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Das Konzept Kulturstraße. Begriff, Geschichte und Gegenwart: Straßengattungen

von Nele Frey (Autor)

Seminararbeit 2013 15 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsklärung

3. Geschichtlicher Abriss

4. Marketing: Bedeutung der Kulturstraße für den Kulturtourismus in Sachsen-Anhalt
4.1 Zielgruppen
4.2 Die Bedeutung für den Kulturtourismus
4.3 Wirtschaftliche Aspekte /Vorteile
4.4 Anforderungen

5. Touristische Straßen in Deutschland und Europa
5.1 Touristische Straßen in Europa und der Begriff Kulturstraße
5.2 Touristische Straßen in Deutschland

6. Wettbewerb und Konkurrenz (Erfolgsfaktoren und Auswirkungen)
6.1 Die wichtigsten Wettbewerber für die Straße der Romanik in Deutschland
6.2 Erfolgsfaktoren für Touristische Straßen

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Beim Behandeln des Themas der Straßengattungen im Zusammenhang mit dem Konzept der Kulturstraße stellt sich zunächst die Frage, was der Begriff Gattungen im Speziellen meint. Der Begriff ordnet einen Überbegriff, in diesem Fall also die Straße in bestimmte Gruppen ein. Es geht also um eine Systematisierung. Doch unter welchen Gesichtspunkten erfolgt diese? Es gilt zu klären, welche Kriterien für eine solche Kategorisierung angewendet werden. In diesem Falle soll die „Straße der Romanik“, welche durch Sachsen-Anhalt verläuft, im Zuge der Erläuterungen eine besondere Betrachtung erhalten. Die „Straße der Romanik“ gehört, beachtet man die vorangegangene Kategorisierung, zur Gattung der touristischen Straßen. Diese Straße führt die bedeutendsten erhaltenen Denkmäler der Ottonik und Romanik in Sachsen-Anhalt zusammen. Sie wurde vom Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt 1993 in Magdeburg initiiert. Sie gilt als die erste Tourismusstraße Deutschlands, die sich auf ein Bundesland beschränkt und dieses gleichzeitig flächendeckend erfasst.[1]

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird zunächst der Begriff der touristischen Straßen verhandelt, sowie die Geschichte dieser. Ein Fokus wird hierbei auf den Kulturtourismus und im Speziellen auf die „Straße der Romanik“ gelegt. Das vierte Kapitel behandelt ein wesentliches Kriterium im Bezug auf den Tourismus und die gut auf die Ansprüche der Touristen ausgelegten Straßen. Den Marketingaspekt. An dieser Stelle werden die Zielgruppen, die Bedeutung für den Kulturtourismus, die wirtschaftlichen Aspekte, sowie die Vorteile der langfristigen Projekte thematisiert. Insbesondere im Zusammenhang mit der Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt. Auch wesentlich ist, welche Anforderungen das Projekt der touristischen Straßen an die Sorge tragenden Personen stellt. Im fünften Kapitel wird eine Abgrenzung zu den Kulturstraßen genauer definiert. Das sechste Kapitel beschäftigt sich mit den wichtigsten Wettbewerbern der Straße der Romanik in Deutschland, sowie den Erfolgsfaktoren der touristischen Straßen in Deutschland.

2. Begriffsklärung

Die Definition der „Touristischen Straßen“ wurde im Jahr 1995 vom ADAC wie folgt festgelegt: „Touristische Straßen sind auf Dauer angelegte Reiserouten mit einem speziellen Thema, die den Zweck verfolgen, das Gebiet der Streckenführung touristisch besser zu vermarkten.“[2] Eine genau Bezeichnung bzw. Markierung, die eindeutige Streckenführung mit verkehrslenkender Beschilderung, die Verkehrsführung über Bundes-, Landes- und in Ausnahmefällen auch über Kreisstraßen, jedoch nicht über Autobahnen und gegebenenfalls auch der Charakter einer „self guided tour“ sind weitere Merkmale touristischer Straßen.

