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Anforderungen an das Krankenhaus und Krankenhausmanagement nach dem KTQ-Modell

von Kerstin Jähne (Autor) Katrin Lippki (Autor)

Hausarbeit 2002 40 Seiten

Pflegemanagement / Sozialmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis der Abbildungen

Verzeichnis der Tabellen

Verzeichnis der Abkürzungen

Einleitung (Jähne, Lipki)

1 Definitionen und Erläuterungen.(Jähne)
1.1 Zertifizierung (Jähne)
1.2 Qualität (Jähne)

2 Gesetzliche Anforderungen zu Qualität, Humanität, Transparenz und Wirtschaftlichkeit (Lipki)

3 Was ist KTQ® (Lippki)
3.1 Entstehung Entwicklung (Jähne)
3.2. Definition Graphik (Lipki)
3.3 Ziele (Jähne)
3.4 Organisation KTQ® Graphik (Lippki)

4 Voraussetzungen zur Zertifizierung nach KTQ®

5 Das KTQ®-Manual
5.1 Strukturerbebungsbogen (Lippki)
5.2 Kriterienkatalog (Lippki)
5.3 Selbstbewertung (Jähne)
5.3.1 Bewertungssystematik (Jähne)
5.4 Fremdbewertung, Visitoren .(Lipki)
5.5 Zertifizierungsverfahren .(Jähne)

6 Anforderungen aus betriebswirtschaftlicher Sicht am Beispiel des KTQ®-Kriteriums 5.2.3: Entwicklung eines Finanz-und
Investitionsplanes
6.1 Existiert ein mehrjähriger Finanz-und Investitionsplan? (Jähne)
6.1.1 Finanzplan (Jähne)
6.1.2 Beispiel zur Umsetzung (Jähne)
6.1.3 Investitionsplan (Jähne)
6.1.4 Beispiele zur Umsetzung (Jähne)
6.2 Finden Qualitätsziele Berücksichtigung bei der Finanz-und
Investitionsplanung? (Jähne)
6.3 Existieren klare Regelungen bezüglich der Budgetverantwortung? .(Lipki)
6.3.1 Beispiele zur Umsetzung . .(Lipki)
6.4 Fördert die Krankenhausleitung den sparsamen Umgang mit
Ressourcen durch Kostentransparenz? .(Lipki)
6.4.1 Beispiele . .(Lipki)

7 Schlussbetrachtung (Jähne, Lipki)

Literaturverzeichnis

Anhang

Verzeichnis der Abbildungen

Abbildung 1 KTQ®-Konzept

Abbildung 2 KTQ®-Institutionen

Abbildung 3 KTQ®-Kategorienübersicht

Abbildung 4 Fünfte Kategorie: Krankenhausführung

Abbildung 5 Qualitätsbericht Beispiel für die Darstellung eines
ausgewählten Kriteriums

Abbildung 6 KTQ®-Bewertungssystematik

Abbildung 7 Weiterleitung des Qualitätsberichtes

Abbildung 8 Punkt 5.2.3 KTQ®-Manual Version 3.0: Entwicklung
eines Finanz- und Investitionsplans

Verzeichnis der Tabellen

Tabelle 1 Entstehung und Entwicklung von KTQ®

Tabelle 2 Qualifikationsanforderungen an die potentiellen
KTQ®-Visitoren Formen der Finanzplanung

Tabelle 3 Drittmittel

Tabelle 4 An der KTQ®-Pilotphase beteiligte Krankenhäuser

Verzeichnis der Abkürzungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Einleitung

»Qualität ist, wenn der Kunde wiederkommt und nicht das Produkt«.[1]

Für das Dienstleistungsunternehmen Krankenhaus könnte dieser Spruch aktueller nicht sein. Steigen doch die Erwartungen an das Qualitätsniveau der Krankenhäuser in den letzten Jahren stetig.

