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Das hethitische Alltagsleben

Lebensbedingungen, soziale Strukturen, Königtum, Rechtsprechung, Wirtschaft und Religion

Hausarbeit 2009 12 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeines zum hethitischen Leben

3. Gesellschaft und soziale Strukturen

4. Königtum

5. Gesetz und Rechtsprechung

6. Wirtschaft und landwirtschaftliche Produktion

7. Religion und Kult

8. Schluss

Bibliographie

1. Einleitung

In folgender Hausarbeit möchte ich herausstellen, wie der hethitische Alltag ausgesehen hat und was für ein Volk die Hethiter waren. Dabei beziehe ich mich auf Sekundärliteratur von Gurney, Klinger, Lehmann und anderen. Der Alltag eines Volkes umfasst für mich alles, was einen Menschen jeden Tag beschäftigt. Um den Rahmen dieser Hausarbeit nicht zu sprengen, beziehe ich mich explizit auf Allgemeines wie Klima, Behausung und „Freizeitgestaltung“, sowie soziale Strukturen, Königtum, den hethitischen Gesetzes-Kodex, Wirtschaft und Religion.

Die Hethiter lebten nicht immer in Kleinasien. Man nimmt an, dass sie ursprünglich über den Kaukasus eingewandert sind, wobei niemand genau sagen kann, wann das geschah. Wie es scheint, fand die Einwanderung der Indoeuropäer allmählich und nicht plötzlich und unvermittelt statt. Um 1750v.Chr. begannen sie, die anatolischen Stämme zu unterwerfen.[1] Eigentlich sind die Hethiter gar keine Hethiter. Die Bezeichnung Hethiter oder hattili wurde von der Urbevölkerung übernommen, die die Einwanderer überlagerten. Diese selbst hatten keinen Namen oder zumindest ist er uns nicht bekannt.[2]

2. Allgemeines zum hethitischen Leben

Auf dem Plateau von Kleinasien herrscht heute ein raues Klima. Die baumlose, winddurchfegte Steppe bietet keinen Schutz für menschliche Wohnstätten. Darum siedelt man hauptsächlich in Flusstälern. In den Wintermonaten gibt es heftige Schneefälle, auf die ein kurzer angenehmer Frühling folgt. Im Sommer wird das Land dann von der Sonne ausgedörrt. Zur Zeit der Hethiter müssen dort noch mildere Lebensbedingungen geherrscht haben.[3]

Man wohnte in dürftigen Behausungen aus Holz und Lehm. Städte wurden früher wahrscheinlich als hygienische Maßnahme oder symbolische Handlung in bestimmten Abständen niedergebrannt, neu besiedelt und wieder niedergebrannt. Wie es scheint, musste man also immer damit rechnen, eines Tages mit allem Hab und Gut umgesiedelt zu werden, weswegen die Wohngestaltung nicht allzu üppig ausfiel. Davon verschont blieben die soliden prächtigen Tempel, die wichtig waren für den umliegenden Wirtschaftsbetrieb, was im Nachfolgenden noch näher erläutert wird. Das hethitische Haus war oft mehrstöckig und bestand aus einer nicht festgelegten Aneinanderfügung von Zimmern, die durch tief herabreichende Fenster beleuchtet und gelüftet wurden. Das Dach, auf dem meistens kultische Handlungen stattfanden, war flach und begehbar, die Mauern bestanden aus Ziegeln und die Wände waren verputzt. Die typische Einrichtung bestand aus Bett, Stuhl, Tisch und Lade, die nach Bedarf vorgeholt oder weggeräumt werden konnten und damit beweglicher waren als unser heutiges Mobiliar. Weiterhin gab es meistens Herd, Spinnwirtel[4], Webstuhl, einen metallenen Spiegel, tönerne Amulette, Spielzeuge und eine Kornmühle, die aus einem muldenförmigen gehöhlten Stein und einem faustgroßen Reibestein bestand. Ein in den Boden eingegrabenes mannshohes Tongefäß, das Vorräte kühl und trocken hielt, diente als Keller. Das Familienoberhaupt oder ein vornehmer Gast bekamen erhöhte Sitze, zu deren Besteigung eine Fußbank nötig war, und auch ein erhöhtes Bett, das mit Leitern und Stufen erklommen werden musste.[5]