Man trifft in der Literatur auch auf viele andere Begriffe, wie Themenstraßen, Fremdenverkehrsstraßen, Erlebnisstraßen und Panoramastraßen, die es in diesem Zusammenhang zu klären gilt. Es stellt sich relativ schnell heraus, dass es sich hierbei nur um Synonyme handelt und somit keine eigenständigen Straßengattungen beschrieben werden können. So ist der Begriff Erlebnisstraße beispielsweise die Bezeichnung für Ferienstraßen im österreichischen Raum. Der Begriff der Themenstraße ist selbsterklärend, wenn man bedenkt, dass bereits in der Definition die Bedingung hierfür ein „spezielles Thema“ ist. Als thematische Kategorien touristischer Straßen können u.a. die Landschaft, Gastronomie und die Kulturhistorie benannt werden. Hierbei können sich auch Überschneidungen ergeben. Die Kategorie der Landschaft trifft auf viele der deutschen Ferienstraßen zu, da sie meist durch interessante Gegenden führen.[3] Eine Ausnahme bildet hier die Panorama- oder Traumstraße. Dies sind Straßen, die Ausblicke auf Panoramen oder landschaftliche Ausblicke ermöglichen, sie dient also nicht dem Zweck der touristischen Vermarktung. Den überwiegenden Teil machen jedoch die Ferienstraßen mit kulturhistorischer Thematik aus, weswegen diese auch oftmals mit dem Begriff der Kulturstraße versehen werden. Diese sind in verschiedene Kategorien eingeteilt. In historische Handelswege (z.B. Alte Salzstraße), Kunstepochen (z.B. Straße der Romanik), Historische Bauwerke (z.B. Burgenstraße), Bodenschätze/ Handwerk/ Industrie (z.B. Deutsche Uhrenstraße), Adelsgeschlechter (z.B. Straße der Staufer), Museen (z.B. Westfälische Straße der Technikmuseen), Bedeutende Persönlichkeiten (z.B. Störtebeckerstraße), Märchen und Sagen (z.B. Niebelungen- und Siegfriedstraße) sowie Regionale Besonderheiten (z.B. Fichtelgebirgsstraße).

Es gibt in Deutschland ungefähr 150 Ferienstraßen, wovon etwa die Hälfte linienförmig, ca. ein viertel ringförmig, wie bei der Straße der Romanik, und ebenfalls ein Viertel netzartig bzw. in unverbundenen Teilstrecken verläuft.

Etwa 75% der Strecken beschränken sich auf jeweils ein Bundesland. Das Konzept der Ferienstraße sieht vor, dem Bereisenden eine Mischung aus Bauwerksbesichtigung, Museumsbesuch und Landschafts- bzw. Stadt-besichtigung zu bieten, wobei die Anteile je nach Thema der Route stark variieren können.[4]

3. Geschichtlicher Abriss

Als die älteste deutsche Ferienstraße gilt die 1927 gegründete Deutsche Alpenstraße. Bis 1950 kamen als weitere touristische Routen, die Deutsche Weinstraße (1935), die Schwarzwaldhochstraße (1939), die Grüne Küstenstraße (1946), welche heute nicht mehr touristisch vermarktet wird, sowie die Romantische Straße (1950) hinzu.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es zwei Gründungswellen, in denen etwa 90% aller touristischen Routen entstanden. Diese Routen sind schon seit jeher hauptsächlich auf den individualisierten Autoverkehr ausgerichtet. Dies kann damit zusammenhängen, dass eine eindeutige Streckenführung gefordert war, die vielerorts über Bundes- und Landstraßen führt. Die Einbeziehung von Radfahrern, Wanderern oder auch Wasserwanderern vollzog sich erst mit der Verbesserung von Infrastruktur und dem Aufleben des Vernetzungsgedankens. Außerdem muss hinzugefügt werden, dass es auch zahlreiche eigene Rad- und Wanderrouten durch deutsche Landschaften gibt. So sind viele touristische Ferienstraßen hauptsächlich mit dem Auto befahrbar und nur zum Teil mit alternativen Reiseverkehrsmitteln erlebbar.[5]

4. Marketing: Bedeutung der Kulturstraße für den Kulturtourismus in Sachsen-Anhalt

4.1 Zielgruppen

Das Interesse an Kultur steigt in der heutigen Zeit proportional zur wachsenden Freizeit der Deutschen. Jedoch sind so lange Strecken wie die Straße der Romanik kaum in einem Stück abzufahren, sondern eher in Etappen zu bewältigen. Daher sind es vor allem Kurzurlauber, die einzelne Teilstücke dieser Ferienstraßen bereisen. Die separaten Stationen stellen auch ein attraktives Reiseziel für Tagesausflüge dar, darüber hinaus dienen sie als willkommene Abwechslung für Durchreisende (wie z.B. Wohnmobilreisende).

