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Polysemantische Mahlzeiten. Zur Deutbarkeit von Essen in Kawakami Hiromis "Sensei no kaban"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 30 Seiten

Orientalistik / Sinologie - Japanologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Essen und Text - methodologische Überlegungen
1.1. Essen(tielles)
1.2. Essen in Text

2. Der Roman Sensei no kaban

3. Polysemantische Mahlzeiten
3.1 Tagesgerichte
3.2 Bentō
3.3 Jamswurzelsuppe
3.4 Pilzsuppe
3.5 Zitronenscheiben und Waraitake
3.6 Mandarinen und Äpfel
3.7 Käseomelette, grüner Salat und geräucherte Austern
3.8 Krakenfondue
3.9 Heißer Tōfu

Schluss

Literaturverzeichnis

Anhang

Einleitung

Seit Lévi-Strauss‘ Überlegungen zur Küche hat Essen sich zu einer immer breiteren Wissenskategorie entwickeln können, die nicht nur ethnologisch geprägt ist, sondern interund transdisziplinäre Forschungen und Überlegungen ermöglicht. Alois Wierlacher, der im deutschsprachigen Raum dieses Feld mit voran getrieben hat und treibt, sieht sich nicht nur in der Tradition von Lévi-Strauss, sondern macht darüber hinaus einen institutionalisierenden Namensvorschlag: Kulinaristik.1

Trotz des immer stärker einsetzenden literaturwissenschaftlichen Appetit auf diesem Forschungsgebiet, ist das methodologische Angebot teilweise noch im Werden. Aus diesem Grund scheinen im Rahmen dieser Hausarbeit zunächst einige Überlegungen zur Zugänglichkeit und Theoretisierbarkeit von Essen - im Besonderen in der Literatur - sinnig. Diese sollen dann, auf den gemachten Überlegungen fußend, ihre Applizierbarkeit finden. Als Primärtext dient hierzu der japanische Bestseller Sensei no kaban (Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß) von Kawakami Hiromi, der mit einer Vielzahl von Gerichten und Essensszenen aufwartet, die ein breites Analysefeld bieten.

Es gibt zwar einiges an Literatur zu Essen als Kulturthema, wobei hier vor allem germanistische Publikationen hinzugezogen wurden, allerdings ist Sekundärliteratur zum Roman selbst auf Deutsch nicht vorhanden, weswegen zur Unterstützung der Interpretation japanischsprachige Quellen herangezogen wurden.

In dieser Arbeit wird die Vielzahl der verarbeiteten Mahlzeiten in ihrer Polysemantik untersucht, um die Deutbarkeit von Essen zu illustrieren. Dazu wird zunächst der theoretische Rahmen gesteckt, um danach verschiedene, ausgewählte Mahlzeiten an einem im Theorieteil entwickelten Weg entlang zu lesen. Ziel ist es dabei, die Mehrdeutigkeit der Mahlzeiten als solche auf verschiedenen Ebenen zu beweisen.

1. Essen und Text - methodologische Überlegungen

Im ersten Kapitel sollen die theoretischen Prämissen gemacht werden, die die folgende Interpretation ermöglichen. Hierzu wird zunächst der Begriff des „Essens“ umrissen, um darauf aufbauend die Übertragung auf den Text zu vollziehen. Theoretische Anleihen wer- den dazu zum einen in der Rezeptionsästhetik2, zum anderen aber auch in der queeren3 Theoriebildung gemacht.

1.1. Essen(tielles)

Essen lässt sich nicht nur als „gesellschaftliches Totalphänomen“ (Wierlacher 2008: S. 4; 1993: S. 2) fassen, sondern wird auf seine Struktur hin gelesen, auch als Prozess denkbar. Dieser Prozess, der sich in verschiedene Stadien und performative Akte4 gliedern lässt, ist bestimmt durch vielfältige Bedeutungsmöglichkeiten. Dies lässt sich zur Veranschaulichung auch zeichentheoretisch ausdrücken: so wäre das Essen als Signifikant in seiner Materialität mit einer Vielzahl von Signifikaten, also Bedeutungen und Inhalten ausgestattet.

