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Die klientenzentrierte Paarberatung

Ausarbeitung 2013 18 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Zur Relevanz des Themas

3. Die klientenzentrierte Paartherapie
3.1 Die Basisvariablen in der Paartherapie

4. Die institutionelle Ehe- und Partnerschaftsberatung

5. Fragen und Konflikte, die Paare zum/zur TherapeutIn führen
5.1 Streit und Entfremdung
5.2 Außenbeziehungen

6. Thematische Inhalte einer Therapie
6.1 Chaos beruhigen und klären
6.2 Erstarrungen lösen
6.3 Gegenseitiges Verständnis fördern
6.4 Den Umgang miteinander verbessern

7. Fazit

8. Quellenverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

In dem Seminar „Problemstellungen und Methoden der Beratung“ wurden im Rahmen stu- dentischer Präsentationen verschiedener Themen von Beratungs- und Therapieeinrichtungen vorgestellt, wobei der Fokus auf Elemente des klientenzentrierten Ansatzes gelegt war. An- hand eines Fallbeispiels wurden außerdem relevante Institutionen aus dem sozialen Versor- gungsnetz im Raum Freiburg vorgestellt. Unsere Gruppe befasste sich mit dem Thema „Paarberatung“. Nach längerer Literaturrecherche stellte sich heraus, dass die klienten- zentrierte Herangehensweise für die Paartherapie noch nicht sehr ausgeprägt untersucht und beschrieben wurde. Der Kontakt mit einigen behandelnden Institutionen in Freiburg bestätig- ten uns in dieser Annahme- die Tätigen brachten aber auch den Einwand mit ein, dass der Hintergrund des humanistischen Menschenbilds dieses Ansatzes und vor allem aber auch eine Arbeit unter Berücksichtigung der Basisvariablen des klientenzentrierten Richtlinienverfah- rens Kernelemente ihrer Arbeit mit Paaren seien. Gemeinsame Aspekte der klientenzentrier- ten Therapie nach Carl Rogers und der therapeutischen Arbeit mit Paaren werden im dritten Kapitel im Bezug auf die Paarberatung näher erläutert.

Institutionelle Ehe- und Partnerschaftsberatungen zeichnen sich vor allem niedrigschwellige Angebote aus, weshalb sie wohl mehr Anlauf finden werden und somit relevanter sind. In Kapitel 4 werden Details zum Arbeitsfeld, dem Team und den einheitlichen Standards in einer solchen gegeben.

So unterschiedlich die Beziehungen sind, so unterschiedlich wohl auch die Gründe, die ein Paar zu einer professionellen Therapie führen. In einer kleinen Auswahl an möglichen Gründen sollen in den Kapiteln fünf und sechs zentrale inhaltliche Elemente der Paartherapie veranschaulicht werden, um eine Idee von den Themen einer solchen Sitzung zu geben. Die Paartherapie wurde bereits in den 1920 Jahren entwickelt und ist somit sogar älter als die Familientherapie. Doch wie relevant ist dieses Thema in Zeiten, in der Ehe und Partnerschaft nicht mehr den Stellenwert von einst genießen? Mit dieser Frage soll durch das nächste Kapitel näher zu dem Thema hingeführt werden.

2. Zur Relevanz des Themas

Im Jahre 2011 wurden elf von 1000 Ehen geschieden, so teilt das statistische Bundesamt mit. Wenn die Zeitspanne „bis dass der Tod uns schiedet“ nur noch 14,5 Jahre anhält und somit eher zu einer Floskel als zu einem Versprechen der Liebe wird, zweifelt der ein oder andere an dem heiligen Gelübde der Ehe. Doch das hindert die wenigsten daran, in den Hafen der Ehe einzulaufen: nur 5-8% der unverheiratet zusammenlebenden Paare unter 35 Jahren lehnen eine Eheschließung grundsätzlich ab, so das Bamberger Institut für Familienforschung (Vas- kosics, Rupp, Hofmann 1997 nach Struck 2007: S. 1016). Daraus ergibt sich, dass die Ehe an sich in den vergangenen Jahren nicht weniger interessant und erstrebenswert geworden ist- nur eben nicht ein Leben lang. SoziologInnen sprechen hier von der einer sequentiellen Mo- nogamie (Wirsching 2005: S. 74). Hierfür lassen sich viele Gründe vermuten: In der plurali- sierten Gesellschaft ist eine getrennte Frau nichts mehr Absurdes wie noch vor 50 Jahren, eine gescheiterte Ehe im Lebenslauf gilt nicht mehr als unkonventionell. Die herkömmliche Kern- familie aus Mutter, Vater, Kinder wird von der modernen Patch-Work-Familie abgelöst und zahlreiche ScheidungsanwältInnen und Partnervermittlungsagenturen ermutigen einen dazu, auch im höheren Alter noch einen zweiten Frühling zu erleben.

