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Fachdidaktische Prinzipien der politischen Bildung

Der Beutelsbacher Konsens und Konfliktorientierung im Politikunterricht

Hausarbeit 2013 16 Seiten

Didaktik - Politik, politische Bildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beutelsbacher Konsens
2.1 Kontroversitätsgebot

3. Konfliktorientierung im Politikunterricht
3.1 Konfliktanalyse
3.2 Anwendungsbeispiel

4. Schlussbetrachtung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Wo immer Menschen zusammenkommen, schiebt sich Welt zwischen sie, und es ist in diesem Zwischen-Raum, daß alle menschlichen Angelegenheiten sich abspielen. […] Politik beruht auf der Tatsache der Pluralität der Menschen […].“[1] Ein demokratiefördernder Politikunterricht soll somit Kontroversen aufzeigen, Akzeptanz gegenüber kontroversen Meinungen schaffen und Verfahren zur Austragung von Kontroversen fördern. Diese Forderungen wurden in den siebziger Jahren in dem zweiten Grundsatz des Beutelsbacher Konsens, dem Kontroversitätsgebot, festgehalten.

Die Aktualität dieses Gebots sowie des fachdidaktischen Prinzips der Konfliktorientierung, welches auf die pädagogische Aufarbeitung der soziologischen Konflikttheorie Ralf Dahrendorfs durch Hermann Giesecke zurückgeht, sollen im Folgenden überprüft werden.

In diesem Prinzip „[…] spiegelt sich die Bewegung der 60er-Jahre des vorigen Jahrhunderts weg von Aufbau und Integrationsleistungen hin zu Auseinandersetzungen und Revolten […]“[2] wider. „Geboren“ wurde es in einem konfliktgeprägten Jahrzehnt des Umbruchs. Die heutige Gesellschaft hat mit der damals herrschenden Bewegung nur noch wenig gemein. Dementsprechend lautet die erkenntnisleitende Fragestellung dieser Hausarbeit, ob das im Beutelsbacher Konsens festgehaltene Kontroversitätsgebot sowie die damit eng verbundene Konfliktorientierung auch im heutigen Politikunterricht weiterhin eine zentrale Rolle einnehmen sollten.

Eingeleitet wird die Ausarbeitung daher durch eine knappe Darstellung des Beutelsbacher Konsens`. Diese wird durch eine differenziertere Betrachtung eines der Beutelsbacher Grundsätze, des Kontroversitätsgebotes, ergänzt. Anschließend wird die Konfliktorientierung im Politikunterricht beleuchtet, wobei ein Schwerpunkt auf die Konfliktanalyse gelegt wird. Diese wird daraufhin im Rahmen eines Praxisbeispiels angewendet. Abschließend wird im Rahmen einer Schlussbetrachtung ein Fazit gezogen.

2. Beutelsbacher Konsens

Als beispielhaft für die Situation der politischen Bildung in den 1970er Jahren kann der so genannte Richtlinienstreit um die Lehrpläne in Hessen und Nordrhein-Westfalen gesehen werden. Es ging hierbei um eine grundsätzliche gesellschaftspolitische Auseinandersetzung. Während die konservative Seite sich weiterhin an der „Ordnungsdemokratie“ orientierte und somit Position für ein striktes Repräsentationsprinzip bezog, forderte die so genannte progressive Seite die „Prozessdemokratie“. Eben diese Haltungen spiegeln sich durchgängig in den politikdidaktischen Konzeptionen und Theorien dieser Zeit wider. Der Drang, einen Minimalkonsens zu finden, um die politische Bildung weiter gemeinsam voranzutreiben und einer Zersplittung entgegenzuwirken, stieg dementsprechend an.[3] In dieser „[…] Situation der Polarisierung didaktischer Konzepte lud die Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg 1976 in den Ort Beutelsbach zu einer Tagung ein.“[4] Führende Didaktiker unterschiedlicher Richtungen erlangten in diesem Rahmen, auf dem Wege eines diskursiven Verfahrens, einen Minimalkonsens.[5] Dieser enthielt zwar keinerlei inhaltliche Zielsetzungen oder Konzepte, aber die Feststellung einer Übereinkunft betreffend der Grundprinzipien der politischen Bildung, die bis heute ihre Gültigkeit hat.[6]

Dieser so genannte Beutelsbacher Konsens ist im Laufe der Zeit zu einem allgemein anerkannten Baustein der Politikdidaktik gewachsen und besteht im Grunde aus drei Grundsätzen, die im Folgenden in aller Kürze vorgestellt werden, bevor daraufhin das Kontroversitätsgebot näher betrachtet werden soll.