Das traditionelle Bild des Patienten[2] als Leidender und vom Krankenhaus völlig Abhängiger , hat sich gewandelt. Heute sieht man im Patienten den anspruchsvollen Kunden.[3] Dieser wünscht eine qualitativ hochwertige Behandlung in medizinischer und in pflegerischer Hinsicht. Er ist nicht nur Empfänger der Krankenhausleistung, sondern er begutachtet, beurteilt und entscheidet, ob er dieses Krankenhaus erneut aufsuchen würde. Hinzu kommt, dass sich das Gesundheitsbewusstsein in der Bevölkerung geändert hat. Der Kunde steht heute dem Krankenhaus als kritischer und teilweise auch wissender Nachfrager gegenüber. Doch nicht nur die Kunden, auch die Gesundheitspolitik hat Erwartungen an den Leistungserbringer Krankenhaus. Schlagworte sind Wirtschaftlichkeit und Qualität.

In Industrieunternehmen wird seit langem die Möglichkeit genutzt, sich in dieser Hinsicht von unabhängigen Institutionen prüfen und bewerten zu lassen. Das Ergebnis dieser Bewertung ist ein Zertifikat, dass dem Unternehmen bescheinigt, eine bestimmte Qualität unter Einhaltung bestimmter Normen zu erreichen.

Die Möglichkeit der Zertifizierung wird in den letzten Jahren auch zunehmend von Krankenhäusern genutzt. Die Verfahren, die auf dem Markt existieren, haben ihren Ursprung in der Rüstungsindustrie und wurden auf Dienstleistungsunternehmungen sowie Krankenhäuser übertragen. Hierzu zählen unter anderen DIN EN ISO[4] oder EFQM[5]. Jedoch erschienen die aus der Wirtschaft stammenden Bewertungskriterien für das hoch spezialisierte Dienstleistungsunternehmen Krankenhaus zu ungenau und zu unspezifisch. Die Forderung nach einem eigenen, speziell für Krankenhäuser entwickelten und zugeschnittenen Zertifizierungsverfahren stieg. Seit Anfang 2002 kann sich ein Krankenhaus nach einem speziell für Krankenhäuser entwickelten Verfahren, dem KTQ®-Modell zertifizieren lassen. KTQ® steht für Kooperation Transparenz und Qualität im Krankenhaus.

Ziel dieser Hausarbeit ist, unter allgemeinen und betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten die Anforderungen an ein Krankenhaus und Krankenhausmanagement darzustellen, die erfüllt werden müssen, sich nach dem KTQ ® -Verfahren unter den gegenwärtigen Bedingungen im Gesundheitswesen zertifizieren zu lassen.

In der Arbeit wird die Entstehung von KTQ ® beschrieben, der Inhalt des KTQ ® -Modells dargestellt und die allgemeinen Anforderungen herausgearbeitet. Im weiteren wird aus dem KTQ ® -Kriterienkatalog der Punkt „Entwicklung eines Finanz- und Investitionsplans“ aus betriebswirtschaftlicher Sicht betrachtet. Die theoretischen Ergebnisse wurden durch einzelne Beispiele aus Krankenhäusern ergänzt.

1. Definitionen und Erläuterung

Bevor näher auf das Zertifizierungsverfahren KTQ ® und dessen betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten eingegangen werden kann, ist es notwendig einige grundlegende Begriffe zu erläutern.

1.1 Zertifizierung

Nach DIN-EN-Norm 45013 ist Zertifizierung eine »Maßnahme durch einen unparteiischen Dritten«[6], die darlegt, dass sich »ein Erzeugnis, Verfahren, oder eine ordnungsgemäß bezeichnete Dienstleistung in Übereinstimmung mit einer bestimmten Norm«[7] befindet.