Die Hethiter geben kaum etwas von ihrem Alltagsleben preis, umso mehr jedoch von Fest, Spiel und Sport. Es gab kultische Spiele bei Festen, bei denen man mit Holz- und Bronzewaffen miteinander kämpfte, und Wagenrennen. Das andernorts in Anatolien knapp und feierlich gehaltene Totenmahl wird bei den Hethitern zum ausführlichen Gelage. In deren Rahmen wurden durchaus auch wirtschaftliche und gesellschaftliche Beziehungen gepflegt.[6]

Dass es Musik und Tanz zur Erheiterung schon gab, zeigen Reliefs aus Hüyük Yazilikaya und Senschili, auf denen man Musikanten und Akrobaten abgebildet fand.[7] Auf diesen Bildwerken wird eine sehr gemütliche Stimmung vermittelt.[8]

Die damalige Literatur umfasste all das, was den Horizont eines versierten Schreibers ausmachte, besonders was von Generation zu Generation weitergegeben bzw. fortgeschrieben wurde. Im Edubba, dem Tafelhaus oder der Schreiberschule, wurde das Schreiben gelehrt, neue Texte verfasst und ältere durch Abschreiben tradiert oder aus älteren Texten neue erstellt. Dabei wurden eigene und fremde Texte untrennbar miteinander vermischt. Die Autoren blieben unbekannt. Die Ausnahme bilden magische Rituale, die bestimmten Personen angerechnet werden.[9] Überliefert sind uns die königlichen Annalen, Mythen, Legenden und Dichtungen. Zwei Drittel aller gefundenen Texte haben religiösen Inhalt.[10] In Hattuša, gelegen bei dem heutigen Dorf Boğazkale in der Türkei, befindet sich das älteste Bibliotheksgebäude der Welt, aus dem mehr als 3300 Tontafeln und Fragmente geborgen wurden.[11]

Schriften in Alphabetschrift wurden in Bustrophedon geschrieben, also „wie der Ochse beim Pflügen wendet.“ Das heißt, die Zeilen waren wechselläufig und wurden in jeder zweiten Zeile spiegelverkehrt eingemeißelt. Die diplomatische Korrespondenz der Hethiter wurde in Keilschrift verfasst.[12]

Die Hethiter waren zwar pedantische Philologen, aber sonst kopierten sie nur. Zum Beispiel übernahmen sie Rechenkünste und astronomische und medizinische Kenntnisse von den Babyloniern ohne Eigenes hinzuzufügen.[13]

Im Hethiterreich sprach man acht verschiedene Sprachen. Hethitische Könige bedienten sich für offizielle Dokumente des Akkadischen und Kanesischen, welches die Sprache der Hethiter war. Der Name Kanesisch oder auch Nesisch ist abgeleitet vom Namen der Stadt Neša in Zentral-Anatolien, die einst Zentrum und Ausgangspunkt der indogermanischen Hethiter war.[14] Weiterhin wurden Sumerisch, Harrisch, Protohattisch, Luwisch, Balaisch und Urindisch gesprochen.[15]

3. Gesellschaft und soziale Strukturen

Die schriftliche Überlieferung gibt in Bezug auf die hethitische Gesellschaft und Wirtschaft nur sehr beschränkt Informationen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass fast alle Wirtschafts- und Verwaltungstexte auf Holztafeln geschrieben wurden, die nicht erhalten blieben. Einzelne soziale Gruppen zu definieren und zu beschreiben ist schwer möglich.[16]

[...]


[1] Lehmann, Johannes. Die Hethiter - Volk der tausend Götter. S.192

[2] Lehmann, S.89 ff.

[3] Gurney, Oliver R. Die Hethiter. S.87

[4] Schwunggewicht einer Spindel

[5] Riemschneider, Margarete. Die Welt der Hethiter. S.61 ff.

[6] Riemschneider, S.66

[7] Naumann, Rudolf. Die Hethiter. S.17

[8] Riemschneider, S.66

[9] Naumann, S.68 f.

[10] Lehmann, S.294

[11] Lehmann, S.269

[12] Lehmann, S.57

[13] Riemschneider, S.65

[14] Otten, Heinrich. „Eine althethitische Erzählung um die Stadt Zalpa.“Studien zu den Boğazköy-Texten 17. S.64

[15] Lehmann, S.90

[16] Klinger, Jörg. Die Hethiter. S.84 f.

Details

Seiten
12
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656628118
ISBN (Buch)
9783656628088
Dateigröße
496 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270993
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
1,0
Schlagworte
Hethiter alltag

Autor

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Titel: Das hethitische Alltagsleben