Das Überwältigungs- oder auch Indoktrinationsverbot stellt die affektive Zieldimension dar[7] und sagt aus, dass es nicht erlaubt ist „[…] den Schüler - mit welchen Mitteln auch immer – im Sinne erwünschter Meinungen zu überrumpeln und damit an der `Gewinnung eines selbstständigen Urteils` zu hindern. Hier genau verläuft nämlich die Grenze zwischen politischer Bildung und Indoktrination. Indoktrination aber ist unvereinbar mit der Rolle des Lehrers in einer demokratischen und der – rundum akzeptierten – Zielvorstellung von Mündigkeit des Schülers.“[8]

Das Kontroversitätsgebot lässt sich als kognitive Zieldimension verstehen[9] und hält fest, dass Themen die in Wissenschaft und Praxis kontrovers sind, auch im Unterricht kontrovers erscheinen müssen. „Diese Forderung ist mit der vorgenannten aufs engste verknüpft, denn wenn unterschiedliche Standpunkte unter den Tisch fallen, Optionen unterschlagen werden, Alternativen unerörtert bleiben, ist der Weg zur Indoktrination beschritten.“[10]

Als dritter Grundsatz gilt, dass der Schüler in die Lage versetzt werden muss „[…] eine politische Situation und seine eigene Interessenlage zu analysieren, sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene politische Lage im Sinne seiner Interessen zu beeinflussen. Eine solche Zielsetzung schließt in sehr starkem Maße die Betonung operationaler Fähigkeiten ein […]“[11] und entspricht somit einer handlungsorientierten Zieldimension.[12]

Die drei Konsenshypothesen sind formaler Natur, dabei allerdings nicht wertfrei. Sie lassen sich keiner lerntheoretischen „Ecke“ zuordnen, enthalten keinen inhaltlichen Minimalkonsens, aber sind dem Grundgesetz verpflichtet.[13]

Mit zunehmender Distanz zum Richtlinienstreit wurden allerdings auch kritische Stimmen laut, die Zweifel an der Relevanz des Beutelsbacher Konsens bekundeten. Demgemäß wird vor dem `Konsenseifer` und vor der `Konsensmaschine` gewarnt.[14] Allerdings verlieren sich diese Stimmen in der breitflächigen Akzeptanz der Grundsätze, denn „[f]ür den Politikunterricht stellt der Beutelsbacher Konsens ein Markenzeichen dar, weil er die Bewegungen der Sache selbst (Politik) und des Lernens (Entwicklung) kennzeichnet.“[15]

Nach der kurzen Vorstellung des Beutelsbacher Konsens und seiner Grundsätze wird im Folgenden das Kontroversitätsgebot detaillierter betrachtet.

[...]


[1] Arendt, Hannah (1994): Was ist Politik? München/ Zürich: o.V., S. 9f.

[2] Reinhardt, Sibylle (2009): Politik Didaktik. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II, Berlin: Cornelsen Verlag Scriptor GmbH & Co. KG, S. 76.

[3] Vgl. Mickel, Wolfgang W. (2003): Praxis und Methode. Einführung in die Methodenlehre der Politischen Bildung, Berlin: Cornelsen Verlag, S. 127f.

[4] Reinhardt, Sibylle (2009), S. 30.

[5] Vgl. Schneider, Herbert (1999): Der Beutelsbacher Konsens, in: Mickel, Wolfgang W. (Hrsg.): Handbuch zur politischen Bildung, Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung, S. 173.

[6] Vgl. Reinhardt, Sibylle (2009), S. 30.

[7] Vgl. Mickel, Wolfgang W. (2003), S. 128.

[8] Reinhardt, Sibylle (2009), S. 30.

[9] Vgl. Mickel, Wolfgang W. (2003), S. 128.

[10] Reinhardt, Sibylle (2009), S. 30.

[11] Reinhardt, Sibylle (2009), S. 30f.

[12] Vgl. Mickel, Wolfgang W. (2003), S. 128.

[13] Vgl. Mickel, Wolfgang W. (2003), S. 128f.

[14] Vgl. Schneider, Herbert (1999), S. 176.

[15] Reinhardt, Sibylle (2009), S. 33.

Details

Seiten
16
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656629832
ISBN (Buch)
9783656629825
Dateigröße
782 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271501
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
2,0
Schlagworte
fachdidaktische prinzipien bildung beutelsbacher konsens konfliktorientierung politikunterricht

Autor

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