Wo genau dieser Prozess beginnt lässt sich kategorial schwer festlegen, es soll zu- nächst aber undogmatisch bei der Herstellung bzw. der Gewinnung einzelner Nahrungsmit- tel begonnen werden, die oft nur impliziert lesbar ist. Dieser implizite Charakter ist ein wichtiges Merkmal beim Sprechen über Essen, da oft nur einige oder ein einzelner Moment genannt werden, aus denen sich aber eine Vielzahl von Vermutungen über den Prozess Essen als solchen und Konkreten ergeben.5 Gleichzeitig wird die Einbindung von Nahrung in die spezifischen (Be-)Deutungsstrukturen von Gesellschaft(en) deutlich. Über diesen sozia- len Raum hinaus sind auch individuelle Einschreibungen von Bedeutung in Essen möglich. Persönliche Erfahrungen, Erlebnisse und Vorlieben sind ebenso dazu in der Lage ein Teil der Bedeutung zu werden. Essen ist also nie „nur“ Nahrung, sondern immer kulturell, indi- viduell und kontextabhängig codiert. So sind es Aspekte wie Rechtsraum, Verfügbarkeit, Qualität, sozialer Status, individuelle Erinnerung etc.6 die im Zusammenhang mit Essen les- bar und damit interpretierbar werden.

1.2. Essen in Text

Die erwähnte basale Bedeutung von Essen für den Menschen macht einen interessanten literaturwissenschaftlichen Griff möglich. Die theoretische Zugänglichkeit von Essen in Text soll hier mit Überlegungen zur Fiktionalität abgedeckt werden. Grundlage ist der rezeptionsästhetische Dreischritt von Selektion - Kombination - Dekomposition7, erweitert um eine queere Denkfigur.

Mit der Selektion wird die reale, außerfiktionale, Referenz beschrieben (Essen), die im zweiten Schritt, der Kombination, in den Text aufgenommen wird (Essen in Text) und schließlich durch diese Resituierung gleichzeitig eine Dekomposition der Bedeutungen erfährt. Das heißt für die Mahlzeiten, dass reale Deutbarkeiten mit in den Text aufgenommen werden und lesbar bleiben, aber auch verworfen und erweitert werden können.8 Ändert sich der Kontext, so ändern sich auch die Bedeutungsmöglichkeiten.

Die Konsequenz für die Interpretationspraxis ist folgende: Essen wird nicht nur auf seine Referentialität9, sondern auch gleichzeitig auf seine narratologische Bedeutung hin lesbar. Somit ist eine bereits beschriebene kulturelle Codierung von Essen durch die Über- setzung in den Text von vorne herein niemals nur eindeutig. Vielmehr wird die Bedeutung weiter potenziert und dabei eine Polysemantik auf zwei Analyseebenen lesbar: eine reale (auch wenn diese fingiert ist), die sich wiederum in eine kulturell-kollektive und individuelle Lesbarkeit differenziert und eine narratologische. Wichtig ist hierbei, dass diese Achsen keine strikte Trennung darstellen sollen, sondern vielmehr strategisch und interdependent gedacht sind. Im Sinne eines queeren Verständnisses von Interdependenz10 sind diese bei- den Ebene so zu denken, dass sie einander ergeben und gestalten. So ist eine narratologi- sche Deutung von Mahlzeiten immer auch an eine reale Referenz gebunden - und so kann eine reale Referenz mit einem narratologischen Mehrwert ausgestaltet sein. Dieser Denk- schritt ist nötig, um die bereits unter 1.1 erwähnte kontextabhängige Codierung und Les- barkeit von Essen angemessen zu beschreiben. Interdependenz liefert hier eine wichtige Prämisse für die Interpretationen im Analyseteil.

Essen in der Literatur ist demnach niemals nur eine narrative Skizzierung von realen, nutritiven Notwendigkeiten, vielmehr spielt Literatur mit lesbaren Bedeutungen und greift selbst in diese ein. Aufgabe einer Interpretation, die sich an Essen orientiert, ist somit die Offenlegung dieser Bedeutungsebenen mit einer möglichst genauen und differenzierten Analyse, die im Folgenden mit Hilfe der Grundlage der dargestellten Überlegungen exemplifiziert werden soll. Formelhaft ließe sich sagen: wer, was, wann, mit wem, wo isst lässt sich inter-, intra- und extratextuell lesen.11

2. Der Roman Sensei no kaban

Die Handlung des Romans spielt im gegenwärtigen Tokyo und schildert die Begegnung einer Frau Ende 30, die zu ihrem ehemaligen Oberstufenlehrer ein langsam erzähltes12 Lie- besverhältnis entspinnt. Als Bestseller13 in Japan, wie in Deutschland (hier erschienen unter dem Titel „Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß. Eine Liebesgeschichte.“), lässt sich eine allgemeine Zugänglichkeit feststellen, die in einer Rezension von Irmela Hijiya-Kirschnereit als „etwas packend Authentisches und […] von einer erfrischenden Leichtigkeit“ qualifiziert wird.14 Auch hier wird auf die Bedeutung des Essens in diesem Roman verwiesen, denn „[d]er Gleichklang dieses ungleichen Paares zeigt sich denn auch eher in den Speisen als in der recht belanglosen und spärlichen Konversation der beiden […].“15 Dieses beobachtete Phänomen, das man auch eine Erzählstrategie nennen könnte, soll im Folgenden offenge- legt werden.

