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Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki

Von Pearl Habor bis Nagasaki

Seminararbeit 2011 17 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Moderne Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Forschungsstand

2 Der Weg zum atomaren Holocaust – Vom Beitritt der USA in den II. Weltkrieg am 8. Dezember 1941 bis zur Vernichtung der japanischen Stadt Nagasaki am 9. August 1945
2.1 Die Beendigung der japanischen Expansion im Pazifikraum und der erste Gewinner des II. Weltkrieges
2.2 Vom mühsamen Kampf im Pazifik – Das „Inselhüpfen“ und die Rückdrängung des japanischen Kaiserreichs
2.3 Exkurs: Das Manhattan Project
2.4 Das Ende eines Krieges mit der Vernichtung zweier Städte

3 Die kritische Auseinandersetzung mit den Atombombenabwürfen
3.1 Zur Frage der Notwendigkeit der Bombenabwürfe
3.2 Was ist in einem Krieg erlaubt und wo fängt das Kriegsverbrechen an?

4 Die Bewältigung der Vergangenheit und offene Fragen

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Fragestellung

Mit der Entwicklung und den Abwürfen der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki ist die Menschheit nicht nur wissenschaftlich und militärisch, sondern auch weltpolitisch in ein neues Zeitalter eingetreten: das Atomzeitalter. In der folgenden Seminararbeit wird versucht, diesen Übergang und wie es dazu kam zu erläutern und kritisch zu bewerten. In den Fokus geraten dabei besonders die Vereinigten Staaten von Amerika als Entwickler der ersten Atombombe und das Japanische Kaiserreich unter Tenno Hirohito als erster und bisher einziger Staat, der jemals die verheerenden Auswirkungen von Atombomben auf Städte bewältigen musste. Die zeitliche Eingrenzung ist der Pazifikkrieg, der offiziell mit dem Kriegseintritt der USA nach dem Angriff auf Pearl Harbor erfolgte, bis zum Abwurf der zweiten Atombombe auf Nagasaki im August 1945. Als Exkurs soll dargestellt werden, wie es überhaupt zur Entwicklung der ersten Atombombe kam und welche Personen maßgeblichen Anteil daran hatten.

Der Schwerpunkt der Arbeit wird jedoch die Beurteilung der Bombeneinsätze sein: Welche Notwendigkeit bestand für den Einsatz der Atombomben? Welche Motive können ausgeschlossen werden? Inwieweit war der Einsatz der Bomben ein Kriegs- und Menschenrechtsverbrechen? Außerdem zeigt die Arbeit, wie mit der Geschichte von Hiroshima und Nagasaki aus Sicht der USA und deren Einflusssphäre einerseits und Japan andererseits umgegangen wird und welche noch offenen Fragen sich stellen. Der erste Grund für die Auswahl des Themas war der aktuelle Bezug zur Atomdiskussion nach der Katastrophe in Fukushima, wo sich viele die Frage stellten: Wieso setzt das Land, welches die Gefährlichkeit der Atomkraft zu spüren bekam, in solch einem Maße auf Atomenergie? Der zweite Grund ist die andauernde Gültigkeit der Frage zur Haftbarkeit der USA, insbesondere für den Abwurf der Bombe auf Nagasaki, da Washington es bis zum heutigen Tage nicht geschafft hat, sich durchzuringen, das Geschehene als Unrecht anzuerkennen.[1] Dies spiegelt auch der „Schulbuchstreit von 1982“[2] in Japan wider, in dem es nicht nur um die Kriegsschuldfrage Japans im Zweiten Weltkrieg ging, sondern auch darum, wie das Nachkriegsjapan mit dem Vermächtnis von Hiroshima und Nagasaki umgehen soll, ohne einen diplomatischen Konflikt mit der Schutzmacht USA heraufzubeschwören.

