Lade Inhalt...

Ein Vergleich deutscher und türkischer Präpositionen

Hindernisse beim Zweitspracherwerb türkischer Deutschlerner

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 22 Seiten

Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ansätze und Theorien zum Zweitspracherwerb

3. Präpositionen
3.1 Präpositionalphrasen im Deutschen

4. Typologisches über das Türkische
4.1 Präpositionen
4.2 Kasus
4.3 Postpositionen
4.3.1 Bare Postpositions - Wiedergabe deutscher Präpositionen durch türkische Postpositionen
4.3.1.1 Wiedergabe mit dem Nominativ
4.3.1.2 Wiedergabe mit dem Dativ
4.3.1.3 Wiedergabe mit dem Ablativ
4.3.2 Possessiv-marked Postpositions

5. Präpositionalphrasen und Postpositionalphrasen im Vergleich

6. Schwierigkeiten für den Zweit -und Fremdspracherwerb

7. Fazit und Ausblick

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Untersuchung von Fremdsprachenfehlern, deren Ursache und Vorhersagbarkeit, gilt als Bestandteil des Fremdsprachenunterrichts und wird als Methoden dessen häufig eingesetzt. In der Zweitspracherwerbforschung wird untersucht, nach welchen Prozessen der Erwerb einer zweiten Sprache abläuft. Die Anfänge der Zweitspracherwerbsforschung hat bereits Lado (1957) eingeführt, mit der Hypothese, dass beim Spracherwerb ein Prozess in Gang gesetzt wird, den er Transfer nennt. Bei diesem Transfer werden Strukturen der Erstsprache auf die Zweitsprache übertragen und können sich positiv oder negativ auf den Spracherwerb ausüben. Diese, auf dem Behaviorismus basierende These wurde daraufhin von Dulay & Burt (1974) revidiert und erweitert um die Aussage, dass allein die Zielsprachlichen Strukturen genügten, um Einblicke in die Erwerbsmechanismen zu gewähren. Dass auch kulturelle und soziale Faktoren zum Prozess des Zweitspracherwerbs beitragen wurde erst später berücksichtigt.

In dieser Arbeit beabsichtige ich, einen Vergleich zu ziehen, zwischen den deutschen Präpositionen und den türkischen Postpositionen, die den Präpositionen teilweise entsprechen, teilweise anders gebildet werden.

In Kapitel 2 werde ich vorerst einige Ansätze und Theorien des Zweitspracherwerbs skizzieren, um auf die Vielfalt der Herangehensweisen an den Spracherwerb hinzuweisen. In Kapitel 3 widme ich mich den Präpositionen im Deutschen sowie ihrer Stellung in den Präpositionalphrasen, welche ich in Kapitel 3.1 noch ausführlicher beleuchte. Im Anschluss folgt ein Exposé über grammatische Besonderheiten des Türkischen, im Hinblick auf die Agglutination und die Satzstellung. In Kapitel 4.1 werde ich die Präpositionen bzw. Postpositionen im Türkischen beschreiben und von den deutschen Präpositionen abgrenzen. Wichtig für türkische Postpositionen ist der Kasus, den sie markieren, weshalb diesem in Kapitel 4.2 Aufmerksamkeit geschenkt wird. Folgend werden einige Postpositionen vorgestellt und in zwei Kategorien, die Bare Postpositions und die Possessiv-marked Postpositions eingeteilt. In den Kapiteln 5 und 6 wird vorerst ein Vergleich der Prä -und Postpositionalphrasen vorgenommen und im Anschluss daran versucht, mögliche, für den Zweitsprachenlerner mit Türkisch L1, sich daraus ergebende Erwerbsfehler aufzuzeigen.

2. Ansätze und Theorien zum Zweitspracherwerb

Ausländische Migrantenkinder, die bereits im frühkindlichen Alter in Deutschland leben, sind dem Zweitspracherwerb ausgesetzt, ob in der Schule, der Familie oder in einem anderen sozialen Kontext. Dabei stellt sich für die Zweitspracherwerbsforschung die Frage, nach welchen Prozessen dieser Erwerb verläuft. Oomen-Welke nennt zwei Grundsätze des Zweitspracherwerbs (1999, 15): „wenn ein Kind schon in den ersten Lebensjahren beide Sprachen erwirbt, nennt man das simultane Zweisprachigkeit [...]. Von versetztem oder sukzessivem Zweitspracherwerb spricht man, wenn die zweite Sprache mehr als vier Jahre nach der ersten [sic] erworben wird, [...]“. Hier wird bereits deutlich, dass offensichtlich zwischen kindlichem Zweitspracherwerb und dem Erwerb der Zweitsprache bei Erwachsenen unterschieden werden muss. Des Weiteren lässt sich der ungesteuerte Zweitspracherwerb vom gesteuerten abgrenzen. Ungesteuerter Erwerb ist der Spracherwerb durch die tägliche Alltagskommunikation im Umfeld eines Lerners (Klein 1992, 28). Demgegenüber kann gesteuerter Zweitspracherwerb, den Erwerb durch Zweitsprachenunterricht beinhalten.

