der Selbstständigkeit als wesentliches Merk­mal zur Unterscheidung einzelner Gründungsformen an. Selbstständige Grün­dungen werden durch einen Gründer oder ein Gründungsteam getätigt. Sie ste­hen in keinem Angestelltenverhältnis zum gegründeten Unternehmen und haben das Ziel der selbstständigen Unternehmensexistenz erreicht.[14] Im Gegensatz hierzu werden unselbstständige Unternehmensgründungen aus bereits existenten Unternehmensstrukturen heraus gegründet. Die Gründer und Geschäftsführer dieser Unternehmen stehen meist in einem Angestelltenverhältnis zur Initiatorin der Gründung, dem Mutterunternehmen.[15]

- Ebene 2:

Die Strukturexistenz unterscheidet nach derivativen und originären Gründungs­vorhaben. Derivative Gründungen erfolgen auf bereits existenten Unterneh­mensstrukturen. Durch vorhandene Strukturen und vorhandene Kontakte wird der Marktzugang für solche Unternehmen wesentlich erleichtert.[16] Im Allgemei­nen nimmt man unter einer Unternehmensgründung eine originäre Gründung an. Das Unternehmen wird neu aufgebaut, man kann nicht auf existente Strukturen zurückgreifen, es fehlen Branchenerfahrung und Unternehmenskontakte.[17] Zu­dem werden diese Unternehmen oft über sog. Wagnis- oder Beteiligungskapital finanziert und unterscheiden sich auch in dieser Hinsicht von den unselbständi- gen, derivativen Gründungen von Tochtergesellschaften.[18]

Die Kombination der vorangegangenen Ebenen führt zur Darstellung in einer Vier- Felder-Matrix, in der die einzelnen Unternehmensformen aufgezeigt werden (vgl. Ta­belle 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Gründungsformen

Quelle: Eigene Darstellung nach Szyperski und Nathusius 1977, S. 27

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird den Feldern Nr. 1-3 keine Beachtung ge­schenkt. Derivative und unselbstständige Unternehmensgründungen besitzen meist auf­grund der vorhandenen Strukturen und vorgegebenen Unternehmensstrategien der über­geordneten Organisation nur geringe Wachstumsambitionen oder Innovationsfähigkei­ten. Für die weitergehende Betrachtung in den Ebenen 3 und 4 sind ausschließlich die selbstständigen, originären Unternehmen von Bedeutung, da nur diesen ein entspre­chendes Wachstumspotential und Innovationsgrad zugeschrieben werden.

- Ebene 3:

Der für StartUps und junge Unternehmen häufig synonym verwendete Begriff des Wachstumsunternehmens weist bereits deutlich auf ein Unterscheidungskri­terium hin, nämlich die Fähigkeit, die Geschäftstätigkeit zu erhöhen und dadurch die Umsätze zu steigern. Das Wachstumspotential einzelner Unterneh­men lässt eine Unterscheidung nach verschiedenen Unternehmenstypen zu:[19]

1. Lifestyle-Ventures bezeichnen die mit etwa 90% häufigste Art der Unter­nehmensgründungen. Der Gründer versteht unter Lifestyle im wörtlichen Sinn seinen Lebensstil, sein Hauptmotiv für die Gründung, den Aufbau einer selbständigen Existenz. Lifestyle-Ventures besitzen nur ein geringes Wachs­tumspotential, weshalb sich nur eine Umsatzerwartung von unter 10 Mio. USD für einen Zeitraum von fünf Jahren prognostizieren lässt.

2. Middle-Market-Ventures bilden das Bindeglied zwischen den beiden anderen Unternehmenstypen. Gerade mal knapp 1/10 aller Unternehmensgründungen werden als Middle-Market-Ventures bezeichnet. Das Umsatzwachstum be­läuft sich auf 10-50 Mio. USD innerhalb der ersten fünf Geschäftsjahre.

3. High-Potentials begründen die letzte Venture-Art und sind gleichzeitig am seltensten. Lediglich 1% aller neu gegründeten Unternehmen werden als High-Potentials bezeichnet. Das Umsatzwachstum dieser StartUps wird für die ersten fünf Jahre nach der Gründung auf mehr als 50 Mio. USD ge­schätzt. Die Hauptziele sind für das Unternehmen Gewinn- und Umsatzma­ximierung. Durch hohe Wachstumsaussichten besitzt dieser Venture-Typ ei­nen weit höheren Finanzierungsbedarf als alle anderen Unternehmensfor­men.