1.2 Forschungsstand

Zum untersuchten Thema gibt es zahlreiche Literatur aus verschiedenen Zeiträumen und Regionen, jedoch eine wirkliche detaillierte Auseinandersetzung mit den Bombenabwürfen findet vorwiegend im englischsprachigen Raum statt. Dies zeigt sich unter anderem bei den verhältnismäßig wenigen Aufsätzen zu den Atombomben in deutschsprachigen Zeitschriften. Häufig erfolgt eine einseitige Konzentration auf explizite Details, ohne die großen Zusammenhänge zu erläutern oder Entscheidungen zu hinterfragen. So beschäftigen sich einige Titel mit der technischen Konstruktion der drei Atombomben des Zweiten Weltkrieges (Rhodes, 1988), während in anderen Artikeln die diplomatischen Auswirkungen erörtert werden (Matthias, 1964). Was jedoch alle gemeinsam haben, ist der Fakt, dass jede Veröffentlichung durch die gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse ihrer Zeit geprägt ist. Auffällig wird dies bei dem Diskurs über die Notwendigkeit des Einsatzes der Atombomben. Herauskristallisiert haben sich dabei zwei Gruppen: die Traditionalisten, welche den Einsatz der Nuklearwaffen verteidigen, und die Revisionisten, welche ihn verurteilen, zum Teil auch als verbrecherischen Akt. Zu Beginn des Kalten Krieges setzte sich, insbesondere in den USA, die Meinung der Traditionalisten durch, während mit zunehmender Veröffentlichung von Dokumenten über das Manhattan Project die Meinung der Revisionisten bis heute immer mehr Zuspruch findet .[3] Des Weiteren ist auffällig, dass in den Lehr- und Schulbüchern, insbesondere in Deutschland, dem Thema wenig Platz eingeräumt wird und die Geschehnisse um das Manhattan Project häufig totgeschwiegen werden.[4]

2 Der Weg zum atomaren Holocaust – Vom Beitritt der USA in den II. Weltkrieg am 8. Dezember 1941 bis zur Vernichtung der japanischen Stadt Nagasaki am 9. August 1945

2.1 Die Beendigung der japanischen Expansion im Pazifikraum und der erste Gewinner des II. Weltkrieges

8. Dezember 1941: Einen Tag nach dem überraschenden Angriff auf Pearl Harbor erklärten die Vereinigten Staaten von Amerika dem Japanischen Kaiserreich den Krieg und traten damit offiziell an der Seite der europäischen Alliierten in den Zweiten Weltkrieg ein. Inwieweit das Adjektiv „überraschend“ zutrifft, ist jedoch bis heute unter Historikern umstritten. Was aber das Entscheidende für den Verlauf des Krieges war, war die Tatsache, dass der Angriff ohne vorherige Kriegserklärung seitens Japans stattfand.[5] Dies ermöglichte dem damaligen US-Präsidenten F.D. Roosevelt nicht nur außenpolitische Vorteile, sondern insbesondere innenpolitisch konnte die Regierung Roosevelts von Pearl Harbor profitieren.

Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten hatte sich schon kurz nach dem Münchener Abkommen auf einen Krieg vorbereitet. So hatte der am 4. März 1933 gewählte Roosevelt beim US-Kongress eine Erhöhung des Verteidigungsetats um 300 Millionen Dollar und 1939 nochmals um 1,3 Milliarden Dollar beantragt, welche größtenteils in der Rüstungsindustrie eingesetzt werden sollten.[6] Des Weiteren wurde die Obergrenze der US-Staatsschulden 1940 auf 49 Milliarden Dollar[7] erhöht, wodurch der Staat einerseits in der Lage war, mehr Kriegsgüter bei Unternehmen zu erwerben, andererseits sich aber zunehmend verschuldete. Was sich jedoch negativ auf die Wirtschaftslage der USA auswirkte, waren die großen Unterschiede in der Einkommensverteilung: Der Anteil der reichsten 5% der Bevölkerung am nationalen Gesamteinkommen lag bei 26%, während der der ärmsten 40% bei nur 13% lag.[8] Als es aufgrund der Rezession von 1937/38 in den USA auch noch zu einem starken Anstieg der Arbeitslosen von 7 auf 11 Millionen[9] kam, wurde die Unzufriedenheit der Bevölkerung an der Regierung immer größer, was sich auch am Rückgang der Wählerstimmen Roosevelts von 61% der Stimmen 1936 auf 55% im Jahr 1940[10] ausdrückte.