Unter Zertifizierung im Krankenhaus wird eine Qualitätssicherungsmaßnahme verstanden, welche als umfassendes Audit eines Qualitätsmnagementsystems durch eine unabhängige dritte Institution definiert wird.[8] Ein Audit ist eine systematische Überprüfung eines Objekts durch interne oder externe Prüfer.[9]

Zur Zertifizierung von Qualitätsmanagementsystemen im Krankenhaus müssen grundsätzlich zwei Forderungen erfüllt werden:

- Die Organisation des Krankenhauses arbeitet nach einer zugrundeliegenden Norm, erfüllt deren Regeln und Verfahren und passt diese selbständig den individuellen Situationen an.
- Alle Mitarbeiter der Organisation befolgen die Regeln und wenden diese in der Praxis an. Von der Organisation werden Ressourcen (Personal und Mittel) zur Realisierung der Prozesse zur Verfügung gestellt.[10]

Den Krankenhäusern stehen zur Erlangung einer Zertifizierung verschiedene Verfahren zur Verfügung, zum Beispiel eine Zertifizierung nach DIN-EN-ISO oder nach EFQM.[11]

Seit Anfang 2002 ist auch eine krankenhausspezifische Zertifizierung nach KTQ ® möglich.

1.2 Qualität

Qualität, lateinisch qualitas, bedeutet Eigenschaft und Beschaffenheit.

Nach einer Definition des deutschen Institutes für Normung[12], aus dem Jahre 1984 bezog sich der Qualitätsbegriff auf die technisch-funktionale Dimension eines Produktes. Qualität umfasst nach dieser Definition die Gesamtheit von Eigenschaften und Merkmalen eines Produktes , oder einer Tätigkeit auf deren Eignung zur Erfüllung gegebener Erfordernisse. Die Beurteilung von Qualität bezog sich dabei nur auf das Endprodukt selbst, ohne die zum Ergebnis führenden Arbeitsprozesse mit einzubeziehen. Aufgrund einer hohen Fehlerquote der Endprodukte wurde jedoch Mitte der 80-er Jahre in Japan ein Quality-Controll-System eingeführt. Dies führte zu einer drastischen Fehlerreduktion.

Dieses Quality-Controll-System entspricht einer Qualitätssicherung und gliedert sich in Qualitätsplanung, Qualitätslenkung und Qualitätsprüfung.[13]

Durch Umwelteinflüsse und einer zunehmenden Marktorientierung der Unternehmen veränderte sich der Qualitätsbegriff weg von der reinen Herstellersichtweise hin zu den subjektiven Bedürfnissen der Kunden. Als Folge änderte 1987 das Deutsche Institut für Normung seine Definition von Qualität.

Die Qualität ist nach neuer Definition »die Beschaffenheit einer Einheit bezüglich ihrer Eignung, festgelegte und vorausgesetzte Erfordernisse zu erfüllen. Qualität an sich gibt es nicht, man müsste sie sonst messen können, in bezug auf Wünsche, Erwartungen oder Forderungen des Kunden«.[14]

Das Messen von Qualität ist nur durch die Festlegung von Standards möglich.[15] Nur dadurch können Vergleiche angestellt werden. Ob ein Standard tatsächlich erreicht wurde, definieren messbare Faktoren, die als Kriterien bezeichnet werden.

Mit Hilfe dieser Instrumentarien kann die vorhandene Qualität (= Ist-Qualität) mit der erwünschten Qualität (= Soll-Qualität) verglichen werden (= Qualitätskontrolle). Qualitätssicherung wird dadurch erreicht, dass die Ist-Qualität mit der Soll-Qualität übereinstimmt. Ist dies nicht der Fall, so sind Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung notwendig.

Zur Qualitätsmessung im Gesundheitswesen wurden von DONABEDIAN[16] folgende drei Kategorien eingeführt:

- die Strukturkategorie
- die Prozesskategorie
- die Ergebniskategorie.

Die Strukturkategorie beinhaltet die angewandten Systeme und Organisationsformen, wie die Personalausstattung, das Material und das Informationssystem eines Krankenhauses. Sie bildet gewissermaßen die Voraussetzung zur erwünschten Qualität. Die Strukturkategorie hat keinen direkten Einfluss auf die Ergebnisqualität, sondern spiegelt die Fähigkeiten einer Organisation zum Erreichen einer bestimmten Qualität wieder.