- Ebene 4:

Während die derivative Gründung auf der Gründung eines Unternehmens, aus einem bereits existenten Unternehmen heraus beruht und somit lediglich eine Art der Weiterentwicklung vorhandener Unternehmensstrukturen darstellt, be­deutet die originäre Gründung, dass ein von Grund auf neues Unternehmen er­richtet wird. Weitergehend lässt sich diese Gründungsform hinsichtlich der Art des Unternehmens in imitative und innovative Unternehmen unterteilen.

Sog. imitative Unternehmen basieren meist auf einer bereits existenten Ge­schäfts- oder Produktidee und werden weitläufig als schlichte Existenzgründun­gen bezeichnet, da sie die Schaffung eines unabhängigen, selbstständigen Aus­kommens als Primärziel aufweisen[20]. Das Gegenstück hierzu bilden sog. innova­tive Unternehmen. Diese zeichnen sich durch neuartige Produkt- und Geschäfts­ideen aus und schaffen häufig einen völlig neuen Marktsektor bzw. dringen in noch nicht gesättigte Märkte ein. Die Mehrheit aller neu gegründeten Unterneh­men sind imitative Unternehmen. Innovative Gründungen zeichnen sich neben der neuartigen Geschäftsidee auch meist durch ein erhöhtes Risikopotential, wie auch durch erhebliche Anfangsinvestitionen aus[21].

2.1.3 Phasenspezifische Unternehmensentwicklung

Die Beurteilung der Entwicklung junger Unternehmen stellt einen entscheidenden Schwerpunkt der Gründungsforschung dar. Man unterscheidet zwischen sog. Stufen- und dem Evolutionsmodellen[22]. Die gängigste Methode zur Beschreibung der unter­nehmerischen Entwicklung ist aber das sog. Unternehmenslebenszyklusmodell, als Kombination beider Modelle. Hierbei wird, ähnlich wie bei einem Produktlebenszyklus, die Entwicklung in festgelegte, umsatzorientierte Phasen eingeteilt: In die Entwick- lungs-, Einführungs-, Wachstums-, Reife- und Rückgangsphase[23]. Während beim Pro­duktlebenszyklus der Umsatz- und Gewinnanteil eines einzelnen Produktes betrachtet wird, analysiert man beim Unternehmenslebenszyklusmodell den Umsatz und Gewinn des Gesamtunternehmens.

Weder ist in der wissenschaftlichen Literatur bislang der Begriff des StartUp- Unternehmens noch die Bezeichnung Unternehmenslebenszyklus einheitlich definiert. Vielmehr unterscheiden sich die verschiedenen Interpretationen bereits im Ansatz. Wit­tenberg (2006) beurteilt die Unternehmensentwicklung nach Metamorphose-, Krisen-, Marktentwicklungs-, Strukturänderungs-, Verhaltensänderungs- und Mischmodellen.

Mit Ausnahme der Krisenmodelle stellen alle Entwicklungsmodelle auf eine positive und kontinuierliche Unternehmensentwicklung ab. Krisenmodelle hingegen sind dadurch geprägt, dass auftretende Unternehmenskrisen jeweils zu einem Einschnitt in der aktuellen Entwicklung und folglich zu einer nachhaltigen Veränderung der Unter­nehmensentwicklung führen[24]. Portisch (2008) beschreibt den Unternehmenslebenszyk­lus als „dynamische wirtschaftliche Entwicklung eines Unternehmens von der Grün­dung, über das Wachstum, bis hin zur Reife und möglichen Krise, im Rahmen eines idealtypischen Prozesses.[25]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Darstellung der Entwicklungsphasen

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Geigenberger, S. 49; Klandt 2006, S. 53; Wittenberg 2006, S. 24 ff.; Szyperski und Nathusius 1977, S. 32 und Portisch 2008, S. 11 ff.

Abbildung 2 zeigt eine beispielhafte Darstellung der Unternehmensentwicklung anhand des Lebenszyklusmodells. Die gesamte Unternehmensentwicklung kann hierbei in drei große Phasen ein- und in verschiedene Entwicklungsstadien untergliedert werden. Bei Betrachtung der einzelnen Unternehmensphasen muss man sich stets vor Augen halten, dass es keinesfalls um zuvor festgelegte Zeitpunkte handelt. Der Übergang ist vielmehr fließend und einzelne Unternehmensphasen können durchaus übersprungen werden.

