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Crowdfunding. Funktionsweise, Anreizmechanismen und ökonomische Implikationen

Seminararbeit 2014 31 Seiten

VWL - Industrieökonomik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung in die Thematik des Crowdfundings

2. Grundlagen des Crowdfundings
2.1 Definition des Marktes
2.2 Die Akteure und deren Vorgehensweise
2.3 Makroökonomische Potentiale des Crowdfunding

3. Ökonomische Analyse des Verhaltens der Crowdfunding-Akteure
3.1 Motive und Anreize zur Teilnahme an Crowdfunding-Aktionen
3.2 Risiken des Crowdfundings

4. Unvollkommenheiten im Markt für Crowdfunding und deren Lösungbarkeit
4.1 Due Diligence des Crowdfundings – Die Freerider Problematik
4.2 Gründe für den Zusammenbruch des Marktes für Crowdfunding
4.3 Lösung der Informationsasymmetrie durch Signaling
4.4 Lösung der Koordinationsproblematik durch das „Alles oder Nichts“–Prinzip

5. Empirische Befunde anhand der Plattform SellaBand
5.1 Funktionsweise der Plattform
5.2 Daten und Modellentwurf
5.3 Resultate

6. Konklusion und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Lokation der Initiatoren auf SellaBand

Abbildung 2 Lokation der Investoren auf SellaBand

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1:Die Höhe des kumulierten Kapitals beeinflusst die Wahrscheinlichkeit einer Investition

Tabelle 2: Vergleich des Verhaltens lokaler und entfernter Investoren

Tabelle 3: Regression mit F&F

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung in die Thematik des Crowdfundings

Seit der Jahrtausendwende hält das Internet stetig wachsenden Einzug in unser aller Dasein. Dabei wurden durch das Internet viele Bereiche des privaten und öffentlichen Lebens tiefgreifend modifiziert und revolutioniert. Nun, da das Vertrauen in die neue Technik gestiegen ist, wagen es die Wirtschaftsakteure (finanz-)wirtschaftliche Transaktionen wie den Kauf von hochwertigen Wirtschaftsgütern (bspw. Küchen und Autos) oder Online-Banking über das neue Medium abzuwickeln.

Eine der jüngsten Entwicklungen im Bereich von finanzwirtschaftlichen Transaktionen ist die Anschubfinanzierung (Early Stage Financing) von Projekten, Produkten und Unternehmen über das Internet in Form von vielen kleinen monetären Beitragen, genannt Crowdfunding.

Die Funktionsweise, die Anreizmechanismen und die ökonomischen Implikationen dieses neuen Marktes sollen in dieser Seminararbeit erörtert und erarbeitet werden. Besonderes Augenmerk liegt auf den Marktunvollkommenheiten, deren Lösungsmechanismen sowie den Risiken, welche der attraktiven Reduktion von Transaktionskosten gegenüber stehen.

Weiterhin soll anhand empirischer Ergebnisse überprüft werden, ob Crowdfunding eine Erweiterung oder eine Substitution zu anderen Finanzierungen darstellt und ein Ausblick auf Crowd-Equity gegeben werden.

2. Grundlagen des Crowdfundings

In diesem Abschnitt soll in einem ersten Schritt ein Überblick über die verschiedenen Teilmärkte des Crowdfundings gegeben und eine Eingliederung in die Thematik des Crowdsourcing vorgenommen werden. Im zweiten Schritt soll das Verhalten der Akteure untersucht werden. Anschließend soll auf die Frage eingegangen werden, welche makroökonomischen Potenziale von Crowdfunding ausgehen.

2.1 Definition des Marktes

Crowdfunding wird von Hemer et. al. (2011) als eine Form der Projekt- und Innovationsfinanzierung durch Mircopayments definiert. Das heißt, dass mit Hilfe des Internets Investoren kleine Geldbeträge zur Finanzierung von sozialen-, künstlerischen- oder Innovationsprojekten zur Verfügung stellen. Als Gegenleistung erhalten die Investoren hierfür zumeist eine Art „Dankeschön“ in nicht-pekuniärer Form. Allerdings ist auch die Beteiligung an den Umsätzen des zur Finanzierung stehenden Produktes möglich. Im Weiteren unterscheiden Hemer et. al. (2011) verschiedene Unterformen des Crowdfundings anhand der für die Investoren bereitgestellten Gegenleistung: Crowd-Spende (keine Gegenleistung), Crowd-Investment oder Crowd-Equity (Erwerb von Unternehmensanteilen), Crowd-Sponsoring, Crowd-Zuwendung, Crowd-Pre-Selling (Bezug von Produkten vor dem allgemeinen Verkaufsstart), Crowd-Darlehen (Abschluss von bilateralen Kreditverbindlichkeiten) sowie Mischformen der genannten.