Die Prozesskategorie umfasst alle Maßnahmen während einer Behandlung, unter Berücksichtigung der spezifischen Situation und individuellen Krankheitsmerkmale. Mit Hilfe von Standards und Kriterien wird die Qualität des Behandlungsverlaufs und der Behandlungsausführung beschrieben und beurteilt. Die Prozesskategorie bildet die wichtigste und aussagekräftigste Kategorie.

Ergebniskategorie bezeichnet die Wiederherstellung und/oder die Verbesserung der physischen, psychischen und sozialen Gesundheit des Patienten, von der Aufnahme bis zur Entlassung. Auch wenn der Prozesskategorie große Bedeutung zukommt, ist die Ergebnisqualität als wichtigste Bezugsgröße zur Beurteilung von Qualität anzusehen. Für eine umfassende Qualitätsmessung reicht die Ergebnisqualität nicht aus. Erst im Zusammenhang mit dem Struktur- und Prozessergebnis lässt sich ein ganzheitliches Qualitätsergebnis darstellen.[17]

2. Gesetzliche Grundlagen in Bezug auf Qualität, Humanität, Transparenz und Wirtschaftlichkeit

Die Krankenhäuser werden vom Gesetzgeber durch verschiedene Gesetze zur Qualität, Transparenz, Wirtschaftlichkeit und Humanität verpflichtet. Eine alleinige Sicherung dieser Maßnahmen reicht nicht aus. Der Gesetzgeber schreibt eine Nachweispflicht vor. In diesem Zusammenhang sind zu nennen: das Landeskrankenhausgesetz, das Krankenhausfinanzierungsgesetz, die Bundespflegesatzverordnung und das fünfte Sozialgesetzbuch.

Das Krankenhausfinanzierungsgesetz (KHG, 1972) kann als „Grundgesetz“ für die Krankenhäuser bezeichnet werden. Dieses Gesetz fordert eine bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung zu sozial tragbaren Preisen in einem leistungsfähigen, sparsamen und wirtschaftlichen Krankenhaus.[18] Das bundeslandabhängige Landeskrankenhausgesetz (LKG, 1986) beinhaltet die Pauschalförderung, den Krankenhausplan und Investitionsprogramme. Im LKG von Berlin ist als ein Ziel festgelegt, »...das enge Zusammenwirken der für die Gesundheitsversorgung erforderlichen stationären, teilstationären und ambulanten Einrichtungen auf der Grundlage einer Gesundheitsplanung für Berlin zu unterstützen.«.[19] Von Berliner Krankenhäusern wird der wirtschaftliche Umgang mit Ressourcen gefordert. Der Krankenhausträger ist dazu verpflichtet, von der zuständigen Senatsverwaltung bewilligte Fördermittel ordnungsgemäß nachzuweisen.[20] In der Bundespflegesatzverordnung (1995), welche die Vergütung der voll- und teilstationären Versorgung sowie die Modalitäten des Pflegesatzverfahrens regelt, verlangt der Gesetzgeber effektive und effiziente Krankenhausleistungen.[21]

Qualitätssicherungsmaßnahmen sind im fünften Sozialgesetzbuch festgelegt. Danach sind Krankenhäuser zur Qualitätssicherung verpflichtet: »Die Maßnahmen sind auf die Qualität der Behandlung, der Versorgungsabläufe und der Behandlungsergebnisse zu erstrecken. Sie sind so zu gestalten, dass vergleichende Prüfungen ermöglicht werden.«.[22] Im § 301, SGB V sind in Bezug auf Transparenz die nach § 108 zugelassenen Krankenhäuser verpflichtet, gegenüber den Krankenkassen bei Krankenhausbehandlung bestimmte patientenbezogene und abrechnungsrelevante Daten zeitnah und maschinenlesbar zu übermitteln.[23]