Die Vorgründungsphase, auch Seed-Phase genannt, stellt das erste Lebenszeichen eines Unternehmens dar.[26] Sie dient den Unternehmensgründem zur Ideenfindung, zur Aus­arbeitung des Businessplanes und anderen vorbereitenden Maßnahmen[27]. Die Vorgrün­dungsphase endet mit der offiziellen und materiell rechtlichen Gründung.

Während der sog. StartUp- oder auch Gründungsphase befindet sich das Unternehmen im Aufbau und ist mit der Ausarbeitung der Unternehmensstrukturen, sowie der Inves- torensuche beschäftigt[28].

Die Produkteinführung, der sog. Markteintritt, beendet die Gründungsphase und mar­kiert zugleich den Übergang in die übergeordnete Wachstumsphase[29]. Diese wird weiter unterteilt in die Phasen der Frühentwicklung und des Wachstums als solches. Wurde bislang nur wenig oder kein Umsatz erzielt oder gar Verlust gemacht, wird mit dem Erreichen der Frühentwicklungsphase (First-Stage-Phase)[30] ein erstes Umsatzwachstum angenommen. Erst die Betrachtung von Gewinn und Umsatz im Lebenszyklusmodell erlaubt die Abgrenzung zwischen Gründungs- und Frühentwicklungsphase. Verluste sind Kennzeichen für beide Phasen, präzise voneinander trennen lassen sie sich nur durch erste Umsätze[31].

Bis zum Erreichen des Break-Even-Points, der Gewinnschwelle, erwirtschaftet das Un­ternehmen zwar Umsätze, fährt aber noch Verluste ein. Erst in der Wachstumsphase (auch Second- und Third-Expansion-Phase)[32], wenn die Umsätze die Kosten überstei- gen, werden Gewinne erzielt[33].

Nach Szyperski und Nathusius (1977) besitzt das Unternehmen an diesem Punkt volle Marktakzeptanz und die Nachfrage nach den Produkten steigt konstant an. Im Idealfall steigen Umsatz und Gewinn im Anschluss an das Erreichen der Gewinnschwelle weiter an. Das Wachstum bedingt aber auch eine stetige Weiterentwicklung des Unterneh­mens.

Als Reife (auch Bridge-Phase) wird der Punkt bezeichnet, an dem das Unternehmen seine höchsten Gewinne erwirtschaftet. Häufig wird hierfür auch der Begriff der Konso­lidierung oder Sättigung verwandt und bezeichnet einen weiteren Scheitelpunkt in der Unternehmensentwicklung. Unternimmt der Unternehmer an diesem Punkt nicht die notwendigen Maßnahmen, um die Umsätze aufrecht zu erhalten oder zu erhöhen, wer­den diese vermutlich zurückgehen.

Innovative Unternehmen geraten oftmals durch imitierende Konkurrenzunternehmer in eine kritische Situation. Genau hier ist der Übergang in die zweite Wachstumsphase (auch Wende oder Exit) angesiedelt.[34] Entweder wird das Unternehmen weiterentwi­ckelt oder liquidiert. Aus diesem Grund bezeichnet man diesen Lebensabschnitt auch als Wende oder Schrumpfung, in der es gilt, die Umsätze durch Produktinnovationen wieder zu steigern und steigende Verluste bspw. durch Kostensenkungsprogramme zu vermeiden.[35]

Der idealtypische Verlauf der Unternehmensentwicklung lässt sich für sämtliche nach­folgenden Lebenszyklusphasen fortschreiben und ermöglicht somit konkrete Entwick­lungsprognosen.

2.2 Unternehmensfinanzierung

Der Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) veröffentlicht jährlich eine Statistik mit den wesentlichen Informationen über den sog. deutschen Be­teiligungsmarkt. Für das Jahr 2012 ermittelte der BVK, dass ca. 5,84 Mrd. € in insge­samt 1.227 deutsche Unternehmen investiert wurden. Bei einem, von den im BVK zu­sammengefassten Gesellschaften, verwalteten Gesamtkapital von etwa 42 Mrd. € und jährlich ca. 41.500 Finanzierungsanfragen, scheint dies eine äußerst schwache Ausbeute für Deutschlands Unternehmernachwuchs zu sein.[36]

Die Finanzierung junger Unternehmen nimmt in der Praxis einen hohen Stellenwert ein. Nur eine angemessene Finanzierung ermöglicht es den Gründern, ihre Ideen umzuset­zen und das Unternehmen am Markt zu platzieren.