Auch Einheimische müssen mit in die Zielgruppenbetrachtung einbezogen werden, denn auch wenn es um eine touristische Vermarktung geht, sollen die Anwohner ebenfalls für ihr kulturelles Erbe sensibilisiert und zu regelmäßigen Besuchen von unter anderem Museen und Kirchen animiert werden. Im Speziellen bei der Straße der Romanik gibt es diesbezüglich noch Verbesserungsmöglichkeiten, da die regionale und kulturelle Identität noch nicht besonders stark ausgeprägt ist (es handelt sich um eine sehr junges Bundesland) und Bürgerzufriedenheit nicht in unwesentlichem Maße mit dem Kulturimage in Zusammenhang steht.[6]

4.2 Die Bedeutung für den Kulturtourismus

Eine Hauptaufgabe der touristischen Ferienstraße ist ein Hohes Maß an Vernetzung zwischen den einzelnen, größtenteils auch heterogenen Kulturgütern, sowie anderen Attraktionen zu schaffen. Vor allem erlebnisorientierte Kulturangebote rücken dabei verstärkt in den Vordergrund. Ein Beweggrund hierfür sind die sich ständig verändernden Vorlieben der Zielgruppen. Bei Ferienstraßen handelt es sich um „Leistungsbündel überörtlicher Marketingziele von Städte- und Gebietsgemeinschaften“, also ein sogenanntes „Cross-Marketing“.[7] Verfolgt werden dabei ganz bestimmte Ziele, wie die Sicherung von Marktanteilen, die Gewinnung bzw. Bindung bestimmter Zielgruppen und damit verbundene wirtschaftspolitische Verbesserungen, welche im Folgenden aufgezeigt werden sollen.[8]

4.3 Wirtschaftliche Aspekte /Vorteile

Die allumfassende bzw. gemeinsame Vermarktung des kulturtouristischen Potentials einer Region besitzt einige wirtschaftspolitische Vorteile, die langfristige Projekte wie die Straße der Romanik rechtfertigen. Es besteht hierbei ein nur geringer finanzieller Aufwand, da auf bereits vorhandenen kulturellen Bestand zurückgegriffen werden kann. Erfolgte Sanierungsarbeiten kommen dann den Touristen und der Wohnbevölkerung zugute. Durch das Aufzeigen und in den Mittelpunkt rücken von kulturellen Traditionen kann das Image des Landes in positiver Art und weise beeinflusst werden. Dies verbessert nicht nur das Ansehen als Reiseziel, sondern bewirkt auch einen Anstieg der Ansiedlung von z.B. Industrie- und Dienstleistungsbetrieben, die dann wiederum Arbeitsplätze schaffen.

[...]


[1] Vgl. Antz, Christian: Straße der Romanik – Entdeckungsreise in das deutsche Mittelalter. S. 75.

[2] Vgl. Ministerium für Wirtschaft und Arbeit (Hg.): Handbuch Straße der Romanik in Sachsen-Anhalt, S. 18.

[3] Vgl. Ebd. S. 18.

[4] Vgl Ebd. S. 18 f.

[5] Vgl. Bochmann, Syivia: Die Deutsche Fährstraße – Konzept einer neuen Touristischen Route in Deutschland.

Kiel 2004. S. 7.

[6] Vgl. Ebd. S. 14.

[7] Unter „Cross Marketing“ versteht man eine Kooperation verschiedener Wirtschaftszweige.

[8] Vgl. Ministerium f. Wirtschaft und Arbeit 2002, S. 32.

Details

Seiten
15
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656636489
ISBN (Buch)
9783656636434
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271370
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Kunstgeschichte und Archäologin Europas
Note
1,3
Schlagworte
konzept kulturstraße begriff geschichte gegenwart straßengattungen

Autor

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    Nele Frey (Autor)

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