Die Krankenhäuser versuchten durch unterschiedliche Maßnahmen den gesetzlichen Anforderungen in der Praxis gerecht zu werden. Neben der Messung der Wirtschaftlichkeit durch Soll-Ist-Kostenvergleiche[24], innerbetrieblicher Leistungsverrechung[25], Controlling[26] und Outsourcing[27], mussten Qualitätssicherungssysteme[28] in die Krankenhäuser eingeführt werden. Aus Ermangelung eigener krankenhausspezifischer: Qualitätssicherungssystem musste zunächst vorhandene Systeme aus dem Fertigungs- und Dienstleistungsbereich zurückgegriffen und diese adaptiert werden. Nachteile dieser Systeme sind der fehlende direkte Bezug zum Gesundheitswesen, da sie auf Grund ihrer Herkunft aus dem Fertigungs- und Dienstleistungsbereich auf diese Unternehmen ausgerichtet sind. Aus diesem Grunde gab es Bestrebungen Qualitätssicherungsverfahren zu schaffen, deren Inhalte von Personen erarbeitet werden, die im Krankenhaus tätig sind.

Nach einer Entwicklungs- und Einführungsphase wurde Anfang 2002 ein spezielles von und für Krankenhäuser entwickeltes Zertifizierungsverfahren, das KTQ®-Modell, eingeführt. KTQ® steht für Kooperation, Transparenz und Qualität im Krankenhaus.

3. KTQ®

3.1 Entstehung und Entwicklung

Das Zertifizierungsverfahren nach dem KTQ ® -Modell soll die Qualität der Versorgung verbessern, die berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit und die Transparenz des Leistungsgeschehens im Sinne der Patienten fördern. So formulierten die KTQ ® -Initiatoren ihre Erwartungen an die Qualitätsoffensive in den Krankenhäusern auf dem dritten KTQ ® -Forum am 8. November 2001 in Berlin.[29] Die ersten Ursprünge von KTQ ® gehen auf das Jahr 1995 zurück.

Die Spitzenverbände der Krankenkassen, der Bundesärztekammer, des deutschen Pflegerates und der deutschen Krankenhausgesellschaft hatten sich zusammengeschlossen mit dem Ziel, ein speziell für Krankenhäuser zugeschnittenes Zertifizierungsverfahren zu entwickeln. In Tabelle 1 ist die weitere Entwicklung von KTQ ® chronologisch dargestellt.

Getreu dem Prinzip des Projektes „Aus der Praxis für die Praxis“, erarbeiteten Krankenhauspraktiker in Arbeitsgruppen das Zertifizierungsverfahren. Sie identifizierten qualitätsrelevante Probleme, erarbeiteten Qualitätskriterien und formulierten Qualitätsanforderungen hinsichtlich Struktur-, Prozess- und Ergebniskategorie. Unterstützt wurden die Arbeitsgruppen durch die KTQ ® -Vertragspartner. Im Sommer 1999 erarbeiteten die Arbeitsgruppen einen ersten Kriterien-Katalog, der als KTQ-Manual Version 3.0 bezeichnet wurde und in einem Pretest von sechs Krankenhäusern getestet wurde. In der folgenden Pilotphase mit 25 Krankenhäusern wurde besonderes Augenmerk auf die Eignung des Kriterien-Kataloges gerichtet.[30] Ende 2001 erfolgte die Gründung einer gemeinnützigen Gesellschaft (gGmbH) mit dem vorläufigen Sitz in Siegburg. Der aktuelle Kriterienkatalog in der Version 4.0 kann seit Mai 2002 von Krankenhäusern, die an einer Zertifizierung interessiert sind, käuflich erworben werden.[31]

Tabelle 1. Entstehung und Entwicklung von KTQ

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[32][33][34][35][36]

