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Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Definition und Ziele
2.2 Berechnung
2.3 Kritik.

3 Beispiel: Chinas ökologischer Fußabdruck

4 Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Ökosysteme der Erde sind nicht mehr im Stande, das heutige Volumen wirtschaftlicher Aktivität und materiellen Konsums unserer Zivilisationsgesellschaft zu tragen. Die treibenden Faktoren sind dabei v.a. das weltweite Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum sowie der rasante Anstieg des Pro-Kopf-Verbrauchs von Ressourcen, wodurch die ohnehin belastete Biosphäre überbeansprucht wird.[1] Das immer rasantere Wirtschaftswachstum ist nicht nur hauptverursachend für den Raubbau an natürlichen Ressourcen, es treibt den Keil zwischen Arm und Reich noch tiefer in die Gesellschaft statt überall würdige Lebensbedingungen geschweige denn breiten Wohlstand herzustellen. Die Kritik an sozialer Ungerechtigkeit und dem rücksichtslosen Wachstumsstreben verschärfte sich mit der Erkenntnis, dass hierdurch die ökologische Tragfähigkeit der Erde überstrapaziert wird, d.h. Ressourcenkonsum und Abfallproduktion die Natur schneller verbrauchen als diese in der Lage ist, sich zu regenerieren. Erst der beschleunigte Ressourcenverbrauch ermöglichte zwar ein derartig rasantes Wirtschaftswachstum und den damit verbundenen hohen Lebensstandard in den Industrieländern, dies jedoch auf Kosten der Umwelt, also Wälder, Böden, Luft und Artenvielfalt.[2]

Der zivilisierte Mensch hat heute kaum noch direkten Bezug zu seiner natürlichen Umwelt, da er sich durch technische und automatisierte Prozesse weitgehend unabhängig gemacht hat. So müssen Lebensmittel beispielsweise nicht mehr selbst angebaut, sondern können im Supermarkt gekauft werden. Entstehende Abfälle werden bequem vor der Haustür abgeholt und fernab unseres unmittelbaren Wohn- und Lebensumfeldes entsorgt. Die meisten sehen in der Natur nur noch ein Sammelsurium von kommerziell verwertbaren Rohstoffen oder einen Ort der Erholung. Dieser Eindruck entpuppt sich bei näherem Hinsehen jedoch als Trugschluss, denn der Mensch ist nach wie vor stark von seiner natürlichen Umwelt abhängig. Sie ist die fundamentale Quelle des Lebens und Grundbedingung für unsere Existenz. Für eine zukunftsfähige Gesellschaft ist es daher unabdingbar, die Natur nicht schneller zu verbrauchen als sie sich erneuern kann bzw. nicht mit mehr Abfall zu belasten als sie aufzunehmen vermag. Beschleunigte Entwaldung, Bodenerosion, Aussterben zahlreicher Tier- und Pflanzenarten, zunehmende Treibhausgaskonzentrationen und wachsende Ozonlöcher als Folgen menschlicher Übernutzung zeugen jedoch von einer gegenteiligen Entwicklung. Angesichts dessen wird die Notwendigkeit schleunigster Gegensteuerung durch Politik und Gesellschaft deutlich. Wenn auch die Einsicht einer menschlichen Übernutzung der Natur vorhanden ist, so wird jedoch häufig der Fehler gemacht, dass die Beziehung zwischen Ökonomie und Ökologie nur auf das Thema Umweltverschmutzung reduziert wird und oftmals nur die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit ausschlaggebend für entsprechende Gegenmaßnahmen sind (z.B. die Einführung einer Umweltplakette in deutschen Großstädten, weil durch Feinstaubbelastung die Gesundheit der dort lebenden Bevölkerung beeinträchtig wird). Mensch und Umwelt als Ganzes zu betrachten macht ein entsprechendes Umdenken notwendig, denn auch wenn im Moment die katastrophalen Auswirkungen unseres Handelns noch lokaler Art sind (wie z.B. die Verwüstung der Sahelzone oder die Vernichtung der Fischbestände im Nordatlantik), so werden langfristig gesehen globale Auswirkungen nicht mehr abzuwenden sein.[3]

Doch wie viel Natur steht uns zur Verfügung und wie viel verbrauchen wir tatsächlich? Um nicht nur ein Umdenken, sondern auch entsprechende Handlungsbereitschaft und -fähigkeit zu erzeugen, bedarf es einer möglichst konkreten Antwort auf genannte Fragen. Eine anschauliche Darstellung menschlicher Aktivitäten und ihrer Auswirkungen ermöglicht hierbei das Konzept des Ökologischen Fußabdrucks (engl.: Ecological Footprint), durch welches sich unser Verhalten - ob Essen, Reisen oder Computerspielen - auf eine einzige Zahl herunter brechen lässt, nämlich den s.g. Ökologischen Fußabdruck. Diese Messgröße fungiert als eine Art Ökobilanz, die Jahr für Jahr die Erträge aus unseren Ökosystemen dem menschlichen Verbrauch gegenüberstellt. Dabei fokussiert die Methode auf die uns zur Verfügung stehenden regenerativen Ressourcen aus Wäldern, Ackerböden, Flüssen usw., also auf die s.g. Biokapazität. Letztlich kann der Ökologische Fußabdruck den Verbrauch an Biokapazität für sämtliche menschliche Aktivitäten ausweisen. Das gilt für Individuen ebenso wie für Unternehmen, Städte, Länder und die Menschheit als Ganzes.[4] Bei der Berechnung des Ökologischen Fußabdrucks wird der Kern der Problematik deutlich: Der Mensch überzieht seine Ökobilanz maßgeblich, sodass der heutige Fußabdruck der Menschheit größer als die Erde selbst ist. Diese Übernutzung ist jedoch nur zeitlich begrenzt möglich und eine Verkleinerung des Fußabdrucks zwingend notwendig, denn wir haben nur diese eine Erde.[5]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Anteil verschiedender Biokapazitäten am Gesamtfußabdruck und Ent-wicklung des Fußabdrucks im Zeitverlauf[6]