Nachstehend soll aufgezeigt werden, welche allgemeinen Finanzierungsmöglichkeiten bestehen und welche Finanzierungsart für die empirische Untersuchung eine besondere Rolle spielt (vgl. Unterkapitel 2.2.1).

Um nachzuweisen, dass in Deutschland eventuell Lücken bei der Anschlussfinanzie­rung von StartUps bestehen, beschäftigt sich diese Arbeit ausdrücklich nicht mit den Instrumenten der Innenfinanzierung. Viel mehr wird, der Fokus auf die Beteiligungsfi­nanzierung durch private, wie auch institutionelle Investoren gelegt.

Es erfolgt daher eine Systematisierung der durch den Fragebogen angesprochenen In­vestorengruppen Business Angel und Venture Capital-Gesellschaften (vgl. Unterkapitel 2.2.2). Weiter wird die Unternehmensfinanzierung ähnlich der Unternehmensentwick­lung anhand verschiedener Phasen spezifiziert und beurteilt (vgl. Unterkapitel 2.2.3). In Unterkapitel 2.2.4 wird abschließend die mögliche Existenz einer Finanzierungslücke in Deutschland theoretisch erarbeitet.

2.2.1 Außenfinanzierung vs. Innenfinanzierung

Man unterscheidet im Wesentlichen zwei Obergruppen von Finanzierungsarten: die Innenfinanzierung und die Außenfinanzierung. Innenfinanzierung beschreibt den Pro­zess der eigenständigen und von Dritten unabhängigen Kapitalbeschaffung aus der lau- fenden Geschäftstätigkeit heraus.[37]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Allgemeine Finanzierungsarten

Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an Geigenberger 1999, S. 7.

Neben dem Merkmal der Innen- oder Außenfinanzierung müssen die verschiedenen Finanzierungsarten noch hinsichtlich der Art des Finanzierungskapitals unterschieden werden. Hierfür muss differenziert werden, ob es sich um Eigen- oder Fremdkapital handelt.

Zur Innenfinanzierung zählt unter anderem die Gewinnthesaurierung, auch als Selbstfi­nanzierung aus Gewinnen bezeichnet, die Finanzierung durch Kapitalfreisetzung sowie die Finanzierung aus Rückstellungen.

Bei der Gewinnthesaurierung werden Anteile des Unternehmensgewinns nicht ausge­schüttet, sondern dem Eigenkapital des Unternehmens wieder zugeführt und dienen somit der Finanzierung von innen heraus[38]. Der Finanzierungseffekt erfolgt hierbei durch die Erhöhung des vorrangig haftenden Eigenkapitals.

Bei einer Finanzierung durch Kapitalfreisetzung hingegen wird nichtbetriebsnotwendi­ges Vermögen umgeschichtet. Dies ist eine Finanzierungsmöglichkeit, die den Gegen­wert eines verkauften Gegenstandes den Unternehmensfinanzen zuführt. Veräußert das Unternehmen betriebsnotwendiges Vermögen, wie bspw. Maschinen und Anlagen oder Grundstücke und Gebäude und mietet diese Vermögensgegenstände im Anschluss vom Käufer zurück, spricht man vom „Sale-and-Lease-Back-Prinzip“[39].

Solche Leasingtransaktionen führen zu einer Verkürzung der Bilanzsumme, die zu einer Erhöhung der Eigenkapitalquote führt und somit die eigene Position gegenüber potenti­ellen Kapitalgebern stärkt.[40] Auch eine Verringerung der Vorräte führt zu geringerer Kapitalbindung und dient somit ebenfalls der Unternehmensfinanzierung, da das einge­sparte Kapital anderweitig verwendet werden kann.