3.2 Einführung in KTQ®

KTQ® steht für Kooperation, Transparenz und Qualität im Krankenhaus und ist ein neues spezifisches Verfahren zur Zertifizierung von Krankenhäusern.[37] Voraussetzung für ein Krankenhaus, sich nach dem KTQ®-Modell zertifizieren zu lassen, ist ein implementiertes und funktionierendes Qualitätsmanagement. Eine Zertifizierung „aus dem Stand heraus“ ist nicht möglich. KTQ® ist ein aus mehreren Schritten aufbauendes Zertifizierungsverfahren. Nach einer Selbstbewertung erfolgt im 2. Schritt eine Fremdbewertung durch Visitoren, im abschließenden 3. Schritt kann die Zertifizierung beantragt werden (Abbildung 1). Die Zertifizierung wird nicht durch die KTQ®, sondern von unabhängigen Zertifizierungsstellen durchgeführt. Krankenhäuser, die eine Zertifizierung nach KTQ® wünschen, müssen sich an eine Zertifizierungsstelle ihrer Wahl wenden. Kernelemente des KTQ®- Zertifizierungsverfahrens sind die Selbstbewertung und die Fremdbewertung.

Die Selbstbewertung erfolgt anhand eines Kriterienkataloges, dem KTQ®-Manual. Das KTQ®-Manual ist als zentrales Instrument zur Zertifizierung anzusehen und wurde eigens von Vertretern der Krankenhäuser und den KTQ®-Vertragspartnern entwickelt. Nach erfolgter Selbstbewertung prüft die Zertifizierungsstelle, ob eine Fremdbewertung als erfolgsversprechend angesehen wird. Die dann folgende Fremdbewertung durch externe Visitoren verifiziert die Selbstbewertung im Rahmen von kollegialen Dialogen und Begehungen vor Ort im Krankenhaus. Die Visitoren empfehlen gegebenenfalls als Resultat eine Zertifizierung. Sowohl die Fremdbewertung, als auch die abschließende Zertifizierung sind freiwillig.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 KTQ®-Konzept[38]

3.3 Ziele von KTQ®

Die Zertifizierung nach KTQ® zielt auf eine Förderung des Qualitätsbewusstseins und des Qualitätsmanagements ab.

Im Idealfall führt die Zertifizierung nach KTQ ®, wie auch die Selbst- und Fremdbewertung des Krankenhauses dazu, fehlerträchtige Prozesse auszuschalten. Im folgenden wird auf die Zielsetzungen von KTQ ® eingegangen.[39]

1. Der Entschluss zur Zertifizierung erhöht die Motivation von Krankenhäusern

Durch eine Zertifizierung erhalten die Krankenhäuser einen Anstoß zur Qualitätsverbesserung und Implementierung neuer Qualitätselemente. Grundlage bietet eine Analyse und Weiterentwicklung bestehender Strukturen und Arbeitsabläufe. Das Ziel ist eine bestmögliche Patientenversorgung unter optimalen Arbeitsbedingungen sowohl für die Prozess- als auch für die Ergebnisqualität.

2. Patientenorientierung steht im Mittelpunkt

Im Zentrum aller Prozesse und Ergebnisse steht die Verbesserung der Patientenversorgung. Der Strukturqualität wird zugunsten der Prozess- und Ergebnisqualität im Zertifizierungsverfahren eine niedrigere Bewertung eingeräumt.

3. Mitarbeiterorientierung wird gefördert

Der einzelne Mitarbeiter stellt die wichtigste Ressource des Unternehmenserfolges dar. Durch Mitarbeiterzufriedenheit und Leistungsevaluation präsentiert die Führung ihre Qualität und die der Gesamtorganisation.[40] Die Zertifizierung fördert die Leistungserbringung und damit alle Bemühungen, die der Koordination und Leistungserbringung dienen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine interprofessionelle Zusammenarbeit aller im Krankenhaus vertretenen Berufsgruppen erforderlich.