Da der Zweitspracherwerb erst dann erfolgt, wenn der Erstspracherwerb weitestgehend abgeschlossen ist (außer bei simultanem Zweitspracherwerb) und zudem Gegenstand zahlreicher Theorien ist, sollen diese hier chronologisch skizziert werden.

Die Kontrastivhypothese (Lado 1957) stützt sich auf die behavioristische Lerntheorie und geht davon aus, dass Kinder durch Imitieren und aufgrund von Belohnung und Bestrafung, lernen. Die Theorie geht zudem davon aus, dass die Strukturen der Erstsprache beim Spracherwerb auf die Zweitsprache übertragen werden, was als Auslöser für Fehler beim Zweitsprachgebrauch bewertet werden kann. Imitation der Erstsprache und die Übertragung der Struktur dieser, ist hier die zentrale Annahme des Erwerbsmechanismus. Das Prinzip, bei dem ein Lerner beim Zweitspracherwerb auf Strukturen der Erstsprache (L1) zurückgreift ist der Transfer. Dieser Erwerbsprozess ist schwer einzuordnen, da es nicht eindeutig beurteilbar ist, ob ein Ausdruck erworben wurde, weil der Lerner ihn aus der L1 übernommen hat oder weil er das System der Zweitsprache (L2) verstanden hat. Leichter zu erfassen ist hingegen ein Interferenzfehler (negativer Transfer), da dieser eindeutig daran zu erkennen ist, dass der Lerner die L1 imitiert und in die L2 überträgt, was dort zu Fehlern führen kann.

Es gibt jedoch zahlreiche Gegenargumente, die behaupten, dass sich die Unterschiede in der Struktur der Sprache leichter lernen lassen und positive als auch negative Auswirkungen auf den L2-Erwerb haben können (Klein 2001, 613). Chomsky (1983) plädierte in den sechziger Jahren für eine Universalgrammatik die der Annahme folgt, dass alle Sprachen einem gemeinsamen grammatischen Prinzip folgen, welches allen Menschen angeboren ist. Der L1-Erwerb einer Grammatik besteht darin, dass das Kind über den reinen Input (ungesteuert) herausfindet, welche Strukturen und Regeln für eine Sprache gelten (Parameter-Setting). Die Lexik muss zusätzlich erworben werden, da dieser Ansatz nur auf die grammatischen Strukturen anwendbar ist. Für den L2-Erwerb bedeutet dies entweder, dass die vorhanden Parameter übertragbar sind und sich auf die L2 übertragen lassen (führt meist zu negativem Transfer); oder aber, die Parameter werden erneuert und die Universalgrammatik wirkt wie im L1-Erwerb.

Im Gegensatz zur Kontrastivhypothese ist für die Identitätshypothese die bereits erworbene Sprache für den Zweitspracherwerb irrelevant, da sie davon ausgeht, dass der Erst -und Zweitspracherwerb einer Zielsprache analog verläuft und den selben universellen und kognitiven Gesetzmäßigkeiten folgt (Klein 2001). Die Muttersprache erhält in dieser Theorie keinerlei Bedeutung. Dieser Ansatz greift auf die Universalgrammatik zurück und unterteilt den Spracherwerb in Erwerbssequenzen. Übergeneralisierung ist hier die angenommene Erwerbsstrategie, die Kontrastivhypothese geriet im weiteren Verlauf der Spracherwerbsforschung unter starke Kritik (ebd.).

Es gibt ebenfalls Gegenargumente gegen die Identitätshypothese, dass die Muttersprache nahezu perfekt beherrscht wird, während die L2 niemals dieses Level erreichen kann (Turgay 2010). Im Gegenteil beeinflussen die bereits erworbenen Strukturen einer Sprache den L2-Erwerb dahingehend, dass es den Erwerb negativ einfärbt und es dadurch zu Fehlern kommt.