3. Polysemantische Mahlzeiten

Verschiedene Gerichte16 werden pars pro toto als Strukturelemente der Interpretation genutzt. Jeder Abschnitt beleuchtet dann die Bedeutungsmöglichkeiten des Essens innerhalb des gegebenen Kontextes auf den Ebenen der individuellen, gesellschaftlichen, narratologischen Polysemantik. Hierbei wird versucht die einzelnen Ebenen sinnig zu verknüpfen und Querverbindungen in den gegenseitigen Abhängigkeit der Interpretationsmöglichkeit zu zeigen, wie sie - interdependent gedacht - in den methodologischen Überlegungen vorgeschlagen wurde. Welche Ebene wie stark wiegt und lesbar ist, wird einzeln zu diskutieren und bewerten sein. Anzumerken ist, dass die theoretischen Überlegungen der Interpretation mitgedacht sind. Es scheint wenig sinnig, jedes Mal die einzelnen Schritte erneut zu beschreiben, es sei denn es ergeben sich neue Perspektiven daraus.

3.1 Tagesgerichte

Gleich zu Beginn des Romans wird mittels Essen der Beginn der Haupthandlung ausge- staltet. So sind es zufällig identische Vorlieben, die Tsukiko und den Sensei17 ins Gespräch bringen und schließlich zu der Erkenntnis führen, dass er ihr alter Oberstufenlehrer ist. Den Auftakt bilden „[e]ine Portion Thunfisch mit fermentierten Sojabohnen, einmal gebratene Lotuswurzel in süßer Sojasauce und eingelegte Perlzwiebeln dazu […]“ (Kawakami 2004: S. 10; 2008: S. 5). Ähnlich kleine Gerichte durchziehen weite Teile der Handlung. Sie illustrie- ren die japanische Kneipenkultur, die für viele ein Anlaufpunkt ist und nicht nur von Alko- hol lebt, sondern vor allem ihre individuellen Eigenheiten in der servierten traditionellen und hausgemachten Küche entfaltet.18 Vor allem regionale Waren, die zudem saisonaler Abwandlung unterliegen, bestimmen die Tagesgerichte. Hinzu kommt die Einheit, die der Genuss von Alkohol mit diesen Gerichten bildet.19

So sehr sie geschmacklich auf einer Ebene liegen, so unterschiedlich sind dennoch ihre persönlichen Wertvorstellungen. Zwar fühlt sich Tsukiko ihrem Sensei trotz Altersun- terschied „näher als manch gleichaltrigem Freund“ (Kawakami 2004: S.12; 2008: S.7) - dennoch führt das Einschenkverhalten zu kleinen Sticheleien. So besteht der Sensei darauf, dass Frauen sich nicht selbst einschenken sollten und findet keinen Gefallen daran, wenn sie ihm einschenkt. Der kleine Konflikt funktioniert auch hier wieder über das Essen. Er ver- stört sogar, da der Sensei das Bier, das Tsukiko ihm einschenkt, mit einem Mal hinunter kippt. Hier wird deutlich, dass die Trinkkultur auch eine gewisse Ritualebene inne hat. Per- sönliche und erwartete kollektive Konventionen werden auf dieser verhandelt.

Essen ist so zunächst ein Element der Illustration für Atmosphäre und Authentizität des Ortes, der einen wichtigen Bezugspunkt in der Handlung bildet. Gleichzeitig strukturiert Essen hier zeitlich, da Jahreszeiten an den verschiedenen Gerichten abgelesen und verdeutlicht werden können. Auch wenn die Erzählerin selbst kein ausgeprägtes Zeitgefühl zu haben scheint20, so spielt diese zeitliche Ordnung für die erzählte Zeit eine Rolle, da diese durch die saisonalen Angebote indiziert wird.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Tagesgerichte dadurch, dass sie immer wiederkehren und den Roman durchziehen, die Handlung vor allem zeitlich strukturieren.21 Darüber hinaus sind sie stark mit der Kneipe von Satoru verbunden, diese etwas wie eine Ausgangssituation, ein Ort des Vertrauens und Zusammentreffens, darstellt.22 Dies wird umso deutlicher, wenn man bedenkt, dass die beiden einen Großteil ihrer Treffen nicht absichtlich, sondern eher zufällig gestalten.

