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Konstantin. Christ aus Überzeugung?

Seminararbeit 2011 19 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Leben und Herkunft Konstantins
2.1 Familie und Jugend
2.2 Der Aufstieg zur Macht

3. Die Stellung Konstantins zum Christentum
3.1 Konstantin als kalkulierender Machtstratege
3.1.1 Konstantins religiöse Einstellung zur Gewinnung der Christen im Osten
3.1.2 Katechumene – ein Leben lang
3.1.3 Gewaltsames Vorgehen gegen Feinde
3.2 Tendenzen für einen christlichen Glauben
3.2.1 Die Schlacht an der Milvischen Brücke im Zeichen des Kreuzes
3.2.2 Konstantins Abkehr von den alten Göttern
3.2.3 Die Gesetzgebung Konstantins im Sinne der Christianisierung
3.2.3.1 Milderung von Strafgesetzen
3.2.3.2 Familiengesetze
3.2.3.3 Sklavengesetze
3.2.4 Der Übertritt zum Christentum am Sterbebett
3.3.3 Synthese der verschiedenen Aspekte zu Konstantins Stellung zum Christentum

4. Nachwort

5. Literaturverzeichnis
5.1 Sekundärliteratur
5.2 Internetadressen

6. Abbildungsverzeichnis

1. Vorwort

Laut einer Statistik von 2009 gibt es allein in Deutschland mehr als 50 Millionen Christen.[1] Doch wenn man die Menschen auf der Straße nach ihrer Religion fragt, wissen sie oftmals nicht, wer Jesus war oder worauf sich der christliche Glaube bezieht. Wer ist also wirklich ‚echter Christ‘? Kann man sich als Christ bezeichnen, wenn man jeden Sonntag in die Kirche geht, Kirchensteuer bezahlt und vor dem Essen betet? Sind alle Menschen Christen, die Weihnachten feiern, den Geburtstag Jesu? Darf man sich dann überhaupt Christ nennen, wenn man nicht jeden Sonntagmorgen den Gottesdienst besucht? Es gibt kein Gesetz, das diese Fragen beantworten kann. Wenn man über den christlichen Glauben redet, muss man viel tiefer suchen. Es geht nicht um irgendwelche Pflichten und Gebote. Es geht nicht darum, wie viel Kirchengeld man spendet. Es geht auch nicht darum, wie viel Gutes man tut, sondern es geht darum, warum ich etwas tue. Dietrich-Bonhoeffer, ein bekannter Theologe, der für seine Überzeugung sein Leben im zweiten Weltkrieg gab, definierte das Christsein wie folgt:

„Christ ist der Mensch, der sein Heil, seine Rettung, seine Gerechtigkeit nicht mehr bei sich selbst sucht, sondern bei Jesus Christus allein“[2]. Seiner Meinung nach bedeutet es also, Jesus Christus an erste Stelle in seinem Leben zu stellen und somit nicht sich selbst und seine eigennützigen Bedürfnisse und Wünsche.

Viele Historiker und Theologen beschäftigen sich mit solch schwierigen Fragen und versuchen mehr über den persönlichen Glauben einer Person herauszufinden. Am häufigsten wurde jedoch der Blick auf den „ersten“ christlichen Kaiser gerichtet, wie der Quellenstand zu diesem Thema beweist. Der Professor für Alte Geschichte Manfred Clauss schreibt hierzu: „Nur wenige antike Persönlichkeiten sind in der modernen Forschung so häufig und so kontrovers diskutiert worden wie Konstantin (der Große)“[3].

In der folgenden Arbeit geht es um die Frage nach dem Glauben dieses Mannes, eines Kaisers im vierten Jahrhundert: Konstantin der Große. War dieser Mensch Christ aus vollem Herzen und voller Überzeugung? Oder benutze er seinen scheinbar aufrichtigen Glauben aus ganz anderen Gründen? Wollte er die Menschen dadurch für sich gewinnen und seine politische Karriere fördern? Dieses Thema soll in den nächsten Kapiteln näher betrachtet und dadurch Antworten auf die aufgeworfenen Fragen gefunden werden.