Die Unterform des Crowd-Investment, oder auch Crowd-Equity genannt, nimmt eine besondere Rolle ein. Da hierfür in den meisten Ländern noch die gesetzlichen Grundlagen geschaffen werden müssen, gibt es noch kaum empirische Erfahrungen mit Crowd-Equity (Agrawal, Catalini und Goldfarb, 2013). Darum soll lediglich im Ausblick darauf eingegangen werden, inwiefern die Erkenntnisse dieser Arbeit auch auf Crowd-Equity zutreffen mögen.

In einen größeren Kontext eingebettet kann Crowdfunding als eine Unterform des externen Crowdsourcing angesehen werden. Mit dieser soll unter Einbeziehung von unternehmensexternen Individuen der Nutzen des den Konsumenten später bereitgestellten Produktes erhöht werden (Kleeman et al., 2008). In dieser Einordnung wird insbesondere deutlich, dass neben der Möglichkeit zur Finanzierung des Projektes auch die Möglichkeit besteht, durch die Wahl dieser Finanzierungsform Mehrwerte zu schaffen.

Zum Markt für Crowdfunding gehören: Initiatoren, welche Finanzierungsgesuche aufgeben und Informationen über ihr Projekt bereitstellen; Investoren, die potentiell dazu bereit sind Geld in die Projekte der Initiatoren zu investieren und schließlich die Plattformbetreiber, welche Investoren und Initiatoren zusammenführen.

2.2 Die Akteure und deren Vorgehensweise

Die Initiatoren können die Begründer eines sozialen Projektes, Musiker, Künstler, Regisseure oder Erfinder eines technischen Neuproduktes sein. Diese stehen auf ihren jeweiligen Teilmärkten in Konkurrenz zueinander, wodurch alle Initiatoren (auch im Fall der Crowd-Spende) ökonomischen Anreizen unterworfen sind (Agrawal, Catalini und Goldfarb, 2013).

Um Investoren zu akquirieren müssen Informationen bereitgestellt werden (Ward und Ramachandran, 2010). Häufig wird darum ein Pitch-Video auf der Crowdfunding-Plattform hochgeladen. Im Falle eines Projekts im musikalischen Bereich wird hierbei oftmals ein „Demo-Tape“ des Künstlers zur Verfügung gestellt, das sowohl das Genre als auch Qualität des Interpreten näher bringen soll. Des Weiteren werden die am Projekt beteiligten Personen vorgestellt um auch die personelle Kompetenz und damit die Erfolgsaussichten zu plausibilisieren. Ebenso erleichtert es die Identifikation der Investoren mit den Initiatoren, was einen positiven Einfluss auf die Förderbereitschaft der Investoren hat (Hemer et. al. 2011). Eine ausführliche Darstellung der Initiatoren ist daher förderlich. Hierfür spielt die persönliche Komponente eines sympathischen Auftretens im Pitch-Video eine immense Rolle.

Bei kommerziellen Projekten ist es üblich den Businessplan des Projekts zugänglich zu machen um Investoren Einblick in die Ertragschancen zu gewähren. Agrawal, Catalini und Goldfarb (2013) merken hierzu an, dass die Prognosen der Investoren oft zu optimistisch sind.

Außerdem wird zumeist ein Plan aufgezeigt, welcher erläutert wie das gesammelte Kapital eingesetzt und welche Kosten davon getragen werden sollen.

Auch die Bereitstellung einer attraktiven Prämie erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit der Finanzierung. Insbesondere immaterielle Prämien finden regen Anklang (Hemer et. al. 2011).

Ein weiterer essentieller Punkt ist die fachgerechte Vermarktung der Crowdfunding-Aktion. Mediale Aufmerksamkeit kann beispielsweise durch Interviews mit Prominenten erzeugt werden. Ein aktuelles Beispiel für erfolgreiches Crowdfunding ist „Stromberg-Der Film“. Christoph Maria Herbst hat für den Film aktiv geworben[1] und innerhalb einer Woche wurde das Kapital von einer Million Euro bereitgestellt.[2] Als Prämie für die Investoren wurden Plätze im Abspann des Films und Premierenkarten eingesetzt. Zusätzlich erhalten die Investoren ihr Kapital zurück, wenn der Film von mindestens einer Million Zuschauern besucht wird.