3.2 Bentō

In einer Episode, in welcher der Sensei Tsukiko zu einem Markt führt, machen die beiden Halt in einem Bentō-Laden. Beim Bestellen zeigt sich Tsukiko sehr zögerlich, da ihr einiges nicht behagt, bestellt aber dann das gleiche wie der Sensei - allerdings nicht, wie er, in der Spezialversion.

Zunächst ist das Gericht als solches, etwas das man durchaus als genuin japanisch begreifen kann. Das „Japanische“ des Bentō lässt sich zum einen in der langen kulturellen Tradition erkennen, zum anderen ist es aber auch ein kulturelles Exportgut.23 Es ist zudem fester Bestandteil der japanischen Alltags- und Reisekultur und scheint während des Aus- flugs, auf dem die beiden sich an einem heißen Sommertag befinden, eine angemessene Stärkung.

Dennoch wird hier mehr verhandelt. Die Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln, die bereits zubereitet und verzehrfertig mitgenommen werden können, macht die Zubereitung zu Hause vollkommen überflüssig. Es ist symptomatisch für den Überfluss, in dem sich In- dustriegesellschaften bewegen. Diese bequeme Situation ist gänzlich nicht zwingend selbstverständlich, denn sie verleitet den Sensei zu der Frage: „Kochen Sie manch- mal?“ (Kawakami 2004: S. 28; 2008: S. 19), die Tsukiko bejaht, aber darauf verweist, dies nur zu tun, wenn sie mit jemandem zusammen ist. Die Tatsache, dass für sie eine Liebesbe- ziehung und gegenseitige Verantwortung erst dazu führt, dass Essen selbst zubereitet wer- den soll, zeigt eine Frau, die sich selbst zwar zu genügen scheint - aber dennoch im Zu- sammenleben ihre Gewohnheiten zu durchbrechen gewillt ist.24 Mehr noch: eine erwach- sene Frau die Verantwortung für sich selbst nur unzureichend übernehmen kann. Genauer zeigen lässt sich dies unter Punkt 3.6, wo die Einsamkeit auch mit Essen zelebriert wird und 3.9, wo ein Gericht, das sich durch den ganzen Roman zieht, zu diskutieren sein wird.

Die Anmerkung „Sie wussten gleich, was sie wollten“ (Kawakami 2004: S. 28; 2008: S. 19) hingegen zeigt eine gewisse Bewunderung, die kurz darauf während der Mahlzeit weiter ausgebaut wird. Während sie sich auf einen Kommentar des Sensei hin für ihre Ess- gewohnheiten entschuldigt, ist dieser sogar im Umgang mit seinem Müll noch akkurat und „[befestigt] den Deckel seiner leeren Schachtel mit einem Gummi“ (Kawakami 2004: S. 30; 2008: S. 21). Das was man als einen „milden Ton“ (Kan 2006: S. 92) auffassen kann, kommt hier zum Einsatz um ohne viel Aufhebens die Charaktere der beiden Hauptfiguren zu kon- trastieren. Auf der einen Seite, die eigentlich zufriedene, aber durch den Sensei in eine ver- liebte Abhängigkeit geratene Tsukiko25 - und auf der anderen Seite der etwas steife, akku- rate ehemalige Lehrer.

[...]


1 Wierlacher fordert ebenso eine akademische Institutionalisierung. (Vgl.: Wierlacher: 2008) 2

2 Auch wenn Rezeptionsästhetik nicht mehr die gängigste Analysepraxis darstellt, so erweist sie sich in diesem Kontext als dienlich. Natürlich sind auch beispielsweise diskursanalytische Modelle für eine Untersuchung von Nahrung in der Literatur denkbar.

3 Queere Analysewege sind in diesem Kontext einem Verständnis von queerer Intervention als Prozess ge- schuldet. D.h. dergestalte Analysen sind weniger ein abgeschlossenes Feld, vielmehr ein „queeren“ von Denk- formen, wobei in diesem Kontext mit queer vor allem der wissenschaftlichen Hintergrund der weiter unten ausgeführten Auffassung von Interdependenz gemeint ist, die hier die Vielschichtigkeit der Analyse fundieren soll.

4 Lillge/Meyer sehen den performativen Akt vor allem in ihrem Konzept der „Inkorporierung“ gegeben, der identitätskonstruierend wirkt. In diesem Kontext soll der performative Akt jedoch als eine Beschreibung von Essen dienen. (Vgl. Lillge/Meyer 2008: S. 19)

5 Bei Tanner (1993) findet man diesen Gedankengang für die Produktionsbedingungen, vor allem von Fleisch. Er geht von einer diskursiven Strategie der Auslassung aus.

6 Der bereits erwähnte Band von Lillge/Meyer führt das zum Themenschwerpunkt „Interkulturalität“ aus. 3

7 Dieses Muster ist angelehnt an Überlegungen zu Fiktionalität von W. Iser. (Vgl. Iser (1983))

8 Ein interessantes literarisches Beispiel für die radikale Dekomposition ist hier Tanizakis Bishoku kurabu, wo am Ende Beschreibungen von Nahrung geliefert werden, die so nicht nachvollzogen werden können und eigentlich Widersprüche darstellen. Aoyama merkt in ihrem Kapitel zur “Gastronomic Novel” an: „The language he invents to describe his fascination with his most ambiguous of textures is, moreover, a challenge to the premise that words cannot express taste and other sensations.” (Aoyama: 2008: S. S. 144)

9 Dieser Begriff soll das die Eigenschaft von Essen in Texten durch die Selektion und Kombination zusammen- fassen.

10 Der Begriff, der eigentlich aus den kritischen Debatten um Geschlechtlichkeit und Sexualität stammt, ist hier als Denkschritt gemeint, der die Verschränkung verschiedener Kategorien in einer bewusst undogmatischen und strategischen Beschreibung meint. (Vgl. Anm. 2)

11 Die hier aufgemachten Kategorien sind als Beispiele von Beschreibbarkeit gedacht. Ähnlich argumentieren Dietze et al. (2007).

12 Zu Zeit bei Kawakami vgl. Nachwort von Kida Gen in Kawakami (2004).

13 Was die Zuordnung von Kawakami im literarischen Sektor belangt, ist auf Saitō (2004) zu verweisen, der auszuloten versucht, wo sie zu verorten ist.

14 Frankfurter Allgemeine Zeitung (26.03.2008): „Lotuswurzelbehandlung“, S. 34. Ähnlich auch bei Kan (2006), die auf Katō Norihiro verweist, der den Roman als „Liebesgeschichte von Authentizität“ (eigene Übers.) be- schreibt.

15 Ebda.

16 Einen Überblick über die Fülle der erwähnten Nahrungsmittel gibt Tab. 1: „Gesamtübersicht: Mahlzeiten“ im Anhang.

17 Die Hauptfigur Tsukiko nennt ihren Lehrer durchgehend Sensei, was sie im japanischen dadurch unterstreicht, dass „Sensei“ für sie in Katakana geschrieben wird (Vgl. Kawakami 2004: S. 9) - die deutsche Übersetzung löst dies durch den Begriff „Eigennamen“ (Kawakami 2008: S. 5). Ich werde ihr folgen und Sensei anstatt von Harutsuna Matsumoto verwenden.

18 So sind es Adjektive wie „hausgemacht“ die einzelne Gerichte beschreiben oder die Tatsache, dass der Wirt Sake aus der Region seines Vetters serviert, die dies unterstreichen.

19 „[T]here is a large array of foods in Japan that are almost exclusively linked to drinking […].” (Ashkenazi/Jacob: 2000, S. 124)

20 In einer Episode berichtet sie, dass sie drei Monate lang keinen Kontakt zu einem Freund hatte, ohne sich jedoch über die Entfremdung maßgeblich zu wundern.

21 So beispielsweise der unter 3.9 zu diskutierende heiße Tōfu.

22 Ashkenazi/Jacob (2000) betonen, dass auswärts zu Essen einen Ort zwischen dem Öffentlichen und Privaten bildet (S. 119) und beschreiben essayistisch in ihrem Abschnitt „Bar Foods“ (S. 124-129) die verschiedenen Typen japanischer Bars und deren Charakteristika.

23 Dies wird von einer Vielzahl nicht-japanischer Internetseiten aufgegriffen, die sich mit verschiedenen Sorten und Tipps zur Zubereitung von Bentō befassen. (Hierzu: New York Times Online (08.09.2009): What’s for Lunch? Enter the Bento Box, a Touch of Japan.)

24 Dennoch ist ihr Verhalten subversiv, da sie sich gegen die Konvention einer festen Bindung stemmt.

25 „Der Sensei war für mich […] wie die Buchschleife um den Schutzumschlag eines Buches, die man nicht abmachen und wegwerfen will.“ (Kawakami 2004: S. 46; 2008: S. 32)

Details

Seiten
30
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656633273
ISBN (Buch)
9783656633266
Dateigröße
726 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v271268
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,0
Schlagworte
polysemantische mahlzeiten deutbarkeit essen kawakami hiromis sensei

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Titel: Polysemantische Mahlzeiten. Zur Deutbarkeit von Essen in Kawakami Hiromis "Sensei no kaban"