2. Leben und Herkunft Konstantins

2.1 Familie und Jugend

Die Quellenlage zu Konstantins Kindheit ist nicht sehr umfangreich, wie auch Karen Piepenbrink in ihrem Werk „Konstantin der Große und seine Zeit“ schreibt: „Will man mit gesicherten Faktoren operieren, wird es sehr schwierig, Konstantins Jugend nachzuzeichnen“[4]. Wahrscheinlich wurde Gaius Flavius Valerius Constantinus am 27. Februar „zwischen 270 und 288“[5] nach Christus in Naissus, dem heutigen Ni in Serbien, geboren.[6] Er war der Sohn des Kaisers Constantius Chlorus (der Blasse)[7] und stammte aus dessen unehelicher Beziehung mit Helena, einer Stallmagd aus Bithynien.[8] Kurze Zeit nach seiner Geburt trennte sich sein Vater von ihr und heiratete Theodora, die Stieftochter seines Mitregenten Maximian,[9] welcher Augustus des Westens war.[10] Aus dieser späteren Ehe seines Vaters gingen Konstantins sechs Halbgeschwister hervor.[11]

Durch die „perfekten Verschleierungskünste“[12], wie Herrmann-Otto schreibt, wurde nicht bekannt, wo Konstantin aufwuchs.[13] Einen Teil seiner Kindheit verbrachte er auf dem Hof des Kaisers Diokletian, bei dem er eine gute Ausbildung genoss.[14] Dort lernte Konstantin auch den Rhetoriker Laktanz kennen, der später als wichtiger Zeitzeuge dient.[15] Nach dem Rücktritt von Diokletian zog er wieder zurück zu seinem Vater, der jedoch schon nach kurzer Zeit verstarb.[16]

Wie Konstantins weiteres Leben aussah, beziehungsweise wie er an die Macht gelang, wird im nächsten Kapitel beschrieben.

2.2 Der Aufstieg zur Macht

Zurzeit Konstantins herrschte im römischen Reich die Tetrachie, welche von dem Kaiser Diokletian im Jahre 293 n. Chr. ins Leben gerufen wurde.[17] Bei diesem System regierte im Westen wie auch im Osten je ein Augustus mit einem untergeordneten Caesar,[18] der die Nachfolge sichern sollte.[19] Anstelle der dynastischen Nachfolge wurden die neuen Regenten nun aus den Besten der Beamten ausgewählt, die auch militärisch dazu befähigt sein mussten.[20]

Im Jahr 306 n. Chr. war Constantius Chlorus, der Vater Konstantins, als Augustus mit dem Caesar Severus für den Westen zuständig; die Herrschaft im Osten hatten Kaiser Galerius und Caesar Maximinus Daia, als das System der Tetrachie durch den Tod von Constantius zerbrach.[21] Eigentlich hätte nun Severus die Nachfolge antreten sollen, doch Constantius Sohn Konstantin wurde von den Truppen ebenfalls zum Augustus ausgerufen, und damit zum Usurpator gemacht.[22] Der berühmte Geschichtsschreiber Tacitus erklärt eine Usurpation mit folgenden Worten: „[…] das Geheimnis des Imperiums tritt nunmehr offen zutage, dass nämlich ein Kaiser auch anderswo als in Rom gemacht werden kann“[23]. Um Auseinandersetzungen militärischer Art zu umgehen, bemühte sich Konstantin um die Anerkennung des Galerius, welcher ihn später schließlich zum Caesar des Westens ernannte.[24]

Konstantin ließ, wie es Tradition war, bei der Verbrennung seines Vaters einen Adler fliegen. Dieser Flug gen Himmel trug die Bedeutung, dass der Tote, wie der Adler auch, in den Himmel aufsteigen sollte. Somit machte er Constantius zu einem Gott und auch er konnte sich ab nun Sohn eines Gottes nennen.[25]

Im Jahre 310 n. Chr. lag die Machtverteilung im römischen Reich folgendermaßen vor: der Osten wurde von Galerius und Caesar Maximinus Daia regiert, der Westen von Licinius als Augustus und Konstantin. Auch Maxentius, der sich zum Augustus ausrufen ließ, konkurrierte um die Herrschaft im Westen. Nach dem Tod des Galerius und den Niederlagen von Maxentius im Jahr 312 in der Schlacht an der Milvischen Brücke (siehe Kapitel 3.2.1) und der von Maximinus Daia 313, errang Konstantin im Jahre 324 gegen den übriggebliebenen Licinius den entscheidenden Sieg und wurde somit Alleinherrscher über das römische Reich.[26]