Selinker hat 1972 ebenfalls die Kontrastivhypothese überprüft und daraus den Interlanguage-Ansatz entworfen. Selinker führt an, dass der Lerner im Laufe seines Lernprozesses mehrere Zwischenstadien herausbildet und somit mehrere Interlanguages (Übergangssysteme/-sprachen) beherrscht, die sowohl mutter -als auch fremdsprachliche, darüber hinaus aber auch andere, von Erst -und Zweitsprache unabhängige, sprachliche Merkmale aufweisen und sich folglich der zielsprachlichen Norm annähern (ebd.). Dabei wird eine Eigenständigkeit der Lernersprache angenommen. „Der Zweitspracherwerbsprozess verläuft weder linear, noch gleichmäßig, da die Interlanguages variable und instabile Systeme sind. Diese werden durch Prozesse wie Transfer, Übergeneralisierung sowie Strategien zur Kommunikation und zum Lernen bestimmt.“ (Turgay 2010, 14)

„Die Interdependezhypothese geht ursprünglich auf James Cummins (1979) zurück. Sie beschreibt die Annahme, dass beim Fremdsprachenerwerb die Muttersprache eine wichtige Rolle spielt, und zwar insofern, als die Förderung der Muttersprache eine Bedingung für den erfolgreichen Erwerb der Fremdsprache darstellt.“ (Osler 2008, 8) Damit nimmt die kognitive Entwicklung der Muttersprache Einfluss auf die Zweitsprache, wobei in der Erstsprache ein gewisses Niveau erreicht sein muss, bevor sich diese positiv auf die Entwicklung der Zweitsprache auswirken kann (Turgay 2010, 14). Die Autorin veranschaulicht dazu eine Studie von Preibusch (1992)[1] und stellt fest, „dass nicht nur die Erwerbsmechanismen eine Rolle spielen, sondern auch die sozialen Faktoren“ (Turgay 2010, 15).

Als letzte Theorie zum Spracherwerb sei hier die Input-Hypothese, die der Sprachwissenschaftler Stephen Krashen in den siebziger und achtziger Jahren entwickelte, vorgestellt. Krashen geht von einer nativistischen Theorie aus und unterscheidet zwischen dem Erwerb einer Sprachen und dessen Lernen. Beim Lernen einer Sprache arbeiten die Lerner mit einem Monitor, der den Lernprozess beeinflusst und spiegelt. Beim Erwerb einer Sprache wird der Lerner in realen Situationen des Alltags mit der Zielsprache konfrontiert und lernt somit durch das Handeln in sozialen Situationen, dies ist hier mit Input gemeint (vgl. Turgay 2010, 15).

Die verschiedenen Spracherwerbstheorien können hier lediglich angeschnitten werden und sollen die Absischt eines Überblicks verfolgen. Auf der Folie der dargestellten Vielzahl unterschiedlicher Ansätze ist zu beachten, dass keiner die Rolle eines allgemeingültigen Ansatzes übernimmt, sondern eher eine Kombination aller Theorien mit Hinblick auf die verschiedenen zweisprachlichen Sturkturen greifen.

3. Präpositionen

„Die Konstituentenkategorie Präposition umfasst nichtflektierbare Einheiten, die zusammen mit einem Substantiv oder einem Pronomen auftreten. Präposition und Nominal bilden zusammen eine Präpositionalgruppe [Präpositionalphrase], in der die Präposition als syntaktischer Kopf das Nominal in Hinsicht auf den Kasus regiert [zu Kasusrektion siehe Kap. 4.2]“ (Eisenberg 2006, 190). Eine Präposition regiert also einen Kasus, bzw. es ist jeweils eine oder zwei Präpositionen einem Kasus zugeordnet. In den meisten indo-germanischen Sprachen stehen die Präpositionen als Verhältniswörter immer vor ihrem dazugehörigen Bezugswort (in der Schule, bei der Bank, während des Mittagessens).

[...]


[1] In der Studie von Wolfgang Preibusch (1992), erschienen in „Die deutsch-türkischen

Sprachbalancen bei türkischen Berliner Grundschülern: Eine clusteranalytische Untersuchung“ untersuchte er den Zweitspracherwerb türkischer Schüler und stellte unterschiedliche Sprachbestände fest, die an die jeweiligen Familiensituationen gekoppelt waren. Es zeigte sich, dass die Schüler, die aus Familien stammten, welche die türkische Sprache und Kultur unterdrückten und Deutsch die Familiensprache war, schlechte Kenntnisse in beiden Sprachen aufwiesen. Auf der anderen Seite zeigten die Schüler, aus Familien in denen die türkische Kultur und Sprache bewahrt wurde und die Schüler sich dennoch in die Lebenssituation in Deutschland hineinversetzten konnten, dass sie bessere Ergebnisse in der türkischen -und deutschen Sprache erzielten (zusammengefasst nach Turgay 2010, 15).

Details

Seiten
22
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783656630029
ISBN (Buch)
9783656630012
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v270952
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Germanistik
Note
1,7
Schlagworte
türkische Präpositionen deutsche Präpositionen Postpositionen Agglutinierende Sprachen flektierenede Sprachen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Ein Vergleich deutscher und türkischer Präpositionen