Als letzte Methode der Innenfinanzierung soll hier die Finanzierung aus Rückstellungen dargestellt werden. Rückstellungen werden für zukünftige Verbindlichkeiten oder dro­hende Verluste gebildet (Bspw. Pensionsrückstellung zur Sicherung der betrieblichen Altersversorgung der Angestellten). Die vom Unternehmer aufgewendeten Beträge stel­len Lohn- und Gehaltsaufwendungen dar, die jedoch erst bei Fälligkeit ausgezahlt wer­den. Bis zum Auszahlungszeitpunkt werden diese Verbindlichkeiten im Unternehmen gehalten und nehmen daher keinen Einfluss auf den jährlichen Unternehmensgewinn. Da Rückstellungen ebenfalls aus den Umsatzerlösen generiert werden und erst in der Zukunft abfließen werden, handelt es sich um eine weitere Möglichkeit der Innenfinan- zierung[41].

Die genannten Instrumente der Innenfinanzierung ermöglichen es dem Unternehmen, einen gewissen Anteil des gesamten Finanzierungsbedarfs selbst zu tragen. Gerade Star­tUps stehen jedoch häufig vor großen Investitionen, um die Geschäftstätigkeit aufzu­nehmen. Für diese Kapitalbedürfnisse bietet sich die Möglichkeit der Außenfinanzie­rung an. Bei der Außenfinanzierung wird das Kapital von außerhalb des Unternehmens angesiedelten Kapitalgebern bereitgestellt. Grundsätzlich unterscheidet man in diesem Zusammenhang zwischen der sog. Beteiligungsfinanzierung, und der Fremdfinanzie­rung.

Während bei Beteiligungsfinanzierungen dem Investor für die Kapitalbereitstellung Anteile und somit auch Mitspracherechte am Unternehmen gewährt werden, wird dem Unternehmen im Rahmen einer Fremdfinanzierung vorrangiges Fremdkapital zur Ver­fügung gestellt.

Der Beteiligungsinvestor vergibt nachrangiges Eigenkapital, wodurch er aktiv am Ge­winn des Unternehmens teilhat, während der Fremdkapitalgeber hingegen ausschließ­lich Zins- und Tilgungsansprüche gegenüber dem Unternehmen erwirbt[42]. Kredit- und Versicherungsinstitute stellen typische Fremdkapitalgeber dar. Zwar gibt es auch auf Jungunternehmen spezialisierte Darlehensarten, jedoch erfolgt eine solche Finanzierung über Darlehen aufgrund der geringen, den Banken zur Verfügung stehenden Informati­onen nur sehr selten. Gerade Hightech-StartUps haben meist aufgrund des benötigten Finanzierungsbedarfs schlechte Kreditvoraussetzungen.[43] Aus diesem Grund wird die Finanzierung über typische Fremdkapitalgeber nicht weitergehend thematisiert.

2.2.2 Systematisierung der Beteiligungsinvestoren

Banken oder Versicherungsinstitute erwarten für das von ihnen zur Verfügung gestellte Fremdkapital eine angemessene Verzinsung. Diese Zinsen sind im Unternehmen als Verbindlichkeit zu bilanzieren. Demgegenüber wird Beteiligungskapital unverzinslich als Eigenkapital in das Unternehmen eingebracht.[44] Der Beteiligungsinvestor erhält dadurch einen Anteil am Unternehmen und kann die Geschicke des Unternehmens mit­bestimmen.

Häufig werden die Begriffe Beteiligungskapital, Venture Capital (VC), Private Equity (PE) und Wagnis- oder Risikokapital synonym verwendet.[45] Allen Begriffen gemeinsam ist die risikobehaftete Kapitalbereitstellung, die seitens des Kapitalgebers weder Verzin- sungs- noch Rückzahlungsansprüche gegenüber dem Kapitalnehmer garantiert.[46] Allerdings darf man die feinen Unterschiede zwischen Venture Capital und des Private Equity nicht unberücksichtigt lassen.[47]

Die wörtliche Übersetzung des Begriffs Private Equity offenbart seine wahre Bedeu­tung: privates Eigenkapital, das einem Unternehmer von einem Investor außerhalb jeg­licher Börsenaktivität zur Verfügung gestellt und deshalb auch als außerbörsliches Ei­genkapital bezeichnet wird[48]. Übersetzt man hingegen den Ausdruck Venture Capital, so finden sich häufig die Begriffe Wagnis- oder Risikokapital oder auch Wachstumska­pital wieder.[49] Die Interpretationsvielfalt dieses Begriffes ist somit sehr hoch, eine ein­heitliche Übersetzung hat sich bisher weder in der Literatur noch in der Praxis heraus­gebildet.