4. Durch die Zertifizierung zeigt das Unternehmen Krankenhaus Transparenz

Transparenz der Leistungsfähigkeit und des Qualitätsmanagements stellt sich wie folgt dar: Transparenz gibt dem Patienten Entscheidungshilfe bei der Wahl des Dienstleistungsunternehmens Krankenhaus. Damit wird der Forderung seitens der Politik entsprochen, dem Patienten in verständlicher Form Informationen über die Qualität medizinischer und pflegerischer Versorgung anzubieten.

Transparenz verschafft niedergelassenen Ärzten eine fundierte Orientierung für die Einweisung und Weiterbetreuung ihrer Patienten.

Transparenz gestattet den Krankenkassen eine ausreichende Beurteilungsmöglichkeit über die Qualität der im Krankenhaus erbrachten Leistungen. Bisher konnte aus Sicht der Krankenkassen nur an unzureichenden Merkmalen, wie der Verweildauer, Auslastung, Fallzahl und dem Budget, die Leistungsfähigkeit gemessen werden.

Transparenz vermittelt den Krankenhausmitarbeitern einen Informationsfluss hinsichtlich der Qualität der angebotenen Krankenhausleistungen und der Maßnahmen des Qualitätsmanagements. Transparenz verhilft den Krankenhäusern nach einer erfolgreichen Zertifizierung zu einer validen Außendarstellung.[41]

[...]


[1] HOLZBAUER;U., Management, in: Olfert, K. (Hrsg.), Kompendium der praktischen Betriebswirtschaft, Ludwigshafen, 2000, S.235.

[2] Patient: lat. patiens = erleidend, erduldend.

[3] Kunde: althochdeutsch Kundo = Bekannter, Einheimischer, regelmäßig wiederkommender Käufer.

[4] Vgl. HOLZBAUER,U., a.a.O., S.244 ff.

[5] Vgl. HOLZBAUER; U., a. a. O. S.263ff.

*) Anmerkung, in dieser Arbeit sind beide Geschlechter in dem jeweiligen Begriff wie zum Beispiel: Mitarbeiter integriert

[6] Vgl. GRAEBIG, K., Qualitätsmanagement, Statistik, Umweltmanagement: Anwendungshilfen und Normensammlung. Teil B/C Normensammlung, Qualitätsmanagement und Zertifizierungsgrundlagen, in : DIN Deutsches Institut für Normung e.V., Loseblattsammlung, Grundwerk 1995, Berlin, Wien, Zürich S.4ff.

[7] Vgl. ebenda.

[8] Vgl. EICHHORN, S., Integratives Qualitätsmanagement im Krankenhaus, Stuttgart, Berlin, Köln, 1997, S.307.

[9] Vgl. HOLZBAUER, U., a.a.O. S. 175 ff.

[10] Vgl. GRAIBIG; K., Qualitätsterminologie, in:PINTER, E., Vitt, K. D., (Hrsg), Umfassendes Qualitätsmanagement für das Krankenhaus, Perspektiven und Beispiele, Frankfurt/M. 1996, S.339.

[11] Vgl. WENDEL, V., Controlling in Nonprofit Unternehmen des stationären Gesundheitssektors, in: EICHHORN, P., (Hrsg.) Schriften zur öffentlichen Verwaltung und öffentlichen Wirtschaft, Band170, Baden-Baden, 1. Auflage 2001, S.190ff.

[12] Vgl. BENKENSTEIN, M:, Dienstleistungsqualität, Ansätze zur Messung und Implikationen für die Steuerung, in: ZfB, 63Jg.,1993, Nr.11, S.1100.

[13] Vgl. MÖLLER, J., SCHRÖDER, J. P., Das Modulare Konzept für Qualität im Krankenhaus, in: ZWEIERLEIN, E., (Hrsg.), Klinikmanagement, Erfolgsstrategien für die Zukunft, München, Wien, Baltimore,1997, S195.

[14] DEUTSCHES INSTITUT FÜR NORMUNG, (Hrsg.), Definitionsänderung 1987, Anwendungshilfen und Normensammlungen, Berlin, 1996, 4. Ergänzungslieferung.

