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Max Weber - Merkmale einer bürokratischen Organisation

Seminararbeit 2002 10 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Idealtyp: Bürokratische Organisation
1.1) Webers Begriffsystem
1.2) Merkmale bürokratischer Organisationen

2.) Bürokratische Organisationsgestaltung
2.1) Vorzüge
2.2) Nachteile

3.) Perspektive bzgl. d. Organisationsgestaltung
3.1) Beschäftigte
3.2) Führungsebene
3.3) Klienten

4.) Beispiele von Dienstleistungsorganisationen
4.1) Praxisfeld: Sozialer Bereich

1.) Idealtyp: Bürokratische Organisation

Das begriffliche System von Max Webers Bürokratietheorie besteht aus

sogenannten Idealtypen. In seiner Typologie unterscheidet er drei ver-

schiedene Ansätze:

a) traditionale Herrschaft
b) rational-legale Herrschaft
c) charismatische Herrschaft.[1]

An dieser Stelle soll nur die rational-legale Herrschaft beleuchtet werden.

Sie ist die Herrschaftsform, die den Idealtyp einer bürokratischen Organi-

sation beschreibt.

Der Idealtypus ist ein Mittel zur Abstraktion komplexer Realität, also ein

Modell. Weber betont in seinen Lehren, dass tatsächliches Handeln selten

und dann auch nur annäherungsweise so verläuft, wie das Modell des Ideal-

typus es vorsieht.

Die Konsequenz ist, dass der sog. Idealtypus der bürokratischen Herrschaft empirisch nicht vorzufinden ist.

1.1) Webers Begriffsystem

Max Weber gilt als einer der Gründungsväter der deutschen Soziologie und

war der Vorreiter für grundlegende methodologische Erkenntnisse in dieser

noch sehr jungen Wissenschaft.

Weber, von Hause aus Jurist, war er eine internationale Schlüsselfigur in

der wissenschaftlichen Landschaft seiner Zeit. Er hat auch nachhaltig wert-

volle Errungenschaften für das interdisziplinäre Verständnis von Soziologie, Ökonomie und Rechtswissenschaft erzielt.[2]

Die Begriffe Macht und Herrschaft haben in Webers Bürokratie-Ansatz

eine zentrale Bedeutung stehen in einem sehr engen Sinnzusammenhang.

Weber unterscheidet Macht und Herrschaft indem er Macht als etwas

definiert, das innerhalb sozialer Beziehungen andauernd gegen den Willen

eines Untergebenen ausgeübt wird. Herrschaft wird von ihm als Spezialfall

von Macht gesehen. Sie ist für ihn mit einem gewissen Maß an Einverständnis

seitens des Beherrschten verbunden und fordert ein "Gehorchen-wollen" des Untergebenen.[3]

Die bürokratische (rational-legale) Herrschaft ist Kern der Bürokratietheorie.

Sie ist sozusagen "Keimzelle" des modernen Staates; denn es gilt: wer den

Apparat beherrscht, beherrscht auch das System. Herrschaft ohne Bürokratie

ist in modernen Gesellschaften undenkbar.

1.2) Merkmale bürokratischer Organisationen

Es gibt laut Weber[4] acht verschiedene Merkmale, die den Idealtypus einer

bürokratischen Organisation kennzeichnen.

Die sog. "Regelgebundenheit der Amtsführung" besagt, dass die Beamten

den im Sinne ihrer Dienstpflicht zugeordneten Regeln unterworfen sind.

Diese Regeln beruhen auf Satzungen, nach denen in Rechtssprechung und

Verwaltung verfahren wird.

Als nächster Punkt wären die "Kompetenzbereiche" zu erwähnen. Die Ab-

grenzung der Kompetenzbereiche ist durch oben genannte Regelgebunden-

heit geordnet. Das heißt, dass es für jeden Beamten in den Verwaltungsvor- schriften fest vorgeschriebene, abgegrenzte Bereiche von Leistungspflichten

gibt.

Das "Prinzip der „Amtshierarchie" (Instanzenzug) ist - wie der Name schon

sagt - ein hierarchisches geordnetes System, in dem die Behörden unterteilt

werden. Hierbei werden die sog. "Unteren" von den "Oberen" beaufsichtigt

und kontrolliert. Weiterhin regelt dieses Prinzip auch die Beschwerderechte

der einzelnen Instanzen zu- und untereinander.

Die "Aktenmäßigkeit der Verwaltung" sagt aus, das die Aktenführung auf

Schriftstücken basiert und in einem Büro oder einem Verwaltungsgebäude,

also nicht in einem privaten Wirkungskreis, ausgeführt wird.

Die "Unpersönlichkeit der Amtsführung" besagt lediglich, dass der Kontakt

der Beamten untereinander so unpersönlich und sachlich wie möglich sein

sollte. Weber betont, dass seiner Auffassung nach der monokratische Charak-

ter der Bürokratie im Gegensatz zum kollegialen Charakter zur Effizienz der

Arbeitsleistung beitrage.

Die Stelleninhaber müssen vor der Amtsübernahme über die für ihren Beruf erforderlichen Kenntnisse verfügen. Das heißt, das die "Qualifikationserfor-

dernisse" durch fachliche Schulungen und Prüfungen erbracht sein müssen.

Mit dem hierarchischen Prinzip in Organisationen ist die "Laufbahn" und

damit die Aufstiegsmöglichkeit angebunden, die nicht nur von der Leistungs-

fähigkeit und der Motivation abhängig ist, sondern auch maßgeblich von

dem Dienstalter und der Qualifikation des Beamten abhängt. Weiterhin be-

kommt der Stelleninhaber ein festes, regelmäßiges Gehalt. Auch dieses ist

angepasst an das Dienstalter und die Qualifikation.

Der Beamte arbeitet in der Regel lebenslänglich in seiner Position. Er ist sozu-

sagen "unkündbar" - dadurch ist seine Pensionierung sichergestellt. Die Bedingun-

gen, an die das Arbeitsverhältnis geknüpft sind, werden in einen "Arbeitsvertrag"

fixiert. Sie sind durch die Verschriftlichung fest geregelt und auch, für beide Parteien,

d.h. für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, bindend

[...]


[1] Erich Weede, Mensch und Gesellschaft – Soziologie aus der Perspektive

des methodischen Individualismus, Tübingen 1992, Seite 170 ff.

[2] Dr. Herlinde Maindok, hrsg. v. Arno Mohr, Einführung in die Soziologie,

München, 1998, S. 20-22

[3] Erich Weede, Mensch und Gesellschaft – Soziologie aus der Perspektive

des methodischen Individualismus, Tübingen 1992, Seite 170

[4] Inhalte zu 1.2): Ebd., S. 170 ff. und Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft,

5. Auflage, Tübingen, 1972, S. 124 ff.

Details

Seiten
10
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638293051
ISBN (Buch)
9783638813549
Dateigröße
437 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v27189
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Sozial- und Organisationspädagogik
Note
2,1
Schlagworte
Weber Merkmale Organisation Handeln Organisationen

Autor

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Titel: Max Weber - Merkmale einer bürokratischen Organisation