Nur wenige Paare entscheiden sich, die „unüberbrückbaren Differenzen“ als solche nicht hin- zunehmen und ihre Partnerschaft durch eine Therapie zu retten. Dies erfordert nicht nur viel Arbeit des Paares an ihrer Beziehung ohne eine Gewissheit, was dabei herauskommt, sondern verlangt auch eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst. Dazu gehört allem voran der verbale Austausch über sämtliche Gefühle, die in einem vorgehen- eine Aufgabe, die vielen nicht immer leicht fällt. Aus diesem Grund bieten sich als Partnerschaftsberatung besonders niedrigschwellige Angebote an, die es dem Paar leicht machen soll, sich für eine Therapie- und somit meist auch für ihre Beziehung- zu entscheiden. Als Beispiel eines solchen Ange- bots gilt die in Kapitel vier näher dargestellte institutionelle Ehe- und Partnerschaftsberatung.

3. Die klientenzentrierte Paartherapie

Die klientenzentrierte Psychotherapie wurde zunächst primär als Einzeltherapie entwickelt. Der hohe Stellenwert der Beziehung zwischen TherapeutIn und KlientIn ist ein Indiz dafür: So soll eine Entwicklung in Form von persönlichem Wachstum und Veränderung durch zwi- schenmenschliche Beziehungen stattfinden, wobei das Verhalten und die Haltung des/der TherapeutIn eine große Rolle spielen. Dennoch wird der Vorgang der Therapie von dem/der KlientIn geleitet, da nur er/sie weiß, welches Thema ihm/ihr gerade wichtig ist und in dieser Sitzung im Zentrum stehen soll.

Carl Rogers veröffentlichte 1972 das Buch: „Becoming Partners: Marriage and its Alternati- ves“, welches 1975 unter dem Titel „Partnerschule“ in Deutschland erschien (vgl. Eckert 2006: S. 423). Darin werden die Partnerschaft und das partnerschaftlichen Zusammenleben thematisiert, es wird aber nicht auf Fragestellungen der Partnerschaftsberatung eingegangen. Anna Auckenthaler setzte sich in einer Monographie 1983 mit der Frage auseinander, wie relevant der klientenzentrierte Ansatz für die Psychotherapie mit Paaren ist und kam zu fol- gendem Schluss:

„>Eigentliches< Ziel der klientenzentrierten Psychotherapie ist die Veränderung der Bezie- hung des Klienten zu sich selbst. Als zwangsläufige Folge dieser veränderten Beziehung zu sich selbst nimmer er auch eine andere Beziehung zu anderen auf. Eine Veränderung in der Art der Beziehungsaufnahme zu anderen ist damit Teil des Veränderungskonzepts der klien- tenzentrierten Psychotherapie. Nach erfolgreicher Therapie ist der Klient >beziehungsfähi- ger<; er ist fähig sich auf eine andere Beziehung zu sich selbst und anderen einzulassen, in- dem er sich und andere realistischer und genauer wahrnimmt, seine Gefühle sich selbst und anderen besser zugänglich macht (d.h. in Bezug auf die anderen: sie anderen besser mitteilt), sich und andere besser versteht und akzeptiert.“

(Auckenthaler 1983: S. 60f. nach Eckert 2006: S. 423f.)

So gesehen ist der Grundsatz der Gesprächstherapie „Verändern durch Verstehen“ (Biermann-Ratjen, Eckert, Schwartz 2003: S. 10) ein wichtiger Anhaltspunkt jeder Paartherapie. Oft sind es Probleme in der Kommunikation, die zu Streit und Auseinandersetzungen führen: unausgesprochene Gefühle, die Enttäuschungen hervorrufen oder missverstandene Aussagen, die Wut und Resignation in eine Beziehung bringen. Um diese Probleme in einer Gesprächspsychotherapie zu bearbeiten, gilt die Beachtung der Basisvariablen nach Carl Rogers. Diese werden im folgenden Abschnitt in Bezug auf die Paartherapie aufgezeigt.

3.1 Die Basisvariablen in der Paartherapie

Die Basisvariablen Empathie, Akzeptanz und Kongruenz stellen den Mittelpunkt der klien- tenzentrierten Gesprächstherapie dar. Innerhalb des Einzelsettings kann nur mit den Haltun- gen im Sinne der Basisvariablen eine vertrauensvolle Beziehung zwischen KlientIn und The- rapeutIn aufgebaut werden. Da es im therapeutischen Setting der Paartherapie aber -genauso wie in der Gruppentherapie- die Beziehung zum/zur TherapeutIn eher in den Hintergrund rückt, soll der Fokus auf einen angemessenen Umgang im Sinne der Basisvariablen zwischen den Partnern liegen (Eckert 2006: S. 426). Der/die TherapeutIn kann hier einlenkend eingrei- fen und gegebenenfalls auf fehlende Basisvariablen im Gespräch aufmerksam machen. Des Weiteren „...wird durch die Realisierung der drei Grundvariablen [=Basisvariablen] die Zu- wendung des Klienten durch sich selbst unterstützt“ (Bommert 1987: S.174). Im Folgenden werden die Basisvariablen im Kontext des klientenzentrierten Ansatzes kurz veranschaulicht.