Mit dem Angriff auf Pearl Harbor im Dezember 1941 änderte sich die Situation schlagartig. Die USA konnte ihre Kriegswirtschaft nun ungehemmt ankurbeln, ohne als Aggressor dazustehen. Die gesamte US-Wirtschaft wurde unter die Kontrolle des „ Office of War Mobilization“ gestellt und die USA „war zur größten Waffenschmiede der Welt geworden und stellte allein mehr Kriegsmaterial her als alle Achsenmächte zusammen“.[11] Die Zahl der Truppenstärke nahm um 1,4 Millionen auf nun 16,3 Millionen[12] zu, was rund 11% der Gesamtbevölkerung zu dem Zeitpunkt ausmachte.[13] Von der neuen Veränderung der Einkommensverteilung profitierte insbesondere der Mittelstand, der sich mehr als verdoppelte. Die öffentliche Meinung veränderte sich prompt, man stand nun geschlossen hinter dem Präsidenten und seiner Regierung im Kampf gegen den japanischen Feind.[14] Die vor dem Krieg entstandenen Probleme wurden durch den Angriff auf Pearl Harbor relativiert, wenn nicht teilweise sogar beseitigt – die USA hatten ihren ersten Sieg im Zweiten Weltkrieg errungen, wenn auch zum Preis von 2335[15] Menschenleben.

Richtete sich der Blick des Betrachters auf die andere Seite des Pazifiks, so sah er 1941 eine asiatische Großmacht, die schon seit Juli 1937[16] im Zweiten Weltkrieg kämpfte und deren Expansion immer stärker voranschritt. Das große Problem Japans war jedoch die wirtschaftliche Lage. Japan war damals wie heute extrem vom Import von Bodenschätzen und Produktionsgütern abhängig, wodurch sich auch der expansive Drang Japans erklären ließ. So wurden Kohle und Erze aus der 1932[17] annektierten Mandschurei, Gewürze und geringe Mengen Kautschuk aus dem 1940 von den Franzosen eroberten Indochina importiert.[18] Was blieb, war aber die enorme Abhängigkeit Japans vom amerikanischen Stahl, Kautschuk und Öl. Als die USA aufgrund der starken Expansion Japans schließlich ein Embargo der oben genannten Güter über Japan verhängten und japanische Konten in den USA eingefroren wurden, war Japan gezwungen, weiter Richtung Pazifik und Südostasien zu intervenieren.[19]

[...]


[1] Vgl. Coulmas, Florian: Hiroshima: Geschichte und Nachgeschichte. München 2010, S. 119.

[2] Fuhrt, Volker: Erzwungene Reue: Vergangenheitsbewältigung und Kriegsschulddiskussion in Japan
1952-1998. Hamburg 2002, S. 80.

[3] Vgl. Krebs, Gerhard: Das moderne Japan 1868-1952: Von der Meiji-Restauration bis zum
Friedensvertrag von San Francisco. München 2009, S. 176-178.

[4] Vgl. Coulmas, S. 96.

[5] Vgl. Sautter, Udo: Lexikon der amerikanischen Geschichte. München 1997, S. 290.

[6] Vgl. Dippel, Horst: Die Geschichte der USA. 9.Auflage, München 2010, S. 94.

[7] Vgl. Adams, Willi Paul: Die USA im 20. Jahrhundert. München 2000, S. 70.

[8] Vgl. Dippel, S. 96.

[9] Vgl. Ebenda, S. 92.

[10] Vgl. Dippel, S. 95.

[11] Ebenda, S. 96.

[12] Vgl. Adams, S. 72.

[13] Vgl. Dippel, S. 97.

[14] Vgl. Ebenda, S. 70.

[15] Vgl. Adams, S. 71.

[16] Vgl. Coulmas, Florian; Stalpers, Judith: Japan: Die 101 wichtigsten Fragen. München 2011, S. 26.

[17] Pohl, Manfred: Geschichte Japans. 4. Auflage, München 2008, S. 72.

[18] Vgl. Coulmas; Stalpers, S. 26-27.

[19] Vgl. Krebs, S. 75.

Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656642237
ISBN (Buch)
9783656642190
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271900
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Historisches Institut
Note
1,0
Schlagworte
Atombombe Atomkraft Hiroshima Nagasaki Geschichte Japans Geschichte USA Manhattan Project Truman Roosevelt

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Titel: Die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki