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Menschliches Glücksstreben und christlicher Glaube bei Aurelius Augustinus und Martin Luther

Ein Vergleich der theologischen Ansätze

Hausarbeit 2013 24 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Aurelius Augustinus
1.1 Biographie und historische Einordnung
1.2 Entstehungsgeschichte von De beata vita
1.3 Augustinus über das Glücksstreben und den Glauben

2. Martin Luther
2.1 Biographie und historische Einordnung
2.2 Entstehungsgeschichte des Großen Katechismus
2.3 Entstehungsgeschichte von Das schöne Confitemini
2.4 Luther über das Glücksstreben und den Glauben

3. Ein Vergleich zwischen Augustin und Luther
3.1 Die Ausgangsposition der Autoren
3.2 Vorstufen des Glücks?!
3.3 Glück

4. Resümee

5. Literaturangaben

Einleitung

Gibt man heutzutage in eine Internetsuchmaschine das Wort „Glück“ ein, erscheinen über 6,5 Millionen Ergebnisse, die zu Zitaten, Selbsthilfebüchern, Vierblättrigen- Kleeblättern und diversen Philosophischen Texten führen1. Doch was genau macht die Glücksthematik zu solch einer interessanten? Wieso strebt der Mensch nach Glück und wie lässt es sich mit dem christlichen Glauben verbinden? Diese Arbeit möchte sich dem Glück widmen. Da eine allgemeine Abfassung zu dieser Thematik jedoch sehr umfangreich wäre, sollen die Fragen insbesondere mit der Hilfe von zwei bedeutenden Menschen innerhalb der Theologie- und Weltgeschichte beantwortet werden: Aurelius Augustinus und Martin Luther. Beide haben eine Vielzahl an Werken verfasst und sollen nun anhand von De beata vita sowie Luthers Das schöne Confitemini und dem Großem Katechismus vorgestellt und auf ihre Meinung zur Glücksthematik hin untersucht werden.

Zu diesem Zweck wird zunächst ein Blick auf Augustinus selbst geworfen. Um eine Einordnung von dessen Glücksverständnis vornehmen zu können, soll vorerst seine eigene Person vorgestellt und in den historischen Kontext seiner Zeit eingeordnet werden. Daraufhin folgt eine kompakte Übersicht zur Entstehungsgeschichte von De beata vita, um die Zeit und die Umstände, in denen Augustin diese schrieb näher zu beleuchten. Der Inhalt des Werks und somit Augustins Abhandlung über das Glück werden im Anschluss daran dargelegt, um eine Wissensgrundlage für den späteren Vergleich zu schaffen.

In einem zweiten Schritt geht es um die Darstellung von Luthers Glücksverständnis anhand seiner Werke. Dazu soll vorweg ebenfalls Luthers Biographie, dessen historische Einordnung sowie die Entstehungsgeschichten des Großen Katechismus und des schönen Confitemini vorgestellt werden. Eine zusammenfassende Sicht Luthers auf die Glücksthematik anhand dieser Werke folgt.

Die im Vorhinein vorgestellten Aussagen und Gedanken von Augustin und Luther zum Thema „Menschliches Glücksstreben und christlicher Glaube“ sollen daraufhin anhand von einzelnen Oberbegriffen verglichen werden, um ähnliche oder differente Aussagen herauszustellen. Thematisiert werden die Ausgangspositionen der Autoren, die sie beim Schreiben ihrer Werke inne hielten sowie die Frage, ob sie von einer Art „Vorstufen des Glücks“ ausgehen oder nicht. Inwiefern sie sich letztendlich in ihrer Glücksvorstellung und der Betrachtung des menschlichen Glücksstrebens im Zusammenhang mit dem christlichen Glauben unterscheiden, wird anschließend geklärt.

Das Resümee soll eine abschließende Betrachtung der Thematik ermöglichen und aufzeigen was sich aus den vorherigen Informationen mitnehmen lässt.

1. Aurelius Augustinus

1.1 Biographie und historische Einordnung

Augustinus gilt bis heute als einer der großen Autoren der antiken Literatur und als einer der Kirchenväter. Die biographischen Informationen zum Leben und Wirken Augustins sind besonders durch dessen Ausfhrungen in seinem Werk Confessiones und durch diverse andere Schriften bermittelt. Durch die Tatsache, dass diese Angaben hauptsächlich aus der eigenen Feder des Augustins stammen, sind sie mit einem kritischen Blick zu bedenken, sollen aber dennoch berschaubar vorgestellt werden.2

Um die Lebensweise und seine Werke zu verstehen, ist es notwendig auch die Zeit und ihre politischen Hintergrnde zu betrachten, in die Augustin hineingeboren wurde und in denen er lebte. Dabei soll das Augenmerk auf Rom und seine Umgebung gerichtet werden, um den Rahmen dieser Arbeit nicht zu sprengen.

Das vierte Jahrhundert ist maßgeblich von der Konstantinischen Wende geprägt. Während zu Beginn die letzte große Christenverfolgung stattfindet, kommt es bereits 313 durch das Toleranzedikt von Mailand zur Legalisierung des Christentums durch Konstantin I. und dadurch zur Zurckdrängung der Götterkulte, die dann 391, als Konsequenz des Christentums als Staatsreligion, vollends verboten werden. Da bis zu diesem Zeitpunkt jedoch durch Konstantin II. und Kaiser Julian ein erneuter Wechsel zwischen Christentum und Götzenverehrung stattfand, ist die Tatsache, dass die Menschen dieser Zeit in ihrer Religiosität verunsichert waren, leicht zu verstehen. Da außerdem ein Angriff durch die Germanen von außen drohte und durch den Umschwung der Staatsreligion auch innerstaatlich Unruhe herrschte, war die Zeit zudem durch diese geprägt.3

In diese Zeit hinein wird Aurelius Augustinus am 13.11.354 als Sohn von Patricius, einem städtischen Beamten und Monnica in Thagaste, Nordafrika, geboren, wo er auch aufwächst. Da seine Mutter berzeugte und fromme Christin ist, wird auch Augustin christlich erzogen. Bereits mit 15 Jahren besucht er dort erste Rhetorikkurse. Kurze Zeit später wird sein unehelicher Sohn Adeodatus geboren, zu dem er bis zu dessen Tode Kontakt pflegt. Einige Zeit später ist Augustin im Alter von 20-28 Jahren Rhetoriklehrer in Rom. Von 384-386 ist er Rhetorikprofessor am kaiserlichen Hof in Mailand. Dort kommt er mit neuplatonischen Schriften in Berhrung, die ihn in seinen späteren Werken beschäftigen sollen. 386 erlebt Augustinus in einem Mailänder Garten ein Bekehrungserlebnis, das er zum Anlass nimmt sein Leben zu ändern. Er gibt seine Arbeit am Hofe auf und lebt fortan asketisch. Ein Jahr später lässt er sich taufen und verfasst erste antimanichäische Schriften. Außerdem ist 387 das Todesjahr seiner Mutter. Sein Sohn stirbt zwei Jahre später ebenfalls.4

Innerhalb der weiteren zehn Jahre wird Augustinus in Hippo Regius erst zum Priester, später zum Bischof ernannt. Er trägt fortan den Namen Augustinus von Hippo. Um 400 schreibt er seine wohl berhmteste Schrift die Confessiones. Rund zwölf Jahre später erscheint das ebenfalls bekannte Werk De Civitate Dei als Reaktion auf antichristliche Polemik nach der Eroberung Roms durch Alarich. Während sich Augustinus in Hippo befindet, wird dieses von Vandalen, einer Gruppe der Germanen, belagert und im Mai 430 von diesen erobert. Noch im gleichen Jahr stirbt Augustinus im Alter von 75 Jahren.5

1.2 Entstehungsgeschichte von De beata vita

Augustins Werk De beata vita wird auf das Jahr 386 n. Chr. datiert.6 Von all seinen erhaltenen Schriften, ist diese somit einer seiner ersten. Augustinus befand sich zu dieser Zeit auf einem Landgut in Cassiciacum. Er hatte sich dorthin mit Verwandten, Freunden und Schlern zurckgezogen, kurz nachdem er Mailand verlassen und seinen Beruf dort aufgegeben hatte. Die Grnde dafr liegen wohl unter anderem in einer schweren Erkrankung. Die Entstehungszeit befindet sich demnach im bergang zwischen Kndigung, Lebensänderung und seiner Taufe.

Die Rahmenbedingungen werden innerhalb des Werkes selbst von Augustinus dargelegt. So ist De beata vita von Augustinus an einen gewissen Theodorus gerichtet. Damit ist wohl Flavius Manlius Theodorus gemeint, der Konsul war sowie christlichen und neuplatonischen Schriften nahestand7. Diesem erzählt Augustinus von einem ber drei Tage immer wieder aufgenommenen Gespräch mit Freunden und Verwandten ber das Glck. Seine Gesprächspartner sind dabei seine Mutter Monnica, sein Bruder Navigius, seine Cousins Lartidianus und Rusticus sowie Trygetius und Licentius, die zwei seiner Schler sind, und sein Sohn Adeodatus.8

Während seiner Zeit auf dem Landgut verfasste Augustinus außerdem die Werke De Academicis, De ordine und Soliloquia.9 Diese werden, inklusive De beate vita, als „Cassiciacum-Dialoge“10 bezeichnet und umfassen grundlegende Fragen der Philosophie. So geht es in den anderen drei Werken unter anderem um die Weltordnung sowie die Selbst- und Gotteserkenntnis.11

1.3 Augustinus ber das Glcksstreben und den Glauben

Die Unterhaltung, die Augustinus innerhalb seines Werkes De beata vita beschreibt, soll hier als Quelle fr dessen Auffassung von menschlichem Glcksstreben und Glauben dienen. Der Inhalt seiner Gedanken zu dieser Thematik soll im Folgenden dargestellt werden.

Bereits zu Beginn des Werks, als das Wort noch an dessen Empfänger Theodorus gerichtet ist, bezeichnet Augustinus den „Hafen der Philosophie“12 als „Zugang […] zum Festland des Glcks“13. In einer Schifffahrts-Metapher zählt er dabei drei Arten von Seefahrern auf, die die unterschiedlichen Wasserwege, die es zum Hafen gibt, auf verschiedenste Arten befahren. Währenddessen werden sie durch dichten Nebel, andere Ksten oder diverse Verwirrungen von dem direkten Weg zum Hafen des Glcks abgelenkt. Augustinus bezeichnet sich selbst als einen von ihnen, der noch nicht an seinem Ziel angekommen ist. Wie er zu diesen berlegungen gekommen ist, möchte er Theodorus durch das nachfolgend dargestellte Gespräch erläutern, um dessen Meinung darüber in einem antwortenden Brief zu hören.14

Augustinus eröffnet nach einer Art Einleitung in die Thematik, das konkrete Reden über das Glück wie folgt:

„ Ich [Augustinus] fing daher von neuem an: ‚ Wir alle wollen glücklich sein! ‘ . Kaum hatte ich dies vorgebracht, stimmten sie mir auch schon einmütig zu. “ 15

Somit ist die erste Feststellung über das Glück gegeben, denn alle Menschen streben offensichtlich nach dem Erreichen dessen.

Wer jedoch ist es, der wirklich glücklich ist? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, stellen Augustinus und seine Gesprächspartner mehrere Thesen auf, verwerfen oder korrigieren sie wieder, mit dem Ziel eine Antwort zu finden. Um die abschließenden Ansichten der Gesprächsrunde nachvollziehen zu können und im späteren Verlauf einen genaueren Vergleich von Augustin mit Luther zu ermöglichen, werden hier auch die Vorab-Thesen vorgestellt.

Die Gruppe stellt fest, dass Menschen, die nicht glücklich sind, unglücklich sein müssen und Menschen außerdem nicht glücklich sein können, wenn sie nicht haben, was sie begehren. Der Umkehrschluss, dass man also glücklich ist, wenn man hat, was man begehrt, ist jedoch umstritten. So sagt Augustins Mutter Monnica diesbezüglich, es würde darauf ankommen, ob das Begehrenswerte etwas Gutes oder etwas Schlechtes sei. Denn nur wenn es gut wäre, würde es glücklich machen. Wäre es schlecht, würde man lediglich Unglück haben.16

Augustinus fragt daraufhin, was es denn dann ist, was glücklich macht. Was oder wie darf der Inhalt des Begehrens sein? Durch die Annahme, dass jemand nur glücklich sein kann, wenn er nicht fürchtet, das was er hat zu verlieren, kommt die Runde zu dem Schluss, dass das Begehrenswerte etwas Ewigliches sein muss, das nicht durch den Zufall, in Form der Göttin Fortuna, beeinflusst sein kann. Demnach ist die Annahme, reiche Menschen seien automatisch glücklich, weil sie fiel besitzen, ein Trugschluss, da sie ständig um ihre Güter fürchten müssen.17

[...]


1 Ergebnis einer Stichwortsuche mit dem Wort „Glück“ über die Google-Suchmaschine: www.google.de [08.09.2013].

2 Vgl. Fuhrer (2004), S.14.

3 Vgl. A.a.O., S.5-13.

4 Vgl. Fuhrer (2004), S.14-55.

5 Vgl. Ebd.

6 Zentrum fr Augustinus-Forschung [Online]. Verfgbar unter: http://www.augustinus.de/bwo/dcms/sites/bistum/extern/zfa/augustinus/werke/werkechrono.html [13.09.2013].

7 Vgl. Augustinus (1982), S.67.

8 Vgl. Augustinus (1982), S.15-16.

9 Zentrum fr Augustinus-Forschung [Online]. Verfgbar unter: http://www.augustinus.de/bwo/dcms/sites/bistum/extern/zfa/augustinus/werke/werkechrono.html

10 Fuhrer (2004), S.69.

11 Vgl. Ebd.

12 Augustinus (1982), S.6.

13 Ebd.

14 Vgl. Augustinus (1982), S.6-13.

15 Augustinus (1982), S.21.

16 A.a.O., S.21.

17 Vgl. Augustinus (1982), S.23-25.

Details

Seiten
24
Jahr
2013
ISBN (eBook)
9783656631293
ISBN (Buch)
9783656631286
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271331
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Evangelische Theologie
Note
1,7
Schlagworte
menschliches glücksstreben glaube aurelius augustinus martin luther vergleich ansätze

Autor

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