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Internationalisierung im Einzelhandel

Gründe, Strategien und Standorte

Hausarbeit 2012 28 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhalt

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Internationalisierung im Kontext
2.1 Die Besonderheiten international agierender Unternehmen im EH
2.2 Hintergründe der Internationalisierung

3 Gründe für Aktivitäten auf ausländischen Märkten
3.1 Push-Faktoren
3.2 Pull-Faktoren

4 Strategien in der Internationalisierung
4.1 Herausforderung der Strategiewahl
4.2 Die Systematik der Internationalisierungsstrategien
4.2.1 Going International
4.2.2 Being International

5 Standorte
5.1 Herkunft der international agierender Einzelhändler und die Verortung ihrer Umsätze
5.2 Dynamik der Standortauswahl in den Großregionen
5.3 Mögliche Auswirkungen auf den Einzelhandel in den Zielmärkten

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Private Konsumausgaben und Einzelhandelsumsätze in Deutschland

Abbildung 2 Gesetzliche Ladenöffnungszeiten in Europa

Abbildung 3 Anteil der 250 größten Einzelhändler weltweit nach Herkunft (links) und nach Umsätzen (rechts) in

Abbildung 4 Dynamik des Umsatzes und der Umsatzraten nach Großregionen in % (Stand 2010)

Abbildung 5 Markteintrittsstrategien der 250 größten Einzelhändler in unterschiedlichen Großregionen

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Wirt. Konzentration der zehn größten Einzelhandelsunternehmen in 2009

Tabelle 2 Überblick über mögliche Markteintrittsstrategien

Tabelle 3 Die fünf größten Handelsunternehmen in 2009 und die Anzahl der Staaten in denen sie 2010 aktiv waren

1 Einleitung

Schon während der Industrialisierung, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, war Internationalisierung im Einzelhandel (EH) beispielsweise durch holländische Handelskompanien bekannt. Diese Fernhandelshäuser unterhielten ein weltweites Netz von Handelsbeziehungen. Die damalige funktionale Form des EH erfolgte als wirtschaftliche Betätigung der Beschaffung und des Absatzes von Gütern zumeist ohne Be- und Verarbeitung. Während heute von einer institutionellen Form des EH gesprochen wird. Das heißt, dass heute Einzelhandelsunternehmen fast ausschließlich den Handel im funktionellen Sinn betreiben und somit als reine Handelsunternehmung fungieren. In der amtlichen Statistik werden dem Handel Unternehmen und Betriebe zugeordnet, wenn sich der größte Teil ihrer Wertschöpfung aus der Handelstätigkeit ergibt (vgl. Swoboda u. Foscht 2012:o.S.; Schwarz 2009:9).

Aus der frühen Zeit der Internationalisierung sind einige Marken noch bis heute bekannt. Der italienische Herrenschneider Nino Cerrutti eröffnete 1881 eine Filiale in Paris und führt aktuell dieses Jahr seiner Internationalisierung auch in seinem Namen: Cerutti 1881. Ein frühes Beispiel der Internationalisierung mit größerem räumlichem Ausmaß ist das Unternehmen des Briten Thomas Lipton. Dieser erweiterte sein Filialnetz aus Kaffe-, Tee- und Weingeschäften zu Beginn des 20. Jahrhunderts von Großbritannien über die USA, Frankreich, Deutschland und Australien. Zwar könnte man an dieser Stelle noch weitere Unternehmen anführen, doch bleibt die Internationalisierung zur damaligen Zeit eine Ausnahme (vgl. Hahn u. Popp 2006:138).

„Auch wenn es frühe Beispiele der Internationalisierung im Einzelhandel gibt, so galt der Einzelhandel im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen lange als stark lokal orientiert.“ (Hahn u. Popp 2006:135). Für viele deutsche Unternehmen stand zunächst die Marktsättigung des Heimatmarktes im Vordergrund bis allerdings in den 1990er Jahren ein Internationalisierungsboom losbrach (vgl. Hahn u. Popp 2006:146). Von circa 1500 Markteintritten ausländischer Unternehmen in die nationalen Märkte Europas, die man seit 1960 registriert hat, entfielen 600 auf die erste Hälfte der 1990er Jahre (vgl. Schröder 1999:90). Im Vergleich zu produzierenden Unternehmen erweiterte der EH zeitversetzt seine traditionell beschaffungsseitige Internationalisierung in Richtung absatzseitiger Auslandsbetätigung. Mittlerweile erwirtschaften Unternehmen, wie Carrefour und Metro, über 50% ihres Umsatzes im Ausland und betätigen sich hierbei auf über 30 Auslandsmärkten (vgl. Swoboda u. Schwarz 2006:163). Diese Trend ist als grober Rahmen der Entwicklung des EH zu sehen. Die Eigenheiten des EH und seiner Entwicklung ergeben die Herausforderung zur spezifischen Auseinandersetzung mit dem Thema Internationalisierung im EH. In der vorliegenden Arbeit wird Internationalisierung folgendermaßen definiert:

"Internationalisation may be defined as the entrepreneurial process of the firm's be coming integrated in international economic activities. The term integration covers cases of both push and pull factors, and provides a more comprehensive formulation, seeing the global economy as pre-existing and offering resources to the firm that acts upon entrepreneurial learning insight.” (Mathews u. Zander 2007:396)

Internationalisierung existiert seit 120 Jahren, doch hat sich ihre Form und Dynamik verändert. Internationale Einzelhändler stehen vor zahlreichen Herausforderungen und nicht alle Schritte der Internationalisierung verlaufen erfolgreich (vgl. Hahn u. Popp 2006:135).

Daher ist es in der Wirtschaftsgeographie von Interesse zu verstehen, warum Einzelhändler in fremde Märkte eintreten, welche Push- und Pull-Faktoren hierbei ausschlaggebend sind, welche Strategien sie verfolgen und welche Standorte gewählt werden (vgl. Coe u. Hess 2005:449). Dieser Frage nach ergibt sich auch der Aufbau der folgenden Arbeit. Zunächst werden in Kapitel 2 die Spezifika international agierender Unternehmen und die Hintergründe der Internationalisierung dargestellt, woraufhin auf die Gründe eines Unternehmens im EH für den Schritt ins Ausland und mögliche Strategien in Kapitel 4 beschrieben werden. In Bezug auf die Standorte wird zunächst die Herkunft der international agierenden Unternehmen, die Verortung ihrer Umsätze, die Dynamik ihrer Standortauswahl und letztendlich die möglichen Auswirkungen der Internationalisierung auf den Zielmarkt beleuchtet. Im Fazit werden die Schlüsselaspekte des Themas zusammengefasst.

2 Internationalisierung im Kontext

2.1 Die Besonderheiten international agierender Unternehmen im EH

Im Folgenden wird nun auf die Spezifika von international agierenden Unternehmen im EH eingegangen.

Der EH ist ein lokal verankerter Wirtschaftszweig, der im direkten Umfeld des Kunden in Zielland präsent sein muss und daher eine starke Lokalität der Marktbearbeitung verfolgt. Conradi (1999:44) stellt fest, dass ein Handelsunternehmen bis zu einem bestimmten Grade „selbst integraler Bestandteil des Gemeinwesens (wird), mit dem man Geschäfte machen möchte“.

Für den EH typische Merkmale lassen sich im Vergleich mit der Industrie anschaulich herausstellen. Prägnant für den EH ist die Anzahl der Verkaufsstätten. Diese können trotz räumlicher Verteilung (bspw. auf verschiedenen Kontinenten) gleichzeitig eine Netzwerkcharakteristik ausweisen, die nicht in den Wirtschaftsbeziehungen der Industrie zu finden ist. Weiterhin ist die Verkaufsstätte Teil des Produkts im EH. Sie steht für die internationalen Aktivitäten des jeweiligen Unternehmens und kann verschiedene Formen und Attribute annehmen, die sich nur schwerlich vor Imitation durch Konkurrenten schützen lässt. Die Fabrik eines Industrieunternehmers hingegen, steht unabhängig vom Produkt. Die Betätigung im internationalem Kontext bedingt im EH die Verortung von Kapital- und Managementleistungen ins Ausland, dahingegen werden Exportaktivitäten in der Industrie, wie im Versandhandel, gesteuert. Unternehmen im EH haben außerdem eine hohe Anzahl von Lieferanten, die auf durch jede zusätzliche Verkaufsstätte neu koordiniert oder dem jeweiligen Marktgegebenheiten vor Ort angepasst werden müssen. Zu diesen Marktgegebenheiten zählen folglich auch die lokalen Konsumgewohnheiten und Kaufverhaltensweisen, die beachtet werden müssen (vgl.Swoboda u. Foscht 2012:o.S.; Dawson 2007:382ff.).

Zusammenfassend ergibt sich aus den Merkmalen des EH eine spezifische Risikostruktur, da die absatzseitige Internationalisierung im EH während der frühen Phase der Markterschließung und damit vor der Aufnahme des Geschäftsbetriebs grenzüberschreitende Direktinvestitionen erfordert, um Verkaufsstätten und eine abgestimmte Warenlogistik im Zielland zu implementieren (vgl. Turban u. Wolf 2008:4).

