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Das 4-Seiten-Modell nach Schulz von Thun. Anwendung in einem Paarkonfliktgespräch

Studienarbeit 2008 19 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kommunikation, Interaktion und Konflikt

3 Das 4-Seiten-Modell nach Schulz von Thun
3.1 Die 4 Schnäbel einer Nachricht
3.2 Die 4 Ohren eines Empfängers
3.3 Metakommunikation und Feedback

4 Problemstellung
4.1 Analyse des Paarkonfliktgesprächs
4.2 Metakommunikation als Lösungsansatz

5 Durchführung, Ergebnis und Erfahrungen

6 Zusammenfassende Bewertung und Ausblick

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ende der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts haben Paul Watzlawick, Janet H. Beavin und Don D. Jackson im kalifornischen Palo Alto ihren pragmatischen Ansatz der Kommunikation entwickelt. Das erste prag-matische Axiom dieses Ansatzes lautet: „Man kann nicht nicht kommunizieren“ (1969, S. 53).

(Dieser pragmatische Ansatz sollte Schulz von Thun einige Jahre später dazu dienen, sein 4-Seiten-Modell u.a. darauf aufzubauen. Dazu später mehr.)

Dass man nicht nicht kommunizieren kann, muss ein jeder, der in einer Partnerschaft lebt – gleich, ob nun homo- oder heterosexueller Natur -, immer wieder feststellen. Das Axiom impliziert nicht, dass Kommuni-kation eineindeutig ist. Wäre dem so, gäbe es kaum einen Grund, warum sich die Wissenschaft in diesem Maße der Kommunikation widmet, wie sie es –immer mehr- tut.

Mit meiner Hausarbeit werde ich versuchen, eine alltägliche Gesprächssituation, die meiner Partnerin und mir selbst passiert ist, anhand des 4-Seiten-Modells von Schulz von Thun zu analysieren, einen Lösungsansatz zu finden und praktisch umzusetzen.

Diese Gesprächssituation, die sich um den Zustand ihrer Wohnung und meiner Untätigung dem gegenüber, ist der Ausgangspunkt meiner Arbeit. Meine These ist, dass man zwar immer kommuniziert, es jedoch durch die Uneindeutigkeit des Kommunizierens zu Konflikten kommt, die jedoch analysiert, verstanden und gelöst werden können.

Das zentrale Thema meiner Hausarbeit ist somit Kommunikation und Konfliktlösung. Dazu werden die wichtigsten und nötigen Begriffe erläutert. Danach werde ich das Modell, was ich zur Analyse des Paar-konfliktgesprächs gewählt habe, erklären: das 4-Seiten-Modell von Schulz von Thun.

Anschließend werde ich die Konfliktsituation wiedergeben, sie anhand des Modells analysieren, einen Lösungsvorschlag geben und das Ergebnis interpretieren. Meine Arbeit wird mit einer zusammen-fassenden Bewertung und einem Ausblick abgeschlossen.

Ich möchte kurz anmerken, dass ich aufgrund der besseren Lesbarkeit in dieser Arbeit auf eine geschlechterneutralisierende Formulierung verzichten werde. Die Textdarstellung erfolgt in männlicher Form, was jedoch keine persönliche Wertung des Autors wiederspiegelt. Meine Gesprächspartnerin hat der Verwendung unseres Konfliktgesprächs zugestimmt und die Arbeit ohne Einwände gelesen.

2 Kommunikation, Interaktion und Konflikt

Kaum jemand würde daran Zweifel hegen, dass Kommunikation für alle sozialen Prozesse unabdingbar ist. Kommunikation ist im vor-wissenschaftlichen Verständnis ein selbstständiger und in der Regel unproblematischer Vorgang wie das Atmen oder die Nahrungsauf-nahme. Aber: Kommunikationsprozesse sind wegen ihrer Flüchtigkeit so schwer zu analysieren. Und weil Kommunikation alltäglich und all-gegenwärtig ist, tritt sie somit als Problem selten ins Bewusstsein.

Die wissenschaftliche Analyse der Kommunikation steht, gemessen an ihrer Bedeutung, die Kommunikation offenbar für menschliches Leben überhaupt hat, seit die Kommunikation als Forschungsobjekt von Interesse ist, dazu in einem merkwürdigen Kontrast: es gibt bis heute keine allgemein gültige Definition des Begriffs. Daher wird es in dieser Arbeit auch keine definitive Klärung dessen geben können, was Kommunikation ist.

Watzlawick et al. (1969, S. 51-53) meinen, dass jedes Verhalten Kommunikation ist, weil auch Schweigen und Nichtagieren interpre-tiert werden kann. Schulz von Thun definiert Kommunikation wie folgt (1981, S. 25): „Da ist ein Sender, der etwas mitteilen möchte. Er verschlüsselt sein Anliegen in erkennbaren Zeichen – wir nennen das, was er von sich gibt, seine Nachricht. Dem Empfänger obliegt es, dieses wahrnehmbare Gebilde zu entschlüsseln.“

Vergleicht man die Vielzahl vorhandener Definitionsversuche unter-schiedlicher Wissenschaftler, so kann man verallgemeinern, dass Kom-munikation die Übermittlung einer Nachricht (Information) zwischen einem Sender und einem Empfänger mit Hilfe eines Übertragungs-mediums (Kanal) ist (vgl. Großes Lexikon, 1993, S. 465).