[15] nach WHO ist ein Standard ein professionell abgestimmtes Leistungsniveau.

[16] Vgl. DONABEDIAN, A., The quality ol Care: How can it be assessed?, in: Journal of the American Medical Association ,1988, Nr.12, S.1745 ff.

[17] Vgl. WENDEL, V., a.a.O., S.190ff.

[18] Vgl KHG, § 1; Abs.1, Satz 1, Fassung vom 22.12.1999, www.bmgesundheit.de/rechts/gkv/kfina/krfinanz.htm.

[19] LKG, §1, Abs.2, Fassung vom 01.03.2001, www.berlin.de/SenArbSozFrau/lageso/lkg.pdf.

[20] Vgl. LKG, §5, Abs.3, Neufassung vom 01.03.2001, www.berlin.de/Land/SenArbSozFrau/lageso/lkg.pdf.

[21] Vgl. BPflV.§2, Abs.2, Fassung vom 22.11.99, www.id-berlin.de/06wissen/FPSE/Punkt07_Bundespflegesatzverordnung.htm.

[22] SGB V, §137, Satz 2, in: SGB, 28., vollständig überarbeitete Auflage, S. 422.

[23].SGB V § 301, a.a.O., S. 493.

[24] Vgl. WÖHE, G. Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, München 2000, 20. Aufl., S.47ff (1. Auflage München, 1960).

[25] Vgl. ebenda, S. 1126ff.

[26] Vgl. BREINLINGER-O`REILLY, J., KRABBE, M., Controlling für das Krankenhaus: Strategisch, Operativ, Funktional, Neuwied; Krieftel; Berlin, 1998, S. 4ff.

[27] Vgl. ZUCK, R., Rechtsprobleme des Outsourcing im medizinischen Bereich des Krankenhauses, in: EICHHORN, P., SEELOS, HJ., GRAF SCHULENBURG, J.-M. (Hrsg.), Krankenhausmanagement, München, Jena 2000, S. 160ff.

[28] Vgl. PERLETH, M., SCHWARTZ, F., Methoden des Qualitätsmanagements, in: EICHHORN, P. u.a., a.a.O., S.321ff.

[29] Vgl. im Internet, www. Presse@vdak-aev.de.

[30] die 25 Pilotkrankenhäuser siehe Anlage.

[31] Anmerkung: alle Angaben, Äußerungen und Auswertungen dieser Hausarbeit beziehen sich auf den Kriterien-Katalog Version 3.0, da Version 4.0 bei Beginn dieser Arbeit noch nicht zur Verfügung stand. Im Anhang ist eine Zusammenfassung der Unterschiede zwischen Version 3.0 und 4.0.

[32] Vgl. MÜLLER, M., KTQ steht dem Krankenhausmarkt zur Verfügung, Balk Info, 1/2002, S.18,19.

[33] Vgl. die Partner des deutschen Pflegerates, im Anhang.

[34] Vgl. näheres zur pro-com-cert-Gmbh, im Anhang.

[35] Vgl. AktG GmbH- Gesetz, 3.Gesezt betreffend die Gesellschaften mit beschränkter Haftung, 32.Auflage, 2000.

[36] Vgl. MÜLLER, M., a.a.O., S.20.

[37] Vgl. KTQ® c/o VdAK/AEV, KTQ®- Manual, 2000, Deutsche Krankenhaus Verlagsgesellschaft mbH.

[38] Graphik modifiziert nach: Müller, M., a.a.O., S.20.

[39] Vgl. MÜLLER, M., a.a.O., S.20.

[40] Vgl., WENDEL, V., a.a.O., S.190ff.

[41] Vgl. MÜLLER, M., a.a.O., S.20.

Details

Seiten
40
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638292719
Dateigröße
817 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v27150
Institution / Hochschule
Evangelische Hochschule Berlin
Note
2.3
Schlagworte
Anforderungen Krankenhaus Krankenhausmanagement KTQ-Modell Controlling Gesundheitswesen

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