Wie in Abbildung 1 deutlich wird, verbraucht die Menschheit seit Mitte der 1980er Jahre und mit steigender Tendenz mehr Biokapazität als ihr langfristig zur Verfügung steht, was auch als Overshoot oder Überziehen bezeichnet wird. Ziel des Ökologischen Fußabdrucks ist es, auf die Problematik des Overshoots aufmerksam zu machen und den Entscheidungsträgern Zahlen und Fakten zu liefern, auf deren Basis zukunftsfähige Lösungen herbeigeführt werden sollen.[7]

Die vorliegende Arbeit wird das Konzept des Ökologischen Fußabdrucks näher beleuchten und gliedert sich dabei wie folgt: Zunächst sollen grundlegende theoretische Merkmale des Konzepts vorgestellt werden, wobei neben Definition und Zielsetzung auch die Berechnungsmethoden und mögliche Kritikpunkte am Footprint-Konzept aufgezeigt werden. Im Anschluss soll der Ökologische Fußabdruck der Volksrepublik China als praktisches Beispiel für einen nationalen Fußabdruck dienen. Die Schlussbetrachtung fasst die Arbeit schließlich zusammen und gibt einen Ausblick für zukünftige Entwicklungen.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Definition und Ziele

Das Konzept des Ökologischen Fußabdrucks wurde Anfang der 1990er Jahre von Mathis Wackernagel und William Rees entwickelt mit dem Ziel, ein Planungswerkzeug zu schaffen, welches es vermag, die immer lauter werdende Kritik an der Zukunftsfähigkeit der menschlichen Lebensweise in gemeinsames nachhaltiges Handeln umzusetzen.[8] Der Ökologische Fußabdruck kann dabei definiert werden als „ein Nachhaltigkeitsindikator, der die anthropogene Nachfrage nach natürlichen Ressourcen dem Angebot der Ökosysteme gegenüberstellt.“[9] Eine detailliertere Definition liefern Wackernagel/William: „Der Ökologische Fußabdruck einer […] Bevölkerung (oder deren Wirtschaft) kann als das Gebiet von biologisch produktivem Land (und Wasser) in verschiedenen Kategorien wie Ackerland, Weiden, Wälder usw. definiert werden, das erforderlich wäre, um mit der heutigen Technologie für diese Bevölkerung

1. alle konsumierte Energie und alle materiellen Ressourcen bereit zu stellen und
2. allen Abfall zu absorbieren,

wo auch immer auf der Erde sich die Flächen befinden.“[10]

Der Ökologische Fußabdruck ist damit ein Werkzeug, mit dessen Hilfe sich der menschliche Naturverbrauch messen und bilanzieren lässt, wobei die Energie- und Materialflüsse in einer betrachteten Wirtschaftseinheit geschätzt werden und eine Umrechnung in Wasser- und Landflächen, die zur Aufrechterhaltung dieser Flüsse nötig sind, erfolgt. Hierbei lassen sich u.a. folgende Fragen beantworten:

- Wie stark ist der Mensch von globalen Ökosystemen abhängig?
- Wie stark belastet die Gesellschaft die Ökosysteme, z.B. durch Rohstoffimporte oder Abfallentsorgung?
- Reicht die Produktivität der Natur aus, um auch in den kommenden Jahrzehnten die materiellen Bedürfnisse einer wachsenden Erdbevölkerung zu befriedigen?
- Welche Volkswirtschaften verbrauchen wie viel der globalen Produktivität der Biosphäre?[11]

[...]


[1] Vgl. Wackernagel/William (1997), S 13

[2] Vgl. ebd., S. 14

[3] Vgl. ebd., S. 21-23

[4] Vgl. Beyers u.a. (2010), S. 10

[5] Vgl. Wackernagel/William (1997), S 34

[6] Vgl. Beyers u.a. (2010), S. 21

[7] Vgl. Wackernagel/Beyers (2010), S. 99

[8] Vgl. Giljum u.a. (2007), S. 8

[9] Ebd., S. 8

[10] Wackernagel/William (1997), S. 77

[11] Ebd. (1997), S. 23

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656626701
ISBN (Buch)
9783656626657
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271433
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Infrastruktur und Ressourcenmanagement
Note
1,0
Schlagworte
fußabdruck

Autor

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Titel: Der ökologische Fußabdruck