Venture Capital bezeichnet durchweg die Kapitalbereitstellung für Jungunternehmen[50] und bildet damit einen Teilbereich des gesamten Private Equity-Geschäfts.[51]

Unter diesem Oberbegriff fasst man einerseits alle privaten Beteiligungen zusammen, zum anderen versteht man auch eine spezielle Finanzierungsart darunter, nämlich die Finanzierung von am Markt etablierten Unternehmen mit Wachstumspotential[52]. So versteht man unter Private Equity- Transaktionen die mehrheitliche Übernahme eines Unternehmens und nicht den Erwerb einzelner Anteile (sog. Minderheitsbeteiligung)[53], wie es beim allgemeinen Venture Capital der Fall ist.[54]

Darüber hinaus unterscheidet man nach formellem und informellem Beteiligungskapital. Im ersten Fall wird Kapital durch einen Capital-Fonds und einen kapitalverwaltenden Intermediär bereitgestellt. Informelles Beteiligungskapital hingegen wird direkt, ohne Zwischenschaltung eines Intermediär zur Verfügung gestellt, oft von den Familien, von Freunden oder Bekannten.[55] Vornehmlich aber bringen Business Angels direkte Beteili­gungen ein und stellen informelles Beteiligungskapital zur Verfügung.

2.2.2.1 Business Angel

Weitläufig werden wohlhabende Unternehmer, die sich mit ihrem eigenen Kapital an jungen Ideen beteiligen und neben dem Kapital auch Fachwissen und Managementun­terstützung zur Verfügung stellen, als Business Angel (BA)bezeichnet.[56] Man bezeich­net die zwei Tätigkeitsfelder des Business Angels, Kapitalbereitstellung und Know- How-Trägerschaft als seine Engelsflügel[57]. Auch wenn die Hauptmotivation eines BA nach Wohltat klingt, so will schlussendlich jeder Privatinvestor eine angemessene Ren­dite erzielen. Hierfür stellt er sein Kapital, sein Wissen, seine Netzwerke und Kontakte zur Verfügung und bietet darüber hinaus dem jungen Unternehmen eine intensive Be­treuung.[58]

Auf Basis einer deutschlandweiten Umfrage ergaben sich für den durchschnittlichen deutschen Business Angel folgende Eckdaten:

- Männlich,
- Alter zwischen 40 und 55 Jahren,
- branchenübergreifende Berufserfahrung in den Bereichen IT und Dienstleis­tungsgewerbe,
- geschätztes Privatvermögen (pro BA) von 2,5 bis 5 Mio. EUR und
- eine maximale Investitionssumme von meist nicht mehr als 500.000 EUR.[59]

Ein professionelles Auftreten der Unternehmensgründer und eine klare, zielgerichtete Präsentation des Businessplans wirken sich durchaus positiv aus und fördern die Bereit­schaft eines BA, sein Kapital in das Unternehmen zu investieren.[60] Es sind häufig indi­viduelle, weniger rationale Entscheidungen, die einen BA zu einer solchen emotionalen Investition, auch „emotional investing“ genannt, bewegen.[61]

Aufgrund des verhältnismäßig geringen Investitionsvolumens eines einzelnen Business Angels gegenüber dem meist deutlich höheren Finanzierungsbedarf des StartUps, wer­den häufig mehrere Business Angels (BAs) dazu veranlasst, gemeinsame Investitionen in ein Unternehmen zu tätigen (sog. Business Angel Syndikat).[62] In Deutschland können einzelne Investoren über das Business Angels Netzwerk Deutschland (BAND) akqui­riert werden.[63] Dabei unterscheiden sich die Investoren nach dem einkommensorientier­ten, dem Rendite maximierenden, dem sog. Corporate Angel und dem unternehmeri­schen Typus.[64]

Die unterschiedlichen Arten werden nachstehend in Tabelle 3 erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 3: Unterschiedliche Business Angel-Typen Quelle: Eigene Darstellung nach Müller et al. 2012, S. 217 f.

[...]


[1] Vgl.Kobrin2010, S. 17 f.

[2] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie 10.05.2013, Rn. 1.1.

[3] Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie 2012, S. 4 f.

[4] Vgl. Hemetsberger 2014.