Die Investoren stellen Geld zur Finanzierung der Projekte der Initiatoren bereit. Die Mindestinvestition liegt bei vielen Plattformen bei (nur) zehn Euro oder Dollar. Den Investoren wird außerdem die Möglichkeit gegeben mit den Initiatoren zu interagieren und Kommentare, Anregungen und Feedback zu äußern (Agrawal, Catalini und Goldfarb, 2013).

Die Plattformbetreiber sind Intermediäre. Sie bringen Investoren und Initiatoren zusammen und geben Ihnen damit die Möglichkeit Transaktionen vorzunehmen. Zu jedem Zeitpunkt in der jungen Geschichte des Crowdfundings gab es eine Plattform, welche den Markt für diese dominierte (Agrawal, Catalini and Goldfarb, 2013). Plattformbetreiber sind zumeist gewinnorientiere Unternehmen, können aber auch Non-Profit-Organisationen sein.

2.3 Makroökonomische Potentiale des Crowdfunding

Eine der wohl größten Chancen durch Crowdfunding ist die Erhöhung des von Privatpersonen bereitgestellten Kapitals[3]. Daraus könnte sich eine höhere Anzahl an Innovationen und damit Wachstum ergeben. In diesem Sinne ergibt sich durch Crowdfunding die Chance die gesamtwirtschaftliche Wohlfahrt zu steigern. Durch das frühe Miteinbeziehen der Öffentlichkeit könnten zusätzliche Projekte entstehen, welche Erweiterungen oder Anwendungen für das Produkt eines anderen Projektes anbieten und damit das Wachstum abermals steigern (Agrawal, Catalini und Goldfarb, 2013). Ebenso könnte die Nutzung von Crowdfunding Arbeitsplätze schaffen, sofern Kapital das momentan in Finanzaktiva wie Derivaten investiert ist durch Crowdfunding wieder in der Realwirtschaft investiert wird[4].

Ob sich diese wünschenswerten Konsequenzen durch Crowdfunding realisieren hängt insbesondere davon ab, ob Unternehmen lediglich traditionelle Finanzierungsformen substituieren werden, oder ob Crowdfunding-Kapital zu Unternehmen fliest, welche andernfalls keine Möglichkeit hätten ihr Projekt zu finanzieren. Ein Indiz hierfür könnte sein, dass in Regionen mit hohen Grundstückspreisen (welche als Sicherheit für Darlehn geeignet sind) tendenziell seltener von Crowdfunding Gebrauch gemacht wird (Agrawal, Catalini und Goldfarb, 2013). In Abschnitt 5 soll deshalb untersucht werden, ob das Verhalten der Investoren geographischen Gegebenheiten folgt (mehr Investitionen in lokalen Projekten), oder ob es auch für Initiatoren in Gegenden ohne lokale Investoren (sowohl traditionelle Finanzinvestoren und Crowdfunding-Investoren), durch Crowdfunding ermöglicht wird, ihre Ideen verwirklichen zu können.

Das Potential von Crowdfunding wurde in den Vereinigten Staaten schon erkannt und es wird momentan von der amerikanischen Börsenaufsicht an der Regulierung des Marktes für Crowd-Equity gearbeitet (Agrawal, Catalini und Goldfarb 2013). In Deutschland und von Seiten der Europäischen Union (EU) ist bislang allerdings kein Interesse an Crowdfunding als Wachstumsfinanzierung bekannt (Hemer et. al., 2011).

[...]


[1] http://www.myspass.de/myspass/specials/stromberg-kinofilm/news/christophmariaherbst-interview-19032013.php besucht am 21.08.2013 um 12:00 Uhr

[2] http://www.n24.de/n24/Nachrichten/d/1787306/drehstart-fuer--stromberg---der-film-.html besucht am 21.08.2013 um 12:15 Uhr

[3] http://www.economist.com/node/21556973 besucht am 31.08.2013 um 17:00 Uhr

[4] http://www.nytimes.com/2011/09/26/opinion/a-proposal-to-allow-small-private-companies-to-get-investors-online.html?_r=0 besucht am 31.08.2013 um 16:55

Details

Seiten
31
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656636151
ISBN (Buch)
9783656636144
Dateigröße
2.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271354
Institution / Hochschule
Universität Hohenheim – Institut für Volkswirtschaftslehre
Note
1,0
Schlagworte
Crowdfunding

Autor

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Titel: Crowdfunding. Funktionsweise, Anreizmechanismen und ökonomische Implikationen