Die Modalitäten der Kommunikation unterteilen sich in sprachliche, wie Stimme und Schrift, sowie in nichtsprachliche, wie Körperhaltung, Stimmlage und Distanz. Hervorzuheben ist, dass einzig die Stimme, unser Sprechen, verbale Kommunikation ist; alles andere nonverbal.

Eine gänzlich andere, aber interessante Definition von Kommunikation findet sich bei Flusser (1998, S. 9 - 12), wo es heißt: „Die menschliche Kommunikation ist ein künstlicher Vorgang. Sie beruht auf Kunst-griffen, auf Erfindungen, auf Werkzeugen und Instrumenten, nämlich auf zu Codes geordneten Symbolen. Menschen verständigen sich unter-einander nicht auf „natürliche“ Weise: Beim Sprechen kommen nicht „natürliche Töne heraus wie beim Vogelgesang, und das Schreiben ist keine „natürliche“ Geste wie der Bienentanz. (…) Die menschliche Kommunikation ist ein Kunstgriff, dessen Absicht es ist, uns die brutale Sinnlosigkeit eines zum Tode verurteilten Lebens vergessen zu lassen. Von „Natur“ aus ist der Mensch ein einsames Tier, dann er weiß, dass er sterben wird und dass in der Stunde des Todes keine wie immer gearbeitete Gemeinschaft gilt: Jeder muss für sich allein sterben. Und potentiell ist jede Stunde die Stunde des Todes. (…) Die menschliche Kommunikation ist ein Kunstgriff gegen die Einsamkeit zum Tode.“

Dem anschließend, möchte ich kurz auf den Begriff der Interaktion eingehen. Das ist nötig, denn „…die Kommunikation ist ja nicht damit beendet, dass der eine etwas von sich gibt und beim anderen etwas ankommt. Im Gegenteil, nun geht es ja erst richtig los! Der Empfänger reagiert, wird dadurch zum Sender und umgekehrt, und beide nehmen aufeinander Einfluss. Wir sprechen von Interaktion.“ (Schulz von Thun, 1981, S. 82).

Im allgemeinen wird für die Möglichkeit von Interaktion eine gewisse gegenseitige Voraussehbarkeit des Handelns, also ein gewisser Konsens (meist über Werte und Normen) vorausgesetzt, der zugleich in der Interaktion hergestellt und gelernt wird. Interaktion ist also jede Beziehung, in der Menschen in Kontakt treten und aufeinander einwirken.

Zuletzt sollte noch der Begriff des Konflikts erklärt werden, um dem Ausgangsproblem meiner Arbeit näher zu kommen. Das Fachlexikon der sozialen Arbeit (1993, S. 577) meint mit „Konflikt“„jede durch Gegensätzlichkeit gekennzeichnete Beziehung zwischen zwei Elementen, z.B. Personen und Gruppen.“

Nachdem die für meine Arbeit relevanten Begriffe erklärt worden sind, möchte ich nun zur Darstellung des theoretischen Modells übergehen, mit dem ich das Paarkonfliktsgespräch analysieren möchte:

3 Das 4-Seiten-Modell nach Schulz von Thun

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, baut das 4-Seiten-Modell nach Schulz von Thun (vgl. 1981, S. 30) auf andere Modelle auf, und hat diese weiter entwickelt:

- das Organon-Modell von Bühler (1934), das eine Beziehung von Sender, Empfänger und Objekt darstellt
- der pragmatische Ansatz von Watzlawick et al. (1969), dessen 2. Axiom zwischen Inhalts- und Beziehungsaspekt von Nachrichten unterscheidet
- die themenzentrierte Interaktion von Cohn (1976), bei der innerhalb eines Umfeldes das Ich, das Wir und das Es zusammentreffen

Ausgehend vom 1. Axiom von Watzlawick et al. (1969), dass man nicht nicht kommunizieren kann, geht Schulz von Thun davon aus, dass ein und dieselbe Nachricht, ob man will oder nicht, viele Botschaften hat. Der Sender sendet immer gleichzeitig auf vielen Seiten, der Empfänger empfängt immer vielfach. Das ist der Problem, mit dem Kommu-nikation zu kämpfen hat: Uneindeutigkeit. „Dies ist eine Grundtatsache des Lebens, um die wir als Sender und Empfänger nicht herum-kommen.“ (Schulz von Thun dazu, 1981, S. 26).

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Details

Seiten
19
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656631385
ISBN (Buch)
9783656631354
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271336
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,0
Schlagworte
schulz thun anwendung paarkonfliktgespräch

Autor

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Titel: Das 4-Seiten-Modell nach Schulz von Thun. Anwendung in einem Paarkonfliktgespräch