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Leben und Wirken der Adelheid von Burgund

Handlungsspielräume einer consors regni

von Anis Grün (Autor)

Seminararbeit 2011 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Adelheids Leben als Königin

3. Der Weg auf den Kaiserthron

4. Handlungsspielräume einer consors regni

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen meiner Hausarbeit zum Oberthema „ottonische Königinnen“ werde ich im Folgenden beispielhaft das Leben und Wirken der Adelheid von Burgund näher beleuchten. Zunächst wird es auf Grundlage eines biographischen Ansatzes um die erste Hälfte des Lebens der aus königlicher Herkunft stammenden Adelheid gehen. Des Weiteren wird es im Speziellen um ihren Weg auf den Kaiserthron und um ihre politische Einflussnahme als Kaiserin des Abendlandes gehen. Wie schaffte es Adelheid, die aus Sicht ihres Biographen die schwersten und unvorstellbarsten Schicksalsschläge zu erleiden hatte, gleichzeitig jedoch fromm, großzügig, herzenswarm und voller Tapferkeit geblieben sein soll, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und Kaiserin zu werden? Was machte sie zur „Mutter der Königreiche und Mutter Europas“?[1] In Bezug auf ihre Regentschaft von 962 bis 973 an der Seite ihres Ehemanns Kaiser Otto dem Großen, wird sich der zweite Teil der Abhandlung mit Adelheids Stellung als weibliche Mitregentin, sowie mit ihren Rechten und Pflichten als Kaiserin befassen: Hatten die Herrscherinnen des Hochmittelalters ein politisches Mitspracherecht und wenn dieses zutraf, wie sah es insbesondere im Fall der Adelheid von Burgund aus? Außerdem wird es in der Hausarbeit um allgemeine Pflichten und Aufgabenfelder der ottonischen Herrscherin gehen. Als Quellengrundlage soll mir vor allem die Lebensbeschreibung Epitaphium Adelheidae Imperatricis dienen. Hierbei handelt es sich um eine biographische Schrift des Abtes Odilo von Cluny, die dieser zwei Jahre nach dem Tod Adelheids im Jahre 999 verfasst haben soll.[2] Als zwei weitere Quellen, die sich den Ottonen und somit auch teilweise Adelheid widmen, sind zum einen die Gesta Ottonis von Hrotsvit von Gandersheim und zum anderen die Chronik von Thietmar von Merseburg aufzuführen. Letzterer, selbst mit dem Geschlecht der Ottonen verwandt, sah es als Pflicht an, die Ereignisse während der Ottonenherrschaft aufzuschreiben und weiterzugeben. Seine Erzählungen umfassen die Jahre von 908 bis 1018.[3] Allerdings muss man sich bei diesen historiographischen Schriftstücken zwangsläufig die Frage stellen, welchen tatsächlichen Quellenwert sie aufweisen. Auf diese Problematik werde ich im Verlaufe dieser Arbeit jedoch noch genauer eingehen. Was die Forschungslage betrifft, ist zum einen die Autorin Amalie Fößel zu nennen, die sich in ihren Veröffentlichungen speziell mit den Herrscherinnen des Mittelalters und auch der Ottonenzeit befasste. Passend zur Themenwahl dieser Hausarbeit werde ich des Weiteren solche Werke heranziehen, welche sich auch mit den Handlungsspielräumen der weiblichen Herrscherinnen beschäftigen, wie bspw. der Aufsatz Ottonische Königinnen als Fürsprecherinnen von Knut Görich und die Monographie Vermitteln - beraten - erinnern: Funktionen und Aufgabenfelder von Frauen in der ottonischen Herrscherfamilie von Daniela Müller-Wiegand.