[5] Vgl. Wittenberg 2006, S.31f.

[6] Vgl. Schultz 2011, S. 33.

[7] Vgl. Achleitner und Nathusius 2004, S. 4 f.; Langenberg 2009, S. 20.

[8] Vgl. Schultz 2011, S. 37.

[9] Vgl. Langenberg 2009, S. 15 f.; Schultz 2011, S. 33.

[10] Vgl. Bretteletal., S. 1.

[11] Vgl. Fueglistaller et al. 2012, S. 26 f.

[12] Vgl. Börner und Grichnik 2005, S. 4 f.

[13] Vgl. Geigenberger 1999, S. 32.

[14] Vgl. Szyperski und Nathusius 1977, S. 26.

[15] ebd. S. 26 f.

[16] Vgl. Fallgatter 2007, S. 25.

[17] Vgl. Achleitner und Nathusius 2004, S. 2.

[18] Vgl. Fallgatter 2007, S. 25.

[19] In Achleitner undNathusius 2004, S. 2 f. nach Bygrave und Zacharakis 1999, S. 185 f. sowie Timmons 1999, S. 420 f.

[20] Vgl. Wittenberg 2006, S.21.

[21] Vgl. Daferner 1999, S. 34.

[22] Vgl. Greiner 1972, S. 37 ff.

[23] Vgl. Szyperski und Nathusius 1977, S. 30 ff. und Matys 2011, S. 134 ff.

[24] Vgl. Wittenberg 2006, S. 24 f.

[25] Portisch 2008, S. 11.

[26] Vgl. Guggemoos 2011, S. 61.

[27] Vgl. Klandt 2006, S. 53.

[28] Vgl. Marek 2010, S. 40.

[29] Vgl. Wittenberg 2006, S. 29.

[30] Vgl. Klandt 2006, S. 54.

[31] Vgl. Szyperski und Nathusius 1977, S. 31.

[32] Vgl. Klandt 2006, S. 54.

[33] Vgl. Wöhe und Döring 2010, S. 918.

[34] Vgl. Szyperski und Nathusius 1977, S. 32.

[35] Vgl. Portisch 2008, S. 14.

[36] Vgl. Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften 2013, S. 2.

[37] Vgl. Spremann 2010, S. 56.

[38] Vgl. Wöhe 2011, S. 397.

[39] Vgl. Wöhe 2011, S. 437.

[40] Vgl. Goeke 2008, S.151 f.

[41] Vgl. Wöhe 2011, S. 425.

[42] Vgl. Klandt 2006, S. 63 ff.

[43] Vgl. Röhl 2010, S. 9 ff.

[44] Vgl. Grabotz 2011, S. 15.

[45] Vgl. Schopphoff 2010, S. 35.

[46] Vgl. Portisch 2008, S. 82.

[47] Vgl. Eilers et al. 2012, S. 1 ff.

[48] Vgl. Jesch 2008, S. 149.

[49] Vgl. Jesch 2008, S. 211.

[50] Vgl. Jesch 2008, S. 211.

[51] Vgl. Grabotz 2011, S. 16.

[52] Vgl. Eilers etal. 2012, S. 2.

[53] Vgl. Daferner 1999, S. 162.

[54] Vgl. Eilers etal. 2012, S. 7.

[55] Vgl. Bomholt 2006, S. 87 f.

[56] Vgl. Röhl 2010, S. 31.

[57] Vgl. Kollmann 2005, S. 54.

[58] Vgl. Klandt 2006, S. 69.

[59] Vgl. Wiedmann 2003, S. 118 f.

[60] Vgl. Günther 2012, S. 56.

[61] Vgl. Müller et al. 2012, S. 219.

[62] Vgl. Raueiser 2007, S. 35-37.

[63] Vgl. Günther 2012, S. 29.

[64] Vgl. Müller et al. 2012, S. 217.

Details

Seiten
97
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656629115
ISBN (Buch)
9783668102095
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271901
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen; Standort Geislingen – Fakultät Wirtschaft und Recht
Note
1,6
Schlagworte
Venture Capital Crowd funding Business Angel StartUps Corporate Finance Wachstumsunternehmen Unternehmensfinanzierung Investition und Finanzierung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: The Funding Gap. Eine Analyse der Ursachen zur Entstehung einer Finanzierungslücke bei deutschen Wachstumsunternehmen