- Die Echtheit/Kongruenz ist in einer Partnerschaft ein wichtiger Grundsatz. Die Echt- heit beinhaltet nicht nur, völlig ehrlich und offen mit seinem/seiner PartnerIn umzuge- hen; es erleichtert auch den Umgang miteinander insofern, dass man das Gefühl hat, seinen/seine PartnerIn „gut zu kennen“. Wer ohne Fassade ist und wessen Äußerungen seinem Fühlen und Denken entsprechen, der ist auch besser einzuschätzen. Offen dar- gelegte Gefühle sind nicht zu ändern- dementsprechend können in einem kongruenten Umgang miteinander keine falschen Intentionen unterstellt werden. Wer einem kon- gruent begegnet ermöglicht es einem auch, selbst kongruent zu sein.

- Die Wertschätzung/Akzeptanz soll von bedingungsloser Bedeutung sein. Auch in schwierigen Situationen sollten Partner einander akzeptieren- was in Zeiten harter verbaler Auseinandersetzungen und einem Wirrwarr von Gefühlen der Enttäuschung, Wut oder Trauer eine besondere Herausforderung darstellen kann. Es gilt jedoch zu beachten, dass die Akzeptanz der Person nicht mit der Akzeptanz seines/ihres Verhal- tens gleichzusetzen ist. In der Gesprächspsychotherapie sollte der/die TherapeutIn da- rauf achten, dass seine/ihre KlientInnen die Art des Verstehens und Fühlens ihres/ihrer Partners/-In wahrnehmen und nachvollziehen können, auch wenn diese grundlegende Unterscheidungen zum eigenen Erleben darstellen.

- Gerade im Streit stellt die Empathie/einfühlendes Verstehen zwischen den Partnern ei- ne große Schwierigkeit dar. Zu Beginn einer Therapie fällt es vielen KlientInnen noch schwer, offen über Emotionen zu reden- hier können die KlientInnen und der/die TherapeutIn versuchen, durch eine Verbalisierung emotionaler Erlebnisinhalte (siehe Beispiel im Anhang) sich gemeinsam den Gefühlen der KlientInnen zu nähern. Mit Hilfe verschiedener Übungen kann der/die TherapeutIn die Partner dazu ermutigen, in die Rolle des anderen zu schlüpfen und so versuchen, sich seine/ihre Position mit den dazugehörigen Erfahrungen und Gefühlen zu Eigen zu machen.

4. Die institutionelle Ehe- und Partnerschaftsberatung

Die Angebote eine Ehe- und Partnerschaftsberatung sind an Rat Suchende in konflikthaften, verunsichernden oder belastenden Lebenssituationen gerichtet. Die Beratung hat die Funkti- on, Rat suchenden Menschen in Entwicklungs-, Kommunikations- und Entscheidungskonflik- ten zu helfen. Hilfe Suchenden soll damit gezeigt werden, wie sie sich aus ihren eigenen Möglichkeiten heraus die Mittel verfügbar machen, die sie brauchen, um in ihren persönli- chen Beziehungen individuelle Wege und Lösungen zu finden (vgl. Struck 2007: S. 1017).

Die Ehe- und Partnerschaftsberatung wird überwiegend als institutionelles Angebot von ge- meinnützigen Trägern angeboten. Darunter stellen oft kirchliche Träger das Angebot der Ehe- beratung bereit, da es „in der Natur ihres seelsorgerlich-pastoralen Auftrages liegt“ (ebd.: S.1018). Vorteil daran ist der offene, freie und niedrigschwellige Zugang, der den Ratsuchen- den die Überwindung zu einer professionellen Beratung leicht machen soll. Durch die rechtli- chen Standards der Beratungsstellen wie zum Beispiel dem Gesetz der Verletzung von Privat- geheimnissen sind sowohl Datenschutz als auch die Vertraulichkeit gewährt (vgl. §203 StGB). Die Angebote sind kostenlos oder kostengünstig, wobei die Gebühr unter Berücksich- tigung der persönlichen Lebensverhältnisse erhoben wird. In der Regel finden jedoch keine Kostenübernahmen durch die Krankenkassen statt.

Durch den Deutschen Arbeitskreis für Jugend-. Ehe- und Familienberatung (kurz: DAK) sind die Rahmenbedingungen, wie die fachlichen Standards, Aufgaben, Tätigkeiten und Qualifi- zierungen der Beratungsstellen bzw. der BeraterInnen gesichert. Es wird in multidisziplinären Teams von HochschulabsolventInnen der Fächer Pädagogik, Psychologie, Theologie, Medi- zin oder ähnliche gearbeitet.

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Details

Seiten
18
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656636380
ISBN (Buch)
9783656636373
Dateigröße
461 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271368
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau – Institut für Psychologie
Note
1,0
Schlagworte
paarberatung

Autor

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Titel: Die klientenzentrierte Paarberatung