2. Adelheids Leben als Königin

Adelheid von Burgund wurde wahrscheinlich im Jahr 931 als Tochter des Königs Rudolf II. und der schwäbischen Herzogstochter Berta geboren („Regis Rothulfi fuerat quae filia magni, edita magnorum longo de stemmate regum […]“[4]). Vermutlich wuchs sie in der heutigen Westschweiz auf[5], wurde dort früh gefordert und galt als klug und gebildet.[6] Nach dem Tod ihres Vaters 937 erzwang der verwitwete Hugo von Vienne, der Widersacher Rudolf II., seine Vermählung mit ihrer Mutter Berta. Was man der Vita Adelheids entnehmen kann ist auch, dass sie selbst im Zuge dessen, gerade sechzehn Jahre alt geworden, 947 mit Hugos Sohn vermählt, und damit Königin von Italien wurde.[7] Hier muss eingeschoben werden, dass man bei jeglichen Zitaten aus der Schrift Odilo von Clunys oder ähnlichen zeitnahen Texten die folgen, zu beachten hat, dass gerade der Abt dafür bekannt war, Ereignisse und die Leben der „Großen“ seiner Zeit hinsichtlich der Heilsgeschichte auszudeuten. Deshalb kann man nicht davon ausgehen, dass die dort geschilderten Begebenheiten im Leben Adelheids gänzlich auf Fakten basieren. Adelheid wurde nämlich von Cluny stilisiert und wie eine Heilige gehuldigt. Rückblickend kann man davon ausgehen, dass ein Grund für die Überhöhung Adelheids auch das gute Verhältnis der beiden zueinander war. Bereits der Vorgänger Odilo von Clunys, Abt Maiolus, unterhielt ein enges Vertrauensverhältnis zu Adelheid und soll außerdem als Berater ihres späteren Ehemanns Otto I. fungiert haben[8]. Diese enge Beziehung setzte sich auch bei Odilo fort, der ihr mit großer Verehrung gegenüber trat. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Adelheid die beiden von ihr geförderten Klöster in Pavia und Peterlingen Cluny unterstellte.[9] Da man dennoch, verglichen mit anderen ottonischen Herrscherinnen, bei Adelheid von einer günstigen Quellenlage sprechen kann (die Biographie wurde wahrscheinlich von ihr selbst in Auftrag gegeben), werde ich im Folgenden weiterhin Zitate aus diesen Primärquellen heranziehen, um erstens die Ereignisse ihres Lebens und ihren Aufstieg zur Kaiserin wiedergeben zu können und zweitens, um einen Eindruck darüber zu vermitteln, wie all dieses bei den Zeitgenossen, wenn diese auch nicht unbefangen, rezipiert worden ist. Der Grund für die erzwungene Vermählung Hugos von Vienne mit Adelheids Mutter war der, dass Adelheids Vater, Rudolf II. gestorben war und Hugo nun die Aussicht hatte, die Krone von Hochburgund zu erwerben.[10] Lothar, der König von Italien und erster Ehemann Adelheids, starb schon am 22.11.950[11] und hinterließ der Witwe „vier Klöster, mindestens 21 große Wirtschaftshöfe, insgesamt mehr als 4500 Hufen“[12], einen vergleichsweise riesigen Besitz. Die aus ihrer Ehe hervorgegangene Tochter Hemma wurde Königin in Westfrankreich.[13] Adelheids Leben verlief jedoch nicht weiter ohne Hindernisse. Odilo zu Folge wollte Gott sie in väterlicher Neigung viele Gefahren bestehen lassen und sie dadurch züchtigen:[14] Wenig später nach dem Tod des ersten Ehemanns usurpierte der nach Macht strebende Markgraf Berengar von Ivrea, der sich nach dem Tode Hugos und Lothars in Deutschland befand, die Königskrone und entführte Adelheid.[15] Bei Odilo ist zu lesen, dass Adelheid mit dem Regierungsantritt Berengars, der nur drei Wochen nach dem Tod Lothars von statten gegangen sein soll, „des Reiches beraubt“ worden sei.[16] Wenn auch nicht wörtlich zu nehmen, lassen solche Ausführungen erkennen, welches hohe Ansehen Adelheid schon zu diesem Zeitpunkt genoss, denn auch von Hrosvit von Gandersheim wurde ihr das Recht und die Fähigkeit zur Regierung Oberitaliens zugesprochen: „Scilicet ingenio fuerat praelucida tanto, ut posset regnum digne rexisse relictum, […]“[17] Der Vita von Clunys zu Folge, misshandelte Berengar die Königswitwe und sperrte sie darauffolgend in ein dunkles Kellerverlies,[18] da sie ihm als rechtmäßige Königin im Weg stand. An den Aussagen, die dieser Passage folgen, kann abermals festgestellt werden, wie sehr von Cluny das Leben der Adelheid als von Gott gelenkt verstand, denn seinen Worten nach wurde sie schließlich durch himmlische Fügung aus Berengars Gefangenschaft befreit. Die Autorin Amalie Fößel erklärt dieses Phänomen passend damit, dass hier die „Gottesmacht“ zum historiographischen Motiv avanciere.[19] Wie Adelheid wirklich entkommen konnte bleibt schleierhaft, jedoch habe es Gerüchte gegeben, nach denen Adalbert-Atto, der Stammvater von Canossa daran beteiligt gewesen sein soll[20], denn es war die Burg in Canossa, in der Adelheid, anscheinend nach einer abenteuerlichen Flucht, Asyl finden konnte.[21] Bei Hrosvit hingegen, wird Adelheid als starke Frau beschrieben, die sich selbst mit Hilfe eines selbstgegrabenen Tunnels befreien konnte.[22] Von dem Chronisten Thietmar von Merseburg wurde das Ereignis ihrer Gefangennahme mit dem 20. April 951 datiert.[23] Wie man in Gerhard Althoffs Werk Adels-und Königsfamilien nachlesen kann, könne man annehmen, dass der Gefangennahme und der Flucht Adelheids in der ottonischen Familie rückblickend große Bedeutung beigemessen wurde, denn beide Ereignisse seien außerdem genau im Merseburger Necrolog festgehalten worden. Diese Tatsache sei eher ungewöhnlich, da diese Notizen „zum necrologischen Gedenken, d.h. zum Gedenken an Verstorbene, nicht recht zu passen schienen.“[24] Althoff folgert daraus, dass Adelheid selbst die Initiative ergriffen haben müsse, da es ihr individuelles Bedürfnis gewesen sei, diese so wichtigen Stationen ihres Lebens in der Memorialüberlieferung festzuhalten.[25] Diese Handlung spiegelt einerseits das große Selbstbewusstsein Adelheids wider und andererseits steht sie für eine sehr wichtige Aufgabe ottonischer Herrscherinnen: Das unerlässliche Sorgen für das Gedenken. Da Adelheid über ein ausgedehntes personales Netzwerk und viele Bekannte verfügte, soll sich der Sachse Otto I. nach einem Briefwechsel dazu bereit erklärt haben, ihr aus ihrem Versteck zu helfen. Es muss jedoch bezweifelt werden, dass seine Einwilligung vorrangig mit Adelheid an sich zu tun hatte, denn Otto hatte vor allem politische Gründe, um einen Italienfeldzug zu planen: Der König wollte dort seine Macht gegenüber hoch-und niederburgundischen Herzögen verteidigen, weshalb der Hilferuf geradezu günstig für ihn kam, um direkt vor Ort zu intervenieren.[26] Zu dieser These passt auch, dass zeitgenössische Quellen keine Hinweise darauf geben, dass es Adelheid selbst oder jemand aus ihrer Gefolgschaft gewesen ist, der Otto um Hilfe bat, sondern er diesen Entschluss aus eigener Initiative heraus fasste.[27] Bei Thietmar von Merseburg heißt es, dass Otto auch von der großen Schönheit Adelheids gehört habe, weshalb er eine Romfahrt vorgeschützt und es mit Hilfe von Geschenken geschafft habe, dass sie seiner Werbung nachgab: „Huius laudabilem formam et famam rex noster animadvertens, Romam pergere simulavit […], et donis precedentibus placatam suae voluntati consentire […]“[28] Außerdem rückte von Merseburg in seiner Schrift das Ziel Ottos, sich mit Adelheid zu vermählen, in den Vordergrund. Und so geschah es dann auch:

[...]


[1] Ennen: Frauen, S. 64.

[2] Vgl. Eickhoff: Kaiser Otto III., S. 263.

[3] Vgl. Wattenbach: Geschichtsquellen, S. 181-182.

[4] Hrotsvit: Gesta, S. 217.

[5] Vgl. Goez: Lebensbilder, S. 66.

[6] Vgl. Keller: Ottonen, S. 47.

[7] Vgl. Goez: Lebensbilder, S. 67.

[8] Vgl. Fößel: Instrumentalisierung, S. 84-85.

[9] Vgl. Eickhoff: Kaiser, S. 263.

[10] Vgl. Goez: Lebensbilder, S. 67.

[11] Vgl. Ennen: Frauen, S. 63.

[12] Goez: Lebensbilder, S. 67.

[13] Vgl. Ebda, S. 68.

[14] Vgl. Odilo: Epitaphium, S. 638.

[15] Vgl. Hilsch: Mittelalter, S. 94.

[16] Vgl. Odilo: Epitaphium, S. 238.

[17] Hrotvit: Gesta, S. 217-18.

[18] Vgl. Odilo: Epitaphium, S. 638.

[19] Vgl. Fößel: Instrumentalisierung, S. 84.

[20] Vgl. Görich: Königinnen, S. 281.

[21] Vgl. Goez: Lebensbilder, S. 69.

[22] Hrosvit: Gesta, S. 220.

[23] Thietmar: Chronik, S. 38.

[24] Althoff, Königsfamilien, S. 252.

[25] Vgl. Ebda, S. 252.

[26] Vgl. Goez: Lebensbilder, S. 70.

[27] Vgl. Althoff. Königsherrschaft, S. 96.

[28] Thietmar: Chronik, S. 38.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656629573
ISBN (Buch)
9783656629566
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271736
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,0
Schlagworte
leben wirken adelheid burgund handlungsspielräume

Autor

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