Wie in Tabelle 1 zu sehen, sind die 10 größten Einzelhändler, gemessen an ihrem jährlichen Umsatz, folgende Unternehmen:

Tabelle 1 Wirt. Konzentration der zehn größten Einzelhandelsunternehmen in 2009 (Quelle: verändert nach Deloitte 2011:16)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das obige Ranking bezieht sich auf die 250 größten Einzelhandelsunternehmen der Welt und lässt daher folgenden Schluss zu, dass eine Konzentration des Umsatzes der zehn größten Einzelhandelsunternehmen von 30% des Umsatzes der 250 größten Einzelhandelsunternehmen weltweit gegeben ist und, dass die weltweit größten Handelsunternehmen hauptsächlich in den USA und West-Europa beheimatet sind. Die Bedeutung der Handelstätigkeit zeigt sich am eindrucksvollsten im Vergleich mit anderen Wirtschaftsbereichen. Von den zehn größten Einzelhandelsunternehmen zählen die ersten sieben auch zu den 100 größten Wirtschaftsunternehmen auf der Welt (vgl. Kaczmarek 2009:14).

2.2 Hintergründe der Internationalisierung

Die Internationalisierung des Einzelhandels ist ein Teil des Prozesses der Globalisierung. Diese gilt als beeinflussendes Element des wirtschaftlichen Strukturwandels (vgl. Kulke u. Pätzold 2009:7; Kaczmarek 2009:15). Die „dynamisierende Wirkung der Globalisierung im Einzelhandel“ (Kaczmarek 2009:29) lässt sich anhand des folgenden Vergleichs darstellen. Im Zeitraum 2001 bis 2007 erzielten die Unternehmen, die auf ein bis zwei Märkten agierten, eine Umsatzsteigerung von durchschnittlichen 8,7%, während Unternehmen, die auf mindestens 10 Märkten tätig waren eine Steigerung von 10% erreichten. Gleichzeitig verzeichneten Konzerne, die nur auf dem heimischen Markt tätig sind einen Jahresüberschuss von 3,1% des Gewinns. Unterdessen erreichten transnationale Unternehmen einen Jahresüberschuss von 4,7% (vgl. Kaczmarek 2009:29).

Dannenberg und Kulke (2010:41) argumentieren, dass die Teilaspekte der Globalisierung, wie Innovationen im Transportwesen als auch Reorganisation von Wertschöpfungsketten entschieden zur Internationalisierung im EH geführt haben.

Die politisch-rechtliche Liberalisierung, die 1947 durch den völkerrechtlichen Vertrag in Form des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (engl.:General Agreement on Tariffs and Trade; GATT) angetrieben worden ist und im Zuge dessen 1994 die Welthandelsorganisation (engl.: World Trade Organisation) gegründet wurde, vereinfachen beispielsweise grenzüberschreitende Aktivitäten. Der Einzelhandel ist ein Sektor, der von einem sehr intensiven Wettbewerb geprägt ist. In der Theorie begrenzen die Marktanbieter durch gegenseitiges unterbieten ihre Macht – im Extremfall bis sie Preisnehmer sind. Im vollständigen Wettbewerb haben die Marktanbieter keinen Einfluss auf den Preis. Das Vermögen den Preis zu beeinflussen wird in der Volkswirtschaftslehre oft als wirtschaftliche Macht bezeichnet. Die Liberalisierung des EH führt zu Machtverschiebungen. Transnationale Unternehmen können eine dominante Position auf dem Zielmarkt entwickeln und können folglich ihre Aktivitäten ausweiten. Durch die veränderte Marktsituation, sind Machtverschiebungen möglich, die auf Widerstand von Politik und Bevölkerung stoßen können. Widerstand wird in diesem Kontext als „eine Ausprägung von kollektiver Macht (verstanden). Die kollektive Macht definiert sich auf Grundlage der öffentlichen Meinung, indem sie diese durch Öffentlichkeitsarbeit und die Protestaktionen beeinflusst“ (Franz 2009:68). Der Staat kann wiederum seine Position im Zuge der Liberalisierung auch dahingehend beeinflussen, das er eine schnelle oder schrittweise Veränderung der Rahmenbedingungen des Handels durchführen kann und somit seine Einflussmöglichkeiten auf den Aufbau der Zuliefernetzwerke, bei der Genehmigung von Standorten oder im Wettbewerbs- und Arbeitsrecht anders gestaltet (vgl. Franz 2011:7).

Weitere Einflussfaktoren auf die Internationalisierung sind, neben der Öffnung neuer Märkte, Innovationen in der Informations- und Kommunikationstechnologie, die vor allem in den 1990 Jahren durch die Etablierung des Internets begünstigt wurden. Außerdem vereinfachen Tendenzen der Verhaltens- und Konsumkonvergenz der Kunden „ die Koordination internationaler Wertschöpfungsaktivitäten und ermöglichen eine Multiplikation der bewährten Konzepte mit zunächst nur geringfügiger Adaption an Auslandsmarktbedingungen“ (Swoboda u. Foscht 2012:o.S.).

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Details

Seiten
28
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656637639
ISBN (Buch)
9783656637622
Dateigröße
1.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271680
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Geographie
Note
1,7
Schlagworte
Handelsforschung Wirtschaftsgeographie Internationalisierung Einzelhandel

Autor

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Titel: Internationalisierung im Einzelhandel