3. Die Stellung Konstantins zum Christentum

3.1 Konstantin als kalkulierender Machtstratege

3.1.1 Konstantins religiöse Einstellung zur Gewinnung der Christen im Osten

Nach Konstantins Sieg gegen Maxentius in der Schlacht an der Milvischen Brücke (siehe Kapitel 3.2.1) und dem Sieg gegen Maximinus Daia, dem Mitregenten der Tetrachie, teilten sich nun Licinius und Konstantin das Reich.[27] Clauss spricht von dem Beginn des Kampfes um den Osten und des Kampfes um die Alleinherrschaft.[28]

„Insbesondere im Osten, wo die meisten Christen lebten, waren die Verluste auf Seiten der Christen unter Diokletian […]“[29], dem Begründer der Tetrachie, der von 284-305 regierte[30], „[…] hoch gewesen […]“[31] und dies bedeutete somit, dass der Fortlauf des Christentums bedroht wurde.[32] Trotz des Toleranzedikts von 311, welches die Religionsfreiheit unterstützen sollte, kam es immer wieder zu Streitigkeiten mit den Christen.[33]

Konstantin ließ ein neues Feldzeichen anfertigen, das Labarum.[34] Es zeigte das Christogramm im Lorbeerkranz[35] und damit sollte das Heer unter dem Schutz dieses Gottes stehen.[36]

[...]


[1] vgl. Statistisches Bundesamt: Angehörige ausgewählter Weltreligionen 2001. http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/EN/Content/Statistics/Internationales/InternationalStatistics/Topic/PopulationLabourSocial/Demography/TabJahrbuch0203,property=file.pdf (Stand: 8.9.2011, 18:31 Uhr)

[2] Bethge, Eberhard (Hrsg.): Dietrich Bonhoeffer. Gemeinsames Leben, München 231988 , S.18

[3] Clauss, Manfred: Konstantin der Grosse und seine Zeit, München 42009, S.7

[4] Brodersen, Kai (Hrsg.): Geschichte kompakt – Antike, Darmstadt 2002, S.28

[5] Clauss 2009, S.18

[6] vgl. Sommer, Michael: Die römischen Kaiser. Herrschaft und Alltag, Darmstadt 2010, S.192

[7] vgl. ebd., S.192 und vgl. Brodersen 2002, S.28

[8] vgl. Clauss 2009, S.19

[9] vgl. Brodersen 2002, S.28

[10] vgl. Clauss, Manfred (Hrsg.): Gestalten der Antike, Darmstadt 2007, S.17

[11] vgl. ebd., S.17

[12] ebd., S.17

[13] vgl. ebd., S.17

[14] vgl. ebd., S.17 und vgl. Brodersen 2002, S.29

[15] vgl. Clauss 2007, S.18

[16] vgl. Brodersen 2002, S.29

[17] vgl. Burchert, Stefan: Die Konstantinische Wende. Eine zusammenfassende Darstellung zentraler Aspekte, Barmstedt 2001, S.11

[18] vgl. ebd., S.11

[19] vgl. Clauss 2007, S.21

[20] vgl. ebd., S.19

[21] vgl. Brodersen 2002, S.25

[22] vgl. ebd., S.25 und Clauss 2009, S.21

[23] Tactus: Historien zitiert nach: Sommer 2010, S.51

[24] vgl. Brodersen 2002, S.29f. und Clauss 2009, S.21

[25] vgl. Clauss 2009, S.21

[26] vgl. Burchert 2001, S.11 und vgl. Clauss 2009, S.22

[27] vgl. Clauss, Manfred (Hrsg.): Die römischen Kaiser, 55 historische Portraits von Caesar bis Iustinian, München 22001, S.287

[28] vgl. Clauss 2009, S.42

[29] Burchert 2001, S.35

[30] vgl. Von Steuben, Hans (Hrsg.): Beck´s Archäologische Bibliothek, München 1996, S.238

[31] Burchert 2001, S.35

[32] vgl. ebd., S.35

[33] vgl. Clauss 2009, S.43

[34] vgl. Clauss 2009, S.47

[35] vgl. ebd., S.47

[36] vgl. Clauss 2001, S.287

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656636342
ISBN (Buch)
9783656636298
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271356
Note
1,7
Schlagworte
Konstantin der Große Christentum Politisches Kalkül Christianisierung erster Christ Religion Glaube Konstantin Gesetzgebung Schlacht an der milvischen Brücke

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